Mittwoch, SO. Zanuar 1935
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen)
Hr.25 viertes Blatt
Am Grabe des Hitlerjungen Horst Alarchwinski
iHv dort W
Gerlinde ging mit hinunter. Gsielas Koffer waren schon am Nachmittag abgeholt worden.
Unten im Wagen saß Doktor von Sachs. Er stieg aus, alß die Mädchen kamen.
^Behüte» Sie mit weim Schwester Gerlinde
Gerlinde blieb immer dieselbe. Geduldig trug sie die Last, die das Schicksal auf ihre zarten Schul- tern gelegt hatte; und sie hatte für die Mutter immer ihr altes, sonniges Lächeln, auch wenn sie innerlich manchmal am Zusammenbrechen war.
Wie gut! Das Kind scheint in seiner sonnigen Art die ganze Schwere ihres Schicksals doch nicht o zu empfinden!, dachte Frau Steinbrück dann und war ein wenig getröstet.
Sie fühlte nur zu gut, daß ihre Tage gezählt waren. Darüber trösteten alle Worte und Medikamente des Arztes nicht hinweg. Ihren Stuhl mit der bequemen Rückenlehne und den Armlehnen konnte Frau Steinbrück schon seit acht Tagen fast gar nicht mehr verlassen. So saß sie denn untätig und sah hinaus in den Tanz der wirbelnden Schneeflocken. Der Winter hielt unheimlich lange an in diesem Jahre. Seit Mitte Dezember dauerte schon diese grimmige Kälte, und jetzt schrieb man bereits den 27. Januar. Frau Steinbrück zählte die Stunden, bis Gerlinde kam. Das Kind, dieses Kind — wie ein Gnadengeschenk erschien der Mutter Gerlinde in ihrer kindlichen Reinheit des Herzens, über das sie selber nun bald nicht mehr in mütterlicher licher Liebe würde wachen können.
Mit müden Händen griff sie nach der Zeitung, die die Wärterin sorglich bereitgelegt hatte, während sie draußen in der Küche sauber machte. Mechanisch blätterte sie. Nichts schien ihr Interesse mehr zu wecken. Es war, als ob sie schon ganz mit dieser irdischen Welt abgeschlossen hätte. Und doch drehte sie auch das letzte Blatt noch herum, vielleicht nur in dem schwachen Drang, etwas zu tun, nicht ganzmüßig zu sein. v ,
Plötzlich wurden ihre Augen groß und beinah starr. Ganz fett gedruckt stand da:
Gesucht!!!
äußerster Anspannung aller Kräfte niemals ein» treten. Bei der Erzeugungsschlacht könne es sich produktionspolitisch nur darum handeln, den nötigsten Bedarf selbst hervorzubringen. Damit würde aber die Voraussetzung geschaffen für Deutschlands Unabhängigkeit auf nahrungspolitischem Gebiet vom Ausländ. Die Landwirtschaft solle auch im Interesse der industriellen Rohstoffversorgung, also im Interesse von Millionen deutscher Arbeiter, für weitere Devl- senersparnis sorgen. Die Landwirtschaft habe bereits eine Ersparnis von 4 Milliarden Mark ermöglicht. Die Erzeugungsschlacht schaffe aber auch neue A r b e i t s'm ö g l i ch k e i t e n , denn wenn sich das Einkommen der Bauern infolge des intensiveren Anbaues erhöhe, werde auch ihr Bedarf größer werden. Es komme bei der Erzeugungsschlacht nicht darauf an, daß die Anbaufläche, z. B. für Weizen, erhöht werde, sondern darauf, daß aus der vorhandenen Bodenfläche die größte Leistung herausgeholt werde. Das Bauerntum schicke sich an, mit der Erzeugungsschlacht zur Gewinnung der Nahrungsfreiheit erneut zu beweisen, daß es sich seiner Stellung und seiner Aufgabe im Staat bewußt ist, daß es daran arbeiten will, Deutschland frei und unabhängig und zu dem zu machen, was Adolf Hitler will, zu dem Staat der nationalsozialistischen Weltanschauung.
Das vom Referenten in der Abteilung IV des Reichsministeriums für Dolksaufklärung und Propaganda, Braekow, Berlin, behandelte Thema „Die Landesstellen und die Pressepolitik des Reichs" beleuchtete in der Hauptsache interne Angelegenheiten der Pressearbeit. Der Referent schilderte die Organisation der Landesstellen und ihre Aufgaben und kam ausführlich auf die Pflichten der Schriftleiter zu sprechen. Das Schriftleitergesetz gebe dem Schriftleiter ein ganz neues Berufsethos. Er sei von der bisherigen Abhängigkeit gegenüber wirtschaftlicher Beeinflussung befreit und nur dem Staat gegenüber abhängig. In einem sich anschließenden kameradschaftlichen Zusammensein hatten die Vertreter der Presse Gelegenheit zu einer Aussprache mit den Referenten, von der ausgiebig Gebrauch gemacht wurde. __________________
Graf Karl von Nyssen sucht seine Tochter, Frau Klara Steinbrück, geborene Gräfin von Nyssen, oder irgendwelche Nachkommen aus der Ehe seiner Tochter mit dem Bildhauer Waldemar Steinbrück. S o - f artige Mitteilungen dringlichst gegen hohe Belohnung an Graf Karl von Nyssen. Schloß Buchenrode (Thüringen).
Ein unheimlicher, gurgelnder Laut zerriß die Stille des kleinen Zimmers. Die Zeitung fiel zu Boden Frau Steinbrück sackte zusammen, schlug vom Stuhl herunter und prallte hart auf den Die- l?" Mein Gott, mein Gott, was ist denn? Ach bi« liebe Zeit — ach je, ach je ..." Die Pflegerin kam aus der Küche herübergerast. Sie zitterte von Schreck an allen Gliedern. Ganz deutlich hatte sie den dumpfen Fall gehört.
i ^Fortsetzung folgt!)
Unter großer Beteiligung fand in Neukölln bei Berlin die Beerdigung des durch einen Verkehrsunfall ums Leben gekommenen Hitlerjungen Horst M a r ch w i n s k i statt. Reichsminister R u st legte einen Kranz im Namen des Führers nieder und gab einen kurzen Rückblick auf den Weg der Bewegung, der von Gräbern umsäumt ist. Der durch Krankheit verhinderte Reichsjugendführer
Baldur v. Schirach ließ ebenfalls einen Kranz niederlegen. Der Führer des Gebietes Berlin, Ober- qebietsführer Axmann, ermahnte die Jungen, im Sinne des Toten weiterzuarbeiten, der ein Vorbild an Pflichterfüllung war. Große Scharen von Hitlerjungen, Jungvolk und BdM. gaben dem Toten das letzte Geleit. — Unser Bild zeigt Reichs- minifter Ruft am offenen Grabe.
Reichsminister Geldte zum 30. Januar.
Nürnberg, 29. Jan. (DNB.) Im „Fränkischen Kurier" gedenkt Reichsminister S e l d t e des Tages des 30 Januar, den er einen doppelten wunderbaren Abschluß nennt. Der 30. Januar war aber auch der Tag eines neuen historischen Anfangs. Adolf Hitler rief das ganze deutsche Volk auf. Er rief alle, d i e guten Willens waren und sind zum gemeinsamen selb st losen Dienst an der Zukunft des Vaterlandes auf. Das ganze deutsche Volk war Soldat genug, Adolf Hitlers Ruf zu hören und zu folgen. Und nur durch den vom Führer gewollten Einsatz aller ist es gelungen, die Schwungkraft zu erzeugen, mit der das deutsche Volk das nationale Unglück der Verarmung an Arbeit überwand und vollends überwinden wird. Wir wollen nie die vom Führer und Reichskanzler so tatkräftig aufgenommene Parole Hindenburgs zur echten und wahrhaften Einigung des deutschen Volkes vergessen, und wir wollen helfen, daß die beiden starken Säulen des neuen Reiches, die B e - w e g u n g und die Wehrmacht, von jedem Deutschen in ihrer Notwendigkeit anerkannt und nach besten Kräften gefördert werden. Dem Führer haben wir in Treue unsere Mitarbeit im neuen Reich gelobt und diesem unseren Führer Adolf Hitler rufen wir alten Frontsoldaten ein Frontheil zum 30. Januar 1935 zu.
sah den Mann flehentlich an, und ihre Worte erstickten beinah in Tränen. ..
„Ohne Sorge, meine Gnädigste. Ihre Schwester ist aus anderem Holz als Sie. Die geht nicht unter", sagte Doktor von Sachs lächelnd, aber Gerlinde fand, daß fein Gesicht etwas Satanisches hatte in dieser Sekunde, und sie hatte das Gefühl, als ob sich die Schwester dem Teufel ausgeliefert
Noch einmal umarmten sich die Schwestern. Dann gab Gerlinde Doktor von Sachs die Hand.
„Also nochmals, Prost Neujahr, Gnädigste! Die restlichen Fünfhundert bekommen Sie im Januar pünktlich." r , . „r. s
Gerlinde nickte nur. Dann fuhr der Wagen da- D°ßanqfam tappte sich Gerlinde ins Haus zurück. Noch immer läuteten die Silvesterglocken, ©ernnbe aber empfanb nichts Frohes bei ihren Klangen, fonbern nur tiefen Schmerz. Wenn sie sich mit Gisela im letzten Jahre auch nicht mehr so gut verstauben hatte, war es aber boch bie Schwester, mit der sie bie Kinberzeit verlebt, mit ber sie Freub unb Leib geteilt hatte. Ein Stück von ihrem Herzen war mit Gerlinbe bavongegangen.
Oben saß sie noch eine ©tunbe mit ber Mutter beisammen. Dann gingen sie zu Bett.
Giselas Bett lag unberührt. So fremb, so leer schien Gerlinbe plötzlich bas kleine Schlafzimmer Sie wühlte sich in bie Kissen unb schluchzte all ihren Schmerz hinein, währenb ber Nachtexpreß Berlin—Paris bie Schwester ins neue Jahr hm- , eintrug, ins neue, lachenbe Leben ...
9. Kapitel.
Pressekonferenz der Landesstelle Hessen-Nassau.
Eine Ansprache des Gauleiters. - Oie gesamte deutsche presse im Dienst des nationalsozialistischen Staats.
Es war alles so gekommen, wie Gerlinbe Steinbrück es in bumpfer Angst vorausgeahnt hatte. Die Gesunbheit ber lieben Mutter ließ immer mehr zu wünschen übrig. Voller Unruhe ging Gerlinbe am Morgen ins Geschäft, unb voller Unruhe kehrte sie abenbs mit eiligen Schritten heim.
Die tausenb Mark, bie sie für ben Verkauf ihres Wagens erhalten hatte, brachte sie auf bie Spar» kaffe An einen Umzug war jetzt im Winter noch nicht zu benfen, unb ber Zustanb ber Mutter war augenblicklich so, baß ber Spezialarzt, ben Gerlinde zu Rate gezogen hatte, davon abriet ^rau Steinbrück in ein Bad für Herzkranke zu schicken.
Gerlinde hatte wirklich eine Pflegerin für die Mutter nehmen müssen. Es war eine ältere, aber noch rüstige und sehr bescheidene Frau die immer gleichmäßig freundlich und gewissenhaft ihre Arbeit versaß, so daß Gerlinde wenigstens in dieser Einsicht beruhigt sein konnte.
Ack mein Mädelchen, was hast du für Kummer und Sorge mit mir!" klagte Frau Steinbrück oft und betrachtete mit nassen Augen die fluchtigen Kartengrüße, die Gisela aus Paris schickte, und die immer' begeistert davon sprachen, wie herrlich es
Gisela trat vom Fenster zurück und griff nach ^^Die ^Henkersmahlzeit!" sagte sie in einem Anflug von Galgenhumor „Na, denn Prost-Neiyah .
„Gott segne uns allen das neue Jahr D d) nicht nur uns, sondern dem ganzen deutschen Boi e fflflta grau Steinbrück wterrH. »VerM deins
Bei dieser ungeheuren Arbeit soll — und das ist auch der Wille des Führers — jeder nach seiner Art und seinem Können mitwirken. Ich möchte betonen, daß insbesondere auch mir nicht erwünscht ist, im Gau eine uniformierte Presse zu haben. Die Vielgestaltigkeit des heutigen Staatslebens erfordert von jedem einzelnen eine verschiedene Stellungnahme. Gerade das Aufeinandertreffen der verschiedenartigen Betrachtung gibt ja erst letzten Endes die Möglichkeit zu einer einheitlichen Zusammenfassung. Die Betreuung der Presse ist dementsprechend von zwei Gesichtspunkten aus zu sehen: Der Staat hat die Verpflichtung, von sich aus dafür zu sorgen, daß zwar nicht eine uniformierte, aber eine einheitliche Vertret u n g aller Belange des Volkes zutage tritt. Für die Parteipresse und für die Belange der Partei ist eine besondere Einrichtung geschaffen worden. Während auf der einen Seite der Staat im Ministerium für Volksaufklarung und Propaganda die gesamte Betreuung der Presse hat, ist es auf der andern Seite die Partei, die für die Parteiprefse ihre besondere Organisation hat^die^
alle Belange, die die Partei angehen, der Presse übermittelt. Beide Stellen sind durch die Art der Arbeit gezwungen, einhellig zusammenzuarbeiten. Durch diese Zusammenarbeit unb vielfach durch Personalunion ist aber sichergestellt, daß ich am Beginn des dritten Jahres der national» ozialistischen Regierung sagen kann: Die national» ozialistische Presse ist mit ein Kampfmittel der NSDAP., die insbesondere das Wollen des Nationalsozialismus und damit den Willen des Führers in die letzte Hütte, in bie letzte Wohnung ber Großstabt hineinträgt. Darüber hinaus wirb bie gesamte Presse, also auch die der Partei nicht angehörige, ihre Ehre drein setzen, i n enger Zusammenarbeit mit der natio- nalsozialischen Presse dieses Werk und diese Aufklärung so vollkommen zu gestalten, daß der letzte Volksgenosse davon erfaßt wird, so daß im dritten Jahr der nationalsozialistischen Regierung es Tatsache werden wird, daß die g e- s a 'm t e d e u t s ch e P r e s s e i m D i e n st steht d e r beherrschenden Idee des national» sozialistischen Staats, im Dienst der nationalsozialistischen Weltanschauung.
£anbedbouernfüf>rer Nr. Wasner
behandelte sodann das Thema „ D i e Erzeu„» gungsschlacht des Reichsnährstandes . Das gesamte deutsche Volk müsse dazu beitragen, um die Erzeugungsschlacht zum Siege zu führen. Deshalb müsse sich auch die Presse aus innerster Ueberzeugung in den Dienst der Sache stellen. Der Warenaustausch mit dem Ausland solle nicht unterbunden, sondern nur in gesunde Bahnen gelenkt werden. In einem 60-Mil- lionen-Volk könne eine Ueberproduktion selbst bei
Aufgaben der Rechisresorni.
Berlin, 29. Jan. Der „Völkische Beobachter" veröffentlicht eine Unterredung mit Reichsminister , Dr. Frank. „Im Vordergrund meines Werkes", : so sagte der Minister u. a., „steht der mir vom Füh- • rer gegebene Auftrag, die Rechtsreform na- - tionölsozialistischzuüberwachen. Mein Interesse gilt gegenwärtig vornehmlich dem A u s - j bau des deutschen Strafrechts. Der amt- liche Ausschuß hat mir nunmehr seinen Entwurf zugestellt, der aber noch wesentlicher A e n - berungen bebarf, bie in Zusammenhang mit ber Akabemie für beutsches Recht erfolgen müssen." Der Ausbau ber Strafprozeßorbnung, ber Arbeitsgesetzentwurf unb bie Kobi- fizierung bes Wasserrechtes find befonbers weit vorwärts getrieben.
Auf bem Gebiet bes bürgerlichen Rechts stehen im Mittelpunkt bes Interesses bie Reform bes Ehefcheibungsrechts. Ob es in nationalsozialistischem Sinne tragbar ist, eine völlig zerrüttete Ehe ohne Verschulben zu scheiben, also an bie Stelle bes reinen Schulbprinzips bas objektive Eheaufhebungsprinzip zu fetzen, ist eine befonbers schwierige Aufgabe, wenn Kinber in der Ehe vorhanben finb. Der nationalsozialistische Staat ist ein Staat bes Volkes, er hat baher ein Interesse an ber Fruchtbarkeit ber Ehe unb an ber weitgehenben Sicherung bes Mutter- undKinberrechts. Zuerst steht baher bie un - bedingte Pflicht der Eltern für bie Kinder zu sorgen. Diese Pflicht stellt stets einen hervorragenden Gesichtspunkt für die Aufrechterhaltung ber Ehe im Interesse ber Volksgemeinschaft bar. Derwanbt mit biefem Problem ist die Frage nach bem Recht des unehelichen Kindes. Die nationalsozialistische Regierung erstrebt einen sorgfältigen Ausgleich in dieser Frage. Sie sieht die Ehe als grundlegende natürliche Einrichtung der Volksgemeinschaft an, die es zu sichern und auszubauen gilt. Ethisch gesehen ist die Mut- t e r s ch a f t schlechthin als ein F u n b a m e n t ö e r Gemeinschaft zu betrachten. So hat auch die uneheliche Mutter Anspruch auf beson- bern Schutz. •
Frankfurt a. M., 29. Jan. Im Frankfurter ! Rathaus waren Schriftleiter fast sämtlicher Zei- < tungen im Bereich ber Landesstelle Hessen-Nassau | des Reichsministeriums für Volksaufklärung und i Propaganda zu einer Pressekonferenz versammelt. । Diese Konferenzen sollen in Zukunft allmonatlich । flattfinben. Sie verfolgen den Zweck, alle fragen zu klären, die in ber Arbeit ber Presse für Staat unb Volk von Bedeutung sind.
Michsstatthatter
und Gauleiter Sprenger
sprach einleitend kurz-über die Ausgaben der Presse. Die Presse, so führte der Gauleiter aus, steht wie alles andere im Dien st des Volkes und damit im Dienst des Staates. Ich danke Ihnen allen, daß Sie in diesen zwei Jahren der nationalsozialistischen Regierung, jeder an seiner Stelle und jeder in dem Rahmen, in den er gestellt ist, alles getan haben, um m i t z u a r b e i t e n am Wiederaufbau des gesamten Volkslebens und am Wiederaufbau des deutschen Ordnungsstaats.
N r I Heimat nicht im fremden Lande, meine Gisela!"
frtlf tdTl Durch das geöffnete Fenster drangen die mach-
iUjUV |vll lUf Vvllll tigen Glockenstimmen. Da klangen die drei Glaser
mit einem State? Swä
ROMAN VON KÄTHE METZKER. gS *" ” """
Urheberrech,-schütz: Füns-Türme-B-rlag. Halle (6.). Margen würden da nur^zwe. «s
21 Fortsetzung Nachdruck oerboten! miteinander gegessen hatten, nur zwei Bestecke,
Die Schwester öffnete Gerlinde die Tür. Sie nur zwei Tassen ... Unb bas rourbe bann immer war schon im Reisekleib. Wieber burchzuckte Ger- so fein. Hätte sie boch bleiben \ollen.
linde der alte Schmerz. Doch dann wurde sie ruhi- Aber Gisela zwang diese Regung hinab. -Wenn
ger, als sie der Mutter gegenüberstand, die ihr ihr Leben der Kunst schenken wollte, 1PuBte.Jie heute wohler aussehend und auch wunderbar ge- hart bleiben. Das dumme Mädelchen wußte nicht, faßt schien. daß viel mehr als die Kunst ihre eigene Sucht nach
Unb doch schlichen die Stunden. Gisela wollte den Reichtum und Ruhm es war, die sie m die Fremde
Nachtschnellzug benützen, der 12.45 Uhr von Berlin hinauszog. Oder — sie wollte es nicht wissen? wegsuhr. , . , . .. s . Leise ging sie hinaus. Es war soweit. Die Ab-
„Mutti, Linde ... Freut euch doch - denk doch, ' « » ^ar da. .
morgen abend tanze ich schon m Paris! Ihr ~ Reisemantel und die Kappe in der Hand, braucht wirklich nicht bange zu sein. Ich bin doch „ wieder ins Zimmer.
nicht in Afrika bei den wilden Löwen, andern in w' ^ stürzte Gisela auf die Mutter
einer Stabt höchster Kultur - in Pans , ersuchte "^unG n .^8 an öercn Brust. „Denk sie bie Stimmung zu Heven. an wich' Immer — auch bu, ßinbe —, vergeßt
„Du willst unbebingt oufbleiben, Muttchen. Schlechte nicht' Ich weiß, ich war nicht immer Strengt es bich nicht zu sehr an? fragte ©erlrnbe $ G ^ält Vielleicht wirb's besser,
sorglich bie Mutter, bie sich ben ganzen 21benb schon ^enn jd) mieber he'imkomme ..." Gisela schluchzte ^Mein,^Linbe, laß schon!SilvesteriftJo em et^= K^^^e mutter unb Gerlinbe konnten ihre ner Tag. Man weiß nicht, ob b ä) „ Tränen nicht hemmen.
mal so zusammen verlebt. EmJahr ist.lang, Die Mutter ging an ben Schreibtisch, nachdem sagte Frau Steinbruck mit^mildemi Lächeln bas behutsam aus Giselas Umarmung fretge-
burchsichtiges Gesicht wundersam verschonte, ia fast hatte, unb nahm ein kleines, schmales Buchverklärte. v ™ r x« tinf itnh bp- lein heraus. Reiselektüre? Nein.
Gegen zwölf Uhr stanb Gerlinbe auf und - e5 ift bas Beste, was ich dir mrh
reitete einen dünnen Punsch. Ger- geben kann. Wenn du treu bleibst, wird es dich
Der Zeiger ber Uhr ruckte uneniwegi .. . Ueffer beschützen als Mutterhänbe es können. Lies
linde kam aus der Küche zuruck und stellte ,ch J fti(len Stunden in di-Iem Buch,
gend die Glaser aus den T ch. zeigte, dann brauch- ich nicht bang- um dich zu sein.
Seiner {prad’ em W°rü Als die M Wenn du glaubst, stehst du in Gattes Schutz. Dann
öffnete Gisela bas Fenster. $ ar n0£h nicht kann bir nichts geschehen.
einer Prosit. Noch einer. Aber es war nocy n ; । Testamentchen an sich,
soweit. , f. k»mb — 1. Joh. 4 2" hatte bie Mutter mit ihrer fernen
"Eine Minute noch", sagte' ^Ämde le s , I $anbf$rift eingetragen. Wcfjts weiter- Sifela fannte ihr war, als zöge in biefer emen ’aRmute noeg Bibelstelle nicht. Nun, sie würbe sie spater
mal blitzschnell alles an ihr wruber, was Das d i hatte ihr bie Mutter bamit etwas
gangene Jahr an Leib und Sorgen gebracht yan moIIenö
Dann begannen die Glocken zu kling • Unten klang deutlich die Hupe eines Wagens,
leise, bann immer mächtiger tönten ihre fernen ba _ Doktor von Sachs. Jetzt muß ich
Stimmen über bie Weltstadt. Das Jahr w ", |agtc Gisela. Noch einmal bedeckte sie die
Wangen der Mutter mit zärtlichen Küssen, bann riß
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