Regierungswechsel in Spanien.
Steuern für die eigene Tasche.
Großzügige Ausplünderung der Bauern
Ein Destechungsskandal die Ursache zum Sturz des Kabinetts. - Der bisherige Ministerpräsident Ehapaprieta bildet auch die neue Regierung unter Ausschluß der belasteten Minister.
Madrid, 29. Okt. (DNB.) Der spanische Ministerpräsident und Finanzminister Chapaprie- t a hat dem Staatspräsidenten den Rücktritt des gesamten Kabinetts mitgeteilt und ist von diesem sofort mit der Neubildung der Regierung beauftragt worden. Die neue Regierung setzt sich wie folgt zusammen: Ministerpräsident: Ehapaprieta (unabhängig)-, Außenminister: Martinez de Velasco (Agrarier); Justizminister: Salmon (Katholische Volksaktion — CEDA.); Kriegsminister: Gil Nobles (CEDA.); Marineministerium: Rahola (Katalanische Liga); Finanzminister: Ehapaprieta; Innenminister Pablo Bianco (radikal); Unterrichtsminister: Bardaji (radikal); Minister für öffentliche Arbeiten: Lucia (CEDA.); Handelsminister: U s a b i a- g a (radikal).
Die neue Regierung unterscheidet sich nur unwesentlich von ihrer Vorgängerin. Die parteimäßige Zusammensetzung ist dieselbe: Drei Radikale, drei Vertreter der CEDA., ein Agrarier, ein Unabhängiger und ein Mitglied der Katalanischen Liga. An die Stelle des bisherigen Außenministers Lerroux ist der Führer der Agrarier und bisherige Handelsminister deVe- l a s c o getreten und an die Stelle des Letzteren der Radikale U s a b i a g o. Der Unterrichtsminister R o ch a ist durch den Präsidenten der parlamentarischen Finanzkommission Bardaji ersetzt worden. Die schnelle Lösung der Regierungskrise hat überall Erstaunen hervorgerufen, da es das erlle Mal ist, daß in Spanien eine Krise innerhalb weniger Stunden behoben wurde. In politischen Kreisen erblickt man darin einen Beweis für den Arbeitswillen des Regierungsblockes.
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Seit dem Sturz des Königshauses — und auch schon vorher! — hat es in Spanien an Kabinettsund Staatskrisen keineswegs gefehlt. In bunter Aufeinanderfolge find die verschiedenen Regierungen vorbeigezogen wie ein Kaleidoskop der inneren Wirren, die das Land seit geraumer Zeit erschüttern. Ein Kabinettsturz, wie er wieder einmal erfolgt ist, dürfte daher nicht weiter verwundern. Und trotzdem konzentriert sich diesmal die Aufmerksamkeit in erhöhtem Maße auf die parlamentarischen Vorgänge; denn es ist ein häßlicher Finanzskandal, der zu dem Beschluß des Ministerpräsidenten C h a p a - prieta geführt hat, den Rücktritt seiner Regierung zu erklären. Bei diesem Skandal handelt es sich um angebliche Bestechung hoher Regt e r u n g s st e l l e n , die zur Hergabe von Konzessionen für die Errichtung von Spielbanken veranlaßt werden sollten. Ein Jude Daniel Strauß soll dabei die Hauptrolle gespielt haben und auch der Neffe des bisherigen Außenmini ft ers Lerroux soll in die Affäre verwickelt sein.
Daniel Strauß hat eine bewegte Laufbahn hinter sich. Heber seine Staatszugehorigkeit lausen die verschiedensten Versionen um. Es wird nacheinander behauptet, er sei deutscher Emigrant, Schweizer oder Holländer. Strauß selber hat jedoch erklärt, daß er zuletzt die mexikanische Staatsangehörigkeit erworben habe. Strauß machte zuerst von sich reden, als er im Jahre 1933 in Barcelona unter Vorspiegelung falscher Tatsachen sich in die Organisation des Boxkampfes zwischen Schmeling und Paolino einschaltete. Bei dieser Gelegenheit hat er erhebliche Summen unterschlagen, so daß er den Schauplatz seiner Tätigkeit alsbald nach Holland verlegte, wo er ein Glücksspiel-Unternehmen in Form eines elektrischen Roulettespiels betrieb, das er sich selber ausgedacht hatte, das er aber alsbald wieder aufgeben mußte, weil die niederländischen Behörden mit diesem Unternehmen nicht einverstanden waren und ihn samt seinem Aparat über die Grenze abschoben. Er versuchte nun, die Spanier mit seiner „Erfindung" zu beglücken. Tatsächlich gelang es ihtn auch, die Konzession für die Errichtung von Spielbanken in Spanien zu erhalten. Einflußreiche Beamte und Parteimänner wurden zu diesem Zwecke bestochen. Strauß stellte mit dem Neffen des damaligen Ministerpräsidenten Lerroux einen Plan auf, durch den der Bürgermeister von Madrid, Alonso, und der
ehemalige Unterstaatssekretär im Innenministerium, Benso, in Form einer Beteiligung von 150 000 Peseten an der geplanten Spielbank interessiert werden sollten. Die Zustimmung des Direktors der Sicherheitspolizei sollte ebenfalls durch eine Summe von 50 000 Peseten erkauft werden. Aber nur 48 Stunden erfreute sich die internationale Gesellschaft des nordspanischen Modebades San Sebastian an dem Roulettespiel. Dann wurde der Betrieb geschlossen, weil der Skandal an die Oeffent- lichkeit drang.
Strauß aber versuchte es nun mit einem Er- prefsungsmanöver, indem er die Rückzahlung einer Summe von 400 000 Gulden verlangte, die er angeblich in das Geschäft gesteckt hätte, widrigenfalls er Dokumente oorlegen würde, die die spanische Regierung vor der Oeffentlichkeit unmöglich machen würden. Das spanische Volk wird es seiner jetzigen Regierung hoch anrechnen, daß sie auf den Erpressungsversuch nicht eingegangen ist, sondern unverzüglich einen parlamentarischen Untersuchungsausschuß eingesetzt hat, der an Hand der von Daniel Strauß vorgelegten Dokumente den ganzen Skandal geprüft und beurteilt hat. In einer stürmischen Parlamentssitzung wurde dann der Bericht der Untersuchungskommission angenommen und der Abgeordnete Alonso freigesprochen, während die übrigen in die Angelegenheit verwickelten Beamten und Politiker für schuldig erklärt wurden. Die unmittelbare Folge dieser Cortes-Sitzung war der Rücktritt der Regierung und die Abdankung der beiden Minister Lerroux und Rocha, die zwar beide nicht in eigener Person, aber durch ihre Umgebung an den Durchstechereien beteiligt waren.
Die interessanteste Person, deren Namen bei dieser Gelegenheit genannt wird, ist der bisherige Minister des Aeußern, Lerroux, der dem politischen Leben der letzten vier Jahre seinen Stempel aufgedrückt hat. Alexandra Lerroux ist schon ein alter Mann, ein radikaler Republikaner, der an allen revolutionären Bewegungen in Spanien seit 35 Jahren seinen Anteil gehabt hat. Er ist der Führer der katalanischen Freimaurer, antireligiös und
Aus all
Rundfunkübertragung
der Trauerfeier für Ministerialrat Laubinger.
Aus der Volksbühne am Horst-Wessel-Platz in Berlin überträgt der Deutschlandsender am Donnerstag um 11 Uhr die Trauerfeierlichkeiten für den verstorbenen Präsidenten der Reichs- theaterkarnrner Ministerialrat Otto Laubinger. Um 10.50 Uhr wird ein einführender Funkbericht gegeben.
Beisetzung von Geheimrat Seeberg.
Auf dem hinterpommerschen Landsitz des verstorbenen Berliner Theologen Reinhold Seeberg fand am Sarge des Heimgegangenen eine Trauerfeier statt. Der als Geistliche amtierende Professor Koepp von der Universität Greifswald, ein Schüler des Verewigten, gedachte der Bedeutung des bis zuletzt rastlos tätig gewesenen Heimgegangenen für die deutsche theologische Wissenschaft. Im Auftrage des Reichsministers Ruft sprach Professor K o e p p e n, dessen herzlichste Anteilnahme an dem schweren Verlust aus, den die Wissenschaft erlitten habe. Im Namen der Berliner Universität grüßte der Dekan der Fakultät, Professor Fendt, den toten Gelehrten. Für den Zentralausschuß für die Innere Mission der evangelischen Kirche, deren Präsident Reinhold Seeberg gewesen ist, gedachte Bischof Caro der unvergeßlichen Verdienste See- bergs am Werke der Inneren Mission. Ein Beauftragter der Berliner Studentenschaft gab deren tiefen Dank an den Toten beredten Ausdruck. Sie habe in dem Abgeschiedenen den großen Gelehrten verehrt, der sich das Herz der akademischen Jugend erobert habe. Ferner sprach Professor B r u n st e d t - Rostock im Auftrag des kirchlich-sozialen Bundes. Gefolgt von der Trauergemeinde wurde die sterbliche Hülle dem Ahrenzhopper
antikirchlich eingestellt; ein Pazifist reinsten Wassers, der aber während des Weltkrieges trotzdem hinter der Entente stand und mit allen Mitteln versuchte, die Kriegserklärung an Deutschland zu betreiben. Gtelch nach dem Umsturz in Spanien am 14. April 1931 übernahm er das Außenministerium in der ersten republikanischen Regierung Zamoras und bildete in der Folgezeit als Ministerpräsident verschiedene Regierungen, deren letzte im April dieses Jahres scheiterte, nachdem der politische Widerstand gegen die radikale Linie seiner Politik immer stärker geworden war. Lerroux wurde aber im Kabinett Ehapaprieta noch einmal Außenminister. Er dürfte aber jetzt wohl angesichts der sonderbaren Entwicklung voraussichtlich endgültig von der politischen Bühne abgetreten sein.
Trotz der Beteiligung der stärksten parlamentarischen Partei, der Katholischen Volksaktion, steht die Regierung auf schwachen Füßen, da innerhalb der daran beteiligten Parteien hinsichtlich der katalanischen Frage stark voneinander abweichende Anschauungen vertreten sind. Man darf allerdings nicht verkennen, daß das Kabinett auf erfolgreiche Maßnahmen zur Durchführung des nationalen und wirtschaftlichen Aufbaues zurückblicken kann und daß die Gegnerschaft in der Hauptsache als ein Manöver der Linken betrachtet wird. Der stärkste Mann des Kabinetts ist unzweifelhaft der Kriegsminister und Chef der Katholischen Volksaktion Gil Robkes, in dem weite Kreise der spanischen Politik den kommenden Mann sehen. Gil Nobles ist ein Politiker, der mit seinen 37 Jahren noch weite Entwicklungsmöglichkeiten besitzt und der mit ziemlicher Sicherheit in einem ihm geeignet erscheinenden Zeitpunkt an das Steuer des Staates treten wird. Wann der große Augenblick für Gil Nobles kommen wird, läßt sich nicht übersehen. Bisher zögerte feine Partei, die republikanische Staatsform Spaniens anzuerkennen und hielt es mit der Politik ihres Chefs, der als königstreu gilt und der in den Grundbegriffen der Religion, der Ordnung und des Privateigentums groß geworden ist.
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Fri edh o f zugeführt, wo 'Reichsbischof Müller die Grabrede hielt.
250 Iahre Hugenotten in Brandenburg.
Aus Anlaß der 250jährigen Wiederkehr der Aufnahme der Hugenotten durch den Großen Kurfürsten veranstaltet die französische Gemeinde in Berlin eine dreitägige Gedenkfeier, die mit einem Festgottesdienst ihren Auftakt nahm. Der herrliche alte Dom am Gendarmenmarkt konnte die Zahl der an der Feier teilnehmenden Mitglieder der französischen Kolonie kaum fassen. Alle Ministerien und Behörden hatten Vertreter entsandt. Vom Diplomatischen Korps bemerkte man u. a. den Botschafter Frankreichs und den schweizerischen Gesandten. Die Stadt Berlin war durch Oberbürgermeister Dr. S a h m vertreten. Der Festgottesdienst begann mit dem Einzug der 29 Pfarrer des Konsistoriums der französischen Kirche. Die Festpredigt hielt der älteste Pfarrer der Kirche, Lorenz. Er wies auf die Bedeutung des 29. Oktober hin, des Tages, an dem der Große'Kurfürst 1685 im Edikt von Potsdam den auf Grund ihres religiösen Bekenntnisses in Frankreich unterdrückten Hugenotten in Brandenburg eine neue Heimat gab. Dem Festgottesdienst schloß sich die Enthüllung eines Calvin-Denkmals an, das an der Außenfront des Französischen Domes in Form einer großen Gedenktafel angebracht ist.
38. Frankfurter Jnseklenlauschbörse.
Die 3 8. Frankfurter Jnsektentausch- b ö r f e , veranstaltet vom Entomologischen Verein „Apollo" unter Mitwirkung des Internationalen Entomologischen Vereins sowie des Vereins für Insektenkunde, findet nächsten Sonntag in Frankfurt statt. Die Jnsektenbörse ist die älteste, bekannteste und besuchteste der Welt/ Nach den bisherigen Anmeldungen
in der Ukraine dnrch Sowjetbeamte.
Moskau, 30. Okt. (DNB. Funkspruch.) In einer Verordnung des Rates der Volkskommissare der Sowjetunion wird der Bundeskommissar für die Finanzen Grinko wegen mangelnder Kontrolle der ukrainischen Finanzverwaltung gerügt, dem ukrainischen Finanzkommissar ein scharfer Verweis erteilt und eine sneihe von hohen Beamten der Finanzverwaltung a b g e • setzt und dem Gericht übergeben.
Der staatliche Kontroll-Ausschuß hat in der Finanzverwaltung der Stadt Charkow und des Charkower Gebiets grobe Unregelmäßigkeiten, die Erhebung von zusätzlichen Steuern und Abgaben aus eigener Machtvollkommenheit, d. h. die wirtschaftliche Ausplünderung der Bevölkerung und die unkontrollierte Verausgabung von mehreren Millionen Rubel entdeckt. Der Charkower Sowjet hat außer den üblichen Steuern die Bauern mit zusätzlichen Abgaben für jedes Pfund verkaufter Lebensmittel, für die Verpachtung von Markträumen, selbst für die Genehmigung von Aushängen von Ladenschil- dern und für Instandsetzung der Häuser belegt. Aus den eingenommenen Geldern sind dann „Sonderfonds" gebildet worden, die zur „Belohnung besonderer Verdien st e" verschiedener hoher Beamter dienten. Auf diese Weise haben sich die Leiter der Finanz- verwaltung eine Quelle geschaffen, aus der sie sich gegenseitig dauernd Belohnungen „bewilligten". Darüber hinaus find von ihnen aber auch insgesamt 5,6 Millionen Rubel aus den staatlichen Mitteln verschleudert worden. Da eine Kontrolle des ukrainischen Finanzkommissariats oder des Moskauer Bundeskommissariats nicht ausgeübt wurde, konnten diese Machenschaften zwei Jahre lang getrieben werden.
dürfte die Börse, die alljährlich von mehreren Hundert Entomologen, Jnsektensammlern und Händlern aus dem Reich und dem Auslande besucht wird, mit besonders interessantem Material beschickt werden. Einige hunderttausend Insekten, sowie lebendes Material, gelangen dabei zur Ausstellung.
Euwe gewinnt die zwölfte Partie.
Im Schachwettkampf um die Weltmeisterschaft zwischen Aljechin und Euwe wurde in Amsterdam die 12. Partie gespielt, in der Euwe die weißen Steine hatte. Aljechin, der offenbar nicht in guter Form war, kam schon in der (Eröffnung in Nachteil und brachte später ein unkorrektes Figurenopfer. Er geriet dadurch sehr bald in eine unhaltbare Stellung und muhte nach 35 Zügen die Partie a u f g e b e n. Der Stand des Wettkampfes ist: Aljechin 5, Euwe 4, remis 3.
Diphtherie und Scharlach in Heidelberg.
Mit Rücksicht auf die zunehmende Ausbreitung von Diphtherie und Scharlach in Heidelberg hat die Polizeidirektion die Schließung sämtlicher Kleinkinderanstalten, Kleinkinderschulen usw. in Heidelberg auf zunächst 14 Tage angeordnet.
Der Rhein führt Hochwasser. — Ueberschwem- mungen in der Schweiz.
Von verschiedenen Orten der Schweiz und auch vom Hochrhein wird Hochwasser gemeldet. Seit Sonntag regnet es im Hochalpengebiet ohne Unterbrechung. Im Gebirge der Voralpen sind in den letzten zwei Tagen Niederschlagsmengen von 50 bis 60 Millimeter gemessen worden. Da in den letzten Tagen der Föhn im Gebirge zur Schneeschmelze führte, was sonst im November ober Dezember eintritt, ist Hochwasser zu befürchten. Der Rhein ist in den letzten 40 Stunden in Basel und Waldshut stark gestiegen und hat bereits das Vorgelände überflutet.
Im Kanton Uri find die Bergbäche über die Ufer getreten, fo daß die Gotthardtstraße an zwei Stellen unterbrochen ist. Die Reuß führt in ihrem Unterlauf ebenfalls Hochwasser. An der Grenze zwischen Kanton Waadt und Bern brach das Wasser in ein Bauernhaus ein und riß Vater, Mutter und zwei Kinder mit sich fort. Alle vier ertranken. Der Knecht wurde unter den Trümmern des zusammengestürzten Hauses mit eingedrücktem Brustkorb aufgefunden. — Die die Kantone Glarus und Uri verbindende Klaufenstraße wurde vom Hochwasser überflutet und an einer Stelle verschüttet.
ist verbürgt lippenfest und bronce- farbenfrei, gewährt somit dem Raucher unverfälschten Tabakgenuß.
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