gerosteten Semmelkrumen. Dann wird der Teig tzu einer dicken Rolle geformt, in etwa 8 Zentimeter breite Streifen geschnitten, diese an den Schnittflächen zusammengedrückt und in Salzwasser im offenen Topf 10 bis 15 Minuten gekocht. Statt der Semmel kann man auch Fleischreste oder Schinken nehmen. Gibt man die Wickelklöße zu Obst, trägt man sie mit brauner Butter oder gerösteten Speckwürfeln auf.
Klöße von rohen Kartoffeln. 1. Rezept: 5 Pfund Kartoffeln werden nach dem Schälen ins Wasser gerieben, die Masse ausgepreht. Man gibt
einen Kaffeelöffel Salz und knapp einen halben Liter kochende Milch zum Brühen darüber, streut 50 Gramm Grieß hinein, mischt die Masse und formt mit nassen Händen Klöße.
2. Rezept: Das gleiche Gewicht Kartoffelmasse brüht man mit soviel kochendem Wasser, daß die Masse nicht zu weich wird und mischt einen Suppenteller gekochter Kartoffeln darunter. Diese rohen, sogenannten „grünen" Klöße schmecken ausgezeichnet zu jedem fetten Braten, aber auch zu gekochten Schweinshaxen mit Sauerkraut oder Meerrettichtunke. M. Schmidt-Theile.
„Wenn -er Nachthauch glänzt auf dem stehenden Strom..."
Deutsche Dichter entdecken Winterschönheit und Wintersport.
Naturgesühl und Sport sind zwei eng zusammenhängende Begriffe. So war die Entdeckung der Hochgebirgsschönheit durch Rousseau und Goethe die notwendige Grundbedingung für die Entwicklung der Hochtouristik. So mußte man auch erst den Winter lieben, seine Schönheit verstehen lernen, ehe man daran ging, sich mit Jubel und Herzenslust in Kälte, Eis und Schnee zu tummeln. Das liebevolle Betrachten und Erfassen der winterlichen Natur geht mit dem langsam erwachenden Interesse am Wintersport im 18. Jahrhundert bei uns Hand in Hand.
„Schaden bringst, Winter, du uns überall!" und „Möchte verschlafen im Winter die Zeit!" — diese beiden Strophen-Ansänge Walthers von der Bogelweide kennzeichnen die Empfindung, die den Deutschen durch lange Jahrhunderte dem Winter gegenüber beseelte. Wo man die ersten Spuren einer freundlicheren Auffassung findet, da ist es doch immer die Freude an dem Kontrastgesühl des warmen Zimmers zu der Kälte da draußen. Selbst der hellsichtige und fein empfindende Hamburger Naturfreund und Gartenliebhaber Barthokd Heinrich Brockes, der zu Anfang des 18. Jahrhunderts bei „Betrachtung einer sonderbar schönen Winterlandschaft" in Entzücken gerät und in zahlreichen „Wintergedanken" die Klarheit der Luft, das Glitzern der Sonnenstrahlen auf dein Schnee, den sanften Fiockenfall, die Anmut der Eisblumen usw. mit Behagen geschildert hat, betrachtet olle diese Wunder nur vom Zimmer aus. Was er vom Laufen und Springen br der bitteren Kälte hält, das sagt er allen denen, die nicht am Ofen bleiben und sich keinen Pelz leisten können:
„Gott gibt sogar bloß im Bewegen Ein wohlfeil Mittel, das uns nützet, Das auch den Dürftigen beschützet. Ihm die zu heftige Gewalt des Frostes mindert Und die dadurch ihm sonst erregten
Schmerzen lindert."
Schlittschuh- und Skilauf war bei den nordischen DölLern schon seit vorgeschichtlicher Zeit als praktisches Verkehrsmittel üblich. Auch sind Schiiten und Schlittschuh wohl stets eine Winter- kust der Jugend gewesen, die die strengen Behörden nachdrücklich bekämpften. Verschiedene Schul- orünungen untersagen z. B. bei harter Strafe „jenes unnatürliche, geradezu narrische Hin- und Herlaufen auf Eisflächen." Die Holländer hatten im 17. Jahrhundert bereits einen reich ausgebildeten Wintersport und ihrs Maler entdeckten alle die Reiz^, die die winterliche Natur dar- bietet. Aber in Deutschland erregte die Nachahmung solcher „holländischen Sitten" das Entsetzen des ehrsamen Bürgers. Sa schreibt z. 23. die gelehrte und streng aus gute Sitte haltende Gottsched in, die Gattin des Leipziger Literaturpapstes, am 10. Januar 1735: „Ich sehe der Wut dieser Menschen ganz gelaMn aus meinem Fenster zu, setze mich an meinen Schreibtisch und ergötze mich in meinem geheizten Zimmer mit meinen Büchern mehr als alle Schtittenfohrer mit ihrer frostigen Lustbarkeit." Von Preußen ging die erste deutsche 'Lerherrlichung des Winters aus, denn in der Heldenzeit des großen
Friedrich regte sich hier eine Borliebe für die männlichste Jahreszeit, und der Berliner Poet Ramler pries in feiner 1744 gedichteten Ode „Sehnsucht nach dem Winter" den Jüngling, „der auf hartem Wasser laut jauchzend umherschweift, die Füße beschuht mit dem Stahl." Klopstock dürfte durch dieses Gedicht auf den Schlittschuh hingewiesen worden fein, dessen begeisterter Prophet er etwa fünfzehn Jahre spater wurde.
Klopstock ist der erste Deutsche, von dem wir wissen, daß er den Winter mit ganzer Seele liebte. Er ist der eigentliche Entdecker der Winterschönheit und des Wintersports bei uns geworden. Dabei knüpfte er nicht nur an die Holländer an, sondern aus seiner Liebe zum alten Germanentum erweckte er in seiner Phantasie das Bild des nordischen Gottes Tialf, der, in Tierfelle gehüllt, mit dem Bogen bewaffnet, „S ch r i t t s ch u h e" — so nannte Klopstock den Schlittschuh nach Der altdeutschen Form — unter den Füßen, über die^ Eisfelder dahingleitet. Für den ersten unserer klassischen Dichter war es die freudigste Zeit des Jahres, „wenn der Nachthauch glänzt auf dem stehenden Strom". Ums Jahr 1760 beginnt feine Begeisterung für den Schlittschuhsport. „Kaum daß der Reif sichtbar wird", so erzählt P. H. S t u r z , „ist es Pflicht, der Zeit zu genießen, und eine Bahn oder ein Bähnlein aufzuspüren. Klopstock waren um Kopenhagen alle kleinen Wasseransammlungen bekannt, und er liebte sie nach der Ordnung, wie sie später oder früher zufroren. Auf die Verächter der Eisbahn sieht er mit hohem Stolze herab. Eine Mond- n a d) t auf dem Eise ist ihm eine Festnacht der Götter." „Es gibt für mich keine Leibesbewegung, die der Gesundheit so vorteilhaft ist als diese", schreibt er einmal, und für den oft kränkelnden Stubenhocker Gleim hat er ein treffliches Rezept bereit: „Es ist doch ewig schade, daß Sie fid) nicht durch Schlittschuhlaufen kurieren. Es ist eine von den besten Kuren: Recipe, drei Helle Stunden des Vormittags, zwei des Nachmittags; gute Gesellschaft; viel Frühstück; item ein wenig Nordwind zum Trünke bei der Arznei."
Klopstock ist der eifrigste Vorkämpfer des Wintersports gewesen. „Eislauf predigt er mit der Salbung eines Heidenbekehrers", erzählt Sturz, „Und nicht ohne Wunder zu wirken, denn auch mich, der ick) nicht zum Schweber gebaut bin, hat er auf das Eis argumentiert". Die Männer und Jünglinge, die nun den „Tanz auf dem Waffer- fothurn" verbreiteten, haben von Klopstock das Schlittschuhlaufen gelernt, so Matthias Claudius, die Grafen Stolberg, Goethe. Den ungarischen Grafen B a t t h y a n i schickte er als Sendboten des Schlittschuhlaufens in feine Heimat. Mehr aber noch als fein Tun und Reden wirkte fein Dichten. Die schönen „Eisoden" hatte jeder auf den Lippen. Goethe erzählt in „Dichtung und Wahrheit", wie er, Klopftocks Verse deklamierend, am heiteren Frostmorgen aus dem Bette sprang, um auf die Eisbahn zu eilen und dort zu üben. Mathias Claudius singt nun sein Preislied: „Der Winter ist ein rechter Mann, kernfest gnd auf die Dauer." Friedrich Leopold Stolberg gibt 1776 in feinem „Winterlied" die erste ganz objektive Beschreibung der Schönheit winterlicher Landschaft. Am stärksten
Der Perlmutterknopf.
(Frzähluag von Gert Lynch.
„Und fei brav!" ermahnte die Mutter noch, als der Zug abfuhr.
Alex lehnte im Fenster und winkte, so lange die dufter ,zu sehen war. Dann zog er die Tüte ans feiner Tasche rmfr begann zu kauen.
„Heda, Klemer, schließ" mal das Fenster, es zieht", fugte jemand. Aker gehorchte ungern. Er wischte die Scheibe mit der Handfläche ab und ließ kein Auge von der fliegenden. Landschaft. Wie die Alleebäume flitzten! Ein Motorrad sauste neben dem Zuge her und überholte ihn langsam. Alex, die Hände am Mefstnggriff, schob unbewußt in der Fahrtrichtung, um den Zug zu beschleunigen. Schade, daß der Lokomotivführer keinen Dampf gab und sich überholen ließ, dachte er. Allmählich erlahmte seine Aufmerk- famkeik, und er beschäftigte sich damit, das Glas zu behauchen, und Hauser in den Beschlag zu malen. Spater kam der Schaffner und sagte, daß er jetzt aussteigen müsse.
Die Großmutter stand am Bahnhof und holte den Enkel ab. „Du bist aber alt geworden, Großmutter, du haft lauter Falten am Mund", begrüßte er sie.
Die Großmutter lächelte milde: „Wenn du so alt bist wie ich, Alex", sagte sie, „bann wirst du ebenso viele Falten haben."
Großmutters Häuschen lag ganz in der Nähe. Die roten Topfblumen an den Fenstern leuchteten bis zur Straße herüber.
Als sie Kaffeee tranken, mußte Alex von den Eltern und aus der Schule erzählen. Hernach durfte er die Schachtel mit den Photographien aus der Kommode nehmen. Am besten gefiel ihm der Groß- vater, wie er als Soldat neben feiner Kanone stand. „Schade, daß er schon tot ist", sagte Alex, und die Großmutter nickte leise dazu.
„Darf ich jetzt ein bißchen hinausgehen?", fragte er „So geh", sagte die Großmutter, „aber gill Obacht auf deine Kleider!"
Er schlenderte die Trift entlang und fand drei Jungen beim Spielen. Jeder besaß eine große Ku- Hel, und wer die Kugel des andern traf, gewann einen Knopf. Alex schaute erst eine Weile zu und fiagte bann, woher sie die großen Kugeln hätten.
„Das geht dock) dich nichts an", sagte der, welcher der größte war, „wer bist denn du überhaupt?"
„Ich wohne bei meiner Großmutter", erklärte Alex und wies nach dem Häuschen mit den Blumen um Fenster. „Ad) so", sagte der Große, „das ist natürlich was anderes. Wentz dv willjtz kannst du uütftüelea."
Alex bekam eine Kugel und zehn Knöpfe geliehen und spielte mit. Doch er verlor, und als sie auf« hörten, hatte er keinen Knopf mehr. Es wurde beschlossen, morgen weiterzuspielen.
Am Abend suchte die Großmutter ihren Vorrat an Knöpfen zusammen. Es waren genau zweiundfünfzig. Alex ließ sie in Viererreihen über den Tisch marschieren, und die Großmutter hatte ihre Mühe, bis sie ihn endlich ins Bett brachte.
Vom nächsten Tage an kam Ale§ nur mehr zum Essen und Schlafen nach Hause. Sein ganzes Interesse galt diesem Kugelspiel. Er hatte den Bogen bald heraus. Da er geschickter war als die Dorf- jungen, gewann er fast immer. Tag für Tag wurde die Zahl seiner Knöpfe größer. Besonders hatten es ihm die Perlmutterknköpfe angetan, die doppelt so viel wert waren wie die gewöhnlichen. Er putzte sie blank und hielt sie schief, daß sie schillerten und gleißten. So ging die Ferienwoche zu Ende.
Am Sonntag besuchte er mit der Großmutter den Gottesdienst. Sie trug ihren schwarzen Mantel, auf dem vier talergroße Perlmutterknöpfe saßen. Diese hatten einen ganz erlesenen Schimmer und leuchteten wie das Abendrot, aber mit Grün und Blau zwischendurch. Alex konnte sich gar nicht satt scheu daran. Da er aber die Großmutter mitten unter der Predigt fragte, ob sie noch einen solchen Schimmerknopf übrig habe, erhielt er den strengen Verweis, doch den Mund zu halten.
Als sie wieder nach Hause kamen, hängte die Großmutter den Mantel in den Schrank zurück. Alex bemerkte es, und ein schwarzer Gedanke wurde in ihm lebendig und beherrschte ihn schließlich ganz. Morgen mußte er wieder heimfahren. Wenn, dann mußte es heute nacht geschehen.
Er schlief in der gleichen Stube, in der sich der Schrank befand. Die Großmutter begab sich in ihre Kammer. Lange hielt er sich munter, bis er gegen | Mitternacht leise aufftanb, sein Messer öffnete, den Schrank aufsperrte und im Dunkeln einen Perl- lutterknopf von Großmutters Mantel heruntersäbelte. Er versteckte den Schatz in seinen Kleidern und legte sich wieder hin. Und am anderen Morgen fuhr er vergnügt in die Stadt zurück und ließ den großen Perlmutterknopf immer und immer wieder im Lichte spielen.
Die Schule begann. Alex zeigte den Schimmerknopf in der Klasse herum.' Da er aber wenig Bewunderung erntete, verlor der Gegenstand bald an Reiz. Reue Eindrücke begannen ihn zu beschäftigen, und nach acht Tagen warf er den Perlmutterknopf in die Kramschachtel. So vergingen zwei Monate.
Da traf eine Depesche ein. Die Großmutter war unerwartet über Rocht gestorben. Als Alex in lKeMtxüs gesetzt wurde, Mud er wi-s vom Donner
gerührt. Er redete kaum mehr ein Wort. Die Eltern hätten nicht geglaubt, daß es ihm so nahe gehen würde.
Es war ein sonniger Vormittag, als die Großmutter zur letzten Ruhe getragen wurde. Alex ging zwischen den Eltern an der Spitze des Trauerzuges. Der Pastor hielt vor dem offenen Grabe eine ergreifende Rede, und die Mutter meinte heftig. Dann traten alle nacheinander vor die Grube und streuten Erde auf den versenkten Sarg. Auch Alex kam an die Reihe. In schweißiger Hand hielt er krampfhaft den großen Perlmutterknovf, und mit der Erde, die er abroarf, fiel auch der Knopf mit hinab. Er blinkte im Sonnenlicht, und der Vater, der den Sohn beobachtete, wurde aufmerksam.
Mach dem Begräbnis, als sie in Großmutters Stube allein waren, wurde Alex zur Rede gestellt, was da geglitzert habe, wie er die Erde hinabwarf.
Alex bekam einen starren Blick. Seine Augen füllten sich langsam mit Tränen. Er öffnete den Kleiderschrank, wies auf den fehlenden Perlmutterknopf und sagte, indem sein Körper von einem Schluchzen geschüttelt wurde: ,Hch bin schuld, daß die Großmutter gestorben ist. Ich hab' sie — zu Tode geärgert —." Und es dauerte lange, bis es den Eltern gelang, ihm das auszureden.
Deutsche Bach-Hcindel-Schüh-Keier 1935.
Die Durchführung der „Deutschen Bach- Händel-Schütz-Feier 19 3 5" ist vom Reichsministerium für Volksausklärung und Propaganda der Reichsmusikkammer übertragen worden. Sie erstreckt sich auf den Zeitraum vom 22. Februar bis zum 24. Juni 1935. Die Grundidee der großzügig angelegten Gedenkfeier ist folgende: Man will das Leben der drei Meister, von denen Schütz 1585, Bach und Händel 1685 geboren wurden, gleichsam in einem symbolischen Aufriß den Menschen der Gegenwart nahebrinaen. Durch die Art und Reihenfolge der einzelnen Veranstaltungen soll deutlich werden, in welchem Zusammenhang das Leben dieser größten deutschen Musiker mit ihrem Schaffen steht, aus welchen Quellen sie schöpften, und was sie immer wieder von neuem dem deutschen Volk, aus dem sie stammen, zu sagen haben.
In Verwirklichung dieser Idee werden in all den deutschen Städten, die in einer Beziehung zum Leben von Bach, Händel *unb Schütz stehen, musikalische Veranstaltungen stattfinden, die teils unter Berücksichtigung der örtlichen künstlerischen Kräfte, teils unter Hinzuziehung der besten Künstler des ganzen Reiches abgewickelt werden Men. In jeder einzelne» Stadt werden vornehmlich
solche Werke berücksichtigt werden, die zum Wirken jedes der einzelnen Meister gerade in dieser Stadt eine Beziehung haben. Aber auch die Umwelt der Meister, die Vorgänger, von denen sie beeinflußt, die Lehrer, von denen sie unterrichtet wurden, werden mit einbezogen. Eine Ergänzung dazu bilden Lichtbildervorträge, Fe st ansprachen usw., — alles in der Absicht, das Verständnis für Bach, Händel und Schütz überall zu wecken und zu fördern. — Auch der deutsche Rundfunk hat sich in dankenswerter Weise in den Dienst der Sache gestellt und wird nicht nur eigene Bach-, Händel- unb Schütz-Sendungen veranstalten.
Maier-Ireundschast.
Das kleine Haus, in dem ber geniale französische e Karikaturist D a u m i e r starb, ist ihm einst von dem französischen Maler Camille Corot zum Geschenk gemacht worben, aber nur wenige erinnern sich der Umstände, unter denen diese Besitz- Übertragung stattfand. Corot hatte erfahren, daß Daumier, der inzwischen alt geworden war und nicht mehr arbeiten konnte, von seinem Hausbesitzer gemahnt und unausgesetzt gequält wurde, weil er feine Miete nicht immer ganz pünktlich bezahlen konnte. Corot geht daraufhin zu dem betreffenden Hausbesitzer, kauft das Haus, in dem Daumier wohnt, und läßt bann von einem Notar ein Schriftstück aufsetzen, in bem er als Besitzer verfügt, baß die alte Hütte fortan stets bas Eigentum besten bleiben sollte, ber sie nun bewohnt. Die Urfunbe in der Tasche läuft er zu Daumier: „Du, dies Haus hier ist eben verkauft worden, du haft einen neuen Hauswirt", ruft er dem Freunde entgegen. „Ich kenne ihn, ich wollte dich ihm empfehlen, aber unglücklicherweise ist er noch schlechter auf dich zu sprechen als der bisherige, und wayrschein- lich wird er dir kündigen. Da, hier hast du einen Zettel, den dir zu übergeben er mich bat." Und er überreichte Daumier den Kaufvertrag. Daumier nimmt sich gar nicht die Mühe, das Schriftstück erst anzusehen; er hält es für einen Brief mit Mahnungen und Drohungen, hastig und nervös zerknittert er den Bogen und ärgerlich wirft er das Knäuel in die Ecke. Corot aber beginnt zu lachen. Er hebt das zerknitterte Papier schnell auf, sorglich faltet er es auseinander und mit lauter Stimme lieft er dann den Inhalt vor. „Mein alter Daumier", sagte Corot schließlich, „du bist jetzt dein eigener Hauswirt. Ich glaubt, du wirst dich nicht vor die Tür setzen." Daumier war sehr stolz und zurückhaltend, aber in diesem Augenblick brach etwas wie Rührung durch fein äußerlich rauhes Gebaren. Und bann sagte er einfach: „Du bist der einzige Mensch, pon dem ich irgend etwas annehmea kann..."
und modernsten aber kommt, wie jedes Gefühl, das die Zeit bewegte, die Begeisterung für den Winter in dem jungen Goethe zum Ausbruch. „Eine mächtige Kälte zieht durchs Fenster bis hierher an mein Herz, zu tausendfacher Ergötzung", schreibt er Anfang Februar 1774. „Ein großer Wiesenplan draußen ist überschwemmt und gefroren. Gestern trug*5 noch nicht, heut wird gewagt. Vor zehn Tagen ungefähr waren unsre Damen hinausgefahren, unseren pantomimischen Tanz mit anzusehen. Gleich darauf taut es, und jetzt wieder Frost. Hallelujah! Amen!" Wo Goethe hinkommt, wirbt er Anhänger für den Wintersport. Ebenso wie in Wetzlar und D a r m ft a b t bringt er in ber Heimat Frankfurt ben „Schrittschuh" unter die Sohlen, und nun wird das Schlittschuhlaufen allmählich überall in Deutschland üblich. Besonders in Weimar werden auf den gefrorenen Schwansee-Wiesen große Eis- feste veranstaltet mit Musik und Maskeraden, mit Schlittenfahrten und Ringelstechen auf dem Eise. Auch die Damen des Hofes ergötzen sich an den „Beflügelungen des Stahls", aber durchgesetzt hat sich die Beteiligung des schöneren Geschlechts an
diesem Vergnügen erst im zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts.
Goethe hat die Herrlichkeit der Winterstimmung und das Vergnügen des Eislaufes in feinen Dichtungen öfters künstlerisch gestaltet. Durch ihn wurde die Entdeckung von Winterschönheit und Wintersport, die Klopstock begonnen, vollendet. Die Rückkehr zur Natur, die Rousseau gepredigt, führte die Pflege der Leibesübungen herauf. Die körperlichen Hebungen, die so lange verpönt waren, werden nun in den Mittelpunkt der Ertüchtigung der Jugend gestellt. Der „Groß- und Erzvater der Turnkunst", der treffliche G u t s m u t h s, wurde auch der Verkünder des Wintersports, indem er den turnerischen und erzieherischen Wert des Eislaufes und ber Eisspiele hervorhob und bas Schlittschuhlaufen eine Bewegung nannte, „die alles übertrifft, was Bewegung heißt." Jahn zählt in feinem weithin wirkenden „Deutschen Volkstum Eislauf und Schlittensport unter den Hebungen auf, die jeder betreiben sollte. Hnd als erst die Sportbewegung die Jugend ergriffen hatte, gehörte ihr die Zukunft. C. W.
KommunalpMche Arbeitstagung in Alssetd.
* Alsfeld, 25. Jan. Dieser Tage fand hier unter dem Vorsitz von Bürgermeister Dr. 23 ö I« fing wieder eine Tagung der 5t r ei sa Stellung Alsfeld im Deutschen Gemeinde- tag, Landesdienststelle Hessen, Hessen-Nassau im kleinen Saale Gasthauses „Vaterland" statt, zu der die Bürgermeister des Kreises Alsfeld nahezu vollzählig erschienen waren. In seinen einleitenden Worten begrüßte der Vorsitzende den neuen stellvertretenden Kreisdirektor, Regierungsrat Dr. Lotz, mit herzlichen Worten. In feiner Erwiderung betonte Reg.-Rat Dr. Lotz, daß es fein Bestreben fei, mit den Bürgermeistern des Kreises Alsfeld in das gleiche Vertrauensverhältnis zu kommen wie in Büdingen in seiner 12jährigen Wirksamkeit dort. Die Bürgermeister seien die Frontkämpfer in der Verwaltung, von ihnen mühten besondere Führerqualitäten verlangt werden. Der Bürgermeister müsse in erster Linie Nationalsozialist sein und das Vertrauen seiner Gemeinde sich verdienen, daneben aber auch das erforderliche Rüstzeug für sein Amt besitzen, diesem Zwecke dienen die jetzt von der Gauamtsleitung für Kommunalpolitik eingerichteten Schulungskurse von der Gauschule in Bad Soden im Taunus.
Als erster Referent sprach sodann Lehrer E^k ch e n- auer über
„Die Schaffung von Schwimmgelegenheilen in den Gemeinden."
Ausgehend von der grundlegenden Aenderung, welche die Jugenderziehung im Dritten Reiche erfahren habe durch die in ben Vordergrund gestellte körperliche Ertüchtigung und Charakterbildung, wies der Redner darauf hin, baß der Schwimmsport für die Erziehung der Jugend sehr wichtig sei. Lehrer Eichenauer erläuterte sodann die einzelnen Möglichkeiten zur Errichtung von geeigneten Schwimmgelegenheiten in den ländlichen Verhältnissen. Wichtig sei dabei, daß stets Abteilungen für Schwimmer und Nichtschwimmer und ausreichende Hmkleideräume geschaffen würden. In Gemeinden mit Bächen könne man sich durch Stauung des Wassers mit dem Bau von Schleusen und Wehren behelfen, in anderen Fällen müsse man einfache Behälter bauen. Zu erwägen seien aud) gemeinsame Schwimmbäder für mehrere benachbarte Gemeinden. Der Referent appelierte an die Bürgermeister, diese Bestrebungen tatkräftig zu unterstützen. Die Ausführungen fanden lebhafte Zustimmung.
Als zweiter Punkt der Tagesordnung wunden die Zuschüsse der Gemeinden zur Jugendpflege behandelt auf Grund der von tier ©auleitung an die einzelnen Kreisleiter gegebenen Anweisung. Hierüber gab Reg.-Rat Dr, Lotz nähere Mitteilungen. Die Aussprache ergab, daß in den meisten Gemeinden diese Angelegenheit im Sinne der politischen Leitung bereits durch Einstellung entsprechender Beträge im Voranschlag der Gemeinden
geregelt ist. Der Vorsitzende empfahl den wenigen Gemeinden, bei denen dies noch nicht der Fall ist, entsprechend zu verfahren. Nach den Mitteilungen der Kreisleitung soll für die finanziell schwächer gestellten Gemeinden ein Härteausgleich stattfinden. Heber die
Ausführung des Reichsjagdgesehes referierte Bürgermeister Dr. Völsing. Er wies auf die kürzlich erlassenen hessischen Hetzerleitungsbestimmungen hin, die teilweise sehr einschneidende Aenderungen für die Gemeinden bringen und erläuterte die hauptsächlichsten Hebergangsbestimmun- gen hinsichtlich ber jetzt für Verpächter und Pächter gegebenen Kündigungsmöglichkeiten, sowie die Neugestaltung der gemeinschaftlichen Jagdbezirke, auf Grund der Bestimmung, daß die Mindestgröße eines gemeinschaftlichen Jagdbezirks für Hessen auf 250 Hektar festgesetzt ist; von Wichtigkeit ist ferner die Bestimmung, daß die bisherigen Pachtverträge für die Gemeindejagdbezirke unter 250 Hektar am 31. März 1935 kraft Gesetzes erlöschen. Bürgermeister Dr. Völsing erläuterte sodann noch das künftige Verfahren bei den Verpachtungen der Jagden; das Gesetz läßt bezüglich der Art der Verpachtung freie Hand, ob diese freihändig oder durch öffentliches Ausbieten erfolgen soll. An das Referat schloß sich eine rege Aussprache an
Das Vürgscheinverfahren zur Sicherstellung von Domanialgesällen usw.
behandelte Bürgermeister Dr. Völsing in einem Referate. Er empfahl den Gemeinden sorgfältigste Prüfung der Zahlungsfähigkeit der Bürgen, da die Bürgermeister für die von ihnen verschuldeten Aus- fälle an Staatseinnahmen infolge fahrlässiger Behandlung der Bürgschaftsbescheinigungen persönlich haftbar gemacht werden können. Die Bescheinigung der Zahlungsfähigkeit ber Bürgen dürfe durchaus nicht als eine reine Formsache angesehen werden, er warnte vor dieser Auffassung.
Unter Mitteilungen gaben die Referenten des Kreisamtes verschiedene Ausschreiben des Ministeriums an die Gemeinden bekannt, unter denen von besonderem Interesse die Aenderung des Rechtsmittelverfahrens bei de r B ärger steuer war. Bürgermeister Dr. 23 Ö I \ i n g gab Die Ausschreiben des Deutschen Gemeindetagcs an die Gemeinden bekannt. Von Interesse war Dabei die Anweisung, daß es keinesfalls zulässig ist, öffentliche Fürsorgeaufgaben an die Dienststellen des Amtes für Volkswohlfahrt abzuschieben. Die NSV. lei nicht dazu da, die öffentliche Fürsorge zu entlasten; ihre Leistungen feien vielmehr rein zusätzlicher Art. Bürgermeister Diehl (Ruhlkirchen) referierte am Schluffe der Tagung über die Kurse an der kommunalpolitischen Gauschule in Bod Soden, Deren Teilnahme er dringend empfahl. Die anregend verlaufene Tagung wurde von Dem Vorsitzenden in Der üblichen Weise geschlossen.
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