Ausgabe 
30.7.1935
 
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Die Stoßtrupps der Weltrevolution.

Kommunistische Wühlarbeit in aller Welt. Bolschewistische Heharbeit in den französischen Kolonien.

Moskauer Appell der Komintern

Moskau, 30. Juli (DNB. Funkspruch). Der 7. Weltkongreß der Komintern hielt am Montag wiederum zwei Sitzungen ab, in denen die aus­ländischen Sektionen der Komintern, die Kampf­truppen der W e l t r e v o l u t i o n wie das Komintern amtliche Blatt es nennt zum Appell antraten. Man erging sich womöglich noch offener als an den Vortagen in der Hervorhebung der eigenen Verdienste um die Weiterführung der Welt­revolution.

Die Dormittagssitzung wurde mit dem Bericht eines Vertreters derKommunistischen Jugend­internationale" eröffnet, der sich lediglich in dema- gocpschen Phrasen und lügenhaften Behauptungen erging. Der Redner erklärte, es solle ein neuer Typ von Jugendlichen geschaffen werden, der in erster Linie Verfechter der weltreoolutionären Idee (!) sein soll.

Ein Vertreter der Ukrainer stieß wüste Drohungen gegen Polen aus. Er erklärte, wenn die polnischen Radziwills noch einmal ver­suchen sollten, sich in irgendwelche sowjetfeindliche Abenteuer einzulassen, dann würden sie sich ihre Köpfe schon in beträchtlicher Entfernung von Kiew einrennen. Die ukrainischen Kommunisten seien sich wohl bewußt, daß sie jenseits der Grenze Feinde hätten, die nur darauf warteten, daß ein Fehler gemacht werde, um die Sowjet-Ukraine wieder in die Abhängigkeit von feudalen Großgrundbesitzern zu bringen.

Anschließend fand ein chinesischer Kom­munist Beifall, der als Berlreter der chine­sischenSowjetrepubliken" für den Kommunis­mus in China warb. Er behauptete, daß heute in China bereits ein Raum mit insgesamt 56 Millionen Einwohner von Sowjets re­

giert werde und daß weitere 50 Millionen Chinesen der weltrevolutionären Bewegung an­geblich mit Sympathie gegenüberftänden. Er schloß mit dem Ausruf, daß die chinesischen Sowjets ein Vorposten der Weltrevolution seien.

Ein Vertreter der südslawischen Kommu­nisten bemühte sich sodann für den Kommunismus in Südslawien zu werben, und ein kanadischer K o m m u n i st teilte mit, daß seine Partei f ü r mindestens 90 v. H. aller Streiks ver­antwortlich zeichne (!). Ein Schweizer Kommunist meinte, daß es heute mit bem Stolz der Schweiz, der einzige stille Hort der Ruhe und des Friedens zu sein, vorbei sei. Die Klas­senkämpfe seien dort i n vollem Gange, und die Kommunisten bemühten sich nach Kräften, diese Klassengegensätze ai^zunützen. Ein oster- reicht sch er Kommunist bat um den Verfall des Kongresses für das von den dortigen Kommunisten vollbrachte Werk desZustroms der revolutionären Arbeiter in die Reihen der Kommunistischen Partei".

Anschließend trat ein Vertreter der kommuni st ischen Partei Jndochi- nas auf. Wan würde es in Paris mit be­sonderem Interesse vermerken, daß dieser Kom­munist erklärte, seine Partei stehe schon a n der Spitze der indochinesischen re­volutionären Bewegung, die die Kominterntagung mit der größten Aufmerksam­keit verfolge. Sie werde für die Kommunisten der französischen Kolonie Jndochina eine gute Schule sein, denn die indochinesischen Kommunisten führten stets, wie ihr Vertreter in Moskau wörtlich erklärte,als Kriegsruf den bekannten Ramen des geliebten Führers der Weltrevolutlon Stalin auf den Lippen".

Scharfe Mißbilligung des kommunistischen Rowdytums in der amerikanischen presse.

R e u y o r k, 29. Juli. (DRV.) Die Presse verur­teilt einmütig dieschmachvollen Vorfälle" auf der Bremen", und zugleich den Bürgermeister La- guardia, der durch seine Bemerkungen in den letzten Tagen mindestens mittelbar die Vorbedingungen für die bedauernswerten Ausschreitungen schuf, in­dem er die buntscheckige und Rassenzwisten leicht zu­gängliche Bevölkerung Reuyorks weiter aufreizte. New Pork Herald Tribüne" schreibt, es wäre unbillig, Laguardias Essay über Diplomatie verantwortlich zu machen für einen anscheinend von kommunistischer Seite inspirierten Tumult am Bremen"-Pier. Aber unter den Ueberresten der Schlacht wurden Flugblätter gefunden, die zu einem Massenüberfall aufreizten. Die ganze Angelegenheit ist ein deutliches Zeichen, wie leicht es in Neuyork ist, die Leidenschaften eu­ropäischer Streitfragen zu Ausschreitungen zu ent­fachen. Die Neuyorker mögen sehr ausgesprochene Ansichten über Deutschland haben; es ist indessen keine Entschuldigung dafür, Kämpfe an dieser Küste zu veranstalten, und ein öffentli­cher Beamter, der auch nur durch Fahrlässig­keit solche Vorfälle ermutigt, bringt sich selbst in Verlegenheit. Auch sind die letzten Be­mühungen Laguardias nicht geeignet, sich aus dem absurden Durcheinander herauszuziehen, in das er sich selber brachte. Laguardias Beweise unterschied­licher Behandlung seitens Deutschlands sind an sich unhaltbar und können keinesfalls die Haupt­schwierigkeit überwinden, daß die Auslegung von Dertragsrechten nicht Aufgabe von Bürger­meistern ist.

DieNew Port Times" schreibt:Die skan­dalösen Tumulte, die von Kommunisten bei der Ab­fahrt derBremen" angestiftet wurden, können un­ter denkenden Menschen nur Sympathie für d i e erregen, die als Ziele dieser feind­lichen Demonstration ausersehen waren. Das Schiff, ein Stück deutschen Gebietes, das für den Augenblick in unserem Hafen unter unse­rer verantwortlichen Obhut stand, hat jeden möglichen Schutz durch die Neuyorker Polizei erhalten.Die vom Neuyorker Bürger- m e i st e r eingenommene Haltung, einem deutschen Ausländer ein bestimmtes Privileg vorzuenthalten, deutet einen weithin empfundenen Unwillen an. Aber wie wir bereits bemerkten, schien Laguardia bei seinem Schritt übel beraten gewesen zu fein, wie es sich nun auch durch seine verschie­denartige Wirkung auf verschiedene Gruppen unse­rer gemischten Bevölkerung erwiesen hat." Das Blatt erklärt schließlich, es sei mehr als je not­wendig, daß die, auf denen die Verantwortung lastet, ihre Gefühle im Zaum hielten.

Sehr scharf zieht dieWashington Po st" gegen die Unruhestifter zu Felde. Sie weist Sena­tor King, Bürgermeister Laguardia und die Neu­yorker Kommmunisten darauf hin, daß die aus­wärtigen Angelegenheiten zur alleinigen Zu- ständigkeit des Staatsdepartements gehörten, und daß die internationale Lage schwer kompliziert würde, wenn Einzelpersonen eigenmächtig in die Außenpolitik ein­griffen. Was würden wir sagen, so führt das Blatt aus, wenn eine Horde zweifelhafter Elemente auf ein amerikanisches Schiff in Hamburg dringen und unsere Flagge herunterreißen würde? Zu dem Vorgehen

von King, Laguardia und anderen sägt dieWa­shington Post": Wir kommen jetzt in die Zeit der Hundstage, wo Menschen schwierigste Dinge tun und wo sie eine Scheune abbrennen wollen, um eine Ratte zu töten ober wo sie bie Familie vergiften wollen, um Küchenschaben zu ver­treiben usw. Das Blatt empfiehlt eine sorgfältige Lektüre bes Buches von Millis:Der Weg zum Krieg", in bem klar geschildert werde, wie durch HetzeundHysterie Amerika ganz gegen seinen Willen 1917 in einen vollkommen nutz­losen Krieg gegen Deutschland getrie- den worden sei. Heutzutage sei Ruhe die erste Bürgerpflicht, sonst gebe es Dölkerverhetzung mit unabsehbaren Folgen.

fiomnumiffen kündigen neue Werfälle an.

Verstärkter Polizeischutz.

Neuyork, 29. Juli. (DNB.) Eine Organisa- tion, die sichAntinazi-Föderation" nennt, kündigte am Montag weitere Kundgebungen ge- gen deutsche Schiffe an und gab bekannt, daß in einer Versammlung von 278 Verbänden Pläne entworfen werden sollen, die sich ge­gen das Zeigen der Hakenkreuzflagge richten und zu einem Boykott derNazi- Schiffe" führen sollen. Durch diese erneuten Kundgebungen soll auf die Tatsache hingewiesen werden daß führende AmerikanerNazi- Schiffslinien" benutzen, ungeachtet der Verletzung der Rechte amerikanischer Bürger in Deutschland und der freventlichen Angriffe auf ihre Religionsgenossen."

Der Neuyorker Polizeipräsident Lewis Valentine hat weitgehende Maßnahmen zum Schutze der Hakenkreuzflagge gegen weitere kommunistische Demonstrationen getroffen. Die Polizei im Hafengebiet wurde verstärkt. Der am Montag eingetroffene DampferW e ft e r n land" legte in Hoboken an. Unter den Passagie­ren befand sich der führende Ehikagoer Geistliche H u r k m a n s, der erklärte, er sei in Deutschland höflich behandelt worden und habe keinen Versuch bemerkt, in Gottesdienste katholischer Kir­chen einzugreifen.

Die Moskauer Drahtzieher.

Wie Litwinow sein Versprechen hielt.

Washington, 29. Juli. (DNB.) Die Mel- düngen über die Aufforderung der kommunistischen Internationale an die Kommunistische Partei in den Vereinigten Staaten, die Agitation in den ame­rikanischen Arbeiterkreisen zu verstärken und Streikunruhen herbeizuführen, haben in Washington starke Erregung ausgelöst. Unter­staatssekretär Philips hat von der Moskauer Botschaft einen telegraphischen Bericht eingefordert. Der Bericht wird sorgfältig geprüft werden, ins­besondere darauf hin, ob die Moskauer Anweisung im Widerspruch zu den Versprechun­gen Litwinows steht, hier keine kommunistische Propaganda zu treiben. Bekanntlich war dies eine wesentliche Vorbedingung für die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Washington und Moskau.

Handgemenge. Zahlreiche Personen wurden ver­letzt. In kurzer Zeit hatten die Angreifer das Easö in ein Chaos verwandelt.

Die Polizei schritt ein und nahm mehrere kom- munistische Rädelsführer fest. Da sich der kommu­nistische Pöbel in den Straßen darauf gegen die Polizei wandte, mußten Verstärkungen herangezo­gen werden. Die Polizei ging schließlich, unterstützt von Motorfahrzeugen, im Sturmlauf gegen die Menge vor, wobei von Säbeln und Gummiknüp­peln stark Gebrauch gemacht wurde. Die ganze Um­gebung des Hafens wurde von Polizeiket­ten abgeschlossen. Ferner wurden längst der Straße nach Berg en Dal und an allen Wegekreu­zungen Polizei und Gendarmerie- patrouillen postiert.

Die Zusammenkunft der Nationalsozialisten in Berg en Dal, wo sich die Nationalsozialisten auf auf einen großen, umzäunten Platz versammelten, verlief ohne Störungen. Sie wurde eingelei» tet mit einer Besichtigung der mehrere hun­dert Mann starken Sturmabteilung. Den Höhepunkt der Kundgebung bildeten Ansprachen des Parteiführers Major K r u e t und mehrerer Unter- ührer. Der Abtransport der Teilnehmer vollzog

sich infolge der ausgedehnten polizeilichen Vorkeh­rungen ohne Zwischenfälle.

Göttin wieder beauftragt.

Den Haag, 29. Juli. (DNB.) Königin Wilhelmina hat den bisherigen Mimsterprast- deuten und Führer der Antirevolutionaren Partei Dr. C o l i j n mit der Bildung einer außer- parlamentarischen Regierung auf mog. lichst breiter Grundlage betraut. Erhebliches Auf­sehen erregte es, daß Colijn seine e r ft e Be­sprechung mit dem katholischen Fraktionsvor­sitzenden Pros. A a l b e r s e abhielt, der durch feine Kritik an der Politik Dr. Colijns die Kabi- nettskrife heraufbefchworen hat, selbst aber eine Neubildung auf' parlamentarischer Grundlage nicht z u st a n d e z u b r i n g e n ver- mochte. Man glaubt, daß sich zwischen beiden ein­flußreichen Politikern unter dem Zwang der Ver­hältnisse eine Wiederannäherung zu voll­ziehen beginnt. Am Nachmittag versammelte Dr. Colijn sämtliche Mitglieder seines bisherigen Kabi- nette, um mit ihnen eingehend die neugeschaffene Lage zu erörtern. Man erwartet, daß sich die meisten derzeitigen Minister Dr. .Colijn auch weiterhin zur Verfügung stellen werden.

Der deulscheArbeilsdienst Hal nichts zuverbergen.

Keine Absperrung der Arbeitsdienstlager gegen Ausländer.

Berlin, 29. Juli. (DNB.) Der Leiter des Auf- tlärungs- und Außenamts beim Reichsarbeitsführer teilt mit:

In ausländischen Zeitungen ist vor kurzem die Nachricht verbreitet worden, der Ar­beitsdienst habe ausländischen Besuchern in Deutschland das Betreten der Laaer bzw. die Besichtigung von Arbeitsstätten und Arbeitsdienst­lagern gesperrt. Diese Nachricht wurde mit Be­wußtsein verbreitet, um den Verpacht zu erregen, daß der Arbeitsdienst irgend etwas zu verber­gen habe. Wir können hier nur feststellen, daß diese Nachricht nicht den Tatsachen entspricht. Selbst­verständlich rann nicht jeder zufällig in Deutsch­land reisende oder sich aufhaltende Ausländer in jedes beliebige Lager gehen und sich dort den Ar­beitsdienst ansehen wollen. Das ist den Reichsange­hörigen nicht gestattet, kann also auch einem Aus­länder nicht gestattet werden. Man darf nicht über­sehen, daß jeder Besuch von Fremden in Lagern und Arbeitsstätten zur Störung des Dien- st es führt und schon aus diesem Grunde Besuche, ganz gleichgültig, ob sie von Ausländern oder von Reichsdeutschen erfolaen, Einschränkung fin­den müssen. Dementsprechend ist angeordnet, daß nur führende Persönlichkeiten frem­der Völker, d. h. Ausländer, die in ihrem Heimatlande irgend etwas bedeuten (auf den Ge­bieten der Politik, Wirtschaft, Kultur, Staatsfüh­rung usw.), Gelegenheit gegeben werde, Laaer und Arbeitsstätten zu sehen, wenn sie es wünschen. In welchem Umfange aber vom Reichsarbeitsführer durch fein Aufklärungs- und Außenamt dem Aus­lande Gelegenheit gegeben wird, den Arbeitsdienst zu besichtigen, das mögen folgende Tatsachen zeigen: Aus der Flut der Besichtigungen durch Ausländer in den letzten beiden Monaten wollen wir hier nur folgende erwähnen:

Es haben die Dozenten der fremden Volker an den Hochschulen Berlin vor kurzem Gelegenheit gehabt, das Reichslehrlager in Rhinluch zu besichtigen. An dieser Besichtigungsfahrt

habe sich die Vertreter von mehr als 30 Nationen beteiligt. Mitglieder japanischer Mini­sterien und des japanischen Parla­ments haben Mitte Juni ebenfalls dieses Reichs- lehrlager in Rhinluch besichtigt. Angesehene Chi­nesen sahen Lanke, Bernau und Velten. 16 Professoren und Studenten holländi­scher Hochschulen haben am 9. Mai Lager in der Gegend von Northeim gesehen. Englische, französische und amerikanische Pro­fessoren und Studenten Anfang Juni Lager und Arbeitsstätten in Ostpreußen. Ferner sahen die ausländischen Studenten der Universität Jena am 19. Juni Lager m Thüringen. 24 solcher ausländischen Studenten in Freiburg am 15. Juni Lager und Arbeitsstätten im Schwarzwald. Eine englische Studien» k o m m i s s i o n aus 16 Personen bestehend, besuchte am 17. Juni Lager und Arbeitsstätten in der Ge- gend von Hildesheim und 17 holländische An­gehörige der Universität Utrecht am 19. Juni Lager im bergischen Land. Am 17. Juli sahen 15 englische Studenten Lager und Arbeitsstätten in Franken und 33 Amerikaner am 27. Juli Arbeitsstätten und Lager im bayerischen Oberland. Die großen Kommissionen, die soeben in Deutschland weilten, wie z. B., die ibero-ame» rikanischen Journalisten, bie briti­schen Frontsoldaten, die Führer der b r i t i» schen Studentenschaft usw. haben alle Ge­legenheit gehabt, Arbeitslager und Arbeitsstätten des Arbeitsdienstes zu sehen. Es haben auch eine ganze Reihe sehr maßgebender, führender Persön­lichkeiten, bzw. Beauftragte ihrer Staa- t e n Gelegenheit genommen, sich durch den Leiter des Aufklärungs- und Außenamtes des Reichs­arbeitsführers unterrichten zu lassen, der nie verab­säumt hat, solche amtliche Pertreter auch in Lager und Arbeitsstätten zu führen. So haben erst in den letzten Tagen Beauftragte Italiens Gelegenheit gehabt, sich zu informieren, und es ist ihnen in wei­testgehendem Maße entgegengekommen worden.

Frankreichs Marschroute für Genf.

Wenig Hoffnung auf ein Kompromiß.

Paris, 30. Juli (DNB. Funkspruch). Die Mel­dungen aus London und Rom lauten so wider­spruchsvoll, daß die Pariser Presse über den mög­lichen Ausgang der Genfer Ratstagung im Dunkeln tappt. Ministerpräsident Laval wird heute vor­mittag dem M i n i st e r r a t den Stand der bis­herigen Besprechungen über den italienisch-abes­sinischen Streit darlegen und am Nachmittag mit Eden Fühlung nehmen. Die Versicherung des halbamtlichenPetit Parisien", daß Laval heute abend hoffnungsvoll nach Genf ab­reis e n könne, da England und auch Italien zum Entgegenkommen bereit sein würden, wird von anderen Blättern nicht un­bedingt geteilt. Obwohl auch sie die Hoffnung auf eine vorläufige Regelung nicht aufgeben.

DasOeuvre" stellt fest, daß man trotz allen guten Willens die Lage als höchst verworren, verwickell und heikel bezeichnen müsse. Laval wolle anscheinend dem Völkerbundsrat vorschlagen, Ita­lien und Abessinien aufzufordern, die Verhandlun­gen lediglich zur Beilegung des Zwischenfalles von U a l u a l wieder aufzunehmen und nur im Falle des Scheiterns die Prüfung der Gesamtfrage nach dem 25. August in Aussicht zu nehmen. Man werde also im Grunde genom­men, wieder einmal versuchen, Zeit zu gewin­nen. Doch dürfe man sich nicht allzu große Illu­sionen machen. Der französische Wunsch, einem drohenden Bruch der faschistischen Regierung mit dem Völkerbund auszuschalten, stehe in schrof­

fem Gegensatzzur Auffassung des eng­lischen Kabinetts. Eden dürfte Laval dar­legen, daß die Vertagung der grundsätzlichen Aus­sprache eher unheilvoll als heilsam wirken und den Krieg noch unvermeidlicher machen würde, wenn Italien sich nicht verpflichte, feine Truppen- und Kriegsmaterialtransporte einzu­stellen, und wenn es sich nicht zu einer fried­lichen Regelung in den kommenden 4 bis 5 Wochen bereit erkläre. Es werde also zum größten Teil von der englischen Regierung abhängen, ob der Vorschlag Lavals eine günstige ober ungünstige Folge fjabe. Das Haupthindernis, auf das Italien stoße, fei England.

Die Stimmung in Aegypten.

London, 30. Juli. (DNB. Funkspruch.) Wie Times" aus Alexandria meldet, ist das Interesse der Aegypter für den italienisch-abessinischen Streit groß. Es zeigt sich warmes Mitgefühl für Abessi­nien. Im Ruhestand lebende ägyptische und türkische Offiziere bemühen sich in großer Zahl um den Eintritt in bas abessinische Heer. Sorge herrscht auf den ägyptischen Märk­ten wegen der Preiserhöhung und des Mangels an Gerste infolge großer italie­nischer Ankäufe. Es wird erklärt, daß die ganze Ernte dahinfchwinde und daß Aegypten bald genötigt fein werde, Gerste zu einem hohen Preis einzuführen.

England auf ein Flottenbauprogramm noch nicht festgelegt.

Die britischen Neubauten werden sich nach den Plänen der anderen See­mächte richten. Hoffnung auf eine Verminderung der Schlachtschiffe und gänzliche Abschaffung der ll-Boote.

Auch in Holland schwere Zusammenstöße zwischen Polizei und Kommunisten.

Amsterdam, 29. Juli. (DNB.) Die N a tio- nalsozialistifche Niederländische Ar­beiterpartei veranstaltete am Samstagnach­mittag in der Ortschaft Berg en Dal bei Nymwegen einenLandtag", zu dem etwa 2500 bis 3000 Mit­glieder erschienen waren. Dabei sind in Nymwegen Tagungsteilnehmer von marxi st ischen Hor­den in übel st er Weise angegriffen und mißhandelt worden. Betroffen wurden hauptsächlich in Westdeutschland ansäs­sige Holländer, von denen etwa tausend mit einem Sonderdampfer nach Nymwegen gekommen waren. Da hier nicht genügend Omnibusse zur Ver­fügung standen, und infolgedesien sich die Abfahrt

nack Berg en Dal nur langsam vollzog, wollten die Fayrtteilnehmer inzwischen die Stadt besichtigen. Auf den Straßen und an der Anlegestelle hatten sich Kommunisten zusammengerottet. Infolge der ftrenen polizeilichen Absperrungsmaß­nahmen konnten sie allerdings nicht bis zu dem Dampfer gelangen. Dafür wurde aber eine etwa zehn Mann starke Gruppe der Tagungsteilnehmer in der Stadt von einer großen Anzahl von Kommunisten ü b e r fa H e n. Die Angegriffenen waren gezwungen, sich in ein Caf6 zurückzu­ziehen. Das nutzte aber nichts, da die Kommunisten nicht davor zurückschreckten, das Lokal zu ftür- men. Im Innern kam es zu einem erbitterten

DerDaily Herald" wird berichtigt.

London, 30. Juli. (DNB. Funkspruch.) Das gestern vomDaily Herald" veröffentlichte angebliche britische Flottenbauprogramm für die nächsten 7 Jahre, das einen Kostenaufwand von 150 Mill. Pfund Sterling erfordern sollte, wird heute vom Marinekorrespondenten desDaily Tele­graph" als vollkommen aus der Luft gegriffen bezeichnet. Der Korrespondent führt aus, das Programm der Admiralität habe noch gar keine endgültige Form, da es voll­kommen von den Neubauten anderer Länder ab hängen werde, und da die britische Regierung sich ohne vorherige Ermächtigung durch das Parlament überhaupt nicht auf hohe Ausgaben festlegen könne. Es feien zwar mehreren fremden Regierungen in unverbindlicher Form Einzel­

heiten hinsichtlich der Zahl und der Typen von Kriegsschiffen, die England in den nächsten Jahren zu bauen gedenke, in vertraulicher Form mitgeteilt worden, aber das endgültige Ausmaß die­ses Programms lasse sich nicht fest setzen, bevor die Absichten anderer Seemächte zumindest annähernd bekannt seien. Um dies.e Informationen zu erhalten, habe die Admiralität auf diplomatischem Wege eine rein vorläufige Schätzung der britischen Marineerfordernisse der nächsten Zeit übermittelt, die sich auf die vorhandenen fremden Programme gründeten. Voläufig fassen aber we­der die Regierung noch die Admiralität ein end­gültiges Bauprogramm ins Auge. Der Korrespon­dent bezeichnet folgende Darstellung der Lage als zuverlässig:

1. Das einzige Ziel der Seepolitik der britische« Regierung ist die Verhinderung eines neuen Rüstungswettlaufes nach Ablauf der Gültigkett des Washingtoner Schlüsseloertrages