Ausgabe 
29.3.1935
 
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zreitag, 29. März 1935

185. Zahrgang

Ht.Z5 «tftes Blatt

Gießener Anzeiger

Beträchtliches Abweichen der Meinungen, aber nützliche Klarstellung der Standpunkte

Der Ostpakt macht Schwierigkeiten

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Die Fühlungnahme mit Sowietrußland

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Llond George niemals vertragen konnte. Denn der wohl das Vermächtnis des Krieges lebendig ist- ____.__r 'Tiio ©onntni« -INP-; gemeinsamen Ovfers . so sagte

nicht. , , .,,

Neu ist dieses Programm wahrlich nicht. Es wurde von Lloyd George bereits am 24. November 1918 verkündet. Und zwar mit Worten, die erkennen lasten, daß in dem 72jährigen Lloyd George sehr

werden möge, war in politischen Kreisen Londons Gegenstand von Betrachtungen. Indessen wird mit einer entscheidenden Entwicklung in dieser oder in einer anderen Richtung kaum vor der Rückkehr des Lordsiegelbewahrers Eden gerechnet. Im übrigen ist der Außenminister zur Zeit mit der Ausarbei­tung seines ausführlichen Berichtes über die Berliner Besprechungen beschäftigt, der dann an die Mitglieder des Kabinetts verteilt werden soll. Auch die französische und italienische Regierung sollen in Kürze über den Inhalt der Berliner Be­sprechungen ins Bild gesetzt werden.

Wahrscheinlichkeiten die völlig abwegige Behauptung aufgestellt worden ist, daß der Führer m seinen Besprechungen mit Simon die Rückgewinnung des Korridors, die Angliederung der deutschsprachigen Gebiete der Tschechoslowakei usw. verlangt habe. Star" gibt die Aeußerung eines englischen Regie­rungssprechers wieder, der entschieden in Ab­rede stellte, daß Hitler jemals derartige Vorschläge gegenüber Simon, gemacht habe. Auch die Anregung, daß nach den Besprechungen von Stresa eine Konferenz der europäi­schen Mächte nach London einberufen

ers und Kämpfer zu acht Geld- t mit der Den Be- en Publi.

egen Be- r 6 Mo« t Geld- auf zwei urbe, be- rf um die Men An­ime wirt- icht zulie- i und sich t sich als klußerdem ein Mo- > es be-- um wto \ xäM j ein < i bezahlen.

Der radikale Arbeiterabgeordnete Maxton er­kundigte sich hierauf nach der Zusammenset­zung der Konferenz von Stresa, worauf Sir John Simon erwiderte, daß diese Zusammen­kunft zwischen den drei Mächten vereinbart worden sei. Maxton wollte hierauf wissen, ob irgendwelche Besprechungen, die in den nächsten zehn oder elf Tagen stattfinden würden, die Zusammensetzung der Konferenz von Stresa ändern werden, oder ob es bei der ursprünglichen Vereinbarung einer Dreier­konferenz bleiben werde. Simon antwortete: Die Zu­sammenkunft von Stresa ist eine Zusammenkunft j für die drei Mächte. Ich glaube nicht, daß es für irgend jemand möglich ist, Mutmaßungen dar­über anzustellen, welche Ereignisse unter Umstanden hiernach eintreten können. Auf eine weitere An­frage erklärte Außenminister Sir John Simon:Ich habe nichts von irgendeinem Vorschlag, die allgemeine Wehrpflicht in Oesterreich einzuführen, gehört. Auch ist bisher nichts von irgendeiner Mitteilung zwischen dem Völkerbund und Oesterreich über diesen Gegenstand bekanntgeworden.

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schiedenheiten zutage getreten sei. Die Besprechung wird am Freitagvormittag fortgesetzt.

Am Donnerstagabend gab Außenkommissar Llt- winow ein Essen zu Ehren Edens, an dem zahlreiche Mitglieder der Sowjetregierung, der britischen Botschaft in Moskau, Sowjetbotschafter Maiski und viele politische Persönlichkeiten der Sowjetunion teilnahmen. Litwinow erklärte in seiner Begrüßungsrede, daß zwischen der Sowiet- union und Großbritannien die wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen eine äußerst be­friedigende Entwicklung nehmen, und daß auf politischem Gebiet die Beziehungen sich mehr und mehr verbesserten. Der Besuch Edens habe um so größere Bedeutung, als im Augenblick Hinde-r- nisse für eine Aufrechterhallung der friedlichen internationalen Ordnung auftauchen. Es gelte jetzt bereits als Leitsatz, daß die Gefahr eines Krieges nur verhindert oder verklei­nert werden könne durch kollektive Bs« mühungen aller Staaten, und besonders der Großmächte. Er sei der Ansicht, daß die Zusam­menarbeit zwischen Großbritannien und der Sow­jetunion für die Erhaltung des Friedens eine entscheidende Bedeutung haben könnte. Den Besuch des Lordsiegelbewahrers sehe er als Unter-

London, 29. März (DNB. Funkspruch). Die Times" schreibt, die Ansicht der britischen Re­gierung über den Bericht Simons werde von dem Bericht Edens aus Moskau be­einflußt werden. Die europäische Lage sei so schwierig, daß verfrühte Erklärungen und noch mehr verfrühte Schlußfolgerungen aus solchen Erklärungen vermieden werden müßten. Unter Hinweis auf die Unterhauserklärung Simons behauptet das Blatt, die deutschen Bemerkungen über das Kommunique vom 3. Februar seien hauptsächlich negativ gewesen. Der vorgeschlagene O st p a k t werde jetzt vielleicht mit Unrecht als Hauptpunkt einer allgemeinen europäischen Regelung betrachtet. Die deutschen Einwendungen dagegen seien zwar verständlich, aber nicht vollkommen über­zeugend. Es müßte doch noch möglich sein, für die Bildung einer Gruppe kollektiver Sicher­heiten in diesem Teil der Welt zu sorgen, einer Gruppe, in der sich nur die Länder zu gegen­seitigem Beistand verpflichten würden, die sich hierzu entschließen wollten. Die anderen müßten sich mit zweiseitigen Nicht­angriffspakten begnügen. Der Besuch in Moskau werde wahrscheinlich die Bedeutung des Ostpaktes eher vergrößern als vermindern. Es werde wenig Hoffnung auf eine allgemeine Regelung geben, wenn dort nicht irgendein Puffer gegen einen Angriff geschaffen werden könne. Vielleicht könnte eine allgemeine öst­liche Luftkonvention einen geeigneten Rah­men für besondere Verteidigungsvereinbarungen bilden. Die Luftfrage sei im Osten wie im Westen von größter Wichtigkeit.

Einige dex Einwendungen, die Polen ebenfalls gegen den vorgeschlagenen Sicherheitspakt erhebe, könnten vielleicht beschwichtigt werden, wenn in der allgemeinen Verpflichtung zum Handeln nicht die Besetzung eines Landes durch die Truppen ein es anderen vorgesehen würde,

Die Erklärung des Außenministers über seinen Berliner Besuch wurde in den Wandelgängen des Unterhauses le b h a f t erörtert. Der allgemeine Tenor der Ausführungen Simons wird bei aller Zurückhaltung, die der Minister im Hinblick auf die weiteren Entwicklungsmöglichkeiten übte, zumindest nicht negativ gewertet, eine Beurteilung, die eine Stütze in dem Hinweis Simons finde, daß das Wissen um den gegenseitigen Standpunkt für jeden weiteren Fortschritt unerläßlich sei. Besondere Auf­merksamkeit fand die Aeußerung Simons, daß un­autorisierte Agenturmeldungen, die in einigen Kreisen laut geworden seien, n i ch i ernst genommen zu werden brauchen. Mit die ser Bemerkung ist der Berliner Bericht desDaily Telegraph" gemeint, in dem unter anderen Un-

t» diese Propaganda von jemandem getrieben tmben müßte, der etwas davon versteht.

'Wie wäre es also, wenn man den alten wallisi- kien Zauberer aus seinem Maulwurfsb-au heraus- i» ite, diesen Virtuosen der Demagogie mit dem zug- tÄftigen Namen? So halb und halb hatte er sei- n n Löwenkopf doch schon aus dem politischen Erd- r«nch herausgesteckt, als er vor fünf Jahren das

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nicht einmal zum Zwecke gegenseitigen B e i st a n d e s. Das erste Bedürfnis im Osten wie im Westen sei, einer Zusammenballung von Bom- benflugzeugen überwältigende Abwehrkräfte ent­gegenzustellen. Entscheidend sei die Frage, ob die Reichsregierung ein Anhänger des Kollektivsystems ei. Die Berliner Besprechungen deuteten auf eine negative Antwort hin. Zum Schluß erklärtTimes", auf der positiven Seite bleibe die geplante west­europäische Luftkonvention, übrig: sie ei keineswegs gering einzuschätzen. Auch jetzt sollte es noch nicht zu spät sein, die verhängnisvolle Neigung für zahlreichere und größere Waffen ein­zudämmen, wenn Deutschland bereit sei, sich zu ver­pflichten, nichts zu bauen, was andere Nationen nicht besäßen. r L ,

Daily Telegraph? bezeichnet es als sehr be­dauerlich, wenn auch unvermeidlich, daß der Staats­sekretär des Aeußeren vor der Konferenz von Stresa Zurückhaltung über seine Berliner Be­sprechungen bewahren werde. In der Zwischenzeit würden teils unbegründete, teils nicht ganz unbe­gründete Vermutungen freie Bahn haben, be­sonders, da Simon es für seine Pflicht gehalten habe, im Unterhaus von einem beträchtlichen A u s - einandergehen der Ansichten der beiden Regierungen Mitteilung zu machen. Diese Mittei­lung sei zu begrüßen, denn es sei am besten, von einer Uneinigkeit offen und ehrlich zu sprechen, um halbverborgene Intrigen zu verhindern, die in in­ternationalen Beziehungen gefährlicher seien als die rückhaltslose Feststellung einer Meinungsver- schiedenheit.News Chronicle" behauptet, die bri­tischen Minister seien nach längeren Erörterungen des Berichts des Außenministers pessimistisch g e st i m m t gewesen. Es werde jetzt in London anerkannt, daß man in Europa einer neuen Lage gegenübertreten muß. Dies, gebe der Zu- ; sammenkunft von Stresa neue erhöhte Bedeutung^

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Die Kenntnis eines gemeinsamen Opfers", so sagte er damals,einer gemeinsamen Brüderschaft des Leides und der Anstrengung hat sich tief in den Sinn unseres Volkes gesenkt; mit dieser Kenntnis müssen wir an das nächste große Unternehmen her­antreten, das vor uns liegt. Wir alle fühlen, daß diese heroischen Männer eine neue Welt ermöglicht haben und daß sie ihr volles Maß Dankbarkeit ver­dienen. Es gibt jetzt eine neue Art der Kameras schäft zwischen den verschiedenen Klassen und ich bin froh, daß wir an die neuen Probleme im Sinns dieser Kameradschaft Herangehen. Wir wollen fW halten, so lange wir können."

Das sind schöne Worte, denen die Erfüllung bis heute oer aqt blieb. Werden sie jemals verwirklicht werden können, so lange dieTimes die demo- kratische Mittelmäßigkeit als politisches Ideal feiert? Der alte Zauberer, der einmal gesagt hat, daß der wildeste Revolutionär der reaktionärste Mensch in ber Welt ist, ist bis heute die klare Antwort auf diese Frage schuldig geblieben.

alte Zauberer liebt wohl konservative Liberale, aber nicht liberale Konservative.

Noch immer jedoch leitet Stanley Baldwin seine kon ervativen Schäfchen wie ein guter Hirte, der ihnen gern allzu große Aufregungen erspart. Wer bürgt ihm dafür, daß der Rattenfänger aus Wales feine Herde nicht auf Wege lockt, bte nun- bestens ungewöhnlich sind und leicht zum Absturz führen? So wird er das Arbeitsbeschaffungspro­gramm Lloyd Georges dem Konservativen Parteikongreß vorlegen, der in einem Monat zusammentritt. Dieser mag dann darüber bestimmen, ob Siedlung, Straßenbau, Ausbau der Elektrifizie­rung und des Telephonnetzes, Wohnungsbau ein­schließlich Beseitigung der Slums, Selbstversorgung soweit wie irgend möglich, wünschenswert sind ober

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Baß> ist George über seine engeren wallisischen Ernzen hinausgewachsen, trotzdem ihn auch heute noch ein altes Lied in der fast unaussprechlichen Spache seiner Heimat fast zu Tränen rührt. Bald ist er der Anwalt der Massen, die noch immer cm die befreiende und erlösende Kraft des Libera­lismus glauben. Für sie kämpft er gegen die Land- lo»s, gegen die Besitzer riesiger, landwirtschaftlich brachliegender Latifundien, für eine soziale Gesetz- gelmng. Die liberale Regierung Campbell-Ban- »eimann überträgt ihm das Handelsamt; bei | Kriegsausbruch ist er Schatzkanzler, 1915 bis 1916 Mnitionsminister, 1916 Kriegsminister, 1916 bis 19.2 Ministerpräsident. Der große Erdrutsch der D: hlen von 1922, der zum ersten Mal die Arbeiter- »tt tei an die Macht emporträgt begräbt auch ihn.

3on nun an scheint es, als ob sich Lloyd George d! ein Maulwurf einbuddeln wolle, wie ein Maul- tDirf, ber feinen Winterschlaf halten will. Seinen Ci? im Parlament freilich gibt er nicht auf; ja, je lirger er unter denGemeinen" die Grundsätze {einer Politik vertritt und verteidigt, desto virtuoser pi-It er auf dem parlamentarischen Klavier. Zuletzt reförpert er gar keine Partei mehr, sondern nur fit! selbst. Zuletzt ist er deralte Zauberer", on dessen Lippen das Haus, auch wenn feine kom- po te konservative Mehrheit ganz anderer Meinung ist hängt.

London, 28. März. (DNB.) Staatssekretär des Auswärtigen, Sir John Simon, wurde heute vormittag im Buckingham-Palast vom K ö ni g empfangen. Die Unterredung dauerte 45 Mi­nuten. Sie galt der Berichterstattung über die Be­sprechungen in Berlin. Der Minister gab dann t m Unterhaus eine kurze Erklärung ab, wonach ihn der Oppositionsführer Lansbury gefragt hatte, ob er sich zu seinem Berliner Besuch äußern könne. Sir John Simon, der mit lautem Beifall begrüßt wurde, sagte:

Das Unterhaus weiß, daß der Besuch in Ber­lin einer von mehreren Erkundungs-

I und Anfragebesuchen ist, die zur Zeit im Auf­trag der englischen Regierung in verschie­denen ausländischen Hauptstädten abgestattet werden. Sobald diese Besuche ab­geschlossen sind, wird eine Zusammen- kunflin Stresa in Norditalien folgen, wo ich Mussolini und Canal zu treffen hoffe. Unter diesen Umständen ist es n i ch t wünschenswert, eine erschöpfende Erklä­rung über die Cage abzugeben, die zur Zeit noch geprüft wird. Unautorisierte Mut­maßungen, die in einigen Kreisen laut ge­worben sind, brauchen nicht ernst genom-

I men ju werden; ich möchte indessen sagen, daß im Caufe der zweitägigen Unterhaltungen mit Herrn Hitler das europäische Problem in bezug auf Deutschland durchgesprochen wurde, und daß alle Fpagen behandelt wur­den, die in dem Londoner Kommunique vorn 3. Februar erwähnt sind. Ein beträcht­liches Abweichen ber Rteinnnger zwischen den beiben Regierungen trat bei den Besprechungen zutage. Aber das Ergeb­nis der Zusammenkunft war insofern zweifellos wertvoll, als beide Seiten in der Cage waren, ihre diesbezüglichen Standpunkte klar zu verstehen, ein Prozeß, der für jeden weiteren Fort­schritt unerläßlich ist."

Orangebuch ber Liberalen" mit dem kühnen Titel Wir können die Arbeitslosigkeit besiegen",Wir haben für ben Krieg mobilisiert Laßt uns für die Prosperität mobilisieren!" veröffentlichte unb erst kürzlich in Bangor sein Wahlbanner entfaltete.

Grunbfätzlich erkennt Lloyd George bte jetzige Nationale Regierung" an, fordert aber erstens ein umfassendes Arbeitsbeschaffungs - Programm und zweitens zu dessen reibungslosem Gelingen die Aus­bootung des Schatzkanzlers Neville Chamber­lain und des Außenministers Str John Simon i aus dem Kabinett. Zu verdenken ist diese Forderung dem alten Kämpfer mit dem noch immer jungen Herzen nicht. Denn Neville Chamberlain ist die ver­körperte Mittelmäßigkeit, ein Mann, wie ihn die Times" sich wünscht, ein Finanzminister, der jeden Pfennig umdreht, Schätze sammelt, spart, wo es irgend möglich ist, und im übrigen der Ansicht ist, daß der Staat nur für ein ausgeglichenes Budget w sorgen habe; alles andere werde sich dann auto- I matisch von selbst regeln. Ein liberaler Konservativer 'also ebenso wie Str John Simon, mit bem sich

Edens Besuch in Moskau.

Dio erste Besprechung mit Litwinow.

Moskau, 28. März. (DNB.) Der Lordsiegel­bewahrer Eden ist heute vormittag in Moskau ein getroffen. Auf dem Bahnhof waren zu seiner Begrüßung Vertreter der Sowjetregierung, die Mitglieder der englischen Botschaft, die Vertre­ter der ausländischen und der sowjetrussischen Presse erschienen. Der stellvertretende Chef des Proto­kolls begrüßte Eden im Namen der Sowjetregie- rung. Äußenkommifsar Litwinow empfing um 17 Uhr den Lordsiegelbewahrer in Anwesenheit der Botschafter Chilston und Maiski sowie des Direktors der Dölkerbundsabteilung des Foretgn Office Strang. In zweistündiger Unterredung tauschten der Volkskommissar und der britische Mi­nister ihre Meinungen über aktuelle Fragen der internationalen politischen Lage aus. Insbesondere unterrichtete Eden Litwinow über den Inhalt der kürzlichen Verhandlungen der britischen Minister mit der deutschen Regierung. Die Unter­redung zwischen Eden und Litwinow ist in einer äußerst freundschaftlichen Atmosphäre vor sich ge­gangen. Einstweilen sollen keinerlei Meinungsver-

- Dieser kompakten Majorität ist se.it einem Jahre I $q- nicht recht wohl zu Mute. Die Lorbeeren, auf h teuen sie seit dem phantastischen Siege von 19311 < Eruht, sind dünn, welk und brüchig geworden, i 461» riechen muffig, und die Wählermassen haben 11 fußen Geruch satt. Stets hat ein gutes Drittel ber Mischen Wähler zwischen den Parteien geschwankt. 1 N t richtigem sportlichen Instinkt ist es geneigt, ki Konservativen ober Liberalen ober ßabour «ue Chance zu geben. Politische Erfolge, wie sie ti-Nationale Regierung" unter Macdonald, Twille Chamberlain und Sir John Simon zwei- fel 09 aufzuweisen hat, sind für kein britisches Ka­di-ett jemals ein Ruhekissen gewesen. Der Wähler (a-.gmeitt sich und das ist schlimmer, als wenn er öj.tenb wäre. Das mag paradox klingen, aber die Buten sind nun eben einmal gern paradox. Wie di ft man dieser Langeweile ab, so fragen die kon- s?Wativen Parteiauguren und erinnern sich, daß bereits kurz nach dem Weltkrieg die hochkonserva- tiwMorning Post" Lloyd George im Na- w-n berDierhards", der Männer vom Schlage fafton Churchills, Lord Lloyds und Sir Robert h rnes aufgesordert Hatte, in die Reihen der Kon- le-roatiDen einzutreten. Das hieß: ben Labour-Teufel nttt dem liberalen Beelzebub austreiben. Lloyd Z orge indessen verschloß sich in seinem Maul- varfbau, dessen unterirdische Gänge unter allen Mtischen Lagern kreuz und quer liefen. Von fei ium wallisischen Hauptbau aus beobachtete beralte 3 uberer", wie das Gelände, auf dem sich das lkilbinett Macdonald bewegte, immer schütterer oirbe. Ein Wahlkreis nach dem anderen ging ber konservativen Armee an ßabour verloren; die Ge-1 in-indewahlen waren einem Seebeben zu verglei­ch n, dem über kurz ober lang ein heftiger Vulkan- ijsbrud) folgen werde. Die Wahl schließlich von Boaoertree von Wank eb a um nomen est »nen? rief ein solches Kopfschütteln aller kon- skwativen Parteitanten hervor, daß die staubigen Drücken nur so rauchten.

tWavertree war mehr als nur der Schauplatz en es häuslichen Streites zwischen den Konserva­tiven. Die Zersplltterung zwischen ben konservativen Stimmen, von der ßabour völlig unverhofft pro- jiiierte, war vielmehr ber Ausdruck ber allgemei- m politischen Uns icherheit unb Ratlosig­keit, von der die Wählermassen ergriffen sind. Eie Konservativen verfügen über keine zugkräftige Parolen, und wenn die gute, alteTimes" die iktittelmäßigkeit als das Ideal eines demokratisch regierten Staates feiert, so beweist das ja nur die algemeine Verlegenheit in den Reihen ber Regie- r.mgspartei. Dumpf ahnt man dort natürlich, baß ewas Propaganda nichts schaden könnte und

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Stellen-, Vereins-, gemein-

General-Anzeiger für Oberhessen

behördliche Anzeigen 6Rpf.

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Oer alte Zauberer. IGirIohnGimon im Unterhaus über die Bedeutung ÄSiÄ'i-BfÄS berliner ^esuckes

M ihn seine Landsleute nennen, zum ersten Mal VvV IIIIVI

bo: Haus der Gemeinen zu Westminster betrat. Sibenundzwanzig Jahre zählte damals ber libe­ral: Vertreter von Carnavon, der einen glänzenden I Biig über die englischen Landjunker in seiner Hei­ne Wales davongetragen hatte. Da sitzt er nun ini Unterhaus unter lauter Abgeordneten, die durch bik traditionelle Schule der britischen Politik gegan- jei find, unter jenen Männern von Eton und Har­ros», Oxford und Cambridge, deren typisch­ste, Vertreter Lord Balfour ist, denen wie Dl dstone lateinische und griechische Zitate glatt dd: den Lippen fließen, er, der Sohn eines Fickschusters, der sich auf autodidaktischem1 Dge die für den Beruf einesAnwalts m iter Klaffe" gerade notwendigen Kenntnisse des Fnnzösischen und Lateinischen erworben hat. Da­vit Lloyd George schreibt damals:Aber ach, die Puatte war ganz unwirklich, ohne Glut und Ernst- tzMgkeit". David Lloyd George ist fein Mann des P^laments. Seine Parteigenossen behandeln ihn k M heißt es in einer Biographie über ihnmit IM beschränktem Wohlwollen". Sie haben ihm nie sp recht getraut, aber ebensowenig seinen stürmi­sche Aufstieg zu verhindern vermocht.