Ausgabe 
30.8.1935
 
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allgemeinen Wehrpflicht überflüssig geworden. Statt­dessen hat der Führer nach Einführung der allgemeinen Wehrpflicht die allge­meine A r b e i t s d i e n st v f l i ch t jür die deutsche Jugend beiderlei Geschlechts eingefuhrt. Der Ärbeitsdienst hat grundsätzlich andere Auf­gaben als der Wehrdienst! Er hat mit Waffen­dienst nichts zu tun.

Arbeitsdienst bildet ein selbständiges Glied in der kette der nationalsozialistischen Erziehungs­einrichtungen, das sich zwischen Schule und Wehrdienst einsügt.

Wenn der Arbeitsdienst in mancher Beziehung sol­datisches Gepräge trägt und soldatische Formen pflegt, fo1 hat das seinen bestimmten er­zieherischen Grund. Unsere Arbeiter sollen sich nicht als Lohnsklaven, sondern als Sol­daten der Arbeit fühlen. Deshalb erziehen wir im Arbeitsdienst unsere Arbeitsmänner zu sol­datischem Ehrgefühl, soldatischer Pflichttreue und soldatischer Mannes­zucht. Eine andere irrige Auffassung vom Ar­beitsdienst war die Auffassung, die den Freiwilligen Arbeitsdienst lediglich als produktive Erwerbslosen­fürsorge, als eine vorübergehende Aushilfe im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit betrachtete. Dies war die Auffassung des von uns überwundenen Systems. Wir haben mit dieser Auffassung schwer ringen müssen, um sie durch unsere nationalsoziall- stische Arbeitsdienstidee:

Arbeitsdienst als Ehrendienst am Volk, als Schule der Ration,

zu verdrängen. Unsere Arbeitsmänner und Arbeits­maiden können das stolze Gefühl haben, daß sie nicht nur Schüler und Schülerinnen sind, sondern Arbei­ter im Dienste ihres Volkes. Der Arbeitsdienst steht insbesondere im Dienste unserer Siedlungs- arbeit. Die Arbeitsmänner bereiten den Boden vor für neue Bauern- und Arbeitersiedlungen, die Arbeitsmaiden helfen der schwerbelasteten Siedler­frau.

Die Einführung der allgemeinen Arbeitsdienst­pflicht in Deutschland wird in der Geschichte als eine wahrhaft sozialistische und kulturschöpfe­rische Tat, als ein Merkmal des sozialistischen 20. Jahrhunderts verzeichnet werden. Die Idee der allgemeinen Arbeitsdienstpflicht wird eben­sowenig wie seinerzeit die allgemeine Schul­pflicht und allgemeine Wehrpflicht an den Grenzen Deutschlands halt machen.

Wenn ich diese Ueberzeuguna ausspreche, so tue ich es nicht, um für die Einführung der allgemeinen Arbeitsdienstpflicht in anderen Staaten Propa­ganda zu machen. Wir mischen uns grundsätzlich nicht in die inneren Angelegenheiten anderer Völ­ker. Ich würde mich aber sehr freuen, wenn die Eindrücke des heutigen Tages ihnen zu einem richtigen Verständnis des Wesens des deutschen Arbeitsdienstes verhelfen wür­den und dann zum besseren Verständnis des Wesens des nationalsozialisti­schen Deutschlands, des Deutschlands Adolf Hitlers und seines heißen Wunsches, in Frie­den, aber auch in Freiheit und Ehren völlig gleichberechtigt mit den anderen großen Völ­kern zu arbeiten.

SS.-Obersührer General von Bassow

begrüßte in Frankfurt a. d. Oder die Vertreter der ausländischen Diplomatie und Presse. Er gab dem Bedauern Alfred Rosenbergs Ausdruck, daß er krankheitshalber nicht zugegen sein könne, und dankte im Auftrage Alfred Rosenbergs allen Vertretern der ausländischen Diplomatie und Presse für die Annahme seiner Einladung.Schon lange war es der Wunsch des Herrn Reichsleiters Rosen­berg", so fuhr General v. M a s s o w fort,ihnen im Anschluß an eine längere Reihe ihnen gehal­tener Vorträge über den konstruktiven Aufbau un­seres nationalsozialistischen Staatswesens an prak­tischen Beispielen zu zeigen, was unser Führer und Reichskanzler im Laufe kurzer Zeit in Deutschland schaffen ließ. Sie haben im vergangenen Herbst einen Einblick in die großzügig angelegten Kraft­fahrstraßen getan, als Sie in Oberbayern Gäste des Führers waren: Sie haben auf dem Bückeberg an der ewig schaffenden Kraft unseres Bauern­tums teilgenommen: diesesmal ist ihnen der Ar­beitsdienst, Deutschlands Stolz, in seiner Aufgabe und seinem Wesen auf einer Rundfahrt in Ver­bindung mit verschiedenen Arbeitsprojekten vorge­führt worden.

Der unser Vaterland in seinem Wollen und können verstehen lernen will, der mutz sich erst einmal der schaffenden kraft unserer Jugend im Arbeitskleid zuwenden. Dort findet er das Fundament: die echte Volksgemeinschaft."

Telearammwechsei

Wie derVölkische Beobachter" weiter berichtet, hat zwischen Reichsleiter Alfred Rosenberg und dem Reichsarbeitsführer Staatssekretär Hierl ein Telegrammwechsel stattgefunden. Reichsleiter Rosenberg bedauert in seinem Telearamm, durch Krankheit an der Teilnahme an der Veranstaltung verhindert zu sein und spricht die Hoffnung aus, daß die Besichtigung des nationalsozialistischen Ar­beitsdienstes allen Gästen einen Einblick in das ernste Bestreben der nationalsoziali- stischen Bewegung vermittelt hat.

Der Reichsarbeitsführer spricht in seinem Antworttelegramm das aufrichtige Bedauern aller anläßlich der Arbeitsdienstlager-Besichtigungsfahrt im Rathaus der Stadt Frankfurt a. d. O. Anwesen­den über die Abwesenheit des Reichsleiters aus und übermittelt herzliche Wünsche für baldige Genesung.

Julius Freiherr von Waldthausen f.

Dieser Tage ist einer unserer bekanntesten Di- plomaten gestorben, Julius Freiherr von Waldt­hausen, Schloß Bassenheim, Koblenz. Obgleich er seit einer Reihe von Jahren im Ruhestand lebte, hat sich die deutsche Regierung gern seiner Person bedient, um bestimmte Aufträge in fremden Ländern aus^uführen. So ist er es gewesen, der bei der Kaiserkrönung in Abessinien seiner Zeit dem Re- aus die Glückwünsche und Geschenke der deutschen Regierung überbrachte, und der vor ein oder zwei Jahren in Tokio in Japan dem 50jährigen Jubi­läum der Deutsch-naturwissenschaftlichen Gesellschaft im Namen unserer Regierung beiwohnte. Er war einer der weitgereisten Menschen unseres Landes. In sämtlichen Erdteilen und in den meisten Län­dern war er gewesen, und als er im Frühling dieses Jahres in Bad-Nauheim war, sagte er zu dem Schreiber dieser Zeilen, daß nur noch Grön­land ihm unbekannt wäre. Dayin ist er auch im Sommer abgereist, obgleich er schon 77 Jahre alt war. Es war seine letzte irdische Reise.

Die Lebensmittelversorgung des deutschen Volkes.

Ein Regierungsbericht vor -en Oberpräsidenten und Gauleitern.

Berlin, 29. Aug. Im Reichsministerium für Er- nährung und Landwirtschaft fanden am 28. August vormittags mit den obersten Landesbehörden, den Oberpräsidenten, Vertretern der Preisüberwachungs­stellen und nachmittags mit den Gauleitern bzw. Gauwirtschaftsberatern der NSDAP, eingehende Besprechungen über die Preisgestaltungfur Lebenshaltung statt. Auch Staatsrat Dr. L e y und Vertreter anderer Ministerien nahmen zeitweise an den Sitzungen teil. Im Mittelpunkt der Ver­handlungen standen grundlegende Ausführungen des Staatssekretärs im Reichsernährungsministerium Pg. Herbert Backe Über die deutsche Ernährungs­lage.

Staatssekretär Valle

behandelte zunächst einige grundsätzliche Fragen der Ernährungswirtschaft und schilderte dann eingehend die Dersorgungslage und Preissituation bei den einzelnen Lebensmitteln.

Er stellte fest, datz die Marktordnung heute nicht, wie vielfach angenommen, ein Schuh des Bauern, sondern ein Schuh der Verbraucher sei.

Ohne die Marktordnung des Reichsnährstandes hät­ten wir wahrscheinlich heute nicht Schweinepreise von 50 Mark, sondern solche von 75 Mark, und die Butter würde nach dem Urteil der Sachverständigen nicht, wie seit langer Zeit, unverändert 1,30 bis 1,60 Mark, sondern 2 oder 2,50 Mark je Pfund kosten. Die Marktordnung hat den Bauern geholfen, als wir wie noch im Jahre 1933 und Anfang 1934 auf Grund handelspolitischer Abmachungen zur Siche- r.ing unserer Jndustrieausfuhr größere Lebensmittel­mengen einführen mußten, als wir zur Ergänzung unserer Eigenerzeugung eigentlich benötigten. Heute zwingt die Devisenlage dazu, die Lebensmitteleinfuhr auf ein eben noch tragbares Mindestmaß herabzu­drücken.

Wir müssen uns darüber klar sein, daß jede Million, die wir für die Einfuhr von Lebens­mitteln mehr ausgeben, angesichts unserer Devisenknappheit eine Verminderung unserer Rohstoffeinfuhr und damit eine Schmälerung der Arbeitsbeschaffung und eine Erschwerung der Erringung der Wehrfreiheit bedeutet. Um­gekehrt erleichtert jede bei der Lebensmittel­einfuhr ersparte Million die Rohstoffversorgung, die Arbeitsbeschaffung und den Aufbau unse­rer Wehrmacht.

In Erkenntnis dieser Zusammenhänge haben wir bereits in diesem Zeitpunkt die deutsche Landwirt­schaft zur Erzeugungsschlacht aufgerufen, in dem auf einigen Gebieten (insbesondere Schweine, Fleisch) eine verhältnismäßige Uebererzeugung herrschte.

Alle Schwierigkeiten, die jetzt auf einigen Preis­gebieten für Lebensmittel vorhanden sind, haben ihre Ursache in einer Versorgunaslage, die es uns nicht gestattet, alle Sonderwünsche des Verbrau­chers zu befriedigen. Im ganzen gesehen ist die Dersorgungsanlage mit Lebensmitteln aber auch heute noch so, daß jeder Deutsche aus­reichend ernährt werden kann. Bei einem großen Teil der Lebensmittel find die Preise außerdem seit langem unverändert und werden es auch bleiben. Dies gilt für Brot, die Kartoffeln der neuen Späternte, Zucker, Milch, Butter, Mar­garine, Schmalz und Seefische. Spannungen haben wir lediglich bei Fleisch, Obst, Gemüse und Eiern zu verzeichnen. Zur Lage auf den einzelnen Gebie­ten erklärte der Staatssekretär etwa folgendes:

Die Stabilität der Vrotpreise ist nach wie vor gesichert.

Durch Marktordnung, Festpreise und die in der Hand des Reiches befindlichen Vorräte sind wir auf Grund des vorliegenden Ernteergebnisses in der Lage, den Markt und die Preise vollkommen zu be­herrschen. Wir hätten in den letzten Wochen und auch jetzt noch sicher Schwierigkeiten beim Brot- preis, wenn das Reich nicht rechtzeitig die knappe Ernte des Vorjahres durch Einfuhren ergänzt und erhebliche Mengen selbst in die Hand genommen hätte. Dabei sind wir im letzten Jahre mit einer Getreideeinfuhr von rund VA Millionen Tonnen ausgenommen, obwohl wir in den Jahren 1924 bis 1932 durchschnittlich mehr als vier Millionen Ton­nen jährlich eingeführt haben.

Die Versorgung mit Speisekartoffeln ist eben­falls vollkommen gesichert.

Für S^eisezwecke benötigten wir in der Regel noch nicht einmal ein Drittel der Gesamternte. Eine schlechte Ernte würde sich also in einem Mangel an Futterkartoffeln für die Schweinemast auswirken, aber die Versorgung mit Eßkartoffeln nicht gefähr­den. Es ist demnach möglich, mit Rücksicht auf die Verbraucher den Kartoffelpreis in diesem Jahre ab 1. September d. I. je nach Sorte und Herkunft um bis zu 50 Pf. je Zentner niedriger festzusetzen, als im Vorjahr. Eins noch niedrigere Festsetzung war mit Rücksicht auf die notwendige Relation zu den Futtermittelpreisen, die gewahrt werden muß, nicht möglich. Bei Kartoffeln werden also die Preise nicht nur gehalten, sondern gegenüber dem Vorjahre so­gar ermäßigt.

Zucker, Milch, Butter, Schmalz.

Die Zuckerversorgung ist gesichert, der Zuckerpreis wird stabil bleiben.

Aus den Einnahmen der Zuckerindustrie werden bedeutende Mittel abgezweigt werden, um in stär- ferem Umfange als im Vorjahr, so weit es die Obsternte gestattet, verbilligte Marmelade herzustellen.

Bei der Frischmilch sind Dersoraunasschwie- rigkeiten nicht vorhanden, weil nur ein Teil der Milcherzeugung als Frischmilch, der größte Teil in Form von Butter verbraucht wird. Die Marktord- nung wird die Milchpreise auch weiterhin auf dem bisherigen Stand halten.

Bei Butter wurden 1924 80 v. H jetzt 87 v. H. des Bedarfs im eigenen Lande hergestellt, obwohl der Butterverbrauch heute höher ist als vor dem Kriege. Die Beschaffung der nicht im Inland er­zeugten und zur vollständigen Bedarfsdeckung feh­lenden Buttermengen bereitet keine Schwierigkeiten, da wir sie im Verrechnungsverkehr im Austausch gegen deutsche Fertigwaren aus den nordischen Staaten und aus Holland bekommen. Die Butter­preise werden stabil gehalten.

Schwieriger ist es bei der Margarine versor- gung da hier die Rohstoffe zum geringsten Teil aus Deutschland stammen. Wir sind hier infolgedessen von der Devisenlage besonders stark abhängig, zu­mal die für die Margarineherstellung benötigten Oelsaaten aus Ländern kommen, die uns nur in un­

zureichendem Maße Fertigwaren abnehmen, in­folgedessen benötigen wir für die Oelsaateinfuhr die besonders knappen Bardeoisen. Eine akute Gefahr für die Versorgung besteht auch hier nicht, die Mar­garinepreise werden auch weiterhin stabil bleiben.

Beim Schmalz sind die Preise im wesentlichen stabil geblieben und werden nach der neuen, bereits bekannten Anordnung des Reichsernährungsmini- sters auch weiterhin auf dem Stand vom 31. März 1935 gehalten bzw. wieder auf diesen Stand zurück­geführt. Auch hier besteht jedoch eine gewisse Ab­hängigkeit von der Devisenlage, denn der Schmalz­bedarf wird nur zu etwa 70 v. H. aus inländischer Erzeugung gedeckt.

Die Fleischversorgung.

Der Staatssekretär ging sodann auf diejenigen Gebiete ein, bei denen sich in letzter Zeit gewisse Spannungen hinsichtlich der Preise bemerkbar ge­macht haben. Hinsichtlich der Fleischpreise erklärte er, oaß beim Rindfleisch in den Frühsommer­monaten bis Ende Juli faisonmäßig immer eine Verknappung aus deutscher Erzeugung eintritt. Diese Verknappung wurde in früheren Jahren bei genügender Devisenlage mit Einfuhren aus dem Auslande ausgeglichen. In diesem Jahr war dies nicht möglich. Trotzdem brauchte sich kein Ver­braucher beim Verzehr von Rindfleisch Einschrän­kungen aufzuerlegen. Heute sind durch Eingreifen des Reichs die erwähnten Spannungen beseitigt. An den Rindermärkten werden heute z. T. bereits wieder mehr Rinder aufgetrieben, als benötigt wer­den. Auf Grund dieser Lage haben wir die An­ordnung herausgegeben, daß die Rindfleischpreise, von gewissen Ausnahmen abgesehen, dort, wo sie einen höheren Stand erreicht hatten, wieder auf das Niveau vom 31. März 1935 zurückgeführt werden.

Schwieriger liegen die Verhältnisse zur Zeit noch am Schweinemarkt, aber auch hier sind die derzeitigen Spannungen vorübergehender Natur und werden in absehbarer Zeit behoben sein. Die Schweinebestände sind bereits wieder im Wachsen, so daß der Tiefstand der Schweineanlieferungen, den wir jetzt zu verzeichnen haben und der eine Folge der Dürre und schlechten Futterbetteideernte des Vorjahres ist, bald wieder einem stärkeren An­gebot von Schweinen Platz machen wird. Hinzu kommt, daß wir auf Grund handelspolitischer Ab­reden in nächster Zeit erhebliche Schweinemengen aus dem Auslande einführen werden. Schließlich stehen der Bevölkerung in großem Umfange die erstklassigen und preiswerten Fleischkonserven zur Verfügung, die im vergangenen Jahr, als die knappe Futtermittelernte Z"U einem übermäßigen Verkauf von Schlachtvieh führte, hergestellt wurden.

Wenn man demnach den Fleischmarkt im Ganzen betrachtet, so ist genügend Fleisch vor­handen, lediglich frisches Schweinefleisch wird vielleicht in nächster Zeit hier und da vorüber­gehend etwas knapp sein. In solchen Fällen muß die Bevölkerung zum Rindfleisch oder zu den Fleisch­konserven ausweichen. Auf Grund dieser Gesamtlage

ist ebenso wie beim Rindfleisch auch beim Schweine­fleisch angeordnet worden, daß die Preise gründ- sätzlich auf dem Stand vom 31. März 1935 gehalten ober zurückgeführt werden müssen. Im übrigen ist bei der Beurteilung der Versorgunaslage mit Fleisch immer zu beachten, daß wir unseren Bedarf an Fleisch zu 98 bis 99 v. H. aus eigener Erzeugung decken, obwohl der Fleischverbrauch von 50 kg im Jahre 1913 auf 54,5 kg pro Kopf der Bevölkerung im Jahre 1934 gestiegen ist.

Obst und Gemüse.

Am schwierigsten liegen die Dinge bei O b st und Gemüse. Eine Preissteigerung ist hier zweifellos vorhanden. Die Lage ist aber dadurch bedingt, daß ungünstige Witterungsverhältnisse (kaltes Frühjahr, Nachtfröste) die Obst- und Gemüse­ernte außerordentlich beeinträchtigt, teilweise sogar vernichtet haben. Eine Ergänzung durch Einfuhren war angesichts unserer Devisenlage nur in be­schränktem Umfange möglich, zumal auch im Aus­lande die Witterung die Ernte unaünftig beeinflußt und zu Preissteigerungen geführt hat. Am stärksten betroffen wurden von diesen Verhältnissen Früh­gemüse und Frühobst. Eine Entlastung kommt jetzt, wie bereits überall zu bemerken, aus natürlichen Gründen bei Spätgemüse und Spätobst. Die Spät­gemüseernte wird befriedigend ausfallen.

Die Eierversorgung.

Zur Lage am Siermarft wurde daraus hin- gewiesen, daß die Eierschwemme in diesem Jahre auf Grund der Witterungsverhältnisse sechs Wochen früher einsetzte als in normalen Jahren. Infolge­dessen hörten die Hühner aber auch schon sechs Wochen früher auf, Eier zu legen. Dieser Lage muhte der Reichsnährstand Rechnung tragen. Er hat infolgedessen, um die Eiererzeugung anzuregen und den Verbrauch auf dem Lande zu drosseln, die Preise im Durchschnitt sechs Wochen früher als im vorigen Jahre heraufgesetzt. Es ist jedoch nicht be­absichtigt, die Eierpreise in diesem Wirtschaftsjahr im gewogenen Durchschnitt über den Durchschnitt des Vorjahres steigen zu lasseiH Zu den Verhält­nissen im Jnlande kam hinzu, daß uns bas Ausland nicht im vollen Umfange die Eiermengen liefern konnte, die handelspolitisch vereinbart worden waren. Im übrigen werden, sobald es die Witterung ge­stattet, Kühlhauseier in bedeutendem Umfange zu tragbaren Preisen aus den Beständen des Reiches abgegeben werden.

Anschließend an die Ausführungen des Staats­sekretärs wurden von Beamten des Reichsernäh- rungsminifteriums und Vertretern des Reichsnähr­standes nähere Aufklärungen über die hinsichtlich der Preisüberwachung ergangenen Anordnungen und über die Dersorgungslage in einzelnen Gebieten des Reiches gegeben, soweit sich hierzu die Notwendigkeit auf Grund der Berichte der Gauleiter ober Preis- überwachungsbehorben ergab. Die Preisüber­wachungsstellen würben erneut angewiesen, grund­sätzlich unter keinen Umständen Preiserhöhungen zu­zulassen.

Tragisches Autounglück des belgischen Königspaares.

Oer König verletzt, die Königin an einem Gchädelbruch verstorben.

Luzern, 29. Aug. (DRV.) Der König von Belgien ist in der Rahe von Kühn acht am Vierwaldstättersee am Donnersiagvormittag mit feinem von ihm selbst gesteuerten Auko verun­glückt. An einer Kurve geriet der Wagen plötzlich über die Böschung des Seeufers. Die Königin wurde dabei gegen einen Baum geschleudert. Sie erlitt einen Schädelbruch der den Tod herbei­führte. Der König wurde mehrfach am Kopf ver­letzt. Die Wunden sollen nicht gefährlich sein.

Königin Astrid f.

Königin Astrid von Belgien wurde als Tochter des Prinzen Karl Herzog von Westgotland und der Prinzessin Jngeborg von Dänemark am 17. November 1905 in Stockholm geboren. Im März 1926 begegnete Königin Astrid in Stockholm dem damaligen Kronprinzen Leopold von Belgien. Während des Sommers waren die schwedischen Prinzessinnen Gäste der belgischen Königsfamilie in deren Sommerresidenz und im November 1926 fand die Vermählung des Kron­prinzen Leopold mit Prinzessin Astrid statt. Die Ehe wurde allgemein als reine Neigungsheirat an­gesehen. Am 11. Oktober 1927 wurde dem jungen Paar ein Töchterchen Josephine Charlotte und am 7. September 1930 der Thronerbe Bau - doin geboren. Nach dem plötzlichen Tod des Königs Albert I. im Februar 1934 bestiegen K ö - n i g Leopold III. und Königin 21 ft r i b ben Thron. Wie beliebt Königin Astrid beim belgischen Volk war, zeigte sich beim Einzug bes jungen Kö­nigspaares in Brüssel, als ihr begeistert zugejubelt wurde.

Wie sich das Unglück ereignete.

Ueber das furchtbare Kraftwagenunglück werden folgende Einzelheiten bekannt:

Am Donnerstagmorgen zwischen 9 und 9.30 Uhr befand sich der König der Belgier in einem offenen Packarb-Sportkabriolett mit der Königin an feiner Seite und in Begleitung eines Hilfsfahrers, der hinten im Wagen sah, auf dem Wege von feiner Besitzung, der Villa Haslihorn in Horw, einem Borort von Luzern, nach Küßnacht am Rigi. Ein zweiter Kraftwagen mit der Begleitung des Königs folgte dem königlichen Wagen. Nach ben im Kraft­wagen bes Königs befindlichen Bergausrüstungs- gegenftänben zu schließen war beabsichtigt, eine Bergtour zu unternehmen. 300 Meter von Küß- nacht entfernt ftreifte ber königliche Kraftwagen auf ber völlig geraben 5 Meter breiten Asphalt­straße ben etwa 20 Zentimeter hohen Straßen­rand. Bei der Geschwindigkeit von 70 bis 90 Kilometer kam ber Wagen baburch aus dem Gleichgewicht und stürzte über den Straßenrand auf eine st eilabfallende Wiese hinunter. Dabei fuhr er mit voller Wucht gegen einen Ob ft bäum und dann in den See. Schilf und Schlamm hielten den weiteren Fall auf. Der König konnte sich mit Hilfe des Fahrers und der hinzugeeilten Begleitung aus dem Kraftwagen herausarbeiten und eilte, obwohl er selbst Kops- und Armverletzungen erlitten hatte, SU der am Boden liegenden Königin, die aus

Das Künigspaar. (Scherl-Bilderdienst.)

dem Wagen herausgeschleudert worden war. Ihr Schädel war völlig zerschmet- tert. Nach einer Lesart war sie sofort tot, nach einer anderen soll sie etwa noch fünf Minuten ge­lebt haben. Don Küßnacht eilten sofort Leute zur Hilfe herbei. Auch ein Pfarrhelfer wurde herbeige, holt, der der Königin noch die letzte Oelung spen­dete. Die Leiche wurde dann sofort zugedeckt und bald darauf in einem von Küßnacht herbeigeschaff- ten Sarg nach der Villa Haslihorn bei Luzern zu- ruckgebracht.

Die Behörden von Küßnacht verzichteten vorläufig aus eine Vernehmung bes Königs, bie im Laufe Des Nachmittags im Beisein bes belgischen Kon- suis nachgeholt werben soll. Die Ünglücksstelle würbe sofort abgesperrt, jegliches Photographieren wurde verboten. Der Kraftwagen ist inzwi- schen aus dem See herausgezogen worden. Er ist v o l l i b zerstört. Der König begab sich nach Kurzer ärztlicher Behandlung nach der Villa Hasli» Horn zurück.

Oie Heimfahrt der toten Königin.

Bem, 30. Aug. (DNB. Funkspruch.) Die sterb­liche Hülle der Königin Astrid wurde am Donnerstagabend von Haslihorn nach Luzern übergeführt. Gegen 22 Uhr wurde der Sarg in ben schwarz ausgewogenen und mit Blümer» gs»