Ausgabe 
30.7.1935
 
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Nr.l75 Drittes Blatt

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberyessen)

Dienstag. Ztt.Znli 1955

Zu bemerken ist noch, daß die Frauen aller Länder ihn seit der Steinzeit suchen, aber immer noch nicht gefunden haben. M. A.

Deutscher Wein

als leichtes Sommergeiriink.

Die heiße Jahreszeit gibt den Hausfrauen die besondere Aufgabe, neben einer leichten, bekömm­lichen Ernährung, die vor allem aus Gemüsen, Obst, Milch und Milcherzeugnissen bestehen sollte, auch für erfrischende Getränke zu sorgen. In erster Linie kommen dafür natürlich unsere deutschen Obst­säfte in Frage, die preiswert, sei es als Dicksäfte

Condottieri" schildert die Kämpfe des italie­nischen Adels gegen die mittelalterlichen Söldner­führer. Geza von Bolvary wird mit Martha Eggerth in der Hauptrolle einen großen Musik­filmDie W a l z e r k ö n i g i n" inszenieren. Eins der besten Schauspiele von Bernhard Shaw, Pygmalion", hat Erich Engel für den Film bearbeitet. Jenny I u g o , Gustav Gründ- g e n s und Eugen Klöpfer spielen wesentliche Rollen in diesem Film. Leo S l e z a k ist der Falstaff in der für den Film bearbeiteten Oper von NikolaiDie lustigen Weiber von Windsor". Das tragische Schicksal des großen deutschen Wanderzirkus Kapitän Schneider, der vor Jahren in Italien seinen wirtschaftlichen Zusammen­bruch erlebte, ist Gegenstand des FilmsLöwen hungern in Neapel". Heinz Hille hat in dem Film L i e b e s t r ä u m e " ein Spiel mit Franz Liszt inszeniert mit Franz H e r t e r i ch in der Gestalt des Komponisten. Auch Zellers beliebte OperetteDer D o g e l h ä n d l e r " ist für den Film bearbeitet worden. Ein phantastischer Aben­teurer-FilmVerschollen" wird mit Harry Piel gedreht werden. In einem psychologisch inter­essanten Kriminalfilm sehen wir unter der Spiel­leitung von Karl Heinz Martin neben Marianne Hoppe und Peter Voß auch unsre Gießenerin Hanna Waag. Sie spielt auch die Titelrolle in Wildes, an dramatischen Momenten reichen Gesell­schaftsspielLady Windermeres Fäche r", das Heinz Hilpert für den Film in Szene gesetzt hat. Ein großer Expeditionsfilm voller exotischer Zauber wirdDie Kopfjäger von Bor­neo" sein. Englischer Herkunft ist der Fliegerfilm Der Mann, der Wunder tut". Willi Forst inszenierte mit Pola Negri und Inge- borg T h e e k in den Hauptrollen den Film M a r z u r k a ", der bereits seine Erstaufführung erlebt hat. Gustav Fröhlich, Sybille Schmitz, Veit Harlan, Theodor Loos u. a. spielen in dem FilmStradivari", der sich um eine ver­zauberte Geige aus der Werkstatt des Königs der Geigenbauer dreht. Fertiggestellt ist auch bereits der FilmDie blonde Carmen" mit Martha Eggerth in der Hauptrolle. Sie singt auch in dem FilmM a d d a l e n a", der prachtvolle Bilder italienischer Landschaft zeigt.

DasLnfanterie-Regimeni Gießen übt in Oberheffen

das Bataillon gegen 15 Uhr die Quartiere. In Ober- und Unter-Widdersheim, Grund- Schwalheim und B e r st a d t wurden die Gre­nadiere aufs herzlichste in den Quartieren empfan-

Nie Gefechte am Montag.

Das I. Bataillon.

Der gestrige Tag war einer Dorpostenübung ge- widmet. Das I. Bataillon hatten sich auf dem Höhen­rücken Hungen Grube Abend st ern Langd zur Verteidigung eingerichtet. Die Vor­posten des Bataillons waren bis in den Abschnitt Trais-HorloffRodheim a. d. Horloff vorgeschickt. Der Gegner hatte sich zum Angriff in der Linie SteinheimGlaubzahl bereit­gestellt.

Nach den Meldungen der eigenen Einheiten über die Stellungen des Gegners wurde vom Bataillons- fuhrer Feuerbefehl gegeben. Dem Angriff des Geg­ners konnte das I. Bataillon trotz feindlichen Kampf­wagenangriffs Widerstand leisten. Nach dem Miß­lingen des Angriffes von Rot wurde die Uebung abgebrochen.

Nach der Besprechung des Uebungsverlaufs rückte die Truppe zum Biwak in der Nähe von K l o st e r Arnsburg ab. Hier entwickelte sich dann alsbald das bekannte frohe Biwaktreiben der Soldaten. Das Bataillon hatte die Ehre, in den Abendstunden den Reichsstatthalter Gauleiter Sprenger im Biwak inmitten der Soldaten begrüßen zu können.

Das Biwat.

Das gestrige Biwak des I. Bataillons bei Kloster Arnsburg gestaltete sich zu einer schönen Kund­gebung der Verbundenheit der Zivilbevölkerung mit der Wehrmacht. Aus der ganzen Umgebung kamen Männer und Frauen, Burschen und Mädchen, um gemeinsam mit den Soldaten einige vergnügte Stun­den zu verbringen. Auch aus Gießen waren viele Volksgenossen in Kraftwagen, mit der Eisenbahn, mit beitl Fahrrad gekommen, um am Biwak teilzu­nehmen. Der Reichstreubund der ehemaligen Be­rufssoldaten, Ortsgruppe Gießen, war mit etwa 60 Mitgliedern in zwei Omnibussen der Reichspost hmgefahren.

Im Laufe des Nachmittags, kurz nachdem die Soldaten am Biwakplatz eingetroffen waren, wur­den im nahen Wald,^ geschickt getarnt, die Zelte auf­geschlagen, die den Soldaten zum Nachtlager dien­ten. Bald waren auch die Biwakbäume mit Stroh umwunden und mit der Kompanienummer ver­sehen. Auch der Stab hatte seinen Biwakbaum, auf dem dasSt" prangte. Nunmehr setzte auch schon der Zustrom der zivilen Teilnehmer ein und bald herrschte reges Leben auf dem großen, abgeernte­ten Stoppelfeld.

Der Reichstreubund Gießen, der gegen 20 Uhr geschloffen eintraf, wurde zunächst von dem Regi­ments-Kommandeur, Oberst V i e r o w , herzlich willkommen geheißen. Er gab seiner Freude Dar­über Ausdruck, daß die alten Kameraden es sich nicht nehmen ließen, dabei zu sein. Oberstleutnant von Wachter begrüßte jeden der Kameradendes Reichstreubundes mit herzlichem Händedruck.

Inzwischen hatte sich alles in bunter Reihe um die aufgepflanzten Bewakbäume gruppiert. Gemein- sam würden Volks- und Soldatenlieder gesungen. In lustiger Unterhaltung und bei gut erzählten und viel belachten Schnurren verbrachte man die Stunden.

Mit großer Freude wurde auch Reichsstatthalter Gauleiter Sprenger allenthalben begrüßt. Als am Abend das Biwakleben im schönsten Gange war, ging er von einer Kompanie zur anderen und ver­brachte inmitten der Soldaten und der Zivilbevölke­rung einige Zeit. Im Verlaufe des Abends hielt er vor vielen aufmerksamen Zuhörern>eine kurze An­sprache, in der er zunächst für die freundliche Ein­ladung zum Biwak dankte und seiner Freude dar­über Ausdruck gab, unter den Soldaten weilen zu können. Daß heute wieder der Soldat zu allen ihm gebührenden Ehren gekommen sei, sei unserem Füh­rer Adolf Hitler zu verdanken. Ihm durch Treue und Opferbereitschaft dafür zu danken, sei vor­nehmste Pflicht des Soldaten. Mit einem dreifachen Sieg-Heil! auf den Führer Adolf Hitler und mit den gemeinsam gesungenen ersten Versen des

Deutschlandliedes und des Horst-Wessel-Liedes klang die Ansprache aus.

Den schönen und erhebenden Abschluß des Abends bildete der große Zapfenstreich.

Das II. Bataillon.

Den Samstag und den Sonntag verbrachte das Bataillon in den bereits mitgeteilten Quartierorten an der Ohm. Nach den anstrengenden Uebungs- tagen der vorigen Woche war der Sonntag ein willkommener Ruhetag. Wiederum zeigte reicher Flaggenschmuck in allen Dörfern die herzliche An­teilnahme der Bevölkerung. Die Soldaten standen überall sofort im besten Einvernehmen mit ihren Quartiergebern. In Nieder-Ohmen fand eine Veranstaltung vonKraft durch Freude" statt, wo­bei auch die 7. Kompanie ihre Kräfte zur Ver­fügung stellte und dadurch an der Verschönerung dieses Abends großen Anteil hatte. Die Veranstal­tung verwandelte sich in einen richtigen Manöver­ball, und die Mädels des Dörfchens waren nur schwerlich in der Lage, eine Tanzpause einlegen

mit Marschsicherung marschierende Bataillon ein Angriff aus der Marschkolonne. An der Wegegabel Weitershain Kesselbach und Weiters- hainOdenhausen wurde die Uebung abge­blasen. Der Regimentskommandeur wohnte der Uebung bei.

Nach eingehender Besprechung der Uebung rück­ten die Kompanien in ihre letzten Quartiere ein, wo ebenfalls wieder reicher Flaggenschmuck die Be­geisterung der Bevölkerung für unsere Soldaten und die Freude über die feldgrauen Quartiergäste zeigte. Die Begrüßung war überall äußerst herz­lich, die Aufnahme allenthalben glänzend. Quar­tiere wurden in Kesselbach, Odenhausen und in Allendorf a. d. Lda. bezogen: die 8. Kompanie hatte dabei das Glück, in Allendorf (Lumda) noch den Kerb-Montag mit erleben zu können.

Die letzte Hebung am heutigen Dienstag zieht sich bis in die Gegend von Beuern hin. Das Batail­lon wird im Laufe des heutigen Nachmittags wie­der in Gießen eintreffen.

Reichsstatthalter Gauleiter Sprenger im Biwak: in der Mitte der R e i ch s st a t t h a l t e r, daneben rechts der Regimentskommandeur Oberst V i e r o w , dann der Bataillonskommandeur Oberstleutnant von Wachter. (Aufnahme: Photo-Pfaff, Gießen.)

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zu können. Auch das Signalhorn ertönte etwas später, um die Soldaten daran zu erinnern, daß sienach Hause gehen und nicht so lang beim Mädchen stehen" sollten.

Nach ruhigem Verlauf des Sonntags hatte das Bataillon am gestrigen Montag wieder eine inter­essante Uebung. In den frühen Morgenstunden ver­ließ das Bataillon seine Quartiere, um die Aus­gangsstellungen zu besetzen. Blau übernahm eine Sicherung der Rast der (nach der Annahme) bei Elpenrod, H a i n b a ch, Ermenrod ruhen­den eigenen Truppe und zwar in der allgemeinen Linie Nieder-Gemünden, Burg - Ge­rn ü n d e n, Nieder-Ohmen. Das II. Bataillon hatte die Sicherung übernommen mit dem Auftrag, bei feindlichem Angriff das Ostufer der Ohm unter allen Umständen zu halten. Alle Brücken über die Ohm waren gesperrt, Sicherungen waren bis auf die Höhen westlich der Ohm vorgetrieben.

Um 8 Uhr erhielt das Bataillon den Befehl zum Weitermarsch über Bernsfeld Weiters­hain Bersrod. Zwischen Weitershain und Appenborn wurde die marschierende Kolonne aus den Wäldren rechts und links der Marschstraße vom Feind angegriffen. Es erfolgte nun durch das

Das 111. Bataillon.

Nach der wohlverdienten Sonntagsruhe stand das III. Bataillon am gestrigen Montag früh um 7 Uhr auf der Straße Ortenberg Baben­hausen zu einer neuen Uebung bereit. Die Ver­folgung eines geschlagenen Gegners war der Uebungszweck dieses Tages.

Das III. Bataillon, beiderseits angelehnt (An­nahme), hatte mit feinen vordersten Teilen die Waldränder südlich der Straße Babenhausen Bellmuth erreicht und war bei Uebungs- beginn im Vorgehen auf den Wald nördlich B o - benhaufen. Immer wieder wurde der sich neu festsetzende Gegner angepackt und zurückgedrückt, so daß das Bataillon bald den Nordrand des Wal­des südlich Wallernhausen erreicht hatte und von dort in schnellem Angriff den etwas stark be­setzten Galgenberg in Besitz nehmen konnte. Eine Bereitstellung auf dem Galgenberg zum Uebergang über den Nidda-Abschnitt been­dete die gestrige Uebung.

Ueber Nidda und Bad Salzhausen, wo eine längere Marschrast mit einem Promenaden- konzert vor dem Kurhaus eingelegt wurde, erreichte

gen und glänzend untergebracht.

Am heutigen Dienstag wird eine Uebung des III. Bataillons gegen das I. Bataillon I. R. Gie­ßen in der Gegend von Bellersheim die dies­jährigen Geländeübungen abschliehen.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Der vorbildliche Ehemann.

Eines Tages wird man in jeder größeren Stadt ein eigenartiges Denkmal erblicken: Ein großer, schlanker, rüstig ausschreitender Herr in gutsitzendem Anzug. Die ganze Erscheinung hat etwas bewußt Männliches, dabei aber auch Gütiges. In der rechten Hand hält er einen großen Strauß schöner Rasen, in der linken ein Paket. Aus der ganzen Haltung ist zu erkennen, daß dieser Mann seinem Heim zu­strebt, wo ^rau und Kinder seiner warten ...

Der vorbildliche Ehemann!

Frauen werden zu Tausenden zu diesem Denkmal pilgern, und es wird in ein wogendes Blumenmeer gehüllt fein.

Auf steinerner Ehrentafel wird der Tageslauf eines solchen Mannes verzeichnet sein, der voller Gleichklang und Daseinsfreude ist:

Er erhebt sich morgens als Erster und beschwört seine Frau, ja noch liegen zu bleiben und sich zu schonen.

Er zieht sich unter fröhlichem, leisem Singen an und bedauert, daß er während des Rasierens seinem Lebensgefühl nicht auch singend Ausdruck geben kann.

Froh eilt er ins Geschäft. Aber niemals verläßt er das Haus, ohne seine Frau zu küssen, und wäh­rend der Arbeit freut er sich den ganzen Tag über schon auf den Kuß beim Nachhausekommen.

Bei Tisch ist er mit allem zufrieden und kann der lobenden Worte nicht genug finden über Fleiß und Kochkunst seiner lieben Frau.

Er schont die Mundtücher und würde sich eher in den Finger schneiden, als einen Flecken auf das Tischtuch zu machen.

Er kommt in allem so pünktlich nach Haus, daß die Frau die Uhren nach dieser Heimkehr richten und stellen kann.

Wenn das Unalück es will, daß er ein paar Tage verreisen muß, schreibt er ihr täglich einen lieben Brief. Sie hat aber die Gewißheit, daß alles, was in diesem Brief steht, reine Wahrheit ist.

Denn sie weiß, daß er ein völlig klarer Mensch ist, denn durch ihren Einfluß ist das abenteuerliche Flackern in seinen Augen schon längst dem reinen Leuchten einer steten, festen Liebe gewichen.

Sie weiß, daß er sich zu Hause wohlfühlt, und daß es für ihn langweilig und ärgerlich ist, wenn er einmal allein ausgehen muß.

Wenn er sie sieht, sagt er stets:Wie nett du heute doch wieder aussiehst!", und wenn er mit ihr tanzt, flüstert er ihr ins Ohr:Ich möchte immer mit dir tanzen!"

Er führt genau Buch über das wenige Taschen­geld, das er gebraucht, und er hat eine diebische Freude, wenn er sich heimlich etwas ersparen kann, um ihr irgendein kleines Geschenk mitzubringen.

Er lacht aus vollem Herzen, wenn man ihm unterstellt, er habe eine andere Frau etwas zu lange angesehen. Er ist treu, arbeitsam und bescheiden. Er ermuntert die Frau, sich immer gut und neuzeitlich zu kleiden. Er verstreut keine Asche, zerschneidet keine Handtücher mit seinen Rasierklingen, hängt seine Hosen stets in Spannern auf und stellt feine Schuhe regelmäßig abends vor die Schlafzimmertür.

Der Braunschweiger Löwe.

Von Dr. Carl Walbrach

Als Ergänzung zu dem Aufsatz von Professor Dr. Emil WaldmannGeheimnisse um Den Braunschweiger Löwen" imGießener 2In3etger vom 23. Juli (2. Blatt) möchte ich kurz auf die Ge­fahr eingehen, der dieserschönste Löwe des Mittel­alters" zurZeit der Franzos en herrsch ast in deutschen Landen im Jahre 1812 ausgesetzt war.

Herr Professor Dr. Bruno Henneberg, Der frühere Anatom an unserer Universität, hatte die Freundlichkeit, mich darauf aufmerksam zu machen, daß einer seiner Ahnen, Friedrich Ludwig Christian Henne berg, Präfekt des Okerdepartements, sich durch sein mannhaftes, unerschrockenes Auftreten gegenüber den anmaßenden Franzosen das unver­gängliche Verdienst erroorben hat, den nachkommen­den Geschlechtern denBraunschweiger Löwen e r - halten zu haben. .

Friedrich Ludwig Christian H e n n e b e r g wurde am 6. August 1748 in Braunschweig geboren. Da sein Vater schon früh starb, wuchs er m nicht gerade glänzenden Verhältnissen auf. Nach dem Schulbesuch studierte er Rechtswissenschaft in Helmstedt, Leipzig und Jena. Seine Beamtenlaufbahn begann er 1//4 als herzoalich-braunschweigischer Sefreta r; 1781 wurde er Legationsrat (heute Ministerialrat), 1791 Geheimer Sekretär des Herzogs. Fünf Jahre sp^er wurde ihm die Würde eines Kanonikus beim Ka­pitel des Domes St. Blasii übertragen, 1805 wurde er Dekan des Stifts. Neue schwere Aufgaben warteten seiner, nachdem sein Herzog, der Führer der preußischen Armee im Jahre 1806, sein Land verlassen mußte. H e n n e b e r g zögerte nicht, im Interesse des Landes unter der Fremdherrschaft im Dienst zu bleiben, wie er es dem Herzog versprochen hatte. Var allem führte er zusammen mit Geheimrat »on Wolsfradt die Steuerverwaltung weiter und verstand es, die Kontributionen der Franzosen auf ein erträgliches Maß herabzudrücken, und sich den­noch die Anerkennung der Eroberer zu erwerben

Als Napoleon 1807 das Königreich Westfalen aufrichtete, das in acht Departements aufgeteilt wurde, übertrug König Jöröme Hen­neberg die Präfektur des Okerdepartements, zu dem ein großer Teil des Herzogtums Braunschweig,

das Fürstentum Hildesheim und die Stadt Goslar gehörten. In dieser Eigenschaft als Präfekt trug Henneberg auch die Verantwortung für die Auf­rechterhaltung der Ordnung in der Stadt Braun- s ch w e ig. Dabei handelte es sich vornehmlich darum, Kundgebungen der Bürgerschaft zu verhindern, die gegen die mißtrauischen Franzosen gerichtet sein konnten. Ein besonderes Verdienst konnte er sich gelegentlich des berühmten Zuges erwerben, den Herzog Friedrich Wilhelm mit feiner schwarzen Schar 1809 von der böhmischen Grenze bis zur Wesermündung in der Hoffnung unternahm, dadurch einen allgemeinen Kampf der Deutschen gegen die verhaßten Eindringlinge entfesseln und siegreich durchführen zu können. Der Herzog war drei Tage in Braunschweig. Als die Gegner unter Reube11 und (9 r a t i e n in Eilmärschen anrück­ten, entwich er nach einem kurzen Gefecht nach Norden. Die beiden feindlichen Generäle, die an­nahmen, die Stadt Braunschweig stünde zu dem Herzog, wollten als Rache dafür die Stadt plündern lassen. H e n n e b e r g aber trat ihnen unerschrocken entgegen und erreichte, daß die Plünderungserlaub­nis unterblieb.

Er verwaltete sein verantwortungsvolles Amt weiter bis 1812. Zu Beginn dieses Jahres kam es zu Unruhen in der Stadt, sogar zu Kämpfen zwischen französischen und westfälischen Truppen. Man schab Henneberg die Schuld daran zu, weil er nicht tatkräftig genug gegen die Störenfriede vor­gegangen sei. Er sollte abberufen und Staatsrat in Kassel werden. Dazu kam es aber nicht mehr, weil König Jerome infolge der Vorbereitungen zum Feldzug gegen Rußland abreifen mußte. Henne- berg erkrankte; sein Gesundheitszustand verschlech­terte sich, und am 26. April 1812 schloß er für immer die Augen.

Hennebergs letzte Tat, um derentwillen hier sein Lebensgang nach derGeschichte der Familie Henneberg" (1909) kurz geschildert wurde, und für die ihm das heutige und künftige Deutschland zu Dank verpflichtet ist, war: die Zerstörung des Braunschweiger Löwen" verhindert zu haben. Spehr berichtet darüber: ,LUs die west­fälische Regierung im Jahre 1812 mit dem Plane umging, den ehernen Löwen auf dem Burgplatze einschmelzen und zu Kanonen umgie­ße n zu lassen, rettete Henneberg dieses ehr­

würdige Wahrzeichen der Stadt, indem er erklärte, er werde Sturm läuten lassen, wenn man es wage, das mit der Geschichte der Stadt im engsten Zusammenhang stehende Denkmal frevent­lich anzutasten. Es beruht auf einem Irrtum, wenn hier und dort angenommen wird, daß Henne- berg diese Drohung bei Gelegenheit der Anwesen­heit des bekannten Kunstkenners D e n o n (er wählte im Auftrag Napoleons als Generaldirektor der Museen von Paris in den besetzten Gebieten die Kunstwerke aus, die nach Paris gebracht wurden) ausgesprochen habe, als dieser die bedeu­tendsten Schätze des Museums, der Wolfenbütteler Bibliothek und der Salzdahlumer Gemäldesammlung aussuchte, um solche nach Paris zu schicken. Denon war in Braunschweig von Ende Dezember 1806 bis Anfang Januar 1807. Zu dieser Zeit existierte aber weder das Königreich Westfalen, noch war Henne­berg westfälischer Präfekt. Braunschweig wurde zu der Zeit von Napoleon als erobertes Land angesehen, und es würde wohl damals niemand ge­wagt haben, gegen eine etwa beabsichtigte Weg­führung des ehernen Löwen ein auch nur schüchter­nes Wort auszusprechen. Denon ließ den Löwen einfach deshalb unangetastet, weil er denselben für einschlechtes byzantinisches Machwerk ohne allen Kunstwert" ansah. Auch muß bemerkt werden, daß die westfälische Regierung nie Ernst aus der Ab­sicht des Einschmelzens des Löwen, wie der Brunnen auf dem Altstadkmarkte und dem Hagenmarkte ge­macht hat. Es genügte die energische Verwendung Hennebergs, um die maßgebenden Behörden sofort zu veranlassen, den Plan ohne weiteres fal - l e n zu lassen."

Oas Arbeitsprogramm der 3Rofo5$i(tn AK

Die Rota-Film AG. tritt in die neue Spielzeit mit einem Programm, das neben 18 Spielfilmen auch einen Expeditionsfilm, zwei Filme derLondon- Films" und drei Filme der Zwischenstaffel umfaßt. Ein Luis -Ir enter» Film ist derKaiser von K a l i f o r n i e n". Er schildert das heroische Schick­sal eines deutsch-schweizerischen Auswanderers, der vor hundert Jahren der größte Kolonisator Kali­formens wurde. Der zweite Luis-Trenker-Film