Ausgabe 
29.8.1935
 
Einzelbild herunterladen

Roosevelt prüft die Gowjetnote.

Oer bisherige Zustand kann nicht bleiben.

Keine Erhöhung der Lebensmittelpreise.

Anordnungen des ReichsernLhrungsministers.

Washington, 28. Aug. (DNB.) Präsident Roosevelt prüft gemeinsam mit Staatssekretär fiull und dem Referenten die sowjetrus. fische Antwort auf den amerikanischen Protest.

Wie verlautet, möchte man einerseits nicht alle Beziehungen abbrechen, anderseits sieht man aber ein, dah man es nicht bei dem gegenwär­tigen Zu st and bewenden lassen kann.

Vas Argument, dah die Internationale von der Sowjetregierung völlig getrennt fei, wird hier als lächerlich zurückgewiesen. Man betont, dah die Sowjetregierung die teilweise albernen und leeren Prahlereien amerikanischer und an­derer Kommunisten über ihren Einfluß in

Amerika offiziell hätte desavouiren sollen.

In politischen Kreisen wird darauf hingewiesen, daß Roosevelt gegen den Rat vieler Amerikaner, insbesondere vieler seiner poli­tischen Gegner, im Herbst 1933 die Beziehun­gen zur Sowjetunion ausgenommen hat. Ein Abbruch der Beziehungen nach so kurzer Zeit würde das Eingeständnis eines schweren poli­tischen Fehlers darstellen.

Sowjetregierung und Komintern.

Anerkennung des Rechts der Komintern auf weltrevolutionäre Propaganda.

Moskau, 28. Aua. (DNB.) Hinsichtlich der Antwort Krestinskis auf die amerikanische Protestnote wird hier folgender Gesichtspunkt be­sonders hervorgehoben:

Im vierten Absatz der Präsident Roosevelt am 16. November 1933 seitens Litwinow brief­lich gemachten Zusicherung war ausdrücklich ge­sagt worden, dah die Sowjetregierung auf ihrem Boden keine Organisation dulden werde, die einen Umsturz der sozialen Ordnung in den Ber­einigten Staaten anstrebe. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Komintern den Umsturz der sozialen Ordnung in allen sogenannten kapitalistischen Staaten erstrebt, was durch ihr Programm und den Verlauf des Moskauer Komintern.Kongresses bestätigt wird. Auch die Antwort Krestinskis bestreitet diese Tat­sache nicht. Krestinski b e st reitet auch nicht, daß sich die Komintern auf dem Boden der Sowjetunion betätigt. Der Sinn feiner Antwortnote kann also nur darin liegen, daß bei Uebernahme der Verpflichtung vom 16. November 1933 durch Litwinow, sich der revo­lutionären Propaganda zu enthalten, diese Ver­

pflichtung auf den Sonderfall der Komintern stillschweigend ausgenommen wurde.

Die Bedeutung der Erklärung Krestinskis wird somit darin erblickt, daß es die S o w j e t r e g i e - rung offenbar generell ablehnt, irgend­welche Verpflichtungen der Nickt ein- Mischung zu übernehmen, die sich auf jenen Punkt erstrecken, der für alle Staaten, die Beziehungen mit der Sowjetunion unterhalten, ge­rade der wichtigste ist, nämlich auf den Fall der Komintern.

Auch ein französischer Schrill in Jlwskau?

Paris, 29. Aug. (DNB. Funksvruch.) Wie be- kannt, haben die Regierungen der Vereinigten Staaten und Englands bereits in Mos­kau Protest schritte wegen der Vorkommnisse auf der Tagung der Komintern unternommen. Nach demJour" hat man sich auch in französi­schen Regierunaskreisen damit beschäftigt, die Aufmerksamkeit der Sowjetregierung auf den Widerspruch zu lenken, der zwischen den Be­schlüssen der Komintern und den Ver­pflichtungen der So w j etregierung aus dem französisch - sowjetrussischen Nichtangriffspakt besteht. Auf dem Mini- sterrat am Mittwoch habe der Ministerpräsident diese Frage angeschnitten und die Zustimmung der Negierungsmitglieder zu einem Schritt in Moskau erhalten.

Die militärischen Sowjelspione in Frankreich.

Moskau, 28. Aug. (DNB.) Nach einem Bericht derTaß" schreitet das Studium der fran­zösischen Heereseinrichtungen und der militärischen Vorbereitungen Frank­reichs durch die unter Führung des stellvertreten­den Chefs der Roten Armee stehende sowjet- russische Militärabordnung weiter fort. Auf Einladung der französischen Militärbehörden besuchten die Sowjetrussen die Kriegsakademie in Saint Cyr. Die Abordnung lernte eingehenddie Organisation der kriegerischen Vorbereitung" und die mit der Schule zusammenhängenden Einrichtun­gen kennen. Sodann besuchte sie das 6. Dragoner- Regiment der Pariser Kavallerie-Division. Hier wurde besonders die Bewaffnung einer genauen Augenscheinnahme und einer anschließenden ein­gehenden Besprechung unterzogen.

Oer Bauernflreik in Litauen.

Bisher 60 Verhaftete. Weitere Ausbreitung. Kommunisten am Werk.

K o w n o, 28. Aug. (DNB.) Der Bauern streik in Südlitauen verlief am Mittwoch ohne be­sondere Zwischenfälle. Nördlich von B i r st a n y kam es wieder zu einer Zusammenrottung der Strei­kenden, doch konnten sie leicht zerstreut werden. Durch das energische Durchgreifen der Sicherheits­organe ist nun auch die Chaussee von M a - riampol nach K o w n o, die einige Tage von den Streikenden belagert wurde, gesäubert. Die Zahl der bis jetzt Verhafteten beträgt etwa 60. Der Kownoer Kriegskommandant hat am Mittwoch auf administrativem Wege bereits 19 der Unruhestifter verurteilt.

Im Laufe des Mitwoch wurden erneut Flugblät­ter verbreitet, in denen als Bedingung zur Beilegung des Streiks mehrere Forderun­gen an die Regierung gestellt werden, und zwar Herabsetzung der Landsteuer um 50 v. H., S e n k u n g d e r Z i n s e n für landwirtschaft­liche Kredite auf 3 o. H., Aufhebung der Mo­nopole und Angleichung der Preise für landwirtschaftliche Produkte an die Preise für In- dustrieerzeugnisse.

Wie verlautet, wird der Staatspräsident im Zusammenhang mit den Vorkommnissen einen Aufruf an die Bevölkerung erlassen. Es sind Gerüchte im Umlauf, daß der langjährige Landwirtslbaftsminister im Zusammen- Jiang mit den Unruhen zurücktreten wird. An eine Stelle soll der jetzige Bildungsminister und rühere Direktor der Landwirtschaftsakademie, Tol- funas, treten. Eine amtliche Bestätigung hierüber konnte nicht erreicht werden. Zur Aufklärung des Ursprungsder Bauernunruhen ist eine strenge Untersuchung eingeleitet worden. U. a. wurde auch heute der Führer der Dolkssozia- listen und frühere Ministerpräsident S l e s c e v i - c i u s einem Verhör unterzogen.

K o w n o ist auch am Mittwoch ohne Milch geblieben. In Zusammenhang mit den blutigen Zusammenstößen zwischen Streikenden und der Po­lizei, wobei ein P o l i z i st durch Steinwürfe g e - tötet und zwei Bauern erschossen wurden, erläßt der Kownoer Kriegskommandant am heuti­gen Mitwoch durch Anschlag einen Befehl, in dem auf Grund des Sonder-Staatsschutzgesetzes scharfe Maßnahmen gegen die Streikenden angeordnet ro erben. Der Befehl weist darauf hin, daß staatsfeindliche Elemente an verschie­denen Stellen die Zufuhr von Lebensmit­teln behindert, Lebensmittel vernich­tet und Widerstand gegen den staatlichen Ord­nungsdienst geleistet hätten. Wer weiterhin durch Agitation oder durch Verbreitung von Gerüchten Unruhe stifte, werde mit drei Monaten Gefängnis und 5000 Lit bestraft. Wer Widerstand gegen die Staatsgewalt leiste und den Verkehr auf den Zu- fuhrstraßen störe, wird sofort vor ein Feldge­richt gestellt.

Weitere Ausbreitung.

Tilsit, 29. August (DNB.) Der Bauern- streik in Litauen verbreitet sich nach hier vorliegenden Meldungen nun auch nach O st - und Nordlitauen. Wie verlautet, ist es bereits in den Kreisen Rossieniai und Kedaniai in verschiedenen Orten zu Zusammenrottungen gekommen.

Kommunistischer Einfluß.

s i n d e l" unterstützt worden sind. Der Bericht mel­det im übrigen, daß auf feiten der Polizei vier Schwerverletzte zu verzeichnen waren, während drei Bauern getötet und mehrere leicht verletzt wurden.

Oie Vergewaltigung 0er Memeldeutschen.

K o w n o , 28. Aug. (DNB.) Der amtierende Vor­sitzende des litauischen Direktoriums des Memelgebietes, Bruoelaitis, hat jetzt von seinem ihm durch das neue Wahlgesetz zuge­standenen Alleinrecht weiterhin Gebrauch gemacht, indem er zur Durchführung der Wahl die Mitglieder der Wahlkreiskommiffion und die Vor­steher der einzelnen Stimmbezirke ernannt hat.

Zum Vorsitzenden der Wahlkreiskommission ist Viktor Gailius ernannt worden, dessen man sich aus der Zeit des Kirchenkampfes im Memelgebiet und aus den letzten Jahren als eines wütenden Bekämpfers des Deutschtums in jeder Beziehung erinnert. Unter den vier Mitgliedern be­findet sich auch der frühere litauische Ministerpräsi- oent Galvanauskas, der niemals Memel­länder gewesen und durch seine ausgesprochene Deutschfeindlichkeit allgemein bekannt ist. Es befindet sich auch nicht ein einziges Mit­glied der Mehrheitsparteien des Land­tages oder der Memeler Stadtverordnetenversamm­lung in der Wahlkreiskommission. Außer den Li­tauern ist nur noch der sozialdemokratische Mbgeoeb­nete Pannars als fünftes Mitglied der Wahl- kreiskommiffion herangezogen worden.

Der Vorsitzende dieser neuen Wahlkreiskommistion Gailius hat nun auch im gleichen Zuge die Vor­sitzenden der durch einen früheren Erlaß von Bru- oelaitis von 198 auf 63 herabgesetzten Stimm­bezirke ernannt, und zwar ausschließlich Li­tauer oder Personen, die den Mehrheitsparteien des Memelgebietes nicht angehören und nie ange­hört haben, sondern in der Mehrzahl von Brune- laitis ober Reisgys kommissarisch ernannte Amts- oorsteher, aus Kowno zugereiste Iltaui- s ch e Beamte ober sogar litauische Mili­tärpersonen sind. Auch in den 13 Stimmbe­zirken der Stadt Memel ist nicht ein einziger Deutscher zum Vorsitzenden ernannt worden. Die Absichten, die mit einer derart einseitigen Wahl­vorbereitung verbunden sind, lassen kaum einem Zweifel mehr Raum.

Ausdehnung des Streiks in Holland.

Amsterdam, 28. Aug. (DNB.) Der Streik in der Wollstoffindustrie in Tilburg hat im Laufe des Mittwoch einen ernften Charakter angenommen. Die Zahl der Streikenden hat sich in­zwischen auf 2000 erhöht. Er umfaßt jetzt die Be­legschaften von 20 Fabriken. Die Streikleitung liegt in den Händen eines Amsterdamer Kommunisten. Die syndikalistischen Textilarbei­ter haben eine Abordnung nach Tilburg gesandt, nm die noch abseits Stehenden und Arbeitswilligen zur Beteiligung am Streik zu bewegen.

Wieder Ruhe auf den Peloponnes.

Athen, 28. August. Auf dem Peloponnes ist überall die Ruhe wiederhergestellt worden. Die Äorintenbauern haben Die Arbeit wieder ausgenommen. Alle Kommu­nisten, die sich bei den Unruhen als Hetzer her­vortaten, konnten verhaftet werden. Sie sehen schweren Strafen oder der Ausweisung entgegen. Das Kriegsrecht wird am Donnerstag wieder auf­gehoben werden.

Kowno, 29. Aug. (DNB.) Die Litauische Tele­graphenagentur hat am Mittwoch über die Bauern Unruhen in Südlitauen einen Bericht herausgegeben, aus dem u. a. hervorgeht, dah die Bauern bei ihrem Vorgehen gegen die Polizisten von JtommunHUö und sonstigem Oet

Berlin, 28. Aug. (DNB.) Um den von ihm aufgestellten Grundsatz, Preiserhöhungen für Lebensmittel nicht zuzulasfen, auf den einzelnen Gebieten erneut Nachdruck zu verleihen, hat der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft folgende Anordnungen erlassen bzw. den Reichsnährstand mit dem Erlaß beauf­tragt und in der heute abgehaltenen Besprechung mit den Länderregierungen, Oberpräsidenten und den Vertretern der Preisüberwachungsstellen be­kannt gegeben.

1. Fleisch- und Schmalzpeise.

Durch eine Verordnung des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft werden die Preise für Schweinefleisch, inländisches Schweineschmalz, Rindfleisch und Rindertalg grundsätzlich auf dein Stand vom 31. März 1935 zurückgeführt. Aus­genommen von dieser Regelung sind einige wenige Fleischsorten, die erfahrungsgemäß für den Ver­brauch der breiten Schichten des Volkes keine Rolle spielen, z. B. Filet. Für Kalbfleisch sind die ober­sten Landesbehörden und die Oberpräsidenten er­mächtigt worden, im Bedarfsfälle eine entsprechende Regelung zu treffen.

2. karlofselpreife.

Durch eine Anordnung der Hauptvereinigung der deutschen Kartoffelwirtschaft werden am 1. Sep­tember 1935 die Erzeugerpreise für Speisekartof- fein der diesjährigen Ernte je nach Sorte und Her­kunft bis zu 50 Pf. je Zentner niedriger festgesetzt als im Vorjahr. Gleichzeitig hat der Relchsminister die Preisüberwachungsstellen angewiesen, auf Grund dieser Erzeugerpreise Derbraucherhöchstpreise festzusetzen, um zu erreichen, daß die Senkung der Erzeugerpreise den Verbrauchern ungemindert zu­gute kommt.

3. Speiseölpreise.

Um den Preisüberwachungsstellen eine feste Grundlage für die Uederwachung des Speiseöl- Preises zu geben, hat der Reichsrnmister der Reichs- stelle für Oele und Fette veranlaßt, ab 1. Septem­ber 1935 Erzeugerhöchstpreise für Pflanzenöle fest- zusetzen, bei deren Ueberschreiten das Inverkehr­bringen ausgeschlossen ist. Nachdem bereits für Butter und Margarine seit langer Zeit durch ent- prechende Anordnungen Preissteigerungen ausge- chlossen sind, sind damit die Preise bei allen roe- entlichen Speisefetten stabilisiert.

4. ftäfepreife.

Durch eine Anordnung des Reichsnährstandes werden mit sofortiger Wirkung Erzeugerhöchstpreise für Emmenthaler Käse festgesetzt, wodurch die bisherigen Verbraucherpreise eine Senkung und Festlegung erfahren.

Oer Führer begrüßt die Beölkerungswisienschastler

Berlin, 28. Aua. (DNB.) Der Führer und R e i ch s k a n z l e r hat an den Präsidenten des In­ternationalen Kongresses für ^evolkerungswifsen- schäft Eugen Fischer folgendes Telegramm ge­richtet:

Den Teilnehmern an dem Internationalen Kon- areß für Bevölkerungswissenschaft danke ich herzlich für den mir von der Eröffnungssitzung übersandten Gruß. Ich wünsche dem Kongreß für seine bedeu - tungsvolleArbeit auf den wichtigen Gebieten der Bevölkerungspolitik und Raffenpflege einen vollen Erfolg. AdolfHitle r."

Deutsche Aerzte bleiben fern!

München, 28. Aug. (DNB.) Der Reichs- ärzteführer gibt u. a. bekannt: In Montreux soll vom 9. bis 14. September eine Inter­

nationale Medizinifckc Woche ftattfin- den, deren Sekretariat sich in Pasel bei der Schrift» leitung derSchweizerischen Medizinischen Wochen­schrift" befindet. In dieser Wochenschrift befindet sich In der Ausgabe vom 13. Juli 1935 eine vier­einhalb Spalten füllende Abhandlung des Wiener nichtarischen Professor» Dr. Julius Bauer unter dem TitelGefährliche Schlagworte auf dem Ge­biete der Erbbiologie . Dieser ganze Artikel ist eine scharfe Polemik gegen die Maßnahmen des deutschen Staates zur Verhütung erbkranken Nachwuchses. Die Begriffeeugenische Sterilisa­tion",Rasse",Rassenreinheit",Rassenmischung", nordische Raste" stnd für Bauer unklare Vorstel­lungen, die mit Wissenschaft nichts au tun haben.

Der Aussatz schließt mit der echt Mischen Forde- rung:Die Wissenschaft und damit die Wahrheit kann niemals national, sie kann immer nur international, menschheitsgebunden und daher immer nur unpolitisch sein."

Hierzu ist sestzustetten, daß dieser Leitartikel ohne jeden redaktionellen Kommen» t a r von dem Hauptschriftleiter Professor Dr. Alfred Gigon (Basel) übernommen wurde.

Danach ist es jedem deutschen Arzt, der ich der Wurde seines Landes bewußt ist, selbstver- tandlich unmöglich, an der Montreux-Woche eilzunehmen.

Urlaub zum Reichsparieiiag.

Aufruf an alle BelricbSführer.

Berlin, 29. Aug. (DNB.) Die NSK. Der- öffentlich! folgenden Aufruf des Reichsorganifations- leiters Dr. Ley an alle Betriebsführer:

Der Reichsparteitag steht bevor. Wieder werden Hunderttausende in Nürnberg zusammenkommen, um ein Bekenntnis z u Führer und Volk abzulegen. Nürnberg wird auch dieses Jahr wie­der ein Spiegelbild deutscher Kraft und des Lebenswillens der Nation fein. Aus diesem Grunde bitte ich alle Betriebsführer, daß sie den Gefolgschaftsmitgliedern, die laut Ausweise der Organisationsleitung am Neichsparteitag teilnehmen, den notwendigen Urlaub ohne Anrechnung auf den sonst zustehen­den vertraglichen oder tariflichen Urlaubsanspruch gewähren.

Heil Hitler!

Dr. Robert Ley, Reichsorganisationsleiter und Reichs­leiter der Deutschen Arbeitsfront.

Ausländsdeutsche parteigenoffen kommen zum Reichsparteitag.

Berlin, 28. Aug. (DNB.) Wie die Leitung der Auslandsorganisation der NSDAP, mitteilt, tref­fen täglich aus allen Teilen der Welt und namentlich aus Ueberfee Parteigenossen in großer Zahl in Deutschland ein, um an der Tagung der volitischen Leiter der Auslandsorgani­sation in Erlangen am Reichsparteitag teil» zunehmen. Im ganzen wird mit mehreren taufend Parteigenossen gerechnet, die zum größten Teil unter erheblichen persönlichen Opfern die weite Reise angetreten haben, um meist nach vielen Jahren die Heimat wiederzusehen und neue Kraft für ihre Arbeit im Ausland zu schöpfen. Der Stellvertreter des Führers emp­fing den Auslandskommissar der NSDAP, für die südamerikanifchen Staaten, Pg. Willi Koehn, Der ihm die Grüße der südamerikanischen Volks­genossen und Parteigenossen überbrachte. Gleich­zeitig stellte Gauleiter Bohle dem Stellvertreter des Führers den Landesgruppenleiter Argentiniens, Pa. Ku e ft er, sowie den Landesgruppenleiter Chiles, Pg. Huebner, vor.

Oevffenprozeß gegen die Redemptoristen.

Berlin, 28. Aug. (DNB.) Am Mittwoch nahm die Verhandlung gegen d i e Re­tz e m p t o r i ft e n p a t e r s mit der Aufklärung der Vorfälle in den Klostern Bochum und Bonn ihren Fortgang. Der Prokurator Wilhelm M a n- d e l gab zu, dah er auf Anordnung des flüchtigen Mitangeklagten Josef Kreutz 10000 Mark habe über d i e Grenze bringen lassen. Er sei sich bewußt gewesen, daß diese Handlung mit den Gesetzen nicht in Einklang stand. Auf Grund des Gehorsamkeitsgelübdes habe er aber die Anordnung seines Vorgesetzten Kreutz erfüllen müssen. In einem Falle habe er selbst auch ein Bündel mit Hundertmarkscheinen über die Grenze geschmuggelt.

Der Vorsitzende tritt in die Beweisauf­nahme zum ersten Teilabschnitt der Verhandlung ein und vernimmt als ersten Zeugen einen Zoll­inspektor von der Zollfahndungsstelle Dortmund, der berichtet, wie er den Verfehlungen, die dem Brinkmann zur Last aelegt werden, auf die Spur kam. Der Zeuge schildert seine Wahrnehmun­gen im Bonner Kloster. Er habe sofort den Ein­druck gehabt, daß Kreutz, der Leiter des Klosters, den er zunächst vernehmen wollte, geflohen war. Der Fluchtverdacht habe sich verstärkt, als sich herausstellte, daß auch der Mitangeklagte Pater Josef Ohrem nicht mehr erreichbar war. Die Peamten wandten sich nun der Vernehmung des Prukorators Wilhelm Mandel zu. daraus er­gab sich, daß sich im Kloster noch Erlöse aus Wert- papieroerfäufen und Aktien der Universum-Bank Berlin befinden mußten. Die Wertpapiere waren d e r g r oben worden. Ein Klosterbruder, der die Wertpapiere oergpaben hatte, erklärte zunächst, daß er sich eher erschießen lasse, als daß er erkläre, auf wessen Anordnung er die Sachen Der- graben habe. Erst später, als man ihm mittcilte, daß Prukorator uJt a n b e l selbst schon Bekundun­gen über die vergrabenen Wertpapiere gemacht habe, fand er sich bereit, das Versteck preiszugeben. Unter der Gartenmauer sand man in einer Büchse Wertpapiere im Nennwert von rund 20000 Mark. In der Nähe eines Schuppens wurde eine weitere Büchse gefunden, in der sich Aktien des Klosters und des Prooinzialrats Bonn befanden.

Hierauf wird W Angeklagte Nikolaus Zoller aus Bonn vernommen, dem Begünstigung zur Last gelegt wird. Er schildert, wie Kreutz ihn gebeten habe, die Devisengeschäfte zu übernehmen. Die ihm jedoch verdächtig vorgekommen seien. Er gibt zu, Papiere verbrannt zu haben, es habe sich aber nur um Personalakten gehandelt. Der Vor­sitzende stellte fest, daß Kreutz von Holland aus dem Zoller die Weisung erteilt hat, auch die anderen

des Drttettfl darauf hinzuweijeo. daß jte alle,

Geschäftsbücher möglichst verschwinden lassen soll­ten. Zoller will aber diese Anordnung aus eigenem Entschluß nicht weitergegeben haben. Von den De- Visenschiebungen will er nichts gehört haben, bis Brinkmann festgesetzt wurde.

Der 40jährige Angeklagte Karl Feldmann war der Nachfolger des Brinkmann im Kloster Trier. Er soll 1934 im Auftrage des Paters Cre­mer des Luxemburger Klosters Effekten im Werte von 5000 Mark haben veräußern lassen. Weiter soll er für Cremer zwei Sparbücher einer katholischen Pfarrkirche bei Luxemburg in Deutschland abge­hoben und über das Guthaben von 1500 Mark ohne Genehmigung der Devisenstelle verfügt haben. Jn beiden Fällen, so nimmt die Anklage an, soll er beabsichtigt haben, den Gegenwert wieder i n s Ausland zu schaffen, was aber durch das Ein­greifen der Zollfahndungsstelle verhindert wurde. Auch in diesen Fällen hat Cremer Schenkungsur­kunden beigefügt. Die Schenkungen sind nach Auf­fassung der Anklagebehörde aber nur fingiert wor­den, um einen Verkauf der Wertpapiere in Deutsch­land zu ermöglichen. Feldmann will an wirk­liche Geschenke geglaubt haben. Die Verhand­lung wurde vertagt.

Ein Mittelsmann Varmats wegen Devifenfchiebung vor Gericht.

Ein Devifenschiebungsprozeß, in des­sen Hintergrund der berüchtigte Großschieber Henry B a r m a t steht, begann vor dem Berliner Schöf­fengericht. Zu verantworten hatte sich wegen De» visenvergehens der 68jährige William Ha h l o. Einer großen Gesellschaft war in einem Zivilprozeß viel an Auskünften gelegen, die allein Henry Barmat, der sich in Brüssel aufhielt, erteilen konnte. Da der schlechte Ruf Barmats bekannt vor, zog man es vor, durch einen Mittelsmann, nämlich Hahlo, mit Barmat in Verbindung zu treten. Barmat verlangte zur Beschaffung des Materials eine entsprechende Entschädigung. Dem Hahlo wird oorgeworsen, daß er 1933 26 000 Mark an Barmat für die Aus­lieferung angeblich wertvollen Beweismaterials ausgezahlt hat. Hahlo hat dabei die devisenrecht­lichen Vorschriften verletzt, weil er wußte, daß Bar­mat Ausländer war.

Hinrichtung

wegen Verrates militärischer Geheimnisse.

Der vom Volksgerichtshof am 14. Juni 1935 wegen Verrates militärischer Geheim« nisse zum Tode und zum dauernden Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilte 38jährige Wil­helm Müller-Heinecke aus Berlin ist in Berlin htrrgsrichtet worden.