Ausgabe 
30.12.1935
 
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Montag, 30. Dezember (935

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Ilr.303 Drittes Blatt

eihnachtsfeier der erblindeten Krieger

Krappe.

solcher Lichtkünder folgen.

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se podia esperar outra cousa! Deutschen habe ich auch nichts anderes So wird heute unser Volk und seine wieder überall geschätzt.

also eine famose Jedee der Ausland-

maes nao Von euch erwartet!" Leistungen

Es war

Organisation der NSDAP., jetzt auch den Film als Großkampfmittel gegen die feind­liche Propaganda einzusetzen, denn dieser eine Film erschlägt ja schon spielend tausend Lügen über unser Vaterland. Die unantastbare Wahrheit des Lichtbildes wuchtet Lug und Trug unwider­stehlich nieder. Der Ausländer, dessen Auge diese untrüglichen Bilder gesehen hat, ist hinfort gegen weitere Lügen gefeit. Alle Druckerschwärze der Welt kann eben auf die Dauer nicht gegen das strahlende Licht des Films aufkommen. Möge darum diesesEcho der Heimat" seinen Siegeszug um die Erde machen und ihm recht bald weitere

altung fest, Ausdehnung. n fiurfe un> 5 Pwzenres

m Hetzen »W Lino- . Farben auf

Massenbesuch in der Artilleriekaserne.

Die Ankündigung, daß die Artilleriekaserne in Gießen am gestrigen Sonntag der Zivilbevölkerung zur Besichtigung offenstehe, hat bei den Volksge­nossen in Stadt und Land ein außerordentlich star­kes Echo ausgelöst. Bereits vormittags von 9 Uhr ab herrschte starker Zustrom zu allen Gebäuden der Kaserne. Mit größtem Interesse besichtigten die Besucher die Wohngebäude der Soldaten, die Stal­lungen, die Geschütze und die Wirtschaftseinrich­tungen der Truppe (Küche, Kantine). Eine Anzahl Artilleristen hatte sich bereitgestellt und führte die Besucher in gruppenweiser Zusammenfassung über­all herum, wobei die Soldaten voll Freude und Stolz von ihrem militärischen Leben und Wirken erzählen und dabei zu erkennen gaben, wie sehr sie mit ganzem Herzen bei ihrem Dienst für das Vaterland sind. Die vielfältigen Fragen der Be­sucher wurden mit größter Bereitwilligkeit beant- Iroortet, ebenso wurden Erklärungen über die ver­

schiedensten Einrichtungen und Dinge gegeben. In den Nachmittagsstunden verstärkte sich der Zustrom der Besucher noch ganz gewaltig, man kann sogar sagen, daß sich eine wahre Völkerwanderung nach der Kaserne entwickelte und zeitweise zu einem ansehnlichen Gedränge in den Korridoren, Stuben und Ställen führte. Männer, Frauen und Kinder, Jung und Alt, alle betrachteten mit starkem In­teresse die schönen Einrichtungen in den Unterkünf­ten unserer Artilleristen, ließen die Blicke interessiert über das Pferdematerial in den Ställen schweifen, beobachteten aufmerksam die Arbeit der mit der Pferdepflege betrauten Kanoniere, musterten (na­mentlich die Frauenwelt) gründlich und sachkundig die ausgezeichneten Einrichtungen in der Küche und suchten und fanden schließlich Stärkung in der gut­besetzten Kantine. In allen Gebäuden herrschte bis in den Abend hinein regster Betrieb, wobei nament­lich der Kasernenblock des Nachrichtenzuges mit seinen durch den Weihnachtsschmuck-Wettbewerb schön geschmückten Stuben besondere Aufmerksam-

Kul'sse hielt Jahresende >er nur sehr überwiegend chemi-

blauschwarzen Himmel, kommt aus dem Lautspre­cher die Stunde alter Musik, die Gavotte eines Franzosen, um dessen Spinett wohl die Pistolen­schüsse der Fronde in Pariser Gassen lärmten, als er die Töne mit heiterer Grazie zu Perlenschnüren reihte, und dann nach einem Sprung von Minuten lauschen wir schon dem Largo aus dem friderizia- nischen Konzert, und in die Flöte des großen Königs, die in den Sälen von Sanssouci tönte, bläst irgendein fremder Mensch seinen lebenden Atem, und Bratsche und Cello fallen gehorsam ein, wenn der königliche Flötist mit dem Nicken des Zopfes das Zeichen gibt... Und das Hofkonzert des Vierzehnten Ludwig musiziert nun in die sinkende Nacht, das Konzert, welches klang, als der Sonnenkönig in seiner Pracht, umgeben von schönen Damen und abenteuernden Kavalieren, einer Frau von Maintenon vielleicht liebenswürdige Blicke zu­warf, indes an den Grenzen der Raubkrieg brannte und die französischen Bauern sich Brot aus Häcksel buken... Doch wie würde die alle leidgenährte Erde noch Menschen tragen, Menschen mit immer wieder jungen Augen, wenn es nicht jene wehende, zärtliche Schönheit der Kunst gäbe, wie sie nun aus den heiteren Tonschritten eines mozartischen Menuetts erklingt? ...

Das stille Haus in der Einsamkeit der Winter­wälder ist durchklungen von den Harmonien, dun­kel und kalt durchrauscht es die Nacht, das kahle Gezweige der Buchen peitscht der Westwind vom See, aber aus dem Munde des Lautsprechers wehen darüber hin die Sarabanden und Menuette der alten, zeitlos festlichen Musica...

Johan Luzian.

zu Gesicht bekam. Ich habe noch keinen Film erlebt, der so an den deutschen Herzen rüttelt und doch zu­gleich Verstand und Sinne unwiderstehlich fesselt.

Und der Gesamteindruck dieses prächtigen Abends? Fabelhaft!"Einzigartig!"Ein Meisterwerk deut­scher Filmkunst!" sagten die Deutschen, in deren Augen ersichtlich Liebe zur alten Heimat und un- hohlener Stolz auf ihr großes Vaterland strahlten.

Sua terra e uma maravilha!Euer Stück Erde ist ein Wunderland", sagten mir Brasilianer mit ehrlicher Ueberzeugung. Diese Antworten in gefühlsmäßig verschiedenen Abstufungen geben zu­sammengefaßt ein Werturteil, das zu gleichen Tei­len unserem Volke, dem Vaterlande und dem Film als solchen gilt. Eine interessante Würdigung die­ser Drei und des Auslandsdeutschtums an sich ent­hält die Antwort eines höheren Offiziers der bra­silianischen Marine, dessen Weltanschauung von dck unseren himmelweit verschieden ist:De vos Alle=

Beim Hören alter Musik.

Während im Lautsprecher eine Sarabande Bach mit den hüpfenden Tönen des Cembalos

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Das deutsche Wunderland.

Don draußen gesehen.

Diesmal machen wir die ganze deutsche Kolonie ton San Francisco mobil!" meinte unser Filrn- ti art, als er vorsorglich die runden Blechtrommeln tuspadte, die den FilmEcho der Heimat" enthielten.Auch die anderssprachige Elite der Ctabt wird kommen", ergänzte zuversichtlich der Dufklärungswart.Na, ist das nicht etwas ge­nagt? ... die verstehen doch kein Wort deutsch?" nendete Schulze vorsichtig ein.Mensch, wenn Adolf Hitler bei uns redet, verstehen sie alle d-utsch", erwiderte der Werbemann in seinem la- äsenden Optimismus.Und ich sage euch, die Dor- f hrung wird ein Ereignis für die ganze Stadt!" 5iad) diesem siegbewußten Schlußsätze leitete er auch sigleich den hierzulande üblichen großen Tamtam em.

Und er behielt recht. Der Film schlug ein. Ich I3be nun 26 Jahre in Brasilien, aber einen Publi- k.imserfolg wie diesen habe ich hier noch nicht er- I3bt. Also die Sache ging so: Den Auftakt bildete d,e Kindervorführung am Nachmittag, zu der wir r»ben der deutschen auch die Jugend der anderen (schulen eingeladen hatten. Und sie alle kamen zu frnuf! Die ZauberworteHitler" undDeutschland" Huben heute hier draußen eine ungeahnte Zugkraft. 2xi hatte uns nämlich die gegnerische Lügenpropa­ganda ungewollt natürlich schön vorgearbei- htt. Unvergeßlich bleibt mir der E i n d r u ck auf bi e Kinder, die Kopf an Kopf mit glühenden Drangen dasaßen. Wie staunten da die Kinder- augen, weit aufgerissen, als auf der Leinwand die Tilder aus dem neuen Deutschland vor- üaerzogen Dor allem natürlich die Vorführungen dir deutschen Jugend bei der Arbeit, bei Sport und Lpiel. Solche Massen von ihresgleichen in solcher Cubnung, im herrlichen deutschen Landschaftsrah- nsen hat die hiesige Jugend noch nie beisammen gfsehen. Und wie schrien die Kinder jubelnd auf, 025 das heitere Kasperle-Theater und andere deutsche Knderbelustigungen an die Reihe kamen, als Lach- sc'lven und frohes Jauchzen durch den Saal dröhn- tm. Die Aufregung der Erlebnisse rötete noch die langen der jungen Welt, als sie heimwärts eit­len und dort von dem Gesehenen erzählten. Kein Diunder, daß damit auch die Spannung unter den Erwachsenen mächtig wuchs.

!Dieser Abend wurde denn auch wirklich das er- »artete große Ereignis. Das Kino warproppen- oill", die Stimmung entsprechend. Selbstredend ttor alles, was hier deutsch spricht, zur Stelle. Aber

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feit fand. Allenthalben konnte man von den Be- uchern nur eine einzige Stimme des Lobes und )er Anerkennung, wie auch der Freude und Zu» riedenheit über die gute Unterbringung unserer Soldaten in der Artilleriekaserne hören. Dieser Be« ichtigungstag hat in guter Weise dazu beigetragen, nicht nur die Wohn- und Wirkungsstätte unserer Artilleristen der Zivilbevölkerung bekannt zu ma« chen, sondern auch das enge Band der Verbunden­heit zwischen den Soldaten und den Volksgenossen im Zivilkleid noch mehr als bisher zu festtgen und zu vertiefen.

pg. Klostermann als Kreisdirektor nach Groß-Gerau versetzt.

Der Landespressedienst des DNB. berichtet aus Groß-Gerau folgendes:Zu Beginn des Jah­res 1936 wird das seit geraumer Zeit von Regie­rungsrat G u t e r m u t h vertretungsweise geleitete' Amt eines Kreisdirektors neu besetzt. Als Kreis» direktor für den Kreis Groß-Gerau wird Kreis» direktor Klo st ermann, zuletzt Kreisdirektor in Gießen, tätig sein."

Pg. ÄIo ft ermann, der aus Klein-Steinheim stammt, war nach Beendigung seiner fachlichen Ausbildung als Lehrer in mehreren Orten der Pro­vinz Starkenburg tätig und kam dann als Lehrer nach Vockenrod im Kreise Alsfeld. Neben seinem Schulamt war er als Vertreter der nationalsoüali» stischen Bewegung im früheren Hessischen Landtag, im Kreistag und Kreisausschuß des Kreises Alsfeld, ferner eine Reihe von Jahren im früheren Provin­zialtag der Provinz Oberhessen ehrenamtlich tätig. Nach der Machtübernahme wurde er in die Mi» nisterialabteilung für Kultus und Bildungswesen in Darmstadt berufen, von dort wurde er als Bürger­meister nach Schlitz versetzt, sodann erhielt er seine Berufung nach Gießen, wo er seit März 1934 als Kreisdirektor des Kreises Gießen, zugleich auch als

auch die einheimische Intelligenz war zur Stelle, die brasilianischen Behörden ebenfalls, und nicht zu vergessen die Konsuln samt der Auslese der frem­den Kolonien der Stadt. So rollte dann der Film an: Zuerst die zauberhafte Stimmung der herrlichen Landschaften am Rhein, dann die ehrwürdigen Bau­denkmäler aus der tausendjährigen deutschen Ge­schichte, die Wunderwerke deutscher Technik und Kunst. Alles meisterhaft untermalt und trefflich her- vorgehoben durch schöne deutsche Musik, durch Me­lodien, die jedes deutsche Herz höher schlagen lassen. Diese Bilder, technisch und filmisch großartig zu­sammengestellt, trugen die Zuschauer mit magischer Gewalt in jenes Deutschland, von dem wohl jedes der Anwesenden in der letzten Zeit soviel gelesen ober gehört hatte ... allerhand Gutes und viel­licht noch mehr Böses. Und nun sahen sie alle dieses Land mit eigenen Augen, konnten sich selbst ein wahres Bild davon machen. Ein internationa­les Publikum, wie es wohl kein Kino in Deutsch­land je in seinen Räumen hatte, sah nun dieses fleißige deutsche Volk bei der Arbeit, in Stadt und Land, sah die Männer des Arbeitsdien­stes in Wald und Moor, sah ferner auch die heute bereits weltberühmten Reichsautobahnen entstehen. Und vor diesem anspruchsvollen Publi­kum, das auch die sonstige Filmproduktion der gan­zen Welt gut kennt, rollten bann auch die Bilder der großartigen deutschen Turn- und Sportveran­staltungen vorbei; es sah die vorbildliche Massen- oisziplin der Deutschen bei Freude, Spiel und Sport, sah vor allem auch die mustergültige Erziehung der neuen deutschen Jugend, ihre körperliche und gei- stigestige Ertüchtigung für den friedlichen Wettbewerb mit ben anberen Kulturvölkern.

Und bann schließlich der Höhepunkt des Abends, der Führer selbst: Ein Ruck ging durch die Ver­sammlung. So mancher stieß unwillkürlich den Nachbar "an: Also das ist er! Freund und Gegner (es waren nicht nur Freunde des neuen Deutsch­land da) verwendeten kein Auge von dem Manne, dessen Name heute schon schicksalsumwittert ist, wie der weniger Sterblicher vor ihm. Und als Adols Hitler dann sprach, hätte man wirklich eine Stecknadel zu Baden sollen hören. Mäuschenstille! Man bedenke dabei: Die Hälfte der Anwesenden versteht kein Wort deutsch, um die Worte an sich würdigen zu können. So wirkte die Persönlichkeit an sich, die Größe so schön gepaart mit Schlichtheit und Würde. Der Film rollte weiter, doch der Geist dieses Mannes begleitete uns fühlbar auf dem letzten Teil dieser wundervollen Filmreise,, auf der jeder der anwesenden Deutschen wohl auch ein Zip­felchen seiner trauten engeren, ack so fernen Heimat

Gauobmann Ziegler vom Kriegsopferamt Hessen-Nassau in der NSKOV. legte in seinen Be- grüßungsworten die Betonung auf das Bedürfnis, als Frontsoldat unter Kameraden Weihnachten zu feiern. Wenn die Frontsoldaten der Krie^opfer- versorgung am nächsten Sonntag für das Winter­hilfswerk des deutschen Volkes eintreten, dann werde dies ein gutes Omen für das neue Jahr 1936 bedeuten. Wenn die Kameraden am 5. Januar mit den Angehörigen, oder mit Hitlerjungen den Volksgenossen in Dorf oder Stadt die Sammel­büchsen Hinhalten, dann solle zum Bewußtsein kom­men, wie gering dieser freiwillige Ehrensold gegen­über dem Opfer ist, das die Kriegsblinden dem Vaterland im Weltkrieg gegeben haben. In die besten Wünsche für die erblindeten Kameraden schloß er die Bitte für den Frontsoldaten Adolf Hitler ein, daß ein gütiges Schicksal ihn dem Volke noch recht lange erhalten möge.

Unter Führung des Bauerschen Gesang­vereins wurde das LiedO du fröhliche" gemein­sam gesungen. Mit den ChorgesängenHeilig" von Schubert undHymne an die Nacht" von Beethoven gaben dieBauern" der Feier eine weihevolle Stim­mung. Obmann Kranz dankte ihnen bewegt für die große Freude, die sie den Blinden bereiteten und dankte zugleich für die jahrelange freundliche und ka­meradschaftliche Unterstützung bei den Feiern der Kriegsblinden. Aus Dankbarkeit hierfür ernannte der Bund der erblindeten Krieger Be­zirk Gießen den Bauerschen Gesangverein zu seinem Ehrenmitglied, worüber dem Vereinsführer L e y eine kunstvoll ausgeführte Ehren­urkunde überreicht wurde. Dereinsführer Ley dankte gerührt für diese seltene Auszeichnung seines Vereins und versprach, den Blinden auch für die Zukunft selbstverständliche Treue und Kameradschaft. Der Chor unter Leitung seines Dirigenten Otto Gut­jahr dankte mit demDeutschen Sängergruß".

Nachdem Tochter und Sohn des stellv. Obmanns D o g e l mit zwei Klaviersolis erfreut hatten, wurden die Mitglieder und Angehörigen mit Kaffee und Kuchen bewirtet. Musik und Gesang leiteten zu der Bescherung der Kriegsblinden über, die ein Geld­geschenk erhalten, und dann kam der Nikolaus zu den Kindern, die ihn mit schönen Gedichtvorträgen empfingen und die er beschenkte.

Der Obmann rief bann zur Beteiligung in Dor unb Stabt bei ber W H W. - S a m m l u n g auf unb erinnerte an bie Erneuerung ber Fahrscheine für bie Begleiter. Er wünschte allen recht viel Freube unb Gesunbheit im neuen Jahr, b-amit sie vertrauensvoll unb gläubig bas Schicksal meistern unb bei aller Härte unb Not bie Güte begreifen lernen, bie Leid in Segen wanbelt.

Lieber unb Musik, bie ihnen ber Gesangverein unb bie eifrigen Solbaten-Musiker in reichlicher unb schöner Weise barboten, beschlossen bie Feier.

Leiter ber Provinzialbirektion Oberhessen unb seit April 1934 als Kreisleiter der NSDAP, tätig war. Seine Versetzung in das Amt des Kreisdirektors von Groß-Gerau erfolgte auf feinen Antrag.

Dornotizen.

Tageskalender für Montag:

Stabttheater: 20 bis 23 UhrMaskenball*. Gloria-Palast (Seltersweg):Liebeslieb". Licht­spielhaus (Bahnhofstraße):Im weißen Röß'l".

Stadttheater Gießen.

Heute von 20 bis 23 Uhr als Vorstellung der NS* Kulturgemeinde Ring Deutsche BühneM asten» b a l l", Oper von Verbi. Musikalische Leitung: Paul Walter. Spielleitung: ber Intendant. Die Karten vom 11.11. haben Gültigkeit für diese Vor­stellung. Freier Kartenverkauf zu Tagespreisen an ber Abenbkasse.

Fortgesetzte Beschädigungen der Münzfernsprecher.

Belohnung für Namhaftmachung der Täter.

Die Kriminalpolizei st ekle Gießen teilt uns mit:

In ber letzten Zeit werben bie im Interesse ber Allgemeinheit auf ben freien Plätzen ber Stadt aufgestellten Münzfernsprecher von zerstörungssüch» tigen Burschen in ber schwersten Weise beschädigt unb in der unglaublichsten Art verunreinigt. U. a. wurde an einem Fernsprecher ber mit einer Pan­zerschnur befestigte Hanbapparat abgeschnitten und entwendet. Die Ermittlung des oder der Täter war bis jetzt nicht möglich. Die Reichspostdirektton Frankfurt a. M. hat daher für die Namhaftmachung des Täters eine geldliche Belohnung in Aussicht gestellt, die von Fall zu Fall festgesetzt wird, damit der an Vandalismus grenzenden Tat ein Ende be­reitet wird. Personen, die sachdienliche Angaben, die auf Wunsch vertraulich behandelt werden, für die Täterermittlung machen können, werden ge­beten, der Kriminalpolizeistelle Gießen Nachricht zu geben.

Wem gehört der Rodelschlitten?

Am 22. Dezember wurde ein noch gut erhaltener I Rodelschlitten bei der Polizeidirektion abgeliefert.

der winterstillen Luft daheraeweht kommt, wird der Himmel im Westen metallisch braun unb von kal­tem Rot und von hauchzartem Gelb, und die Rän­der der Berge erheben sich wolkig im weißen Hauch gegen diese blanke, harte Farbe, bis von Osten und Norden und Süden die dunkle Umarmung der Nacht über schneelastigen Wäldern, froststillem Tannicht, über Dorfrand und Seegrund und Acker­weiten das letzte Licht dieses Tages auslöscht.

Während Gepaltiges geschieht mit der Gelassen­heit ewigen Zeitmaßes unter dem jchneewehenden.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Lärm in der Aeujahrsnacht.

Kaum ist Weihnachten vorüber, da geht es auch , chon an das Rüsten für die Neujahrsnacht. Wieder , illen sich die Schaufenster. Diesmal aber mit bun- ; m Tand. Masken, Narrenmützen, Konfetti, Pa- - ierschlangen, Glücksfiguren zum Bleigießen Haufen ich Lärminstrumente und Feuerwerkskörper kün- 'ich Trubel an; in den Wemhandlungen und Le- iicnsmittelgeschäften locken Werne unb Punsche.

Gar viele gehen an biesen Vorbereitungen zu uöhlicher Ausgelassenheit unberührt vorbei. Es finb iie Besinnlichen unter uns. Sie meinen, baß ber Augenblick bes Jahreswechsels nicht dazu angetan ft, laut zu jubeln unb zu lärmen, fonbern baß stille Ankehr unb Rückschau bie letzten Stunben bes wahres füllen sollten. Wer wollte ihnen verwehren, ~i einer ernsten Feier das neue Jahr zu erleben? Niemand! Es gibt aber auch Menschen unter uns, üe nur zu gern tadelndAnstoß nehmen" an dem luftigen Treiben im Haus unb auf ber Straße, unb lie in biesem Lärm ber Neujahrsnacht eine Kultur- (lufigteit, ja eine Verrohung ber Lebenssitten er- fiden, beren wir uns schämen müßten

Wie ist es? Müssen wir uns schämen, wenn wir Isiie Neujahrsnacht durchtollen? Unb liegt, wie eben» Iills viele behaupten, ber Grunb für biefesTrei- |$n" in bem Entstehen unb Anwachsen ber mo- Jgernen Großstäbte, von wo es auf bie kleineren Städte und auf das Land übergegriffen hat?

Weit gefehlt! Just umgekehrt ist es! Nicht die hiroßstädte find schuld an diesem Lärm der Neu- jührsnacht. Was sich in ihnen abspielt, an Heber» raut und Lust, wurzelt in den Gebräuchen einer ' eit, bie noch gar keine Stäbte kannte, wurzelt im Brauchtum unserer germanischen Vorfahren. In ler Neujahrsnacht, so glaubten unsere Ahnen, zog | Hie ,wilbe Jagb" ober baswütenbe Heer" ober nid) basTotenheer" burch die Lust. Wodan jnb Frau Berchta herrschten in diesen Nächten, die man auchLöselnächte" nannte, da in ihnen das Los" der kommenden zwölf Nächte fällt. Unser Mutiges Bleigießen ist ein Ueberbleibsel dieses Glaubens, in der Neujahrsnacht in die Zukunft

hen zu können.

Vor allem aber waren es die Geister, vor denen raan sich in ber Neujahrsnacht zu schützen suchte, weswegen blieb man in bieser Nacht auf, um gegen ie Ueberfälle dieser Geister gewappnet zu fein; mb man verbrachte bie Nacht mit Erzählungen :im Sagen unb Märchen. Es gab besondereEr- tthler", bie man zu sich einlub.

Um ben Geisterzügen entgegenzutreten, unter» xlhmen bie Menschen jener Zeit bann auch selbst mzüge, in benen sie als verkleibete Götter unb 'leister auftraten. Diese Sitte hat sich in vielen !|i Kutschen Dörfern noch in ben Umzügen maskier-

r Burschen unb Mäbchen erhalten. Sie ziehen von -aus zu Haus unb klopfen überall an ben Haus- Ären an (Klophengehen"). In anberen Gegenben mferes Vaterlanbes blieb von bkesen Umzügen Mr noch bie Sitte ber Neujahrsbesuche! Unb Dienn wir heute zum Jahreswechsel Kartenglüd- : wünsche versenben, so ist bas ber letzte Rest bes Klopfengehens", ben eine kapitalistische Welt nie» I h rorts dadurch gänzlich verschwinden ließ, daß man nner wohltätigen Stiftungzur Ablösung der Neu- sihrskarten" eine bestimmte Summe zuzuwenden pflegte, über bie bann in ber Zeitung öffentlich ejuittiert würbe.

Doch nicht überall verzichtete man auf basAuf- l'Ieiben" unb basUmherziehen" in ber Neujahrs- ixicht, wenn es auch anbere zeitgemäßere Formen mnahm. Wenn heute also ebenfalls bie Neujahrs- mchtburchwacht" unb mit Lärm begangen wirb, h ist bas nicht eine Unsitte ber Großstäbte, son- Lirn überkommenes Gut unserer ältesten Vorfah- l!»n, besten wir uns wahrlich nicht zu schämen iuauchen.

Wer also ben Jahreswechsel ernst unb besinnlich

Oer Goldfisch.

Ein Kaufmann hatte einen Golbfisch teils zu seinem Vergnügen, teils um Käufer anzuloden in bas Schaufenster seines Lebens gestellt. Der ewigen Fragerei seiner Kunben mübe, befestigte er nach einigen Tagen an bem Glasbassin, in bem ber Golbfisch munter umherschwamm, ein Plakat:

Dies ist ein Goldfisch. Er ist lebendig. Er ist nicht verkäuflich. Ich habe nur diesen einen. Ich habe ihn geschenkt bekommen. Die Flüssig» keit, in der der Goldfisch schwimmt, ist Master. Das Wasser ist aus der Wasserleitung. Wann der Goldfisch schläft, weiß ich nicht. Auch nicht, wie alt er ist. Ebenfalls nicht, wie lange er noch leben wird. Er beißt nicht. Er kann nicht herausspringen. Er frißt alles, was ich ihm gebe. Wenn er tot ist, beabsichtige ich, nie mit» ber einen Goldfisch anzuschasjen."

Der Bezirk Gießen bes Bunbes er» blinbeter Krieger in der NSKOV. be­reitete seinen Mitgliedern und Angehörigen auch in diesem Jahre eine Weihnachtsfeier im Katholischen Vereinshaus zu Gießen.

Mitglieder des Musikkorps JR. 36 Gießen leiteten mit altvertrauten Marschweisen und ausgesuchter Unterhaltungsmusik den Nachmittag ein. Fräulein Elfriede Vogel (Gießen) sprach einen von dem Bezirksobmann Josef Kranz (Friedberg) verfaßten PrologWir Kriegsblinden".

Bezirksobmann Reallehrer Josef Kranz (Fried­berg) hieß die große Familie der Wanderer in der Dunkelheit eines schweren Schicksals mit herzlichen Worten willkommen. Mit dem Bestteben, jedem ein­zelnen eine Freude zu bereiten, vereine sich der Wille, ihnen damit eine Stärkung im Kampfe mit dem schweren Schicksal zu vermitteln, das sie zu meistern haben. Der Obmann begrüßte weiter die treuen Gefährten der blinden Krieger, die tapferen Frauen und Kinder, die auf ihre Freiheit gern ver­zichten, um dem Vater die schwere Bürde des Allein­seins tragen zu helfen. Er gab dabei auch der Freude Ausdruck über das Erscheinen zahlreicher Ehrengäste. Damit verband er den Dank an den Bauerschen Ge­sangverein, der sich erneut in liebenswürdiger Weise zur Verfügung gestellt hat. Besonderen Dank sagte er seinem Stellvertreter und Mitarbeiter Gg. Vogel (Gießen), der in unermüdlicher Arbeit mit seiner Familie die vielen Vorbereitungen getroffen hat.

Der Direktor der Blindenanstalt Friedberg Schmidt gab einen kurzen Einblick in die Vor­gänge zur Errichtung der Blindenschule und gedachte der segensreichen Mitarbeit des Reallehrers Kranz, der 16 Jahre hindurch mehreren hundert Schülern Rüstzeug für ihren Kampf um das Dasein gegeben habe. Als einziger blinder Lehrer der Anstalt habe er bewiesen, daß zum Blinden nur der Blinde von jenem geheimnisvollen Erleben sprechen könne, das sie gemeinsam umschließe.

Für die Behördenvertreter überbrachte Bürger­meister Dr. Hamm die Grüße und Glückwünsche unb die besonderen Grüße des Oberbürgermeisters, der als Frontsoldat größtes Verständnis für die Kameraden zeige. Er erinnerte an die große Freude der Wiederaufrichtung des Heeres, die auch dem Kriegsblinden eine Genugtuung bedeute, denn die Ehre, die der Führer dem Volke wiedergegeben, fei auch eine Auszeichnung für diejenigen, die in der alten Armee opferbereit dem Vaterlande ge­dient haben. Dem Führer, der der sicherste Hort des Friedens gerade in diesen krisenreichen Tagen sei, danke das ganze Volk in Ergebenheit und Treue. Den alten Frontkameraden und ihren Angehörigen wünschte der Redner ein gesundes, freudiges neues Jahr.

Die Grüße des Landeshauptmanns Traupel und der Hauptfürsorgestelle überbrachte deren Ver­treter Arnold, die des Versorgungsamtes Gießen Regierungsrat Klahr.

I^gehen will, braucht sich nicht stören lasten. Wer ü>er diebösen Geister" dieser Nacht vertreiben (elfen will, soll sich auch nicht stören lassen.