Nr.l75 Drittes Blatt
Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberyessen)
Dienstag. Ztt.Znli 1955
Zu bemerken ist noch, daß die Frauen aller Länder ihn seit der Steinzeit suchen, aber immer noch nicht gefunden haben. M. A.
Deutscher Wein
als leichtes Sommergeiriink.
Die heiße Jahreszeit gibt den Hausfrauen die besondere Aufgabe, neben einer leichten, bekömmlichen Ernährung, die vor allem aus Gemüsen, Obst, Milch und Milcherzeugnissen bestehen sollte, auch für erfrischende Getränke zu sorgen. In erster Linie kommen dafür natürlich unsere deutschen Obstsäfte in Frage, die preiswert, sei es als Dicksäfte
„Condottieri" schildert die Kämpfe des italienischen Adels gegen die mittelalterlichen Söldnerführer. Geza von Bolvary wird mit Martha Eggerth in der Hauptrolle einen großen Musikfilm „Die W a l z e r k ö n i g i n" inszenieren. Eins der besten Schauspiele von Bernhard Shaw, „Pygmalion", hat Erich Engel für den Film bearbeitet. Jenny I u g o , Gustav Gründ- g e n s und Eugen Klöpfer spielen wesentliche Rollen in diesem Film. Leo S l e z a k ist der Falstaff in der für den Film bearbeiteten Oper von Nikolai „Die lustigen Weiber von Windsor". Das tragische Schicksal des großen deutschen Wanderzirkus Kapitän Schneider, der vor Jahren in Italien seinen wirtschaftlichen Zusammenbruch erlebte, ist Gegenstand des Films „Löwen hungern in Neapel". Heinz Hille hat in dem Film „ L i e b e s t r ä u m e " ein Spiel mit Franz Liszt inszeniert mit Franz H e r t e r i ch in der Gestalt des Komponisten. Auch Zellers beliebte Operette „Der D o g e l h ä n d l e r " ist für den Film bearbeitet worden. Ein phantastischer Abenteurer-Film „Verschollen" wird mit Harry Piel gedreht werden. In einem psychologisch interessanten Kriminalfilm sehen wir unter der Spielleitung von Karl Heinz Martin neben Marianne Hoppe und Peter Voß auch unsre Gießenerin Hanna Waag. Sie spielt auch die Titelrolle in Wildes, an dramatischen Momenten reichen Gesellschaftsspiel „Lady Windermeres Fäche r", das Heinz Hilpert für den Film in Szene gesetzt hat. Ein großer Expeditionsfilm voller exotischer Zauber wird „Die Kopfjäger von Borneo" sein. Englischer Herkunft ist der Fliegerfilm „Der Mann, der Wunder tut". Willi Forst inszenierte mit Pola Negri und Inge- borg T h e e k in den Hauptrollen den Film „ M a r z u r k a ", der bereits seine Erstaufführung erlebt hat. Gustav Fröhlich, Sybille Schmitz, Veit Harlan, Theodor Loos u. a. spielen in dem Film „Stradivari", der sich um eine verzauberte Geige aus der Werkstatt des Königs der Geigenbauer dreht. Fertiggestellt ist auch bereits der Film „Die blonde Carmen" mit Martha Eggerth in der Hauptrolle. Sie singt auch in dem Film „M a d d a l e n a", der prachtvolle Bilder italienischer Landschaft zeigt.
DasLnfanterie-Regimeni Gießen übt in Oberheffen
das Bataillon gegen 15 Uhr die Quartiere. In Ober- und Unter-Widdersheim, Grund- Schwalheim und B e r st a d t wurden die Grenadiere aufs herzlichste in den Quartieren empfan-
Nie Gefechte am Montag.
Das I. Bataillon.
Der gestrige Tag war einer Dorpostenübung ge- widmet. Das I. Bataillon hatten sich auf dem Höhenrücken Hungen — Grube Abend st ern — Langd zur Verteidigung eingerichtet. Die Vorposten des Bataillons waren bis in den Abschnitt Trais-Horloff —Rodheim a. d. Horloff vorgeschickt. Der Gegner hatte sich zum Angriff in der Linie Steinheim —Glaubzahl bereitgestellt.
Nach den Meldungen der eigenen Einheiten über die Stellungen des Gegners wurde vom Bataillons- fuhrer Feuerbefehl gegeben. Dem Angriff des Gegners konnte das I. Bataillon trotz feindlichen Kampfwagenangriffs Widerstand leisten. Nach dem Mißlingen des Angriffes von Rot wurde die Uebung abgebrochen.
Nach der Besprechung des Uebungsverlaufs rückte die Truppe zum Biwak in der Nähe von K l o st e r Arnsburg ab. Hier entwickelte sich dann alsbald das bekannte frohe Biwaktreiben der Soldaten. Das Bataillon hatte die Ehre, in den Abendstunden den Reichsstatthalter Gauleiter Sprenger im Biwak inmitten der Soldaten begrüßen zu können.
Das Biwat.
Das gestrige Biwak des I. Bataillons bei Kloster Arnsburg gestaltete sich zu einer schönen Kundgebung der Verbundenheit der Zivilbevölkerung mit der Wehrmacht. Aus der ganzen Umgebung kamen Männer und Frauen, Burschen und Mädchen, um gemeinsam mit den Soldaten einige vergnügte Stunden zu verbringen. Auch aus Gießen waren viele Volksgenossen in Kraftwagen, mit der Eisenbahn, mit beitl Fahrrad gekommen, um am Biwak teilzunehmen. Der Reichstreubund der ehemaligen Berufssoldaten, Ortsgruppe Gießen, war mit etwa 60 Mitgliedern in zwei Omnibussen der Reichspost hmgefahren.
Im Laufe des Nachmittags, kurz nachdem die Soldaten am Biwakplatz eingetroffen waren, wurden im nahen Wald,^ geschickt getarnt, die Zelte aufgeschlagen, die den Soldaten zum Nachtlager dienten. Bald waren auch die Biwakbäume mit Stroh umwunden und mit der Kompanienummer versehen. Auch der Stab hatte seinen Biwakbaum, auf dem das „St" prangte. Nunmehr setzte auch schon der Zustrom der zivilen Teilnehmer ein und bald herrschte reges Leben auf dem großen, abgeernteten Stoppelfeld.
Der Reichstreubund Gießen, der gegen 20 Uhr geschloffen eintraf, wurde zunächst von dem Regiments-Kommandeur, Oberst V i e r o w , herzlich willkommen geheißen. Er gab seiner Freude Darüber Ausdruck, daß die alten Kameraden es sich nicht nehmen ließen, dabei zu sein. Oberstleutnant von Wachter begrüßte jeden der Kameradendes Reichstreubundes mit herzlichem Händedruck.
Inzwischen hatte sich alles in bunter Reihe um die aufgepflanzten Bewakbäume gruppiert. Gemein- sam würden Volks- und Soldatenlieder gesungen. In lustiger Unterhaltung und bei gut erzählten und viel belachten Schnurren verbrachte man die Stunden.
Mit großer Freude wurde auch Reichsstatthalter Gauleiter Sprenger allenthalben begrüßt. Als am Abend das Biwakleben im schönsten Gange war, ging er von einer Kompanie zur anderen und verbrachte inmitten der Soldaten und der Zivilbevölkerung einige Zeit. Im Verlaufe des Abends hielt er vor vielen aufmerksamen Zuhörern>eine kurze Ansprache, in der er zunächst für die freundliche Einladung zum Biwak dankte und seiner Freude darüber Ausdruck gab, unter den Soldaten weilen zu können. Daß heute wieder der Soldat zu allen ihm gebührenden Ehren gekommen sei, sei unserem Führer Adolf Hitler zu verdanken. Ihm durch Treue und Opferbereitschaft dafür zu danken, sei vornehmste Pflicht des Soldaten. Mit einem dreifachen Sieg-Heil! auf den Führer Adolf Hitler und mit den gemeinsam gesungenen ersten Versen des
Deutschlandliedes und des Horst-Wessel-Liedes klang die Ansprache aus.
Den schönen und erhebenden Abschluß des Abends bildete der große Zapfenstreich.
Das II. Bataillon.
Den Samstag und den Sonntag verbrachte das Bataillon in den bereits mitgeteilten Quartierorten an der Ohm. Nach den anstrengenden Uebungs- tagen der vorigen Woche war der Sonntag ein willkommener Ruhetag. Wiederum zeigte reicher Flaggenschmuck in allen Dörfern die herzliche Anteilnahme der Bevölkerung. Die Soldaten standen überall sofort im besten Einvernehmen mit ihren Quartiergebern. In Nieder-Ohmen fand eine Veranstaltung von „Kraft durch Freude" statt, wobei auch die 7. Kompanie ihre Kräfte zur Verfügung stellte und dadurch an der Verschönerung dieses Abends großen Anteil hatte. Die Veranstaltung verwandelte sich in einen richtigen Manöverball, und die Mädels des Dörfchens waren nur schwerlich in der Lage, eine Tanzpause einlegen
mit Marschsicherung marschierende Bataillon ein Angriff aus der Marschkolonne. An der Wegegabel Weitershain — Kesselbach und Weiters- hain —Odenhausen wurde die Uebung abgeblasen. Der Regimentskommandeur wohnte der Uebung bei.
Nach eingehender Besprechung der Uebung rückten die Kompanien in ihre letzten Quartiere ein, wo ebenfalls wieder reicher Flaggenschmuck die Begeisterung der Bevölkerung für unsere Soldaten und die Freude über die feldgrauen Quartiergäste zeigte. Die Begrüßung war überall äußerst herzlich, die Aufnahme allenthalben glänzend. Quartiere wurden in Kesselbach, Odenhausen und in Allendorf a. d. Lda. bezogen: die 8. Kompanie hatte dabei das Glück, in Allendorf (Lumda) noch den Kerb-Montag mit erleben zu können.
Die letzte Hebung am heutigen Dienstag zieht sich bis in die Gegend von Beuern hin. Das Bataillon wird im Laufe des heutigen Nachmittags wieder in Gießen eintreffen.
Reichsstatthalter Gauleiter Sprenger im Biwak: in der Mitte der R e i ch s st a t t h a l t e r, daneben rechts der Regimentskommandeur Oberst V i e r o w , dann der Bataillonskommandeur Oberstleutnant von Wachter. — (Aufnahme: Photo-Pfaff, Gießen.)
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zu können. Auch das Signalhorn ertönte etwas später, um die Soldaten daran zu erinnern, daß sie „nach Hause gehen und nicht so lang beim Mädchen stehen" sollten.
Nach ruhigem Verlauf des Sonntags hatte das Bataillon am gestrigen Montag wieder eine interessante Uebung. In den frühen Morgenstunden verließ das Bataillon seine Quartiere, um die Ausgangsstellungen zu besetzen. Blau übernahm eine Sicherung der Rast der (nach der Annahme) bei Elpenrod, H a i n b a ch, Ermenrod ruhenden eigenen Truppe und zwar in der allgemeinen Linie Nieder-Gemünden, Burg - Gern ü n d e n, Nieder-Ohmen. Das II. Bataillon hatte die Sicherung übernommen mit dem Auftrag, bei feindlichem Angriff das Ostufer der Ohm unter allen Umständen zu halten. Alle Brücken über die Ohm waren gesperrt, Sicherungen waren bis auf die Höhen westlich der Ohm vorgetrieben.
Um 8 Uhr erhielt das Bataillon den Befehl zum Weitermarsch über Bernsfeld — Weitershain — Bersrod. Zwischen Weitershain und Appenborn wurde die marschierende Kolonne aus den Wäldren rechts und links der Marschstraße vom Feind angegriffen. Es erfolgte nun durch das
Das 111. Bataillon.
Nach der wohlverdienten Sonntagsruhe stand das III. Bataillon am gestrigen Montag früh um 7 Uhr auf der Straße Ortenberg — Babenhausen zu einer neuen Uebung bereit. Die Verfolgung eines geschlagenen Gegners war der Uebungszweck dieses Tages.
Das III. Bataillon, beiderseits angelehnt (Annahme), hatte mit feinen vordersten Teilen die Waldränder südlich der Straße Babenhausen — Bellmuth erreicht und war bei Uebungs- beginn im Vorgehen auf den Wald nördlich B o - benhaufen. Immer wieder wurde der sich neu festsetzende Gegner angepackt und zurückgedrückt, so daß das Bataillon bald den Nordrand des Waldes südlich Wallernhausen erreicht hatte und von dort in schnellem Angriff den etwas stark besetzten Galgenberg in Besitz nehmen konnte. Eine Bereitstellung auf dem Galgenberg zum Uebergang über den Nidda-Abschnitt beendete die gestrige Uebung.
Ueber Nidda und Bad Salzhausen, wo eine längere Marschrast mit einem Promenaden- konzert vor dem Kurhaus eingelegt wurde, erreichte
gen und glänzend untergebracht.
Am heutigen Dienstag wird eine Uebung des III. Bataillons gegen das I. Bataillon I. R. Gießen in der Gegend von Bellersheim die diesjährigen Geländeübungen abschliehen.
Aus der Provinzialhauptstadt.
Der vorbildliche Ehemann.
Eines Tages wird man in jeder größeren Stadt ein eigenartiges Denkmal erblicken: Ein großer, schlanker, rüstig ausschreitender Herr in gutsitzendem Anzug. Die ganze Erscheinung hat etwas bewußt Männliches, dabei aber auch Gütiges. In der rechten Hand hält er einen großen Strauß schöner Rasen, in der linken ein Paket. Aus der ganzen Haltung ist zu erkennen, daß dieser Mann seinem Heim zustrebt, wo ^rau und Kinder seiner warten ...
Der vorbildliche Ehemann!
Frauen werden zu Tausenden zu diesem Denkmal pilgern, und es wird in ein wogendes Blumenmeer gehüllt fein.
Auf steinerner Ehrentafel wird der Tageslauf eines solchen Mannes verzeichnet sein, der voller Gleichklang und Daseinsfreude ist:
Er erhebt sich morgens als Erster und beschwört seine Frau, ja noch liegen zu bleiben und sich zu schonen.
Er zieht sich unter fröhlichem, leisem Singen an und bedauert, daß er während des Rasierens seinem Lebensgefühl nicht auch singend Ausdruck geben kann.
Froh eilt er ins Geschäft. Aber niemals verläßt er das Haus, ohne seine Frau zu küssen, und während der Arbeit freut er sich den ganzen Tag über schon auf den Kuß beim Nachhausekommen.
Bei Tisch ist er mit allem zufrieden und kann der lobenden Worte nicht genug finden über Fleiß und Kochkunst seiner lieben Frau.
Er schont die Mundtücher und würde sich eher in den Finger schneiden, als einen Flecken auf das Tischtuch zu machen.
Er kommt in allem so pünktlich nach Haus, daß die Frau die Uhren nach dieser Heimkehr richten und stellen kann.
Wenn das Unalück es will, daß er ein paar Tage verreisen muß, schreibt er ihr täglich einen lieben Brief. Sie hat aber die Gewißheit, daß alles, was in diesem Brief steht, reine Wahrheit ist.
Denn sie weiß, daß er ein völlig klarer Mensch ist, denn durch ihren Einfluß ist das abenteuerliche Flackern in seinen Augen schon längst dem reinen Leuchten einer steten, festen Liebe gewichen.
Sie weiß, daß er sich zu Hause wohlfühlt, und daß es für ihn langweilig und ärgerlich ist, wenn er einmal allein ausgehen muß.
Wenn er sie sieht, sagt er stets: „Wie nett du heute doch wieder aussiehst!", und wenn er mit ihr tanzt, flüstert er ihr ins Ohr: „Ich möchte immer mit dir tanzen!"
Er führt genau Buch über das wenige Taschengeld, das er gebraucht, und er hat eine diebische Freude, wenn er sich heimlich etwas ersparen kann, um ihr irgendein kleines Geschenk mitzubringen.
Er lacht aus vollem Herzen, wenn man ihm unterstellt, er habe eine andere Frau etwas zu lange angesehen. Er ist treu, arbeitsam und bescheiden. Er ermuntert die Frau, sich immer gut und neuzeitlich zu kleiden. Er verstreut keine Asche, zerschneidet keine Handtücher mit seinen Rasierklingen, hängt seine Hosen stets in Spannern auf und stellt feine Schuhe regelmäßig abends vor die Schlafzimmertür.
Der Braunschweiger Löwe.
Von Dr. Carl Walbrach
Als Ergänzung zu dem Aufsatz von Professor Dr. Emil Waldmann „Geheimnisse um Den Braunschweiger Löwen" im „Gießener 2In3etger vom 23. Juli (2. Blatt) möchte ich kurz auf die Gefahr eingehen, der dieser „schönste Löwe des Mittelalters" zurZeit der Franzos en herrsch ast in deutschen Landen im Jahre 1812 ausgesetzt war.
Herr Professor Dr. Bruno Henneberg, Der frühere Anatom an unserer Universität, hatte die Freundlichkeit, mich darauf aufmerksam zu machen, daß einer seiner Ahnen, Friedrich Ludwig Christian Henne berg, Präfekt des Okerdepartements, sich durch sein mannhaftes, unerschrockenes Auftreten gegenüber den anmaßenden Franzosen das unvergängliche Verdienst erroorben hat, den nachkommenden Geschlechtern den „Braunschweiger Löwen e r - halten zu haben. .
Friedrich Ludwig Christian H e n n e b e r g wurde am 6. August 1748 in Braunschweig geboren. Da sein Vater schon früh starb, wuchs er m nicht gerade glänzenden Verhältnissen auf. Nach dem Schulbesuch studierte er Rechtswissenschaft in Helmstedt, Leipzig und Jena. Seine Beamtenlaufbahn begann er 1//4 als herzoalich-braunschweigischer Sefreta r; 1781 wurde er Legationsrat (heute Ministerialrat), 1791 Geheimer Sekretär des Herzogs. Fünf Jahre sp^er wurde ihm die Würde eines Kanonikus beim Kapitel des Domes St. Blasii übertragen, 1805 wurde er Dekan des Stifts. Neue schwere Aufgaben warteten seiner, nachdem sein Herzog, der Führer der preußischen Armee im Jahre 1806, sein Land verlassen mußte. H e n n e b e r g zögerte nicht, im Interesse des Landes unter der Fremdherrschaft im Dienst zu bleiben, wie er es dem Herzog versprochen hatte. Var allem führte er zusammen mit Geheimrat »on Wolsfradt die Steuerverwaltung weiter und verstand es, die Kontributionen der Franzosen auf ein erträgliches Maß herabzudrücken, und sich dennoch die Anerkennung der Eroberer zu erwerben
Als Napoleon 1807 das Königreich Westfalen aufrichtete, das in acht Departements aufgeteilt wurde, übertrug König Jöröme Henneberg die Präfektur des Okerdepartements, zu dem ein großer Teil des Herzogtums Braunschweig,
das Fürstentum Hildesheim und die Stadt Goslar gehörten. In dieser Eigenschaft als Präfekt trug Henneberg auch die Verantwortung für die Aufrechterhaltung der Ordnung in der Stadt Braun- s ch w e ig. Dabei handelte es sich vornehmlich darum, Kundgebungen der Bürgerschaft zu verhindern, die gegen die mißtrauischen Franzosen gerichtet sein konnten. Ein besonderes Verdienst konnte er sich gelegentlich des berühmten Zuges erwerben, den Herzog Friedrich Wilhelm mit feiner schwarzen Schar 1809 von der böhmischen Grenze bis zur Wesermündung in der Hoffnung unternahm, dadurch einen allgemeinen Kampf der Deutschen gegen die verhaßten Eindringlinge entfesseln und siegreich durchführen zu können. Der Herzog war drei Tage in Braunschweig. Als die Gegner unter Reube11 und (9 r a t i e n in Eilmärschen anrückten, entwich er nach einem kurzen Gefecht nach Norden. Die beiden feindlichen Generäle, die annahmen, die Stadt Braunschweig stünde zu dem Herzog, wollten als Rache dafür die Stadt plündern lassen. H e n n e b e r g aber trat ihnen unerschrocken entgegen und erreichte, daß die Plünderungserlaubnis unterblieb.
Er verwaltete sein verantwortungsvolles Amt weiter bis 1812. Zu Beginn dieses Jahres kam es zu Unruhen in der Stadt, sogar zu Kämpfen zwischen französischen und westfälischen Truppen. Man schab Henneberg die Schuld daran zu, weil er nicht tatkräftig genug gegen die Störenfriede vorgegangen sei. Er sollte abberufen und Staatsrat in Kassel werden. Dazu kam es aber nicht mehr, weil König Jerome infolge der Vorbereitungen zum Feldzug gegen Rußland abreifen mußte. Henne- berg erkrankte; sein Gesundheitszustand verschlechterte sich, und am 26. April 1812 schloß er für immer die Augen.
Hennebergs letzte Tat, um derentwillen hier sein Lebensgang nach der „Geschichte der Familie Henneberg" (1909) kurz geschildert wurde, und für die ihm das heutige und künftige Deutschland zu Dank verpflichtet ist, war: die Zerstörung des „Braunschweiger Löwen" verhindert zu haben. Spehr berichtet darüber: ,LUs die westfälische Regierung im Jahre 1812 mit dem Plane umging, den ehernen Löwen auf dem Burgplatze einschmelzen und zu Kanonen umgieße n zu lassen, rettete Henneberg dieses ehr
würdige Wahrzeichen der Stadt, indem er erklärte, er werde Sturm läuten lassen, wenn man es wage, das mit der Geschichte der Stadt im engsten Zusammenhang stehende Denkmal freventlich anzutasten. Es beruht auf einem Irrtum, wenn hier und dort angenommen wird, daß Henne- berg diese Drohung bei Gelegenheit der Anwesenheit des bekannten Kunstkenners D e n o n (er wählte im Auftrag Napoleons als Generaldirektor der Museen von Paris in den besetzten Gebieten die Kunstwerke aus, die nach Paris gebracht wurden) ausgesprochen habe, als dieser die bedeutendsten Schätze des Museums, der Wolfenbütteler Bibliothek und der Salzdahlumer Gemäldesammlung aussuchte, um solche nach Paris zu schicken. Denon war in Braunschweig von Ende Dezember 1806 bis Anfang Januar 1807. Zu dieser Zeit existierte aber weder das Königreich Westfalen, noch war Henneberg westfälischer Präfekt. Braunschweig wurde zu der Zeit von Napoleon als erobertes Land angesehen, und es würde wohl damals niemand gewagt haben, gegen eine etwa beabsichtigte Wegführung des ehernen Löwen ein auch nur schüchternes Wort auszusprechen. Denon ließ den Löwen einfach deshalb unangetastet, weil er denselben für ein „schlechtes byzantinisches Machwerk ohne allen Kunstwert" ansah. Auch muß bemerkt werden, daß die westfälische Regierung nie Ernst aus der Absicht des Einschmelzens des Löwen, wie der Brunnen auf dem Altstadkmarkte und dem Hagenmarkte gemacht hat. Es genügte die energische Verwendung Hennebergs, um die maßgebenden Behörden sofort zu veranlassen, den Plan ohne weiteres fal - l e n zu lassen."
Oas Arbeitsprogramm der 3Rofo5$i(tn AK
Die Rota-Film AG. tritt in die neue Spielzeit mit einem Programm, das neben 18 Spielfilmen auch einen Expeditionsfilm, zwei Filme der „London- Films" und drei Filme der Zwischenstaffel umfaßt. Ein Luis -Ir enter» Film ist der „Kaiser von K a l i f o r n i e n". Er schildert das heroische Schicksal eines deutsch-schweizerischen Auswanderers, der vor hundert Jahren der größte Kolonisator Kaliformens wurde. Der zweite Luis-Trenker-Film


