Roosevelt prüft die Gowjetnote.
Oer bisherige Zustand kann nicht bleiben.
Keine Erhöhung der Lebensmittelpreise.
Anordnungen des ReichsernLhrungsministers.
Washington, 28. Aug. (DNB.) Präsident Roosevelt prüft gemeinsam mit Staatssekretär fiull und dem Referenten die sowjetrus. fische Antwort auf den amerikanischen Protest.
Wie verlautet, möchte man einerseits nicht alle Beziehungen abbrechen, anderseits sieht man aber ein, dah man es nicht bei dem gegenwärtigen Zu st and bewenden lassen kann.
Vas Argument, dah die Internationale von der Sowjetregierung völlig getrennt fei, wird hier als lächerlich zurückgewiesen. Man betont, dah die Sowjetregierung die teilweise albernen und leeren Prahlereien amerikanischer und anderer Kommunisten über ihren Einfluß in
Amerika offiziell hätte desavouiren sollen.
In politischen Kreisen wird darauf hingewiesen, daß Roosevelt gegen den Rat vieler Amerikaner, insbesondere vieler seiner politischen Gegner, im Herbst 1933 die Beziehungen zur Sowjetunion ausgenommen hat. Ein Abbruch der Beziehungen nach so kurzer Zeit würde das Eingeständnis eines schweren politischen Fehlers darstellen.
Sowjetregierung und Komintern.
Anerkennung des Rechts der Komintern auf weltrevolutionäre Propaganda.
Moskau, 28. Aua. (DNB.) Hinsichtlich der Antwort Krestinskis auf die amerikanische Protestnote wird hier folgender Gesichtspunkt besonders hervorgehoben:
Im vierten Absatz der Präsident Roosevelt am 16. November 1933 seitens Litwinow brieflich gemachten Zusicherung war ausdrücklich gesagt worden, dah die Sowjetregierung auf ihrem Boden keine Organisation dulden werde, die einen Umsturz der sozialen Ordnung in den Bereinigten Staaten anstrebe. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Komintern den Umsturz der sozialen Ordnung in allen sogenannten kapitalistischen Staaten erstrebt, was durch ihr Programm und den Verlauf des Moskauer Komintern.Kongresses bestätigt wird. Auch die Antwort Krestinskis bestreitet diese Tatsache nicht. Krestinski b e st reitet auch nicht, daß sich die Komintern auf dem Boden der Sowjetunion betätigt. Der Sinn feiner Antwortnote kann also nur darin liegen, daß bei Uebernahme der Verpflichtung vom 16. November 1933 durch Litwinow, sich der revolutionären Propaganda zu enthalten, diese Ver
pflichtung auf den Sonderfall der Komintern stillschweigend ausgenommen wurde.
Die Bedeutung der Erklärung Krestinskis wird somit darin erblickt, daß es die S o w j e t r e g i e - rung offenbar generell ablehnt, irgendwelche Verpflichtungen der Nickt ein- Mischung zu übernehmen, die sich auf jenen Punkt erstrecken, der für alle Staaten, die Beziehungen mit der Sowjetunion unterhalten, gerade der wichtigste ist, nämlich auf den Fall der Komintern.
Auch ein französischer Schrill in Jlwskau?
Paris, 29. Aug. (DNB. Funksvruch.) Wie be- kannt, haben die Regierungen der Vereinigten Staaten und Englands bereits in Moskau Protest schritte wegen der Vorkommnisse auf der Tagung der Komintern unternommen. Nach dem „Jour" hat man sich auch in französischen Regierunaskreisen damit beschäftigt, die Aufmerksamkeit der Sowjetregierung auf den Widerspruch zu lenken, der zwischen den Beschlüssen der Komintern und den Verpflichtungen der So w j etregierung aus dem französisch - sowjetrussischen Nichtangriffspakt besteht. Auf dem Mini- sterrat am Mittwoch habe der Ministerpräsident diese Frage angeschnitten und die Zustimmung der Negierungsmitglieder zu einem Schritt in Moskau erhalten.
Die militärischen Sowjelspione in Frankreich.
Moskau, 28. Aug. (DNB.) Nach einem Bericht der „Taß" schreitet das Studium der französischen Heereseinrichtungen und der militärischen Vorbereitungen Frankreichs durch die unter Führung des stellvertretenden Chefs der Roten Armee stehende sowjet- russische Militärabordnung weiter fort. Auf Einladung der französischen Militärbehörden besuchten die Sowjetrussen die Kriegsakademie in Saint Cyr. Die Abordnung lernte eingehend „die Organisation der kriegerischen Vorbereitung" und die mit der Schule zusammenhängenden Einrichtungen kennen. Sodann besuchte sie das 6. Dragoner- Regiment der Pariser Kavallerie-Division. Hier wurde besonders die Bewaffnung einer genauen Augenscheinnahme und einer anschließenden eingehenden Besprechung unterzogen.
Oer Bauernflreik in Litauen.
Bisher 60 Verhaftete. — Weitere Ausbreitung. — Kommunisten am Werk.
K o w n o, 28. Aug. (DNB.) Der Bauern streik in Südlitauen verlief am Mittwoch ohne besondere Zwischenfälle. Nördlich von B i r st a n y kam es wieder zu einer Zusammenrottung der Streikenden, doch konnten sie leicht zerstreut werden. Durch das energische Durchgreifen der Sicherheitsorgane ist nun auch die Chaussee von M a - riampol nach K o w n o, die einige Tage von den Streikenden belagert wurde, gesäubert. Die Zahl der bis jetzt Verhafteten beträgt etwa 60. Der Kownoer Kriegskommandant hat am Mittwoch auf administrativem Wege bereits 19 der Unruhestifter verurteilt.
Im Laufe des Mitwoch wurden erneut Flugblätter verbreitet, in denen als Bedingung zur Beilegung des Streiks mehrere Forderungen an die Regierung gestellt werden, und zwar Herabsetzung der Landsteuer um 50 v. H., S e n k u n g d e r Z i n s e n für landwirtschaftliche Kredite auf 3 o. H., Aufhebung der Monopole und Angleichung der Preise für landwirtschaftliche Produkte an die Preise für In- dustrieerzeugnisse.
Wie verlautet, wird der Staatspräsident im Zusammenhang mit den Vorkommnissen einen Aufruf an die Bevölkerung erlassen. Es sind Gerüchte im Umlauf, daß der langjährige Landwirtslbaftsminister im Zusammen- Jiang mit den Unruhen zurücktreten wird. An eine Stelle soll der jetzige Bildungsminister und rühere Direktor der Landwirtschaftsakademie, Tol- funas, treten. Eine amtliche Bestätigung hierüber konnte nicht erreicht werden. Zur Aufklärung des Ursprungsder Bauernunruhen ist eine strenge Untersuchung eingeleitet worden. U. a. wurde auch heute der Führer der Dolkssozia- listen und frühere Ministerpräsident S l e s c e v i - c i u s einem Verhör unterzogen.
K o w n o ist auch am Mittwoch ohne Milch geblieben. In Zusammenhang mit den blutigen Zusammenstößen zwischen Streikenden und der Polizei, wobei ein P o l i z i st durch Steinwürfe g e - tötet und zwei Bauern erschossen wurden, erläßt der Kownoer Kriegskommandant am heutigen Mitwoch durch Anschlag einen Befehl, in dem auf Grund des Sonder-Staatsschutzgesetzes scharfe Maßnahmen gegen die Streikenden angeordnet ro erben. Der Befehl weist darauf hin, daß staatsfeindliche Elemente an verschiedenen Stellen die Zufuhr von Lebensmitteln behindert, Lebensmittel vernichtet und Widerstand gegen den staatlichen Ordnungsdienst geleistet hätten. Wer weiterhin durch Agitation oder durch Verbreitung von Gerüchten Unruhe stifte, werde mit drei Monaten Gefängnis und 5000 Lit bestraft. Wer Widerstand gegen die Staatsgewalt leiste und den Verkehr auf den Zu- fuhrstraßen störe, wird sofort vor ein Feldgericht gestellt.
Weitere Ausbreitung.
Tilsit, 29. August (DNB.) Der Bauern- streik in Litauen verbreitet sich nach hier vorliegenden Meldungen nun auch nach O st - und Nordlitauen. Wie verlautet, ist es bereits in den Kreisen Rossieniai und Kedaniai in verschiedenen Orten zu Zusammenrottungen gekommen.
Kommunistischer Einfluß.
s i n d e l" unterstützt worden sind. Der Bericht meldet im übrigen, daß auf feiten der Polizei vier Schwerverletzte zu verzeichnen waren, während drei Bauern getötet und mehrere leicht verletzt wurden.
Oie Vergewaltigung 0er Memeldeutschen.
K o w n o , 28. Aug. (DNB.) Der amtierende Vorsitzende des litauischen Direktoriums des Memelgebietes, Bruoelaitis, hat jetzt von seinem ihm durch das neue Wahlgesetz zugestandenen Alleinrecht weiterhin Gebrauch gemacht, indem er zur Durchführung der Wahl die Mitglieder der Wahlkreiskommiffion und die Vorsteher der einzelnen Stimmbezirke ernannt hat.
Zum Vorsitzenden der Wahlkreiskommission ist Viktor Gailius ernannt worden, dessen man sich aus der Zeit des Kirchenkampfes im Memelgebiet und aus den letzten Jahren als eines wütenden Bekämpfers des Deutschtums in jeder Beziehung erinnert. Unter den vier Mitgliedern befindet sich auch der frühere litauische Ministerpräsi- oent Galvanauskas, der niemals Memelländer gewesen und durch seine ausgesprochene Deutschfeindlichkeit allgemein bekannt ist. Es befindet sich auch nicht ein einziges Mitglied der Mehrheitsparteien des Landtages oder der Memeler Stadtverordnetenversammlung in der Wahlkreiskommission. Außer den Litauern ist nur noch der sozialdemokratische Mbgeoebnete Pannars als fünftes Mitglied der Wahl- kreiskommiffion herangezogen worden.
Der Vorsitzende dieser neuen Wahlkreiskommistion Gailius hat nun auch im gleichen Zuge die Vorsitzenden der durch einen früheren Erlaß von Bru- oelaitis von 198 auf 63 herabgesetzten Stimmbezirke ernannt, und zwar ausschließlich Litauer oder Personen, die den Mehrheitsparteien des Memelgebietes nicht angehören und nie angehört haben, sondern in der Mehrzahl von Brune- laitis ober Reisgys kommissarisch ernannte Amts- oorsteher, aus Kowno zugereiste Iltaui- s ch e Beamte ober sogar litauische Militärpersonen sind. Auch in den 13 Stimmbezirken der Stadt Memel ist nicht ein einziger Deutscher zum Vorsitzenden ernannt worden. Die Absichten, die mit einer derart einseitigen Wahlvorbereitung verbunden sind, lassen kaum einem Zweifel mehr Raum.
Ausdehnung des Streiks in Holland.
Amsterdam, 28. Aug. (DNB.) Der Streik in der Wollstoffindustrie in Tilburg hat im Laufe des Mittwoch einen ernften Charakter angenommen. Die Zahl der Streikenden hat sich inzwischen auf 2000 erhöht. Er umfaßt jetzt die Belegschaften von 20 Fabriken. Die Streikleitung liegt in den Händen eines Amsterdamer Kommunisten. Die syndikalistischen Textilarbeiter haben eine Abordnung nach Tilburg gesandt, nm die noch abseits Stehenden und Arbeitswilligen zur Beteiligung am Streik zu bewegen.
Wieder Ruhe auf den Peloponnes.
Athen, 28. August. Auf dem Peloponnes ist überall die Ruhe wiederhergestellt worden. Die Äorintenbauern haben Die Arbeit wieder ausgenommen. Alle Kommunisten, die sich bei den Unruhen als Hetzer hervortaten, konnten verhaftet werden. Sie sehen schweren Strafen oder der Ausweisung entgegen. Das Kriegsrecht wird am Donnerstag wieder aufgehoben werden.
Kowno, 29. Aug. (DNB.) Die Litauische Telegraphenagentur hat am Mittwoch über die Bauern Unruhen in Südlitauen einen Bericht herausgegeben, aus dem u. a. hervorgeht, dah die Bauern bei ihrem Vorgehen gegen die Polizisten von JtommunHUö und sonstigem Oet
Berlin, 28. Aug. (DNB.) Um den von ihm aufgestellten Grundsatz, Preiserhöhungen für Lebensmittel nicht zuzulasfen, auf den einzelnen Gebieten erneut Nachdruck zu verleihen, hat der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft folgende Anordnungen erlassen bzw. den Reichsnährstand mit dem Erlaß beauftragt und in der heute abgehaltenen Besprechung mit den Länderregierungen, Oberpräsidenten und den Vertretern der Preisüberwachungsstellen bekannt gegeben.
1. Fleisch- und Schmalzpeise.
Durch eine Verordnung des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft werden die Preise für Schweinefleisch, inländisches Schweineschmalz, Rindfleisch und Rindertalg grundsätzlich auf dein Stand vom 31. März 1935 zurückgeführt. Ausgenommen von dieser Regelung sind einige wenige Fleischsorten, die erfahrungsgemäß für den Verbrauch der breiten Schichten des Volkes keine Rolle spielen, z. B. Filet. Für Kalbfleisch sind die obersten Landesbehörden und die Oberpräsidenten ermächtigt worden, im Bedarfsfälle eine entsprechende Regelung zu treffen.
2. karlofselpreife.
Durch eine Anordnung der Hauptvereinigung der deutschen Kartoffelwirtschaft werden am 1. September 1935 die Erzeugerpreise für Speisekartof- fein der diesjährigen Ernte je nach Sorte und Herkunft bis zu 50 Pf. je Zentner niedriger festgesetzt als im Vorjahr. Gleichzeitig hat der Relchsminister die Preisüberwachungsstellen angewiesen, auf Grund dieser Erzeugerpreise Derbraucherhöchstpreise festzusetzen, um zu erreichen, daß die Senkung der Erzeugerpreise den Verbrauchern ungemindert zugute kommt.
3. Speiseölpreise.
Um den Preisüberwachungsstellen eine feste Grundlage für die Uederwachung des Speiseöl- Preises zu geben, hat der Reichsrnmister der Reichs- stelle für Oele und Fette veranlaßt, ab 1. September 1935 Erzeugerhöchstpreise für Pflanzenöle fest- zusetzen, bei deren Ueberschreiten das Inverkehrbringen ausgeschlossen ist. Nachdem bereits für Butter und Margarine seit langer Zeit durch ent- prechende Anordnungen Preissteigerungen ausge- chlossen sind, sind damit die Preise bei allen roe- entlichen Speisefetten stabilisiert.
4. ftäfepreife.
Durch eine Anordnung des Reichsnährstandes werden mit sofortiger Wirkung Erzeugerhöchstpreise für Emmenthaler Käse festgesetzt, wodurch die bisherigen Verbraucherpreise eine Senkung und Festlegung erfahren.
Oer Führer begrüßt die Beölkerungswisienschastler
Berlin, 28. Aua. (DNB.) Der Führer und R e i ch s k a n z l e r hat an den Präsidenten des Internationalen Kongresses für ^evolkerungswifsen- schäft Eugen Fischer folgendes Telegramm gerichtet:
„Den Teilnehmern an dem Internationalen Kon- areß für Bevölkerungswissenschaft danke ich herzlich für den mir von der Eröffnungssitzung übersandten Gruß. Ich wünsche dem Kongreß für seine bedeu - tungsvolleArbeit auf den wichtigen Gebieten der Bevölkerungspolitik und Raffenpflege einen vollen Erfolg. AdolfHitle r."
Deutsche Aerzte bleiben fern!
München, 28. Aug. (DNB.) Der Reichs- ärzteführer gibt u. a. bekannt: In Montreux soll vom 9. bis 14. September eine Inter
nationale Medizinifckc Woche ftattfin- den, deren Sekretariat sich in Pasel bei der Schrift» leitung der „Schweizerischen Medizinischen Wochenschrift" befindet. In dieser Wochenschrift befindet sich In der Ausgabe vom 13. Juli 1935 eine viereinhalb Spalten füllende Abhandlung des Wiener nichtarischen Professor» Dr. Julius Bauer unter dem Titel „Gefährliche Schlagworte auf dem Gebiete der Erbbiologie . Dieser ganze Artikel ist eine scharfe Polemik gegen die Maßnahmen des deutschen Staates zur Verhütung erbkranken Nachwuchses. Die Begriffe „eugenische Sterilisation", „Rasse", „Rassenreinheit", „Rassenmischung", „nordische Raste" stnd für Bauer unklare Vorstellungen, die mit Wissenschaft nichts au tun haben.
Der Aussatz schließt mit der echt Mischen Forde- rung: „Die Wissenschaft und damit die Wahrheit kann niemals national, sie kann immer nur international, menschheitsgebunden und daher immer nur unpolitisch sein."
Hierzu ist sestzustetten, daß dieser Leitartikel ohne jeden redaktionellen Kommen» t a r von dem Hauptschriftleiter Professor Dr. Alfred Gigon (Basel) übernommen wurde.
Danach ist es jedem deutschen Arzt, der ich der Wurde seines Landes bewußt ist, selbstver- tandlich unmöglich, an der Montreux-Woche eilzunehmen.
Urlaub zum Reichsparieiiag.
Aufruf an alle BelricbSführer.
Berlin, 29. Aug. (DNB.) Die NSK. Der- öffentlich! folgenden Aufruf des Reichsorganifations- leiters Dr. Ley an alle Betriebsführer:
Der Reichsparteitag steht bevor. Wieder werden Hunderttausende in Nürnberg zusammenkommen, um ein Bekenntnis z u Führer und Volk abzulegen. Nürnberg wird auch dieses Jahr wieder ein Spiegelbild deutscher Kraft und des Lebenswillens der Nation fein. Aus diesem Grunde bitte ich alle Betriebsführer, daß sie den Gefolgschaftsmitgliedern, die laut Ausweise der Organisationsleitung am Neichsparteitag teilnehmen, den notwendigen Urlaub ohne Anrechnung auf den sonst zustehenden vertraglichen oder tariflichen Urlaubsanspruch gewähren.
Heil Hitler!
Dr. Robert Ley, Reichsorganisationsleiter und Reichsleiter der Deutschen Arbeitsfront.
Ausländsdeutsche parteigenoffen kommen zum Reichsparteitag.
Berlin, 28. Aug. (DNB.) Wie die Leitung der Auslandsorganisation der NSDAP, mitteilt, treffen täglich aus allen Teilen der Welt und namentlich aus Ueberfee Parteigenossen in großer Zahl in Deutschland ein, um an der Tagung der volitischen Leiter der Auslandsorganisation in Erlangen am Reichsparteitag teil» zunehmen. Im ganzen wird mit mehreren taufend Parteigenossen gerechnet, die zum größten Teil unter erheblichen persönlichen Opfern die weite Reise angetreten haben, um meist nach vielen Jahren die Heimat wiederzusehen und neue Kraft für ihre Arbeit im Ausland zu schöpfen. Der Stellvertreter des Führers empfing den Auslandskommissar der NSDAP, für die südamerikanifchen Staaten, Pg. Willi Koehn, Der ihm die Grüße der südamerikanischen Volksgenossen und Parteigenossen überbrachte. Gleichzeitig stellte Gauleiter Bohle dem Stellvertreter des Führers den Landesgruppenleiter Argentiniens, Pa. Ku e ft er, sowie den Landesgruppenleiter Chiles, Pg. Huebner, vor.
Oevffenprozeß gegen die Redemptoristen.
Berlin, 28. Aug. (DNB.) Am Mittwoch nahm die Verhandlung gegen d i e Retz e m p t o r i ft e n p a t e r s mit der Aufklärung der Vorfälle in den Klostern Bochum und Bonn ihren Fortgang. Der Prokurator Wilhelm M a n- d e l gab zu, dah er auf Anordnung des flüchtigen Mitangeklagten Josef Kreutz 10000 Mark habe über d i e Grenze bringen lassen. Er sei sich bewußt gewesen, daß diese Handlung mit den Gesetzen nicht in Einklang stand. Auf Grund des Gehorsamkeitsgelübdes habe er aber die Anordnung seines Vorgesetzten Kreutz erfüllen müssen. In einem Falle habe er selbst auch ein Bündel mit Hundertmarkscheinen über die Grenze geschmuggelt.
Der Vorsitzende tritt in die Beweisaufnahme zum ersten Teilabschnitt der Verhandlung ein und vernimmt als ersten Zeugen einen Zollinspektor von der Zollfahndungsstelle Dortmund, der berichtet, wie er den Verfehlungen, die dem Brinkmann zur Last aelegt werden, auf die Spur kam. Der Zeuge schildert seine Wahrnehmungen im Bonner Kloster. Er habe sofort den Eindruck gehabt, daß Kreutz, der Leiter des Klosters, den er zunächst vernehmen wollte, geflohen war. Der Fluchtverdacht habe sich verstärkt, als sich herausstellte, daß auch der Mitangeklagte Pater Josef Ohrem nicht mehr erreichbar war. Die Peamten wandten sich nun der Vernehmung des Prukorators Wilhelm Mandel zu. daraus ergab sich, daß sich im Kloster noch Erlöse aus Wert- papieroerfäufen und Aktien der Universum-Bank Berlin befinden mußten. Die Wertpapiere waren d e r g r oben worden. Ein Klosterbruder, der die Wertpapiere oergpaben hatte, erklärte zunächst, daß er sich eher erschießen lasse, als daß er erkläre, auf wessen Anordnung er die Sachen Der- graben habe. Erst später, als man ihm mittcilte, daß Prukorator uJt a n b e l selbst schon Bekundungen über die vergrabenen Wertpapiere gemacht habe, fand er sich bereit, das Versteck preiszugeben. Unter der Gartenmauer sand man in einer Büchse Wertpapiere im Nennwert von rund 20000 Mark. In der Nähe eines Schuppens wurde eine weitere Büchse gefunden, in der sich Aktien des Klosters und des Prooinzialrats Bonn befanden.
Hierauf wird W Angeklagte Nikolaus Zoller aus Bonn vernommen, dem Begünstigung zur Last gelegt wird. Er schildert, wie Kreutz ihn gebeten habe, die Devisengeschäfte zu übernehmen. Die ihm jedoch verdächtig vorgekommen seien. Er gibt zu, Papiere verbrannt zu haben, es habe sich aber nur um Personalakten gehandelt. Der Vorsitzende stellte fest, daß Kreutz von Holland aus dem Zoller die Weisung erteilt hat, auch die anderen
des Drttettfl darauf hinzuweijeo. daß jte alle,
Geschäftsbücher möglichst verschwinden lassen sollten. Zoller will aber diese Anordnung aus eigenem Entschluß nicht weitergegeben haben. Von den De- Visenschiebungen will er nichts gehört haben, bis Brinkmann festgesetzt wurde.
Der 40jährige Angeklagte Karl Feldmann war der Nachfolger des Brinkmann im Kloster Trier. Er soll 1934 im Auftrage des Paters Cremer des Luxemburger Klosters Effekten im Werte von 5000 Mark haben veräußern lassen. Weiter soll er für Cremer zwei Sparbücher einer katholischen Pfarrkirche bei Luxemburg in Deutschland abgehoben und über das Guthaben von 1500 Mark ohne Genehmigung der Devisenstelle verfügt haben. Jn beiden Fällen, so nimmt die Anklage an, soll er beabsichtigt haben, den Gegenwert wieder i n s Ausland zu schaffen, was aber durch das Eingreifen der Zollfahndungsstelle verhindert wurde. Auch in diesen Fällen hat Cremer Schenkungsurkunden beigefügt. Die Schenkungen sind nach Auffassung der Anklagebehörde aber nur fingiert worden, um einen Verkauf der Wertpapiere in Deutschland zu ermöglichen. Feldmann will an wirkliche Geschenke geglaubt haben. — Die Verhandlung wurde vertagt.
Ein Mittelsmann Varmats wegen Devifenfchiebung vor Gericht.
Ein Devifenschiebungsprozeß, in dessen Hintergrund der berüchtigte Großschieber Henry B a r m a t steht, begann vor dem Berliner Schöffengericht. Zu verantworten hatte sich wegen De» visenvergehens der 68jährige William Ha h l o. Einer großen Gesellschaft war in einem Zivilprozeß viel an Auskünften gelegen, die allein Henry Barmat, der sich in Brüssel aufhielt, erteilen konnte. Da der schlechte Ruf Barmats bekannt vor, zog man es vor, durch einen Mittelsmann, nämlich Hahlo, mit Barmat in Verbindung zu treten. Barmat verlangte zur Beschaffung des Materials eine entsprechende Entschädigung. Dem Hahlo wird oorgeworsen, daß er 1933 26 000 Mark an Barmat für die Auslieferung angeblich wertvollen Beweismaterials ausgezahlt hat. Hahlo hat dabei die devisenrechtlichen Vorschriften verletzt, weil er wußte, daß Barmat Ausländer war.
Hinrichtung
wegen Verrates militärischer Geheimnisse.
Der vom Volksgerichtshof am 14. Juni 1935 wegen Verrates militärischer Geheim« nisse zum Tode und zum dauernden Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilte 38jährige Wilhelm Müller-Heinecke aus Berlin ist in Berlin htrrgsrichtet worden.


