ttr.2023iDtite$ Blatt
Glehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)
8reitag,3ü. AugustfW
Feierschichten-AusgleichfürBersarbetter.
Eine Hilfsaktion der 7ISD.
Leitspruch: „Hilfe ward dir aus Opfern des schaffenden Lölkes! Nimm sie mit Stolz entgegen als Bekenntnis zur Volksgemeinschaft — gib sie dem Volke zurück zu deinem Nutzen und dem der dir anvertrauten Familie!"
Auch heute sind die Auswirkungen jener, von unverantwortlichen Drahtziehern ins Leben gerufenen, an Wahnsinn grenzenden Streikwellen in allen Gebieten der deutschen Kohlenförderung noch nicht überwunden. Erinnern wir uns doch dunkel jener Zeiten, als es kommunistischen Streikhetzern gelungen war, daß ganze Belegschaften die Arbeit niederlegten. Schachtanlagen kamen durch Wasserandrang zum Ersaufen, Hüttenwerke mußten ihre Betriebe teils einschränken, teils stillegen, der Eisenbahnverkehr wurde wegen Kohlenmangels aufs äußerste eingeschränkt und zum Teil ganz eingestellt — der Zer- störungsprozeß nahm Ausmaße an, die die Exi- stenzmöglichkeit der Kohlenzechen bedrohten — die Bankguthaben der Gruben verwandelten sich infolge der großen Verluste in Bankschulden, an die Stelle von Ausbeuten traten Zubußen an die Gewerkschaften — die Banken verweigerten die Kredite, und eine Reihe von Betrieben mußte als vernichtet betrachtet werden.
Wenn wir bedenken, daß nur der unmittelbare Lahnausfall wehrend des Streikes im Manat April 1919 im rheinisch-westfälischen Kohlenrevier auf rund 100 Millionen Mark veranschlagt werden mußte und die nie wieder eingehalte Minderförderung 3,5 Millionen Tonnen im Werte von rund 150 Millionen Mark betrug — kann man sich den unberechenbaren Schaden und die verheerenden Wirkungen ausmalen, den die Streikenden nicht nur dem gesamten Wirtschaftsleben, sondern insbesondere auch allen deutschen Volksgenossen zufügten — nicht zu vergessen die eigenen Familien.
Wer heute durch die deutschen Kohlenreviere fährt — Mag er in das Jnde-Wurmbecken bei Aachen kommen, die Verhältnisse im rheinisch-westfälischen Kohlenbecken an der Ruhr studieren, die Kohlenreviere vom Zwickau, Oelsnitz und Petschappel in Sachsen, das Waldenburger oder oberschlesische Kohlengebiet bereisen — immer wird er in den Berg
arbeiterfamilien die verheerenden Folgen jener hinter uns liegenden Jahre beobachten können, Jahre, in denen die Kräfte von Männern und Frauen verbraucht wurden in einem Maße, daß es besonderer Anstrengungen bedarf, um diese Kräfte wieder neu zu schaffen, sie zu wecken und zu fördern. Und das ist. gergde bei unseren in schwerster körperlicher Anstrengung, fern vom göttlichen Lichte des Tages arbeitenden Bergleuten keine leichte Aufgabe.
Gar zu oft ist gerade bei unseren Volksgenossen in den Steinkohlengebieten unseres Vaterlandes die gesunde Lebenskraft gebrochen, in der Not der Zeit und in der Hingabe an die Arbeit für Deutschland ist sie erlahmt; Sorgen und Entbehrungen, Arbeitsüberlastung und Krankheit ließen deutsche Männer, Frauen und Kinder in diesen Notstandsgebieten zusammenbrechen, so daß es der ganzen kameradschaftlichen Einsatzbereitschaft aller Volksgenossen bedarf, um die Wiedergesundung dieser deutschen Vrüder und
Schwestern zu ermöglichen.
Das neue Deutschland hat an die Stelle der unsozialen individuellen Menschenrechtsidee das starke Bewußtsein der großen heiligen Volksgemeinschaft gesetzt. Wir sind eine Not- und Schicksalsgemeinschaft auf Gedeih und Verderb geworden, erfüllt von einer Tat- und O p fe r b e r e i t s ch a f t, wie wir sie einst draußen an der Front erlebt haben. Es ist unsere Pflicht, diese in uns groß gewordene Kraft niemals erlahmen zu lassen, sie immer erneut zu üben und einzusetzen für das Wohl unserer Volksgenossen in Not.
Niemand aber weiß so sehr um die Notstände in unserem Volke, keiner kümmert sich so um die körperlichen und seelischen P-'tben aller Teile des Volkes, als jener Gefreite u e s Weltkrieges, der die Kameradschaft der Front, die keinen feldgrauen Bruder in Not und Sorge allein ließ, erfahren und selbst geübt hat — unser Führer Adolf Hitler. Kein Wunder daher, daß er der Brüder gedenkt, die unter Tage in mühsamer Arbeit am Wiederaufbau unseres Vaterlandes werken, leidend unter den Folgen der Not der vergangenen Jahrzehnte, unter Arbeitsmangel und Wohnungselend, und ein Hilfswerk verfügt, an das auch die
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„freieste Demokratie" der Welt bisher nicht gedacht hat, und nach dem man in der „marxistischen Ideologie" vergeblich suchen würde — den
„Feierschichlen-Ausgleich für Bergarbeiter".
Der Führer hat auch diese Hilfsaktion wieder dem Hauptamts für Volkswohlfahrt in der Reichsleitung der NSDAP, übertragen. Durch sie soll denjenigen Bergarbeitern geholfen werden, die durch Feierschichten einen erheblichen Lohnausfall hatten. Es handelt sich hier also um eine Entschuldungsaktion für das g e - samte S t e i n k o h l e n g e b i e t Deutschlands, für die keine Mittel des Staates heran- gezogen werden, sondern die in die Millionen gehenden Geldbeträge, die zur Verteilung gelangen sollen, entstammen den Opfern des schaffenden Volkes, sind geopferte Spargroschen aller Volksgenossen.
Dös vom Führer befohlene Hilfswerk wird also einzig und allein von der Volksgemeinschaft getragen.
Wie bereits gejagt, liegt die gesamte Organisation und Finanzierung dieser Aktion in den Händen der NS.-Volkswohlfahrt. Die Verteilung der ausgeroorfe- nen Gelder erfolgt nicht in der Form von Bargeld, sondern durch Gutscheine in Höhe von RM. 1 0,— un d RM. 1,—, welche nicht übertragbar sind und nur in Verbindung mit einer Stammkarte Gültigkeit haben. Auf dieser Stammkarte sind Name, Wohnort und Wohnung des NSV.-Gutscheinemp- fängers vermerkt, ebenso ist von der zuständigen Ausgabestelle die Höhe des Betrages der dem hilfsbedürftigen Bergarbeiter zugeteilten NSV.-Gutscheine einzutragen. Als Verteilungsstellen sind die Lohnbüros vorgesehen.
Die Gutscheine sind zweckgebunden, d. h. es dürfen gegen sie nur Bekleidung, Wäsche und Haushaltungsgegenstände verabreicht werden. In Zahlung gegeben werden können sie nur in den Geschäften, die von der zuständigen Gemeindebehörde für die Einlösung der Dedarfsdeckungsscheine (Ehestanbsdarlehn) zugelassen sind. Diese Geschäfte werden außerdem noch durch einen besonderen Aushang kenntlich gemacht, den die zuständige Fachgruppe ausgibt.
Die hilfsbedürftigen erhalten für ihre Gutscheine waren im vollen, auf dem Schein angegebenen wert. Vom Geschäftsinhaber darf also keineswegs irgendein Abzug vom Gutscheinwerte bei der Lieferung von Waren erfolgen.
Die von der zuständigen Behörde für die Einlösung her vcbarfsdeckungsscheine (Eheftanbodarlcyn) zugclasstncn Geschäfte (siehe Verordnung zur Durchführung der Ar- deitsveschafkungomatznahmen auf Grund des Gesetzes zur Verminderung der Arbeitslosigkeit — AL/DVO — vom 28.Zuni ,yzz. Adschn. IV. H 2Z. Ads. i). haben die in Zahlung genommenen NSV-Gutscheine hierunter mit ihrem Firmenstempel oder mit handschristlicher Firmen- eintragung zu versehen.
Stempel ob et handschriftliche firm en angabt.
Die Erstattung des Gegenwertes an die oben nSher bezeichneten Geschäfte erfolgt nach Abzug von 5% für blt NSV bis spätestens zum zi.Oktober 1935 bei allen Zayl- stellen der winschastsgruppe privates Bankgewervc und Zcntralocrbanö des deutschen Bank- und Bankier-Gewerbes, der deutschen öffentlichen Sparkassen- und Giro- Zentralen und sämtlichen Genossenschaftsbanken gegen Abgabe der NSV-Gutschclne. Soweit mehr als 100 Gutscheine eingeltefert werden, sind diese zu je 100 Stück einer Wertsorte zu bündeln. Die Zahlstellen führen die eingelösten Gutscheine an ihre Zentralstellen ab. welche die endgültige Abrechnung mit derVcichslcitung bccjlSDTip, Hauptamt für Volkswohlfahrt, vornehmen.
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Es fei in diesem Zusammenhänge darauf hingewiesen, daß auf Übertretung der Vorschriften strenge Strafen stehen, insbesondere zieht jede mißbräuchliche Verwendung der Gutscheine Zuchthausstrafe nach sich.
Der „FeierschichtenAusgleich für Bergarbeiter" beginnt mit dem 15. August und endet am 30. September d. I., d. h. am 15. August verteilen die Lohnbüros erstmalig Gutscheine an die Hilfsbedürftigen, und am 30. September muß auch der letzte Gutschein vorgelegt sein — nach dem 30. September dürfen von den Geschäften keine Gutscheine mehr angenommen werden.
So reiht sich dieses Hilfswerk an die bisher durchgeführten Hilfsaktionen des neuen Deutschland. die alle getragen werden vom Nationalsozialismus. von echter, volksverbundener Gemeinschaft.
Auch der „Feierschichten-Ausgleich" beweist immer wieder nur bas eine: Jeder Volksgenosse i ft uns Kamerad und Bruder, der die unversiegbaren Lebenskräfte des deutschen Blutes, die unveräußerlichen Werte der deutschen charakterlichen Wesensart in sich trägt.
Nundfunkprogramm
Samstag. 31. August.
6 Uhr: Choral, Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Fröhlich klingts zur Morgenstunde. In der Pause, 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 9: Nachrichten. 9.15: Konzert. 9.45: „Bühne und Nation." Zu Beginn der Spielzeit am Deutschen Theater Wiesbaden. Von Rudolf Blaeß. 11.45: Bauernfunk. 12: „Buntes Wochenende." 13: Nachrichten. Anschließend: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 13.15: „Buntes Wochenende." 14: Nachrichten. 14.10: Mitten im Werktag. Sozial- und Wirtschaftsdienst in bunter Folge. 14.55: Jugendfunk. 15.45: Aus der Wunderwelt der Natur. 16: Der frohe Samstag-Nachmittag mit NSG. „Kraft durch Freude". 18: Hans Michael Moscherosch. Ein Spiegel deutscher Sitte und Geschichte. 18.20: Stegreijsendung. 18.30: Wir schalten ein! Das Mikrophon unterwegs. 18.40: Saardienst. Siedlung statt Mets- kaserne! Arbeiter können billig bauen. 19: SA. am Mikrophon. Blaskonzert, Marschlieder und Gedichte der Bewegung. 19.45: Die Wochenschau des Zeitfunks. 20: Nachrichten. 20.10: Ruf der Jugend. 20.15: Bunter Abend. 22.30: Nachrichten.
Drachen steigen lasten.
Äon Or. Kurt Warnecke
Seit langer^ Zetten haben Knaben die Gunst des Windes in die leichten Papierdrachen eingefangen, die sie selbst aus Holzstäben mit kunstgerechter Bespannung verfertigt haben. Wenn sich die Wind- gefährte alsdann, an langen Schnuren festgehalten, in die Lüfte erhoben und in schwindelnder Höhe bewegungslos stille standen ober bebächtig großzügige Bewegungen ausführten, bann sahen ihre Erbauer einen ber kühnsten Träume, ben der Eroberung der Luft, in ihrem bescheidenen Bereich erfüllt. Heute haben diese Knabenspiele durch die Entwicklung des Flugwesens, insbesondere aber durch bas Wunder des Segelflugs eine viel größere Bedeutung für das Knabenleben erhalten: Wenn die bunten Drachen in die Lüfte steigen, befindet sich so mancher künftige Segelflieger in der Vorschule dieser Kunst, und während er großäugig dem Flug seines Spielzeuges folgt, bestärkt sich in ihm der Wunsch, einmal selber so hoch durch die Lüfte zu schweifen, ohne von einer Hand auf Erden noch festgehalten und gelenkt zu werden.
Wenn die Gedanken der glücklichen Drachenbesitzer so, vom Wind getragen, in die Ferne schweifen, lohnt es sich doch auch einen Blick in die Vergangenheit, in die Geschichte des Drachens zu tun. Nicht nur Kinder aller Länder und Völker haben an diesen kleinen Segelfliegern ihre Freude gehabt, auch in ber Vergangenheit finb schon wissenschaftliche Erkenntnisse unb technische Ersinbungen biefen beschwingten Eroberern bes Luftraumes zu banken gewesen. Die Heimat bes Drachens ist wohl im „Reich ber Mitte" zu suchen, wo er nicht nur als Spielzeug ber Kinber schon früh zu finben war, fonbern wo sich auch bie Erwachsenen gern zum Zeitvertreib mit seinen Lustspielen ergötzten. Nach alten Berichten war ber Drache bort schon im fünften Jahrhunbert vor unserer Zeittechnung bekannt, unb zwar verwenbete man ihn bamals zur Heber- mittlung militärischer Signale. Mit ber Mobe ber „Chinoiserie" kam ber Drachen in ber bort üblichen Form als Spielzeug nach Europa. Im klassischen Altertum soll allerbings ber antike Gelehrte Archy- tas von Tarent, ein Zeitgenosse bes Platon, ber vielfach in Platons Dialogen auftritt unb bem bte Lösung mehrerer geometrischer unb mechanischer Probleme wie bie Verbopelung bes Kudus zuge- schrieben wird, der erste gewesen sein, der einen Drachen verfertigte. Nach langen Verlegungen unb Berechnungen baute er einen Drachen, dessen Fläche ein sogenanntes Deltoid bildet« und eus
zwei gekreuzten Holzstäben bestand, die mit Leinwand bespannt waren. Als er das merkwürdige Gebilde in die Luft aufsteigen ließ, war man aufs höchste erstaunt. Das Ergebnis feiner Versuche ist uns nicht bekannt geworden und feine Piomertat scheint auch bald wieder in Vergessenheit geraten zu sein.
In jenem Land, das einen Drachen — allerdings nicht einen harmlosen Papierflieger, sondern einen richtigen großen Märchendrachen — in seinem Staatswappen führte, erfreute sich der Drache dagegen durch die Jahrhunderte hindurch in Krieg unb Frieden und in Sport und Spiel größter Beliebtheit, unb Chinareisende haben vielfach beschrieben, zu welcher Künstlerschaft es die Chinesen in der Herstellung und Lenkung der Drachen brachten unb welche Spiele sie ersannen. An bestimmten Festtagen schwirrt ein ganzes Heer von Drachen von phantastischer Gestalt oben am Himmelszelt herum, und am „Fest bes hohen Fluges", bas auf ben neunten Tag des neunten Monats fallen soll, versammeln sich die Drachenbesitzer zu einem großen „Schauflug" auf den Anhöhen. Diesen Drachenspielen, die in aller Oeffenttichkeit unter großem Zulauf aufgeführt werden, wohnt ein uralter Symbolgehalt inne, der sich auf die Sagen unb Mythen bezieht, bie in ber chinesischen Religionsübung eine große Rolle spielen. So erhalten bie Drachen bie Züge irgenbeines Gottes ober Helben, beren Kraft unb Allgewalt auf sie übertragen werben soll. Auch schöne Frauen unb mächtige Zauberer erhalten ihre Drachen, und Frösche, Fische, Feuerfliegen, Schmetterlinge, Fledermäuse und riesige Hundert- süße bevölkern die Drachenwelt aus buntem Papier und Stoff.
Eine seltsame Erfindung sind die musikalischen Drachen, die so gebaut sind, daß ber Wind, der sie bewegt, einen starken und wohlklingenden Ton her- vorbringt. Es wird erzählt, daß in alter Zeit ein chinesischer General einen solchen musikalischen Drachen aufsteigen lieh, an dem er zudem brennende Laternen befestigt hatte. Der Drache flog über das Lager des Feindes und flößte ihnen einen solchen Schrecken ein, daß sie ihren ganzen Vorrat an Pfeilen verschossen, um den unheimlichen, nächtlichen Angreifer zu verscheuchen. Am nächsten Morgen fiel es dem klugen General nicht schwer, die waffenlosen Feinde zu überwinden Ein eigenartiges Drachenspiel sind die Luftkämpfe mit sogenannten Kampfbrachen, bie mit scharfen Spitzen versehen sind. Män läßt sie an seidenen Schnüren empor, die man in ihrer ganzen Länge in Fischleim getaucht unb mit pulverisiertem Glas debeckt hat. Wenn sich bitte bmaffntie Drachen in ben
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Lüften treffen unb ihre Schnüre sich überkreuzen, bann beginnt ein Wettkampf, ben bie Zuschauer mit leibenschaftlicher Spanung verfolgen. Welchem Drachen wirb es wohl gelingen, bie Schnur zu burchschneiben, an ber fein Wibersacher befestigt ist?
Die Chinesen tragen ben Drachen, bie zum Himmel aufsteigen, oft auch besondere Wünsche auf, die sie den Göttern übermitteln sollen. Sie beschreiben bas Papier bes Drachens unb glauben fest baran, baß ihre Kunbgebung Erhörung finbet. Auch als Luftschiff soll ber Drache bereits in früher Zeit im Osten Derwenbung gefunben haben. So wirb erzählt, baß der japanische Räuber Jschikawa Goemen mit einem Drachen zu ber Spitze bes Schlosses von Nagaya aufstieg, um bort ben wunderbaren goldenen Fisch zu stehlen, ber nur gegen Einbringlinge von ber Erbe her bewacht war. Aber bies nützte bem Räuber wenig: es gelang seinen Verfolgern, ihn zu ergreifen, unb er würbe mit seiner ganzen Familie zur Strafe in Del gekocht.
Seit zwei Jahrhunberten wirb ber Drachen für wissenschaftlich" Versuche verwenbet. Im Jahre 1749 führte Wilson zum erstenmal einen ber- artigen Versuch aus, inbem er ein Thermometer an einem Drachen befestigte unb mit ihm in bie Lüste aufsteigen ließ. Berühmt ist auch ber Drachenversuch von Franklin zum Nachweis ber Gewitterelektrizität. Seit ber Wenbe bes 19. Jahrhunberts finben Drachen zur Erkundung der Atmosphäre vielfache Verwendung. Mit ihrer Hilfe werden Messungen in höheren Luftschichten vorgenommen, so weit man sich nicht der Registrierballons, bemannter Ballons und neuerdings auch der Flugzeuge und Luftschiffe bedient. Jedenfalls haftet dem spannenden Spiel bes Drachensteigens, bas vor allem im Spätsommer unb Herbst eine Lieblingsbeschäftigung ber Knaben ist, auch mancherlei ernste Bebeutung an, wie ja überhaupt hinter allem kindlichen Spiel ein für das Kind selbst unfaßbarer Ernst liegt, der ihm einen tiefen Sinn gibt.
Hochschulnachrichten.
An der Universität Berlin sind mit Ablauf bes Sommersemesters die ordentlichen Professoren Geh. Rat Dr. Arthur Binz (Ordinarius für Chemie), Dr. Richard Hesse (Ordinarius für Zoologie) unb Dr. Anton H 0 11mann (Ordinarius für ausländische Landwirtschaftskunde) von den amtlichen Verpflichtungen entbunden worden.
»Mach' mich glücklich!-
Dieser Tonsilm der Ufa wird auf dem Programm als Operette ausgegeben, aber das Drehbuch, an bem übrigens brei Mann gearbeitet haben, stellt sich eher als eine Kreuzung zwischen leichtem Lustspiel unb Filmrevue heraus. Die Musik — Theo Mackeben; Liedertexte: Hans Fritz Beckmann — besteht im wesentlichen aus Synkopen und ist im ganzen jedenfalls mehr auf Tanzrhythmus als auf Gesang eingestellt. Was sich unter dem anspruchsvoll aufforöernben Titel an Handlung begibt, kann wegen zahlreicher unb ziemlich stürmischer Verwicklungen im Rahmen eines schlichten Berichtes unmöglich erzählt werden; eine bedeutende Rolle spielt jedenfalls die Verwechslung der beiden Namensvettern Davenport, von denen der eine ein Afrikaforscher, ber andere ein Revueschauspieler ist, was erst (an Bord) zu einer verkehrten Trauung auf hoher See, hinterher (an Land) aber zu noch schrecklicheren Mißverftänbnissen führt, die erst mit Hilfe einer Neufassung bes „Raubes ber Sabine- rinnen" auf ber Bühne ins Reine gebracht und zum allerseits befriedigenden Ende geführt werden können. Wer sich nach diesen flüchtigen Andeutungen (es ist nicht unsere Schuld) kein rechtes Bild von der Sache machen kann, geht am besten selbst ins Lichtspielhaus unb sieht sich ben Film an: er ist roeber bebeutenb noch aufregenb, aber stellenweise recht witzig, übrigens vom Regisseur Artur R 0 b i s 0 n mit Geschmack unb beträchtlichen Mitteln an Ausstattung und Personal in Szene gesetzt, auch sauber photographiert. Der junge Albert Lieven, aus mehreren großen Filmen schon recht rühmlich bekannt, spielt ben einen Davenport, eine Bonvivant- und Liebhaber-Rolle leichteren Kalibers, für bie er sich zwar vorübergehenb einen schröck» liehen Bart kleben muß, in ber es aber zur Belohnung mehr als reichlich zu küssen gibt. Den Namensvetter spielt Harald Paulsen, ber mit dieser Partie — nach bem Abstecher ins seriöse Fach in „Oberwachtmeister Schwenke" — wieder zu seiner eigentlichen Domäne zurückkehrt. Die weiblichen Hauptrollen sind mit Else Elster, mit sentimentalem Einschlag, und Ursula @ r a b I e g, keß unb kokett, geschickt unb kontrastreich beseht. Dazu bie Komiker R. A. Roberts unb Roma- n 0 wsky, bie beibe in ihrer darstellerischen Eigenart zur Geltung kommen; ferner Julie ©erb« unb Abele Sanbr 0 ck , bie biesmal ihre Altersweisheit nur in einer Episodenrolle (aber unmißverständlich wie immer) zum Besten geben darf.— Im Beiprogramm sieht man einen originellen Kurzfilm mit Spieluhrmusik unb Kostümtanz. —r-*


