und stellte dessen hohe Verantwortlichkeiten heraus. Der Betriebsführer müsse vorbildlich durch die Lei- stung sein und diese Leistung beweisen, er müsse das Vertrauen der Gefolgschaft besitzen und mit seiner Leistung der Volksgemeinschaft dienen. Die Volksgemeinschaft müsse von seiner Leistung Nutzen haben.
Das Interesse des Einzelnen müsse immer da aufhören, wo das der Volksgemeinschaft beginne.
3m Dienste der ganzen Nation zu stehen sei die Forderung des Tages. Jeder habe dazu beizutragen, daß es unserem Volke gut gehe. Der deutsche Mensch müsse zu diesem Dienst immer wieder aufgerufen werden, da er allzu leicht vergesse. Immer werde die Forderung lauten zu leben und zu wirken in der Ausrichtung auf die Volksgemeinschaft. (Lebhafter Beifall!)
Im weiteren Verlauf der Versammlung referierte ein Vertreter des Arbeitsamtes Gießen über die Ausfüllung des Antragsformulars für das Arbeitsbuch und gab genauen Auf-
fchluß über die zu machenden Angaben. BetriebsM- rer Herr betonte in kurzer Ansprache in seiner Eigenschaft als Führer der Wirtschaftsgruppe des Gaststatten- und Beherbergungsgewerbes in Gießen die Forderung der Betriebsgemeinschaft. Der
Kreisgeschäfisführer der NG.-Hago, pg. Schimmel
sprach über die Notwendigkeit der raschen Verwirklichung der Betriebsgemeinschaft, von der Uebersetzung des Gaststättengewerbes in unserem Gebiet und den daraus sich ergebenden Forderungen für die Zukunft, schließlich über die Voraussetzungen für jene, die im Dritten Reich Betriebs- sührer werden wollen. Mit einem Ausblick auf die Zukunft des deutschen Volkes und mit der Mahnung, sich durch gegenwärtige Sorgen nicht den weiten Blick in die Zukunft trüben zu lassen, schloß er seine Ausführungen.
Mit einem dreifachen „Sieg-Heil!" auf den Führer Adolf Hitler schloß der Kreisfachgruppenwalter Goltermann die Versammlung.
Gängertagung in Gießen.
Der Sängerkreis Gießen tm ©au XII des Deutschen Sängerbundes hielt am Sonntagnachmittag im „Aquarium" zu Gießen eine Kreistagung unter der Leitung des Kreisführers Müller (Gießen) ab.
Nach den Begrüßungsworten des Tagungsleiters wurde zunächst der im verflossenen Jahre verstorbenen Sänger gedacht, deren Andenken in üblicher Weise geehrt wurde. Dann wies der Vorsitzende Müller darauf hin, daß er am 26. Juni d. I. von dem Gauführer Ministerialrat Ringshausen aum Kreis führer berufen worden sei. Er bat die Sänger, ihm das gleiche Vertrauen wie seinem Vorgänger Ko ch entgegenzubringen, forderte auf, in guter Zusammenarbeit ersprießlich für das deutsche Lied zu wirken und dieses hohe Kulturgut nach besten Kräften zu fördern, und betonte sodann den Wert der echten Kameradschaft auch unter den Sängern, damit sie in der rechten Weise ihre Aufgabe erfüllen könnten, das deutsche Lied zum Segen unseres Volkes hinauszutragen in das Volk. Er wies die Sänger auf das hohe Vorbild unseres großen Führers Adolf Hitler hin und forderte sie auf, immer diesem großen Deutschen mit aller Hingabe zu folgen. Sodann sprach er seinem Amtsoorgänger, dem früheren Kreisführer Emil Koch, für fein unermüdliches und vorbildliches Schaffen aufrichtigen Dank und volle Anerkennung für die tadellose Geschäftsführung aus, ferner dankte er den übrigen Sangesbrüdern vom Kreisvorstand für ihre bisherige Mithilfe und bat sie zugleich, ihm auch in Zukunft tatkräftig zur Seite zu stehen.
Kreisschriftführer Schneider (Gießen) erstattete sodann den Geschäftsbericht, der gegenüber dem Vorjahre ein recht erfreuliches Bild zeigte. Die Zahl der Gesangvereine ist von 35 im Vorjahre auf 57 im verflossenen Geschäftsjahr gestiegen, die Zahl der Sänger ist von 1633 im Vorjahre auf 5903 an- gewachsen. Leider sind davon nur 25 Sänger unter 25 Jahren. Es wurde in diesem Zusammenhang betont, daß es eine dringliche Aufgabe aller Vereine sei, für zahlreichen Nachwuchs unter den jungen deutschen Männern als Sänger zu werben. Im Berichtsjahre konnten 3 Sänger für 50jährige, 13 Sänger für 40jährige aktive Sängertätigkeit, sowie 5 Sänger für 25jähri'ge Tätigkeit als Vorstandsmitglieder vom Sängerbund geehrt werden.
Kreisschatzmeister Latsch (Daubringen) erstattete den Rechnungsbericht, aus dem hervorging, daß im Sängergau XII mit großer Umsicht und Sparsamkeit gewirtschaftet wurde.
Kreischormeister Blaß sprach dann über den Zweck des Liedertages und die musikalischen Lei- stungen im vergangenen Jahre. Gauchormeister Professor Dr. Temesvary berichtete über den Gausängertag am 28. und 29. September in Darmstadt. Ein Sangesbruder berichtete über das erste „Hessenlager" in Brandau. An diese Berichte schloß sich eine rege Aussprache an, ebenso wurde unter „Verschiedenes" eine Anzahl Fragen der Sängerbewegung erörtert.
Mit einem Chorvortrag und mit dreimaligem Sieg-Heil auf den Führer wurde die Tagung geschloffen.
Kundgebung des Reichsbundes der Kindmeichen.
Die Ortsgruppe Gießen des Reichsbundes der Kinderreichen veranstaltete am Sonntagnachmittag im Katholischen Vereinshaus eine Kundgebung, zu der auch zahlreiche Vertreter der Behörden und Dienststellen erschienen waren. Auch die Universität war vertreten.
Im Namen der Ortsgruppe begrüßte Obermedizinalrat Professor Dr. K l i e w e die Erschienenen. Er betonte, daß es jahrzehntelang gedauert, bis man erkannt habe, welchen wertvollen Dienst die kinderreichen Familien unferm Vaterland leisten. In Deutschland seien nur 15 v. H. aller Ehen kinderreich, 40 v. H. der in Deutschland geschlossenen Ehen sei kinderlos geblieben.
Es sprach dann als Hauptredner
Kreiswart pg. Becker-Mainz
über den Reichsbund der Kinderreichen und seine Bedeutung für den nationalen Staat. Der Reichsbund der Kinderreichen fei, so führte er u. a. aus, ein bevölkerungspolitischer Kampfbund, der nationalsozialistisches, bevölke-
runaspolitisches Denken in das Volk hineintragen wolle. Sein Ziel sei die Erhaltung und Förderung der erbgesunden, arischen kinderreichen Familie. Die Zukunft des deutschen Volkes sei bedroht durch Geburtenrückgang und Familienzerfall. Ohne kmder- frohe deutsche Familien sei keine starke deutsche Zukunft möglich. Der Reichsbund sei eine Kampf- organifation zum Aufbau des deutschen Vaterlandes. Vor der politischen Umwälzung seien die Kinderreichen als Menschen zweiter Klasse angesehen worden, dadurch sei es mit Deutschland rückwärts gegangen. Die kinderreiche Familie habe am meisten zu leiden gehabt. Unser Führer habe das deutsche Volk wieder zusammengeschweißt. Der Redner schilderte dann den Kampf und die Entwicklung der NSDAP, und betonte, daß der Reichsbund der Kinderreichen denselben Weg gegangen sei. Die Bewegung sei antisemitisch eingestellt. Die Judenfrage sei Schicksalsfrage der ganzen Menschheit. Der Redner kam dann auf den kürzlich in Bern abgehaltenen Zionistenkongreß zu sprechen, bei dem der Vernichtungswille des Judentums gegenüber
WWWMMl.
Roman von Anny von panhuys
Urheberrechtsschutz Aufwärts-Derlag G. m. b. H., Berlin SW 68.
30 Fortsetzung Nachdruck verboten!
Ihr Mitleid, ihre Liebe zwangen ihr die Worte vom Munde: „Quälen Sie sich aber nicht allzu sehr mit Schuldgefühlen, Hans — es hat so kommen sollen. Wahrscheinlich wäre Fräulein Walb, auch ohne daß Sie in ihr Leben getreten, zur gleichen Stunde in jenem Unglücksauto gefahren und getötet worden. Mit ihrem Tod haben Sie nichts Zu schaffen."
Warum und eindringlich klang ihre Stimme und <s war ihm, als streiche eine sanfte kühle Hand über eine brennende Wunde, die er mit sich herumtrug, wo er ging und stand.
Denn so herrisch und selbstbewußt er von je gewesen und so dreist er auch immer nach allem gelangt, wonach er Begehr getragen, feit Wally Walb einen so schrecklichen Tod hatte erleiden imüssen, war er ein anderer geworden. Immer Wieder quälte es ihn, daß er die Schuld trug «an dem Sterben des schönen Mädchens. Immer wieder tauchte, gleich einem Nachtspuk, ihre Gestalt vor ihm auf und ihr Blick schien ihm vorwurfsvoll zuzurufen: Deinetwegen mußte ich so jung aus dem Leben, fort für immer!
Er riß sich zuammen. Oh, nur nicht jetzt wieder dasselbe denken, verrückt konnte man darüber werden. Er wollte die Stunden daheim genießen fo gut es ging und auch Bettinas Gegenwart genießen.
Sie wechselten jetzt nur noch ab und zu ein fflüchtiges Wort, und wenn sie auch ganz dicht beisammen saßen, war es dennoch, als sprächen sie über weite Abstände weg miteinander. Der schatten einer Toten saß zwischen ihnen, von der Hans Syden nun wußte, er hatte nur ihre verwirrende Schönheit begehrt, seine Liebe aber □atte ihr nicht gehört, wie er geglaubt. Der seine Siebe gehörte, die saß neben ihm so nahe, so wundersam nahe, daß er sie hätte an sich ziehen fönnen und küssen. Doch die Tote ließ das nicht zu.
Gegen 4 Uhr, zur Kaffeestunde, war das Wald- chlößchen erreicht. Tyras bellte: Willkommen! Gre- »el jubelte: Willkommen! und die Gräfin Jutta wßte Bettina in ihrer lebhaften Art, während Hroßchen Leonore einen Handkuß entgegennahm. Es war wunderbar gemütlich im Waldfchloßchen.
Als es dämmerte, wurden die Kerzen am Baum gezündet und Gräfin Jutta setzte sich wieder ans Spinett, Bettina aber sang. Voll und schmiegsam
schwebte die Glockenstimme durch die Bibliothek, und Hans Syden lauschte wie in einen schönen Traum verstrickt, in einen Traum, hinter dem keine Erfüllung stand.
Als Bettina geendet, bat Hans Syden: „Bitte, fingen Sie noch etwas, Bettina!" Er hätte beinahe hinzugefügt: Sie verstehen-es, einem das Herz zur Ruhe zu fingen und das tut so gut.
Noch mehrere Weihnacktslieder fang Bettina, dann wurde ihr beschert und sie bescherte auch. Man hatte Bettina hier sehr gern, das bewiesen die sorgfältig ausgesuchten Geschenke. Auch Hans Syden schenkte ihr etwas. Eine künstlerisch wertvolle Porzellanfigur von ungefähr zwanzig Zentimeter Höhe. Sie stellte die sagenumwobene Loreley dar.
Nachdem Hans Syden von seiner Schwester gehört, daß man Bettina in Berlin „Loreley" genannt, war er nach Köln gefahren, um irgend etwas für Bettina als kleine Weihnachtsgabe zu kaufen, was in irgendeinem Zusammenhang stände mit der goldhaarigen Sängerin, die hoch oben auf schroffem Felsen sitzend, die armen Rheinschiffer tief unten in Tod und Perderben lockt durch den Zauber ihrer köstlichen Stimme.
Gretel fand, das Gesicht ähnelte wirklich dem Bettinas und sie war begeistert.
,Keine Ahnung habe ich davon gehabt, daß dir der Hans fowas schenken will", erklärte sie und ließ sich von Bettina den breiten Silberreif um den Arm legen, den Bettinas Vater selbst angefertigt.
Bettina sollte diese Nacht im Waldschlößchen bleiben, es war alljährlich so gehalten worden.
Der Abend gestaltete sich sehr nett und gemütlich.
„Wollen ein bißchen tanzen", schlug Gretel vor, „es wäre eine gute Vorübung für den Kasinoball."
Gräfin Jutta redete zu und nachdem sich Großchen Leonore zurückgezogen, wurde ein kleiner Tanz arrangiert. Der junge Graf tanzte abwechselnd mit den beiden jungen Mädchen und Großchen Jutta spielte dazu auf dem Flügel im Musikzimmer auf, das sich vorzüglich zum Tanzsaal eignete. Melodienreiche alte Walzer spielte Jutta Syden. Walzer aus ihrer Tanzzeit, die wieder neu schienen, die immer neu geblieben, weil sie feine Eintagsfliegen
waren.
Gretel lobte den Bruder: „Du tanzt großartig, ^Er lächelte: „Dank für das Kompliment, Schwesterchen."
Ihm war gar nicht nach Tanzen zumute, er schämte sich, daß er es tat, aber es war so ein unbändiges Verlangen da, Bettina kurze Zeit im Arm halten zu dürfen. Er hätte sich gegen das Verlangen wehren müssen und konnte es doch nicht.
Heute nur! dachte er und zugleich wußte er, daß er auch auf den Kasinoball gehen und Bettina abermals im Arm halten würde.
Gräfin Jutta beendete einen Walzer und erhob sich.
Deutschland deutlich zum Ausdruck kam. Wir hätten die Pflicht, unsere Rasse reinzuhalten.
Der Reichsbund der Kinderreichen habe die Auf- aabe, seine Mitglieder politisch zu erziehen. Die früheren Staatsmänner seien nicht hingeführt worden, wo Not gewesen sei. Der Reichsbund werde auf bestehende Mißstände aufmerksam machen. Andererseits sei es aber auch Pflicht der Kinderreichen, rechtzeitig die zuständigen Stellen aufzusuchen, die zusammen mit dem Neichsbund Abhilfe schaffen würden. Bei der Winterhilfe hätten die Kinderreichen vor der politischen Umwälzung meist sehr schlecht abgeschnitten; heute gelte es als vornehmste Aufgabe den kinderreichen Familien zu helfen. Das käme auch schon durch die vorgesehene Weihnachtsbeihilfe für kinderreiche Familien zum Ausdruck. Das sogenannte „Minderwertigkeitsgefühl" der notleidenden Massen sei geschwunden, der Führer habe damit aufgeräumt. Es gäbe keine Standesunter- schiede mehr, jeder Volksgenosse werde nach seinem inneren Werte beurteilt.
Es sei bekannt, daß der Führer die Belange der Kinderreichen ins Auge gefaßt habe. Der Führer habe die Treue bewiesen, ihm müsse man auch Gefolgschaft leisten. Der Reichsbund werde unterstützt von Partei und Behörden. Es sei aber auch Pflicht aller Kinderreichen, die Arbeiten des Reichsbundes zu unterstützen. Darüber hinaus bestünde für jeden Volksgenossen die Möglichkeit, dem Reichsbund als förderndes Mitglied anzugehören. Jeder Beamte habe die Pflicht, die Bestrebungen des Reichsbundes als förderndes Mitglied zu unterstützen, zumal ihm Sozialzulage zustehe, die der Arbeiter nicht erhalte.
Zur echten Volksgemeinschaft gehöre aber auch Harmonie in der Familie. Die Kinderreichen mühten dem Führer beweisen, daß sie mit seiner Idee marschieren, daß sie mit ihm eins sind. Der Red
ner schloß seine Ausführungen mit dem Ausspruch: „Mit Gott für Führer, Volk und Vaterland."
Professor Dr. Kliewe
dankte dem Redner für seine Ausführungen. Er betonte, daß zur Fortsetzung der bevölkerungspolitischen Schlacht die Kinderreichen notwendig seien. Sein Gruß galt dem Führer, auf den er ein dreifaches „Sieg-Heil!" ausbrachte. Mit dem Gesang des Horst-Wessel-Liedes fant) die Kundgebung ihren Abschluß.
Anschließend gab
Amtmann Keiher
noch einige Erläuterungen über die Durchführung der Hilfsmaßnahmen für Kinderreiche. Er betonte, daß die Bewilligung der Beihilfe van gewissen Voraussetzungen abhängig sei. Dar allem müsse der Bewerber staatspolitisch zuverlässig sein, auch über guten Leumund verfügen. Es werde besonderes Augenmerk auf die seitherige soziale Führung gerichtet, insbesondere hätten Bewerber mit schweren Vorstrafen keine Aussicht auf Bewilligung. Auch die arische Abstammung werde geprüft. Als Dienststellen für die Beihilfe kämen das Wohlfahrtsamt und das Finanzamt in Frage. Das Wohlfahrtsamt habe die Anträge nur zu prüfen und zu begutachten, während die Höhe der Beihilfe und die Bewilligung das Finanzamt ausfpreche. Die Zulassung der Geschäfte, von denen die Waren gegen Bedarfsdeckungsscheine bezogen werden könnten, erfolge durch das Wohlfahrtsamt.
Amtmann Keitzer gab mit Zustimmung des anwesenden zuständigen Dezernenten die Versicherung ab, daß die Maßnahmen durch das Wohlfahrtsamt wohlwollend durchgeführt würden, auch fei nach den seitherigen Erfahrungen eine verständnisvolle Behandlung der Anträge durch das Finanzamt zu erwarten.
Obecheffen.
Das Gießener Gtadttheater in Grünberg.
4- Grünberg, 28. Oft. Durch die NS. - Gemeinschaft „Kraft durch Freude" fand am Sonntagabend in der Turnhalle ein Gastspiel des Gießener Stadttheaters statt. Zur Aufführung gelangte das Polksstück „Wenn der Hahn kräht" von Aug. Hinrichs. Die urwüchsige Komödie, durch die Künstler wirkungsvoll dargestellt, ließ die zahlreichen Besucher oft nicht aus dem Lachen herauskommen und erntete stürmischen Beifall. Jedenfalls wird es wohl allgemein begrüßt werden, wenn sich bewahrheitet, was der Intendant Schultze-Griesheim vor Beginn der Vorstellung ankündigte, daß die Absicht bestände, solche Theaterabende in regelmäßigen Abständen zu wiederholen.
Volksdeutsche Kundgebung in Lich.
? Lich, 28.Oft Der Volksbund für das Deutschtum im Ausland (VDA.), Ortsgruppe Lich, veranstaltete in Gemeinschaft mit der Schulgruppe des VDA. in der hiesigen Turnhalle gestern nachmittag eine „Volksdeutsche Kund- g e b u n g". In Pertretung des erkrankten Leiters der hiesigen Ortsgruppe des VDA., Pg. Stadtrechner Schäfer, entbot Lehrer Hild den außerordentlich zahlreichen Besuchern, insbesondere dem Bezirksleiter des PDA., Kreisschulrat Pg. N e b e» l i n g (Gießen), herzlichen Willkommensgruß. Die schlichte Feiersttmde fand ihre Einleitung durch einen von den Schülern der obersten Klassen der hiesigen Volksschule mehrstimmig gesungenen und einen markant gesprochenen Gruß an die Ausländsdeutschen. Ein Lichtbildervortrag von Lehrer Hi Id führte die Versammelten im Geiste ins Memelland, gab ihnen einen Einblick in die Schönheiten und Eigenheiten dieses urdeutschen Landes und schilderte zugleich die unerträglichen Leiden der deutschen Bewohner dieses Landes unter fremder Willkür, die jedoch nicht die Liebe zum deut
schen Mutterlande zu unterdrücken vermochte. Verschiedene Sprechchöre der Schuljugend, die dem volksdeutschen Gedanken Rechnung trugen und für die edlen Ziele des VDA. warben, schufen die Ueberleitung zur Ansprache des VDA. - Pezirks-- leiters Kreisschulrat Nebeling. Der Redner gab Ö einen ausführlichen Ueberblicf über dis ng der deutschen Volksgenossen über die ganze Erde, zeigte dann an Beispielen die stets beständig gebliebene Liebe und Treue der Brüder und Schwestern im Ausland zur deutschen Heimat und schilderte eindringlich die Not unserer Prüder jenseits der Reichsgrenzen, die um ihr Deutschtum schwer kämpfen und ringen und sich nur mit Hilfe der Reichsdeutschen halten können. Niemals dürfen wir den deutschen Prüder, die deutsche Schwester im Ausland vergessen. Wir wallen ihnen Gelegenheit geben, unser neues Deutschland kennenzulernen, von dem sie nur das Zerrbild kennen, das ihnen die jüdische Lügenpresse zeigt. Wir wollen dafür sorgen, daß sie deutsch bleiben in ihrem Fühlen, Denken und Handeln. Hier setzt die Arbeit des VDA. ein, den unser Führer mit der hohen Aufgabe betraut hat, das Deutschtum im Ausland zu stützen und zu fördern und dafür zu sorgen, daß all die Tausende und Millionen Deutscher jenseits der Grenze ewig deutsch bleiben. Der Redner schloß mit dem Aufruf an alle, dem VDA. ihre uneingeschränkte Unterstützung zur Erreichung seiner edlen Ziele zu geben. Im Anschluß an die Ansprache und einen weiteren Sprechchor übergab Pezirksleiter Nebeling der hiesigen Schulgruppe des VDA. einen Wimpel mit dem Mahnruf, stets des Auslandsdeutschtums- eingedenk zu sein, nicht zu ruhen und zu rasten, bis das Reich aller Deutschen gebaut sei. Mit einer kurzen Ansprache von Rektor Erb, dem Gruß an den Führer und dem gemeinsamen Gesang der Nationalhymnen wurde geschlossen.
Sie schlafen schlecht?
.. auf Kaffee Hag umstellen I
„Kinder, jetzt soll jemand von euch spielen, einen recht schmiegsamen Walzer, bitte. Ich möchte nämlich auch einmal mit Hans tanzen."
Sie lachte jung und froh. Wie sie das noch konnte: Wie eine von Zwanzig — und ihr Leben hatte doch auch ein gehäuftes Maß voll Leid zu- geteilt bekommen. Vier Söhne waren ihr gestorben, viel Geld hatte sie verloren und Krankheit hatte ihr böse zugesetzt. Sie hatte sich aber nie unterliegen lassen und immer alles gerecht verteilt gefunden, Freude und Leid. War immer tapfer gewesen und mit Gottvertrauen und Selbstbeherrschung war sie ein „Stehaufmännchen" geblieben, wie sie von Großchen Leonore manchmal genannt wurde.
Sie lächelte fragend: „Wer will mir zum Tanz aufspielen?"
Gretel rief: „Ich, Großchen Jutta!" Sie fetzte sich an das Instrument und begann einen Wiener Walzer.
Bettina ließ sich auf einem Sessel nieder und sah dem Tanze zu. Wenn sie die Augen halb schloß, ergab das die Illusion, als wäre Großchen Jutta noch ein schlankes Jungmädel. Wer doch auch so eine Natur hätte, wie die Gräfin, dachte sie, wer doch auch ein so glückliches und beglückendes Wesen hätte!
Sie lächelte matt, sie glaubte mit heimlichem Erbeben noch immer Hans Sydens Arme zu fühlen, die sie umschlungen gehalten im Tanz.
Wie habe ich dich so glücklich lieb! pochte ihr Herz.
Wie habe ich dich so unglücklich lieb! sagte ihr Verstand.
Hans Syden aber tanzte mit Großchen Jutta und ihm kam dabei der Gedanke, ob er nicht zu dieser körperlich und geistig so jung und verständnisvoll gebliebenen Frau von dem sprechen sollte, was keck und dreist damit begonnen, daß er einem anderen Manne die Braut weanahm, weil sie ihm gefiel, weil er sie besitzen wollte und was wie eine Tragödie endete, ihn unfrei und zum Sklaven einer Totem machen wollte, die er gar nicht richtig geliebt, wie er nun erkannt. Die er nur begehrt, weil sie so schön gewesen.
Ob er Großchen Jutta einweihen sollte und sie um Rat fragen?
Er wollte darüber nachdenken.
„Aber, Bub, du bist ja gar nicht bei der Sache, drehst mich ja herum wie ein Stück Holz!" schalt sie lachend.
Da kam es fast gegen feinen Willen über seine Lippen: „Ich möchte dich heute noch sprechen. Allein sprechen, Großchen, ich hab dir etwas zu sagen, etwas für mich sehr Wichtiges."
Sie tanzten weiter. Jutta Syden entsann sich, daß, wenn Hans in jüngeren Jahren zu ihr gesagt hatte: „Ich möchte dich allein sprechen! war es immer auf einen unüberlegten Streich von ihm
herausgekommen. Er war von je ein wenig selbstherrlich, hatte meist getan, was er gewollt, seltener, was er gesollt. Das hatte schon auf der Schule oft Schwierigkeiten ergeben.
Nun aber hatte er sie seit Jahren nicht mehr allein sprechen wollen — er war ja längst erwachsen und selbständig, verdiente sein Brot gut und reichlich. Was quälte ihn? Er war anders als früher, das war ihnen allen schon bei seinem Besuch im Frühjahr aufgefallen.
Sie spürte leise Angst und erwiderte: „Wenn alle in ihren Zimmern sind, auch du mußt mir scheinbar .Gute Nacht' sagen, dann komm zu mir. Ich braue uns noch einen Tee."
Sie tanzten den Walzer zu Ende und damit war auch zugleich Tanz und Spiel zu Ende, denn die Gräfin schlug vor: „Wir wollen schlafen gehen."
Sie war sehr gespannt auf das, was ihr der geliebte Enkel zu sagen hatte, der seinen Vater, ihrem letzten Sohn, so ähnlich sah, daß sie oftmals vergaß, wie viele Jahre es schon her war, seit ihr letzter Sohn die Erde hatte verlassen müssen.
Gretel faßte die Freundin unter: „Also komm, Bettinalein, gehen wir nach oben! Deine Geschenke kannst du bis morgen in der Bibliothek lassen."
Bettina nickte, und doch hätte sie gern die „Loreley" mit nach oben genommen, Hans Syden hatte sie ihr geschenkt.
Man wünschte sich gegenseitig eine „Gute Nacht" und dann knarrte leise die alte Eichentreppe, es klappten ein paar Türen, bald lag das Waldschlößchen in tiefer Ruhe, alle Bewohner schienen schon zu schlafen.
Aber unten in ihrem behaglichen Wohnzimmer saß Jutta Syden und wartete auf den Enkel. Das Wasser in dem silbernen Teekessel brodelte und sie blickte bedrückt vor sich hin, atmete erst etwas auf, als es leise anklopfte und Hans gleich darauf vor ihr stand.
Wie anheimelnd dieses Zimmer war. Das behaglichste des ganzen Hauses war es, stellte Hans Syden wieder einmal, wie schon so oft vorher, fest. Er setzte sich neben die Großmama, nahm aus ihren Händen ein Täßchen Tee entgegen und begann zu erzählen. Er schonte sich gar nicht und bekannte offen, daß er Wally Walb bewogen, das Haus der Pflegemutter zu verlassen. Er erklärte auch, daß er die Absicht gehabt, sie ins Waldschlößchen zu bringen und hier schnellstens zu heiraten.
„Ich habe allerdings nicht allzuviel Ueberredungs- kunst anzuwenden brauchen", erklärte er, „denn Wally Walb liebte mich sehr. Sie hat mich schon auf den ersten Blick geliebt, das hat sie mir oft beteuert."
Er nannte jetzt erst den Namen von Wally Walbs Verlobten und beobachtete deutlich, wie sich Großchen Juttas Gesicht entfärbte, aber sie unterdrückte jeden Laut des Erstaunens, ließ ihn weiter erzählen bis zu Ende.
(Fortsetzung folgt!)


