Ausgabe 
30.12.1935
 
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Oie Trauerfeier für die Opfer des Eisenbahnunglücks von Groß-Heringen.

Apolda, 28. Dez. (DNB.) Ganz Apolda hat fick in ein würdiges Trauergewand gehüllt. Aus allen Häusern hängen umflorte Fahnen. Auf dem Weg zur Horst-Wessel-Schule sind hohe schwarze Pfeiler mit brennenden Feuerschalen und schlanke Fahnenmasten errichtet. Vor der mit Grün verklei­deten Pforte der Horst-Wessel-Schule sind Ehren­wachen aufgezogen. Der erste Blick in die wunder­voll ausgeschmückte Halle fällt auf die in drei lan­gen Reihen aufgebauten Särge. Zu Häupten der Sargreihen erhebt sich bis zur halben Höhe eine Hecke von frischem Grün und leuchtenden Chrysan­themen. Zwischen vielarmigen Kerzenleuchtern stehen

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Ehrenwachen vor den Särgen in der Trauerhalle. (Scherl-Bilderdienst-M.)

unbeweglich die Ehrenposten mit umflorter Arm­binde. Hinter dem schwarz verhängten Rednerpult hängt mit Flor überdeckt die Nationalflagge. We­nige Minuten vor 11 Uhr nehmen die.-Stan- darte Thüringen und die SS.-Standarte Gera sowie die Fahnenträger aller Ehrenabordnungen zu Häup­ten, die NSKK.-Männer aus Bald Sulza, die an den Rettungsarbeiten so hervorragenden Anteil hat­ten und den Trauerzug nach Apolda geleiteten, an den Seiten der Särge Aufstellung. SS.-Männer der Stabswache Weimar tragen große Kränze mit weißen Syringen als letzten Gruß des Führers in den Händen. Die Schleifen in den Farben der Nationalflagge tragen in Goldbuchstaben die Worte Der Führer Adolf Hitler". Der ganze Raum ist in ein einziges Meer von Blumen ver­wandelt, unter denen die Särge völlig verdeckt sind. Die brennenden Christbäume in den Ecken werfen ein tröstliches Licht in die überfüllte Halle.

Von der Empore klingt Schuberts bewegende KlageDer Tod und das Mädchen" auf, gespielt vom Streichquartett des Nationaltheaters Weimar. Dann tritt der Präsident der Reichsbahndirektion Erfurt, Lammertz, an das Rednerpult und ver­liest bei allgemeiner Bewegung die Namen der be­dauernswerten 32 Todesopfer, die hier zur letzten

Ruhe gebettet sind. Generaldirektor der Deutschen Reichsbahngesellschaft Dr. Dorpmüller hob in seiner Ansprache hervor, daß seit den Tagen des ersten Eisenbahnunglücks sich die besten Köpfe be­mühten, das Sicherungsnetz immer dichter und enger zu spannen. Aber trotz aller Erfolge wüßten die Eisenbahner von dem Wert der Sicherungen so­viel, daß es keine Apparatur ohne Feh­lerquellen gebe, und daß hinter allen Siche­rungen der Mensch stehe mit seinen unzuläng­lichen Sinnen. Versage er, so sei auch meist alles Mühen umsonst. Das soll keine Resignation bedeu­ten, kein Nachlassen in den Bemühungen, dem Un­heil entgegenzutreten, im Gegenteil jedes Unglück verlange gebieterisch, daß man weiter forsche und suche und den Kampf mit ihm aufnehme.

Im Namen des Reichs- und preußischen Verkehrs­ministeriums und des Verwaltungsrates der Reichs­bahn hob Staatssekretär Königs hervor, daß den Leidtragenden ein Trost sein möge, daß das ganze deutsche Volk an ihrem Schmerz innigsten Anteil nehme. Für das Land Thüringen sprach Ministerpräsident M a r s ch l e r die Anteilnahme des ganzen thüringischen Volkes aus, das durch das Unglück besonders schwer betroffen wurde. Er­schütternd erklang dann die Litanei Schuberts, ge­sungen von Fräulein Adam vom Nationaltheater Weimar. Zum Schluß nahm im Auftrage des Füh­rers der Gauleiter und Reichsstatthalter S a u ck e l das Wort. Der Reichsstatthalter brachte das tiefe Empfinden des gesamten deutschen Volkes über die Schwere der Katastrophe zum Ausdruck und entbot den letzten Gruß des Führers. Unter feierlicher Stille legte die Ehrenwache die Kränze als letzten Gruß des Führers nieder. Der Reichsstatthalter wandte sich dann zu den Hinterbliebenen der Toten und versicherte auch ihnen innigste und herzlichste Anteilnahme des Führers. Sie könnten oechchert sein, daß er jetzt in dieser schweren Stunde unter ihnen weile, lindernd im schweren Geschick sei für sie alle und für uns die tröstliche Gewißheit unserer

großen deutschen Volksgemeinschaft, die in ihrer Gesamtheit Trägerin des Schmerzes sei. Mit dem Ave verum corpus von Mozart klang die Trauer­stunde aus.

Nach Abschluß der Trauerfeier zogen die Teil­nehmer, die Ehrenabordnungen, die an den Ret­tungsarbeiten beteiligten Mannschaften und die im Hofe der Horst-Wcssel-Schule angetretenen Forma­tionen der SA., SS., NSKK., Abordnungen der Politischen Leiter, der HI., der Technischen Not­hilfe, der Reichsbahn, der Sanitätskolonnen und der Feuerwehr an den mit Kränzen bedeckten Särgen vorüber, um den Toten einen letzten Gruß zu entbieten. Nachmittags wurden teils mit der Bahn, teils mit Kraftwagen die Särge in die nahe­gelegenen Heimatorte gebracht, wo die Opfer zur letzten Ruhe gebettet wurden.

Eine Aeststelluna der Reichsbahn

Erfurt, 28. Dez. (DNB.) Um im Umlauf be­findlichen Gerüchten über die Ursache des Eisen­bahnunglücks bei Groß-Heringen die Spitze abzu­brechen,' stellt die Reichsbahndirektion Er­furt fest, daß es sich bei dem Personal der Vorspannlokomotive des O-Zuges um gründlich ausgebildete, schon lange im Dienste der Reichsbahn befindliche Leute handelt. Sowohl dem Lokomotivführer als auch dem Heizer wird von ihren zuständigen Dienststellen das beste Zeugnis ausgestellt. Beide hatten bis­her noch keine Dien st strafen. Der Loko­motivführer erhielt einmal eine Belohnung von 20 Mark für Vermeidung einer Betriebsgefahr. Von einer Uebermüdung des Personals oder Ueber- spitzung des Dienstplanes kann keine Rede sein. Der Lokomotivführer Dechant und der Aushilfsheizer G u t j a h r, die am Heiligen Abend ihren Dienst in Weißenfels um 16 Uhr angetreten haben, hatten vor Beginn der Unglücksfahrt Ruhepausen von 26 bzw. 49 Stunden.

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Reichsstatthalter Sauckel bei seiner Ankunft vor der Trauerhalle. (Scherl-Bilderdienst-M.)

Verantwortung übernehmen wolle, eine Minister« krise zu eröffnen. AuchFigaro" ist überzeugt, daß die Regierung Laval bis zum Ende der Wahl­periode im Amte bleiben werde. Die radikalsozia« listischeEre Nouvelle" kommt zu dem Ergebnis, daß die Mehrheit der radikalszialisti« schen Kammergruppe stets gegen bitt Regierung gestimmt und daß mindestens ein Zehntel der radikalsozialistischen Abgeordneten keine Meinung habe. Man müsse daher zum Stimm­zwang zurückkehren. Hätte es diesen bei den letzten Abstimmungen bereits gegeben, würde Her- riot den Parteivorsitz nicht niedergelegt haben.

Ami du Peuple" zieht aus dem Ergebnis der Kammeraussprache die Schlußfolgerung, daß der Völkerbund eine Kriegsmaschine bleibe. Laval werde in der Frage der Oel-Sühnemaßnahmen nach- geben, falls es der antifaschistischen Internationale gelingen sollte, nach der englischen öffentlichen Mei­nung auch die Amerikaner dafür zu gewin­nen. Laval habe versichert, daß der französisch- sowjetrussische Pakt nicht als ein Militär­bündnis angesehen werden könne. Da aber der Pakt den gegenseitigen Beistand für den Fall vorsehe, daß eines der Länder angegriffen werde, genüge da nicht ein G r e n z z w i s ch e n f a l l, um die kriegerischen Pazifisten Frankreichs zu veranlassen, die Mobilisierung herbeizuführen, u m d e n Bolschewismus zu retten? Wenn es in Frankreichs Beziehungen zu Deutschland ein Ge­gengewicht geben werde, werde mehr Aussicht sein, den Streitfall friedlich zu regeln, wenigstens soweit Deutschland in Frage komme. ,

Lavals Kurs bleibt der gleiche.

Die Auffassung in London.

London, 30. Dez. (DNB. Funkspruch.) Die außenpolitische Erklärung, mit der sich Laval einen knappen Abstimmungssieg in der Kammer sicherte, wird von der englischen Presse mit einer gewissen Zurückhaltung besprochen. Seine Versicherungen über die Zusammenarbeit Frankreichs mit dem Völkerbund und mit England finden zwar Anerken­nung, die Blätter lassen es jedoch nicht an Andeu­tungen fehlen, datz Laval seine Rede in erster Linie nach p a r l a m e n t s t a k t i s ch e n Gesichts­punkten formuliert habe.Daily Telegraph" schreibt, es sei klar, daß Frankreich von der Außen­politik Lavals nicht begeistert sei. Man müsse sich jedoch sagen, welche Politik größere Zustim­mung beim Volke und beim Parlament gefunden hätte. Die Erklärung über die französischen Unter­stützungsversprechungen für England seien in sich richtig. Es sei jedoch nicht gesagt worden, daß die Franzosen bereit stehen würden, um sich an der Abwehr eines Angriffes gegen die bri­tischen Schiffe zu beteiligen, Laval sei immer noch entschlossen, seine beiden Pferde gleichzeitig zu reiten. Sein Favorit sei im­mer noch die Aussöhnung, obwohl es sicher sei, daß es zu keinem neuen gemein­samen Versuch einer friedlichen Regelung kom­men werde, bevor sich entscheidende Ereignisse auf dem Kriegsschauplatz abgespielt haben. Die bestehen­den Sühnemaßnahmen würden zwar aufrechterhal­ten, aber die Stellungnahme Frankreichs zu der Kardinalfrage, der O e l s p e r r e , hänge von der Zustimmung der französischen Kammer und der Be­reitschaft des amerikanischen Kongresses zu ähnlichen Maßnahmen ab.

Times" schreibt, durch die Rede Lavals seien die Aussichten für eine Zusammenarbeit Englands und Frankreichs an der Aufrechterhaltung des Friedens durch kollektive Zusammenarbeit ver­bessert. Das Blatt weist auf die Aeußerung des französischen Ministerpräsidenten über eine Annähe­rung an Deutschland hin und betont: Eine deutsch- französische Annäherung sei stets eine wichtige Be­dingung für eine vertrauensvolle internationale Zusammenarbeit für den konstruktiven Frieden ge­wesen. Je stärker und wirksamer der Völkerbund gemacht werden könne, um so größer sei die Wahr­scheinlichkeit einer solchen Entwicklung.

Laval über das deutsch-französische Verhältnis.

Knappe Mehrheit für das Kabinett Laval in der Kammer.

Paris, 28. Dez. In der Kammer beantragten die radikalsozialistischen Abgeordneten Delbos, Cam- pinchi und Cot, daß zuerst über den von ihnen ein- aebrachten Entschließungsentwurf abgestimmt werde. Der Entwurf, der praktisch einen reinen Miß­trauensantrag darstellte, hatte folgenden Wortlaut:

Die Kammer bedauert, daß die Regie­rung nicht deutlicher der Welt den Eindruck des treuen Beharrens auf der von Frankreich feit 1919 verfolgten außenpolitischen Linie vermittelt hat zur Wahrung des Friedens in der Gegenwart und in der Zu­kunft, indem die Regierung gleichzeitig die nationale Sicherheit in den Vorder­grund ihrer Erwägungen stellt, einer Sicher­heit, die mit den Satzungen des Völ­kerbundspaktes verbunden ist. Die Kammer lehnt jeden Zusatz ab und geht zur Tagesordnung über."

Die Regierung lehnte diesen Antrag ab und stellte dagegen die Vertrauensfrage. Bei der A b- stimmung über die Vertrauensfrage erhielt die Regierung 296 gegen 276 Stimmen. Die Mehrheit beträgt demnach 20 Stimmen. Nach der Abstim­mung wurde die Vertrauensentschlie­ßung des Abgeordneten Chappedelaine und einiger anderer Abgeordneter der Mitte mit einer Mehrheit von 304 gegen 261 Stimmen angenom­men. Die Entschließung lautete:Die Kammer ist den englisch-französischen Ucberüeferungen treu, sie billigt bie Erklärungen ber Regie­rung und vertraut ihr, daß sie in der Achtung der Völkerbundssatzung ihr Werk der Aussöhnung, der internationalen Verständigung und des Friedens fortsetzt. Sie lehnt jeden weiteren Zusatz ab und geht zur Tagesordnung über."

Ministerpräsident Laval

hatte vor der Abstimmung eine längere Rede ge­halten. Er betonte, daß er den Völkerbundssatzun­gen stets treu geblieben sei und nie gegen eine Ver­pflichtung, die Frankreich übernommen habe, ver­stoßen habe. Er sei mit den englischen Ministern sofort einig gewesen darüber, daß militärische Sühnemaßnahmen, eine Blockade und eine Schlie­ßung des Suezkanals nicht in Frage kommen könnten, kurz alles, was zu einem Kriege führen könnte. Die Sühnemaßnahmen feien von Frankreich ordnungsgemäß durchgeführt worden. Man könne nicht sagen, daß er die Beziehungen Frankreichs zu England gefährdet habe. Die Frage, ob Frank­

reich England in den Erdölmaß nahmen fol­gen werde, fei gar nicht zeitgemäß. Erst müsse der amerikanische Kongreß darüber beschlie­ßen. Laval bestritt die Richtigkeit der Behauptung, daß das Verhältnis zwischen Frankreich und Eng­land gespannt sei und lieferte Unterlagen dafür, daß er die italienische Regierung durchaus nicht in Unkenntnis darüber gelassen habe, daß er dem Völkerbundspakt treu bleiben und die sich daraus ergebenden Verpflichtungen erfüllen werde.

In seinen weiteren Ausführungen ging Laval auch ausführlich auf das deutsch-franzö­sische Verhältnis ein. Solange eine Annähe­rung zwischen Frankreich und Deutschland nicht er­folge, gebe es keine wirksame Friedensgarantie in Europa. Er habe kein Sonderabkommen zwischen Frankreich und Deutschland im Auae, sondern eine Verständigung im Rahmen der kollektiven Sicher­heit in Europa. Sir Samuel Hoare habe ihm ge­sagt, welche Aussichten sich für die französisch-eng­lische Politik ergeben würden, wenn die deutsch- französische Verständigung möglich würde. Dann könnten England und Frankreich zusammen Deutsch­land nach Genf zurückzuführen versuchen.

Laval berichtete ferner über die Unter­redung zwischen dem französischen Botschafter und dem Reichskanz­ler Adolf Hitler. Er wies die Behaup­tung rundweg zurück, daß bei dieser Gelegen­heit von irgendeinem Sonderabkommen zum Schaden eines östlichen Staates die Rede ge­wesen sei. Francois Poncet habe dem Führer mitgeteilt, daß in einigen Tagen das f r a n - zöfifch-fowjelruffifche Abkommen von der Kammer ratifiziert werden würde. Dieses Abkommen fei nicht gegenDeutsch- land gerichtet. Er habe allerdings auch das Bedauern Lavals übermittelt, daß Deutsch­land sich nicht an dem gegenseitigen Beistands­pakt beteiligen wolle. Francois Poncet und Reichskanzler Adolf Hitler feien einig in dem Wunsch gewesen, daß zwischen Frank­reich und Deutschland ein gutnachbar­liches Berhättnis in der gegensei­tigen Achtung zustande käme. Laval fuhr fort, daß er sich um die Regierungsform der einzelnen Staaten nicht kümmere. Er fei nach dem faschistischen Rom und nach dem kommu­nistischen Moskau gefahren, und wenn die

Annäherung zwischen Frankreich und Deutsch­land im Rahmen der Politik der allgemeinen Sicherheit zu einem Erfolge geführt haben werde, würde er auch nach Berlin gehen.

Das französisch-sowjetrussische Abkommen sei kein Militärbündnis, sondern ein Abkommen der gegen­seitigen Hilfeleistung, das nicht im Widerspruch zum Locarnopakt stehe. Er habe die selbsttätige Anwen­dung der Bestimmungen des Paktes ohne vorherige Prüfung des Falles durch den Völkerbundsrat ab­gelehnt. Während der Bestattungsfeier für Mar­schall Pilsudski habe er eine dreistündige Un­terredung mit General Göring gehabt und dabei die Möglichkeiten besprochen, wie beide Länder versuchen könnten, sich einander zu nähern. Er wünsche nicht, daß auf der Tribüne der fran­zösischen Kammer Worte gesprochen werden, die diese Aufgabe noch schwieriger gestalten.

Das Gesetz über die Kampf­bünde angenommen

Paris, 29. Dez. (DNB.) Die Kammer trat am Samstagabend gegen 10 Uhr wieder zusammen, um die zweite Lesung der Gesetzesvorlagen über die Kampfbünde, über die Regelung des Waffen­tragens und über die Aufforderung zu Gewalttaten in der Presse vorzunehmen. Ein Antrag des rechts­gerichteten Abgeordneten Dommange, die Auf­lösung der Bünde auch auf die geheimen Gesellschaf­ten und Vereinigungen auszudeynen, wurde mit 417 gegen 104 Stimmen adgelehnt und das Ge­setz im ganzen mit 403 gegen 104 Stimmen angenommen, ohne daß die Regierung die Ver­trauensfrage zu stellen brauchte. Das Gesetz über die Regelung des Waffentragens sowie das Gesetz über die Pressevergehen wurden durch Handaufheben ver­abschiedet. Die Kammer vertagte sich dann auf Mon­tag vormittag.

pariser Blätterstimmen.

Paris, 30. Dez. (DNB. Funkspruch.) Nach dem leidenschaftlichen innenpolitischen Kampf der letzten Tage ist betonte Ruhe in der politischen Presse eingekehrt. ,Le Jour" greift die Gerückste auf, die von einem Rücktritt der radikal- sozialiftischen fünf Minister bei Wieder­zusammentritt des Parlaments am 14. Januar wis­sen wollen. Das Blatt glaubt jedoch, daß mit dieser Möglichkeit kaum ernsthaft zu rechnen sei, da Her- riot nicht drei Monate vor den Neuwahlen die

Genugtuung in Rom.

Rom, 29. Dez. (DNB.) Der Kammersieg La« vals ist in der italienischen Hauptstadt mit' fühl­barer Genugtuung ausgenommen worden. Der Lon­doner Korrespondent des MailänderPopolo d'Jtalia" und desMessagero" in Rom spricht von einem harten Schlag, der den Uebersanktionisten Englands durch den Kammersieg Lavals widerfah­ren sei. Nach seiner Ansicht wird dieser Sieg vor allen Dingen auch zu einer Beruhigung der durch den Rücktritt von Sir Samuel Hoare entstandenen psychologischen Spannungen beitragen.

Zunahme der italienischen Transporte durch den Suezkanal.

London, 29. Dez. (DNB.) In der am 28. De­zember zu Ende gegangenen Woche haben nach einer Meldung aus Port Said zufolge, die italieni­schen Truppentransporte durch den Suezkanal e r heblich zugenommen. Die Listen der Kanal» behöben enthalten folgende Aufzeichnungen: 10 346 Offiziere und Mannschaften, 2966 Arbeiter, 17 416 Tonnen Material, 388 Tonnen Benzin, 5750 Ton­nen Zement und 222 Maulesel.

Die Parlamentssitze für die Heiden Macdonalds.

London, 30. Dez. (DNB. Funkspruch.) Die Unterhaus-Nachwahlen, in denen die beiden Mac­donalds (Vater und Sohn), die bei den letzten Parlamentswahlen ja unterlegen waren, a l s Kandidaten der nationalen Regie­rung auftreten, dürften keineswegs so reibungs­los verlaufen, wie es dem Wunsche Baldwins ent­sprochen hätte. Die schottische Nationalisten-Partei wird den Professor D e w a r Gibb als Gegen­kandidaten Ramsay Macdonalds in den Universi­tätswahlen aufstellen. Der jüngere Macdonald wird im Wahlkreis Roß und Cromarty möglicherweise mit drei Gegenkandidaten, nämlich einem Äonferritioen, einem Liberalen und einem Arbeiter- parteiler zu rechnen haben. Der oppositionelle Daily Herald" meldet, ein Teil der konserva - t i Den schottischen Studentenschaft fei über die Zumutung der englischen Regierung, Mac­donald als konservativen Kandidaten aufzustellen, entrüstet und habe sogar überseeische Studenten, die ein Stimmrecht besitzen, telegraphisch aufge« fordert, gegen Macdonald zu stimmen.

Das Oberhaupt der orthodoxen Christenheit gestorben.

Der griechisch-orthodoxe Patriarch Photios der Zweite ist nach längerem Leiden im Alter von 63 Jahren in Istanbul g e ft o r b e n. Der Ver­storbene wurde 1929 zum Oberhaupt der or­thodoxen Christenheit gewühlt und hatte seinen Sitz in Konstantinopel.