machte Entführungsgeschichte heraus, in deren Mittelpunkt Caleb M i l n e steht. Milne ist der Enkel eines bekannten Textilfabrikanten aus Philadelphia. Im Kreuzverhör der Bundesgeheim- polizei gestand er, die Entführung inszeniert zu haben, um Reklame für sich zu machen und eine Stellung als Schauspieler zu bekommen. Kraftwagenfahrer fanden den 23jährigen Betrüger nach fünftägiger Abwesenheit geknebelt im Straßengraben. Milne, der auch Erpressungsbriefe an seine Familienangehörigen sandte, erklärte, er habe sich am Arm Nadelstiche beigebracht, um Morphiumeinspritzungen seiner Entführer vorzutäuschen.
„S. V. P.“
Wie bereitet man Champignons zu? Wo befindet sich der nächste Optiker? Wann war der Frieden von Oliva? Dies sind einige von den unzähligen Fragen, die das neue Pariser Auskunftsbüro täglich beantworten muß. Es ist dies kein Privatunternehmen, sondern eine neue postalische Anstalt, durch einen besonderen Telephonanruf zu erreichen. Man dreht auf der Nummernscheibe die drei Buchstaben „S. V. P. (S’il vous plait)“, und dann meldet fick das phantastische Haus, in dem Fachleute aller Gebiete auf den Anruf warten, um aus dem Stegreif die richtige Antwort zu geben oder in der umfangreichen Bibliothek in einem wissenschaftlichen Buche nachzulesen und rasch und sicher Auskunft zu geben. Die ersten Nobel-Preis- träger können ebenso genannt werden wie die letzten leichtathletischen Weltrekorde, das Programm der Pariser Theater erfährt man ebenso prompt wie die Grundsätze Colberts. Aber das „S. V. P.“ gibt nicht nur Auskünfte, sondern es besorgt auch vergessene Einkäufe, holt den Arzt, sucht verlorene Hunde und bringt ein Geburtstagsgeschenk ins Haus. Natürlich laufen dann auch Fragen ein wie: „Was aß Marat jeden Morgen zum Frühstück?" oder: „Wieviel Kleidungsstücke besaß die Jungfrau von Orleans?" Mit solchen Spaßvögeln muß das „S. V. P.“ eben rechnen, und dann heißt es, allen Witz und alle Schlagfertigkeit bereithalten, um auf diese vorwitzigen Fragen eine ebenso dumme Antwort zu finden.
Der Löwe und die Sängerin.
„Geschichten aus dem Wiener Wald" bekommt man manchmal zu hören, die etwas absonderlich sind und eher geeignet, das Zwerchfell in hüpfende Bewegung zu setzen. Die Sängerin, die dieses altbewährte Repertoirestück in Kopenhagen in einem Barietä vortrug, tat zwar ihrerseits nichts, um diese erschütternde Wirkung hervorzurufen. Diese führte vielmehr ein Löwe herbei, der plötzlich neben der Sängerin an der Rampe stand und sie anstarrte. Hätte die Künstlerin Geistesgegenwart besessen, so müßte sie bemerkt haben, daß der Wüstenkönig nicht etwa blutgierig, sondern recht verlegen zu ihr aufschaute. In ihrem Schreck brach sie aber den Gesang ab, schrie ganz unmusikalisch auf und wollte entfliehen. Sie stolperte aber und zog es unter diesen Umständen vor, in Ohnmacht zu fallen. Dem Löwen ging dieser Schrei und dann die jähe Flucht aber ebenfalls auf die Nerven. Er jagte nach der anderen Seite davon, wo er sich winselnd seinem Dompteur zu Fijßen legte, ihn um seinen Schutz anflehend. Denn dieser Leu war
alles andere als ein Wüstenkönig, mar in Gefangenschaft geboren, ein betagtes Tier, das so friedlich wie ein Kätzchen war und große Angst vor Menschen hatte. Der Dompteur hatte große Mühe gehabt, den Alten an die Seite der Sängerin zu schicken — vielleicht hatte aber auch der Gesang der Künstlerin dem Löwen nicht behagt. Jedenfalls hatte der Besitzer des Löwen nichts Schlimmes beabsichtigt, sondern ihr nur den Beweis erbringen wollen, daß sie selbst wilde Tiere mit ihrem Gesang herbeilocken und zähmen könne. Mit der Schreckhaftigkeit der Dame hatte er allerdings nicht gerechnet.
Die Vogelzwerge im Berliner Zoo.
Besondere Lieblinge der Besucher des Berliner Zoologischen Gartens sind die Kolibris, die jetzt schon dreieinhalb Jahre in dem von Zwitschern und Pfeifen und Locklauten erfüllten Vogelhaus leben. Wenn man ihnen zusieht, wie sie gleich lebendigen Edelsteinen durch ihren kleinen Glaspalast flirren, wird einem das Wunder ihrer Erhaltung in unserem rauhen nordischen Klima erst richtig klar, und wieder bekommt man Ehrfurcht vor der Kunst unserer modernen Zoologen, die es vermochte, diesen exotischen Gästen hier eine neue Heimat zu schaffen. In Mittelamerika, wo die Kolibris zu Hause sind, schwirren sie wie Insekten von Blumenkelch zu Blumenkelch, tauchen ihre langen feinen Schnäbel bis auf den Grund der Blüte und nehmen den Honig auf, der ihre Nahrung bildet. Wie Bienen oder Hummeln schlagen sie auch zwanzig- bis fünfzigmal mit den bunten kleinen Flügeln in der Minute auf und nieder. Im Berliner Vogelhaus hat man ihnen zwischen die tropischen Pflanzen ihrer Heimat Honiggläschen mit langen Röhren aufgehängt, an denen sie nippen, zur Freude der staunenden Besucher. Von ihrer Kleinheit macht man sich einen Begriff, wenn man erfährt, daß der Hummelkolibri, ein Vertreter der kleinsten Arten, nur etwa zwei Gramm wiegt, ein winziger, aber um so kostbarer Vogelzwerg.
Büchertisch.
— Hans Friedrich Blunck, Deutsche Schicksalsgedichte. Neue erweiterte Auflage. „Schriften an die Nation" Band 57/57a. Verlag Gerhard Stalling, Oldenburg i. O./Berlin. Gebunden 1,60 Mark. — (570) — In der neuen Auflage, die um zahlreiche Gedichte erweitert ist, wird uns dieser niederdeutsche Dichter in der ganzen Vielseitigkeit seines lyrischen und balladesken Schaffens offenbar. Diese Gedichte umfassen deutsches Schicksal in organischen Zyklen von unbestechlich klaren, innerlichen Versen. Die Form ist edel und schlicht. Ein besinnliches Buch, besonders auch für die Jugend geeignet.
— A m Bienen st and. Von Pfarrer Ludwig. 9. Auflage, 144 Seiten mit vielen Abbildungen. Verlag Fritz Pfenningstorff, Berlin W 57. Preis 1,35 Mark. — (560) — Das Buch bietet einen kurz gefaßten, gediegenen Leitfaden, der hauptsächlich in die imkerliche Tätigkeit einführt und darin durch eine große Anzahl lehrreicher und anschaulicher Abbildungen unterstützt wird. Bei der großen volkswirtschaftlichen Bedeutung der Bienen
zucht, die nicht allein in der Gewinnung von Honig und Wachs, sondern hauptsächlich in dem durch Befruchtung von Obstbäumen und anderen Kulturgewächsen erzielten Nutzen besteht, dürfte das Buch großem Interesse namentlich bei Landleuten, Lehrern, Pfarrern, Gärtnern, Förstern und Siedlern begegnen, zumal vom rein materiellen Standpunkt abgesehen, die Beschäftigung mit der Bienenzucht außerordentlich anregend ist.
— Dr. Fritz Taeger: Orient und O c c i- dent in der Antike. Verlag I. C. B. Mohr (Paul Siedeck) Tübingen. Preis 1,50 Mark. — (579) — Der Vortrag des jetzt zu Marburg lehrenden Historikers, gehalten vor der Dozentenschaft der Universität Gießen stellt sich die Aufgabe die Auseinandersetzung zwischen der morgenländischen und der nordisch-abendländischen Welt in der Antike zu zeichnen. Die politische Entwicklung nur andeutend skizzierend, legt er das Schwergewicht darauf, die geistigen Wechselbezie- Hungen zwischen den beiden wesensverschiedenen und doch vielfach sich durchdringenden und befruchtenden Mächten herauszustellen. Zu diesem Zweck wählt er besonders markante Beispiele der myke- Nischen, mittelalterlich-griechischen, hellenistischen und kaiserzeitlichen Periode aus, um die weltgeschichtlich bestimmenden Kräfte und Erscheinungsformen zu charakterisieren und den großen Strukturwandel der Mittelmeervölker, der in der Spätanttke zu einer tiefgehenden Vermischung der beiden Kreise führt, verständlich zu machen.
Mord im Kreise Limburg.
Ein Mädchen getötet und nachträglich an einem Baume aufgehängt.
LPD. Limburg, 29. Dez. Am letzten Freitagmorgen wurde, wie die Kriminalpolizei mitteilt, in unmittelbarer Nähe des Ortes Dauborn im Kreise Limburg die ledige 22jährige landwirtschaftliche Arbeiterin Erna Lang aus Dauborn an einem Baume erhängt aufgefunden. Nach Lage der Umstände liegt Mord vor.
Die Lang hat sich am Vorabend (Donnerstag, 26. Dezember 1935, also am zweiten Feiertag) gegen 20 Uhr mit einem Manne in Dauborn getroffen. Beide sind bann in Richtung auf den Tatort zugegangen. Einige Minuten später haben Ortseinwohner Schreie gehört. Die Lang ist wahrscheinlich erdrosselt und dann von dem Täter mit Hilfe eines mitgebrachten Strickes an einem Baum aufgehängt worden.
Als Täter kommt höchstwahrscheinlich eirt Mann in Frage, der mit der Lang, die im zweiten Monat schwanger war, ein Verhältnis hatte und sich ihrer entledigen wollte. Möglicherweise handelte es sich aber auch um ein Eifersuchtsdrama mit einem früheren Verehrer. Es ist bekannt, daß die Lang verschiedene Liebschaften unterhalten hat.
Personen, die irgendwelche Angaben machen können, werden gebeten, der Frankfurter Mordkommission, die zur Zeit in Dauborn beim Bürgermeisteramt tätig ist, oder einer anderen Polizeistation Mitteilung zu machen. Auch scheinbar unbedeutende Angaben können für die Aufklärung von Wichtigkeit
sein. Auf Wunsch werden die Nachrichten ftreng ver- traulich behandelt. Eine nahmhafte Belohnung steht zu erwarten.
Für 4000 Mark Schmucksachen gestohlen.
Bad Homburg, 28. Dez. (LPD.) In der Wohnung einer älteren Dame, die in der belebtesten Verkehrsstraße der Stadt gelegen ist, wurde am Heiligenabend eingebrochen. Dabei fiel dem Dieb eine feuersichere Kassette in die Hand, in der sich Schmuck- und W e r t g e g e n- stände im Werte von über 4000 Mark und außerdem 160 Mark Bargeld befanden. Der Homburger Polizei gelang es, den Täter bereits am ersten Feiertage fe st zunehmen. Dadurch war es auch möglich, die gestohlenen Werte restlos wieder herbeizuschaffen. Der Täter, der geständig ist, konnte bereits am Freitagvormittag dem Richter vorgeführt werden. Man geht wohl nicht fehl, wenn man annimmt, daß auch viele der in den letz'- ten Monaten in der Umgebung verübten Einbrüche auf das Konto des gleichen Täters gehen. Näheres muß allerdings erst die Untersuchung ergeben.
Weiterbericht
des Reichswelterdienstes. Ausgabeort Frankfurt.
Am geflogen Sonntag wurde auch bei uns mit lebhaften westlichen Winden die feucht-warme Luft durch kältere Meeresluft ersetzt, so daß in den höheren Mittelgebirgen neue Fröste aufgekommen sind. Durch einen kräftigen, zur Zeit mit seinem Zentrum bei Irland liegenden Wirbel werden erneut kältere Luftmassen auf dem Festlande oorge- stoßen, die vornehmlich am Montag bei uns noch Anlaß zu verbreiteten Regenfällen unb bei kräftigen Böen zu gewittrigen Erscheinungen Anlaß geben werden. Die Temperaturen werden sich vorerst noch über dem jahreszeitlichen Durchschnitt halten.
Aussichten für Dienstag: Bei kräftigen westlichen Winden wechselnd bewölktes Wetter mit schauerartigen Niederschlägen, wieder etwas kühler, doch für die Jahreszeit zu mild.
Aussichten für Mittwoch: Fortdauer der unruhigen und unbeständigen Witterung.
Lufttemperaturen am 29. Dezember: mittags 7,9 Grad Celsius, abends 5,5 Grad; am 30. Dezember: morgens 2,7 Grad. Maximum 8,6 Grad, Minimum 2,2 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 29. Dezember: abends 0,3 Grad; am 30. Dezember: morgens 0,3 Grad Celsius.
Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D.A. XI. 35: 11030. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen.
Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr.
Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig.
Düsseldorf, Gießen, den 30. Dezember 1935.
05548
Gießen (Krofdorfer Straße 26), Mainz, den 28. Dez. 1935.
Die Beerdigung hat in der Stille stattgefunden.
05530
7719 D
Frau Ernestine Mahr, geb. Scheublein
. (Hinden- tü. 5). Näh.
verm.
Gießen (Schanzenstraße 1). den 28. Dezember 1935.
05539
7702C
65
Schotter.
Klein-Linden, den 30. Dezember 1935.
7703D
7726 D
Kleinanzeigen
Nach langem schweren, mit großer Geduld ertragenem Leiden verschied heute plötzlich und unerwartet, wohl versehen mit den hl. Sterbesakramenten, meine innigstgeliebte Frau, unsere gute Mutter
Grundpreis von 5 Pf. für die Mltllmeterzelle veröffentlicht!
Tövelmann.oskii
Chauffieren von 370 lfd. m.
Nähere Angaben durch das unterzeichnete Forst- amt. Schriftliche Angebote bis 6. Januar 1936, mif-
Gießen, den 28. Dezember 1935. Bürgermeisterei Gießen.
I. V.: Dr. Hamm, Bürgermeister.
| Vermietungen] S-Zinun.-Wohn. m. Küche, Bad, Mansardez., Zubehör p. 1. 4. zu
Die Beerdigung findet am Neujahrstag. nachm. 3 Uhr, vom Sterbehause Hintergasse 2 aus statt
lags 12 Uhr.
Gießen, den 28. Dezember 1935. Hessisches Forstamt Gießen.
Die Beerdigung findet Dienstag, den 31. Dezember, vormittags 11 Uhr, vom Portale des Neuen Friedhofs aus statt.
burgw. 5). Näh. im Gartenh. bei
In tiefer Trauer: Familie Wilhelm Drolsbach Familie Ludwig Jung Familie Heinrich Weber.
Beioeünnfl non MWüMvelten.
Zum Ausbau des Allen Anneröder Weges zwischen Plattenhausen und 1. Schneise werden vergeben:
Anfuhr von 370 cbm Basaltsteine.
Im Namen der trauernd Hinterbliebenen:
Ernst Mahr.
Danksagung
Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Hin* scheiden unserer lieben Verstorbenen sprechen wir hierdurch unseren innigsten Dank aus.
In tiefer Trauer:
Familie Strierath-Glock
Am 2. Weihnachtsfeiertag entschlief sanft in dem Herrn unser lieber Vater, Schwiegervater, Großvater, Urgroßvater, Schwager und Onkel
Herr Joh. Jakob Lather
Lohnkutscher i. R.
im 88. Lebensjahr.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Familie Wilhelm Scheid.
Gott der Allmächtige nahm Sonntagabend 8% Uhr unseren lieben Vater, Schwiegervater, Großvater, Urgroßvater, Schwager und Onkel
Joh.Wilh. Reuschling
nach kurzer, schwerer Krankheit im 76. Lebensjahre zu sich in sein himmlisches Reich.
Bekanntmachung.
Betr.: Baulandumlegung im Eichgärtengebiet.
Auf Grund des Artikels 26 des Gesetzes über die Umlegung von Bauland in der Fassung der Bekanntmachung vom 10. Oktober 1927 wird hiermit öffentlich bekanntgemacht, daß für die Grundstücke Flur III Nr. 197 bis 202, 202Vlo, 2206/io, 221, 222, 223, 224710, 2246/io, 225, 226, 227Vio, 2275/10, 328, 330 und Flur XVIII Nr. 58, 76 bis 85, 85Vio, 857w, 86 (teilweise), 87 (teilweise), 113 (teilweise), 114 und 115 der Gemarkung Gießen die Baulandumlegung beschlossen wurde, welche die Bezeichnung „Baulandumlegung im Eichgärtengebiet" führt.
Weiter wird bekanntgegeben, daß während der Dauer des Umlegungsverfahrens die Errichtung von baulichen Anlagen jeder Art sowie der Uebergang zu einer Bewirtschaftung des Grundstücks, die von der bisherigen oder gewöhnlichen Art der Bewirtschaftung erheblich abweicht und geeignet ist, das Umlegungsverfahren zu verhindern, zu erschweren und zu verzögern, in dem Umlegungsgebiet untersagt sind. Im Widerspruch mit dem Verbot errichtete Bauten oder wirtschaftliche Umänderungen bleiben im Umlegungsverfahren unberücksichtigt.
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