Ausgabe 
30.8.1935
 
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schmückten Bahnwagen gehoben. Der König und sein Gefolge reisen mit demselben Zuge in einem Schlafwagen. In Basel hatten sich zahlreiche Mit­glieder der belgischen Kolonie eingefunden. Sie lie­ßen durch die Hofdamen der Königin am Sarge Blumen niederlegen. Nach kurzem Aufenthalt wür­ben die Wagen umrangiert. An der Landesgrenze verabschiedeten sich die beiden hohen schweizerischen Offiziere, die im Auftrage des Bundesrates den Zug begleitet hatten, und Übergaben die Wa­gen Vertretern der französischen Sicherheitsbehörde, die das Geleit bis zur belgischen Grenze über­nehmen.

Der König, der von dem furchtbaren Unglück so fd>wer betroffen wurde, muß auf ärztliche An- Ordnung das Bett hüten.

Proklamation des belgischen Ministerrats.

Brüssel, 29.äug. <DNB.) Der Minister, rat hat eine Proklamation erlassen, in der die Bevölkerung aufgefordert wird, sich um den schwer vom Schicksal betroffenen König zu scha­ren, der erst vor kurzem auf ebenso tragische Weise seinen Vater verloren habe. Die Proklamation trügt die Unterschriften sämtlicher Minister.

Das Beileid des Führers.

B e r l i n, 29. Aug. (DNB.) Der Führer und Reichskanzler hat Ihren Majestäten dem K ö n i a d er Belgier und dem König von Schweden nachstehende Beileidstelegramme ge­sandt:

Seiner Majestät dem König in Brüssel.

Schmerzlich ergriffen von der Nachricht des grau- samen Schicksalsschlages, der Eure Majestät und die Königliche Familie durch das tragische Ableben Ihrer Majestät der Königin getroffen hat, bitte ich Eure Majestät meine und des deutschen Volkes tiefempfundene Anteilnahme entgegenzunehmen.'

Ich darf hiermit meine aufrichtigsten Wünsche für Euerer Majestät baldige Wiederherstellung ver­binden.

Adolf Hitler.

Deutscher Reichskanzler."

Seiner Majestät dem KöniginStockholm.

Euere Majestät bitte ich anläßlich des tragischen Ableben Ihrer Majestät der Königin der Belgier meine und des deutschen Volkes aufrichtigste An­teilnahme entgegenzunehmen.

Adolf Hitler.

Deutscher Reichskanzler."

Ferner hat im Auftrage des Führers und Reichs­kanzlers der Chef der Präsidialkanzlei Staatssekre­

tär Dr. Meißner dem belgischen Gesandten Gra­fen de Kerchove persönlich die aufrichtigste An­teilnahme des Führers an dem so tragischen Tode der Königin und seine besten Wünsche für die bal- dige Wiederherstellung des Königs zum Ausdruck gebracht.

Der deutsche Geschäftsträger in Brüs­sel, Dr. Bräuer, hat sich sofort zum Hofmar- schallamt, ins Kgl. Palais und in das Außenmini, sterium begeben, um dort das tiefe Mitgefühl "bes Führers und Reichskanzlers und der Reichsregie- runa, sowie sein eigenes Beileid zu dem entsetzlichen Verlust, von dem das belgische Königshaus und ganz Belgien betroffen worden ist, auszusprechen.

*

Berlin, 29. Aug. (DNB.) Sofort nach Be- kanntwerden der Meloung von dem Ableben Ihrer Majestät der Königin der Belaier setzten die Präsidialkanzlei, die Reichskanzlei, das Aus- wärtige Amt und der Reichstag die Flagoen auf Halbmast. Der Reichsmini ft er des Auswärtigen übermittelte dem Königlich Belgischen Außenmini st er telegraphisch die aufrichtige Teilnahme der Reichsregierung. In Vertretung des zur Zeit nicht in Berlin weilenden Reichsmimsters des Auswärtigen stattete Staats­sekretär von Bülow, begleitet vom stellvertre­tenden Chef des Protokolls, dem hiesigen Königlich Belgischen Gesandten einen persönlichen Beileids­besuch ab und sprach ihm das Mitgefühl der Reichs- regierung aus.

Es darf daran erinnert werden, daß auch das belgische Königshaus aus Deutschland stammt. Als Belgien im Jahre 1830 selbständig wurde, berief es einen Prinzen aus dem Hause Koburg auf den Thron in Brüssel, der den Namen Leopold I. trug. Unter Leopold II., der 44 Jahre lang regiert hat, nahm Belgien eine starke Entwicklung, an der der König persönlich regen Anteil hatte. Ihm ver­dankt Belgien auch die Erwerbung des Kongo­staates. Sein Nachfolger, König Albert, der Vater des jetzigen Königs, war mit einer bayri­schen Prinzessin verheiratet. Dessen Regie­rung stand unter den schweren Zeiten der Kriegs­jahre.

Allgemeine Trauer.

In Belgien, in Schweden als dem Geburtslande der Königin, in der Schweiz und in allen übrigen Ländern hat das tragische Ableben der Königin all­gemeines Mitgefühl und aufrichtige Trauer ausge­löst. In Brüssel sind bereits Beileidskundgebunaen der führenden Staatsmänner vieler Länder, des Papstes und anderer hervorragender Persönlichkei­ten eingetroffen. Ueberall in Belgien wehen die Flaggen zum Zeichen der allgemeinen Trauer auf Halomast, ebenso auch in Schweden.

Mussolini will einen Krieg."

OieTimes" betont gegenüber den Bozener Entschlüssen die unveränderte Haltung Englands.

London, 30. Aug. (DNB. Funkspruch.) Die Time s" beschäftigte sich in einem Leitartikel mit dem Kommunique von Bozen. Das Blatt sagt:Die Erklärung fördert nicht die Sache des Friedens. Dies hat auch niemand erwartet. Sie klärt wenigstens einiger­maßen die Lage, vor dis sich der Völkerbundsrat gestellt sehen wird.

Mussolini will einen Krieg. Es wäre kaum unfair, zu behaupten, Mussolini würde enf- läuschl fein, wenn er feine Absichten in Abessi­nien ohne Krieg erreichen könnte.

Endlich hat er sich bereit gefunden, seine Sache in Genf vorzubringen, damit die ganze Welt sie ,in ihrer rauhen Wirklichkeit" würdigen kann. Der Völkerbund wird die Pflicht haben, über die italienischen und abessinischen Ansprüche zu ent­scheiden. Dies ist der erste und wichtigste Abschnitt für eine friedliche Lösung jeden internationalen Streites.

Die in der Bozener Entschließung verurteilte An­wendung von Sanktionen gegen den Angreifer ist der nächste Abschnitt. Die Völkerbundssatzung billigt Sanktionen gegen Angreifer, und es ist na­türlich unmöglich, zu erwarten, daß durch die Er­klärung Mussolinis, die sich gegen Sanktionen rich­tet, die Frage ihrer Lösung viel nähergebracht wurde.

Mussolini muß nlchl viel vertrauen in die Stichhaltigkeit seines Standpunktes sehen, wenn er im voraus annimmt, daß seine Ansicht un­bedingt verworfen werden wird. Keine andere Ration braucht sich durch die Rachricht, daß Italien im voraus Schritte getan hat, um den Rachtetten vonSanktionen kriegerischen Cha­rakters zu begegnen", von der Erfüllung Ihrer einfachen Pflichten abhallen zu lassen.

Wenn die Frage solcher Sanktionen aufgeworfen wird und sie <ch nach Prüfung als praktisch brauch­bar erweisen, dann werden sie vom Völkerbund und kellektiv verhängt werden und nicht auf Grund der

Entscheidungen eines einzelnen Landes, wenn auch ein Land nach außen die Führung übernehmen muß, indem es den Antrag stellt.

Ebenso hat Mussolini versichert, daß Großbri­tannien von seinen Plänen in Abessinien nichts zu befürchten habe.

Tatsächlich, aber sieht man feinem Tun auf britischer Seite mit großer Sorge zu, nicht etwa aus Furcht, sondern aus eingewurzelter Liebe für den Frieden und in der Ueberzeugung, daß die Mittel zur Sicherung dieses Friedens vor­handen sind.

In den weiteren Ausführungen derTime s" wird auf die zahlreichen Briefe verwiesen, die das Blatt in der letzten Zeit erhalten und auch zum Teil veröffentlicht hat.Times" wertet diese Briefe als Billigung des Verhaltens der eng­lischen Regierung aus.

Die britische Abordnung werde nach Genf gehen In dem Bewußtsein, es werde von ihr erwartet, daß sie die Karten, die das völkerbundssystem ihr in die Hand gebe, bis zum äußersten aus- spielen werde. Man könne nicht annehmen, daß sie in dieser Absicht jemals schwankend ge­worden sei.

Bezeichnend sei, daß in allen Briefen die 11 a I i e. nischen Kriegsvorbereitungen einhellig als eine Unbesonnenheit verurteilt wurden, weil sie ohne den geringsten Versuch einer friedlichen Regelung betrieben wurden.

Schließlich erwähntTimes" noch als bemerkens­wert die in vielen Briefen zum Ausdruck gekom­mene Ansicht über die

ungleiche Verteilung der Kolonialmandate durch den Versailler Vertrag.

Allerdings sei es zweifelhaft, ob Mussolini sich über irgendein Mandat freuen würde, denn er scheine entschlossen zu sein, sagt das Blatt deutlich, die Faschisten zu einem billigen Siege über einen schlecht bewaffneten afrikanischen Stamm" zu führen.

Ein Vorschlag, unter dem Völkerbund ein Protektorat über Abessinien zu schaf- fen, das die Entwicklung Abessiniens sichern würde, sei ein wertvoller Beitrag zur Frage der Verant­wortlichkeit der Zivilisierten für die rückständigen Länder.

Der Gedanke einer Reuverteilung dieser Ver­antwortlichkeiten der zivilisierten Rationen breite sich ständig aus. Großbritannien sei ganz besonders geeignet, in dieser Frage Vorschläge zu machen.

Der Pariser Vertreter derTimes" hat den Ein­druck, daß die Erklärung von Bozen die letzte Hoffnung auf ein Zugeständnis Mussolinis zer­stört habe.

Die Zahl der Optimisten sei in den letzten 24

Stunden auffällig gesunken. In Paris beginne man allmählich einzusehen, daß die Hoffnung auf eine Schwenkung Großbritanniens un­wahrscheinlich sei.

Ein Unbedingter.

London, 30. August. (DNB. Funkspruch.) In einem Aufsatz imNews Chronicle" tritt Vernon Bartle11 für unbedingte Ver­teidigung der Völkerbundssatzung ein, selbst auf die Gefahr hin, daß ein Kollek­tivkrieg gegen Italien geführt werden müsse. Er gibt zu, daß Sanktionen Krieg bedeuten könnten, hält es aber für höchst zweifel­haft, ob sogar Mussolini gegen einen Verband kämpfen würbe, dem England, Frankreich und andere Länder angehörten.

Man muß seine Macht zeigen....

Erklärungen Mussolinis an einen französischen Pressevertreter.

Der Duce studiert transportable Sendeapparate während der Manöver.

Ein Bild von den großen italienischen Manövern in der Nähe von Bozen. Man sieht den Duce Mussolini beim Betrachten eines transportablen Sendegerätes, das während dieser Manöver viel­fach zur Verwendung gelangt. (Scherl-Bilderdienst.)

Paris, 30. Aug. (DRV. Funkspruch.) Der Sonderberichterstatter desExcelslor" bei den Italienischen Manövern, General Rlessel, halte Gelegenheit, sich mit Mussolini über einige ak­tuelle Fragen zu unlerhalten.

Auf die Frage R i e s s e l s an Mussolini, wie er die augenblickliche Lage sehe, erwiderte der Duce, die amtliche Verlautbarung über den Bozener Ministerrat zeige, daß man die Lage Ita- lienischerseits mit Ruhe betrachte.

Rach einem kurzen Meinungsaustausch über den Verlauf der Manöver lobte Mussolini sein Ossizierkorps und die Truppen, von deren Disziplin er überzeugt sei. Lr habe Vertrauen in ihre Schlagkraft. Lr sei, wie Marschall Lyau- t e y, der Ansicht, daß man seine Macht zei­

gen m ü s s e, um nicht gezwungen zu fein, sie an­zuwenden. Anläßlich der großen Parade am heu­tigen Freitag, so betont Mussolini weiter, würden etwa 100 000 Mann aufmarschieren. Alle diese Truppen würden in der Rähe der Grenze bleiben. Lr habe volles Vertrauen in die Jtallenlsierung Südtirols. Schon jetzt gebe es dort beachtenswerte Minderheiten, die von Tag zu Tag stärker würden. Aus einen Hinweis des Berichterstatters, daß Mussolini an zahlreiche 3ung- saschlsten llnisormhofen habe verteilen lassen, erwiderte der Duce, die italienische Jugend liebe die Uniform. Er glaube, daß die Verleitung der Hosen kein herausgeworfenes Geld sei, sondern lrn Gegenteil eine gute Kapitalan­lage.

Der verlegene Völkerbund.

60 italienische ll-Boote an der Südspitze von Sizilien.

Paris, 30. August (DNB. Funkspruch). Die Pariser Morgenpresse vertritt allgemein die Ansicht, daß die gestrigen Unterredungen Lavals mit dem italienischen und dem englischen Botschafter nicht im geringsten zum Ausgleich der italienisch - englischen Meinungsverschiedenheiten beigetragen hatten. Erst von der Unterredung L a - v a l s mit Eden am Montag verspricht man sich nähere Aufklärung darüber, welche Aussichten für die Ueberbrürfung der Gegensätze bestehen.

Inzwischen findet in hiesigen politischen Kreisen die Ansicht weitere Verbreitung, daß der V ö l k e r b u n d s r a t zu dem klassischen Mittel eines Untersuchungsausschusses grei­fen könnte, um sich wenigstens vorläufig aus der heiklen Lage zu ziehen.

Der M a t i n ", der ebenfalls diese Ansicht ver­tritt, betont, daß man in diesem Falle von Italien und Abessinien die Verpflichtung fordern müsse, nicht zu den Waffen zu greifen, solange der Unter­suchungsausschuß an Ort und Stelle arbeite. Das

Blatt weift jedoch bleichzeitig auf- die entschlossene Haltung Italiens hm und auf die energische Ab­lehnung von Sanktionsmaßnahmen durch Musso­lini.

Als Antwort auf die Entsendung englischer Kriegsschiffe zum Suez-Kanal habe der Duce bereits starke See- und Luftstreitkräfte im Mittelmeer zusammengezogen. 60 italie­nische U-Boote hätten Befehl erhalten, sich für Manöver bereitzuhalten, die an der Südspihe von Sizilien, d. h. in der R ä h e v o n Malta, stattfinden sollten. Außerdem seien starke Luftstreitkräfte in Südsizilien zusammen­gezogen worden.

Auch derPetit P a r i s i e n" hält es nicht für ausgeschlossen, daß der Völkerbundsrat zur Ein­setzung eines Untersuchungsausschusses seine Zuflucht nimmt, der an Ort und Stelle die von A l o i s i in seinem Bericht vorzubringenden Beschuldigungen gegen Abessinien prüfen müßte. In diesem Falle

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