Ausgabe 
30.10.1935
 
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Regierungswechsel in Spanien.

Steuern für die eigene Tasche.

Großzügige Ausplünderung der Bauern

Ein Destechungsskandal die Ursache zum Sturz des Kabinetts. - Der bisherige Minister­präsident Ehapaprieta bildet auch die neue Regierung unter Ausschluß der belasteten Minister.

Madrid, 29. Okt. (DNB.) Der spanische Mi­nisterpräsident und Finanzminister Chapaprie- t a hat dem Staatspräsidenten den Rücktritt des gesamten Kabinetts mitgeteilt und ist von diesem sofort mit der Neubildung der Regierung beauftragt worden. Die neue Re­gierung setzt sich wie folgt zusammen: Ministerprä­sident: Ehapaprieta (unabhängig)-, Außenmi­nister: Martinez de Velasco (Agrarier); Justiz­minister: Salmon (Katholische Volksaktion CEDA.); Kriegsminister: Gil Nobles (CEDA.); Marineministerium: Rahola (Katalanische Liga); Finanzminister: Ehapaprieta; Innenminister Pablo Bianco (radikal); Unterrichtsminister: Bardaji (radikal); Minister für öffentliche Arbei­ten: Lucia (CEDA.); Handelsminister: U s a b i a- g a (radikal).

Die neue Regierung unterscheidet sich nur un­wesentlich von ihrer Vorgängerin. Die partei­mäßige Zusammensetzung ist dieselbe: Drei Radikale, drei Vertreter der CEDA., ein Agra­rier, ein Unabhängiger und ein Mitglied der Kata­lanischen Liga. An die Stelle des bisherigen Außenministers Lerroux ist der Führer der Agrarier und bisherige Handelsminister deVe- l a s c o getreten und an die Stelle des Letzteren der Radikale U s a b i a g o. Der Unterrichtsminister R o ch a ist durch den Präsidenten der parlamenta­rischen Finanzkommission Bardaji ersetzt worden. Die schnelle Lösung der Regierungskrise hat überall Erstaunen hervorgerufen, da es das erlle Mal ist, daß in Spanien eine Krise innerhalb weniger Stunden behoben wurde. In politischen Kreisen er­blickt man darin einen Beweis für den Arbeits­willen des Regierungsblockes.

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Seit dem Sturz des Königshauses und auch schon vorher! hat es in Spanien an Kabinetts­und Staatskrisen keineswegs gefehlt. In bunter Aufeinanderfolge find die verschiedenen Regierungen vorbeigezogen wie ein Kaleidoskop der inneren Wir­ren, die das Land seit geraumer Zeit erschüttern. Ein Kabinettsturz, wie er wieder einmal erfolgt ist, dürfte daher nicht weiter verwundern. Und trotzdem konzentriert sich diesmal die Aufmerksamkeit in er­höhtem Maße auf die parlamentarischen Vorgänge; denn es ist ein häßlicher Finanzskandal, der zu dem Beschluß des Ministerpräsidenten C h a p a - prieta geführt hat, den Rücktritt seiner Regie­rung zu erklären. Bei diesem Skandal handelt es sich um angebliche Bestechung hoher Re­gt e r u n g s st e l l e n , die zur Hergabe von Kon­zessionen für die Errichtung von Spiel­banken veranlaßt werden sollten. Ein Jude Da­niel Strauß soll dabei die Hauptrolle gespielt haben und auch der Neffe des bisherigen Außenmini ft ers Lerroux soll in die Affäre verwickelt sein.

Daniel Strauß hat eine bewegte Laufbahn hinter sich. Heber seine Staatszugehorigkeit lausen die verschiedensten Versionen um. Es wird nacheinan­der behauptet, er sei deutscher Emigrant, Schweizer oder Holländer. Strauß selber hat jedoch erklärt, daß er zuletzt die mexikanische Staatsangehörigkeit erworben habe. Strauß machte zuerst von sich reden, als er im Jahre 1933 in Barcelona unter Vorspiegelung falscher Tatsachen sich in die Orga­nisation des Boxkampfes zwischen Schmeling und Paolino einschaltete. Bei dieser Gelegenheit hat er erhebliche Summen unterschlagen, so daß er den Schauplatz seiner Tätigkeit alsbald nach Holland verlegte, wo er ein Glücksspiel-Unternehmen in Form eines elektrischen Roulettespiels betrieb, das er sich selber ausgedacht hatte, das er aber alsbald wie­der aufgeben mußte, weil die niederländischen Be­hörden mit diesem Unternehmen nicht einverstanden waren und ihn samt seinem Aparat über die Gren­ze abschoben. Er versuchte nun, die Spanier mit seinerErfindung" zu beglücken. Tatsächlich ge­lang es ihtn auch, die Konzession für die Errichtung von Spielbanken in Spanien zu erhalten. Einflußreiche Beamte und Partei­männer wurden zu diesem Zwecke bestochen. Strauß stellte mit dem Neffen des damaligen Ministerprä­sidenten Lerroux einen Plan auf, durch den der Bürgermeister von Madrid, Alonso, und der

ehemalige Unterstaatssekretär im Innenministerium, Benso, in Form einer Beteiligung von 150 000 Peseten an der geplanten Spielbank inter­essiert werden sollten. Die Zustimmung des Direk­tors der Sicherheitspolizei sollte ebenfalls durch eine Summe von 50 000 Peseten erkauft werden. Aber nur 48 Stunden erfreute sich die internatio­nale Gesellschaft des nordspanischen Modebades San Sebastian an dem Roulettespiel. Dann wurde der Betrieb geschlossen, weil der Skandal an die Oeffent- lichkeit drang.

Strauß aber versuchte es nun mit einem Er- prefsungsmanöver, indem er die Rückzahlung einer Summe von 400 000 Gulden verlangte, die er an­geblich in das Geschäft gesteckt hätte, widrigenfalls er Dokumente oorlegen würde, die die spanische Regierung vor der Oeffentlichkeit unmöglich machen würden. Das spanische Volk wird es seiner jetzigen Regierung hoch anrechnen, daß sie auf den Er­pressungsversuch nicht eingegangen ist, sondern un­verzüglich einen parlamentarischen Untersu­chungsausschuß eingesetzt hat, der an Hand der von Daniel Strauß vorgelegten Dokumente den ganzen Skandal geprüft und beurteilt hat. In einer stürmischen Parlamentssitzung wurde dann der Be­richt der Untersuchungskommission angenommen und der Abgeordnete Alonso freigesprochen, wäh­rend die übrigen in die Angelegenheit verwickelten Beamten und Politiker für schuldig erklärt wur­den. Die unmittelbare Folge dieser Cortes-Sitzung war der Rücktritt der Regierung und die Ab­dankung der beiden Minister Lerroux und Rocha, die zwar beide nicht in eigener Person, aber durch ihre Umgebung an den Durchstechereien beteiligt waren.

Die interessanteste Person, deren Namen bei die­ser Gelegenheit genannt wird, ist der bisherige Mi­nister des Aeußern, Lerroux, der dem poli­tischen Leben der letzten vier Jahre seinen Stempel aufgedrückt hat. Alexandra Lerroux ist schon ein alter Mann, ein radikaler Republikaner, der an allen revolutionären Bewegungen in Spanien seit 35 Jahren seinen Anteil gehabt hat. Er ist der Füh­rer der katalanischen Freimaurer, antireligiös und

Aus all

Rundfunkübertragung

der Trauerfeier für Ministerialrat Laubinger.

Aus der Volksbühne am Horst-Wessel-Platz in Berlin überträgt der Deutschlandsender am Don­nerstag um 11 Uhr die Trauerfeierlichkei­ten für den verstorbenen Präsidenten der Reichs- theaterkarnrner Ministerialrat Otto Laubinger. Um 10.50 Uhr wird ein einführender Funkbericht gegeben.

Beisetzung von Geheimrat Seeberg.

Auf dem hinterpommerschen Landsitz des ver­storbenen Berliner Theologen Reinhold Seeberg fand am Sarge des Heimgegangenen eine Trauerfeier statt. Der als Geistliche amtierende Professor Koepp von der Universität Greifswald, ein Schü­ler des Verewigten, gedachte der Bedeutung des bis zuletzt rastlos tätig gewesenen Heimgegangenen für die deutsche theologische Wissenschaft. Im Auf­trage des Reichsministers Ruft sprach Professor K o e p p e n, dessen herzlichste Anteilnahme an dem schweren Verlust aus, den die Wissenschaft erlitten habe. Im Namen der Berliner Universität grüßte der Dekan der Fakultät, Professor Fendt, den toten Gelehrten. Für den Zentralausschuß für die Innere Mission der evangelischen Kirche, deren Präsident Reinhold Seeberg gewesen ist, gedachte Bischof Caro der unvergeßlichen Verdienste See- bergs am Werke der Inneren Mission. Ein Beauf­tragter der Berliner Studentenschaft gab deren tiefen Dank an den Toten beredten Ausdruck. Sie habe in dem Abgeschiedenen den großen Ge­lehrten verehrt, der sich das Herz der akademischen Jugend erobert habe. Ferner sprach Professor B r u n st e d t - Rostock im Auftrag des kirchlich-so­zialen Bundes. Gefolgt von der Trauergemeinde wurde die sterbliche Hülle dem Ahrenzhopper

antikirchlich eingestellt; ein Pazifist reinsten Was­sers, der aber während des Weltkrieges trotzdem hinter der Entente stand und mit allen Mitteln ver­suchte, die Kriegserklärung an Deutschland zu be­treiben. Gtelch nach dem Umsturz in Spanien am 14. April 1931 übernahm er das Außenministerium in der ersten republikanischen Regierung Zamoras und bildete in der Folgezeit als Ministerpräsident verschiedene Regierungen, deren letzte im April die­ses Jahres scheiterte, nachdem der politische Wider­stand gegen die radikale Linie seiner Politik immer stärker geworden war. Lerroux wurde aber im Ka­binett Ehapaprieta noch einmal Außenminister. Er dürfte aber jetzt wohl angesichts der sonderbaren Entwicklung voraussichtlich endgültig von der poli­tischen Bühne abgetreten sein.

Trotz der Beteiligung der stärksten parlamentari­schen Partei, der Katholischen Volksaktion, steht die Regierung auf schwachen Füßen, da innerhalb der daran beteiligten Parteien hinsichtlich der katalani­schen Frage stark voneinander abweichende An­schauungen vertreten sind. Man darf allerdings nicht verkennen, daß das Kabinett auf erfolgreiche Maßnahmen zur Durchführung des nationalen und wirtschaftlichen Aufbaues zurückblicken kann und daß die Gegnerschaft in der Hauptsache als ein Manöver der Linken betrachtet wird. Der stärkste Mann des Kabinetts ist unzweifelhaft der Kriegs­minister und Chef der Katholischen Volksaktion Gil Robkes, in dem weite Kreise der spani­schen Politik den kommenden Mann sehen. Gil Nobles ist ein Politiker, der mit seinen 37 Jahren noch weite Entwicklungsmöglichkeiten besitzt und der mit ziemlicher Sicherheit in einem ihm geeig­net erscheinenden Zeitpunkt an das Steuer des Staates treten wird. Wann der große Augenblick für Gil Nobles kommen wird, läßt sich nicht über­sehen. Bisher zögerte feine Partei, die republika­nische Staatsform Spaniens anzuerkennen und hielt es mit der Politik ihres Chefs, der als königstreu gilt und der in den Grundbegriffen der Religion, der Ordnung und des Privateigentums groß geworden ist.

?r Meli.

Fri edh o f zugeführt, wo 'Reichsbischof Mül­ler die Grabrede hielt.

250 Iahre Hugenotten in Brandenburg.

Aus Anlaß der 250jährigen Wiederkehr der Auf­nahme der Hugenotten durch den Gro­ßen Kurfürsten veranstaltet die französische Gemeinde in Berlin eine dreitägige Gedenk­feier, die mit einem Festgottesdienst ihren Auf­takt nahm. Der herrliche alte Dom am Gendarmen­markt konnte die Zahl der an der Feier teilnehmen­den Mitglieder der französischen Kolonie kaum fassen. Alle Ministerien und Behörden hatten Ver­treter entsandt. Vom Diplomatischen Korps be­merkte man u. a. den Botschafter Frankreichs und den schweizerischen Gesandten. Die Stadt Berlin war durch Oberbürgermeister Dr. S a h m vertre­ten. Der Festgottesdienst begann mit dem Einzug der 29 Pfarrer des Konsistoriums der französischen Kirche. Die Festpredigt hielt der älteste Pfarrer der Kirche, Lorenz. Er wies auf die Bedeutung des 29. Oktober hin, des Tages, an dem der Große'Kur­fürst 1685 im Edikt von Potsdam den auf Grund ihres religiösen Bekenntnisses in Frankreich unter­drückten Hugenotten in Brandenburg eine neue Heimat gab. Dem Festgottesdienst schloß sich die Enthüllung eines Calvin-Denkmals an, das an der Außenfront des Französischen Domes in Form einer großen Gedenktafel angebracht ist.

38. Frankfurter Jnseklenlauschbörse.

Die 3 8. Frankfurter Jnsektentausch- b ö r f e , veranstaltet vom Entomologischen Verein Apollo" unter Mitwirkung des Internationalen En­tomologischen Vereins sowie des Vereins für Insek­tenkunde, findet nächsten Sonntag in Frankfurt statt. Die Jnsektenbörse ist die älteste, bekannteste und be­suchteste der Welt/ Nach den bisherigen Anmeldungen

in der Ukraine dnrch Sowjetbeamte.

Moskau, 30. Okt. (DNB. Funkspruch.) In einer Verordnung des Rates der Volkskommissare der Sowjetunion wird der Bundeskommis­sar für die Finanzen Grinko wegen man­gelnder Kontrolle der ukrainischen Finanzverwal­tung gerügt, dem ukrainischen Finanzkommissar ein scharfer Verweis erteilt und eine sneihe von hohen Beamten der Finanzverwaltung a b g e setzt und dem Gericht übergeben.

Der staatliche Kontroll-Ausschuß hat in der Fi­nanzverwaltung der Stadt Charkow und des Charkower Gebiets grobe Unregelmäßig­keiten, die Erhebung von zusätzlichen Steuern und Abgaben aus eigener Machtvollkommenheit, d. h. die wirtschaftliche Ausplünderung der Bevölkerung und die unkontrol­lierte Verausgabung von mehreren Millionen Rubel entdeckt. Der Charkower Sowjet hat außer den üblichen Steuern die Bauern mit zusätzlichen Abgaben für jedes Pfund verkaufter Lebensmittel, für die Verpachtung von Markträumen, selbst für die Genehmigung von Aushängen von Ladenschil- dern und für Instandsetzung der Häuser belegt. Aus den eingenommenen Geldern sind dann Sonderfonds" gebildet worden, die zur Belohnung besonderer Verdien st e" verschiedener hoher Beamter dienten. Auf diese Weise haben sich die Leiter der Finanz- verwaltung eine Quelle geschaffen, aus der sie sich gegenseitig dauernd Belohnungenbewilligten". Darüber hinaus find von ihnen aber auch insge­samt 5,6 Millionen Rubel aus den staatlichen Mit­teln verschleudert worden. Da eine Kontrolle des ukrainischen Finanzkommissariats oder des Moskauer Bundeskommissariats nicht ausgeübt wurde, konnten diese Machenschaften zwei Jahre lang getrieben werden.

dürfte die Börse, die alljährlich von mehreren Hun­dert Entomologen, Jnsektensammlern und Händlern aus dem Reich und dem Auslande besucht wird, mit besonders interessantem Material beschickt werden. Einige hunderttausend Insekten, sowie lebendes Ma­terial, gelangen dabei zur Ausstellung.

Euwe gewinnt die zwölfte Partie.

Im Schachwettkampf um die Welt­meisterschaft zwischen Aljechin und Euwe wurde in Amsterdam die 12. Partie gespielt, in der Euwe die weißen Steine hatte. Aljechin, der offenbar nicht in guter Form war, kam schon in der (Eröffnung in Nachteil und brachte später ein unkorrektes Figurenopfer. Er geriet dadurch sehr bald in eine unhaltbare Stellung und muhte nach 35 Zügen die Partie a u f g e b e n. Der Stand des Wettkampfes ist: Aljechin 5, Euwe 4, remis 3.

Diphtherie und Scharlach in Heidelberg.

Mit Rücksicht auf die zunehmende Ausbreitung von Diphtherie und Scharlach in Heidelberg hat die Polizeidirektion die Schließung sämtlicher Kleinkinderanstalten, Kleinkinderschulen usw. in Heidelberg auf zunächst 14 Tage angeordnet.

Der Rhein führt Hochwasser. Ueberschwem- mungen in der Schweiz.

Von verschiedenen Orten der Schweiz und auch vom Hochrhein wird Hochwasser gemeldet. Seit Sonntag regnet es im Hochalpengebiet ohne Unter­brechung. Im Gebirge der Voralpen sind in den letzten zwei Tagen Niederschlagsmengen von 50 bis 60 Millimeter gemessen worden. Da in den letz­ten Tagen der Föhn im Gebirge zur Schneeschmelze führte, was sonst im November ober Dezember ein­tritt, ist Hochwasser zu befürchten. Der Rhein ist in den letzten 40 Stunden in Basel und Waldshut stark gestiegen und hat bereits das Vorgelände überflutet.

Im Kanton Uri find die Bergbäche über die Ufer getreten, fo daß die Gotthardtstraße an zwei Stellen unterbrochen ist. Die Reuß führt in ihrem Unterlauf ebenfalls Hochwasser. An der Grenze zwischen Kanton Waadt und Bern brach das Was­ser in ein Bauernhaus ein und riß Vater, Mutter und zwei Kinder mit sich fort. Alle vier ertran­ken. Der Knecht wurde unter den Trümmern des zusammengestürzten Hauses mit eingedrücktem Brustkorb aufgefunden. Die die Kantone Glarus und Uri verbindende Klaufenstraße wurde vom Hochwasser überflutet und an einer Stelle ver­schüttet.

ist verbürgt lippenfest und bronce- farbenfrei, gewährt somit dem Rau­cher unverfälschten Tabakgenuß.

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