gegen heute unser Heer betrachten, dann sehen wir in diesem Reichsheer die guten Grundlagen des Staates, wir sehen in ihm die Formationen, die das Lebensrecht und die Existenz des deutschen Volkes nach außen hin zu verteidigen jederzeit bereit sind, auf die der Führer und das deutsche Volk voll Vertrauen blicken und auf die der Führer und das Volk in berechtigter Weise stolz sind.
Die Parteien schmälerten einst das Ansehen der Regierung und hetzten das Volk gegeneinander, und so wurde aus dem Reiche Bismarcks ein Reich der Parteien, die sich gegenseitig zer- fleischten und das Volk schädigten zur Freude jener Staaten, die unserem Vaterlande feindlich gesinnt waren.
Das Ende erlebten wir dann darin, daß alle Stände und Schichten des deutschen Volkes abwärts glitten, es dem deutschen Volke und dem Einzelnen immer schlechter ging und die Not immer entsetzlicher wurde.
Heute dagegen erleben wir einen Neuaufbau unseres Volkes und Vaterlandes, den wir ständig in erfreulicher Weise vorwärtsschreiten sehen. Bevor dieser Neuaufbau aber in Angriff genommen werden konnte, mußten die Voraussetzungen in geistiger und seelischer Hinsicht für dieses Werk vorhanden sein. Diese Voraussetzung hat nur einer geschaffen: Adolf Hitler, dem wir das alles zu verdanken haben.
Adolf Hiller hat um die Seele des deutschen Volkes gekämpft, er machte dem deutschen Volke klar, daß nur durch das Zusammenarbeiten aller Stände und Berufe das Wohl des Staates und des ganzen deutschen Volkes erreicht werden könne. 3m Kampfe gegen die Parteien hat er die Grundlagen für den Aufbau geschaffen, den wir heute im Gange sehen.
Durch das Reichsstatthaltergesetz fiel die Macht der Länder. Mit dem gestern veröffentlichten Gesetz ist nun auch die letzte Schranke gefallen, sind nunmehr die Staatsminister keine Staatsminister mehr, sondern nur noch Behördenvorsteher. Heute haben wir in diesem Gesetz die Grundlagen und Voraussetzungen für die Neugestaltung des Reiches, denn nunmehr sind auch die Länder beseitigt und die Reichs statt Halter ausführende Organe der Reichsregierung. Damit ist jetzt schon, zwei Jahre nach der Machtergreifung, ein einheitliches Reich, eine einheitliche Führung und eine einheitliche Staatsgewalt geschaffen, die vom Führer a u s g e h t. So ist durch die gewaltige Geistesmacht eines einzigen Mannes, des Führers, ein geeintes deutsches Volk geschaffen worden.
Der Redner forderte dann alle Volksgenossen auf, an diesem großen Werke des Führers immer mitzuarbeiten und sich dabei stets mit allen Vorgängen der staatlichen Neugestaltung vertraut zu machen. Bei der Betrachtung der Grundlagen für diese Mitarbeit erklärte der Redner, er unterscheide heute zwei Arten von Nationalsozialisten. Er sagte: Jeder Deutsche ist ja heute Nationalsozialist, auch der . frühere schärfste Gegner von uns, weil er doch zugeben muß, daß es jetzt wieder aufwärts geht, und er die früheren furchtbaren Zustände nicht mehr herbeiwünschen kann. Ich kenne die Parteigenossen von früher, die mit der Bewegung groß geworden sind, weiter diejenigen, die e i n - getreten sind und sich eifrig an den Schulungsabenden beteiligen, sowie die Masse des Volkes, die mit dem Herzen das erfaßt hat,was der Führer will und die ebenfalls die Gedanken des Führers mitträgt. Ich kenne aber auch die gelernten Nationalsozialisten, die zwar ihr Opfer bringen für den Wiederaufbau unsere^ Volkes, die aber mit dem Herzen nicht beim Nationalsozialismus sind.
Wir wollen aber nicht gelernte Rationalsozia- liffen, sondern wir wollen den deutschen Menschen, der mit dem herzen dabei ist und alle Zeit bereit steht, auch das Letzte herzugeben für das große Werk des Führers im Interesse des deutschen Volkes. Solche Menschen brauchen
wir, die aus innerer Begeisterung Mitarbeiten, die aus ihrer inneren Einstellung heraus die anderen Volksgenossen mitreihen, bei denen bet unverbrüchliche Glaube an den Führer vorhanden ist, ebenso wie bei den alten Parteigenossen. Denn wir wissen, daß alles, was der Führer bisher getan hat, stets zum Wohle des deutschen Volkes war, und daß alles, was er weiter tut, nur zum heile des deutschen Volkes sein wird. Dir wissen, daß wir keinen edleren und keinen größeren Menschen unter uns haben, als den Führer Adolf Hitler, dem wir immer unser ganzes Sein voll Vertrauen überlassen können.
Wenn heute in manchen Gegenden des Reiches Meinungen geäußert werden, die z. B. an dem Werk der ,Lraft durch Freude" Kritik üben und erklären, es werde viel zu viel für den Arbeiter getan, der deutsche Arbeiter werde verwöhnt usw., so ist dazu nur zu sagen, daß der deutsche Arbeiter früher nicht zu seinem Recht gekommen ist und als vierter Stand behandelt wurde. Wir haben aber 1914 erlebt, daß trotz der Verseuchung durch den Marxismus und trotz der Verhetzung durch die Sozialdemokratie dieser deutsche Arbeiter aufstand wie ein Mann und sich bereitstellte zur Verteidigung der deutschen Heimat, des deutschen Bodens, obwohl er selbst keinen Anteil an diesem Boden hatte. Damit hat der deutsche Arbeiter gezeigt, welche großen Werte in ihm liegen. Diejenigen, die glauben, heute noch immer besondere Rechte für sich in Anspruch nehmen und eine bevorzugte Behandlung fordern zu können, werden sich daran gewöhnen müssen, daß ihnen das Verwöhntsein abgewöhnt wird.
Wir kennen nur ein deutsches Volk und gleiche Rechte für alle, die jedem Stand des Volkes zugebilligt werden. Der Rationalsozialismus kennt keine Unterschiede im deutschen Volke, er kennt feine Schicht der Herren und keine Schicht der Diener, sondern jeder deutsche Volksgenosse soll mit allen seinen Kräften beitragen zur Arbeit für die Gesamtheit.
Das ist das Reich, das der Führer will, wofür wir ein Jahrzehnt lang gekämpft haben, wofür die deutschen Volksgenossen in den beiden letzten Jahren freudig opferten und das wir stets mit allen Kräften zu verteidigen bereit sind gegen' alle Angriffe von außen und von innen. Dieses Reich hat sich bewährt in der Einigung der deutschen Stämme und Schichten. Das ist ein ungeheurer Gewinn, den seit einigen Jahrtausenden die Besten der Deutschen kaum jemals zu erhoffen wagten. Wenn wir heute diesen Rückblick anstellen und lassen die Zeit der letzten 20 Jahre an uns vorüberziehen, so ist es uns wie ein Traum, wie rasch und gewaltig das alles gekommen ist, und es kommt uns dabei klar zum Bewußtsein, in welch großer und gewaltiger Zeit wir leben und wie alücklich und froh wir sein können, daß wir in dieser Zeit die Einigung der deutschen Stämme erleben dürfen. Diese Erkenntnis müssen wir immer wieder in uns beherzigen.
Daraus erwächst uns aber auch die Pflicht, alles zu tun, damit die Grundlagen für dieses gewaltige Werk stets fest im Herzen des deutschen Volkes gelegt sind, damit der Gedanke der Volksgemeinschaft immer tiefer wurzelt und sich immer mehr in unseren Herzen befestigt, damit das Dritte Deutsche Reich, das wir aufbauen und über alle Zeiten hinweg befestigen wollen, auch der Stolz der kommenden deutschen Volksgenossen ist.
Wir wollen uns dieser Pflicht immer bewußt fein und mit gläubigem Herzen dem Füh - rer in vollem Vertrauen folgen, damit wir selbst einst sagen können: Wir haben auch einen Anteil am Aufbau dieses deutschen Volkes. Wir können mit Stolz und mit Ehre dem Führer in die Augen schauen. Wir wollen alle feine G e - Hilfen sein bei der Vollendung dieses großen
und herrlichen Reiches der Deutschen, das bestehen soll auf Jahrtausende. Diesen Willen und diese Treue und Bereitschaft zur Arbeit am Werke unseres Führers geloben wir, indem wir dem Führer unser dreimaliges Sieg-Heil darbringen.
Voll Begeisterung stimmte die große Versammlung in dieses Sieg-Heil des Dankes und des Gelöbnisses für Adolf Hitler ein. Anschließend wurde gemeinsam der erste Vers des Horst-Wefsel- Liedes gesungen. Dem Redner brachte der langan-
Veränderungen im Gießener Gtadtrat.
Die Bürgermeisterei Gießen (Gemeinde-Wahlkommission) gibt im heutigen Anzeigenteil bekannt, daß an Stelle der aus dem Stadtrat ausgeschiedenen früheren Mitglieder Gerichtsassessor Wilhelm Hahn und Gastwirt Franz S o l d a n der Schlossermeister Karl Braun und der Kaufmann Wilhelm Wilke in den Stadttat eingetreten sind.
Wichtige Lohnsteuer-Bestimmungen.
Vorn Finanzamt Gießen wird uns mitgeteilt:
1. Bei Abführung der Lohnsteuer in bar oder durch Ueberroeifung:
a) Arbeitgeber, die im Kalenderjahr 1934 die Lohnsteuer ihrer Arbeitnehmer in bar oder durch Ueberroeifung abgeführt haben, müssen für jeden am 31. Dezember 1934 bei ihnen beschäftigt gewesenen Arbeitnehmer dem Finanzamt die Steuerkarte 19 3 4 mit der vollzogenen Lohnsteuerbescheinigung auf der zweiten Seite derselben übersenden. Die Ueberfenbung hat bis zum 15. Februar 1935 an das Finanzamt zu erfolgen, in dessen Bezirk die Steuerkarte 1935 ausgeschrieben worden ist. Die Steuerkarten dürfen also diesen Arbeitnehmern nicht ausgehändigt werden.
b) Für die im Kalenderjahr 1934 beschäftigten Arbeitnehmer, deren Steuerkarte 1934 dem Arbeitgeber nicht Vorgelegen hat, und für die vor dem 31. Dezember 1934 ausgeschiedenen Arbeitnehmer, bei denen die Lohnsteuer- bescheinigung auf Seite 2 der Steuerkarte 1934 beim Ausscheiden aus dem Arbeitsverhältnis versehentlich nicht ausgestellt worden ist, müssen die Arbeitgeber Lohnsteuer- überroeisungsblätter zum gleichen Zeitpunkt an das Finanzamt der Betriebsstätte übersenden. Vordrucke zu Lohnsteuer-Ueberwei- sungsblättern werden von den Finanzämtern auf Antrag unentgeltlich an die Arbeitgeber abgegeben.
2. Bei Verwendung von Steuermarken: Arbeitnehmer, für die im Kalenderjahr 1934 Steuermarken verwendet worden sind, sind verpflichtet, die in ihrem Besitz befindlichen Steuerkarten 1934 mit den mit Marken beklebten Einlagebogen bis zum 15. Februar 1935 bei dem Finanzamt abzuliefern, in dessen Bezirk sie am 10. Oktober 1934 gewohnt haben.
3. Alle Arbeitnehmer, die am 31. Dezember 1934 in keinem Dienstverhältnis standen, sind verpflichtet, die in ihrem Besitz befindlichen Steuerkarten 1934 bis zum 15. Februar 1935 bei dem Finanzamt abzuliefern, in dessen Bezirk sie am 10. Oktober 1934 gewohnt haben.
4. Für Arbeitnehmer, deren Arbeitslohn im Kalenderjahr 1934 den Betrag von 8400 RM. überfliegen i)atr sind von dem Arbeitgeber außer der Lohnsteuerbescheinigung auf der Steuerkarte 1934 besondere Lohnzettel auszuschreiben und bis zum 31. Januar 1935 an das für den Arbeitnehmer nach feinem Wohnsitz zuständige Finanzamt einzusenden. Wird der Lohnzettel an die zweite Seite der Steuerkarte 1934 angeklebt, dann erübrigt sich die Ausschreibung der Lohnsteuerbescheinigung auf Seite 2 der Steuerkarte. Vordrucke zu Lohnzetteln werden den Arbeitgebern auf Antrag vom Finanzamt kostenlos geliefert.
haltende starke Beifall der Versammlung die volle Zustimmung der Hörer zu seinen Worten zum Ausdruck.
Hierauf verließen die Sahnengruppen mit den vier Ortsgruppenfahnen unter dem deutschen Gruß den Versammlungsraum. Damit fand die Kundgebung ihren Abschluß. Bei musikalischen Darbietungen des Musikzuges der Standarte oerbfleben die Volksgenossen sodann noch einige Zeit beisammen.
Herrenloses Geld im Schnellzug.
Im Schnellzug Frankfurt—Gießen—Hagen fan- den gestern nachmittag Reisende im Netz eines Abteils einen Koffer und eine Tasche. Die Tasche enthielt eine beträchtliche Summe Bargeld. Da sich im Zuge niemand als Inhaber der Gegenstände meldete, wurden sie in Herborn aus dem Zuge geholt und im Bahnhof in Verwahrung genommen. Wie wir hierzu auf Anfrage an zuständiger Stelle erfahren, hat die Angelegenheit inzwischen ihre Aufklärung gefunden. Eine Frau aus Lich, die in Frankfurt Einkäufe getätigt hatte und den Schnellzug zur Rückreise benutzte, stieg in Gießen um, ließ aber den Koffer und die Tasche versehentlich liegen. Koffer und Tasche mitsamt dem Geldbetrag konnten nach telegraphischer Anforderung der Inhaberin wieder zugestellt werden.
Gießener Wochenmarktpreise.
* Gießen, 31. Jan. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Molkereibutter, das Pfund 1,50 bis 1,55 Mark, Landbutter 1,42, Matte 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, frische Landeier 11 bis 13, ausländische 10 bis 13, inländische Kühlhauseier 10 bis
Gedenket der hungernden Vögel! Schuht die Tiere vor der Kälte!
13, Wirsing, des Pfund 10 bis 12, Weißkraut 8 bis 10, Rotkraut 15, Gelbe Rüben 8 bis 10, Rote Rüben 8 bis 10, Spinat 18 bis 25, Unterkohlrabi 8 bis 9, Grünkohl 12 bis 15, Rosenkohl 20 bis 25, Feldsalat 70 bis 80, Zwiebeln 10 bis 12, Meerrettich 25 bis 50, Schwarzwurzeln 25 bis 30, Kartoffeln 4 Pf., der Zentner 3,20 bis 3,50 Mark, Aepfel, das Pfund 12 bis 15 Pf., Blumenkohl, das Stück 40 bis 60, Salat 20, Endivien 10 bis 20, Lauch 5 bis 10, Rettich 5 bis 10, Sellerie 10 bis 30<
Vornotizen.
— Tageskalender für Donnerstag: Stadttheater (Deutsche Bühne), 20 bis 22.15 Uhr: „Was ihr wollt". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Hermine und die sieben Aufrechten". — Astoria- Lichtspiele: „Dick und Dof". — Oberhessischer Kunst- oerein, Turmhaus am Brandplatz, 16 bis 17 Uhr: 1. Jahres-Ausstellung.
— Stadttheater Gießen. Heute abend geschlossene Vorstellung für die NS.-Kulturgemeinde, Ring Deutsche Bühne, Aufführung des Lustspiels: „Was ihr wollt" von Shakespeare unter der Spielleitung von Intendant Hanns König. Kein Kartenverkauf!
— Gießener Hochschulgesellschaft. Am kommenden Montag findet im Saale des Studentenhauses ein Lichtbilder-Vortrag von Unioersi- tätsprofessor Dr. Zwick über seine Studienreise in den Vereinigten Staaten statt. (Siehe heutige Anzeige.)
— Kolonialausstellung in Gießen- Vom 1. bis 9. Februar wird im Saale des „Einhorn" am Kirchenplatz die „Deutsche Kolonial- Wanderausstellung" gezeigt, die in der Erinnerung an den Erwerb der deutschen Kolonien vor 5Ö Jahren vom Kolonialpolitischen Amt in München zusammengestellt worden ist. Die Eröffnungsfeier findet am morgigen Freitag, 1. Februar, statt. Die Ausstellung verfolgt den Zweck, in allen Kreisen der
Aus der Provinzialhauptstadt.
Mit Percy kann man Pferde stehlen!
Eine tolle Sache aus dem Wilden Westen. Don O. W. poenicke.
1.
Der Cowboy Percy Pukridge steckte sich den schwersten Coltrevolver ei» und begab sich mit wuchtigen Schritten zu Jasomir Pancake. Pancake besaß die größte Ranch an der mexikanischen Grenze, die schönsten Pferde und eine hübsche Stieftochter, in die sich Percy verknallt hatte. Grace mochte den armen Cowboy nicht weniger gern, und ganz Los Bavos wartete darauf, daß die beiden ein Paar würden. Percy klopfte und trat ein.
„Tag, Mr. Pancake", brummte er, „ich komme wegen Grace —"
Der Alte kauerte in einem Sessel wie ein zeusam, mengerollter Igel und kicherte:
„Habt Ihr schon mit Grace gesprochen? Natürlich habt Ihr schon mit Grace gesprochen! Also in Gottesnamen — Ihr sollt sie haben! Werdet glücklich mit ihr!"
„Na, dann ist ja alles in Butter", sagte Percy.
„Einen Augenblick", meinte Pancake, „da hätte ich noch eine Bedingung! Ich möchte einen Gaul von Euch haben, Percy! Bringt mir heute abend das schönste und beste Pferd aus Los Banos, bann könnt Ihr morgen Hochzeit machen. Ihr sollt mir Eure Geschicklichkeit beweisen, Percy! Und Euren Pferdeverstand. Grace soll nur einen Kerl haben, der in die Welt paßt. Wenn Ihr mir heute abend den Gaul bringt, habt Ihr Grace und noch tausend Dollar dazu."
Percy kratzte sich den Kopf.
„Woher soll ich ein Pferd nehmen? Ich bin ein armer Cowboy, Pancake!"
Der Alte kicherte:
„Jim Scott hat fabelhafte Pferde!"
„Seid Ihr verrückt? Soll ich Pferde stehlen?"
„Habe ich das gesagt? Wiedersehen!"
Und Percy ging wutschnaubend.
2.
Am Abend kam Percy mit einem wirklich fabelhaften Gaul. Die alte Pancake bemühte sich vergebens, ihr Entzücken zu verbergen.
„Ich hoffe, Percy, mein Mann wird zufrieden sein. Er muß bald kommen. Wollt Ihr nicht warten?"
„Keine Zeit. Könnt Ihr mir nicht das Geld auszahlen?"
„Tausend Dollar waren es?"
Percy nickte.
„Tausend."
Die Alte stöhnte. Dann kramte sie in der Kommode.
„Ich habe nur neunhundert Dollar, Percy. Wollen wir es dabei lassen?"
„Meinetwegen", knurrte Percy und steckte das Geld ein.
3.
Am Abend kam der alte Panoake heim.
„Ist der Gaul da?"
Die Alte nickte:
„Ja. Percy hat das Pferd gebracht. Ein selten schönes Tier, Jasornir. Ich habe hundert Dollar heruntergehandelt, neunhundert hat er nur gekriegt und war auch zufrieden."
Der Rancher sank ächzend auf einen Stuhl und starrte entgeistert seine Frau an.
„Verflucht!", schrie er, „ich habe doch dem Kerl, dem Percy schon auf der Straße die tausend Dollar und das Jawort gegeben!"
Er rannte zur Tür.
In diesem Augenblick kam der Sheriff vorbei.
„Hallo, Sheriff", rief ihn Pancake an. „Ihr geht doch zum Markt runter? Wenn Ihr Percy trefft, sagt ihm, er möchte sofort noch einmal zurückkommen — ich hätte was Wichtiges für ihn!"
4.
„Das verstehe der Teufel!", sagte Percy und blickte den Sheriff kopstchüttelnd an. „Ich habe ihm ein Pferd verkauft, er hat mir Grace und das Ja- wort gegeben, ich will jetzt schnell zu Grace, weil wir doch morgen schon heiraten wollen —" Plötzlich unterbrach er sich und durchsuchte alle Taschen, „jetzt hat doch der Alte ganz vergessen, mir das Geld für den Gaul zu geben! Also deswegen soll ich noch einmal zurückkommen!"
Er sah auf die Uhr.
„Grace wartet. Ich kann Grace doch nicht warten lassen, Sheriff, könnt Ihr mir vielleicht die tausend Dollar geben? Ihr könnt sie Euch gleich vom alten Pancake holen. Er hatte sie vorhin auf dem Tisch liegen."
Der Sheriff zog feine Brieftasche.
„Hier sind tausend Dollar. Wenn ich Euch damit einen Gefallen erweise —"
„Einen großen Gefallen, Sheriff", nickte Percy und steckte das Geld ein. „Ihr kommt doch zur Hochzeit? Und vergeßt nicht, sofort zu Pancake zu gehen, um Euch das Geld zu holen!"
5.
Der alte Pancake erlitt fast einen Tobsuchtsanfall, als der Sheriff sein Anliegen vorbrachte. Doch er mußte sich höllisch vorsehen. Denn wenn Percy das Pferd von Jim Scott gestohlen hatte, kam er schließlich noch als Anstifter an den Galgen. Er verspürte ein würgendes Gefühl im Halse und loderte seinen
Kragen. Dann griff er in die Tasche und zahlte zum drittenmal die tausend Dollar aus.
Als der Sheriff gegangen war, trat Percy ins Zimmer. Er kam von seiner Hochzeit mti Grace und grinste vergnügt.
„Ich habe Euch etwas mitzuteilen, Pancake — die Cowboys von Jim Scott haben mich leider erkannt, als ich für Euch den verdammten Gaul stehlen mußte. Doch Jim Scott will den Mund halten, wenn ich ihm taufend Dollar als Ersatz zahle. Im andern Falle kommen wir beide an den Galgen, darauf- könnt Ihr Gift nehmen!"
Er schob dem taumelnden Rancher einen Stuhl unter.
„Also gebt mir tausend Dollar — für meine Bemühungen und Aufregungen will ich nichts haben — zahlt, und wir sind quitt!"
Und Pancake zahlte zähneknirschend.
Den Gaul könnt Ihr mitnehmen!", brüllte er außer sich.
„Soll das heißen, daß Ihr ihn mir schenkt?"
Pancake nickte schwach.
„Darf ich bann um eine Schenkungsurkunde bitten?"
Und Percy bekam auch die Schenkungsurkunde. An der Tür drehte er sich um und sagte vorwurfsvoll:
„Ihr habt mir noch gar nicht zur Hochzeit gratuliert, Schwiegervater?"
Jasornir Pancake hatte Schaum norm Mund.
„Fahrt zur Hölle!", schrie er.
6.
Pancake wollte seinen Kummer mit Whisky betäuben und ritt zur Bar. An der Theke schlug ihm jemand herzhaft auf die Schultern.
Es war Jim Scott.
„Scotty!", hauchte Pancake.
Er wischte sich den Schweiß von der Stirn.
„Scotty", begann er, „es war nicht mein Ernst als ich zu Percy sagte, Ihr hättet die besten Pferde — aber wer hätte gedacht, daß der Hund von Percy Euch den besten Gaul aus dem Corral halt' Laßt uns einen trinken, Scotty, und denkt nicht mehr daran. Hat er Euch wenigstens sofort die tausend Dollar gebracht?"
Scotty stierte ihn verständnislos an
-Was phantasiert Ihr da? Ich woiß'van nichts'" Nein Ilm Scatt wußte wirtlich Don nichts. Ihm fehlte fein Tl-r, das konnte er mit der arödten Sicherheit behaupten da erst h-ute allen ,einen Pserden der Stempel der Ranch eingebrannt worden war. Was wollte also der alte Pancake?
Jasornir Pancake raste stolpernd zur'Ranch, in- Werte seine Corrals und stellte fest daß ein Pferd fehlte, eins seiner besten Tiere, uL Äs der
Gaul, den Percy für viermal tausend Dollar an ihn verkauft hatte. Und den Pancake wiederum an Percy verschenkt hatte.
Mi einem Winierstranß.
Don Johan Luzian
Von der Fichte, der schön gewachsenen, die über der sprudelnden Quelle wächst, deren Wurzeln vom Wasser des Lebens trinken, deren breitladende Zweige nach allen Seiten ebenmäßig fächern, unter denen bas Wild trinken kommt, in denen die Meisen zirpen und bas Eichhörnchen huscht, von ber schö- nen, immergrünen Fichte brechen wir uns die Wmterzweige, sie heimzuttagen in die gewärmte etube, uns zu erfreuen an zierlichem Nadelwerk und harzigem Duft. Und wir klettern von ber üueüe ben Hang hinauf, wir tragen das Grün zwischen des Buchengestrüpps rostbraune tote Blätter, Deren grünes Blut wieder he im gezogen ist in ben Hast unb das Mark, unb es lockt uns, nun auch vom Toten zu brechen. Du wählst also zum Fichten- grün das rostrote Buchengezweig mit den gekrüll- ten knisternden Blättern, unb stehst da am Hang, mein liebes Mädchen, mit blühendem Leben, und bindest das Grüne mit dem Braunen zusammen und rufst: Wie schon, sieh, wie es leuchtet in der weißen Sonne!
Dann streifen wir weiter über lehmige Wiese unb wilden Unkrautsacker, du schwingst deinen grünbraunen Strauß über dir durch die nebelnde Luft und singst in den kalten Tag mit lachendem Mund unb reckst bich am kahlen Dornbusch hoch ins trockene Rosengerank, ins wuchernde Brombeergestrüpp unb brichst dir die grauen Früchte der kletternden Wald- rede, des wolligen zierliche Teufelzwirns, und immer neue Schönheit kommt in deinen Strauß: die roten Beeren des Hagelbornstrauchs, bessen Holz schwefelgelb leuchtet, wo du den Zweig abbrachst, und dort gibt es auch noch blauschwarze, reifbehauchte Schlehenfrüchte für dich, und $in Blutstropfen perlt dir auf dem Handballen, dessen du nicht achtest, denn du stehst schon inmitten der Distelstauden, Zwischen den metallisch goldgelben, kunstvoll geschnittenen Distelköpfen und brichst dir davon kleine und große Stengel unb nimmst auch von der spgklgarauen verttockneten Kümmelstaud^ weil dich die Dolbenform lockt, unb nun ist dein Strauß, dein Wlntersttauß, dein Tobesstrautz von mancherlei Farben unb Formen belebt, unb auf dem Grunde des Fichtengrüns ordnest du alles ln deinen Armen die toten Stauden unb Beeren bestens? b ^"de, blühende junge Mutter


