Ausgabe 
30.7.1935
 
Einzelbild herunterladen

ttr.175 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Dienstag, ZO.Wi 1935

Die drei Helden der Robinson -Insel.

Santiago, Juli 1935.

Die im Stillen Ozean westlich von der Küste Mittel - Chiles gelegene Inselgruppe Juan Fernandez wurde von der chilenischen Regierung wegen ihres Flora- und Fauna­bestandes zum Naturschutzgebiet erklärt. Gleichzeitig wurden zwei Deutsche, die seit vielen Jahren hier leben, zu Inspektoren der Inselgruppe ernannt, denen die Aufgabe zu­fällt, die Tier- und Pflanzenwelt zu schützen." Die Inselgruppe Juan Fernandez ...! Alte Er­innerungen. i/mweht von dem Hauch heldischen Abenteuers, werden da wach, wenn wir diesen Na­men hören. Laßt uns sehenI

Eine Generation nach dem Tode des spanischen Eroberers Pizarro wurde im Bereich seiner einsti­gen Machtsphäre eine Stadt namens Valparaiso Tal des Paradieses", an der Küste Chiles von spa­nischen Pionieren gegründet. Im Jahre 1570 stieß e,n spanischer Seefahrer, Juan Fernandez, der zwischen den Häfen Valparaiso und Callao fuhr und, um den widerwärtigen Gegenströmungen an der Küste auszuweichen, sich vierhundert Meilen in den Stillen Ozean hineingewagt hatte, auf eine Insel, die auf dem gleichen Breitengrad lag wie Valparaiso eine Insel, die noch nie bislang ein Menschenauge erblickt.

Eine höchst eigenartige Insel war das, achtzehn Kilometer lang und viereinhalb breit, von grim­migen vulkanischen Felsenklippen bedeckt, deren eine sich fast tausend Meter über dem Meeresspiegel er­hob. Der Seefahrer hatte große Mühe zu landen, da die Küste mit einem Bollwerk aus einer fast ununterbrochenen Linie hoher Klippen umgeben war, gegen die sich der Ozean mit niemals gestillter Wut warf. Nur eine einzige kleine Bucht mit einem kleinen Strand davor unterbrach dieses Bollwerk, und dort landete Juan Fernandez, um der Insel seinen Namen zu geben und sie für den König von Spanien in Besitz zu nehmen.

Als der Seefahrer seine Entdeckung näher be­trachtete, fand er zahlreiche Quellen Süßwassers, ganze Haine von Sandelholz, Tausende von See­hunden und riesige Hummern, die den Strand mit einem massiven Teppich bedeckten, in so ungezählten Mengen schwammen sie an Land.

Das Wild des Robinson.

Nachdem Juan Fernandez heimgekehrt, verbrei­tete sich das Gerücht von dieser Insel und ihren Schätzen rasch. Sie wurde später Treffpunkt für Seeräuber- und Kauffahrteischiffe, die hier Proviant einnahmen. So ging denn im Jahre 1704 ein bri­tisches Schiff dort vor Anter, um Holz und Wasser zu holen. Ein Streit hatte sich zwischen dem Kapi­tän und dem Segelmeister entspannen. Dieser Segel- meister war ein gewisser Alexander Selkirk.

Und der erklärte, er möchte lieber hier auf die­ser unwirtlichen, unbewohnten Insel an Land gesetzt werden, als noch länger auf dem Schiff bleiben. Der Kapitän tat ihm den Gefallen, setzte seinen verärgerten Offizier an Land und segelte nach Eng­land zurück.

Vier Jahre und vier Monate lebte Selkirk allein tn einer niedrigen Höhle am Meer, fing wilde Ziegen, aus deren Fellen er seine Kleider fertigte, und ernährte sich von den Hummern. Jeden Tag hielt er bald Ausschau nach einem Schiff und klet­terte zu diesem Zweck auf einen Berg, von dessen Gipfel aus er eine Aussicht auf die See und sein ganzes Jnselreich hatte. Eintausendfünfhundertund­achtzig Tage hielt er Wache, ehe endlich ein Segel sichtbar wurde. Er zündete ein Feuer an, um die Aufmerksamkeit der Seefahrer auf sich zu lenken, und wurde auf diese Weise von einem britischen Fahrzeug aus seiner Einsamkeit erlöst. Im Jahre 1711 erreichte er England, wo seine Berichte von seinem einsamen Leben auf Juan Fernandez eine große Zuhörerschaft fanden.

Unter diesen Zuhörern war auch Daniel D e f o e, dem Selkirks Erlebnisse die Idee zu seinem unsterblichen Buch Robinson Crusoe gaben. Allerdings verlegte der Dichter den Schauplatz für Crusoes Erlebnisse, er wählte dafür die unweit von Westindien gelegene Insel Tobago. Dem Urbild des

Robinson aber errichtete man später auf Juan Fernandez diese berühmt gewordene Bronzetafel'

Zum Andenken an Alexander Selkirk, Seefahrer. Aus Largo gebürtig in der Grafschaft Fife in Schottland. Er lebte vier Jahre und vier Monate in völliger Einsamkeit auf dieser Insel.

Er wurde im Jahre des Herrn 1704 von dem Ruderschiff Cinque Ports, Depl. 96 Tonnen, Arm. 16 Geschütze, hier an Land gesetzt und am 12. Febr.

1709 von dem KaperschiffHerzog" gerettet.

Er starb als Leutnant von H. M. S.Weymouth" im Jahre 1723 im Alter von 47 Jahren.

Diese Tafel ist in der Nähe von Selkirks Ausguck von Commodore Powell und den Offizieren von H. M. S.Topaze" im Jahre 1868 gestiftet worden.

Das ist die eigentliche Robinson- Insel: das größte Eiland der aus drei Inseln bestehenden Gruppe von Juan-Fernandez: es heißt Mas a tierra und ist allein bewohnt. Im Südwesten ist die kleinere Insel Santa Clara vorgelagert. Mas a f u e r a , die dritte Insel, liegt hundertsechzig Kilometer weiter westlich. Noch heute können Wochen und Wochen vergehen, ohne daß ein einziges Schiff im Bereich der Robinson- Insel auftaucht. Aber nicht immer war es hier so einsam. Um das Jahr 1840 herum war das Eiland eine Anlegestelle für all die Paketschiffe, die nach Kalifornien fuhren, auch für amerikanische Wal­fänger, für Darwin und seinBeagle".. und auch für Kapitän Palmer und seineAnnawon" Und damit hängt, unserem Gewährsmann, dem Weltfahrer Halliburton, zufolge, eine höchst merk­würdige und abenteuerliche Geschichte zusammen, durch die Kapitän Palmer nach dem Entdecker und Selkirk-Robinson sozusagender dritte Held von Juan Fernandez" geworden ist.

Die Revolte der Sträflinge.

Um jene Zeit diente die Insel Mas a tierra a l s Strafkolonie für chilenische Zucht­häusler. Unterirdische Gefängnisse, heute noch zu sehen, wurden in die Bergeshänge gegraben

und die Gefangenen dort eingekerkert. Aber da brach eine Revolte aus, die Wächter wurden überwältigt, und dreihundert Zuchthäusler beider­lei Geschlechts befreiten sich und nahmen von der Insel Besitz.

Eines Tages nun segelte ein gewisser Kapitän Palmer, der nichts von der Existenz dieser Sträf­lingskolonie wußte, auf einem Klipper aus Nan­tucket hinein in die Juan-Fernandez-Bucht, um feinen Süßwasservorrat zu erneuern. Ahnungslos ging er an Land. Sofort fielen die Zuchthäusler über ihn her, um sich dann seines Schiffes zu bemächtigen und damit zu fliehen. Kapitän Palmer mußte schwören, sie nach dem nächstliegenden Fest­lande zu bringen dann kletterten dreihundert brüllende Zuchthäusler an Bord... Aber die Ge­schichte, die Halliburton in seinem bei Paul List in Leipzig erschienenen BuchDer neue Robinson" wiedergibt, wird nun noch viel dramatischer! Denn unter den Zuchthäuslern waren auch zwanzig bis dreißig Frauen. Doch weigerte sich der Kapitän, diese mitzunehmen, und zwar aus dem guten Grunde, weil seine Gattin in der einzigen Kabine des Schiffes versteckt war und diese Kabine sicher von den weiblichen Sträflingen mit Beschlag belegt worden wäre. Darum wurden die rasenden Frauen unter Schreien und Protesten an Land zurückgetrieben, und dieAnnawan" segelte mit ihrer sonderbaren Ladung nach Chile.

Unterdessen blieb Frau Palmer, die einzige Frau unter den dreihundert Verbrechern, in ihrer Kam­mer verborgen. Zehn Tage lang hatte sie nichts zu essen ihr verzweifelter Mann wagte nicht zu ihr zu gehen, aus Ängst, ihr Versteck zu verraten.

Aber die Frau überstand diese Schreckensfahrt. Endlich erreichte man nämlich das Festland, und die Sträflinge stürzten halb wahnsinnig vor Freude an Land' Palmer, der übrigens seinen Schwur, sie zum nächstgelegenen Festland zu bringen, gehalten, sagte ihnen, daß es Peru sei. In Wirklichkeit aber war es ein Ort, der nur fünfundvierzig Kilometer bon Valparaiso und keine viereinhalb von einem chilenischen Soldatenlager entfernt lag... und die Soldaten nahmen die ausgebrochenen Zucht­häusler sofort wieder fest.

Das sind die drei berühmten Helden von Juan Fernandez gewesen, der wirklichen Robinson-Insel unserer abenteuerfiebernden Jugend, die soeben unter Naturschutzgesetz und deutsche Inspektion ge­stellt wurde.

yj

T #<

M

Mtage der Radfahrer in Erfurt.

In der Blumenstadt Erfurt wurden am Sonntag im Rahmen eines Reichstreffens des Deutschen Rad­fahrer-Verbandes die Meisterschaften der Amateure entschieden. Am Nachmittag zog ein großer Festzug durch die Straßen Erfurts, aus dem unser Bild eine originelle Gruppe radelnder Fensterputzer zeigt. (Presse-Bild-Zentrale-M.)

Fridl Fornattaz.

Die neue Lperrr- und Lperettensoubrette des Stadtthcaters.

i

Mein Lebenslauf begann wie der aller gewöhn­lichen Sterblichen mit meiner Geburt. Ich weiß nicht, ob mir an meiner Wiege gesungen wurde, daß ich einmalunters Theater" gehen würde. Ich für mich bezweifle überhaupt, daß an meiner Wiege gesungen wurde, denn das habe ich damals ganz allein besorgt. Es soll zwar nicht sehr schön und melodisch geklungen haben, aber nach den Aus­sagen meiner Eltern und der ganzen umliegenden Nachbarschaft soll mein Organ schon damals zu den schönsten Hoffnungen berechtigt haben. Nachdem ich glücklich die Schule und die sonstigen allgemein üblichen Erziehungsmethoden überstanden hatte, war ich eines Tages auch schon erwachsen und der sogenannte Ernst des Lebens trat an mich heran. Und da ich schon in meiner frühesten Jugend bei den Erziehungsversuchen meiner Eltern mit mei­nem Organ die schönsten Erfolge erzielt hatte, lag der Gedanke nahe, diese Stimme weiter auszubil­den. Ich lernte fingen! Neben einem eifrigen Kla­vierstudium am Konservatorium zu Zürich. Aber bald konzentrierte ich mich ganz aufs Singen und nach einem vierjährigen intensiven Gesangsstudium betrat ich dieBretter", die angeblich die Welt be­deuten. Am Stadttheater in Zürich machte ich meine ersten dramatischen Gehversuche Und siehe da:Ich wurde entdeckt" Der Oberregisseur enga­gierte mich für die wunderschöne Operette1001 Nacht", in der ich die Soubrette spielen durfte. Ich war selig! Dazu noch ein durchschlagender Erfolg beinahe hätte ich den Größenwahn bekommen. Aber Gott sei Dank fiel dann aufSonnenschein" Negen. Doch schon ein Jahr darauf wurde ich als Soubrette ans Stadttheater Schaffhausen enga­giert, wo ich zwei Jahre verbrachte Und jetzt komme ich nach dem schönen Gießen das ist ein großes Ereignis für mich denn ich bin zum erstenmal in meinem Leben für so lange Zeit in Deutschland. Aber ich freu mich! Ganz leise hoffe ich, daß dieGießener" auch ein klein wenig nett zu mir sind!"

Daten fiir den 30. Inti.

1810: Generalfeldmarschall Leonhard Graf von Blumenthal in Schwedt a. d. O. geboren (gestorben 1900); 1879: der Schriftsteller Hans Franck in Wittenburg (Mecklenburg) geboren; 1898: Otto Fürst von Bismarck in Friedrichsruh gestorben (ge­boren 1815); 1918: Generalfeldmarschall Her­mann von Eichhorn in Kiew ermordet (geboren 1848).

Ein Mädchen verschenkt ein Segelschiff.

Von Philander.

Einmal hat mir eine ein Segelschiff geschenkt. Ich war aber damals erst vier Jahre alt.

Es muß wohl ein früher Eindruck von fremder und unerwarteter Güte gewesen fein, der mich dies behalten läßt.

Es war so:

Ich hatte mir ein Loch ins Knie geschlagen und war noch ganz benommen von dem jähen Schreck. Mein Anzug war verdorben, und dieser wenig günstige Umstand brachte es mit sich, daß ich auch noch Schläge bekam.

Nun trug ich meine ältesten Kleider und ums Knie einen Verband. Zornig schlich ich aus dem Haus und beschloß, bei dieser Familie nicht länger zu bleiben. So stand ich an Schalters Spielwaren­fenster und schaute auf die vielen, bunten Dinge, die ich nicht besaß. Bekümmert und ohne Wunsch­kraft sah ich die Leute, die oorübergingen. Hie und da blieb einer stehen. Sie sahen die Sachen an und sprachen. Es war da zum Beispiel eine Dame mit zwei Töchtern, die eine kleiner, die andere größer als ich. Die deutete ins Fenster und schien sich mit der Mutter über die Auswahl zu beraten. Aber es ging mich nichts an. Erst viel später ist es mir eingefallen, daß sie mich damals fragte, ob ich dies wolle oder jenes im Fenster, und ob mir etwas fehle. Ich war aber so verloren in mich, daß ich es nicht merkte und kaum antwortete. Es war mir auch nicht ausgefallen, daß die Familie in den -Laden ging und wieder heraustrat. Bis auf ein­mal die Mutter stand schon am Trottoirrand mit der Kleinen die größere auf mich zukam wie eine Elfe, das Segelboot auf dem rechten Arm. «Sie war in einem weißen Kleid mit einer farbigen Schärpe, in Halbstrümpfen und einem Strohhut, zurückgeschoben, leichten Ganges.

Und nun geschah jene Geste, die ich seither nim­mer vergessen kann.

Jene Gebärde, dieda" sagt, wenn die Blicke lief) ineinander stelle../ jener Tieftinn des Sichent- Äußerns, der das Geben seliger macht als das «Nehmen. Das Schenken, geübt durch ein Kind.

Ich glaubte nicht, daß ich gemeint fein könne.

Langsam und stumm nahm ich, was sie mir gab. Bedankt hab ich mich nicht, auch nichts gesagt. Ich nahm es schweigend und mit ernsten Augen, als hätte ich daraus gewartet. Die Schenkerin war fort. Und ich war in eine neue Verwandlung gestürzt, die mich wieder nach Haus zwang. Ich hatte ein Segelschiff, ein schlankes, zierliches Ding. Ein Segel­schiff. Geschenkt.

Ich hab oft an sie denken müssen und versucht, ihr Bild wieder zu finden in mir. Sicher war sie blond. Vielleicht waren es Fremde, Passanten aus dem Norden.

Wie lieblich ihre Stimme klang!

Und sie hat Mitleid gehabt mit mir, den sie für arm und elend hielt. Und sie hat ihre Mutter ge­beten, in launigem Eifer aebeten, dem armen Jun­gen da etwas schenken zu Dürfen. Und tat's und hat keinen Dank bekommen, wie das Leben nun ist, diese Kette verpaßter Gelegenheiten.

Mir ist, als müsse ich sie suchen, überall suchen, das Kind mit dem Segelschiff. Suchen wie der Sänger Blondel feinen königlichen Herrn, ziehend von Burg zu Burg und singend vor jedem Verließ.

Es ist ja unmöglich, ihr noch zu danken, und doch möcht ich sie finden, um es zu tun.

Vielleicht ist sie verheiratet oder eine Künstlerin.

Vielleicht hat sie einen Oberlehrer oder eine Villa am Traunsee.

Vielleicht, daß eine Tante von ihr mit der Kusine meiner Mutter . oder so. Vielleicht war ihr Bru­der beim selben Regiment.

Vielleicht ist sie häßlich und trägt eine Brille, und ich hab ihr in der Elektrischen keinen Platz gemacht.

Ach, wenn ich sie fände! Was würde ich tun? Alles, alles wegen des Segelschiffes.

Es kränkt mich, daß ich die nicht finden soll, die gut zu mir war. daß ich sterben werde, und ich hab der nicht gedankt, die aus der reinen Güte des Kin­des, die als Fremde zum Fremden das erste, groß­herzige Gefühl des Gebens, des Freudemachens in mich senkte, daß ich die nie mehr sehen soll, daß jeder von uns allein ist, so sehr allein auf dieser klugen Erde.

Ich will es nicht aufgeben, sie zu suchen. Denn sehen Sie, aus keinem anderen Grunde liebe ich die Frauen.

Ich suche das Segelschiff, mein Segelschiff.

Und wenn ich selbst nimmer kann, dann will ich zu meinem Sohn sagen: Zieh hinaus und suche.

mein Kind, such mit dem Herzen bas glückhafte Schiff, das dich trägt, suche danach, daß dir auch eine einmal ein Segelschiff schenkt, ihr weißes Segel­schiff schenkt.

Es ist ja nicht nötig, daß du immer ein Loch im Knie hast.

Dom Rordkap bis zu den Alpen.

Es war ein guter Einfall des Lichtspielhauses, gerade jetzt in der Reisezeit einen stummen Film einzuschieben, der den notgedrungen Daheimgeblie­benen einen kleinen Ersatz bieten kann für das, was Glücklichere jetzt schon genießen dürfen. Auch als Anregung zum Pläneschmieden für kommende Urlaubswochen ist diese Ueberschau landschaftlicher Schönheiten von der Steilküste Norwegens bis zu den Gipfeln Tirols und Graubündens sicher man­chem willkommen. Greifen wir aus den so ganz verschiedenartigen Eindrücken nur einige wenige heraus. Wem ist z. B. die Holsteinische Schweiz bekannt, diese einzigartige Symphonie von Wald und Wasser? Stolze Herrensitze in saftig­grüne Wiesen und wogende Weizenfelder gebettet, verträumte Städtchen an weiten Seen, von herr­lichen Buchenwäldern umsäumt; Plön mit seinem Schloß, Lauenburg, Ratzeburg und Mölln. Und dann die Lübecker Bucht mit ihrem Kranz stiller, zum Ausruhen einladenden Seebäder Und schließlich das.alte Lübeck, Gründung Heinrichs des Löwen, Haupt der Hansa und nun wieder emporstrebend in Handel und Gewerbefleiß. Seine wuchtigen Backsteinkirchen und Tore, das Rat­haus mit Arkaden und kunstvoll verdeckter Stiege, die winkeligen Höfe, stolze Patrizierhäuser, sie kün­den von großer Vergangenheit eines kühnen See­fahrer- und Handelsherrngeschlechts. Und dann wandern wir an Hand des schnell von Nord nach Süd, von Ost nach West springenden Films nach Helgoland und den Nordseebädern, an den Rhein und in den Schwarzwald, zum Harz und ins Riesengebirge, die sich zwar beide im Schneekleid ihrer Wintersportsaison prä­sentieren, aber auch zur sommerlichen Jahreszeit sehr lohnende Reiseziele sind. Unbekannter ist sicher das in satte Kulturlandschaft gebettete Elb - t a l und die schroffen Zacken des Elbsandsteingebir- ges, die nicht einmal von Hochgebirgskraxlern ver­schmäht werden. Berchtesgaden und der

Königssee, die Glanzpunkte der bayerischen Alpen ziehen an uns vorüber. Von da ist nur ein Sprung nach Salzburg und dem Salzkammergut mit der Mannigfalt seiner Seen, ringsum die groß­artige Gebirgswelt des Dachsteinmassivs. Nach Süden geht es mit der Mittenwaldbahn nach Innsbruck. Rauh weht der Wind von den frostigen Gipfel der Nordkette durch die unver­gleichliche Maria-Theresien-Straße, das Glanzstück der Stadt Andreas Hofers, in der selbst das blühende Barock etwas von der kühlen Strenge der umliegenden Gebirgswelt annimmt. Zum Schluß gibt es viele schöne Bilder aus Graubünden, dem Paradies aller Wintersportler.e

Der Goldfund/ der arm machte.

Ein alter schwedischer Trapper in der kanadischen Provinz Saskatschewan, der ein Goldfeld entdeckte, hat nicht nur keinen Nutzen davon gehabt, sondern ist dadurch auch um seine ganze Existenz gebracht worden. Gustav Nyrnan lebte als Pelzjäger in der Nachbarschaft von Beaver-Lodge am Äthabasca- See. Vor einem Jahr etwa stieß er durch Zufall auf Quarzstein, in dem es wie Gold glänzte. Da er feine genügenden geologischen Kenntnisse hatte, um den Wert dieser Entdeckung richtig einzuschätzen, nahm er einige Gesteinsproben, die er bei Gelegen­heit untersuchen lassen wollte. Inzwischen aber führte er ruhig seine alte Lebensweise weiter Eines Tages kam nun ein Goldsucher an feine Hütte, Nyman zeigte ihm die Steine, und der andere er­kannte sofort, daß hier ein reicher Goldfund gemacht worden war. Er nahm Proben zur weiteren Unter­suchung in die nächste Stadt mit Der Entdecker hörte nichts mehr davon, bis eine Anzahl von Wasserflugzeugen auf dem See niederging Sie brachten alle Apparate für eine großzügige Aus­beutung des Goldlagers. Da Nyman feine Doku­mente besaß, die ihm sein Anrecht sicherten, mußte er zusehen, wie andere den Reichtum ernteten, der ihm gehörte. Nicht nur Gold wurde abgebaut, son­dern auch Kupfer und Radium in erheblichen Men­gen. Der Trapper aber hatte das Nachsehen und wurde außerdem schwer geschädigt, denn durch den Lärm des Bergwerkes wurden die Pelztiere, die ihm bisher seinen Unterhalt verschafft hatten, aus der Umgegend vertrieben.