§reitag,Zb Mai 1935
ttr.125 Erstes Blatt
185. Jahrgang
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noch mehr in Mißkredit z u bringen mit der Behauptung, das Parlament werde niemals den Mut haben, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen. Aber niemals werde die Spekulation mit dem geldverbürgten Franc fertig werden, solange die Franzosen nicht vor ihrer Währung flüchteten. (Beifall.) Notwendig sei in erster Linie die Wiederher st ellung des Vertrauens in den Franc, sonst könne man das Ende nicht absehen. Bei der Einstellung seiner willenlosen Masse wisse man niemals, wo eine Abwertung aufhöre. Die Regierung verlange jetzt Handlungsfreiheit zur Drosselung der Spekulation und zur Bekämpfung der Panik. An dem Grundsatz der Einlösung der Banknoten in Gold solle nicht gerüttelt werden. Aber man könne nicht dulden, daß dieser Grundsatz zu einem unzulässigen Druck auf die nationale Währung mißbraucht werde. Zwangsmaßnahmen gegen „Miesmacher des Franc" seien unvermeidlich. Finanzmini st er Germain- Martin habe ihm seinen Rücktritt angeboten, um die Ermächtigungsoorlage nicht zu gefährden. Er, Flandin, werde vorläufig das Finanzministerium mitoerwalten. Es seien starke Einsparungen unvermeidlich. Wenn sein Kabinett abtreten müßte, so würde die kommende Regierung trotz der Bewilligung von Vollmachten zür Abwertung verurteilt sein. Der Mann auf der Straße, der Durchschnittsfranzose würde sich, nachdem infolge des Krieges schon einmal ein Währungszusammenbruch eingetreten sei, nicht damit ab find en, daß sein sauer erspartes Geld wegen
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der Feigheit der parlamentarischen Vertreter eine neue Wertverminderung erfahren solle. — Flandin hattö, als er nach Beendigung seiner Rede das Regierungszimmer in der Kammer aufsuchte, einen Schwächeanfall. Der ihn begleitende Arzt nahm sich des Ministerpräsidenten an.
Eine letzte Warnung Herriots.
Von der entscheidenden Abstimmung richtete Staatsminister H e r r i o t noch einen letzten Aufruf an die Abgeordneten, der Regierung Flandin die beantragten Vollmachten (die durch Annahme von Abänderungsanträgen im Laufe der Aussprache schon zeitlich eingeschränkt worden waren) zu bewilligen. Herriot warnte vor der Spekulation, die durch eine Regierungskrise neuen Auftrieb erhalten könnte, wies auf die Gefahren des Goldabflusses hin und malte das Gespenst der Entwertung an die Wand. Er fügte hinzu, vielleicht würde eine Entwertung des Franken e i n Wettentwerten in der ganzen W e l t auslösen. Bei der Abstimmung handele es sich um die Beantwortung der Frage: Soll am 31. Mai der Staat die Spekulation besiegen oder wird die Spekulation den Staat besiegen? — Der radikalsozialistische Abgeordnete Bonnet entwickelte dann die Ansicht' des Teiles der Radikalsozialisten, die gegen bie Vollmachten sind. Abgeordneter Kran kl in Bouillon verweigerte die Vollmachten mit der Begründung, daß gegen die Spekulation keine Verordnungen helfen, sondern nur bie Polizei.
das Rücktrittsschreiben zu überreichen. Um 1.40 Uhr nachts, als die Sitzung der Kammer zu Ende war, hatte der Präsident der Republik bereits den Kammerpräsidenten B o u i s s o n zu sich berufen, mit dem er verhandelte, als die Mitglieder des zurückgetretenen Kabinetts erschienen. Oer Präsident der Republik dürfte dem Kammerpräsidenten den Auftrag der Kabinettsbil- düng anbieten und den Wunsch zum Aus- druck bringen, daß die neue Regierung m ö g l i ch st rasch gebildet werde, damit keine große Pause in der Ausübung der Regierungsgewalt eintrete.
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seitdem keine parteipolitische Bindung wieder eingegangen.
pariser Banken aenchilich versieaelt.
Paris, 31. Mai. (DNB. Funkspruch.) In der Nachtsitzung der Kammer hat Staatsminister Herriot auf gewisfe F i n a n z ü b e r w a ch u n g s- maßnahmen angespielt. Wie verlautet, sollen i m L a u f e d e r N a ch t auf Weisung der Pariser Staatsanwaltschaft eine oder mehrere Banken gerichtlich versiegelt worden sein. Keine Schließung der pariser Börse.
pari 9, 31. Mai. (DRV. Funkspruch.) Entgegen in der Rächt verbreiteten Gerüchten wird von der Agentur Havas mitgeteilt, daß die pariser Börse am heutigen Freitag wie üblich slattsinden wird.
Irland niemals Operationsbasis gegen Großbritannien.
Dublin, 31. Mai. (DNB.) Präsident de Valero kam im irischen Landtag auf Gerüchte zu sprechen, die behauptet hatten, daß eine feindliche Handlung gegen Großbritannien von irgendeiner fremden Macht unternommen werden könne, die in Irland möglicherweise Truppen an Land setzen werde. Diese Gerüchte, so erklärte de Valera, erweckten den Anschein, als ob der irische Freistaat bereit sei, irgendeiner fremden Macht Möglichkeiten für einen Angriff auf Großbritannien zu eröffnen. Er stelle mit aller Entschiedenheit fest, daß es keine irische Regierung zulassen wurde, daß das Gebiet des Freistaates als Operationsbasis für einen Angriff auf Großbritannien benutzt werde. Irland werde alles in seiner Macht Stehende tun, um sein eigenes Gebiet zu verteidigen. Ein Krieg in Europa könnte auch für Irland eine sehr ernste Lage mit sich bringen. Irland habe kein Interesse an europäischen Kriegen. Irland sei bereit, ein Handelsabkommen mit Großbritannien zu treffen und feine Käufe Pfund für Pfund zu bezahlen. Es sei sogar bereit, Großbritannien eine Vorzugsbehandlung zu gewähren, Je freundschaftlicher man in Irland Großbritannien gegenüber sei, um so geringer sei das Interesse, dieses Land zu verletzen und um so mehr könne für die Sicherheit dieser beiden Länder getan werden. Unter gewissen Voraussetzungen sei Irland nicht nur zum Abschluß von Handelsverträgen, sondern auch von 23er teibigungsoer trägen bereit.
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Hmßon bildet ein „Kabinett der breiten Union"
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Flandin erscheint.
Ein letzter Appell an die Kammer.
Zur allgemeinen Ueberraschung erschien bann Ministerpräsident Flandin, den Arm in der Binde,, von seinem Arzt begleitet, auf der Regierungsbank. Flandin bestieg sofort die Rednertribüne, um die Vorlage zu verteidigen. Seit einigen Jahren bereits werde von denen, die in Frankreich unter der Krise zu leiden hätten, eine starke Propaganda für bie Abwertung getrieben. Eine Cliaue, bie an die Regierung kommen wolle, versuche die Abwertungsthese durchzudrücken. Im Mai seien Hunderttausende von Flugschriften und Zeitungen im Lande vertrieben worden. Man habe auch die G e m e i n d e w a h l e n auf dem Lande in dieser Hinsicht ausgeschlachtet. Amerikanische Zei- fungsberidjterftatter hätten gemeldet, daß die Kommunisten bald die Herren Frankreichs sein würden. Man habe versucht, das Parlament
Rücktritt -es Kabinetts Flandin.
Oie französische Kammer hat mit 353 gegen 202 Stimmen -er Regierung -ie erbetenen Vollmachten zur Bekämpfung -er Frankenkrisis versagt.—Oas Kabinett Flan-in ist zurückgetreten.—Kammerpräsident Bouiffon mit -er Regierungsbil-ung beauftragt.
Die entscheidende Sitzung der Kammer.
Paris, 30. Mai. (DNB.) In der fieberhaften Spannung eines vollbesetzten Hauses und unter ungeheurem Andrang der Zuhörer wurde am Donnerstagnachmittag bie Kammersitzung eröffnet, in der die Entscheidung über das Ermächtigungsgesetz fiel. Der Kammerpräsident gab zunächst bekannt, daß es der Finanzausschuß a b g e l e h n t habe, in bie Erörterung der Vorlage einzutreten. Der Generalberichterstatter bes Finanzausschusses, B a r e t y , bezeichnete ben Goldabfluß als nicht beunruhigend; trotzdem fei aber die Gefahr nicht außer Acht zu lassen wegen möglicher Rückwirkungen auf die Lage des Schatzamtes. Am 28. Mai feien nicht weniger als anderthalb Milliarden Gold abgemanbert, unb zwar nicht nur ins Auslanb, besten Spekulation sich anfcheinenb feit bem 25. Mai entmutigt zeige> fon- bern ins Inlanb selbst. Gerabe bies müßte als alarmierenbes Anzeichen gelten, baß große Mengen Golb von französischen Staatsangehörigen gekauft worben seien. Es handele sich also um eine Vertrauenskrise, die in erster Linie mit dem Haushaltsfehlbetrag zu begründen fei. Dieser betrage für 1935 sieben Milliarden Franken, während das Schatzamt nur noch über sechs Milliarden flüssige Mittel bis . Ende 1935 verfüge. Die Ausgaben feien u m eine Milliarde höher als veranschlagt unb bie Einnahmen um fünf bis sechs Milliarben niedriger. Höchst beunruhigend sei auch der Fehlbetrag der Eisenbahn- gesellschaft mit rund vier Milliarden. Die Lebenshaltung der Nation sei eben nicht mehr ihren Einnahmen angemessen. Aus allen diesen Gründen habe der Finanzausschuß mit Stimmenmehrheit die Vorlage a b g e l e h n t, aber gleichzeitig seinen Willen bekundet, den Franken zu schützen und die Spekulation zu treffen.
Der Schwerindustrielle Fernand Laurent übte ironische Kritik am Kabinett Flandin. Das Kabinett Flandin habe sich bei seiner Vorstellung in der Kammer als Verteidiger der Vorrechte des Parlaments aufgespielt; jetzt wolle er diese Vorrechte beschneiden. Seinerzeit habe die Regierung nur eines im Auge gehabt, dieHausse der Renten und die Baisse der Geldsätze. Man erlebe aber jetzt einen Rückgang der Rentenkurse und eine Verteuerung des Geldes.
Die Finanzlage habe am 13. Wal angefangen, ernst zu werden, also genau a n dem Tage, als Laval sich in IH.oskan vor dem Grabe Lenins verneigt habe. Damit habe die reote Front in Frankreich neuen Auftrieb erhalten. Wenn sich die Regierung auf das Vorbild poincarLs berufe, fo fei zu erwidern, daß hinter poincare das ganze Land gestanden habe, aber Flandin fei kein poincare. Das Schicksal des Franken dürfe nicht mit dem Kabinett Flandin verknüpft werden.
Der frühere Finanzminister R e y n a u d sagte, daß obwohl er selbst Anhänger einer Abwertung sei, heute, imZeichen der Panik, von einer solchen Maßnahme keine Rede sein könne. Die einzige Rettung für das. Land bleibe, daß in der kommenden Nacht eine neue Regierung aus Mitgliedern aller Parteien gebildet werde, der man morgen bie V o l l m a chten nicht verweigern würde. Damit wäre eine psychologische Wirkung erzielt, mit deren Hilfe man der Spekulation den Hals brechen und Frist gewinnen könne, um die Angleichung der französischen Währung an die übrigen Währungen vorzuberei- ten. Der Neusozialist Seat machte der Regierung zum Vorwurf, daß sie erst jetzt Vollmachten verlangt, die sie schon längst nach einem genauen Programm hätte beantragen müssen. Wenn man nicht Roosevelt sein wolle, dann laufe man Gefahr, Brüning zu werden. Eine gewaltige Deflation unter den jetzigen Umständen würde zwangsläufig zum Bürgerkrieg führen.
Die Demission.
Rach der Abstimmung über das Ermächtigungs- gesch, bei der die Regierung mit 151 Stimmen in der Minderheit blieb, begaben sich die Regierungsmitglieder zum Ministerpräsidenten Flandin in dessen Wohnung. Der Ministerpräsident unterzeichnete das Rücktrittsschreiben selbst und blieb wegen seines Gesund- heitszustandes zu Hause, während die anderen Minister sich gegen 2 Uhr nachts ins Elysee begaben, um dem Präsidenten der Republik Lebrun
Skagerrak.
Von Konteradmiral a. D. Brüninghaus, ehem Kommandant des Linienschiffes „König".
Arn 1. Juni 1794 schlug Admiral Lord H o w e die Franzosen bei Cap Ouessant so vernichtend, daß er mit sieben französischen Linienschiffen im Schlepp in den Hafen von Portsmouth einlaufen konnte. Seit diesem Seesiege, zu dessen Erinnerung dav dankbare England eine Denkmünze mit der Inschrift „Non Sorte, sed Virtute“ (Nicht dem Zufall, sondern der Tüchtigkeit) prägen ließ, ist der „Glorius First of June“ einer der populärsten Feiertage für das englische Volk gewesen biszurSeeschlacht vor dem Skagerrak. Als am Spätnachmittag des 31. Mai 1916 die Gros der beiden Linienschiffs- geschwader unter den Admiralen Scheer und I e l • licoe ins Gefecht kamen, ließ der Chef des vordersten englischen Geschwaders an seinen Verband das Signal machen: „Gedenkt der Ueberlieferung des ruhmvollen I.Iuni! Rächt Belgien!" Er wählte sogar für das Wort „rächen" nicht die gewöhnliche Sprechweise „Revenge“, sondern das poetische „Avenge“. Mir ist sehr zweifelhaft, ob dieser Appell bei der doch sehr nüchternen Denkweise der englischen Seeleute wohl den beabsichtigten Erfolg Hervorrufen konnte. nTX. v ,
Da im vorigen Jahre die 20jährige Wiederkehr des deutschen Seesieges vor dem Skagerrak überall gebührend gefeiert wurde, darf ich mich heute darauf beschränken, darauf hinzuweisen, daß der Verfasser des bekannten Werkes „Mit der Grand Fleet im Weltkriege" zum Skagerraktage eine Studie in der Marine-Rundschau hat erscheinen lassen, die unter dem Titel „Nachkriegsgedanken über die Skagerrakschlacht" von Konteradmiral a. D. G. v. S ch o u l tz (Helsingfors) in sehr aufschlußreicher und fesselnder Weise die Seestrategie und Taktik der Engländer unb bie unsere beleuchtet. Der zaristische Kapitän G. von Schoultz, der als Verbindungsoffizier auf dem Flaggschiff des Admirals Burney eingeschifft war, hat die Skagerrakschlacht selbst au f englischer Seite mitgemacht. Er hält, um das vorwegzunehmen, mit einer maßvollen Kritik auch an gewissen deutschen Maßnahmen nicht zurück, kommt aber mit Bezug auf die Schlacht selbst zu folgendem Schluß: „In der Skagerrakschlacht haben sich die Deutschen als ihren Gegnern überlegen erwiesen, und das ist für eine junge Flotte, die noch keine großen Kriegserfahrungen gesammelt hatte, im Ringen mit der stärksten, sieg- und traditionsreichsten Flotte der Welt ein glänzendes Ergebnis".
Daß oft anscheinend kleine, nebensächliche Dinge im entscheidenden Augenblick eine große Rolle spielen können, beweist die in dem offiziellen Marinewerk enthaltene und auch von Schoultz wiedergegebene Kriegslist, die Admiral Scheer beim Verlassen der deutschen Küste anordnete. Zur Täuschung der englischen Funkpeilstationen wurde das Funk- a n r u f z e i ch e n des Flottenflaggschiffes „Friedrich der Große" mit dem der Funkstation auf der dritten Wilhelmshavener Einfahrt ausgewechfe 11. Infolgedessen wurde sowohl dem Admiral Iellicoe, dem Chef der Grand Fleet, wie auch dem Admiral B e a 11X), dem Chef der Schlachtkreuzer, von der englischen Admiralität mitgeteilt, das deutsche Flottenflaggschiff und damit auch das deutsche Gros lägen noch auf der Jade! Diese Kriegslist spielte tatsächlich am Nachmittag des 31. Mai eine bedeutsame Rolle. Sie hielt Iellicoes Entwicklungsmanöver auf und durchkreuzte feine Pläne. Die schlechte Aufklärungsorganisation Beattys half ihrerseits den Deutschen, ebenso wie Scheers geschicktes Manöverieren, in erster Linie aber seine unerwarteten Kehrtwendungen. Da ich selbst das vorderste Linienschiff „K ö n i g" in der Skagerrakschlacht befehligt habe, auf das sich zeitweise nahezu das Feuer aller englischen Schiffe konzentrierte, kann ich aus eigener Wissenschaft bestätigen, daß das berühmt gewordene mehrmalige Herumwerfen der langen S ck l a ch t l i n i e durch Kehrtmachen mitten im stärksten feindlichen Feuer für jeden, der dabei war, eine einzigartige und stolze Erinnerung bleiben wird. Scheers Vertrauen in seine, in langer Friedensarbeit geschulten Besatzungen wurde nicht enttäuscht.
Admiral von Schoultz unterzieht die See- strategie der Engländer einer nach meiner Ansicht richtigen Kritik. Die Seestrategie ist in England ftets von b e r Regierung unb nicht von ben Abmiralen gemacht worben. Auch N e l s o n , der in taktischen Fragen nie eine höhere Defehlsgewalt über sich anerkannte, fügte sich dieser Ueberlieferung. Auch der „Draufgänger" B e a 11 y , im Weltkriege mohl der populärste Admiral Englands, ordnete sich in dem Augenblick der Seestrategie, wie sie London für richtig hielt, unter, als er Nachfolger Iellicoes im Flottenkommando wurde. In taktischer Hinsicht allerdings waren die Ansichten Iellicoes unb Beattps grunbver- schieben. Der angriffslustiqe Beatty mar das genaue Gegenteil von dem vorsichtigen, nach Ansicht seiner Gegner im eigenen Lager zu vorsichtigen Ielli- coe. Es liegt in der Natur der Dinge, daß dieser Zwie- spalt sich auch in der Skagerrakschlacht ungünstig für die Engländer auswirkte. Was der Chef der Schlachtkreuzergeschwader mit schweren Opfern erreicht hatte — nämlich die deutsche Flotte zwei bis drei Stunden auszuhalten — wurde vom Flottenchef Iellicoe nicht ausgenutzt, weil er eben nichts aufs Spiel setzen wollte. Schoultz ist so scharf in feinem Urteil, daß er wörtlich sagt: „Man könnte denken, es wären nicht Teile derselben, sondern höchstens „verbündete" Flotten gewesen, die vor dem Skagerrak gegen die Deutschen fochten, ohne einander zu verstehen, so verschieden war ihre Taktik."
Am schärfsten ist später Iellicoe von Admiral ! S t u r d e e dem Admiral des Falklandgeschwaders, I in der Skagerrakjchlacht Chef des vierten englischen
Aachttiche VesprechMgen.
Paris, 31. Mai. (DNB.-Funkspruch.) Kammer- Präsident B o u i s s o n hat in der Nacht zum Freitag bis um 4 Uhr Vorverhandlungen über die Lösung der Ministerkrise geführt. Man rechnet damit, daß der Präsident der Republik ihm heute früh offiziell b.e n Auftrag zur .Kabinettsbildung geben wird und er auch im Stande fein wird, eine' grundsätzliche Antwort zu erteilen. Bouisson dürfte sich um die Bildung eines Kabinetts auf einer breiteren Grundlage bemühen, das von ben Altfozialisten bis zur republikanischen Vereinigung Loms Martin gehen soll.
In ber Nacht hatte Bouisson llnterrebungen mit bem bisherigen Kriegsmarineminister P i e tri, ber als früherer Finanzminister veilleicht als Nach- k.o l g e r Germain-Martins in Frage kommt mit bem bisherigen Postminister Manbel und mit Herriot sowie mit einer Abordnung der sozialistischen K a m m e r f r a f 1: i o n Man nennt den sozialistischen Abgeordneten Frossard der ein Anhänger der Negierungsbeteiligung ist, bereits als künftigen Arbeitsminlster. Im übrigen hat man allen Grund zu ber Annahme, daß bie Regierungsbilbung, wenn irgenb möglich, noch Freitag vormittag erfolgt.
Der kommende Rann.
Paris, 31.Mal. (DRV. Funkspruch.) Kammerpräsident Fernand Bouisson hat sich heute vormittag in seiner Unterredung mit dem Präsidenten der Republik bereiterklärt, ein „Kabinett der breiten Union" zu bilden.
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Kammerpräsident Fernand Bouisson, der als der Mann der Stunde gilt, ist Abgeordneter von Marseille. Er steht im 61. Lebensjahr, ist aus Constantine (Algier) gebürtig und von Beruf Industrieller. Im Jahre 1909 mürbe er zum erstenmal zum Abgeorbneten gewählt, 1924, als er auf ber Liste bes Linkskartells roieber zum Abgeorbneten gewählt würbe, trat er ber Sozialistischen Partei bei. 1927 würbe er a I s S o z i a - list zumKammerpräsibenten gewählt, ein Amt, in bem er sich als unbestrittener , P r a - sidenten-Fachmann" einen Ruf schuf. Vor etwa zwei Jahren vollzog Bouisson ohne erficht- lichen Grund Unb ohne großes Aufsehen seinen Austritt auf der Sozialistischen Partei und ist
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