Ausgabe 
30.11.1935
 
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Arzt und Soldat

Von Dr. Hans Hartmann

Als Agent des britischen Geheimdienstes im zaristischen Rußland während des Weltkrieges. Aus den Erinnerungen des Außenministers <5ir Samuel Hoare.

als es Gummi selbst jemals sein könnte. Und die Menschen auf der Erde beginnen zu fürchten, daß Petroleum wieder einmal mit Blut gemischt wird..

Dor Zeiten fochten unsere Vorfahren für Weiden, Länder, Wälder, Wasser. Heute kämpfen sie f ü r Petroleum, wenn auch nicht immer Nachrichten darüber in die Zeitungen gelangen. Einst hieß es, daß die Armeenauf ihren Mägen marschierten" heute bewegen sie sich auf einer Flut von Petro­leum, Oel und Benzin. Die Flotten verbrennen es. Flugzeuge schrauben sich mit seiner Hilfe in die Luft, Tanks, Panzerwagen und Bagagewagen der mechanisierten Armeen wären hilflos ohne es.

Die Nachricht von den Konzessionsverchandlungen des Engländers Rickett im Auftrage der ameri­kanischen Standard Oil Company setzte die gesamte zivilisierte Welt vor Wochen in fieberhafte Speku­lationen und bis heute ist die Angelegenheit nicht restlos aufgeklärt worden. Mangel an Petroleum war es, der die italienischen Armeen verhinderte, bereits drei Wochen vor dem schließlichen Beginn der Feinseligkeiten in abessinisches Gebiet einzu­marschieren.

Und nicht zuletzt ist es die ungleiche Der-

Das vierte Siegel."

PetroleumSegen und Fluch!

Bon unserem b.-Serichterstatter.

Wehrmacht über genügend Männer verfügt, die in den verschiedenen Zweigen der Medizin zu Hause ^Vielleicht hat mancher die Frage auf dem Her­zen, warum das denn nötig sei und ob es nicht genüge, wenn der Sanitätsoffizier m den "Sol­datenkrankheiten" Bescheid weiß. Die Antwort ist ganz einfach: die Militärärzte sollen nicht nur im Kriegsfälle und nicht nur bei den allgemein üblichen Krankheiten ihre Arbeit tun, sondern sie sollen auch die Friedensarmee und die Familien der Soldaten, Unteroffiziere und Offiziere (bis zum Obersten ein­schließlich) ärztlich und fachärztlich versorgen. Je besser dies geschieht, desto schlagkräftiger und wider­standsfähiger ist die Armee in den Zeiten des Ernst­falles. So sind zur Zeit in den Kliniken der Charit^ 9 Stabsärzte und 46 Unterärzte tätig, wir ftnden sie ebenso in der Kinder- wie in der Frauenklinik und anderen Spezialinstituten. Auch die neueren Abteilungen der Charitö, die der Konstitutwnssor- schung oder der Erbpathologie dienen, werden von den Militärärzten mit Aufmerksamkeit verfolgt.

Arzt und Soldat sie werden im Bunde mitein- ander stark sein. Denn sie dienen beide dem großen Organismus des Volkes, bereiten seinem Ausstieg die Wege und fühlen sich für einander verantwort­lich. Sie sind unbesieglich, wenn sie das Vertrauen zueinander haben, das nur aus der Hingabe an em großes Ganzes erwächst.

der Charitö.

Hören wir, wie es damals in der Laufbahn der Sanitätsofsiziere zuging: Von den achtPensionär­chirurgen", den oberen Militärärzten, wohnte einer ständig in der CharitS und bezog dort neben freiem Essen und Quartier 8 Taler Monatsfold. Man wählte dazu den aus, der nach der Güte der ab­gelegten Examina und nach seiner menschlichen Brauchbarkeit die nächste Anwartschaft zum Regi­mentsfeldscher besah. Diesem ersten Chirurgen waren noch eine Anzahl anderer junger Feldschere zur Hilfeleistung beigegeben, von denen zwei, später vier, freien Tisch und Quartier erhielten, während die übrigen dafür bezahlen mußten, um nach Abrücken der beiden ersten an ihre Stelle zu treten. Diese jungen Militärärzte mußten einige Kenntnisse in Anatomie, Körperlehre und Krank- heitslehre besitzen und Kollegs über Bandagen, Frakturen und Luxationen gehört haben. Nach Ab­lauf eines Jahres wurden sie dann bei Berliner oder auswärtigen Regimentern untergebracht und bei guten Leistungen weiterbefördert.

So hat sich also von Anfang an der Zustand eingespielt, daß die Charitö die ausschließliche Bil- dungsstätte für die Militärärzte wurde. Nur in Zeiten besonderen Bedarfs wurden Zivilärzte un- mittelbar als Sanitätsoffiziere übernommen. Das

fchwörers verkörperte.

Zuerst war es also A s e w, der agent provoca- teur. Gab es denn überhaupt so schändliche Lumpen, wie Provokationsagenten es sind? Waren sie nicht nur die Ausgeburt schuldiger oder verwirrter Ge­hirne? Ihre Arbeit schien so verteufelt schwierig, das Risiko so unsicher, die Belohnung so unwahr­scheinlich, daß es mir selbst schwer fiel, an ihre Exi­stenz zu glauben. Warum sollten Polizeiagenten zu terroristischen Verbrechen aufreizen? Der Wunsch, Einfluß in Polizeikreisen zu bekommen, schien mir keine rechte Erklärung zu geben für die Karriere dieser doppelzüngigen Verräter. Früher oder spater würden sie doch in eine exponierte Lage geraten, und selbst wenn sie einer Hinrichtung oder Ermor­dung entgingen, was für einen dauernden Lohn konnten sie erwarten, der sie nicht nach der einen oder anderen Seite hin verwickeln würde? Auf diese Fragen habe ich nie eine befriedigende Antwort bekommen können. Ich habe mich damit begnügt, auf zuverlässige Versicherung hin zu glauben, daß solche Menschen tatsächlich existierten, und daß der

London, im November.

Vor einigen Jahren tat der amerikanische Prä­sident C o o l i d g e während eines Banketts der Petroleumindustriellen in Washington den Aus­spruch:Wer das Petroleum der Welt besitzt, b e - herrscht d i e Welt!" Die Millionäre applau­dierten und ihre Politik beweist, daß sie die Worte ihres Präsidenten ernst nahmen. Petroleum hat heute die Rolle des Goldes übernommen. Mehr, es ist ein weit wichtigerer Faktor, als es Gold jemals war. Sämtliche Zweige aller Welt- induftrien wären heute ohne Petroleum und Oel undenkbar. Das gewaltige Verkehrsnetz, das die Welt umspannt, könnte ohne Petroleum kaum vier­undzwanzig Stunden aufrechterhalten werden. Zei­tungen werden mit seiner Hilfe gedruckt und in Milliarden Exemplaren über die Länder verteilt, Straßenteer könnte nicht ohne feine Beiprodukte hergestellt werden. Die Hälfte der Welthandels­und Kriegsflotte wird mit Oel geheizt und selbst bei den Eisenbahnen beginnt die Kohle seine herrschende Rolle zugunsten des Oels zu verlieren. Die Autoreifen der Millionen und aber Millionen von Autos werden mit feiner Hilfe zäher gemacht,

teiluna des Petroleumvorkommens, das die Strateaie der großen Mächte beeinflußt. Nur zwel unter ihnen besitzen selbst genug Quellen umi m einem Ernstfälle unabhängig von anderen Landern äü (Tin D e erste dieser Mächte sind die Vere.mg. ten Staaten van A m e r i f a, ine rund dre.merte der Weltproduktion besitzen und die andere Macht ist Sowjetrußland, die ungefähr em Achtel kontrolliert. Der Rest ist über die ganze Erde ver- streut und England baute nicht zuletzt feine gi­gantische Kriegsflotte für den Zweck, ihre weitver­zweigten Oelbesitzungen und Oelkonzesiionen zu schützen. In Friedenszeiten werden m England rund 1300 000 000 Gallonen Petroleum, Benzin und Oel verbraucht, und der Ertrag aus den Koh­lengewinnungsmethoden würde selbst bet äußerster Anspannung noch nicht ein Zehntel ausmachen. Das britische Imperium selbst liefert nur 73 000 000 Gal- Ionen jährlich nach England. Diese Bedurfnisie sind es, die Groß-Britannien bewegen, den Irak und Persien zu kontrollieren, Holländisch-Ost-Jndien zubeschützen" und den Südatlantik nach Vene­zuela, der drittgrößten Oelquelle der Welt offen­zuhalten. Japan selbst besitzt nicht genug Petro­leum und sieht deshalb begehrlich nach den ka- spischen, halbentwickelten russischen Oelfeldern und noch begehrlicher nach Holländisch-Ostindien. Die Errichtung des Staates Mandfchukuo war einer Dec ersten Schritte, die nach Westen führen, denn i n Mandfchukuo liegen unter den Dürren Step­pen rund fünf Milliarden Tonnen Petroleum und Kohle aus der wieder Petroleum gewonnen wer­den kann verborgen.

Die deutlich sichtbare Abnahme amerikanischen Einflusses auf dem Weltpetroleummarkt ist nicht zu­letzt der Erfolg Deterdings, des hollän­dischen geborenen Briten, der von Lord Fisher ein­mal sehr richtig mit den Wortennapoleonisch in einem Wagemut und gleich Cromwell in Gründ­lichkeit" charakterisiert wurde. Deterding entschloß sich bereits in jungen Jahren, die Vormacht Rocke- fellers und damit Amerikas im Petroleummarkt zu bekämpfen. Aus Vorsichtsgründen wußte er die Pariser Rothschilds zu bewegen, ihn finanziell zu stützen und fuhr nach den USA., wo er Land und , Konzerne direkt unter Rockefellers Augen zu kaufen i begann. Dann begann er feinSchlachtfeld" zu : vergrößern und schließlich gab es keinen Landstrich , zwischen Mexiko und Cyina, in dem nicht Deter- . dings und Rockefellers skrupellose Agenten einen . wilden Kampf gegeneinander führten.

Vor allem war es in China, wo Deterding fei­nen größten Triumph feierte, der eines gewissen grimmen Humors nicht entbehrte. Rockefeller hatte Hunderttausende primitiver Petroleum! am - p e n mit der InschriftMei Fu"Gut Glück" an die Chinesen verschenken lassen oder zu Spott­preisen verkauft und lieferte bann das dazugehörige Petroleum in Millionen Fässern. Deterding wartete in seinen eigenen Wortenso lange, bis die Lampen sich eingebrannt hatten" und verkaufte dann sein holländisch-ostindisches Oel für genau ben hal­ben Preis! Als Rockefeller sich schließlich ge­zwungen sah, einen Vertrag mit feinem Gegner ab- zufchließen, um von dem ursprünglichen Riesen­geschäft zu retten, was zu retten war, lautete der Kontrakt auf genau halbe Anteile der beiden Gegner.

waren aber Ausnahmen. Im ganzen genommen dürfen wir sagen: das preußische Samtatskorps war durchweg von jenem Geiste ernster Wissen­schaft und echter Hilfsbereitschaft erfüllt, der in der Charite herrschte. 1795 wurde unter ben weitblicken­den Generalärzten Theden und G o e r ck e, den eigentlichen Schöpfern einer umfassenden militär- ärztliche n Bildung, die Pepiniere gegründet, die später als Friedrich-Wilhelm-Jnstitut und in neuerer Zeit als Kaiser-Wilhelm-Akademie das Sanitätskorps der preußischen Wehrmacht theoretisch

auszubilden hatte. Auch die angehenden Militär­ärzte aus Sachsen, Baden und Württemberg be­suchten sie nach der Begründung des Deutschen Reichs. Nun, nachdem sie als Militär ärzt­liche Akademie wieder auferstanden ilt, Dient sie allen deutschen Sanitätsoffizieren zur Lehr­anstalt. Wie in Den meisten Derartigen Anstalten bildete sich ein eigener Geist unD eine eigene Sitte heraus. Die jungen Mediziner hießen ihr Leben lang diePfeifhahne" - ein Wort, das durch Umbildung aus dem Worte Pepimere gleich Pflanzschule" entstanden ist, indem man auf Pipe gleich Pfeife anfpielte. Vermutlich hat m vergange­nen Tagen Die Pfeife feine unwesentliche Rolle Dort ^Die^'jungen Militärärzte wachsen von Anfang an zur besonderen staatspolitischen Verantwortung heran. Sie werden Glieder der 2Irmec, die die Ehre des Vaterlandes zu wahren hat. Sie! wissen, wie sehr es auf Leben und Gesundheit jedes einzelnen Soldaten ankommt. So wachsen sie in emerr gro­ßen und umfassenden Organismus hmem, der ihnen höchster Lebensinhalt wird. Aber sie wissen eben­sogut, daß sie ihrer Verantwortung nur gerecht werden können, wenn sie die gründlichste rnebi.äi Nische Ausbildung erhalten, die nur möglich ist. Darum werden sie zur Charite abkommandiert, wo besonders befähigte Ober- und S absarzte eine mehrjährige fachliche Ausbildung erhalten. Sie wer­den auf Die einzelnen Kliniken verteilt, Damit Die

JeDer Deutsche legt sich wohl Die Frage vor, wie es Die Leitung Der Wehrmacht vermag, für Den Sol- ' Daten nicht nur in gefunDen Tagen zu sorgen, son- Dem auch Dann, wenn er einmal nicht im Vollbesitz feiner körperlichen Kräfte ist. Wer sich gern in Die Geschichte Des Soldatentums ver enft, wer Berichte aus vergangenen Kampfzeiten lie t oDer alte Kriegs- bilDer betrachtet, Der weiß, Daß Das Leben des Soldaten in dreifacher Weife bedroht fein kann: 1 entweder befällt ihn als Einzelnen eine Krankheit, eine Ansteckungskrankheit führt zu Maffenerkran- kungen, oder, Das gilt für Den Ernstfall Des Krie­ges, er erhält eine VerwunDung, Die nach Heilung verlangt. .

Es ist Das Heeresfanitätskorps (ein­schließlich Der Aerzte bei Marine unb Luftfahrt), Das als treuer Mentor Das Leben Des SolDaten bewacht unb behütet. Aus sehr kleinen Anfängen heraus ist es entstauben, unb es wuchs ftänbig bis zum Welt­kriege, wo es ungeheure Anforberungen erfüllte. Der Versailler Vertrag erzwang Dann seine Auflö­sung, aber nun, nachdem Die Fesseln Dieses Diktates in bezug auf Die Landesverteidigung ge­fallen finD, roirD es im Geiste feiner großen Tradi- tion roieDer aufgebaut.

Seine jetzt 300jährige Geschichte sollte jeder Deutsche wenigstens in ihren Umrissen kennen. Em nach Zahl und Rang genau geordnetes Samtats- personal gibt es in Preußen seit dem Beginn Des 17. JahrhunDerts. Im Dreißigjährigen Kriege hatten Die Regimenter ihren medizi- nisch ausgebilDeten Regimentsarzt; sie mußten sich freilich im übrigen mit Den KompamefelDschern begnügen, Die rein handwerklich arbeiteten und sich selten von den operierenden Badern unterschieden, bei denen sie zuvor in die Lehre gegangen waren. Und auch die Zunft der Leute, Die auf Den Jahr- Märkten herumzogen und Den Steinschnitt aus- führten, ftanD ihnen nicht sehr ferne. In jenen Zeiten erhielt Die Chirurgie ihren schlechten Rus, ben sie nur sehr langsam überroanb.

Auf Die Dauer erwies sich eine so geartete sani­täre Versorgung Der Armee als völlig unzureichend. Nach etwa 100 Jahren, also in Der Zeit Des großen SolDatenkönigs Friedrich Wilhelms L, rourDe Deshalb Die systematische AusbilDung von Aerzten für Den HeeresDienst in Die Wege geleitet UnD seit Den Tagen Des SolDatenkönigs hat Die Charite, Die jetzt ihr 225jähriges Bestehen feiert, ohne Unterbrechung Anteil gehabt an Der Aus­bilDung Der Sanitätsoffiziere.

Die Charis hat in ihren allerersten Anfängen nichts mit Dem Militär zu tun gehabt. Ihre große StunDe schlug erst, als Der SolDatenkönig und seine Berater auf Den glänzenDen Gedanken kamen, meh­rere Fragen zu gleicher Zeit zu lösen. Damals rourDen ja überall Die Grundlagen zu einem Aus­stieg Der Medizin und zu einem staatlich geord­neten Sanitätswesen gelegt. So war bas Collegium inedico - chirurgicum entstanden, das lange Zeit berühmt war, aber daran litt, daß es keine Kran­ken zum dauernden und gründlichen Studium der Krankheiten hatte. Wie selbstverständlich bot sich da die Charite an. Sie wurde nun Das Gar- nisonlazarett von Berlin, nahm weiter- hin bürgerliche Kranke auf unD erhielt Professoren Der MeDizin, Die im ftänDigen Verkehr mit ben Kranken am Krankenlager Den mebizinischen Nach­wuchs heranbilbeten. Es war sicher auch von Vor­teil, Daß Die Soldaten und die allgemeine Bevol- ferung in einem Gebäude zusammenlagen, und es mögen sich damals manche persönliche Bande zwi- schen dem Volke und der werdenden preußischen Armee geknüpft haben, die bald unter dem großen Friedrich zu unvergänglichen Taten berufen war.

Die beiden ersten Leiter der Charite waren Militärärzte, die damals zu den bekannte­sten Medizinern überhaupt gehörten. Es war der Mediziner Eller und der Chirurg Sen ff. Beide hatten reiche Erfahrung auf ihren Gebieten; Eller war weit gereift und kannte die Welt und die medizinische Forschung fremder Länder, die damals Deutschland noch voraus waren. Unb von jenen Tagen an waren bann bis in bis Gegenwart hinein immer hohe Militärärzte in Der Führung

Wenn Petroleum heute wirklich eine Der größten fchlummernDen Kriegsgefahren bedeutet, so sollten Die maßgebenDen Nationen Der ErDe Darauf sehen, ihren Petroleumagenten, Die für Privatgesellschaften arbeiten, ihre gefährlich kraftvollen Schwingen zu stutzen. Soweit jedoch haben sowohl die Regierunaen als auch der Völkerbund gefehlt, und Mister Ri^tt fitzt in Persien. Aber niemand weiß, ob er seine Hotelrechnungen mit Dollars ober Pfundnoten be­zahlt ...

Asew der Verräter.

Aus den Erinnerungen Sir Samuel H o a r e s , der als Leiter des englischen Ge­heimdienstes in Rußland auch Einblick in die Tätigkeit der russischen Terroristen bekommen hat, veröffentlichen wir nachstehend die Be- schreibung des Ochrana-Agenten und Terro­risten Asew, aus dem im Nibelungen-Ver­lag GmbH., Berlin, erscheinenden Buche Hoares:Das vierte Siegel, das Ende eines russischen Kapitels. Meine Mission un Ge­heimdienst 1916/17".

Der Terrorismus der siebziger und acht- ziger Jahre war nach der chaotischen Demobilrsie- rung des russischen Heeres am Ende des japanischen Krieges mit neuer Kraft zum Ausbruch gekommen. In Dem Gefühl Der NieDerlage, Das übxr Das ganze LanD hereingebrochen war, unD aus Der fanatischen Einstellung Der Männer unD Frauen heraus, Die Den Anschlag aus Den GroßsürstenSer- gius, einem Onkel Des Zaren, planten, hatte er ich sogar noch viel mehr ausbreiten, können. Für die Welt im allgemeinen war der Großfürst der Prototyp der Reaktion und sein Tod, so nahm man an, würde den Kräften der alten Ordnung einen vernichtenden Schlag versetzen. Drum wurden bis ins kleinste methodische Pläne zu seiner Ermordung ausgearbeitet. Die besten Gehirne der Terroristen befaßten sich damit, und die berüchtigsten agents provocateurs überwachten die Verschwörung.

Drei Männer, von denen sich jeder ganz auf­fallend vom andern unterschied, führten das Ver­brechen aus; Asew, der agent provocateur, Kalajew , Der romantische Idealist, unD S a - w i n k o w , Der ganz Die Geisteshaltung eines 23er-

berüchtigste unter ihnen Asew war, Der unheilvolle Aufwiegler zum Mord an Großfürst Sergius.

Asews Name ist seither berüchtigt. Die Memoiren von Revolutionären und die Veröffentlichung von Dokumenten Der Regierung haben ihn mit verschie- i Denen anDeren furchtbaren Verbrechen in Verbin­dung gebracht. Wer aber war Die Dunkle Gestalt hinter Den Verschwörern, als Plewe in Stücke ge­rissen rourDe? Asew. Wer lauerte im Schatten, als Stolopyn im Theater in Kiew von Bogrow er« morDet rourDe? Asew. Wer hat Dem einfachen Volk, Das Vater Gapon vor Dem Winterpalais versam­melt hatte, Verrat in Die Ohren geflüstert? Asew. UnD es mar roieDer Asero, der als Vorsitzender des zentralen Terroristenkomitees mit Tränen m Den Augen Das Mädchen, Das er liebte, hieß, Den Kommandanten der Gendarmen in Odessa zu toten, und der sie ein paar Minuten, nachdem das Ver­brechen geplant war, an die Polizei verriet.

Die eigentümlichen Umstände, unter denen sie ver­haftet wurde, tauchten bei anderen Fällen auch auf, und im Laufe der Zeit kristallisierte sich der Ver­dacht, der damals schon aufgekommen war, als Er­gebnis einer ganz zufälligen Begegnung zwischen dem bekannten Revolutionär Burzew und einer hochgestellten Persönlichkeit bei Der Polizei. Die zwei trafen sich plötzlich in einem französischen Speise­wagen. Burzew fing Die Unterhaltung an, unD Da er Keckheit unD Humor besaß, brachte er Das Ge- spräch auf Polizeiagenten. Mit einer plötzlichen Witterung warf er Asews Namen in Die Unter­haltung. Lopuchin, Der Polizeikommandeur, zeigte Durch seine Haltung sofort, daß er Der Wahr­heit auf Den Sprung gekommen war.

Die Sache rourDe sehr balD Danach in Terroristen­kreisen in RußlanD bekannt. Asew sollte Aufklärung geben, konnte es aber nicht. Eine ganze Nacht hm- Durch verhandelte bas Komitee, vor dem er zu­sammengekrochen mar, darüber, ob sie ihn töten sollten oder nicht. Obwohl Tod ihnen nichts bedeu­tete, denn sie hatten viele Männer und Frauen getötet, unschuldige ebenso wie schuldige, waren sie so entsetzt über die Ungeheuerlichkeit seiner Ver­brechen, daß sie ihre endgültige Entscheidung bis zum nächsten Nachmittag vertagten. Innerhalb we­niger Stunden war er auf dem Wege nach Deutschland, wo er starb, während ich in Petrograd war. Durch einen Zufall, der ebenso unglaublich scheint wie der, der zu feiner Ent­deckung geführt hatte, hat Burzew, der ihn an­gegeben hatte, ihn zuletzt gesehen. In einer der Sttaßen von Berlin fuhren sich zwei Autos an. Dem einen entflieg Burzew, der Sozialrevolutio- när, dem andern Asew, der agent provocateur. Man sagte mir, die zwei Männer, deren Wege sich noch einmal so merkwürdig kreuzten, hätten sich mit ein paar Worten gegenseitigen Erkennens begrüßt.

Dieser Asew war die treibende Kraft in der Verschwörung gegen Den Großfürsten.

Bethels Dienst am Volke.

Ein Arbeitsbericht der Bodelschwinghschen Anstalten.

Zur Weihnachtszeit tritt, wie alljährlich, Die An­stalt Bethel, Die großartige GrünDung F. von Bodelschwinghs mit einem Arbeitsbericht an Die Öffentlichkeit, Dem wir folgende Angaben ent­nehmen:

56 Pflegehäuser Bethels Dienen Den Fall­süchtigen, Geisteskranken, Gemüts- unD Neroen» leiDenDen. Der Dienst an Den Kranken steht noch immer im 23orDergrunD Der vielgestaltigen Arbeit Bethels. Die Durchschnittliche Tagesbelegung beträgt etwa 2900 Kranke Dieser Art. Gewachsen ist Der Hu­strom Der Gemüts- unD Nervenkranken, so Daß für sie neue Plätze geschaffen werDen mußten.

Bethel unterhält 8 Arbeiterkolonien für WanDerarme unD Arbeitslose. In Bethel selbst liegen Der Quellenhof unD Das WanDererheim, und in Der Zweiganstalt EckarDtsheim in Der nahen Senne: Wilhelmsdorf, Schillingshof unD Mühl- grunD; im Wietingsmoor: Freistatt unD Heimstatt; in Der HermannsheiDe: Heimathof. Die Tagesbeleg­schaft beträgt etwa 1000 (1934: 4892 WanDerer mit 368 022 Pflegetagen). Der erfolgreiche Kampf Der Regierung gegen Das Bettlerunwesen führte Dazu, Daß im Jahre 1934 noch 80 neue Plätze eingerichtet werDen mußten.

Erziehungsbedürftige, Psychopathen, Alkoholiker, Insassen von Altersheimen etwa 900 im Tagesdurchschnitt.

Dienst an Der gefunDen Jugend: Schulen mit Internaten für Die körperlich unD geistig ge- sunDe JugenD zur Erziehung unD zur Volks- und Berufsbildung: Oberschule in Aufbauform für Knaben, Lyzeum für Mädchen Theologische Schule Haushaltungsschulen usw. Durch Den Umschulungsdienst an jugendlichen Erwerbs­losen von der Industrie zur Landwirt­schaft in Sigmarshof gingen allein 639 Jugend­liche mit 46194 Pflegetagen (125 im Tagesdurch­schnitt).

Krankenhäuser für körperlich Kranke, Gun- §enkranke Kinderkrankenhaus Hospize auf der nfel Amrum und anderswo. Insgesamt gingen im Jahre 1934 durch Bethels Anstalten 22 445 Pflege-

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