Ser Schöpfer
-er allgemeinen Wehrpflicht,
don Friedrich W. Heinz
Die Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht ruft die Erinnerung wach an die Zeit, in der z u m e r st e n M a l e ein ganzes Volk zum Militärdienst verpflichtet wurde. Es war in Preußens düsterster Zeit, als der geniale Heeresorganisator Scharnhorst die allgemeine Wehrpflicht zum Gesetz erhob.
Während noch die Ordnung der Erde unerschütterlich und unverrückbar scheint, wächst irgendwo in der Stille schon der Mann heran, der wie ein Naturereignis in sie hereinbricht und von Grund auf umge'staltet. Der Bauernsohn Gerhard Johann David Scharnhorst, geboren am 12.November 1755 zu Bordenau bei Neustadt in Hannover, war 14 Jahre alt geworden, als in Ajaccio ein Junge geboren wurde, der bei der Taufe den Vornamen Napoleon erhielt und dessen Vorfahren stau- fische Ritter der „buona parte", der „Guten Partei" gewesen waren. Weder die Eltern des Vierzehnjährigen, der auf dem hannöverschen Acker hinter dem Pfluge herging, noch die Eltern des kleinen Korsen auf der stillen Mittelmeerinsel dachten damals daran, daß ihre Söhne einstmals große Artilleriegeneräle werden würden, ja, daß der eine einstmals die Krone Frankreichs tragen und der andere, der niedersächsische Bauernsohn, ihm durch sein Werk und seinen Tod die Krone vom Haupte schlagen würde.
Im Jahre 1773 trat das Schicksal an den jungen Gerhard David Scharnhorst heran. Graf Wilhelm von Schaumburg-Lippe ermöglichte dem damals Achtzehnjährigen den Eintritt in die Kriegsschule auf dem W i l h e l m st e i n mitten im Steirchuder Meer. Auf einer künstlich aufgeworfenen Insel erhoben sich die Gebäude, in denen der junge Offiziersnachwuchs der hannoverschen Armee geschult und gedrillt wurde. Fünf Jahre lang verbrachte Scharnhorst seine Zeit in der Einsamkeit der Insel, in straffer Zucht der damaligen frideri- zianischen Heeresordnung, eingegliedert in die Kameradschaft junger Adliger aus Niedersachsen, die den Bauernsohn aus Bordenau zuerst etwas über die Schulter ansahen, sehr bald aber Achtung gewannen vor seinen außerordentlichen Fähigkeiten als Soldat.
Der junge Napoleon hatte noch nicht die Kriegsschule von Brienne bezogen, um dort zu einem Artilleristen von hohem Grade heranzuwachsen, als 1782 der Fähnrich Scharnhorst das hannoversche Dragonerregiment Estorf verließ, um zuerst Artilleriedienst in der aktiven Truppe zu tun und dann mit ungewöhnlich frühen Jahren zum Lehrer an der Artillerieschule in Hannover ernannt zu werden. Jetzt konnten sich die außerordentlichen wissenschaftlichen und pädagogischen Fähigkeiten frei entfalten, jetzt konnte aus' dem begeisterten Nursoldaten jener Führertyp werden, den die Armeen von damals hervorgebracht haben, und der uns sowohl unter den napoleonischen Generalen als auch in Gneisenau, Elausewitz und Boyen entgegentritt in der Gestalt des universellen Soldaten, der Feldherr, Gelehrter, Schriftsteller und geistiger Führer seiner Zeit zu nennen war.
Die alte Lineartaktik Friedrichs des Großen bewährte sich nicht mehr vor den aufgelockerten Schützenschwärmen der französischen Infanterie, die ungeheuer beweglich geworden war und infolgedessen alle entgegengestellten und schwerfällig operierenden Armeen der alten europäischen Monarchien über den Haufen rannte. Scharnhorst erkannte die Notwendigkeit einer grundlegenden Heeresreform sehr früh. Er begriff, daß mit gepreßten Söldnern nicht mehr Krieg zu führen war gegen die nationalistisch entflammten Regimenter der napoleonischen Garde. Das Offizierkorps Preußens war überaltert, die Befehlsverhältnisse waren unklar, die Bewaffnung und Ausrüstung machte die preußische Armee der französischen unterlegen. Während man in der Umgebung des preußischen Königs, zumal unter dem Eindruck der unseligen Kabinettsräte von Haug- witz und Beyme, daran glaubte, mit Napoleon zu einem engen Friedensbündnis gelangen zu können, sah Scharnhorst mit seinem Weitblick den Gang der Entwicklung voraus. Schon im Jahre 1803 setzte er sich für eine großzügige Heeresreform ein, wurde jedoch von dem verkalkten Führerkorps der preußischen Armee als Revolutionär und Jaco- biner abgelehnt und mußte in den Truppendienst zurückkehren. Inzwischen nahm das Verhängnis seinen Lauf. Napoleon eilte von Sieg zu Sieg. Scharnhorst mußte es erleben, wie die Niederlage über das alte Preußen hereinbrach, ohne daß er etwas dagegen unternehmen konnte.
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Das Jahr 1806 brachte die kriegerische Entscheid düng. Prinz Louis Ferdinand fiel bei Saalfeld, die Unfähigkeit der Oberkommandierenden der preußischen Armee brachte es fertig, gegen Napoleon nur einen Teil der Streitmacht einzusetzen, anstatt Scharnhorsts Ratschlag zu folgen und Napoleon von beiden Flanken her anzugreifen und zu vernichten. Scharnhorsts Befürchtungen erwiesen sich vollauf berechtigt, er, der das Rezept des Sieges in seiner Satteltasche trug, mußte es erleben, wie bei Jena und Auerstädt Preußens glorreiche Fahnen in den Staub sanken und die preußische Armee sich auflöste. Auf dem Rückzug schloß sich Scharnhorst, der als Generalstabschef des Herzogs von Braunschweig nicht zur Durchführung seiner Schlachtpläne gekommen war, dem Blücher- schen Korps an und marschierte quer durch Norddeutschland nach Lübeck. Erst als Munition und Lebensmittel ausgegangen waren, ergab sich auch dieser Heeresteil, nachdem in schmachwürdigster Weise eine Festung nach der anderen an Napoleon ausgeliefert worden war. Es duldete den unter der Schande seines Landes leidenden Scharnhorst nicht lange in der Gefangenschaft. Er ließ sich austauschen und fochk im Winter 1806 bei Preußisch- E y l a u mit. Bereits hier hielt die preußische Armee den Franzosen ganz anders stand als bei Jena. Dennoch konnte auch der Winterfeldzug das Schicksal Preußens, gedemütigt und unterworfen zu werden, nicht mehr wenden.
Der Friede von Tilsit verkleinerte Preußen auf die Gebietsteile östlich der Elbe. Die Armee mußte reorganisiert werden. Die alten Formen waren durch die Kriegskunst Napoleons zerschlagen worden. Scharnhorst sah aber jetzt seine Stunde gekommen, er, der kleine Bauernsohn aus dem Hannoverschen, wurde zum großen Gegenspieler Napoleons. Friedrich Wilhelm machte ihn zum Vorsitzenden der Militärreorganisationskommission, zugleich wurde Scharnhorst mit der Leitung des Kriegsdepartements, des späteren Kriegsministeriums, beauftragt. Nun konnte er seine Gedanken für die Neuerrichtung des Heeres durchführen: das Krümper-Sy st em der kurzfristig
In Anwesenheit zahlreicher bekannter Vertreter des künstlerischen und gesellschaftlichen Lebens Deutschlands und Polens fand die feierliche Eröffnung der von der polnischen Regierung in Gemeinschaft mit der preußischen Akademie der Künste i n den Räumen der Berliner Akademie veranstalteten polnischen Kunstausstellung statt, die einen ebenso umfassenden wie eindrucksvollen Ausschnitt des künstlerischen und kulturellen Wollens der polnischen Nation gibt. Die Bedeutung dieser Ausstellung von Kunstwerken des benachbarten und befreundeten Staates in der deutschen Hauptstadt wurde betont durch die Anwesenheit des Führers sowie des polnischen Botschafters L i p - s k i an der Spitze des gesamten Botschaftspersonals.
ausgebildeten Rekruten, die Vermehrung des Waffenmaterials, die Modernisierung der Artillerie und schließlich die Schöpfung der allgemeinen Wehrpflicht. Scharnhorst hatte erkannt, daß Napoleon als Erbe der französischen Revolution niemals durch staatliche Mittel allein, sondern nur durch die Mobilisierung der Volksenergie überwunden werden konnte. So stellte er die Jungmannschaft Preußens in den Dienst der Landesverteidigung, so schuf er die Landwehrregimenter. Das Linienheer wurde bedeutend' vermehrt, die technische Waffe wurde ausgebaut, die freiwilligen Jägerkorps, vergleichbar etwa mit den deutschen Freikorps von 1919, wurden heimlich aufgestellt.
In Rußland zerbrach Napoleons Macht. Scharnhorst forderte damals schon, im Jahre 1812, die preußische Volkserhebung. Aber erst im Frühling ließ der König seinen Aufruf „An mein Volk!" ergehen und dann konnte die neugeschaffene preußische Armee beweisen, was sie unter Scharnhorst gelernt hatte. Scharnhorst selbst aber sollte den Tag der Freiheit nicht mehr erleben. B e i Großgörschen, wo Napoleon noch einmal zwar siegte, aber sein berühmtes Wort sprach: „Das sind die Tage von Jena nicht mehr!", wurde Scharnhorst verwundet. Trotz dieser Wunde eilte er nach Wien, um Oesterreich als Verbündeten zu gewinnen, da Preußen allein zu schwach war, den Kampf gegen Frankreich zu führen. In Prag aber trat der Wundbrand zu seiner Verletzung hinzu und beendete am 28. Juni 1813 ein Leben, das richtungweisend geworden ist für die Entwicklung der gesamten preußischen Armee und die Haltung des Offizierkorps. Scharnhorsts große Bedeutung als weitsichtiger Organisator, als Schöpfer der allgemeinen Wehrpflicht und als Meister der Kriegskunst ist auch heute noch lebendig. Er hat bewiesen, wie ein unterdrücktes und geknechtetes Volk in planmäßiger Vorbereitung sich seine Freiheit erkämpfen kann, wenn es niemals den Glauben an die Freiheit verliert und dem Worte lebt: „Auf den Opfern und den Waffen ruht der Sieg!"
Außerdem waren anwesend: Reichsaußenminister Freiherr von Neurath, Reichserziehungsminister Rust, Ministerpräsident General Göring, Staatssekretär Meißner.
Der Präsident der Akademie, Prof. Schumann, begrüßte mit besonderer Freude den Führer und Reichskanzler in diesem Hause der Kunst. Schumann hob hervor, daß nicht nur auf dem Gebiete der bildenden Kunst seit langem enge Bande zwischen Polen und Deutschland geschlossen seien, sondern daß dies auch auf dem Gebiete der Musik gelte, wie die Liebe und Verehrung des deutschen Volkes für den polnischen TonkUstler Chopin zeige. Botschafter L i p s k i dankte dem Führer und Reichskanzler für das besondere Interesse und die Unter-
sstützung, die der Führer diesem Werk der deutsch- polnischen Annäherung persönlich entgegenbringe. Der Botschafter sprach weiter über die Entwicklung der polnischen bildenden Kunst in der Nachkriegszeit und betonte dabei, die nationale Tendenz der polnischen Kunst des 19. Jahrhunderts spiegele sich heute wieder in dem Bestreben, die Elemente des Heimischen und Völkischen hervorzuheben. Schließlich regte der Botschafter eine Ausstellung deutscher Kunst in Polen an, die Polen herzlich begrüßen würde.
Gießener Stadttheater-Orchester wird Kur-Orchester in Homburg.
Dom dramaturgischen Büro des Stadttheaters wird uns geschrieben:
Unser Stadttheater-Orchester unter der Stabführung von Kapellmeister Fritz Cuje und mit Franz K e r z i s n i k als Konzertmeister hat auch in der zweiten Spielzeit seines Bestehens in weitestem Umfange den Beweis erbracht, daß es in jeder Hinsicht allen Anforderungen entsprochen und jede ihm gestellte Aufgabe künstlerisch gemeistert hat. Das Orchester, das erst mit Beginn der Spielzeit 1933/34 gegründet wurde, dank der tatkräftigen Initiative und des Entgegenkommens der Stadtverwaltung, mußte sich naturgemäß erst kennenlernen, miteinander Fühlung nehmen, um sich gegenseitig künstlerisch so ergänzen zu können, daß diese 23 Mann als festgefügter Klangkörper für das Musikleben der Stadt Gießen einen wesentlichen Faktor bilden. Schnell hat dieses junge Orchester auch über die Grenzen unserer Stadt hinaus seinen Ruf zu festigen gewußt. Wiederholte Rundfunk- konzerte im Reichssender Frankfurt vermitteln auch der weiteren Umgebung Proben musikalischen Könnens unseres Orchesters. Ein erneuter Beweis für das Vertrauen, das man dem Orchester des Stadttheaters Gießen gibt, dürfte die Verpflichtung unseres Orchesters bilden, ab 16. Mai bis 15. September 1935 in Homburg v. d. Höhe unter der Leitung von Musikdirektor Kurt John (Dresden), dem früheren Leiter des Kurorchesters Bad Pyrmont, als Kurorchester den Sommer über zu wirken.
Wenn wir kurz nochmals rückschauend die Tätigkeit unseres Orchesters in dieser Spielzeit 1934 35 überblicken, so läßt sich bis jetzt feststellen, daß nach einstimmigem Urteil der Pressekritiken auf allen musikalischen Gebieten sehr beachtliche Leistungen zu verzeichnen waren und schöne Erfolge erzielt wurden. Der Spielplan 1934/35 sah bis jetzt drei Opern: Verdi, „La Traviata" (Leitung Cuje); Weber, „Der Freischütz" (Generalmusikdirektor Stöver, Bad-Nauheim, als Gast); Böttcher, „Salambo" (der Komponist hatte selbst die musikalische Einstudierung und Leitung übernommen). An Operetten verzeichnete der Spielplan: Strauß, „Der Zigeunerbaron"; Neddal, „Polenblut"; Sanner, „Alt Wien"; Lehar, „Land des Lächelns"; Walter W. Goetze, „Vier Schlaumeier" und „Der goldene Pierrot"; Künnecke, „Vetter aus Dingsda". Außerdem Bühnenmusik in verschiedenen Werken des Schauspiels. Die Lösung in der Frage des Konzertlebens der Stadt Gießen durch das Stadt- theater-Orchester in Gemeinschaft mit der Reichswehrkapelle und hem Konzertverein dürste als glücklich zu bezeichnen sein. Das beweisen die bisherigen drei Symphonie-Konzerte mit Werken von Weber. R. Strauß, Schumann, Schubert und Mozart (Leitung: Professor Dr. Temesvary und mit Ria Ginster als Solistin); mit dem Programm Wagner-Liszt (Leitung: Obermusikmeister K r a u ß e und dem Pianisten E. F l i n s ch als Gast) und mit der Wiedergabe von Beethoven und Mozart (Leitung: Professor Dr. Temesvary und H. Kraus als Gast); ferner Bach-Händel- Feier in der Stadtkirche (Leitung: Professor Dr. Temesvary).
Auch die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" veranstaltete zwei Konzerte, die dem Orchester des Stadttheaters übertragen wurden und so den Musikern Gelegenheit boten, für einen weiten Kreis von Volksgenossen zu Vermittlern deutschen Kulturgutes zu werden und Kulturaufgaben des Staates zu übernehmen und durchzuführen. Die Zahl der Rundfunkkonzerte hat sich auch auf vier erhöht und inzwischen sind Verhandlungen zum Abschluß gekommen, wonach unser Orchester am kommenden Sonntag abermals im Rundfunk zu hören sein wird.
Jedenfalls ist aus diesem vorläufigen Bericht unseres noch jungen Orchesters ersichtlich, daß der künstlerische Weg rastlos und unermüdlich aufwärts geht, und daß das Stadttheater Gießen ein tüchtiges Orchester fein eigen nennt.
Eine polnische Kunstausstellung in Berlin
feierliche Eröffnung in Gegenwart des Führers.
Scherl-Bildmaterndienst
Der Präsident der Akademie der Künste S ch u m a n n (rechts am Rednerpult) hielt die Eröffnungsrede. In der ersten Reihe von links nach rechts: Botschafter Lipski, der Führer, Ministerpräsident Göring, Reichsminister Ruft.
Bekanntmachung.
Der Stadtrat hat dem Entwurf einer neuen Ortssatzung über die Erhebung einer Vergnügungssteuer in der Stadt Gießen zugestimmt. Der Satzungsentwurf liegt vom 30. März 1935 während einer Woche auf Zimmer 12 des Stadthauses, Bergstraße, zur Einsicht offen. Während der Offenlegung können Einwendungen gegen die Ortssatzung bei der Bürgermeisterei schriftlich ober zu Protokoll vorgebracht werden. 1852C
Gießen, den 29. März 1935.
Bürgermeisterei Gießen. Ritter, Oberbürgermeister.
Bekanntmachung.
Dienstag, den 2. April 1935, findet in Gießen Rindvieh- (Nutzvieh-) Markt statt. Auftriebszeit von y28 bis Uhr vormittags. Sämtliches Vieh wird gegen Maul- und Klauenseuche schutzgeimpft.
Nächster Schweinemarkt: Mittwoch, den 17. April 1935. 1819C
Gießen, den 30. März 1935.
Bürgermeisterei Gießen.
I. V.: Dr. Ham m, Bürgermeister.
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Gießen, den 29. März 1935.
Hessisches Forstamt Gießen.
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