Ausgabe 
30.7.1935
 
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oder Süßmost, in jedem Haushalt selbst zu bereiten sind und für die uns reichlich Obst und Beeren- srüchte aus deutschen Gauen zur Verfügung stehen. Daneben sollten wir aber getrost unser Augenmerk etwas mehr als bisher auf unsere deutschen Weine richten. Es ist nämlich falsch, anzunehmen, daß Wein nur ein Getränk für reiche Leute, oder gar ein Luxusgetränk sei, wenn auch in Deutschland je Kopf jährlich nur 3 bis 3XA Liter verbraucht wer­den. Wie sehr wenig das ist, zeigt ein Vergleich mit anderen Ländern, z. B. mit Frankreich, wo 30 Liter und mit Portugal, wo sogar 65 Liter jährlich je Kopf der Bevölkerung getrunken werden, wo also der heimische Wein tatsächlich ein Volksgetränk ist.

Auch unser deutscher Wein ist nicht teuer, wenn man ihn als erfrischendes Getränk, verdünnt mit Wasser, mit oder ohne Zucker, oder verdünnt mit Sprudel, genießt. Wieviele gute und zugleich leichte, bekömmliche Weine aus deutschen Gauen stehen: uns dafür zur Verfügung! Wir haben hundert­tausende kleiner und kleinster Weinbauern, haupt­sächlich in der Westmark, an der Ahr, der Mosel, der Saar, der Nahe, im Rheingau, in Baden, Franken und Württemberg, denen es noch verhält­nismäßig schlecht geht und die über jeden Liter Wein, den sie mehr absetzen können, herzlich froh sind, denn sie sind fast ausschließlich auf den Wein­bau angewiesen und können nur bestehen, wenn ihnen ihre Erzeugung auch abgenommen wird. Nun war die vorjährige Weinernte besonders hoch und lag um etwa 50 v. H. höher als die früheren Durch­schnittsernten. Wie sehr haben wir also Gelegenheit, diesen bedürftigen Weinbauern zu helfen und ihrem Rufe, alle ab und zu ein Glas Wein zu trinken, Folge zu leisten!

Ein erfrischendes Getränk am heißen Sommertag wer möchte das wohl verachten? Durch seinen Säure- und Zuckergehalt gibt uns das unser deut­scher Wein, auch der Rotwein, der durchaus nicht nur für Glühwein im Winter zu gebrauchen ist, sondern, mit Wasser oder Sprudel verdünnt, leicht aesüßt, auch im Sommer prachtvoll schmeckt und seine erfrischende und dabei bekömmliche Wirkung nicht verfehlt. Für alle unsere Weine aber gilt, daß etwa verbleibende Reste in der Flasche vor­züglich zu mancherlei Süßspeisen, Suppen und an­deren Gerichten, die früher wohl oftmals mit aus­ländischen Weinen bereitet wurden, zu verwerten sind.

Gefechtsschießen.

Wie das Kreisamt Gießen mitteilt, wird der Re- giments-Nachricktenzug am 1. August, vormittags von 5 bis 11 Uyr, auf dem Wiefengelände südlich der Straße Gießen Reiskirchen, etwa zwei Kilomett-r östlich der Weggabelung Gießen Rödgen, GießenReiskirchen, ein Gefechtsschießen mit Schußrichtung nach dem Hohen Wartberg abhalten. Eine Sperrung der Straße GießenReis­kirchen ist nicht erforderlich. Das gefährdete Gelände wird von der Truppe selbst abgesperrt, den Anord­nungen der Absperrposten ist unbedingt Folge zu leisten.

Vornotizen.

Tageskalender für Dienstag. NS- GemeinfchaftKraft durch Freude": von 6.15 bis 7.15 Uhr Tennis auf den städtischen Tennisplätzen am Schützei-hass. Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): Vom Nordkap bis zu den Alpen".

Gießener Wochenmarktpreise.

* Gießen, 30. Juli. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Molkereibutter, das Pfund 1,50 bis 1,55 Mark, Landbutter 1,40 bis 1,42 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 5 bis 10, Eier (inlän­dische) 10 bis 11, Wirsing, das Pfund 12 bis 20, Weißkraut 10 bis 15, Rotkraut 18 bis 20, Gelbe Rüben 10 bis 15, Rote Rüben 10 bis 15, Spinat 18 bis 20, Römischkohl 6 bis 10, Bohnen (grün) 15 bis 25, (gelb) 20 bis 25, Erbsen 25 bis 30, Tomaten 30 bis 40, Zwiebeln 15 bis 18, Rhabarber 8 bis 10, Kartoffeln (neue) 7 bis 8 Pf., der Zentner 5,80 bis 6 Mark, Falläpfel, das Pfund 8 bis 10 Pf., Pfir­siche 40 bis 60, Himbeeren 50 bis 60, Brombeeren

50, Aepfel 40 bis 45, Birnen 15 bis 55, Kirschen 40 bis 50, Heidelbeeren 45, Stachelbeeren 20 bis 30, Johannisbeeren 20 bis 25, Pflaumen 40 bis 45, Zwetfchen 45 bis 50, Mirabellen 45 bis 50, junae Hähne 90 Pf. bis 1 Mark, Tauben, das Stück 50 Pf., Blumenkohl 10 bis 75, Salat 5 bis 12, Salatgurken 10 bis 35, Einmachgurken VA bis 5, Oberkohlrabi 5 bis 10, Rettich 5 bis 20, Suppengrünes 5 bis 8, Radieschen, das Bund 8 bis 10 Pf.

*

** Neuer Kapellmeister für das Stadttheater. Kapellmeister Erich Bohner, der für die kommende Spielzeit an das Stadttheater Gießen engagiert war, erhielt einen Ruf als musi­kalischer Oberleiter nach Hanau und wurde von der Intendanz für diesen Posten freigegeben. An seiner Stelle wurde Herr Ernst Bräuer vom Staatstheater Kassel als zweiter Kapellmeister für die kommende Spielzeit verpflichtet.

** DieTroher Chaussee" für große Lastfahrzeugegefperrt. Nach einer Polizei­oerordnung des Kreisamts Gießen ist die sogenannte Troher Chaussee", d. h. der die Gemeinden Alten- Buseck und Trohe verbindende Weg, für den Ver­kehr mit Lastfuhrwerken und Kraftfahrzeugen jeg­licher Art von mehr als 2,5 Tonnen Gesamtgewicht gesperrt. Zuwiderhandlungen gegen diese Polizei- verordnuna find mit Geldstrafe bis zu 150 Mark ober mit Haft bedroht.

** Preußisch-Süddeutsche Staats­lotterie. Die Ziehung der 5. Klaffe der laufen­den 45./271. Lotterie findet vom 8. August bis 11. September statt. Schluß der Erneuerung am 1. August 1935.

** Sonntagsrückfahrkarten zum DeutschenStenographentagin Frank­furt a. M. Zu dem vom 2. bis 5. August in Frankfurt a. M. stattfindenden Deutschen Steno- araphentag werden in einem Umkreis von 250 Kilometer von Frankfurt Sonntagsrückfahrkarten ausgegeben. Die Karten gelten zur Hinfahrt vom 2. August 0 Uhr bis 5. August und zur Rückfahrt vom 2. August 12 Uhr bis 6. August 24 Uhr. Die Rückfahrt mit diesen Karten ist nur möglich, wenn die Karten von der Festleitung abgestempelt sind.

** Für Briefmarkensammler. Zum 41. Deutschen Philatelistentag und 12. Bundestag, der vom 16. bis 19. August in Mainz stattfindet, und zu der damit verbundenen Briefmarkenausstellung in Wiesbaden hört man, daß sowohl in Mainz, als auch in Wiesbaden je ein Festpostarnt errichtet wird. Die dort aufgegebenen Postsachen werden mit einem besonderen Festpoststernpel entwertet. Die Festpostkarte mit eingedruckten Postwertzeichen zu 3, 5 und 6 Pfennig ist erschienen, ebenso das in künstlerischer Lederarbeit hergestellte Festabzeichen. Die Festpostkarte wird auf Wunsch den Sammlern, mit Festpoststempel entwertet, zugesandt.

Die Deutsche Arbeitsfront.

AE-Gemeinschast »Kraft durch Freude".

Ilrlaubszug

Büsum St. Peter - Ording vom 2. bis S. August.

Die Fahrkarten zu dieser Fahrt können in den Dienststunden auf dem Büro, Schanzenstraße 18 II, Zimmer 8, abgeholt werden. Der Zug fährt in Gie­ßen ab 22.55 Uhr.

Ankunft in Gießen am 9. August 6.56 Uhr.

Wochenendfahrt nach Königstein im Taunus.

Die NS.-GerneinschaftKraft durch Freude" fährt am Sonntag. 4. August, eine Wochenendfahrt nach Königstein im Taunus. Diese Fahrt bietet den Teil­nehmern Gelegenheit, das schöne Städtchen König­stein und den Taunus kennenzulernen. Der Fahr­preis beträgt mit Mittagessen 4 Mark.

Bildung einer Laienspielschar.

Die NS.-GerneinschaftKraft durch Freude" be­absichtigt, eine Laienspielschar aufzustellen, die im Laufe des Winters bei verschiedenen Kreisveranstal­tungen gutes Laienspiel zur Aufführung bringt. Volksgenossen, die Lust, Liebe und Talent mit» bringen, werden gebeten, sich bei der NS.-Gernein- schäftKraft durch Freude" Gießen, Schanzenstr. 18, zu melden.

Wochenendfahrt in das schöne Oberhessen.

Die NS.-GemeinfchaftKraft durch Freude" fährt am Sonntag, 4. August, eine Wochenendfahrt in das schöne Oberhessen. Die Fahrt geht in Gießen ab 6 Uhr über Laubach nach Schotten, von dort nach Gedern, von Gedern nach Hirzenhain. In Hirzenhain machen wir eine kleine Rast, gehen über den Berg nach dem Stauweiher Hillersbach, etwa 30 Minuten Weg, wo wir lagern und haben können. Am Hillersbach finb wir gegen 9.30 Uhr. Die Fahrt geht bann gegen 11 Uhr weiter nach Or­tenberg, wo im GasthausZur Post" Mittagessen um 12.30 Uhr eingenommen wird. Nach dem Mit­tagessen machen wir einen Spaziergang durch Orten­berg und Umgebung. Wir behaupten nicht zuviel, wenn wir sagen, daß Ortenberg eines der schönsten Städtchen in Oberhessen ist. Gegen 15 Uhr geht die Fahrt weiter nach Bad Salzhausen, wo wir im Kurhaus unter schattigen Bäumen den Abend ver? bringen werden.

Der Fahrpreis mit Mittagessen und Nachmittags­kaffee beträgt 4,50 Mark pro Person.

Großer Bunter Abend mit Willy Reichert.

Willy Reichert ein Name, der ein Begriff wurde, der Begriff des schwäbischen Humoristen. So wie der Name Rastellis unzertrennlich mit dem Jonglieren, der Name Caruso unzertrennlich mit Gesang verknüpft ist, so Reicherts Name als der Inbegriff schwäbischer Komik, einer Komik, deren erster Repräsentant er ist, einer Komik, die bisher keiner nachzuahmen verstand. Er wurde entdeckt im Feld, in einer Kneipe, an einem klapprigen Klavier. Nach Kriegsende, wer kannte ihn da? Niemand, selbst in seiner Vaterstadt Stuttgart nicht. Heute ist er der populärste Mann Württem­bergs. Der Willy nennt man ihn, und es ist nicht nötig, mehr als das zu sagen: jeder weiß, wer ge­meint ist.

Es ist wahr: wer Reichert auf der Bühne sieht, sieht und liebt in ihm fein eigenes gutes ungelöstes Ich, das bei jedem Menschen, ach, so gerne gut, entspannt und freundlich fein möchte, nur bei den wenigsten so aus sich heraus kann wie bei ihm.

Am Samstag, 24. August, kommt Willy Rei­chert zu einem ganz großen Bunten Abend der NS. - GemeinschaftKraft durch Freude" nach Gießen.

Schwimmbäder.

Sämtliche KdF.-Ortswarte, in deren Bereich Schwimmoäder sind, melden diese umgehend. Gleich­zeitig sind mit den Badeverwaltungen die Preise auszumachen, die unseren KdF.-Wandergruppen bei Benutzung eingeräumt werden. Meldung an die Geschäftsstelle KdF. Gießen. Termin: 3. August 1935.

Danderwochenendzug Jtr. 1 nach dem kreis Westerburg am 17. und 18. August.

Kosten 6 Mark einschließlich Bahnfahrt, lieber« nachtung und Verpflegung bis Sonntag nachmittag. Anmeldungen bei den zuständigen Dienststellen bis zum 1. August 1935. Folaende Orte werden belegt: Westerburg, Rennerod, Walmerod. Von hier aus werden Wanderungen unternommen, insbesondere nach dem Dreifelder Weiher.

Wandern.

Die Orts- und Betriebswanderwarte melden bis Zum 2. August die im Monat Juli veranstalteten Wanderungen. Teilnehmerzahl, getrennt nach männ­

lichen und weiblichen Teilnehmern, sowie Durch­schnittsalter ist anzugeben, desgleichen die Kosten pro Kopf, getrennt nach Fahrgeld und Verpflegung ober eventuell Rucksack-Verpflegung. Bis zum 10. August finb die Wanderunaen für den Monat September feftzulegen und schriftlich an die Ge­schäftsstelleKraft durch Freude Gießen, Schon- zenstraße 18, zu melden.

Wanderwochenendzug Rr. 2

nach dem kreis Lauterbach am 24. und 25. August.

Kosten 7 Mark einschließlich Bahnfahrt und Uebernachtung mit Verpflegung bis Sonntag nach­mittag. Anmeldunaen bei Den zuständigen Dienst­stellen bis zum 1. August 1935. Folgende Orte wer­den belegt: Lauterbach, Schlitz, Herbstein, Bermuts- Hain, Ilbeshausen, Hochwaldhausen, Nieder-Moos.

Von hier aus werden Wanderungen unternom­men nach Bad Salzschlirf, Nieder-Mooser Teiche, Schalksbach-Teiche, Hoher Vogelsberg mit Geisel­stein, Taufstein, Hoherodskopf, Bilstein, Herchen- yainer Höhe. Die Abfahrt erfolgt Samstags gegen 17 Uhr und die Rückfahrt Sonntags gegen 21 Uhr. Wer sich an einer Wanderung beteiligen will, muß dies auf der Anmeldung vermerken, damit er statt Mittagessen Wanderproviant von seinen Gastgebern erhält. Meldungen nimmt entgegen die Geschäfts­stelleKraft durch Freude" Gießen, Schanzen- straße 18.

Sportkurse des Sportamts Gießen

Allgemeine Körperschule.

Für Frauen und Männer gemeinsam: Lyzeum, Dammstraße, Freitag, 20 bis 21.15 Uhr. Universitäts-Sportplatz, Dienstag, 19 bis 21 Uhr, Donnerstag, 16 bis 18 Uhr.

Fröhliche Gymnastik und Spiele.

Nur für Frauen: Lyzeum, Dammstraße, Donnerstag, 20 bis 21 Uhr. Lollar,Zur Linde", Dienstag, 20.30 bis 21.30 Uhr. Lyzeum, Damm» straße, Donnerstag, 21 bis 22 Uhr.

Reiten.

Für Frauen und Männer gemeinsam: Reitschule Schömbs, Brandplatz, Montag, 21 bis 22 Uhr; Dienstag, 21 bis 22 Uhr; Mittwoch, 20 bis 21 Uhr; Freitag, 20 bis 21 und 21 bis 22 Uhr.

Reichsfportabzeichen.

Für Frauen und Männer gemeinsam: Universitäts-Sportplatz, Am Kugelberg, Donnerstag, 18.30 bis 20.30 Uhr.

Leichtathletik.

Für Frauen und Männer gemeinsam: Universitäts-Sportplatz, Am Kugelberg, Samstag, 17 bis 19 Uhr.

Schwimmen.

Für Frauen und Männer gemeinsam: Volksbad, Mittwoch, 20 bis 21 und 21 bis 22 Uhr. Badeanstalt des Männerbadevereins, Montag, 18 bis 19.15 Uhr. Lollar, Schwimmbad, Samstag, 16 bis 18 Uhr.

Tennis.

Für Frauen und Männer gemeinsam: Anfänge,': Städtische Tennisplätze am Schützen­haus, Montag, 18 bis 19 und 19 bis 20 Uhr.

Kirche und Schule.

§8 Grebenau, 29. Juli. Nachdem die Pfarrer- stelle der Pfarrgemeinde Udenhausen mit der dazu gehörigen Gemeinde Willofs feit dem Jahre 1929 verwaist war, wurde diese freie Stelle nun durch einen neuen Pfarrer besetzt. Von der Bevölkerung beider Gemeinden wird diese Maßnahme lebhaft begrüßt. Die seitherigen Got­tesdienste in Udenhausen wurden vom Pfarramt Schwarz und die in Willofs vom Pfarramt Schlitz mitversehen. Am gestrigen Sonntag er­folgte nun in der Kirche zu Udenhausen die feier­liche Ordinierung des neuen Geistlichen, Pfarrvikar Meier, durch Dekan Dr. Wendel Alsfeld und Pfarrer Müller-Grebenau. Die Kirche war dicht besetzt.

Wir sanden zneinanver.

Vornan von Klothilde v. Stegmann

Urheberrechtschutz: Fünf-Türme-Verlag Halle (S.)

14 Fortsetzung. Nachdruck verboten!

Du bist die einzige Freundin seiner Tochter, Marlen, vergiß das nicht!" Es klang vorwurfsvoll.

Sei nicht böse, Karla!" Marlen griff nach Kar­las Hand.Ich weiß ja, wie gern du alles für mich tust. Und darum schäme ich mich auch nicht so sehr, etwas von dir anzunehmen. Dir gegen­über habe ich keinen Stolz. Aber ich sehe ja selbst ein: Jede kleine geldliche Beihilfe ist sinnlos. Man müßte Georg ^beruflich helfen können. Wenn ich selbst etwas Sicheres hätte, verdienen würde ach, weißt du, manchmal kommen mir ganz törichte Gedanken. Manchmal vergesse ich die ganze Wirklichkeit und fange an zu träumen. Dann träume ich, ich bin reich und unabhängig, habe schrecklich viel Geld zur Verfügung und kann Georg helfen."

Karla lächelte:

Und kann so ein Traum niemals Wahrheit werden?"

Aber Karla, wie wäre das möglich? Ich spiele ja nicht einmal in der Lotterie."

Nun mußte Karla laut herauslachen:

Nun, manchmal spielt einer nicht in der Lot­terie und das Leben hat doch das Große Los für ihn."

Für mich nicht, Karla."

Abwarten", sagte Karla geheimnisvoll.

Marlen sah sie erstaunt an. Wie meinte Karla das? Aber Karla lenkte ab. Sie wollte über ihren Plan und Dietrich nicht hier sprechen. Schließlich hätte der Chauffeur etwas hören können.

Hauptmann von Weckenroth belegte Marlen und Karla gleich mit Beschlag. In feiner lärmenden, frohen Art begrüßte er Marlen.

Na, es wird Zeit, daß Sie kommen, kleine Marlen. Karla ist schon mit einer Unglücksmiene durchs ganze Haus gegangen. Sie kann ja ohne Sie nicht leben und ich habe diese Tage von früh bis abends auf dem Felde zu tun gehabt Wenn nicht der Dietz einen Vormittag herübergekommen, wäre mein Mädel ganz vereinsamt gewesen."

Graf Veltheim war hier?" fragte Marlen. Ein verräterisches Rot lief über ihr Gesicht, was Karla mit innerem Vergnügen feststellte.

Ja, Dietz war hier", bestätigte sie.Er hatte einiges mit mir zu besprechen. Aber so schrecklich, wie Väter es schildert, ist es ja nun doch nicht mit der Einsamkeit. Ich habe meine Bücher. Ich habe nachmittags meine Nähstunde mit den jun­gen Mädchen im Dorfe. Es gibt immer genügend du tun. Und..." Sie unterbrach sich, der Diener kam herein.

Das gnädige Fräulein wird von Herrn Graf Veltheim ans Telephon gebeten."

Entschuldigt, bitte!" Karla stand vom Eßtisch auf.Ich bin gleich wieder da."

Na, dem Dietrich scheint es auch recht einsam zumute zu fein", meinte Hauptmann Weckenroth. Gestern hat er doch erst drei Stunden bei Karla gesessen, heute telephoniert er schon wieder. Wissen Sie übrigens, daß er in wenigen Tagen abreift?" Ich weiß." Marlens Stimme klang gepreßt.

Hauptmann Weckenroth sah feinen Gast erstaunt an. Was für ein komisches Gesicht machte denn die kleine Marlen? Da aber kam Karla schon zurück.

Na, was hatte denn der Dietrich so Wichtiges?" Ach, nichts", sagte Karla ausweichend,er wollte mich nur noch etwas wegen seiner Reise fragen. Er kommt heute gegen Abend noch einmal her."

Sag mal, Karla", fragte Marlen, als sie später allein waren und Hauptmann Weckenroth wieder aufs Feld geritten war,was meintest du eigent­lich vorhin mit dem Großen Los und deinen ge­heimnisvollen Reden?"

Das werde ich dir heute abend sagen, Marlen?, wich Karla aus.

Sie konnte doch Marlen nicht erzählen, was sie mit Dietrich am Telephon gesprochen hatte. Der hatte sie da nämlich gebeten, Marlen nicht vorzu- bereiten. Er wollte selbst diese entscheidende Frage an sie richten und zu diesem Zwecke heute nachmit­tag herüberkommen.

12. Kapitel.

Es war nachmittags nach der Teestunde. Die Sonne lag mit ihrem goldenen Schimmer über dem knospenden Park. Die beiden jungen Mädchen laßen wieder in Karlas geliebtem Wintergarten, mit einer Handarbeit beschäftigt. Karla sah heim- uch auf die Uhr. Es war fünf. Jetzt würde Dietrich bald kommen. Wirklich, da klang schon von fern das Hupensignal.

Da kommt Dietrich!"

Marlen zuckte zusammen und würde wieder glühend rot...

Ach, da möchte ich nicht stören." Sie raffte ihre Handarbeit zusammen und wollte gehen.

Karla aber stand auf und drückte Marlen in den Korbsessel nieder:

Bleib, Marlen! Ich glaube, Dietrich wollte \) vor seiner Abreise von dir verabschieden. Ich Paffen " On8e ^lnau^ kannst mich ja dann rufen

"Aber Karla! Marlen war ganz hilflos.

as war denn nur, daß Karla sie auf einmal mit Graf Veltheim allein lassen wollte? Karla schien es sehr eilig zu haben, fortzukommen. Sie konnte sie doch hier nicht gegen ihren Willen fest» halten. Da tauchte auch schon hinter der Glas- scheibe des lichten Raumes Graf Veltheim auf

Jetzt öffnete Karla die Tür vom Wintergarten und begrüßte Veltheim

Auf Wiedersehen, Dietz", sagte sie. Gras Velt­heim schien es ganz in der Ordnung zu finden, daß Karla ging. Marlen begriff immer weniger, was die beiden eigentlich wollten. Aber fliehen konnte sie nun nicht mehr.

Jetzt trat Dietrich ein.

Guten Tag, Fräulein Korda!" sagte er.

Guten Tag, Graf Veltheim."

Marlen versuchte, Veltheim anzufehen; aber es war wieder in ihr diese zitternde Befangenheit, dieses schmerzliche Glücksgefühl.

Stumm standen sich die beiden Menschen einen Augenblick gegenüber. Marlen war so befangen, daß sie Veltheim nicht einmal zum Sitzen auffor­derte. Schließlich war er es, der bat:

Darf ich einen Augenblick Platz nehmen, Fräu­lein Korda?"

Marlen schämte sich, wie ungewandt und unge­schickt sie ihm erscheinen mußte als ob sie gar nicht wüßte, was sich schickte.

Aber bitte, Herr Graf!"

Dietrich Veltheim sah sich noch einmal um, ob die Tür geschlossen war. Dann schob er Marlen ritterlich den Korbsessel zurecht:

Bitte, nehmen Sie Platz, Fräulein Korda! Ich möchte Sie einige Minuten um Gehör bitten. Ich habe etwas mit Ihnen zu besprechen."

Marlen setzte sich. Was war denn mit ihr? Ihr Herz klopfte plötzlich wie rasend. Eine Stille war im Raum. Nur draußen von fern tönten die abendfeligen Stimmen der Vögel. Eine Amsel schlug gleichmäßig und süß; eine Drossel ließ ihre feine Stimme ertönen. Die Bäume in ihrem ersten zarten Grün rauschten leise. Durchs offene Fenster drang der Duft der ersten Blumen, vermischte sich mit dem Atem der blühenden Pflanzen hier im Raume.

Fräulein Korda", begann Dietrich nach einer Pause,ich habe Karla gebeten, Ihnen nichts von dem zu verraten, was ich Ihnen jetzt zu sagen habe. Ich wollte selbst diese entscheidende Unter­redung mit Ihnen führen. Fräulein Korda, ich glaube, Sie sind von Karla über Das Testament meiner Tante Alberta unterrichtet."

Er sah auf Marlen. Sie hatte den Kopf tief gesenkt. Jetzt nickte sie leicht.

Sie wissen also, Fräulein Korda, daß ich inner­halb eines Jahres nach der Eröffnung des Testa­ments verheiratet fein muß, soll ich nicht auf Schloß und Gut Veltheim verzichten müssen/

Wieder nickte der blonde Kopf.

Fräulein Korda, können Sie sich vorstellen, daß man für einen solchen Besitz alles tut? Nicht aus Geldgier, nicht um reich zu fein, sondern um den Grund und Boden der Väter zu bewahren, zu bebauen und ihn künftigen Geschlechtern zu über­liefern?"

Er hatte sehr ernst gesprochen. In feiner Stimme bebte Erregung. Jetzt hob Marlen zum ersten Male wieder den Kopf. Alle ihre Befan­

genheit war fort. In ihr war fein Fragen mehr, was Dietrich Veltheim mit all diesen Porten eigentlich bezweckte. Sie lebte jetzt ganz in den Gedanken Dietrichs, sie fühlte mit ihm mit. So vermochte sie ihn frei anzufehen. Ein gläubiges Leuchten war in ihren Augen:

Das kann ich nachfühlen, Graf Velcheim. Ich weih es ja von meiner Mutter her, wie bitter es meinem lieben Vater ankam, daß das väterliche Gut Majorat war, daß er dadurch kein Teil da­ran hatte. Wohl liebte er feinen Offiziersberuf leidenschaftlich. Aber Mutter hat es mir oft er- zahlt, daß er gesagt hatte: Die Sehnsucht nach dem Boden, auf dem man aufgewachsen ist, wird in einem Mann niemals still."

Dietrich Veltheim atmete auf:

Dann werden Sie auch begreifen, Fräulein Korda, daß ich den Wunsch meiner Tante erfüllen will. Ich muß also heiraten. Das sehen Sie ein?"

Der Glanz in Marlens Augen erlosch. Wieder senkte sie den Kops sehr tief. Sie hätte Dietrich Veltheim jetzt nicht ansehen können, denn Dann hätte er auf ihrem Gesicht Das verborgene Weh ge- lesen. O ja, er mußte heiraten! Er mußte eine grau freien aber Diese Erkenntnis schmerzte tief...

Fräulein KorDa", Dietrichs Stimme wurDe wärmer,ich habe lange überlegt. Sie können sich oorstellen. Der Gedanke, fo Plötzlich heiraten zu müssen, ist kein leichter um so mehr, wenn man schon einmal geglaubt hat. Das Glück zu finDen, unD es war Dann nur ein Trugglück. Aber lassen wir Das", fuhr er hastig fort,lassen wir Die 23er- gangenheit! Es geht um Die Gegenwart unD Die Zukunft. Ich bin fest entschlossen. Den entscheiden- ben Schritt zu tun. Eine Frau, Die sich mir an« vertrauen würDe, wäre fürs Leben gesichert. Ich wurde versuchen, ihr Das Leben so sorglos zu machen, wie ich es nur könnte. Sie würbe Die unumschränkte Herrin auf Schloß Veltheim fein. Keine äußere Sorge sollte ihr je nahe kommen."

2Bürbe sie auch anDern helfen Dürfen?" fragte Tcarlen plötzlich. Es kam aus ihr heraus, eigen!» fid) ohne Daß sie es wollte. Sie mußte plötzlich an QJeorg Denken. Und schon im voraus beneidete he die Frau Dietrich Veltheims. Sie beneidete sie oarum, daß sie neben diesem Manne leben durfte unb Gutes würbe tun können. Wie herrlich mußte es fein, über Gelb zu verfügen unb bas Elenb ber Wett em bißchen linbern zu helfen. Wenn sie zum Beispiel Georg helfen bürste! Aber bas waren Träume, törichte unb unerfüllbare Träume, aus denen Dietrichs Stimme sie jetzt erweckte.

Fräulein Marlen", feine Stimme wurde wei­cher,Sie wissen, wie ich mit Karla Weckenroch stehe. Sie hat mir fo viel von Ihnen er­zählt nur Gates und Schönes."

(Fortsetzung folgtI)