zur Aufklärung des Wesens der chemischen Katalyse"'. Der Bezirksoerein Oberhessen des Vereins deut.
scher Chemiker lädt alle Mitglieder und Mitarbeitet des NSBDT. (früher KDAJ.) zu diesem Vortrag ein.
Oer Reichsführer der Deutschen Studentenschaft spricht in Gießen. Die Pressestelle der Studentenschaft teilt mit: Der Reichsführer der Deutschen Studentenschaft Pg. Andreas F e i ck e r t wird am kommenden Mittwoch, 4. Dezember, abends 8 Uhr, hier in Gießen über das Thema: „Wille und Tat der Deutschen Studentenschaft" sprechen. Der Pressewart.
Oie Regelung der Kartoffelpreise.
Das Kreisamt Gießen gibt über die Regelung der Kartoffelpreise folgendes bekannt:
Durch Anordnung des Herrn Reichsstatthalters in Hessen — Landesregierung — vom 20. September 1935, die seinerzeit in der Presse veröffentlicht worden ist, sind folgende Höchstpreise bei dem unmittelbaren Bezug von dem Erzeuger frei Keller festgesetzt worden: '
a) in den Städten Darmstadt, Offenbach, Mainz, Gießen und Bingen:
weiß, rot blau 2,70 bis 2,90 RM. pro Zentner, gelbfleischige 3,00 bis 3,20 RM. pro Zentner.
b) in den übrigen Gemeinden:
weiß, rot, blau 2,50 bis 2,70 RM. pro Zentner, gelbfleischige 2,80 bis 3,00 RM. pro Zentner.
Der oberste Preis kommt nur für erstklassige ausgelesene Ware in Frage — alle in der Qualität abfallenden Sorten müssen entsprechend niedrigere Preise innerhalb der obigen Spanne aufwersen. Die Zuschläge für die Abfuhr und Abtragung seitens des Erzeugers zum Verbraucher sind in den vor- stehenden Preisen enthalten. Eine Sondervergütung kann dafür nicht mehr gefordert werden.
Es ist nun beobachtet worden, daß Erzeuger bei der Lieferung von Speisekartoffeln für den Winterbedarf an den Verbraucher in die Stadt nicht die vorgeschriebenen Höchstpreise eingehalten haben. Zum Teil haben die Erzeuger auch versucht, der Lieferung zwar den zulässigen Höchstpreis zugrunde zu legen, aber für die Anfuhr und für die Abtragung in den Keller einen besonderen Zuschlag zu nehmen. Wir sehen uns daher veranlaßt, darauf hinzuweisen, daß Zuschläge zu diesen Preisen, z. B. für die Anfuhr und die Abtragung der Kartoffeln nicht genommen werden dürfen.
Tischler-, Boots- und Modellbauer- Innung.
Man berichtet uns: Dor einigen Tagen fand im Caf6 Leib zu Gießen die diesjährige Hauptversammlung der Tischler-, Boots- und Modellbauer- Innung für den Kreis Gießen statt. Obermeister Rinn begrüßte den Kreishandwerksmeister Pg. S t ü h l e r , Kreisbetriebsgemeinschaftswalter Handwerk, Pg. S t e i n , den Bezirksinnungsmeister A r - n o l d , ebenso die Junggesellen und die Mitglieder. Er richtete herzliche Worte an die Junggesellen und ermahnte sie, sich der Bedeutung der Stunde bewußt zu sein. Nachdem Altgeselle I o ch u m zu den Junggesellen gesprochen und sie zur bestandenen Gesellenprüfung beglückwünscht hatte, fand die feierliche Ueberreichung der Gesellenbriefe statt. Der Obermeister, sowie die Prüfungsmeister und der Altgeselle verpflichteten die Prüflinge durch Handschlag, womit diese nunmehr in den Gesellenstand ausgenommen sind. Für die Handwerkskammer und die Kreishandwerkerschaft überbrachte Pg. S t ü h - l e r, für die Deutsche Arbeitsfront Pg. Stein und für den Bezirksinnungsverband Herr Arnold die herzlichsten Glückwünsche. Am Schluß der Feier überreichte Obermeister Rinn dem Altgesellen Joch um, entsprechend den Anordnungen des
Gießen in -er Vereinheitlichung -er Gemeindepolizei.
Regelung -es Stärkeverhältnisses
E. C. Die Pläne zur Schaffung einer einheitlichen deutschen Gemeindepolizei sind nicht erst von heute. Seit der Machtergreifung arbeitet die nationalsozialistische Regierung an einer Vereinheitlichung und strafferen Erfassung der Gemeindepolizei im gesamten Reichsgebiet. Der Reichs- und Preußische Minister des Innern ver- öffentlichte am 25. Oktober dieses Jahres den „Or- ganisationserlaß Nr. 1". In diesem Organisations- erlaß Nr. 1 wird das Stärkeverhältnis, das Stellen- oerhältnis, das Karteikartenwesen, die Dienstaufsicht über die Gemeindepolizei, die Amtsbezeichnungen, die Aus- und Fortbildung, die Bewaffnung und vieles mehr eingehend behandelt.
Für die einzelnen Gemeinden von besonderer Bedeutung ist naturgemäß das Stärkeverhältnis der Gemeindepolizei.
Zur Erzielung einer gewissen Gleichmäßigkeit soll die Stellenzahl der Gemeindevollzugspolizei in ein festes Verhältnis zur Einwohnerzahl gebracht werden.
Der Reichsminister des Innern hat in seinem Erlaß eine als Richtlinie dienende Tabelle aufgestellt. Diese Tabelle umfaßt zehn verschiedene Einteilungs- stufen. Die Gemeinden mit weniger als zweitausend Einwohner werden hier nicht berücksichtigt, weil diese Gemeinden in Zukunft keinen Polizeivollzugsbeamten mehr haben werden. Ausnahmen bestätigen natürlich auch hier die Regel, soweit dringende Gründe für die Stellung eines Polizeivollzugsbeamten vorhanden sind.
Wie viel P o l i z e i v o l l z u g s b e a m t e stehen Gießen zu?
Diese Frage ist leicht aus der vom Reichsminister des Innern aufgestellten Tabelle zu errechnen. Es muß jedoch nochmals wiederholt werden, daß es sich bei der vom Reichsminister aufgestellten Tabelle immer um die Höchststärken der Polizeivollzugsbeamten handelt.
im Verhältnis zur Einwohnerzahl.
Auf Grund der letzten Einwohnerzählung gehört die Stadt Gießen nach der Errechnungstabelle zur 8. Gruppe, nach der auf jeweils 750 Einwohner unserer Stadt ein Polizeivollzugsbeamter kommt. Das heißt, daß im Höchstfall
48 Polizeivollzugsbeamte in Gießen vorhanden sein können. Diese Zahl umfaßt die Gesamtheit der Polizeivollzugsbeamten aller Dienstgrade, einschließlich Kriminalpolizei, soweit sie in der Gemeindepolizei vorhanden sind. In allen Gemeinden mit weniger als 10 000 Einwohnern ist zwar eine Kriminalpolizei nicht vorgesehen. Da der Reichsminister des Innern auch die Stellenzahl der Kriminalpolizei regelt und hier drei Größenklassen aufgestellt hat, so können
sieben krimlnalassistenten oder -anwärter in Gießen
ihren Dienst versehen. Nach dem Organisationserlaß Nr. 1 vom 25. Oktober 1935 ist der Dienstvorgesetzte der Gemeindepolizeibeamten der Bürgermeister als Ortspolizeibehörde.
Die Amtsbezeichnungen der Gemeindepolizeivollzugsbeamten werden ab 1. Januar 1936 folgende Stufenleiter aufweisen, die für das ganze Reichsgebiet Geltung haben: Revierpolizei-Oberwachtmeister, Polizei-Hauptwachtmei- ster, Polizei-Meister, Polizei-Obermeister, Polizei- Kommissar, Polizei-Oberinspektor, Stadtpolizei-Direktor. Die drei letzten im Offiziersrang. Für die Kriminalpolizei gelten folgende Amtsbezeichnungen: Kriminal-Assistent, Kriminal-Sekretär, Kriminal-De- zirkssekretär, Kriminal-Kommissar und Kriminal- Oberinspektor.
Die Aus- und Fortbildung der Polizeivollzugsbeamten soll so durchgeführt werden, daß der Beamte stets leistungsfähig bleibt. Das Publikum hat bald heraus, ob der Beamte sich Autorität verschaffen kann oder nicht. Der Polizeibeamte soll den Volksgenossen ein Berater und Helfer, sowie guter Kamerad sein.
Reichsstandes des deutschen Handwerks, das Hand- werkerabzeichen.
Zur Hauptversammlung übergehend, ehrte die Versammlung dprch Erheben von ihren Sitzen den verstorbenen Kollegen Georg H a u b a ch , Gießen. Der Obermeister erstattete Bericht über die Arbeitstagung der Obermeister des Bezirks Hessen. Weiterhin sprach der Beauftragte des Bezirksinnungsmeisters, Herr Arnold, und behandelte in seinen Ausführungen Berufs- und Tagesfragen im Schreinerhandwerk. Der Obermeister dankte dem Redner für seine Ausführungen. Anschließend berichtete Kollege Hainer über die Liefergenossenschaft. Zum Schluß wurden noch allgemeine Fragen zur Lehrlingsausbildung behandelt. Insbesondere wies der Obermeister auf die Reichsstraßensammlung am 1. Dezember hin, ging noch kurz auf die Spende jedes einzelnen Handwerks für das Winterhilfswerk ein und bat die Mitglieder, sich rege zu beteiligen im Interesse der notleidenden Volksgenossen.
Mit dreimaligem Sieg-Heil auf unseren Führer und Dolkskanzler Adolf Hitler wurde die Versammlung geschlossen.
Tanzbelustigungen geschloffener Gesellschaften in Hessen stempelfrei.
Die Justizpressestelle Darmstadt teilt mit: Eine geschlossene Gesellschaft hatte im Februar dieses Jah
res in konzessionierten Räumen eines Gastwirts ein Tanzvergnügen bei bezahlter Musik abgehalten. Der Charakter als geschlossene Gesellschaft blieb während der Veranstaltung gewahrt. Das Oberlandesgericht Darmstadt hatte sich in der Revisionsinstanz mit der Frage zu befassen, ob ein solches Tanzvergnügen nach dem hessischen Urkundenstempelgesetz in der Fassung vom 1. April 1910 einer Stempelabgabe unterliegt. Das Gericht hat die Frage verneint, da die maßgebliche, zuletzt durch Gesetz vom 20. April 1924 abgeänderte Stempeltarifnummer 35 Ziffer 6 nur von Tänzen bei öffentlichen Veranstaltungen spricht und eine frühere Bestimmung, welche Tanzbelustigungen geschlossener Gesellschaften bei bezahlter Musik Den öffentlichen Tänzen gleichsetzt, bei der letzten Gesetzesänderung in Wegfall gekommen ist. Der angeklagte Gastwirt, welcher um die Tanzerlaubnis nicht nachgekommen war und den Urkundenstempel nicht bezahlt hat, wurde dementsprechend von Strafe und Kosten freigesprochen.
Gießener Dochenmarktpreife.
* Gießen, 30. Noo. Aus dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Molkereibutter, bas Pfund 1,55 Mk., Landbutter 1,42 Mk., Matte 20 bis 25 Pf., Käse, bas Stück 4 bis 10, Eier, bulgarische Kühlhauseier, Kl. B 11, deutsche vollfrische Kl. S 13'/-, A 12’/«, B 12, C 11, D 10, jugoslawische frische Kl. A 12’A,
e 30Pfg.
Ihre Haut
Handwerker und Beamte sammeln für das WHW.
Zeder Volksgenosse in Stadl und kreis Gießen hilft auch bei dieser Gelegenheit durch feine Spende, daß der Kampf gegen hunger und Kälte mit aller Kraft geführt werden kann!
Wrsinq, bas Pfund 8 bis 10 Pf., bet Zentner 8 Mk., Weißkraut, das Pfund 5 bis 8 Pf., der Zentner 5 Mk., Rotkraut, das Pfund 8 bis 12 Pf., der Zentner 8 bis 10 Mk., Gelbe Ruben, bas Pfund 8 bis 10 Pf., Rote Rüben 8 lns 10, Spinat 12 bis 15, Unterkohlrabi 8, Grünkohl 15 lns 20, Rosenkohl 20 bis 30, Feldsalat 80, Tomaten 30 bis 50, Zwiebeln 8 bis 10, Merretttch 30 bis 70, Schwarzwurzeln 25 bis 30, Kürbis 5 bis 7, Rar. tofteln/das Pfund 4 Pf., der Zentner 3£0 bis 3,40 Mk., Aepfel, bas Pfund 12 bis 30 Pf., der Zentner 12 bis 25 Mk., Birnen, das Pfund 15 bis 25 Pf., Nüsse 50 bis 60, Zwetschenhomg 40 bis 45, junge Hähne 90 Pf. bis 1 Mk., Suppenhühner 75 bis 80, Gänse 90 Pf. bis 1 Mk., Enten 90 Pf. bis 1 Mk., Tauben, das Stück 50 bis 60 Pf., Blu- menkohl 10 bis 60, Salat 8 bis 10, Endimen 8 bis 10, Oberkohlrabi 8 bis 10, Lauch 5 bis 12, Rettich 5 bis 10, Sellerie 5 bis 25, Radieschen, das Bund 15 Pf.
*♦ Sprech st unden i n Gesundheit s- fragen des BDM. Jeden ersten Montag im Monat von 11 bis 12 Uhr Goethestraße 63: die Aerztin des BDM.-Untergaues Gießen Dr. Frieda Reuigen; für die Jungmädel jeden ersten Mitt
woch im Monat, abends von 18 bis 19 Uhr, in der Universitäts-Kinderklinik: die Aerztin des IM.- Untergaues Gießen Ruth Heid.
** Eine Lebensmittel-Verdingung für die Küchenbedürfnisse des Eraänzungs-Bataillons 53, Gießen, (Gailsche Fabrik) ist durch die Kuchen- Verwaltung des Ergänzungsbataillons in einer Bekanntmachung im heutigen Inseratenteil angezeigt. Interessenten werden besonders darauf aufmerksam gemacht. ,
♦* Viehzählung am 3. Dezember. Die Bürgermeisterei Gießen macht im heutigen Anzeigenteil darauf aufmerksam, daß am 3. Dezember, wie alljährlich, eine Viehzählung in den Gemar- kungen Gießen und Schiffenberg stattfindet. Die Diehbesitzer sind angehalten, den Zählern die notwendigen Angaben hinsichtlich ihres Viehbestandes bereitwilligst zu erteilen. Aus die Bekanntmachung sei besonders hingewiesen.
**KeineNachnahme-Postpaketenach italienischen Kolonien. Die italienische Postverwaltung läßt von sogleich an Nachnahmen auf Postpaketen aus dem Ausland, mithin auch aus Deutschland, nach den italienischen Kolonien bis auf weiteres nicht mehr zu.
** Fernsprechverkehr mit Danzig. Vorn 1. Dezember 1935 an werden im Fernsprech- verkehr zwischen Deutschland und Danzig die Gebühren für alle Gespräche auf eine Entfernung von über 600 Kilometer einyeitlich auf den Betrag fest- gesetzt, der bisher für die Entfernung von 600 bis 700 Kilometer berechnet wurde. Durch diese Neufestsetzung werden die Gebühren für Gespräche auf eine Entfernung von über 700 Kilometer um 0,35 bis 1,40 RM. je Einheit herabgesetzt. lieber die neuen Gebühren geben die Fernämter Auskunft.
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Vornan von Frank F. Braun.
23 Fortsetzung Nachdruck verboten!
Oberinspektor Reußing richtete sich auf. Er griff sich an den schmerzenden Kopf. Dann strich er seinen Arm, auf den er schmerzhaft gestürzt war. „Basilius ist fort", sagte er. „Wir haben einen Augenblick Zeit, uns zu erholen. Wer sind Sie?" fragte ar abermals.
Sie sah ihm staunend auf den Mund. „Ein .Todfeind des Mannes, der Sie niederschoß; auf jeden Fall also auf Ihrer Seite. Wer aber sind Sie?"
„Kriminaloberinspektor Reußing."
„Ah... das ist gut. Sie leben. Nun werden wir ihn zur Strecke bringen!" Sie standen nebeneinander.
Er bettachtete sie eindringlich. „Sie müssen mir erzählen, weshalo Sie Basilius verfolgen; Sie müssen mir vor allen Dingen nun sagen, wer Sie sind!"
„Natürlich." Ilia nickte. „Alles sollen Sie wissen. Kommen Sie. Aber sagen Sie mir, sind Sie nicht verwundet? Wie ist es möglich, daß Basilius Sie zweimal fehlte?"
„Er fehlte mich nicht", sagte Oberinspektor Reußing. „Er schoß mich nieder. Nur — Basilius wußte nicht, daß sein Freund Jabusch ein vorsichtiger Mann war und einen scharf geladenen Revolver nicht bei sich zu tragen liebte. Er nahm Jaduschs Revolver, der mit Platzpatronen geladen war, er überzeugte sich nicht von der Qualität der Patronen und schoß mich — ahnungslos mit Platzpatronen nieder."
„Ah ... Sie aber wußten, daß Jabuschs Revolver nicht scharf geladen war und markierten den Getroffenen."
Reußing schüttelte den Kopf. „Ich wußte nichts", gestand er, „ick spürte in jener Sekunde vorhin nur: getroffen oist du nicht, bleibst du aber stehen, wird er nochmals schießen. Also warf ich mich hin. Trotzdem hätte er mir bei näherem Zusehen noch den Garaus gemacht, wenn Sie nicht polternd in Erscheinung getreten wären und ihn verjagt hätten."
Ilia meinte sich entschuldigen zu sollen. „Als ich die Schüsse vernahm, als ich ahnte, daß ich wieder zu spät kommen würde, verließ mich alle Beherrschung. Ich stürzte vor, stteh unglücklicherweise eine Leiter an, ein Brett fiel um..."
„Alles glücklicherweise", verbesserte Reußing. „Sie „retteten mich. Aber nun sprechen Sie, wer sind Sie? Lassen Sie mir Ihren Revolver noch eine Weile, bis zur nächsten Wache."
„Ja gerne", sagte sie, und dann begann sie dem Oberinspektor ihre Geschichte zu berichten. Nebeneinander liefen sie durch die Sttahen, bis sie ein Auto fanden.
Der Oberinspektor drückte die Hand des Mädchens. „Armes tapferes Kind", sagte er.
Dann war er wieder der Beamte. „Ick weiß, wo wir ihn finden werden", sprach er. „Sie und ich. Diesmal darf er uns nicht entkommen."
Während so Oberinspektor Reußing und Ilia ein Bündnis gegen Basilius eingingen, waren am Mittelweg zwei andere Menschen bereit, sich gegen den Gefürchteten einzusetzen. —
Lena Bassenberg hatte tatsächlich die große Summe Geldes beschafft und -bei Franz Farren- körn bereitgestellt, denn sie hatte mit dem Anruf des Unbekannten gerechnet.
Als das Telephongespräch an diesem Abend stattgefunden hatte, empfand sie eine wahrhafte Erlösung. Die Spannung war unerträglich gewesen. Wer würde eher zum Zugriff ansetzen? Basilius oder sein Gegenspieler, der ihn an sie verraten wollte? Nun war die Entscheidung gefallen und, wie es schien, zu ihren Gunsten.
Sie verließ noch einmal das Haus, nachdem sie sich telephonisch bei ihrem alten Freund angemeldet hatte. Es lag insofern alles besonders günstig für sie, als ihr Mann, der Konsul, an diesem Tage nach Berlin gefahren war und erst morgen mittag zurück sein würde.
Franz Farrenkorn war ihr hundert Meter ent« gegengegangen. Sie trafen sich halben Weges auf der Straße. Die Begrüßung war ein kurzer herzhafter Händedruck. „Er hat angerufen", sagte sie, „ich habe chn in einer halben Stunde zu vir bestellt." Sie war doch nicht so ruhig, wie sie es gewünscht hätte, ihre Worte hatten nervös überhastet geklungen.
Franz Farrenkorn nahm ihren Arm. „Verlaß dich auf mich", sprach er. „Ich komme nachher noch einmal zu dir herum und erzähle dir alles. Warte auf mich."
„Aber ich will dabei sein, wenn du mit dem Mann verhandelst. Ich bin nicht feige, Franz!"
„Es geht hier nicht so sehr um Kühnheit, Lena, als um Klugheit. Bei dir würde ein Gefühl entscheiden. Das wäre falsch. Glaube mir, diese Angelegenheit wird besser unter Männern allein erledigt."
Da sie den Kopf schüttelte redete er dringlicher und lenkte dabei schon die Schritte zum Bassenberg- schen Hause zurück. Er überwand ihren an sich schwachen Protest leicht mit logischen Einwänden, die ihm zur Verfügung standen; am Ende sah sie ein, daß sie nur stören mußte.
Da sie ihrem Freund vertraute, da er alle Einzelheiten kannte und wußte, um was es ging, gab sie nach; im innersten Herzen froh, daß Farrenkorn ihr die Begegnung abnahm.
Farrenkorn verabschiedete sich an der Gartentür von ihr. „Ich komme nachher", verhieß er. Dann ging er den Weg zurück.
Er sah auf seine Uhr. Fast war die Zeit heran, da der Fremde zu erwarten war. Er sah zum ersten Stock seines Hauses hinauf. Die Fenster waren dunkel. Es ist gut, dachte er, Johann hat sich schon zur Ruhe begeben, ich werde ihn nicht noch einmal wecken. Diese Geschichte will ich mit meinem Besucher Auge in Auge allein abmachen.
Er schloß seine Haustür auf, ging durch Die Halle und betrat fein Arbeitszimmer, in Dem er auch Besuche empfing. Es lag linker Hand zur ebenen Erde. Er drehte das Licht an — da erreichte ihn noch einmal vom Garten herein Lenas Ruf.
Sie war ihm nachgelaufen. „Franz", sagte sie atemlos, „wenn der Mann kommt, du bist allein, es sind Verbrecher, mit denen du zu tun hast — besitzest du eine Waffe?"
„Ich werde keine Waffe benötigen", beruhigte er sie, obgleich er selber schon daran gedacht hatte.
Aber Lena Bassenberg war eigens deswegen zurückgekommen. „Doch", sagte sie, „du mußt dich sichern, Franz. Ich habe dir Bernhards Revolver mitgebracht. Er ist geladen. Sieh dich vor."
Der Rechtsanwalt nahm die Waffe. „Danke", sagte er. „Würdest du wünschen, daß es Derart zum Aeußersten kommt?"
Sie waren im Garten, er brachte sie auf die Straße. „Wie meinst du das? An was denkst du, Franz?"
Bedächtig, wie feine Schritte gefetzt waren, im Takt, rote fein Stock aufftieß, fagte er: „Wenn ich einen nächtlichen Einbrecher niederfchieße, habe ich das mit mir selber abzumachen."
Lena hielt ihn auf, hing an seinem Arm. „Nein!" rief sie, „um Himmelswillen, nein, Franz! Das Geld ist da. Gib es ihm. Schick ihn weg, verpflichte ihn, niemals wiederzukommen. Aber begib dich nickt in Gefahr. Bedenke auch immer, es ist ja nicht Basilius, der zu dir kommt, sondern ein kleiner Verräter nur aus feinem Freundeskreis."
„Richtig", fagte Farrenkorn. Sie standen wieder vor der Baffenbergfchen Villa. „Aber ich muh nun zurück, Lena. Der Mann steht womöglich schon vor dem Eingang."
„Du hast Die Tür auf gelassen!"
„Dann mag er vor meinem Schreibtisch stehen; auch dort werde ich ihn ja entdecken."
Farrenkorns erzwungene Heiterkeit brachte nur ein mattes Lächeln hervor. „Sorge dich nicht , bat er.
Aber er war selber besorgt, denn nun er die Schußwaffe in der Tasche hatte, war eine sonderbare Unruhe über ihn gekommen. War eine geladene Pistole nicht das allerstärkste Argument, wenn man mit Leuten, die Basilius' Kumpane hießen, verhandeln wollte? Er stampfte seinem Haus zu; der Stock wanderte tönend im Takt neben ihm her.
Ilia Filimon war zwei Minuten vor ihm an gelangt. Sie hatte unschwer das Haus gefunden, das ihr der Oberinspektor genannt hatte. Sie wunderte sich, daß er noch nicht hier war. Aber vielleicht lag er mit seinen Beamten schon versteckt auf der Lauer?
Sie fand die Tür geöffnet und betrat das Haus, ging in das Arbeitszimmer des Rechtsanwalts, denn auch diese Tür war nur angelehnt.* Nun stand sie vor dem Schreibtisch Farrenkorns, stand dort, wo er den fremden Besucher zu finden rechnete.
Als sie die Schritte hörte — wer kam, Farrenkorn oder Basilius? — sah sie sich ratlos um.
Basilius durfte sie hier nicht überraschen. Sie wollte ja ihn überraschen! Gedankenschnell fand sie die einzige Derstecksmoglichkeit, die dieses Zimmer bot, und huschte hinter den dünnen grünen Vorhang, der die Regale und Barde an den Wänden gegen Staub und Sicht decken sollte. Der Stoff reichte hinunter bis zur Erde. Zwischen zwei
Schränken fand sie Zwischenraum genug, sich zu verbergen, ohne Daß Der Vorhang sie durch eine Bauschung verraten hätte.
Als Farrenkorn im Hausflur anlangte, erkannte sie am Geräusch, das der Stock machte, daß es nicht Basilius sein konnte, der gekommen war. Da sie im Dunkeln stand, verdeckte der Vorhang sie vollkommen, ließ jedoch jenseits im Hellen alles für sie erkennbar.
Sie sah Den Rechtsanwalt Farrenkorn eintreten und nachdenklich vor feinem Schreibtisch stehen bleiben. Es war die Minute, da sie hervortreten wollte; sie überlegte gerade, wie das am besten geschehen könne, ohne den alten Herrn übermäßig zu erschrecken — da tarnen durch den Garten Schritte heran, zögerten vor der offenen Haustür uno traten Dann doch ein.
In der Zimmertür stand Basilius. Er kannte Farrenkorn von der Gesellschaft beim Konsul Bas- senberg. Farrenkorn erkannte auch Basilius sofort. Aber nur Farrenkorn war der Ueberraschte. „Sie sind es ...", sagte er verdutzt.
Basilius nickte nicht ohne Freundlichkeit. „Ich überlasse meine Geschäfte nicht gern anderen", sagte er und sah sich im Zimmer um. „Frau Bassenberg ist nicht hergekommen?"
„Nein. Auf mein Anraten blieb sie fort. Ich dachte, es sei besser, wir verhandeln allein. Ich muß gestehen, ich bin ein wenig überrascht, daß Sie kommen. Aber — wir werden ja sehen. Sie sind bereit, mir die gewissen Papiere zu verkaufen, haben Sie sie bei sich?"
„Natürlich nicht. Ich werde Ihnen auch keine Papiere verkaufen, bester Doktor. Lena irrt sich. Ich möchte lediglich hier von Ihnen eine gewisse Summe Geldes in Empfang nehmen. Dafür verpflichte ich mich, für eine Weile zu verschwinden."
„Um bei passender Geleaenheit mit neuen Forderungen wieder aufzutauchen!"
Farrenkorn spürte, wie sein Her^ schlug. Es würde ihm doch keinen Strich durch Die Rechnung machen? „So geht das nicht", sagte er und schwenkte innerlich um. ,Lu verschenken habe ich nichts."
In diesem Augenblick schlug im Flur polternd Die Haustür zu. Wer kam da noch? Sie horchten alle in Die Halle hinaus. Aber es blieb still. Es war nur Die Tür zugeschlagen.
Aber der Windzug ward zum Verhängnis. Oder Basilius hatte schärfere Augen, als der alte Herr Farrenkorn. Seine Wimpern berührten sich fast, er blinzelte aus dem Spalt. „Komm heraus, Lena", sagte er. „Ich habe dich hinter Deinem grünen Vorhang entdeckt. Komm nur."
Farrenkorn faßte in feine Tasche. Sein erster Plan fiel ihm ein. Dieser Mensch Dort war Basilius. Er war gekommen, nachts, allein. Er führte irre Reden. — Wenn ich den Mut hätte und... nur Die Hand heben und abdrücken... Aber er spürte, er hatte eben diesen Mut nicht. Es gina nicht; nie würde er es vermögen. Die mutlose Ueberlegung riß ab. Farrenkorn prallte zurück. Was ging hier vor?
(Schluß folgt)


