Ausgabe 
30.11.1935
 
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ltr.280Dritte$ Blatt

Lietzener Anzeiger (General-Anzetaer für Gberheffen)

Samstag, 50. November 1955

Handwerker und Beamte im Dienste des MW

.Der

B« Krim,Handwerksmeister:

z.

15 Uhr zum ersten Mal das Weihnachtsmärchen ..Der kleine Muck" von W. Burggraf. Die Spiel­leitung liegt in Händen von Karl Volck. Musika- Usche Leitung: Ernst Bräuer. Tänze: Thery Schultheis. Außer Abonnement. Ende: 17.45 Ufjr. 19 UhrDer Waffenschmied", komische Oper von Lortzing. Musikalische Leitung: Paul Walter. Spielleitung: Heinz Weiser. Außer Abonnement. Ende: gegen 22 Uhr. Am Dienstag, 3. Dezember, von 20 bis 22.15 Uhr, das GesellschaftslustspielDer Mann mit den grauen Schläfen" von Leo Lenz. Spielleitung: Hanz von Spallart. Am Mit­wochs 4. Dez., von 19.30 bis 21.45 Uhr das Volks­stuck mit GesangStraßenmusik" von Paul Schurek, Musik von Will Meisel. Die Vorstellung gilt zu­gleich als 10. Vorstellung im Mittwoch-Abonne­ment. Am Freitag, 6. Dezember, von 20 bis 22.30 Uhr, anläßlich des 300. Todesjahres Lope de Vegas findet die alleinige Uraufführung desStern von Sevilla" in der freien Bearbeitung von Hans Schlegel statt. Die Spielleitung liegt in den Hän­den des Intendanten. Die Vorstellung gilt zugleich als 10. Vorstellung im Freitag-Abonnement. Am Samstag, 7. und Montag, 9. Dezember, als Vor­stellungen der NS.-Kulturgemeinde Ring Deutsche Buhne, von 20 bis gegen 23 UhrDer Vogelhänd­ler' von Karl Zeller in der völlig neuen Münche- ner Fassung. Freier Kartenverkauf an der Abend-

Jch ging schnell nach der Tür zurück, aus der ich herausgetreten war. Beinahe wäre ich in Tränen ausgebrochen wie ein hysterisches Frauenzimmer. Aber das kam wohl nur daher, weil ich, seit ich in Amerika herumreiste, so wenig geschlafen hatte, und weil ich nichts mehr wußte, wie es ist, wenn ein Cello und eine Flöte sich zusammentun. Es war herrlich in Amerika, sagt nichts gegen dies herrliche Land, aber man muß dort geboren sein, um es er-

kasse. Am Sonntag, 8. Dezember, von 19 bis gegen 22 Uhr, außer AbonnementDer Vogelhänd- ler , Operette von Karl Zeller. Spielleitung: Paul Wrede. Musikalische Leitung: Paul Walter. Tänze: Thery Schultheis.

Neben mir ragte eine Ecke des Hotels noch zwei Stockwerke höher auf. Der Wind pfiff am Tank vorbei. Ich fror trotz des dicken Mantels.

Alle Fenster des Aufbaus waren dunkel bis auf eins. Da ereignete fich iolaendes: 'Rmpi Annho teils

UJenn die Handwerker und Beamten sich am 1. Dezember 1935 stolz als Helfer in den Dienst des Winterhilfswerks stellen, so wirst du, deutscher Volksgenosse, des sind wir gewiß, gern und freudig für deine in Not befindlichen Volksgenossen opfern.

Zeige durch die Tat deine Verbundenheit mit dem Führer, seiner Bewegung und der Gemeinschaft. Sei eingedenk des deutschen Spruchs der November­plakette des Winterhilfswerks:

kostbarste Edelstein das opferbereite deutsche Herz".

handle danach und opfere!

tragen zu können. Pavane heißt die Musik, die das Radio eben auf dem Hoteldach spielte, Pavane pour une infante defunte ... für eine tote Prinzessin.

Leb wohl, Neuyork!

'Es ist geplant, einige zusätzliche Berufslehrgänge für den Unterrichtsbezirk Gießen einzurichten. Die Durchführung der Lehrgänge wird durch Fach­leute bewerkstelligt. Interessierte Arbeitskameraden bitten wir ihre Anschrift zu geben an die Abteilung für Arbeitsführung und Berufserziehung in der Kreiswaltung Gießen, Schanzenstraße 18.

Ortsgruppe Gießen-Wille.

Unsere Diensträume befinden sich jetzt Schanzen- straße 18, 2. Stock, Zimmer 5 (im Hause der DAF.). Kassestunden: nur noch Montags von 20 bis 22 Uhr. Sprechstunden: Donnerstags von 20 bis 22 Uhr.

SportamtKraft durch Ireude".

Ausfallende Kurse: Einer Veranstaltung wegen müssen die Kurse für H a l l e n t e n n i s am heutigen Samstag und morgigen Sonntag wieder ausfallen.

Sportkursus am Samstag: Körper- schule, Spiele und Waldlauf für Frauen und Män­ner von 16 bis 17.30 Uhr Universitätssportplatz, Am

Sport tu rsus am Montag: Fröhliche Gymnastik und Spiele (nur für Frauen) von 19.45 bis 21 Uhr, Großen-Buseck, Neue Schule.

Winterfahrten! Das Programm für die Winterfahrten ist auf der Kreisdienststelle, Schan­zenstraße 18, erhältlich.

NSV., Ortsgruppe Sießen-Ost.

Pfundsammlung

für WhW. in der Ortsgruppe Giehen-Osi.

Die Pfundsammlung wird Montag, 2., und Diens­tag, 3. Dezember, von der NS.-Frauenschaft durch- geführt.- Die Mitglieder wollen die Pfundpäckchen bereithalten und die Mitgliedskarten zur Eintra­gung vorlegen. Der Inhalt der Päckchen ist außen ichtbar anzugeben.

AS.-Bund deutscher Techniker

Reichsgemeinschaft der lechn. Wissenschaft!. Arbeit.

(NSBDT. RTA.)

Dienstag, 3. November, 20.15 Uhr, pünktlich, im großen Hörsaal des Chem. Instituts, Gießen Lud- wigstraße 21, Vortrag von Geh. Reg.-Rat Pro- fessor Dr. med. S ch enk-Marburg überVersuche

Der Wille des Führers ist es, für die ewige Ge­meinschaft, aus der sich immer wieder die Ration erneuert, einzutreten, indem das ganze deutsche Volk für sie sorgt.

Handwerker und Beamte!

Am 1. Dezember 1935 kämpft ihr in gemeinsamer Einsatzbereitschaft für den Sozialismus der Tat. Ihr seid des Führers treue Gefolgsleute, wenn ihr im Feldzug gegen hunger und Kälte mit der Sammelbüchse in der Hand in vorderster Front steht. Dem Gedanken der Volksgemeinschaft ver­leiht ihr lebendigen Ausdruck, wenn ihr mikhelft, den letzten deutschen Volksgenossen zu erobern.

der Weltumsegler und Forschungsreisende Kapitän Kircheiß über das Thema:Polarkreis Süd Polarkreis Nord" (Die Polargebiete und ihre Bs- deutung für die deutsche Fettversorguna). Der Vor­trag findet im Studentenheim (Leihgesterner Weg) statt. Auf die heutige Anzeige sei besonders auf­merksam gemacht.

Oberhessischer Geschichtsvereln.

Der Oberhessische Geschichts-Verein veranstaltet am kommenden Donnerstag, 5. Dezember, im Hör- saal 44 der Universität einen Vortragsabend. Pro- seyor Dr T a e g e r, Marburg, spricht zur Geschichte der Freiheitsidee bei den Griechen. (Siehe heutige Anzeige.)

Vortragsabend der Evangelischen Frauenhilfe Gießen.

Am kommenden Dienstag findet im Cafs Leib eine Versammlung der oberhessischen Frauenhilfen statt. Pfarrer Weinberger- Darmstadt wird über das ThemaLuther was er war und was er wollte" sprechen. (Siehe heutige Anzeige.)

Deutsche Arbeitsfront.

Abteilung für Arbeitsführung und Berufserziehung in der kreiswaltung Gießen.

Gruppe Dentisten.

Und so soll uns auch der Adventskranz wieder ein Wegweiser sein. Er soll uns lehren, daß die trüben Tage bald oorübergehen, daß der Helle Lichterbaum erstrahlen wird, der nicht nur den Kindern, sondern auch uns Erwachsenen gar viel zu sagen hat. Sein Licht leud)tet uns hinüber ins neue Jahr, zu einem neuen Frühling, zu einem reichen Sommer.

Und deshalb grüßen wir den Adventskranz mit frohen Augen!

Hochschulnachnchten.

Professor Dr. Karl Zeiger von der Universität Frankfurt ist beauftragt worden, in der Medi­zinischen Fakultät der Marburger Universität vom Wintersemester 1935/36 ab die Vertretung der durch das Ausscheiden des Professors Nau d frei- gewordenen Professur für Anatomie wlchrzunehmen.

Examensangst und ihre Heilung.

Zu einem Nervenarzt kam ein Theologiestudent. ct9tre über feine tiefe Niedergeschlagenheit, über Schlastosigkeit, über Magen- und Darmstörungen. Natürlich hatte er eine heimliche Braut, Grund zu doppelter Verzweiflung. Denn nie würde er sein Examen bestehen und das liebe Mädchen heirn- suhren können. Der seelenkundige Arzt Dr. Jo­hannes Neumann berichtet im Dezemberheft von Velhagen & Klasings Monatsheften über diesen.Fall und ähnliche aus feiner Praxis geilte den Kranken, indem er feinem Leben nach- glng. Der Student war auf der Schule immer der Erste gewesen und nahm auf der Universität auch wieder den Wettlauf auf, der Erste zu sein, gönnte sich wörtlich keine Zeit zum Essen und Aus­ruhen. Dieses Strebertum verärgerte seine Kame­raden, so daß er immer einsamer wurde. Je näher das Examen kam, um so stärker wurde sein Ar­beitsdrang, um so mehr stieg seine Unruhe. In dieser Unruhe aber zitterte er um seine Geltung. Diese Gedankengänge so schreibt Neumann sind von einer bloßen Bewußtseinspsychologie her nicht zu erfassen. Wenn wir aber den Menschen als Ganzheit nehmen und ihn in steter Bewegung sehen auf sein oft unbewußtes Ziel hin, so ist alles Denken und Handeln zu verstehen von diesem Ziel her. Die Unruhe, die Hast des Arbeitens, die Ver­zweiflung und schließlich die Depression sind auch von diesem Ziel her zu begreifen. Das Ziel der Ueberlegenheit wird starr aufrechterhalten, aber auf der Universität im freien Wettkampf erweist es sich als unbrauchbar. Die Aufdeckung einer so un­verständigen Lebensweise ermöglichte allmählich die Aenderung der Gesamteinstellung. Der Student genas, machte ein gutes Examen, gewann Freunde, ist verlobt und in der nunmehr praktischen Berufs­ausbildung begriffen.

Wir haben noch vor kurzem bei der Totenfeier cuf dem Gottesacker gestanden, wir haben die Grä­ber unserer Lieben besucht und sind stumm nach Hause gekommen ... Wieder ist bald ein Jahr zu Cnöc, wieder floß ein reicher Sommer dahin. Zu frmerc, empfinden wir so die Vergänglichkeit alles Irdischen, wie in diesen nebelschweren Wochen, in denen die Nacht in den Tag hängt. Die Bäume stehen kahl und verlassen, auf den Wegen raschelt das burre Laub. Kein Vogel singt mehr, und die paar Blumen, die noch blühen, sind' ohne Duft, und kein Bienlein erscheint, um Honig zu holen ... Darnrnrung liegt fast den ganzen Tag über Stadt unb Land. Die Natur ist zur Ruhe gegangen.

netnl Es gibt auch in der Natur keinen Stillstand. Aeußerlich mag es Jo scheinen, als ob alles in tiefem Schlafe läge, im Innern der Erde aber, unter der Rinde der Bäume treibt und schafft es Tag und Nacht. Da werden neue Kräfte gefanv rnejt da ist ein unaufhörliches Wachsen und Wei­terleben.

Und nun kommt der Adventskranz und erinnert uns daran, daß wir noch mitten drin im Leben stehen, daß wir weiterwirken und schaffen müssen. Das erste Lichtlein mag uns noch traurig stimmen, t.?5 '° ^lein dasteht. Aber schon in einer Woche strahlen zwei Lichter auf dem Kranze, und dann werden es drei fein, schließlich vier. Das ist ein gutes Vorzeichen. So soll es auch bei uns sein. Wir stehen ja nicht allein in der Welt. Wir finden im­mer wieder Freunde und verständnisvolle Volks­genossen, die mit uns gehen, die Anteil nehmen an un^erm Schicksal, am Wohlergehen des ganzen Volkes.

Dornotizen.

Tageskalender für Samstag.

NSDAP., Ortsgruppe Gießen-Nord: 20.30 Uhr im Cafe Leib heiterer Kameradschaftsabend in Ver­bindung mit NS.-G.Kraft durch Freude". NSG.Kraft durch Freude": 16 bis 17.30 Uhr Wald­lauf. NSLB., Kreis Gießen, FachgruppeBe­rufsschule": 15.30 Uhr im Hotel Hopseld Arbeits- sitzung. NSLB., Gießen, Mädchenerziehung, techn. Facher: 15 Uhr Vorträge in der Mädchenberufsschule n Gießen. Stadttheater (Ring Deutsche Bühne): L0 bis 22.15 UhrDer Mann mit den grauen

Uniformen K Wehrmacht in feinster Maßarbeit

Erste Spezialkräfte, Garantie f. tadel­losen Sitz Reparaturen Effekten

Sladtlheater-Spielplan vom 1. bis 8. Dezember.

Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben- Am Sonntag 1. Dezember, 11.30 Uhr, findet im »oyer des Stadttheaters erstmalig eine Morgenver- anftaltung anläßlich der UraufführungDer Stern von Sevilla" statt, in der Intendant Schultze- Gr l e s h e i m und Dramaturg Paul Nieren über

Aus der Provinzialhaupistadt.

Advent.

Wir haben heute den Adventskranz aufgehängt. An ihm wird am Sonntag eine Kerze brennen, und jeden Sonntag wird eine neue hinzukommen, bis dann am Weihnachtsabend der Kranz abgelöst wird vom großen Lichterbaum ...

Ja, es find nur noch ein paar Wochen, bis der Weihnachtsmann kommt. Entzückt schauen die Kin­der nach dem mit bunten Bändern geschmückten grünen Kranze. Sie wissen: das ist der Anfang einer seligen Zeit. Bald werden die Tage kommen an denen einzelne Zimmer verschlossen sind an denen es hier und da geheimnisvoll rauscht und oft nur noch geflüstert wird. Das sind die Tage der Erwartung, der Vorfreude.

, fid) Lev nicht aus feiner Jugend-

; ®lc Hot man sich da vorgenommen, nur ja recht brav und folgsam zu sein, damit das Christ­kind etwas Schones bringen sollte. Freilich, es qe= lang nicht immer. Aber unsere Eltern sahen ja auch führungU 9Uten 3BiIIen' als auf die Aus- 2115 äußeres Zeichen dieser schönen Zeit galt der Adventskranz. Und so ist es auch geblieben. Der ganze Zauber unsrer Jugendtage umfängt uns wie-

Gießener hochfchulgesellschaft.

In einer Vortragsveranstaltung der Gießener Hochschulgesellschaft spricht am kommenden Mittwoch I

Schläfen" Gloria-Palast, Seltersweg:Die ganze Welt dreht sich um Liebe". Lichtspielhaus Bahnhofstraße:Alles weg'n dem Hund" __ Ge-

angoereinHeiterkeit", Gießen, 20 Uhr Konzert m der Aula des Gymnasiums.

Tageskalender für Sonnlag.

Stadttheater: 15 bis 17.45 UhrDer kleine «uU 'm*? 2? UhrDer Waffenschmied".

Gloria-Palast,Seltersweg:Die ganze Welt dreht sich um Liebe Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Alles weg n dem Hund". Obst- und Garten- bauverein Gießen: 15.30 Uhr Mitgliederversamm­lung im Kaufmännischen Vereinshaus. Turm- hnus, am Brandplatz: 11 bis 13 Uhr Weihnachts- Ausstellung der oberhessischen Künstler.

Karten vom 11. November haben Gültigkeit für diese Vorstellung. Kartenausgabe für Deezmber: Mon­tag' 2. Dezember, von 4 bis 7 Uhr, an der Theater­kasse.

Sängerkranz Gießen.

3um Gedenken an Georg Friedrich Händel wird der Sangerkranz Gießen am Donnerstag, 5 De3ember, in der Neuen Aula fein diesjähriges Chorkonzert mit einem der schönsten Werke dieses großen Meisters21 c i 5 und Galatea" abhal- ten. Schon seit Jahrzehnten hat sich der Sängerkranz ?le gestellt, die Chorwerke unserer beut-

schen Meister der Öffentlichkeit Zu vermitteln, so zuletzt HaydnsSchöpfung" als Jubiläumskonzert, dessen Aufführung noch in bester Erinnerung stehen durfte^ Namhafte Solisten und das Gießener städti­sche Orchester wirken bei der kommenden Auffüh­rung mit. (Siehe heutige Anzeige.)

Weihnachts-Ausstellung der oberheffifchen Künstler.

Im Turmhaus am Brandplatz findet vom 1. bis 23. Seaember die Weihnachts-Ausstellung der ober- hefstschen Künstler statt. Auf die Anzeige in unse­rem heutigen Blatte sei besonders hingewiesen.

Da ereignete sich folgendes: Zwei Hände teil- gelben Vorhänge, mit denen das eine erleuch­tete Fenster verhängt war, ich erblickte einen Mann tn Hemdsärmeln mit Seifenschaum im Gesicht. Er schab die untere Fensterhälfte ein bißchen in die Hohe und ließ die Vorhänge wieder zusammenfallen. Wetter nichts. Aber aus dem geöffneten Fenster trällerte nun, gedämpft durch die Gardinen, eine lerche Radiomusik heraus. Erst etwas Tangoarti­ges mit hohem Refraingesang, dann einige gutturale engllsche Worte und bann nach einer kurzen Pause... was war das noch ...? Eine behutsame Zögernd einsetzende Melodie, assez doux, mais dune sonoritä large. Ich hob unwillkürlich die Hand vor den Mund. Es war die Pavane von Maurice Ravel, dies feierlichste und traurigste Stückchen, das in den letzten Jahrzehnten in Eu­ropa ersonnen wurde, durchschwebt zuweilen von zerbrechlichen Klavierharpeggien, von gläsernen Tri- olen. Die Pavane. Ein kleines Orchester spielte sie. Nun nahm die Flöte das Anfangsthema auf und behielt es, das Cello mischte sich ein, un peu retenu, und dann kamen die beiden Geigen aus der Tiefe empor und schmolzen ziehend und weh­mütig mit der Melodie zusammen. Das Ganze ging dahin, klagte und tanzte mit schleppenden Schritten auf der Stelle. Ein Reigen, krank vom Nachsinnen über versunkene Zeiten, ein Gesang, überschattet vom Ende, eine todestraurig lächelnde Musik in 0-Dur, oft hinüberklingend nach E-Moll, tres doux et tres lie, Schritt für Schritt. Ich hatte immer noch die Hand vor dem Mund. Meine Augen blickten über die flammende Stadt hin. Aber ich wußte nichts davon, ich hörte nur der Musik zu, ganz innen. Noch einmal nahm sich das Cello der schmerzlichen Bewegung an, noch einmal war es wie Gesang, langsam ... langsam ... Europa ... Heimat ... gläserner Klang ... zartes Atmen ... Stille von Jahrtausenden ... Andacht, Melodie und Untergang ... geliebte Krankheit... Es riefelte un­aufhörlich über meinen Rücken. Dann war es vorbei.

Ich war das einzige fühlende Wesen weit und breit. All das andere dampfte, leuchtete, heulte und brauste aleichfam aus sich selbst. Es war Neuyork, es war Amerika! Grenzenlos, unfaßbar, wild, ohne Barmherzigkeit, überroanbert von eiskalten Winben unb schweren Wolkenzügen, bie von ben verschnei­ten Urwälbern Kanabas herüberkamen. Ich ftanb ba unb fühlte mich so hilflos unb verloren in biefer Nacht. Der gasige Rauch aus ben Kaminen, ber um mich herumflog, trieb mich zur Seite. Ich bückte mich hinter einen Wassertank.

Abschied von Neuyork.

Von Manfred Hausmann.

Als ich in ber letzten Nacht, bie ich vor meiner Rückreise nach Deutschlanb in Neuyork verbrachte, auf bas Dach meines Hotels gehen wollte, bürste >ch es nicht. Wir schrieben Dezember, unb im Dezember war, wie mir ber Liftmann auseinanber- >Eßte, bas Betreten bes Daches eben nicht erlaubt, 3d) würbe nach all bem Voraussetzungslosen unb llngebunbenen, bas ich in ben letzten Wochen er- !ebt hatte, zum ersten Male roieber ein wenig an Europa erinnert, wo einem ja burch Sitte unb Ge- sttz, zählt mans einmal zusammen, mehr verboten cis freigestellt ist. Europa... ach ja, Europa... S-rgenb etwas rührte mich an. Kein Unbehagen, nie man meinen sollte, eher eine zärtliche unb mit- Irtbsvolle Empfinbung. Europa... Wahrscheinlich Mte ich ganz einfach Heimweh. Aber es bauerte r ur einen Augenblick, es kam unb verging wie ein ^auch, bann war ich roieber bort, wo ich war, unb tzrfuqjte, ba sich bie Liftmänner auf ber rechten Gieite ber Halle als unzulänglich erwiesen, mein wud bei benen zur Linken. Gleich ber erste machte e:nen aufgeroedten Einbrud. Mein klägliches Eng- lissch klang, zumal wenn ich höflich sein wollte, noch mmer nicht viel besser als vor sechs Wochen: Ich trürbe es lieben, zu fein gehenb empor auf bas 21 ad) von bem Gebäube.

Äst nicht erlaubt in winter time, Sir!

All right, sagte ich unb stieg ein, come on, old Icuap! Ich wollte so gern noch einen Abschiebs- bid über bas nächtliche Neuyork werfen.

Aber er schüttelte mit freunblicher Bestimmtheit |( n Haupt. Bis zum sechsunbbreißigsten Stock, y her nicht. Auch bas Transferieren einiger De- v 'en von Mensch zu Mensch vermochte ihn nicht anzustimmen.

Beim nächsten erging es mir genau so unb beim butten nicht besser. Schließlich gab ich nach unb W mich von bem letzten, einem grauhaarigen Ne- 8er, zum Sechsunbbreißigsten hinaufsahren.

Ts erwies sich, baß bie Sache an Ort unb Stelle ®i I einfacher war, als sie sich von unten angesehen harte. Ich brauche bloß mein Hütchen in ben Nacken |u schieben unb bas erste befte Zimmermäbchen, 005 mir in ben Weg lief, im Tonfall eines Men- Ich'n, ber weiß, was er will, zu fragen, wo es hier ienn, zum Satan auch, aufs Dach hinausginge, ba : öffnete bie Gute mir auch schon eine eisenbeschla- i |ete Tür am Enbe bes Ganges. Das war alles, f salutierte ihr, ben Nagel bes Mittelfingers an 1 leine linke Augenbraue legend, wie ich es im Kino i

WM Herren-Bekleidungshaus m)..,- , MÄÜHH Gießen G.m.b.H. Marktplatz

Mittwoch I V ertragslieferant der Heereskieiderkasse

von Rob la Roque gelernt hatte, unb stieg bie Bo­dentreppe hinan, bie hinter ber Tür, vorbei an Rohrleitungen von gewaltigen Ausmaßen, fchwitzen- ben Wassertanks unb burcheinanbergeschlungenen Bunbeln elektrischer Kabel, nach oben führte. Wie­der eine eiserne Tür. Sie war nicht verschlossen, Siuuh... heulte der Wind, der sich plötzlich herein­drängte. Er riß mir die Klinke aus der Hand und schmetterte die Tür krachend gegen einen Kamin. Äch faßte nach meinem Hütchen und trat hinaus.

Das Hotel lag in der-Nähe von Times Square an ber Achten Avenue. Wie ich auf bem Dach ftanb, i)atte ich, nach Sübosten blickenb, das ganze Wcl- kenkratzergebirge des nächtlichen Manhattan vor mir. Die tollste Landschaft der Welt. Keine Stadt mehr, eine Landschaft, windüberweht. Da waren Schluchten, unten weiß von Licht, mit dunklen Wänden, an denen rote, blaue und violette Blitze emporzuckten und, nachdem sie geborsten waren, als glitzernder Staub absanken... da dampften Lichtnebel hoch, ba ragten bleiche Felsen mit großen, einsamen Augen auf ber Spitze bis unter bie Wolken, Felsen mit langsam sich brehenben Schein­werferarmen, Felsen mit golbenen Kuppeln, rosa glühenbe Felsen unb Felsen, bie aus nichts als ver­tikalen Lichterzeilen bestauben, unwirkliche Felsen. Anberswv stuften sich gigantische Pyramiben em- wor mit Lichtfvntänen, illuminierten Weltkugeln ober Flackerfeuern zuoberst. Dazwischen loberten Flammenschriften, hängenb im leeren Raum, Bil­der aus Perlen, jetzt hier, jetzt bort, jetzt verlöschenb, jetzt ruckweise ausstrahlenb, burcheinanberkreisenb unb mit einem Male georbnet verweilenb, um gleich barauf abermals zu zerfallen unb zu wirbeln. Eine hinter ber anbern. Immer ferner unb ferner, zuwei­len von weiß schimmernbem Dunst verschlungen, unb schließlich sich oerüerenb im Lichterozean gegen bie Horizonte hin. Es war ein wirklicher Ozean von Licht mit Unenblichkeit unb ziehenben Wellen, mit Branbung unb ununterbrochenem Gebrause. Er­leuchtete Schiffe bewegten sich kreuz unb quer barüber hin: bie Züge ber Hochbahnen.

Nirgenbs gab* es Menschen.

Der Spielplan ber RS.-kulturgemeinbe Gießen für rNonal Dezember.

Arn Samstag, 7. unb am Montag, 9. Dezember kommen jeweils von 20 bis 23 Uhr als Vorstellun­gen ber NS.-Kulturgemeinbe bie OperetteDer Vogelhänbler" von Karl Zeller zur Aufführung. Die Operette wirb in ber völlig neuen Münchener Fas­sung gespielt. Die musikalische Leitung liegt in Hanben von Kapellmeister Paul Walter Die Spielleitung hat Paul Wre5e. Freier Kartenver­kauf zu Tagespreisen an ber Abenbkasse. Die 2. Dezembervorstellung für bie Deutsche Bühne wirb im Januar nachgehvlt.

211X1 Montag, 30. Dezember, kommt als Ersatz für bie ausgefallene VorstellungCosi fan tutte" vom 11. November bie OperMaskenball" von Verbi zur Aufführung. Musikalische Leitung: Paul u, sinsrsrsssnHiÄ-äS. $;«». 1 St,ÄV&'»»;

heil Hitler!

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