Ausgabe 
29.7.1935
 
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Aus der Provinzialhauptstadt

2.

mar ankommen, Weimar abends wieder um 19,01 Uhr verlassen und am selben Tage um 23.10 Uhr wieder auf dem Hauptbahnhof Frankfurt a. M. sein kann; wobei man noch Morgenkaffee und Abendbrot während desTransportes", auf wei­chen Sesseln sitzend, in dem herrlichen Aussichts­wagen, die ein moderner Reiseluxus schuf, einneh­men kann. Es ist eben ein Unterschied, ob man in der Stunde über 100 Kilometer oder nur 4 bis 5 Kilometer vorwärts kommt! Ob man in einer engen Postkutsche ohne jede Art von Schwingachsen über löcherige Landstraßen holpert und stolpert, oder ob man auf fast fugenlosen, blitzenden, glänzenden Stahlschienen, federnd dahingleitet.

Unmöglich, niederzuschreiben, was Goethe beim Anblick eines FO-Zuges des Jubiläumsjahres der hundertjährigen deutschen Eisenbahn ausgerufen hätte! Heute kann man wirklich sagen:Man reist nicht um anzukommen, sondern um zu reisen!" Und wenn man nicht gerade ein Reichsbahnangehöriger oder aus Berufsgründen jeden Tagauf der Bahn liegen" muß, so empfindet man doch jedesmal ein gewisses prickelndes Gefühl, wenn man sich in einen Fernzug setzt und abdampst.

Links und rechts vom Abteilfenster schenkt sich uns während einer solchen Fahrt die Heimat in bedenkenloser Bereitschaft. Wir eilen über Berg und Tal, durch Wälder und Felder, durch Dörfer und Städte, und bedauern nur, daß wir nicht noch näher an die Dinge herankommen.

Aber da fällt uns ein, daß man ja auch mit dem Auto, auf Luftreifen und Schwingachsen, durch die Gegend" fahren kann, und zwar so, daß wir je- . den Augenblick, wenn uns die Lust dazu packt, an- , halten können; daß wir einen kleinen Abstecher zu jener romantischen Burgruine machen können, die ! uns rechter Hand so einladend zuwinkt. Und wir < verstehen nun das Goethesche Wort vom Reisen, ; um zu reisen, noch mehr.

Wenn wir nun aber gar ein Flugzeug besteigen, das das Goethewort aus dem Faust

Ach! zu des Geistes Flügeln wird so leicht Kein körperlicher Flügel sich gesellen!

Oer »Kastengeist" und die »Schwimmer".

Der Souffleur führt im Theaterleben ein ebenfo wichtiges wie bescheidenes Dasein, stets hat er mit der richtigen Tonhöhe zu kämpfen, die von den Schauspielern noch deutlich vernommen werden soll, die aber doch die Aufmerksamkeit der Zuhörer jen- seits der Rampe nicht auf sich lenken darf. Wenn auf der Bühne irgend etwas schief geht, so muß der .Kastengeist" natürlich der Sündenbock sein. Zeder seiner Schutzbefohlenen hat seine besonderen Wunsche. Der eine verlangt, daß jedes Wort klar 3TDr?Ir-tD^n, wird' der andere möchte nur die AMchtage haben, ein dritter will großzügig über» nÜbHu01? Icb!L§^e verzichten. Die schlimmsten aber sind die sog Schwimmer", die recht wenig von ihrer Swmf unb die deshalb ängstlich

^^uf bedacht sein musten, nicht aus der Hörwei^ ^vuffleurkastenS zu geraten. Gs ist Der-

Souffleur oder die Souffleuse- bunff f en,e %au diesen Dienst - im Mittel-

R^mErercher Anekdoten steht, von denen E. S. AermerdeS einige m der.Leipziger Illustrierten|

nach dem Abendessen noch einige schöne Stunden, in deren Verlauf dem Gastgeber für diesen Abend herzlich gedankt wurde. An vielerlei Einzelheiten konnte man wieder bemerken, wie eng und ver­trauensvoll das Verhältnis zwischen Betriebsführer und Gefolgschaft in der Brühl'schen Druckerei ist. Die Stunden dieses gemeinsam verlebten schönen Wochenendes werden den Teilnehmern noch lange in guter Erinnerung bleiben.

Auch im August Bersammlungsruhe im Gau Hessen-Nassau.

LPD. Auf Grund einer Anordnung des Gau­leiters wird die Versammlungsruhe im Gau Hessen- Nassau auch auf den Monat August ausgedehnt. Somit bleiben also grundsätzlich alle Versammlun­gen verboten. Sollte es aus bestimmten Gründen in einigen Kreisen erwünscht sein, im Monat August besondere Kundgebungen durchzuführen, so müssen diese zur Genehmigung vorher bei der Gaupropa­gandaleitung angemeldet werden. Soweit Kund­gebungen und Versammlungen für August bereits genehmigt sind, können diese durchgeführt werden.

Militärkonzert

auf dem Landgraf-Philipp-Vlah.

Am nächsten Mittwoch, 31. Juli, findet in der Zeit von 17 bis 18 Uhr auf dem Landgraf- Philipp-Platz ein Konzert des Musikkorps des In.- Regts. Gießen statt.

Oie Deutsche Arbeitsfront

7lG-Gemeinschast »Krast durch Kreude".

Musikfolge:

1. Deutscher Gruß! Marsch von Schitterl

2. Vaterländische Ouvertüre von Ailbout.

3. Fantasie über vier deutsche Lieder von Schmidt.

4. Walzer über Zellersche Motive aus den Operetten Vogelhändler und Obersteiger von Thiele.

5. Wir marschieren! Marschpotpourri von Woitschach.

zuschanden macht; wenn wir dann unser herrliches deutsches Land in seiner Breite und Weite unter uns liegen sehen, dann verstehen wir eigentlich erst vollkommen, was der Weimarer Dichterfürst hat ausdrücken wollen, denn dann bedauern wir ganz sicherlich, anzukommen; s o schön ist das Fliegen!

Welch' glückliche Wesen sind wir Menschen der Gegenwart doch! Müßten wir Menschen der Gegenwart sein! Denn sind wir immer glücklich und dankbar? Schimpfen wir nicht über dieewige Bummelei", wenn der Zug einmal auf der Strecke halt? Fluchen wir nicht im Auto, wenn ein Heu- wagen den Weg versperrt, und wir gerade100 Drauf haben? Entrüsten wir uns nicht, wenn Niederbumsdorf an der Strippe noch keinen Flug­hafen hat?

...Wir feiern das hundertjährige Jubiläum der Eisenbahn, mir begehen die Einweihung von Reichs­autobahnen wir hören das Rauschen der Flugzeuge über uns. Jubilieren wir etwas weniger mit Wvr- ten und seien wir mehr dankbare Gegenwart!

Ottobeuren.

Begegnung mit dem Barock.

Von Martin Kalliga.

vornotizen.

Tageskalender für Montag. NS- GemeinschaftKraft durch Freude": 18 bis 19.15 Ufyr in der Badeanstalt des Männerbadevereins Schwimmen: 18 bis 19 Uhr auf den städtischen Tennisplätzen am Schützenhaus Tennis. Licht- spielhaus (Bahnhofstraße):Vom Nordkap bis zu den Alpen". Schützenverein Gießen: 20 Uhr im dem Reigen plastischer Barockengel. Das Gotterleben im 18. Jahrhundert wurde geformt von einem star­ken, diesseitsbejahenden Lebenswillen. Der Himmel wurde gleichsam von der Erde aus erobert. So leicht schien das damals zu gehen. Heber den von bunten Säulen umrahmten Hochaltar senkt sich bereits in dicken, runden Wolken die Himmels- sphare. Plastisch, gewichtig hängt das Gewölk da, das aussieht, wie auf Schnüre gereihte Bauern­teller. Um gewaltige Portieren und Fransentücher schwirren lächelnd und sich herabgebend kugelrunde Himmelskinder. Wo und wann wurde sonst so un­mittelbar Religiöses ohne Aufgabe des Irdischen ausgedrückt?

Und dann klingen die Töne der großen Barock- orgel durch den Raum. Irgendeine Tokkata von Bach wird gespielt. Musik und Raum vereinigen sich zu einer großen Harmonie. Töne, weich wie Samt und geschmeidig wie Seide, beleben den Klang der Bachorgel. Und wieder ist es im Grunde auch in der Bachtokkata die gewaltige, Erde samt Himmel bejahende Kraft, die sich hier auswirkt. Des Thomaskantors Wesen wurde selten so deutlich offenbar.

Eng um die Kirche gedrängt liegt der Ort Otto- beuren. Straßen und Häuser ordnen sich bescheiden um. den Kirchenhügel; als sei alle Kraft in den "engen Klosterbau verströmt, der selbstverständlich und breit den Hügel belagert. Hinter den paar ^ouserrechen schon leuchtet wieder grün und von ^5 Abendsonne gefärbt die weite Wiesenfläche. Der Himmel wölbt sich rein und hoch über einem freundlichen und liebenswürdigen Bild. Auf dem Marktplatz unter demBarockhügel" dreht sich lustig und gemächlich em Karussell. Weiße qoldbesattelte Gaulchen fangen munter ihren Reigen. Man möchte retten*^ ßebensfreube cin bißchen auf ihnen

Dankbare Gegenwart?

Man reift nicht, um anzukommen, sondern um zu reisen. Goethe.

Es gehört schon die Größe eines Goethe dazu, um au Beginn des 19. Jahrunderts dieses Loblied auf das Reisen zu fingen. Es hat wohl nicht viele gegeben, die zu Goethes Lebzeiten fo dachten. Denn als Goethe feine Augen für immer schloß, war noch kein Eisenbahnzug über einen deutschen Schie­nenstrang gefahren.

Damals war es ein Plage zu reifen! Der Seufzer der Frau Aja, Goethes Mutter, daß es für sie, die doch noch rüstig war, zu beschwerlich sei, von Frankfurt am Main nach Weimar zu reifen, wirkt unverständlich, ja belustigend in unserer Zeit, in der man morgens um 7,02 Uhr vom Hauptbahnhof Frankfurt am Main abfahren, um 11.55 in Wei-

Zeitung dufammengefteCt hat. Als der berühmte Schauspieler Theodor Döring bei einer Probe von der Souffleuse oft im Stich gelaßen wurde, sagte er zu seinen Kollegen:Bei der Frau bin ich verloren ihr Anblick dreht mir das Herz um. Wenn das Elend im Kasten sitzt, kann ich nicht spielen." Und dann zu dem verblüfften.Kastengeist" gewandt: .Schminken Sie sich rote Backen, stecken Sie sich eine Rose ins Haar, dann wird's gehen." Tatsächlich wurde die Souffleuse vor der Vorstellung unter allgemeiner be­geisterter Teilnahme auch schön rot geschminkt und mit Rosen geschmückt. Das schien die erwünschte Wirkung gehabt zu haben, denn schon während einer Pause bemerkte Döring anerkennend: .Sehen Sie so lIfd Un2) merken Sie sich, heiter, heiter ist die Kunst! - Unter der Leitung von Dingelstedt ge- schah es am Wiener Hofburg-Theater, daß merk- wurdigerwelse mehrere Schauspieler auf demselben Ohr schlecht hörten und daß sie deshalb alle an der Stelle stehen wollten, an der ihr gesundes Ohr aus den Zuflüsterungen des Souffleurs den meisten Ruhen ziehen konnte. Darunter befand sich auch ein noch nicht pensionsberechtigtes Mitglied der Bühne- während einer Probe wurde er zu seinem höchsten Er­staunen von Dingelstedt mit den folgenden Worten von dem Dorzugsplatz weggeschoben:Unglücklicher, wo stellen Sie sich hin, das ist ja das Platzel für die wirklichen Hvfschauspieler!" Sin französischer Schauspieler, der auf die Hilfe desKastengeistes" besonders stark angewiesen war und der außerdem in dem Ruf stand, sehr ehescheu zu sein, überraschte seine Kollegen eines Tages mit der Nachricht, daß cr NW verheiraten werde. Am Tage der standes­amtlichen Trauung bemerkte einer der lieben Kol­legen: «Hoffentlich ist ein Souffleur zugegen."

Zeitschriften.

s J?e ecr e 5 m 010 r i f t e r u n g. Während in den Kämpfen aller Völker von Babylon bis zur heutigen Zeit das Pferd noch als wichtiger Faktor in den Armeen anzusehen ist, können mir uns die Strategte der Zukunft ohne den Motor nicht mehr vorstellen. Em nicht motorisiertes Land ist nach modernen Anschauungen auch nicht mehr ver- teidigungsfahlg. Diese überragende Bedeutung von

n 3 e,r und Motor im Heer" zeigte ein anschaulich bebilderter Artikel in derJllustrir- t e n Zeitung Leipzi g". Dr. Bernatzik hat sich diesmal dem Land der Mitternachtssonne zuge» unb berietet über einenVogelberg im

®l2er". Der AufsatzMenschen dek 5?Efsinlfchen Wett" behandett die rassenmäßigeN Verhältnisse in diesem Land, das heute so stark im Mittelpunkt der Völkerinteresfen steht.

so ?on ungefähr mitten hinein in J b0£fe die Kirchenpforte, bis an

das Mauerwerk des Klosters dehnt sich die Fläche frischen grünen Grases. Der Himmel wölbt sich ^bl^!öhnlich und heiter über der ttN^^'lch-ftankischen Landschaft. Und plötzlich ?flLn diesem phantastischen, kecken Reich mnH^Lfi^n5JrexUbe- Gs Ift ein seltsam unproble- Pnnhf*nfi6h- ltk be" man von der freien, heiteren b!c,ba.r leder Schranken in Weite und m b;*\ Kuppelbau der Kloster- k.rche von Ottobeuren tut, ein Schritt vom Raum- ^grenzung vom Stimmungshaften "s^vnstlerische Formung. Und doch widerspricht sich nichts, und nichts ift hier geroaltfam. Keine Um= f?llung und keine kulturgeschichtliche Ueberlegung Ist notig, um zu suhlen, wie klar Landschaftsgefuhl architektonlsche und malerische Kunst hier aus der­selben Quelle kommen. Dieses Barock ist Form und Bild gewordene Landschaftsfreude und lächelnd spurt man, daß diese Bejahung des weiten ßanbes bürd) bas man frei und unbeschwert pilgerte sich' in der uberschaumenden Daseinsluft der alten Sau- meister und Maler ausdrückt. Draußen ift die Welt mit Wiesen Weiden, Dörfern, und drinnen ist der Himmel mit dreisten wohlgenährten Engelbüblein die taumelnd und entgegenkommend umherwirbeln' Unversehens hat man einen Spaziergang in das Himmelreich gemacht, das ganz aus der Vor- stellungswelt und der Leidenschaft der Barock- menschen geschaffen wurde. Das Licht flutet durch 5k «Fenster in den großen Kuppelraum, in dem 5!C Ä??«.90?1 $cr Erfüllung so stark ist, daß auf b.e Mittelbarkeit mystisch-farbiger Fensterverglasung verzichtet werden konnte. Der Barockmensch brauchte me Einbeziehung der Lichtwirkung durch bunte "'cht, in feiner Kirche war die Gottes Dorfteuung fo selbständig und sicher, daß ihm die Bewältigung durch Bauform und Bild genügte, mvl?1% muß in diesem Baumeister Johann

Michael Fischer und feinen Malern gewesen sein! Keck und im Ueberschwang schwärmerischer Lebens- beiahung holten sie den Himmel auf die Erde her- nteber. Durch das Mittel der runden Formen, der Kuppeln, Säulen und Schnörkel brachten sie den Himmel den Menschen gleichsam entgegen. Wie Hwer machten es sich die gotischen Menschen, die durch Ringen und Streben sich in die Himmels- pharen emporkämpfen wollten.

Wir sitzen im großen Zenttalraum der Kloster­kirche, umflutet vom Gewoge und Gewell der Linien, vom Gespritz des goldenen Zierats und

Schützenhaus Mitgliederversammlung.-- Reichstreu- bund: 19.45 Uhr Treffpunkt Ludwigsplatz zur Bi» wakfahrt.

** Ein Fünfundachtzigjähriger. Am heutigen Tage feiert der frühere Universitäts-Buch- druckereibesitzer Curt von Münchow, eine weit über die Grenze Hessens bekannte Persönlichkeit, in geistiger Frische seinen 85. Geburtstag. Der alte Herr nimmt noch lebhaften Anteil an dem Wieder­aufstieg unseres Vaterlandes.

** Neue Straf Vorschrift beim Miß­brauch von Münzfernsprecher. Jeder Mißbrauch öffentlicher Münzfernsprecher und Post- wertzeichengeber der Deutschen Reichspost wird nach den neuen Vorschriften des § 265a des Strafgesetz­buchs jetzt mit Gefängnis bis zu einem Jahr, ober mit Geldstrafe geahndet werden. Darüber hinaus können auch schwerere Strafen in Frage kommen, und zwar auf Grund der Bestimmungen des Straf­gesetzbuchs über Betrug (§ 263 ff.) und des Gesetzes, betreffenb Entziehung elektrischer Arbeit von 1900.

** Von der Dresdner Bank. Die hiesige Zweigniederlassung der Dresdner Bank ist, wie man uns mitteilt, zur Filiale erhoben worden.

** Von einem wütenden Hund an» gefallen. Der 13jährige Schüler Karl Dippel, Bruchstraße 22, wurde von einem Hund angefallen und heftig gebissen. Mit Wunden im Gesicht und an einem Unterarm mußte der bedauernswerte Junge in ärztliche Behandlung gebracht werden.

** E i n Kind aus dem Fenster gestürzt. Am Samstagvormittag stürzte das etwa dreijährige Söhnchen des Feldwebels Gottlieb, Bleichftratze Nr. 9, aus einem Fenster der elterlichen Wohnung im zweiten Stockwerk auf die Straße. Das bedau­ernswerte Kind erlitt einen Armbruch, Verletzungen

bei feiner Mahlzeit beobachtet und geriet in das höchste Erstaunen über die Geschicklichkeit, mit der ^r Fisch für Fisch verschlang, von denen mancher halb so groß war wie er selbst. Sehr starke Esser sind die jungen Vögel im Nest. Sie nehmen säst alles, was ihnen die Eltern bringen.Ich habe aber junge Drosseln beobachtet^, schreibt Pike, bie trotz aller Bemühungen die Würmer nicht herunterbekommen konnten, die die vorsorglichen Eltern herbeigebracht hatten. Einmal sah ich einen jungen Vogel, wie er sich bemühte, einen Wurm 311 verschlingen, der beträchtlich länger war als er selbst. Nach längeren Anstrengungen schluckte er den Wurm herunter, aber während er daran schluckte, ringelte sich bas unglückliche Tier schon wieder zu seinem Schnabel heraus; ein zweites Mal Derfu^te das Vögelchen den Wurm herunter- zuschlucken, aber wieder kam er heraus, bis beim drittenmal die Drossel schließlich den Schnabel fest- geschlossen hielt und so den Wurm in seinem Magen begrub. Manche größeren Bergvögel, wie z. B. der Bussard, stopfen sich fo voll, daß sie dann nicht mehr fliegen können. Dies tun sie besonders, wenn sie einige Zeit Mangel an Nahrung hatten. Auch der Rabe macht seinem Rus der Gefräßigkeit alle Ehre. Ein Freund von mir beobachtete einmal im Balkan Geier, bie sich über ein totes Pferd her- gemacht hatten. Nach einer halben Stunde war an SJLx2'1? Acht mehr bie geringste Spur von Fleisch; bie Geier aber waren so vollgefressen, baß sie nicht ein paar Meter weit fliegen konnten."

im Gesicht und außerdem innere Verletzungen. Nach erster Hilfeleistung mußte der Kleine in die Chirur­gische Klinik gebracht werden. Im Laufe des Sonn­tags erlag der arme Junge leider seinen schweren Verletzungen.

** Lustiger Dolksfürsorge-Abend. Mit einem lustigenVolksfürsorge-Abend" trat die gleichnamige Versicherung am Samstagabend Im Katholischen Vereinshaus an bie Öffentlichkeit. Die Tanzkapelle Daudertshäuser besorgte die musikalische Ueberleitung zu der Begrüßungsan­sprache des Rechnungsführers Henry Seyfarth. Anschließend sprach der Sonderbeauftragte der Dolksfürsorge Wilhelm Appell (Kassel) überDie Volksfürsorge und ihre Aufgaben". Er wies auf die steten persönlichen Beziehungen der Vertreter der Versicherung mit den Versicherten hin, die auch in Zukunft gepflegt werden sollten. Nachdem bie Volksfürsorge gut über den Umbruch von 1933 hinweggekommen sei und die neue Führung ihre große volkswirtschaftliche Bedeutung anerkannt hatte, mache sich der Aufschwung auch zahlenmäßig stark bemerkbar. Der Vortragende gab in gemein­verständlicher Art einen Ueberblick über die Ent­wicklung des deutschen Versicherungswesens. Den kurzen geschäftlichen Ausführungen schloß sich der lustige Teil an, der von Kassel-Wehlhetdener Künst» lern bestritten wurde. Walter D a u m e machte den Ansager. Frl. Lizzi Bernhardt gewann mit einer ausgezeichneten und modulationsfähigen Sopransttmme, aber auch durch ausgezeichnete Mimik und ein gefälliges Spiel die Herzen der Zuhörer. Walter Daume, der auch ein Weinlled sang, verstand es sehr bald chie Zuhörer zum Lachen zu bringen. Fr. Elsa Köhler-Maurick be­gleitete am Klavier. Flotte Tanzmusik beschloß den Abend.

Dochenendfahrk nach Königstein im Taunus.

Die NS.-GemeinschaftKraft durch Freude" fährt am Sonntag, 4. August, eine Wochenendfahrt nach Königstein im Taunus. Diese Fahrt bietet den Teil­nehmern Gelegenheit, das schöne Städtchen König­stein und den Taunus kennenzulernen. Der Fahr­preis beträgt mit Mittagessen 4 Mark.

Bildung einer Laienspielschar.

Die NS.-GemeinschaftKraft durch Freude" be­absichtigt eine Laienspielschar aufzustellen, die im Laufe des Winters bei verschiedenen Kreisveranstal­tungen gutes Laienspiel zur Aufführung bringt. Volksgenossen, bie Lust, Liebe unb Talent mit­bringen, werben gebeten, sich bei ber NS.-Gemein- schaftKraft burch Freude"" Gießen, Schanzenstt. 18, zu melden.

Wochenendfahrt in das schöne Oberhessen.

Die NS.-GemeinschaftKraft durch Freude" fährt am Sonntag, 4. August, eine Wochenendfahrt i n b a s schöne Oberhessen. Die Fahrt geht in Gießen ab 6 Uhr über Laubach nach Schotten, von bort nach Gebern, von Gedern nach Hirzenhain. In Hirzenhain machen wir eine kleine Rast, gehen über den Berg nach dem Stauweiher Hillersbach, etwa 30 Minuten Weg, wo wir lagern und haben tonnen. Am Hillersbach finb wir gegen 9.30 Uhr. Die Fahrt geht bann gegen 11 Uhr weiter nach Or- tenberg, wo im GasthausZur Post" Mittagessen um 12.30 Uhr eingenommen wird. Nach dem Mit- tagessen machen wir einen Spaziergang durch Orten- berg und Umgebung. Wir behaupten nicht zuviel, wenn wir sagen, daß Ortenberg eines der schönsten Städtchen in Oberhessen ist. Gegen 15 Uhr geht die Fahrt weiter nach Bad Salzhausen, wo wir im Kurhaus unter schattigen Bäumen den Abend ver- bringen werden.

Der Fahrpreis mit Mittagessen und Nachmittags- kaffee beträgt 4,50 Mark pro Person.

Schwimmbäder.

Sämtlicke KdF.-Ortswarte, in deren Bereich Schwimmbäder sind, melden diese umgehend. Gleich-

Reisen wir mehr, um zu reifen, und nicht nur immer, um anzukommen! F. B.

Kameradschastsabend der Brühl'schen Druckerei.

Den schon seit langer Zeit in ber Brühl'schen Druckerei, Verlag des Gießener Anzeigers, üblich gewordenen Betriebsappell aller Mit­arbeiter hatte der Betriebsführer, Herr Richard Lange, am vorgestrigen Samstag in feinem Garten Am Nahrungsverg anberaumt unb hierzu die gesamte Gefolgschaft unb bie Betriebsveteranen als feine Gäste zu einem kamerabschaftlichen Garten­fest eingelaben. Im Anschluß an den Appell vereinigte zunächst eine gemeinsame Kaffee­tafel den Betriebsführer unb seine Familie mit allen Arbeitskameraben unb -kameradinnen an zahlreichen schön geschmückten Tischen bei Kaffee unb Kuchen. Hierauf folgten im Garten mancherlei ge­sellige Spiele unb Unterhaltung (Tauziehen, Preis- schießen, Ballwerfen und Preisquadräteln). Um die Abendbrotzeit nahmen Gastgeber unb Gäste wieder­um Platz zum gemeinsamen Abendimbiß, ber vor­trefflich mundete, und bei dem für bie Männer Zigar- ren und ein gutes Glas Bier, für bie Frauen ein Glas erquickenden Fruchtsaftes nicht fehlte. Dazu kamen im weiteren Verlaufe ber Abenbstunden bie Vorträge selbstverfaßter Dichtungen aus dem Kreise ber Gefolgschaft, flotte Musik, zu deren Klängen im Freien bei Lampionbeleuchtung eifrig getanzt unb bei bengalischem Licht unter Vorantritt ber Musik auch ein stimmungsvoller Umzug burch den Garten ge­macht wurde. In bester kameradschaftlicher Ver­bundenheit und ftohaemuter Stimmung verbrachten der Betriebsführer, seine Familienangehörigen unb die Kameraden und Kameradinnen des Betriebes

zeitig sind mit den Badeoerwaltungen bie Preise auszumachen, bie unseren KdF.-Wanbergruppen bei Benutzung eingeräumt werden. Meldung an die Geschäftsstelle KdF. Gießen. Termin: 3. August 1935.

Wandern.

Die Orts- und Betriebswanderwarte melden bis zum 2. August die im Monat Juli veranstalteten Wanderungen. Teilnehmerzahl, getrennt nach männ­lichen und weiblichen Teilnehmern, sowie Durch­schnittsalter ist anzugeben, desgleichen die Kosten pro Kopf, getrennt nach Fahrgeld und Verpflegung oder eventuell Rucksack-Verpflegung. Bis zum 10. August sind die Wanderungen für den Monat September festzul.gen und schriftlich an bie Ge­schäftsstelleKraft durch Freude^ Gießen, Schan­zenstraße 18, zu melden.

Wanderwochenendzug Ar. 1

nach dem kreis Westerburg am 17. und 18. August»

Kosten 6 Mark einschließlich Bahnfahrt, Ueber» nachtung und Verpflegung bis Sonntag nachmittag. Anmeldungen bei den zuständigen Dienststellen bis Zum 1. August 1935. Folgende Orte werden belegt: Westerburg, Rennerod, Walmerod. Von hier aus werden Wanderungen unternommen, insbesondere nach dem Dreifelder Weiher.

Danderwochenendzug Itr. 2 nach dem kreis Lauterbach am 24. und 25. August.

Kosten 7 Mark einschließlich Bahnfahrt und Uebernachtung mit Verpflegung bis Sonntag nach­mittag. Anmeldungen bei den zuständigen Dienst­stellen bis zum 1. August 1935. Folgende Orte wer- den belegt: Lauterbach, Schlitz, Herbstein, Bermuts- Hain, Ilbeshausen, Hochwaldhausen, Nieder-Moos.

Von hier aus werden Wanderungen unternom­men nach Bad Salzschlirf, Nieder-Mooser Teiche, Schalksbach-Teiche, Hoher Vogelsberg mit Geisel- tem, Taufstein, Hoherodskopf, Bilstein, Herchen- lainer Höhe. Die Abfahrt erfolgt Samstags gegen 17 Uhr und die Rückfahrt Sonntags gegen 21 Uhr. Wer sich an einer Wanderung beteiligen will, muß

Vögel als Vielfraße.

Wir sagen zwar von einem Menschen, der wenig JmaV66 rff1! "" aber selten ift ein Der- ?iS?rtPnnP^ffenVr a x bieler' denn die meisten ge- fieberten Bewohner der Luft sind geradezu unge- Welfraße, unb wenn wir im Verhältnis bürfnS rp!r9r°^ da- gleiche Nahrungsbe- «Ä w ' 1° mußten wir täglich hundert Pfund Fleisch und mehr verschlingen. Viele Vögel verzehren täglich mehr Nahrung als iZr Körpergewicht beträgt. Das Rotkehlchen ßc,£fWeit innerhalb von oieruni eTbft^mi^Hffin meI Nahrung, wie es

raT ift Tertian0nberf5 ausgesprochener Viel- rap, ift ö e r Eisvogel. Der englische Natur- orscher Oliver Pike hat dieses Tier, das täglich das Dreifache feines Gewichtes an Nahrung bewältigt,