Ausgabe 
29.10.1935
 
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Hr.255 Drittes Blatt

GietzenerAnzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)

Dienstag, 29. Oktober (935

Aus der Provinzialhauptstadl.

Zimmerschmuck in blumenarmer Zeit.

Daß Blumen der schönste Schmuck unserer Zim­mer sind, merken wir in jedem Jahre, sobald sie knapp und teuer zu werden beginnen. Wir kommen aber ganz gut durch den Winter, wenn wir uns daran gewöhnen, statt Schnittblumen Topfpflanzen zu nehmen, von denen wir viel mehr haben und die uns eigentlich auch noch mehr Freude machen, denn wähmnd Schnittblumen trotz liebevoller Pflege mit jedem Tage unansehnlicher werden, ist es bei der Topfpflanze umgekehrt; sie dankt uns unsere Pflege durch reiche Entwicklung und üppiges Wachstum. Die Wahl dürfte also eigentlich nicht schwerfallen.

Jetzt im Herbst sieht auch ein Strauß von blühen­dem Heidekraut noch sehr reizvoll aus; wir können ihn ohne Wasser aufstellen, und er hält sich Wochen lang, so lange, bis er ein staubiges Aussehen be­kommt. Dann muß man ihn natürlich wegtun. Be­sonders hübsch wirkt Heidekraut, wenn man es mit Kiefernzweigen mischt. Auch Immortellen können für etliche Wochen einen reizvollen Zimmerschmuck abgeben. Ebenso sollten wir die verschiedenartigen Beerenzweige nicht verschmähen. Wenn ihre Blät­ter vergehen, können wir die Beeren mit Tannen­oder Kiefernzweigen zusammenstellen und haben auf diese Weise immer noch einen ansprechenden Zierat.

Eine Fülle fchöner Sträuße bietet das bunte Herbstlaub. Man muß es aber in dem Augenblick pflücken, wenn es zwar schon bunt gefärbt, aber sonst noch vollkommen frisch ist. Blätter, die bereits schrumplig uno trocken geworden sind, sehen in den Stuben nicht gut aus und fallen zudem sehr schnell ab. Haben wir aber wirklich schönes, buntfarbiges Herbstlaub, etwa Eichen- oder Buchenlaub bekommen, so sollen wir ihm etwas Glyzerin zuführen, damit es sich länger hält. Die Ausgabe und die kleine Mühe lohnen sich wirklich. Man schneidet zunächst den Zweig am unteren Ende der Länge nach auf und stellt ihn dann in ein Gefäß, das man mit einer Mischung aus halb Wasser, halb ungereinigtes Glyzerin füllt. Hierin läßt man die Zweige vierzehn Tage lang stehen. Darauf erneuert man die Gly­zerinlösung. Wenn man die Zweige auf diese Weise behandelt, kann man den ganzen Winter Freude an ihnen haben

Auch Hagebutten- und Mehlbeerenzweige geben eine sehr hübsche Füllung für Tonkrüge. Das gleiche gilt von Wacholder, der mit seinen schwarzblauen Beeren besonders reizvoll wirkt. Zimmerschmuck die­ser Art können wir den ganzen Spätherbst hindurch haben, bis die Weihnachtstannen, die Mistelzweige und der Stechlorbeer, Eukalyptus und andere Herr­lichkeiten kommen. Will uns das Schicksal wohl, so bringt es uns einmal einen Orchideenzweig ins Haus, den wir sehr lange frisch und schön erhalten können, wenn wir ihn in ein Gefäß mit nassem Sand stellen. Andere Blumen sollen wir in Krüge tun, die wir mit feuchtem Moos gefüllt haben. Erstens stellen sich die Blumen in Moos besser auf und man braucht weniger zur Füllung eines Ge­fäßes, zweitens halten sie sich länger frisch als in Wasser.

Schnittblumen sollen wir, sobald wir die Zimmer heizen, abends immer in einen kühlen Raum stellen; sie danken uns für diese Erholung, indem sie sich überraschend lange gut erhalten.

Die schönen Alpenveilchen gehen bei vielen Leu­ten sehr schnell ein. Man wird immer finden, daß der Fehler gemacht wurde, sie von oben zu be­gießen. Alpenveilchen müssen auf einem Untersatz stehen, den man alle zwei bis drei Tage mit Was­ser füllt, aber immer erst, wenn die obere Erde sich trocken anfühlt. Man vermeidet auf diese Weise das Fauligwerden der Stiele, und man wird sehen, daß Blätter und Knospen sich in unvergleichlicher Schön­heit entwickeln.

Sehr dankbar sind Primeln aller Art, die man auch gut den Sommer über, wenn man sie ins Freie oder auf den Balkon stellt, durchhalten kann, so daß sie zum Herbst wieder reich zu blühen beginnen.

Unterstützt man den Blumenflor im Zimmer, in­dem man einige Blumenzwiebeln verschiedener Art auslegt, so wird man selbst in der blumenarmen Zeit den reizvollsten Schmuck nicht zu entbehren brauchen. M. G.

Vornoinen

Tageskalender für Dienstag.

NSG.Kraft durch Freude": 20.30 bis 21.30 Uhr, nur für Frauen: Fröhliche Gymnastik und Spiele, in der alten Pestalozzischule; 20.30 bis 21.30 Uhr, Ski-Gymnastik und allgemeine Körperschule, in der Schillerschule; 20 bis 21 Uhr und 21 bis 22 Uhr, Schwimmen im Dolksbad; 21 bis 22 Uhr, Reiten, Reitschule Sckömbs. Landschaftsbund Volkstum und Heimat, Ortsring Gießen: 20.15 Uhr, im Katho­lischen Vereinshaus, Eröffnung der Winterarbeit. Stadttheater: 20 bis 22 Uhr,Komödie der Irrun­gen". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Bosambo". Oberhessischer Kunstverein, Turmhaus am Brand­platz: 16 bis 17 Uhr, Ausstellung friesischer Maler der Gegenwart; Kleintierplastik von Lily König.

Stadttheater Gießen.

Heute von 20 bis 22 Uhr als 5. Dienstag-Abon- nement-Dorstellung Erstaufführung der heiter be­schwingten VerwechselungskomödieKomödie der Irrungen" von W. Shakespeare. Spielleitung: In­tendant Schultze-Griesheim.

Goethe-Bund Gießen und kaufmännischer Verein Gießen

bitten uns, nochmals auf den morgen Abend in der Neuen Aula stattsindenden Lichtbildervortrag von Studienrat WoblenbergIm Süden Abes­siniens" hinzuweisen. (Siehe heutige Anzeigen.) Oer Schriftverkehr mit den Ausland­

dienststellen der 7!E>OAp

Die Landesregierung hat an alle unterstellten Be­hörden, Gemeinden, Gemeindeverbände und sonstige Körperschaften des öffentlichen Rechts folgende Ver­fügung gerichtet:

Es haben sich deutsche behördliche Dienststellen un­mittelbar an die Auslandsdienststellen der NSDAP, gewandt, was zu Schädigungen der im Ausland lebenden Parteigenossen führen kann. Alle Behör­den werden deshalb angewiesen, in Zukunft der­artigen Schriftverkehr mit den Auslandsgruppen oder den Hoheitsträgern der NSDAP, über die Lei­tung der Auslandsorganisation, Berlin W 35, Tier- gartenstraße 4a, gehen zu lassen.

Aeuderuug von Familiennamen und Vornamen.

In letzter Zeit sind dem Reichs- und Preußischen Minister des Innern zahlreiche Anträge auf Na­mensänderung vorgelegt worden, die ohne nähere

Rekruteneinzug in Gießen.

Vor wenigen Wochen sah man überall in Städ­ten und Dörfern die jungen deutschen Menschen mit den Blumen und Bändern des bei der Musterung für den Heeresdienst tauglich befundenen jungen Mannes einherschreiten. Froh und stolz klangen die Lieder der jungen Rekruten, die nach langen, dunk­len Jahren der deutschen Geschichte als erste wieder die allgemeine Herresdien st pflicht im freien deutschen Heer erfüllen sollten. Und viele, viele dieser jungen Volksgenossen freuten sich damals schon bei der Musterung auf den Tag, an dem sie zum Heere einrücken durften. Ihr Wunsch und ihre Sehnsucht findet jetzt Erfüllung. Seit dem gestrigen Montag rücken in den Garnisonstädten die Rekruten ein.

In Gießen belebte sich schon von gestern vormit­tag an das Straßenbild mit den einzeln oder nur wenige Mann starken Trupps aus der näheren Umgebung ankommenden künftigen Soldaten. Zu Fuß oder mit der Straßenbahn machten sich die jungen Männer, ihren Koffer oder Pappkarton an der Hand, auf den Weg zur Kaserne. Da es sich um Einzeleinrücker oder um ganz kleine Trupps handelte, konnten sie den Weg zu ihrer Truppe ohne militärische Begleitung zurücklegen. Fanden sich dagegen die Rekruten in Trupps von 10, 12 und mehr Mann in einem Transport zusammen, so hatte der von der Ersatzbehörde vorher von der Ankunft benachrichtigte Truppenteil Unter­offiziere oder Gefreite zum Bahphof geschickt, unter deren Führung die junge Mannschaft frohgemut den Weg zur Kaserne antrat. Den ganzen Tag über herrschte dieses ununterbrochene Kommen in den Kasernen, die nunmehr für ein Jahr das Heim der er st en Dien st pflicht-Rekruten unseres wiedererstandenen Heeres sein werden.

Waren schon die Straßenbilder des gestrigen Tages geeignet, bei den alten Soldaten mancherlei Erinerungen an ihr eigenes Erleben in jenen jun­gen Jahren zu wecken, so wurde dieser Blick in ihre Soldatenzeit noch stärker, soweit ihnen das inter­essante Bild des Rekruteneinzugs am heutigen Dienstag in früher Morgenstunde sichtbar wurde.

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steig aufgestellt. Die Transportbegleiter verlasen die Rainen der ihrer Obhut anoertrauten Gruppen. Kräftig erscholl nach jedem Namensaufruf das Hier!" Und dann ging es durch die Sperre hinaus auf den Bahnhofsplatz, wo sich der lange Zug der jungen Männer formierte. Einige letzte Anordnun­gen des Offiziers, dann ein straffes Komando, und nun ging es unter schneidiger Marschmusik der Re­gimentskapelle in die Stadt hinein. Durch die Bahn­hofstraße Über den Horst-Wessel-Wall, den Hinden- burgwall und den Ludwigsplatz ging es die Licher Straße hinauf zur Kaserne. Schneidig erklangen unsere schönen alten Armeemärsche, flott und stramm marschierten die Rekruten in Reih und Glied. Man­chem mag allerdings das Marschieren nicht ganz leicht geworden sein, da er sich etwas zu sehr mit Gepäck ausgestattet hatte. Aber frohgemut wurde der mehr oder minder große Reisekofferauf den Ast gehauen", andere wieder schleppten ihre Kartons oder dergleichen rechts und links im Gleichgewicht dahin, die Weitsichtigen hatten es nur bei" kleinern

Oberes Bild: Die zu­künftigen Rekruten sind angekommen und auf dem Bahnsteig angetreten.

Nebenstehend: In Grup­pen werden die Ankom­menden auf den Bahn­hofsvorplatz geführt, um dann den Marsch nach der Kaserne anzutreten. (Aufnahmen [2]: Neu­ner, Gießener Anzeiger.)

Nächtliche Ruhe lag über ber Stadt. Gegen 5 Uhr wurde es auf dem Bahnhofsplatz und in der Bahn­hofshalle viel lebendiger als sonst um diese Morgen­stunde. Unsere Gießener Regimentsmusik rückte an, dazu ein größeres Kommando von Unteroffizieren und Mannschaften, alle unter dem Befehl eines Offiziers. Es galt, einen geschloffenen gro­ßen Rekrutentransport, der mittels Son­derzuges um 5.15 Uhr im Bahnhof einlief, abzu­holen. Pünktlich traf der Zug ein. Er brachte außer den Rekruten für unsere Stadt auch noch die junge Mannschaft für die Garnisonen der Nachbarbezirke bis hinauf nach Kassel. Rasch hatten die Gießener Rekruten den Zug verlassen und sich auf dem Bahn-

Gepäck beroenben lassen in der zutreffenden Vor­aussicht, daß es damit völlig genug sei, weil sie ja doch alle miteinander schon heute abend los und ledig ihrerZivilerinnerungen" sind. Und so wird es denn auch fein. Heute vormittag werden die Re­kruten innerhalb ihrer Truppe auf die verschiede­nen Einheiten verteilt, dann geht's auf die Kammer zum Empfang derBrocken", und bald schon ist derschäbige Zivilist" verschwunden, der junge Sol­dat steht da, wenn er auch erst einer werden soll

Rekrutenzeit, stramme Zeit, aber schließlich heißt es doch auch für jeden dieser jungen Soldaten, eben­so wie die Alten einst feststellen konnten: Ja, schön ist das Soldatenleben!

Begründung befürwortet waren, obwohl nach den bestehenden Richtlinien keine Aussicht auf Genehmi­gung bejtanb. Ausnahmen von den Richtlinien kom­men nur beim Vorliegen ganz besonderer Gründe in Frage. Wird ein Antrag jedoch entgegen den Richtlinien befürwortet, müssen die Gründe hierzu genauestens dargelegt werden.

Ferner wurde wiederholt die Aenderung des Fa­miliennamens einer nicht voll geschäftsfähigen Per­son befürwortet, obwohl gar kein rechtswirksamer Antrag ihres gesetzlichen Vertreters vorlag. Dieser Antrag bildet aber eine unumgängliche Voraus­setzung für die Genehmigung der Namensänderung. Um Verzögerungen und gegebenenfalls auch eine zwecklose finanzielle Belastung der Beteiligten zu vermeiden, ersucht der Reichs- und Preußische In­nenminister, in jedem Falle, in dem für eine nicht voll geschäftsfähige Person ein Antrag auf Na­mensänderung gestellt wird, zunächst die Frage ihrer gesetzlichen Vertretung zu prüfen. Erft wenn sich hierbei ergibt, daß der Antrag rechtswirksam ist, sind die weiteren Ermittlungen anzustellen.

Landschastsbund Volkstum und Heimat

Orksring Gießen.

Heute, Dienstag, um 20.15 Uhr pünktlich, fin­det im Katholischen Vereinshaus die feierliche Eröffnung unfeYer Winterarbeit statt. Redner: Landschaftsleiter Ministerialrat Ringshaufen. Es wirken u. a. mit: Heimatdichter Georg Heß, der Bauerfche Gesangverein, To. 1846 (Volkstanz­gruppe), Singgruppe der Goetheschule und Sprech­chor der Pestalozzischule.

freier (Eintritt für unsere Mitglieder und die Mitglieder der angeschlossenen Verbände und des Goethebundes, samt Angehörigen. Nichtmitglie­der zahlen 20 Pfennig Eintritt.

SportamtK aff durch Freude^.

heule folgende Kurse:

Fröhliche Gymnastik und Spiele, nur für Frauen. Von 20.30 bis 21.30 Uhr, Alte Pestalozzischule, Wernerwall.

Skigymnastik und Allgemeine Kör­perschule, für Frauen und Männer. Von 20.30 bis 21.30 Uhr, Schillerfchule, Schiller­straße. ..

Schwimmen, für Frauen und Männer. Don 20 bis 21 Uhr und von 21 bis 22 Uhr, Volks­bad.

Reiten. Von 21 bis 22 Uhr, Reitschule Schömbs.

Für die Kurse Ski-Trocken (Freitagabend) und Hallentennis (Samstagnachmittag und

Sonntagvormittag) können noch Anmeldungen auf dem Sportamt, Schanzenstraße 18, Tel. 2919 abge­geben werden.

Hinein in die SportkurseKraft durch Freude"!

Deutsche Arbeitsfront.

Vetriebsfragen

der Reichsbelriebsgemeinschaflhandel".

DaS Organisationsamt der Deutschen Arbeits­front hat den neuen Betriebsfragebogen der ReichsbetriebsgemeinschaftHandel" zugelassen.

Die Betriebsfragebogen werden im Laufe der Monate Oktober und November durch die DAF.- Walter an die Betriebe des Handels zwecks Aus­füllung verteilt.

Es ist Pflicht der Betriebsführer, die Frage­bogen schnellstens und gewissenhaft ausgefüllt den DAF.-Waltern wieder auszuhändigen, damit die Erfassung und somit die Betreuung aller zum Handel gehörenden schaffenden deutschen Menschen durch die DAF. gewährleistet werden kann.

Die Erfassung aller Handelsbetriebe ist w5gen der Vielzahl der zur RBG.Handel" gehörenden Betriebe bzw. Betriebsarten ganz besonders wich­tig, denn die RBG.Handel" ist bekanntlich die größte aller Reichsbetriebsgemeinschaften.

Die erste große Tournee der NS.Gemeinschaft Kraft durch Freude" weilt am 4. November in unserer Stadl.

. Die deutsche Arbeitsfront W*N.9.-6emeinschaftKratt durch freute

Sie läuft unter dem KennwortLache mit u n s", 150 Minuten Lachen mit acht Standard­nummern.

Im Mittelpunkt des Programms steht Rudolf Klaus, der beste Akkordeon-Virtuose Europas. Diesen Künstler muß man gesehen und gehört haben, um überhaupt zu wissen, was man mit einem Akkordeon anfangen kann. Schon allein das Instrument verblüfft, und man hält es kaum für möglich, wie ein Mann auf diesen 267 Tasten über­haupt zurechtkommen kann. Sein Spiel ist so melo­diös, daß es an die Harmonie einer Orgel heran- reicht.

Ist es ein Wunder, wenn die Besucher rasen und so immer neue Zugaben erzwingen? Rudolf Klaus spielt aus Liebe zur Musik mit hingebender Leiden­schaft. Er bringt uns die besten Ouvertüren von Oberon",Die luftigen Weiber", dieZweite un­

garische Rhapsodie" usw., alles Musikstücke, die einen ganzen Meister erfordern.

Aber auch das übrige Programm ist ganz her» vorragend. Die besten Künstler der internationalen Artistik sind vertreten. Da ist z. B.B e n - B e - n e 11", ein Pechvogel. Er kann anfangen, was er auch will, alles mißlingt Weiter finden wirR e i und Che! t", die uns auf das angenehmste unter­halten werden.A r i v a n", der große Zauberer, wird jeden durch feine Handfertigkeit und feinen gefunden Humor verblüffen. Die geschickten Mani­pulationen, die er uns zeigt, vermischt mit einer glänzenden komischen Unterhaltungsgabe, werden auch dieser Nummer einen großen Erfolg bringen.

Karten zum Preise von 60, 80 Pf. und 1 Mark sind im Vorverkauf zu haben bei: Musikhaus Chat- lier, Neuenweg, Schokoladenhaus Huntemann, Sei- tersweg, KreisdienststelleKdF.", Schanzenstr. 18.

Von der Landesuniversität.

Von der Pressestelle der Universität Gießen roirÜ uns berichtet:

Professor Dr. S e s s o u s, Direktor des Instituts für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung an der Uni­versität Gießen, wurde als Obmann der Reichs­arbeitsgemeinschaftPflanzenbau" bestätigt und damit zugleich in den Forschungsrat der deutschen Landbauwissenschaft berufen.

Die Vorlesungen und Uebungen beginnen am 4. November.

Vereidigung

im Arbeitsdienstlager Gießen.

Zu unserem gestrigen Bericht über die Vereidi­gung im Arbeitsdienstlager Gießen ift berichtigend mitzuteilen, daß das aleichzeitig abgedruckte Bild des Oberfeldmeifters Loesch diesen bei der Verlesung der Eidesformel aus dem Ver­ordnungsblatt hes Arbeitsdienstes darstellt.

Oie Verlosung der AblösungSanleihe- AuSIosungsrechte.

Die Bürgermeisterei veröffentlicht in unserem heu­tigen Anzeigenteil das Ergebnis der Verlosung von Auslosungsrechten der Ablösungsanleihe der Stadt Gießen Die Einlösung wird vom 2. Januar 1936 ab bei der Stadtkasse gegen Rückgabe der gezoge­nen Auslosungsrechte mit Schuldverschreibungen der Ablösungsanleihe im gleichen Nennbetrag erfolgen. Näheres ist aus der Bekanntmachung ersichtlich.

Verband Deutscher Burschen und Adelphia-Gießen aufgelöst.

Am Sonntag, 27. Oktober, vormittags tagte der Verband Deutscher Burschen (VDB.) in Frankfurt am Main. Als Ergebnis der einmütigen Bespre­chung konnte der Verbandsführer die Auflösung des Verbandes verkünden.

Am Nachmittag des gleichen Tages hielt dis Studentische Reformoerbindung Adel» phia Gießen, die dem Verbände angehörte, einen außerordentlichen Altherrn- und Gesamtkon» vent ab, der sehr zahlreich besucht war. Auch hier kam es zum einstimmig gefaßten Beschluß, zur Auflösung der Korporation.

Alte Familienpapiere und Bücher nicht achtlos wegwersen!

Man schreibt uns: In Nummer 244 des Gießener Anzeigers vom 18. Oktober ist mit vollem Rechte nochmals auf die Entrümpelung und die durch sie bedingte Notwendigkeit, sich von allerlei Altem, einem vielleicht auch Liebgewordenen, trennen zu müssen, hingewiesen worden. Bei dieser Gelegen» heit, aber auch bei anderen Anlässen, vor allem bei Umzügen und Todesfällen, werden gar oft seit langen Zeiten unbeobachtet gebliebene und ver­gessene alte Familienpapiere, Briefe, Haushalts-, Geschäfts-, Tage- und andere Bücher wieder ans Licht befördert. Meist werden diese achtlos oder mit dem Gedanken, daß dieseralte Plunder" doch niemandem mehr nütze, einfach der Vernichtung preisgegeben. Dabei wird aber übersehen, daß ge­rade diese Papiere als wertvolle Zeugen der Ver­gangenheit es dem Geschichtsforscher erst ermög­lichen, uns Nachfahren ein lebendiges Bild alter Zeiten wieder vor unserem geistigen Auge an» schaulich erstehen zu lassen. Was das für unsere Stadt- und Familiengeschichte bedeutet, braucht nicht erst lange auseinandergesetzt zu werden. So ergeht denn an alle Einwohner unserer Stadt hiermit die Bitte, alte Papiere dieser Art nicht ohne weiteres zu vernichten, sondern sie dem Stadtarchiv zur Verfügung zu stellen, das dann das im obengenann­ten Sinne noch Wertvolle feinen Beständen als willkommene Quelle der Heimatgeschichte einglie­dern wird. Der Verwalter des Stadtarchivs, Dr. Lehnert, ist jederzeit gern bereit, Ueberroeifun» gen dieser Art zu übernehmen, ober auch die Pa­piere an Ort und Stelle zu prüfen, und würde sich im Interesse der Stadt- und Familiengeschichte freuen, wenn feine Bitte recht weitgehende Beach­tung fände. Sprechzeit vormittags in der Universi­tätsbibliothek.

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** Silberne Hochzeit. Am heutigen Diens­tag, 29. Oft., können die Eheleute Michael L a m s und Frau Elisabethe, geb. Best, Ebelstraße 41 wahrhaft, das Fest der Silbernen Hochzeit begehen. Gleichzeitig kann Familie L a m s heute ihr 25- jähriges Mieterjubiläum feiern. Die Eheleute find schon seit 25 Jahren treue Bezieher des Gießener Anzeigers.

** Freie Lehrer stelle. Erledigt ist eine Lehrerstelle für einen evangelischen Lehrer an der Volksschule in Freienfeen, Kreis Schotten. Dienstwohnung ist vorhanden und frei. Bewerber müssen seit mindestens acht Jahren die Prüfung ab­gelegt haben und eine Anwärterdienstzeit von min­destens fünf Jahren zurückgelegt haben.

Gondergericht in Gießen.

Wegen Verächtlichmachung eines Mitgliedes der Reichsregierung wurde der Wilhelm Schäfer aus Gießen zu 120 Mark Geldstrafe und in die Kosten des Verfahrens verurteilt.

Das Gericht befaßte sich sodann mit dem Franz M ö b s aus Gießen, der wegen schwerer Beleidi­gung des Führers zu einer Gefängnisstrafe oon fünf Monaten verurteilt wurde. Straf­mindernd kam in Betracht, daß sich der Angeklagte bisher nicht staatsfeindlich betätigte, im Gegenteil, sich für den heutigen Staat einsetzte und das Motiv der Tat unbekannt ift.

Weiter stand der Wilhelm Sebastian Schnei­der aus Ober-Mörlen vor den Schranken des Ge­richts. Er wurde zu drei Monaten Gefäng« n i s verurteilt, da er unwahre Behauptungen über den Reichsnährstand und den Führer ausstellte.