Ausgabe 
30.8.1935
 
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Freitag. 5^. August 1935

Nr. 292 Erstes Blatt

;85. Jahrgang

unternommen, diese Frage durch die Tat, durch das richtunggebende Beispiel zu lösen.

Wir haben der Arbeit ihre Würde und dem Arbeiter seine Ehre wiedergegeben. Wir haben den Arbeiter vom seelisch bedrückten, unzufrie­denen Tlur-Lohn-Empfänger emporgehoben zum selbstbewußten Soldaten der Arbeit. Die Ein­führung der allgemeinen Arbeitsdienstpflicht be­deutet eine Ehrenbezeugung vor dem Wert der Handarbeit und des Handarbeiters. Rational- fozialistifcher Gemeinschaftsgeist und national­sozialistische Arbeitsauffassung sind also die ethischen Grundlagen unseres Arbeitsdienstes.

Sie bestimmen seinen Sinn und Zweck.

Im Auslande betrachtete man vielfach den Arbeits« dienst als eine verschleierte militärische Einrichtung. Wenn diese Auffassung zutreffend gewesen wäre, dann wäre der Arbeitsdienst nach Einführung der

Das Oiptomat.sche Korps aus dem Reichsvartetaq

Berlin, 29. Aug. (DNB.) Der Führer und Reichskanzler hat, wie die NSK. meldet, auch in diesem Jahre die ausländischen Mis­sionschefs oder deren Vertreter für die ganze Dauer des Reichsparteitages nach Nürnberg eingeladen. Die Betreuung des Diplomatischen Korps übernimmt wiederum SS.-Oberführer Ge­neral von M a s s o w , Amtsleiter im Außenpoli­tischen Amt der NSDAP.

800 ausiandsdeuischeIungen bei der Kriegsmarine.

Kiel, 29 Aug. (DNB.) Zu den eindrucksvoll­sten Erlebnissen auf ihrer Deutschlandfahrt wird für die 8 0 0 auslandsdeutschen Jun­gen, die am Donnerstag in Kiel eintrafen, der Besuch 'm Reichskriegshafen Kiel zäh­len. Im Kasernenhof der Marineanlagen Kiel-Wik wurden die auslandsdeutschen Jungen durch den Kommandanten von Kiel, Kapitän z. S. M e w i s, auf das herzlichste begrüßt, der kernige Worte an sie richtete.

Nach einem kräftigen Seemannsmahl, das an langen Mannschaftstischen in der Kaserne einge­

nommen wurde, hatte die auslandsdeutsche Jugend Gelegenheit, das Leben und Treiben der Kriegs­marine zu beobachten. Ganz besonderes Interesse erweckte das in allen Phasen vorgeführte Geschütz­exerzieren Nach der Besichtigung von einigen Kriegsschiffen begaben sich die Jungen auf Föhrde- dampfern nach dem Marineehrenmal in Laboe, wo unter dem Eindruck des Tages eine feierliche Kranzniederlegung zur Ehrung der 34 000 Seehel­den, die in allen Meeren der Welt für ihre Hei­mat das Leben ließen, stattfand.

Die auslandsdeutsche Jugend spricht heute schon begeistert von dem morgigen Tagesprogramm, das eine Fahrt der 800 Jungen auf dem Panzerschiff Deutschland" und den KreuzernLeipzig" und Köln" durch den Nordostseekanal nach Brunsbüttel- koog vorsieht. Unterwegs werden die Jungen nicht nur Gelegenheit haben, die Schiffe eingehend zu besichtigen, sondern auch einen Tagesablauf an Bord eines deutschen Kriegsschiffes mitzuerleben.

Vor dem Empfang durch die Kriegsmarine hatlt heute vormittag auf dem mit Flaggen geschmück­ten Adolf-Hitler-Platz eine Begrüßung durch HI., Jungvolk und Schulen stattgefunden, bei der den auslandsdeutschen Jungen die Grüße ber zur Ein­weihung des Adolf-Hitler-Koogs abgereisten Führers übermittelt wurden, die die Jugend mit freudigem Herzen aufnahm.

Berlin, 30. Aug. (DNB.) DerVölkische Beo­bachter" meldet aus Frankfurt a. d. Oder:

Auf Einladung des Chefs des Außenpolitischen Amtes der NSDAP., Reichsleiter Alfred Rosen­berg, besuchten am Donnerstag die auslän­dischen Diplomaten und ausländischen Pressevertreter die im Spreewald gelegenen Arbeitsdienstlager in Lübbenau, Lübben, Cronenfelde und den Fliegerhorst bei Frankfurt a. d. Oder. In Frankfurt a. d. Oder sprach zum Abschluß der Fahrt

zu ....

Ueber die Lösung der sozialen Frage ist unendlich viel geschrieben und geredet worden. Im nationalsozialistischen Arbeitsdienst haben wir es

Neichsarbellsführer Staate sekretör h'erl den ausländischen Gästen. Er führte u. a. aus:

Ausländischer Besuch beim Arbeitsdienst

Diplomaten und Pressevertreter unterrichten sich über den Sinn und Zweck des Arbeitsdienstes.

<Et|d)emi lägltd), außet M M Unnahme oon »M-Ige»

Sonntags und Feiertags für die Mittagsnummer

Beilagen: Dl- Illustriert. i . A A kX A AA A AA AA. A A A Afc. A AA bisst' ,U!>rd» Vormittags

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von einzelnen Nummern Ermäßigte Erundpretfe:

infolge höherer ©eroalt< zIa < < aa Stellen-, Vereins-, gemein-

ä General-Anzeiger für Oberhessen »Ws

richten: Anzeiger Sieben VW I 1 I I gen, Bäder-, Unterrichts- u.

Dottfcbedtonto: behördliche Anzeigen 6Rpf.

grottffuri am Main 11688 vruck und Verlag: vrühl'fche UniversilSts Such- und Steinöruderet R. Lange in Gießen. Schriftleitung nnd Geschäftsstelle: Schulftrahe r Mengenabschlüsse Staffel 8

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

Der Führer weiht Neuland am Meer.

Giedlungsland an der schleswig-holsteinischen Küste der Nordsee abgerungen

neuen Koog, den das Drifte Reich schuf, soll diese Halle ein Denkmal sein für das erfolg­reiche Ringen um Reuland aus dem 2Heer und um Reuland des Wissens und der politischen Erkenntnis, hier wollen wir uns sammeln zur Arbeit im Sinne unseres Führers als eine Ge­meinschaft der Tat. hier soll dem Siebter das Rüstzeug gegeben werden zum Kamps für Heimat und Volk im Geiste des Rational­sozialismus, der ihm die neue Heimat schenkte. Hinrich Lohse, Gauleiter und Oberpräsident

von Schleswig-Holstein.-

Handwerkskammerpräsident Kummerfeld

führte sodann aus: Unsere Sprache ist zu arm, um Ihnen, mein Führer, all den Dank und all die Liebe ausbrücken zu können, die wir im Herzen fühlen. Nehmen Sie die Gewißheit mit, daß hier im Norden Menschen wohnen, die nur eine Richt­schnur kennen: Ihr Wille, mein Führer! Wir sind stolz und glücklich, baß wir mitarbeiten dürfen an Ihrem großen Aufbauwerk.

Der Führer

vollzog fobann bie Weihe mit folgenben Worten: Deutsche Volksgenossen!

Wenn wir hier auf diesem neuen Land stehen, so wollen wir zwei Erkenntnisse nicht vergeben: Arbeit allein hat dieses Werk geschaffen. Illöge das deutsche Volk niemals vergessen, daß zu allen Zeiten niemals das Leben dem Menschen als Geschenk gegeben ist, sondern daß es stets schwer erkämpft und durch Arbeit errungen werden muhte. Und die zweite Erkenntnis: So wie hier jeder Qua­dratmeter dem Meere abgerungen und mit unermüdlicher tapferer Hingabe beschirmt wer­den muh, so muh alles, was die Gesamt- nation schafft und baut, von allen deutschen Volksgenossen ebenso beschirmt werden, hier ist ein Symbol der Arbeit und des ewigen Ringens, des Flel- hes und der Tapferkeit! Riemand darf ver­gessen, dah unser Reich auch nur ein Koog am Weltmeer ist, und dah es nur Vestand haben kann, wenn seine Deiche

stark sind und stark erhalten werden.

3n diesem Sinne vollziehe ich die Grundstein­legung.

Nach der Grundsteinlegung durch den Führest nahm

Iieichsbauernführer OarrS

das Wort. Wir stehen hier, fo führte er aus, auf altem deutschem Boden, der uns vom Meer entrissen wurde und jahrhundertelang vom Meer überspült war.

Reuland ist gewonnen und damit ein Baustein für unsere Aufbauarbeit gelegt worden, und deutsche Bauern haben auf diesem Boden eine neue Heimat gefunden.

Mit besonderer Befriedigung stelle ich fest, daß bet ihrer Auswahl der Gedanke der Volks- und Bluts­gemeinschaft alter, gleichgesinnter Kämpfer in die Tat umgesetzt wurde. Bei der Durchführung der An­siedlung wurde durch die Tat in vorbildlichster Weise nach dem Grundsatz gehandeltGemeinnutz geht vor Eigennutz." Der Reichsbauernführer schloß mit einem Sieg-Heil auf den Führer und Kanzler, das, von den Tausenden begeistert aufaenommen, weit über die Felder des neuen Landes hallte.

Durch das Spalier der jubelnden Nordmärker verließ der Führer sodann feinen Koog. Auf der Rückfahrt vom Einweihungsplatz besichtigte der Führer den zukünftigen Dorfplatz der Dorf­gemeinschaft Adolf-Hitler-Koog, die Schule und ein Bauernhaus. Der Führer fuhr dann zum Fried­richskoog und nahm den im Bau befindlichen Damm nach der Insel Trieschen in Augenschein. Am Fuß des Deiches befindet sich das Barackenlager der ArbeitsgemeinschaftSicherung Friedrichskoog- Spitze", in dem etwa 100 Arbeiter untergebracht find und hier gestaltete sich eine packende Stunde.

Der Führer sprach im Ehraum einer Baracke zu den Arbeitern und gab ihnen einen Abriß über die gesamte politische und wirtschaftliche Lage Deutschlands und feine Ausgaben für die Zukunft. Es war ein Erlebnis zu sehen, wie diese Arbeiter der Faust begierig Saß um Sah in sich aufnahmen und wie sich am Schluß der Ausführungen des Führers ihre Begeisterung spontan Bahn brach.

Da saß der Zwanzigjährige nebenn dem Fünfzig­jährigen, der zu Hause Frau und Kinder hat, alle im Werkanzug, wie sie eben oon der Arbeit im Schlick und Lehm gekommen waren.

dieser Idee sich erwies, an die er nie geglaubt hat. Er war der einzige Ehrliche unter den Genfer Großen". In seiner Manöverrede vor einem Jahre sagte er:Der Krieg ist der Kassationshof der Völker. Trotz aller Konferenzen und aller Proto­kolle ist es die kriegerische Tat, welche die Mensch­heit begleitet und sie dis zu ihrem Ende geleitet. Die militärische Stärke ist das Bestimmende für die Rangfolge der Nationen. Sie beweist am besten die einem Volke innewohnende Kraft." Merkwürdi­gerweise hat man diese und ähnliche Worte nicht ernst genommen. Jetzt scheint der Augenblick ge­kommen, in dem sich ihre ernste Bedeutung blutig enthüllt.

Erlaß des Führers an die Kriegsmarine.

Kiel, 29. Aug. (DNB.) Der Führer hat nach Abschluß seines Flottenbesuches einen Erlaß an bie Flotte gerichtet, der durch Flaggensignale den Kriegsschiffen übermittelt wurde:

Beeindruckt von den Tagen bei der Flotte spreche ich den Besatzungen für die bei den Schießübungen gezeigten sehr guten Leistungen meinen Dank und meine Anerkennung aus.

Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht.

Adolf Hitler."

Adolf-Hitler-Koog, 29. Aug. (DNB.) Ein wichtiger Abschnitt in dem Aufbauwerk des natio­nalsozialistischen Deutschland, zu dem im wesentlichen auch die umfangreichen Landgewinnungsarbeiten an der schleswig-holsteinischen Westküste gehören, wurde am Donnerstag mit der feierlichen Einweihung des Adolf-Hitler-Koogs an der Dieksander- Bucht im Süderdithmarschen erreicht.

Der Adolf-Hitter-Koog ist das erste fertige Werk der sogleich nach der nationalsozialistischen Machtergreifung in Angriff genommenen großen Landgewinnungsarbeiten. Richt weniger als 1333 Hektar neuen Ackerlandes find dem Mee­resboden entrissen. Do früher kümmerliche Grä­serfelder sich befanden, immer wieder überflutet von den Wassern desBlanken Hans", sieht man heute, soweit der Blick reicht, fruchtbare Aecker und Getreidefelder. Die erste Ernte im Adolf-Hitter-Koog ist da.

Der neue, 9,3 Kilometer lange Deich, der den Adolf- Hitler-Koog von dem Meer trennt, ist in verhältnis­mäßig kurzer Zeit emporgewachsen. Das weite Land hinter dem schützenden Wall des Deiches trägt stolz den Namen des Führers. Der Adolf-Hitter-Koog gibt mehr als 90 Familien auf dem neu­gewonnenen Land die Lebens- und Existenzgrund­lage.

Gegen 8 Uhr morgens trat der Führer feine Be­sichtigungsfahrt durch den Gau Nordmark, die Provinz Schleswig-Holstein, an. Die Fahrt führte über Eckernförde, Schleswig und Husum und dann über den neuen Damm, der die Insel Nordstrand mit dem Festlande verbindet, zur Insel Nordstrand. Der Führer überzeugte sich hier von den Land- geroinnungsarbeiten. Die Fahrt ging dann wieder über Husum nach Heide und Albersdorf, oon dort nach einer Mittagspause nach dem A d o l f - Hit­ler-Koog.

Auf der Ehrentribüne erwartete Reichsorganisa- tionsleiter Dr. Ley den Führer.

Oberpräsideni (Souleifer Lohse begrüßte sodann den Führer auf Deutschlands neuem Land, wobei er u. a. sagte:Mein Führer! Sie stehen hier an der Nordsee auf neuem Land, das in harter Arbeit dem Meere abgerungen wurde. Seine Bewohner, die jetzt nach und nach dieses Land besiedeln, sind Nationalsozia­listen, sind Kämpfer der ®eroegung aus jenen Zeiten, als es noch heiß herging im Dithmarschen. Wir haben um das Banner kämpfen müssen, das wir heute aufgerichtet haben in Ihrem Namen. Wir sind dabei aber nicht stehengeblieben. Köge sind entstanden und Deiche erbaut worden, und was wir heute Ihnen, mein Führer, zeigen durften, das ist ein großes Werk menschlicher Arbeit. Nachdem Sie, mein Führer, die Macht übernommen haben, können wir froh und frei arbeiten. Ich habe im Namen der gesamten Bevölkerung Schleswig-Hol­steins Ihnen zu danken für Rat und Tat, mit der Sie uns immer zur Seite gestanden haben in dieser schweren Arbeit. Wir werden auch in Zukunft dieses große Werk fortsetzen und so Weiterarbeiten, wie es Ihr Wille ist!"

Oberpräsident Lohse verlas bann die Urkunde zur Grundsteinlegung der N e u l a n d h a l l e, die den Volksgenossen des Adolf - Hitler - Kooges als Thing st ätte und Versammlungsort dienen wird: Adolf Hiller, unser Führer, des Deutschen Reiches Kanzler, vollzog am 29. August 1935 die Grundsteinlegung zu dieser Reulandhalle. Der Wille unseres Führers hat erreicht, was unmöglich schien. Deutschland steht in neuer Ge­staltung da. Das Aufbauwerk ist in vollem Gange. Das Schicksal unserer Heimat wendete sich, und mit neuem Mut und neuer Zuversicht haben wir unseren Kampf wieder ausgenom­men, den Kamps mit dem Meere. Dem ersten

Oie italienische Armee.

Don Oscar Müller.

Seit dem Jahre 1933 hat Mussolini die Verwal­tung der drei militärischen Ministerien, Krieg, Ma­rine und Luftmacht, in feiner Hand vereinigt. In feiner Eigenschaft als Ministerpräsident hat er die oberste Leitung des Generalstabs der Armee und des Nationalen Verteidigungsrates inne. Seine all­jährliche Teilnahme an den großen Manövern hat sich bei dem gewaltigen Aufmarsch an der Brenner­grenze zum tatsächlichen obersten Kommando der Manöver gewandelt. Das will heißen, daß Musso­lini nicht nur der politische Diktator, sondern, un­beschadet der Stellung des Monarchen, auch der Oberste Kriegsherr" Italiens ist, in dessen Hand nicht nur die Entscheidung über einen Krieg, son­dern auch die Führung des Krieges liegen würde. Die Totalitätsidee des Faschismus, die keine Tren­nung der Gewalten kennt und alle Staatsfunk­tionen aus staatlichem und nationalem Geiste ab­leitet, hat in der Person dieses politischen Front­kämpfers, der in den 13 Jahren feiner Macht der militärischen Bereitschaft Italiens den größten Teil feiner Tatkraft zuwandte, ihren letzten Ausdruck ge­funden. Es wäre müßig und subaltern, feine Fähig­keit zu militärischer Führung zu erörtern: in der Tat ist die italienische Armee, wie sie heute ist, in weitestem Maße feine Schöpfung, über deren Ein­satz und Verwendung er allein zu bestimmen hätte.

Die Reorganisation der unter den demokratischen Regierungen vernachlässigten Armee ist noch im Gange, in ihren Grundlinien aber bereits festgelegt. Die leitenden Gesichtspunkte sind nach der zahlen­mäßigen Stärke die Aushebung und Ausbildung der gesamten wehrfähigen männlichen Bevölkerung im Alter von 21 bis 55 Jahren, die annähernd acht Millionen beträgt, nach der organisatorischen Seite die Reformierung des Unteroffiziers- und Offizier­korps sowie der Stäbe und des Generalstabs, nach der technischen die Nutzbarmachung der Erfahrungen des Weltkrieges und der modernen Anschauungen Dom Wesen eines künftigen Krieges. Italien hat gegenwärtig bei einer Bevölkerung von rund 45 Millionen einen Rekrutierungsbestand von etwa 560 000 Mann, von denen es jedoch bisher nur 300 000 einberief, die 22 000 Offiziere und 23 000 Unteroffiziere nicht eingerechnet. Die stehende Armee ist in 13 Korps zu 2 oder 3 Divisionen, im ganzen 31 Divisionen, gegliedert; dazu kommen 3fliegende" Divisionen, die bei den jetzigen Manövern zum ersten Male zur Verwendung kommen, und vier BrigadenAlpini", einer für den Gebirgskrieg be­sonders geschulten Truppe. Die Infanterie zählt 112 Regimenter mit verschiedener Bataillonstärke. Das neue, in Vorbereitung begriffene, Rekrutie- rungsgefetz wird wahrscheinlich die jetzt bestehende Dienstzeit von 18 Monaten auf ein Jahr herab­setzen und den Bestand an wehrfähiger Mannschaft voll erfassen. In Wirklichkeit ist schon heute durch die letzten Mobilisationen für Afrika und die Auf­stellung von Ersatzformationen der oben umriffene Friedensrahmen weit ausgedehnt: es stehen zur Zeit mehr als 500 000 Mann unter Waffen, und im Oktober werden es nach einer Ankündigung Mussolinis eine Million sein!

Die vorfaschistische italienische Armee litt an einem Mangel an Unteroffizieren, an einem aus dem Kriege stammenden Ueberfluß an Subalternoffizieren und an einer Ueberalterung in den oberen Führerstellen. Die Zahl der Unteroffiziere ist um 6000 vermehrt worden, dürfte aber für die geplante Heeresver- stärkung nicht ausreichen. Das neue Beförderungs­gesetz überwies eine große Anzahl von Subaltern­offizieren in die Reserve oder zur Verwendung in den Jugendorganisationen und führte eine strenge Prüfungsauslese zwischen den verschiedenen Dienst­graden ' ein. Die Beförderung zum Stabsoffizier setzt nach den neuen Bestimmungen den erfolgreichen Besuch der Kriegsschule voraus; aus ihnen rekru­tiert sich in schärfer Auslese der Generalstab der Armee. Durch die ganze Reform des Offizierskorps, das im früherer) Italien keine besondere soziale Stellung genoß,'geht unausgesprochen, aber sicht­lich ein aristokratischer Zug, auch in gesellschaftlichem Sinne: Auf Mussolinis persönliche Anordnung ist dem in Rom gegründeten Klub der Offiziere aller Waffen der Palazzo Barberini, einer der schönsten Renaissancebauten mit der prunkvollen Fassade Ber­ninis, zur Verfügung gestellt worden.

Die technische Erneuerung steht unter dem mo­dernen Gebot der Motorisierung und der schnellen Beweglichkeit kleinerer gemischter Verbände. Die Einheiten, besonders diefliegenden" Divisionen, sind ausgiebig mit leichten Kampfwagen versehen, die zwei'Maschinengewehre führen, ebenso die Ka­vallerie, Motorisierung der schweren und leichten Artillerie, Einführung eines Gebirgswagens für die Alpenzonen, reichliche Verwendung des Motor­rads, Traktoren für die schwere Artillerie, eine neue Haubitze und ein neues Fliegerabwehrgeschütz sind Einzelheiten dieser Reform, die die Fachmän­ner angehen. Der Gedanke, daß die Infanterie die ausschlaggebende Waffe bleibt, ist jedoch festge- halten; die dem Regiment zugeteilten leichten Ma­schinengewehre sind oon 56 auf 81 erhöht. Der Infanteriedivision sind Fliegerabwehrgeschütze (20 Millimeter) und Tankabwehrgeschütze (47 Milli­meter) zugeteilt. Die ganze unter dem Begriff Mo­torisierung zu fassende Reform, die übrigens noch nicht fertig ist, dürfte sich im wesentlichen an das französische Vorbild anlehnen und folgt dem Zuge der Politik und der ©eneralftäbe, die bei den la­teinischen Nationen in Krieg und Frieden zu einer möglichsten Einheit führen!

Die Kriegsrüstung, die Mussolini Italien uder- gezogen hat, ist, wie man sieht, mehr als gewöhn­lich und von erschreckender Stärke. Er hat sie be­gonnen, als man noch viel über Abrüstung redete, und zur Vollendung getrieben, als der Bankerott