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Nr. 125 Zweites Via«
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Lande weitergearbeitet. So nahm man ihn immer weniger ernst, verlachte seine Arbeit und
Elektrowärme, weil nur sie diejenigen hohen Temperaturen erreichen läßt, die zur chemischen Umwandlung vieler Stoffe notwendig sind. Die Gewinnung von Karbid und Stickstoff und ebenso die Herstellung vieler wichtiger Legierungen ist mit der umfangreichen Elektrizitätsanwendung aufs engste verbunden.
Unter den verschiedenen Maßnahmen, die deutsche Auslandsabhängigkeit auf dem Treibstoffgebiet zu verdrängen, spielt die erhöhte Elektrizitätsanwen- düng, nämlich ein verstärkter Einsatz von Akkumulatorenfahrzeugen, eine wesentliche Rolle. Die 20 000 jetzt in Betrieb befindlichen Akkumulatorenfahrzeuge, die jährlich 70 bis 80 Millionen Kilowattstunden verbrauchen, bedeuten bereits eine umfangreiche Einsparung an ausländischen Treib st offen. Das gleiche gilt in noch viel größerem Ausmaß für die zahllosen elektromotorischen Geräte.
Daß die elektrische Energie in Deutschland mit deutscher Steinkohle, deutscher Braunkohlen und deutscher Wasserkraft erzeugt wird, ist bekannt. Erst die Elektrizitätsanwendung hat außerdem dazu verhalfen, den großen deutschen Wasserkraftreichtum überhaupt nutzbar zu verwerten. Rund vier Milliarden Kilowattstunden wurden im Durchschnitt der vergangenen Jahre aus deutschen Wasserkraftvorkommen erzeugt', diese Zahl kann bei weiterem Ausbau vervielfacht werden. Erst ein knappes Viertel der 6V2 Millionen Kilowatt betragenden deutschen Wasserkraftvorkommen ist ausgenutzt. Der gesamte Vorrat entspricht etwa dem Muskelarbeitsvermögen von 200 Millionen erwachsenen Männern.
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Ozeanflugzeuges mit einem neuartig konstruierten Motor, und es handelt sich in der geschickt einge- fädelten und aufgebauten Spielhandlung in erster Linie um rein technische Dinge. Die äußeren Höhepunkte ergeben sich denn auch aus der Schilderung dieser Motorenwelt, in der man sich um ein konstruktives Problem bemüht und auf der Rennbahn um Sekundenbruchteile kämpft. Es ist ja fein Zweifel, daß das große Autorennen auf der Avus mit allen technischen Finessen und filmischen Effekten photographiert, klanglich und sogar psychologisch an den Beschauer herangetragen wird, aber es gibt da eine Grenze der Spannung und im Grunde nichts Neues, seit man dergleichen fast in jeder Wochenschau — wenn auch nicht im Rahmen eines Spielfilms — vorgesetzt bekommt. Interessanter ist schon im zweiten Teil die filmische Erfassung und Uebertragung eines Ozeanfluges samt all den technischen Künsten und Errungenschaften unserer Zeit, die dazu gehören. Aber auch hier bleibt die Spannung für unser Gefühl im wesentlichen äußerer Art: kommt er heil hinüber, durch die Gewitterfront hindurch — und werden sie sich kriegen, wenn er glücklich die Wolkenkratzer von Neuyork unter sich hat? (Denn natürlich ist eine Liebesgeschichte dabei, und die zu Tode gehetzte Romanfrage wird zuletzt — sogar per Mikrophon — freudig bejaht.) Die Wünsche der Durchschnittsbesucher dürften so-
Zwar dankten sie freundlich für jeden Gruß, aber jedem Gespräch gingen sie aus dem Wege. Sie wohnten auch noch nicht allzulange hier draußen. Auch von den übrigen Nachbarn kannte sie kaum einer näher. Sie hausten allein, ungestört, luden niemanden ein, machten selber keine Besuche. Oft genug hatten sie in der Stadt zu tun, um dann mit großen Paketen beloben wieder heimzukehren.
Dem Bäckermeister Markin fiel das auf. So oft er an dem Hause der beiden Nachbarn vorüberkam, verwunderte es ihn, daß die Fensterläden und Gardienen stets dicht geschlossen waren. Und je mehr er herumhorchte, um so verwunderlicher wurde die Angelegenheit. Noch niemand hatte je das Haus der Beiden betreten. Die Männer, die man fast stets beisammen sah, besorgten alle Arbeiten allein. Niemals nahmen sie eine angebotene Hilfe an. Fast war die ganze Geschichte ein wenig unheimlich.
Eines Tages kam der Sohn Martins zu Besuch. Es gab eine ganze Menge zu berichten. Unter anderem auch, daß sich ein falsches Silberstück in der Ladenkasse befunden hatte. Eines jener Stücke, die zur Zeit im ganzen Lande auftauchten und der Polizeibehörde viel Sorge verursachten. Alle Nachstellungen waren bisher vergeblich. Noch war keine Spur von den Tätern vorhan- handen.
Die Nacht nach diesem Besuch schlief Martin unruhig. Schon manchen Abend hatte er sich über das nächtliche Treiben seiner Nachbarn gewundert. Während es am Tage bei ihnen verhältnismäßig still blieb, ging über Nacht das Poltern und Gehämmer los.
lonifch-weimarischen Sprachverwirrung
Epigramm:
Welche Schrift ich zwei-, ja dreimal hintereinander lese? Das herzliche Blatt, Das die Geliebte mir schreibt.
Der alte Bäckermeister überlegte sich die Sache einige Tage. Er sprach mit mehreren Bekannten darüber. Sie waren bereit, seine Aussagen zu oe- zeugen. So wartete er nicht mehr lange. Er war seiner Sache jetzt ziemlich sicher.
Eines Tages erschien er auf der Polizeiwache in Cannstatt und teilte mit, daß er vermutlich eine Spur der Falschmünzer gefunden habe. Man schüttelte den Kopf. Aber als er dann feine Beobachtungen berichtete, wurde man doch aufmerksam.
Man beschloß, so schnell wie möglich zu handeln, um die Bande dingfest zu machen. Der Vorsteher, sowie zwei Gendarmen zogen durch die winkligen Gassen und Gäßchen der Stadt zum Seelberg hinaus.
Die Gartentür vor dem betreffenden Hause war verschlossen. Ein Gendarm öffnete sie. Fäuste donnerten gegen die Tür. Vor dem Garten sammelten sich die Leute an. Ein Gendarm hatte Mühe genug, sie zurückzuhalten.
Einige Zeit verging. Drinnen rührte sich nichts. Erst auf erneutes Klopfen erschien ein Mann und öffnete. Er sah ein wenig verschlafen aus. Verdutzt starrte er auf die Obrigkeit.
„Hausdurchfuchun g", sagte der Beamte. „Sie sind der Falschmünzerei verdächtigt. Warum haben sie nicht gleich geöffnet?" Er schenkte der Versicherung des anderen, daß er und sein Teilhaber nach der nächtlichen Arbeit noch geschlafen hätten, keinen Glauben. Achselzuckend fügte sich der Besitzer in die Haussuchung.
Inzwischen war auch der Teilhaber erschienen. Ein wenig belustigt geleitete er die Beamten durch
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1934 gültig.
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Hochschulnachrichten.
Professor Dr. Prion, Ordinarius für Betriebswirtschaftslehre an der Technischen Hochschule Berlin, hat den an ihn ergangenen Ruf als Nachfolger von Professor Schmalenbach an die Universität Köln abgelchnt.
„Oer stählerne Strahl/'
„Stählerne Strahl" ist der Name
konstruiert, der mit verdampftem Benzin gespeist und elektrisch gezündet wurde.
Sein Wagen besaß bereits Schneckenradsteuerung, Magnetzündung und viele andere neuzeitliche Konstruktionsteile, die erst nach langjährigen und umfangreichen Versuchen später wieder gefunden wurden. Aber soviel Marcus sich auch mühte, er konnte wohl die Geschwindigkeit steigern, doch es gelang ihm nicht, den Lärm des Motors zu dämpfen. Das wurde schließlich sein Verhängnis.
Noch einmal erreichte er, daß er innerhalb Wiens vor geladenen Gästen aus höchsten Kreisen seinen Wagen vorführen durste. Und wieder war es der Radau, der abschreckte. Schon die An- und Abfahrt zu dem Vorführungsplatz genügte, um in den durchfahrenen Straßen die empörten und verängstigten Bewohner zu umfangreichen Protest b r i e f e n zu veranlassen. Obwohl die Probefahrt zu voller Zufriedenheit verlief, griff die Polizei bald darauf endgültig zu. Alle weiteren Fahrten wurden verboten. Marcus hatte fast sein gesamtes Vermögen in den Wagen gesteckt. Als man ihm drohte, den Wagen überhaupt polizeilich beschlagnahmen zu lassen, gab er nach und verkaufte seine sämtlichen Pläne und Konstruktionen an einen holländischen Finanzmann, der sich für feine Arbeiten interessierte. Er erhielt eine anständige Summe, die ihn vor der Armut rettete-
Die Pläne brachten dem neuen Besitzer wenig Glück. Bevor er mit ihnen irgend etwas unternehmen konnte, fallierte sein Kaufhaus. Die Zeichnungen und Konstruktionsanlagen gingen verloren und wurden vergessen.
Erhalten blieb der Wagen. Er bildet heute eines der wertvoll st en Museumsstücke für die Geschichte des Automobilbaus. M a r c u s wurde für lange Jahre vergessen Erst allmählich erinnerte man sich wieder seiner
Andere sprangen bald für ihn in die Bresche, Landsleute, zäher als er, unerbittliche Vorkämpfer und Wegbereiter deutscher Weltgeltung. Kuriose Jahrzehnte begannen. Jahrzehnte, in denen, über tausend Widerstände, Gelächter und Gespött, der Siegeszug des neuen Verkehrsmittels begann, der zu nie erlebtem Triumph deutscher fiel» ft u n fl wurde ...
Die Falschmimer-WerWtle.
1879 gab der Bäckermeister Martin in Cannstatt bei Stuttgart das Geschäft an seinen Sohn ab und zog vor die Stadt. Vier Jahrzehnte hatte er sich geplagt. Jetzt wollte er seine Ruhe haben. Am Seelberg hatte er sich ein Häuschen bauen lassen. Dort wollte er feine letzten Jahre verbringen. Der Seelberg lag dicht vor der Stadt. Man war nicht allzu allein, es wohnten bereits eine gute Anzahl Freunde dort. Und neue würden sich sicher bald hinzufinden.
Man richtete sich ein. Zu den näheren Nachbarn gehörten zwei Männer. Wenn Martin an das Fenster trat, konnte er das rote Dach ihres Häuschens aus den Bäumen leuchten sehen. Er hätte die Beiden gern näher kennengelernt. Doch sie wichen aus.
machte ihn zum Gespött. Die Zeitungen warnten vor ihm. Schutzleute wären bei jeder seiner Hebungen und Probefahrten anwesend. ~ schwerden über den Lärm des Motors
Epigrammen."
Am 6. Juni 1816 schlossen sich Christianens „froh- glänzende" Augen für immer. Noch ein halbes Menschenalter kann Goethe die Erinnerung an sie treu im Herzen hegen. Dankbar-heiter und weltlich-fromm vermag er im Gedenken an sie die Verse
Jenseits dieses Allzumenschlichen aber — vielmehr auch in ihm erscheint das Menschliche dieser Frau, ihre Herzenswärme und Naturfrische, deren sinnenhafte Schönheit widerstrahlt aus den „Römischen Elegien" und den „Venezianischen
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Die Abenteuer des Autos.
Oie aufregenden Erlebnisse seiner Erfinder und seiner ersten Meister. — Von der Benzinkutsche bis zum Grand prigl914.
Von lldo Wolter.
Die deutsche Volkswirtschaft macht seit der nationalsozialistischen Machtübernahme gewaltige Anstrengungen, um die Rohstoffabhängigkeit vorn Ausland zu überwinden. Es ist zwar nicht möglich, in Deutschland Apfelsinen, Bananen oder Baumwolle anzubauen oder in großem Umfang Seidenkulturen zu entwickeln, aber die ununterbrochenen Fortschritte, welche die Chemie auf dem Gebiet der Stoffumwandlung gemacht hat, brachte so weit- tragende Ergebnisse, daß die Ersetzung zahlreicher ausländischer Stoffe durch gleichwertige oder gar höherwertige deutsche Stoffe möglich geworden ist.
Ein Beispiel mag veranschaulichen, welche Rolle hierbei die Elektrizitätsanwendung gespielt hat. Es ist bekannt, daß man heute Aluminium zu zahlreichen Geräten und Maschinenteilen verwendet, daß Aluminium nicht nur für Küchengeräte aller Art, sondern auch in der Elektrotechnik, im Maschinenbau, im Fahrzeugbau und anderen Wirtschaftsgruppen ausgiebig verwendet wird, so daß sich der Aluminiumverbrauch innerhalb weniger Jahrzehnte mehr als vertausendfacht. 1895 zahlte man für 1 Kilogramm Aluminium mehr als 1000 Mark. Heute kostet 1 Kilogramm Rohaluminium nur noch 1,44 Mark. Erst die allmähliche Preisherabsetzung auf ein Siebenhundert - st e l des ursprünglichen Standes hat dem Aluminium den Weg zur praktischen, vielseitigen Anwendung freigemacht und ohne Eelektrizitätsanwendung, nämlich ohne die Elektrolyse, wären Preissenkung und Masseerzeugung überhaupt nicht möglich gewesen.
Aber auch in zahlreichen anderen Fällen haben die Elektrolyse und andere mit Elektrizitätsanwendung verbundene Verfahren zu ähnlich großen Erfolgen geführt. Soda, Chlor, Aetzkali, Aetznatron, Bleichlauge und viele andere Chemikalien können mit Hilfe der Elektrolyse nicht nur billiger, sondern auch reiner als vorher gewonnen werden, ebenso auch die wertvollen Leichtmetalle Natrium, Kalium und Magnesium.
Bereits 1930 verbrauchte die deutsche chemische und metallurgische Industrie nahezu 5,9 Milliarden Kilowattstunden. Ein großer Teil dieser Elektrizitätsmengen wird für elektrolytische Verfahren verbraucht, ein anderer in Form von
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Christiane.
3u ihrem 170. Geburtstage am 1. Juni.
Von Professor Or. Erich jenisch.
Sie ist einfach Christiane. Weder als Christiane von Goethe noch als Christiane Vulpius hat die Zeit ihr Bildnis bewahrt. Für sie ist nicht wesentlich, woher sie kam, nicht, was sie wurde, — sie war und wird bleiben das „kleine Naturwesen", als das sie Goethe im Park von Weimar sah, wie sie ihm die Bittschrift überreicht:
Im Schatten sah ich Ein Blümchen stehn. Wie Sterne blickend, Die Aeuglein schon.
Noch der alte Goethe kann von ihr im Gespräch scherzend zugleich und ernsthaft sagen: „Sollte man wohl glauben, daß diese Person schon zwanzig Jahre mit mir gelebt hat? Aber das gefällt mir eben an ihr, daß sie nichts von ihrem Wesen aufgtbt und bleibt, was sie war."
Die große Wendung, die in Italien sich in Goethes Leben vollzogen hatte, die er selbst als eine Wendung „gegen die Natur , d. h.. zur Natur hm bezeichnet, ist nicht so zu verstehen daß Goethe vor Italien der sinnenhaften Wirklichkeit der Natur abgewandt wäre. Aber in Italien mar er ein anderer geworden: eine neue Ansicht von Welt und Leben hatten sich in ihm entwickelt, die nach seiner Rückkehr keiner der Weimarer Freunde zu verstehen vermochte: „Aus Italien, dem formenreichen, war ich in das gestaltlose Deutschland zuruckgewie- sen, heitern Himmel mit einem düstern zu vertauschen; die Freunde, statt mich zu trösten und wieder an sich zu ziehen, brachten mich zur Verzweiflung. Mein Entzücken über entfernteste, kaum bekannte Gegenstände, mein Leiden, meine Klagen über das Verlorene schien sie zu beleidigen, ich vermißte jede Teilnahme, niemand verstand meine Sprache."
Auch die Frau, die ihm freundschaftlich nahestand, an die er aus Italien seine Tagebücher richtete und der er noch von Terni aus schreiben konnte: „Wie verwöhnt ich bin, fühle ich erst jetzt. Zehn Jahre mit Dir zu leben, von Dir geliebt zu sein, und nun in einer fremden Welt . . Laß uns keinen andern Gedanken haben, als unser Leben miteinander zu endigen". — auch Frau v. Stein hatte sich ihm entfernt. Bald mußte er ihr schreiben: „Wenn ich gesprächig war, hast Du mir die Lippen verschlossen, wenn ich mitteilend war, hast Du mich der Gleichgültigkeit, wenn ich für Freunde tätig war, der
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schreiben:
Gott hab ich und die Kleine Im Lied erhalten reine.
So laßt mir das Gedächtnis Als fröhliches Vermächtnis.
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Kälte und Nachlässigkeit beschuldigt. Jede meiner Mienen hast Du kontrolliert, meine > Bewegungen, meine Art zu sein getadelt .. Wo sollte da Vertrauen und Offenherzigkeit gedeihen, wenn Du mich mit vorsätzlicher Laune von Dir stießest?"
In dieser Lage trat ihm Christiane entgegen: „Ein naives freundliches Wesen, mit vollem runden Gesicht, langen Locken, kleinem Näschen, schwellenden Lippen, zierlichem Körperbau und niedlichen, tanzlustigen Füßchen", wie sie Riemer schildert. In ihr traf Goethe unter dem düstern Himmel des Nordens ein Wesen, unmittelbar hervorgegangen aus der Hand jener Natur, der er sich im Süden zugewandt hatte, ein Wesen, in dessen Nähe es keine Spannungen, Mißverhältnisse, Probleme gab. Wie eine Erinnerung an das Glück Italiens mußte ihm dieses junge, dreiundzwanzigjährige Mädchen erscheinen. Er, der berühmte Dichter, der Freund der Fürsten, er wagte es, inmitten der strengen gesellschaftlichen Schranken, die ihn in der kleinen Landeshauptstadt umgaben, in unmittelbarer Nähe der einstigen Freundin, — er wagte es, offen und mit großartiger Selbstverständlichkeit dieses Geschöpf, aus einer durchaus nicht hoffähigen Familie- — ihr Vater, Amtsarchivar, war vor wenigen Jahren im Säuferwahn gestorben — zu sich in fein Haus zu nehmen. Damit nicht genug: auch Christianens Tante und ihre Halbschwester fanden bei ihm ein Unterkommen.
Goethes Briefwechsel mit seiner Frau zeigt die Eigenart dieser Ehe, die er achtundzwanzig Jahre mit ihr führte. Was sie ihm bedeutete, was sie ihm gab und was sie ihm nicht gab, wird aus ihm deutlich. „Das Vernünftigste wäre vielleicht eine gute wirtschaftliche Gattin für mich, welche ihre Aufgabe darin sähe, mit in dem Zustand zu erhalten, in dem ich meiner überschweren Lebensaufgabe am besten nachkomme ... Sie müßte jung sein sehr heiter, sehr rüstig und wenig oder gar nicht „gebildet", und außerdem eine gute Wirtschafterin, aus eigener Neigung," sagt sich Friedrich Nietzsche Wie eine Verwirklichung dieses Frauenbildnisses erscheint Christiane. Gewiß blieb die eigentlich geistige Sphäre ihr unzugänglich, aber die herzliche, innige seelische Zuneigung hat ihr Goethe sein ganzes Leben hindurch bewahrt, em Zeichen dafür, wie nahe ihm Christiane stand
Was bedeutet es angesichts dieser Tatsache, daß Christianens Briefe ohne die geringfte Rücksicht auf Orthographie geschrieben waren, wie sie „selbst sprach: nämlich thüringisch. Da steht „kram für Graben", „Eeckibbasche" für „Egmpage , „Gfiienqe für „Iphigenie" .. - aber auch „(Einfigeliebter" für „Einziggeliebter". Goethe half sich vor dieser daby-
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Sensation in Wien.
Es war im Jahre 1875. Brütende Mittagssonne lag über den Straßen Wiens. Mit hängenden Köpfen standen die Gäule der Fiaker an den Haltestellen des Jnnenrings, während die Kutscher sich im Schatten der Bäume hielten. Matt und lustlos trieben die Menschen die Straße hinunter.
Plötzlich durchbrach ein fremdes Geräusch die Stille. Ein seltsames Knattern ertönte, die Explosionen häuften sich. Irgendwo wurde geschossen. Einige Müßiggänger wandten sich. Andere schlossen sich an. Das Knattern gewann an Stärke.
Menschen tauchten in der Ferne vor den Häusern auf, ein dunkler, geballter Knäuel, der die ganze Straße überflutete. Eilig fluteten sie heran. Zurufe schallten durch die Luft, Gelächter antwortete.
Und dann erblickte man den Grund dieser ganzen Unruhe. Inmitten der Menschenmenge fuhr ein Wagen, eine alte Kalesche ohne Pferde. Langsam bewegte er sich voran. Niemand achtete der Flüche des Führers, der freie Bahn forderte.
Das Getose nahm zu. Einige Jungens hängten sich trotz des drohenden Motorgeräuschs an die Kalesche an. Da blieb sie stehen. Der Motor schaffte es nicht mehr. Ein Schutzmann kam über die Straße und drängte sich durch die Menge, um Ordnung zu schaffen und den Ruhestörer festzustellen.
Der Mann, dem er gegenüberstand, war der aus Mecklenburg stammende, aber in Wien lebende Ingenieur Marcus, eine große, breite Gestalt, mit groben ungepflegten Händen. Sein Anzug war voller Oelspuren. Er trug trotz der Hitze einen breiten schwarzen Hut. Hinter den breiten Brillengläsern blickten dem Mann des Gesetzes ein Paar blaue, jetzt zornig blickende Augen entgegen. Er packte einen der Jungen und zog ihn von dem Wagenrahmen herunter, auf dem sich der Motor befand. Dann gab er ihm, trotz der murrenden Menge, eine Maulschelle und ließ ihn laufen.
Der Schutzmann griff ein Er trat vor das Gefährt und sah hinein. Wirr genug sah es da drinnen aus, eine Reihe von Hebeln, Drähten und Eisenftangen, aus denen Fein Mensch klug wurde.
Marcus drängte den anderen eifersüchtig von dem Wagen und flieg wieder auf. Seltsam genug nahm er sich da oben aus. Die Menge lachte. Langsam zog der seltsame Wagen weiter. Der Gendarm lief nebenher.
Auf.der Wache stellte man den Wagen sicher. Marcus tobte. Man verwies ihn an den Stadtrat. Sofort machte er sich auf den Weg, um sich einen Erlaubnisschein zu besorgen. Man empfing ihn nicht. Erst am nächsten Tage kam er vor. Da lag jedoch bei den Ratsherren bereits eine Reihe von Beschwerden über Ruhestörung vor.
Eine Sachverständigenkommission trat zusammen, um den Wert des neuen Fahrzeuges zu prüfen. Es fuhr schneller als die Fiaker und die Pferdebahn. Aber es machte ungeheuren Krach und es stank. Es wurde mit Benzin getrieben. Eine Explosion konnte ungeheures Unglück mit sich bringen. Die Kommission sprach sich gegen die Verwendung aus. Schließlich erhielt Marcus die Erlaubnis, sein Vehikel in den Außenbezirken zu erproben.
Marcus gab sich vorerst zufrieden. Er baute und konstruierte weiter. Oft genug blieb sein Wagen stehen, mußte geschoben oder von Pferden heimgeholt werden. Seine Versuche hatten sich allmählich herumgesprochen. Zuschauer fanden sich ein. Jeder Mißerfolg wurde mit Hohn und Gelächter quittiert. Marcus wollte Wien nicht verlassen. Es wäre besser gewesen, er hätte es getan und in der Stille irgendwo auf dem
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Zeitschriften.
— Das Maiheft der Zeitschrift „Neues Volk", Blätter des Rassenpolitischen Amtes der NSDAP., führt uns hinaus in die Stätten des Lebens, wo eine Raffe ihre Tüchtigkeit beweisen muß. In der Zeitschrift „Neues Volk" wird laufend über alle Fragen des täglichen Lebens vom Standpunkt der Raffe aus Stellung genommen; niemand sollte daher die Gelegenheit des mühelosen Schulens in diesen wichtigen Fragen an sich vorübergehen lassen. Das Maiheft führt uns hinaus in'die Stätten des Lebens, wo sich nur gute Raffe behaupten kann. „Neues Volk" ist zu beziehen vom Verlag, Berkin SW 19, Lindenstraße 44.
weit befriedigt fein. Aber wesentlicher scheinen uns die Szenen, deren Spannung — Regie: Franz Wenzler — nicht mit einem Autounglück, mit einem Ozeanflug oder mit einer explodierenden Turbine ihren Gipfelpunkt erreicht und zugleich sich lockert, sondern wo sie gleichsam ins Innere vordringt, in menschliche und seelenhafte Bezirke hineinreicht, wie das vor allem in den Fiebertraumbildern geschieht. Es ist da ferner die Atelierszene einer Filmaufnahme ober der kleine Ausschnitt aus einem Zeitungsbetrieb, die in ihrer Realität mindestens ebenso spannend, dabei aber menschlich bewegter und hintergründiger wirken als die Jagd der Motoren und der rasenden Räder. Karl Ludwig Diehl gibt den Konstrukteur und Rennfahrer Tetsus gepflegt, sympathisch und mit den sparsamen Mitteln, die wir bei ihm gewohnt sind. Dorothea W'i e ck: eine zarte und hingebende Frauengestalt, lebhaft abstechend von der als Typ recht. gut erfaßten, nervösen und oberflächlichen Katja (Friedl Haerlin). Alexander Go Hing in einer scharf profilierten Charakterrolle und Walter Frank als Filmregisseur sind ferner in dem kleinen Ensemble besonders hervorzuheben. — Der Film lief gestern zum erstenmal im Lichtspielhaus. Dazu eine eindringlich bildhafte Werbung für die Schönheit der Arbeit in deutschen Betrieben, Kunstflug - Aufnahmen, ein farbiger Mickymaus- Scherz, die Wochenschau und eine Vorankündigung des Films „Aufforderung zum Tanz". — r—
täglich zu.
Tatsächlich verursachte der Motor des Wagens ungeheuren Lärm. Aber er war trotzdem ein technisches Wunder für damalige Zeit. Schon gegen 1860 hatte Marcus mit feinen Arbeiten begonnen, vier Jahre darauf hatten Fachkreise zum ersten Male von seinen Versuchen erfahren. Nach unermüdlicher Arbeit hatte Marcus einen Motor
i Bange. W. Lange, en übrigen Hans Beck, n: Theadei nb Verlag'. :einbrutferd hen.
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