Ausgabe 
28.12.1935
 
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Deutschland und Frankreich an derIahreswende.

Französische (Stimmen für eine Atmosphäre des Vertrauens und der Kameradschaftlichkeit.

Don unserem Dr. Jh.-Korrespondenten

Paris, 26. Dezember 1935.

Wie gespannt die politischen Verhältnisse im heutiaen Frankreich sind, geht schon daraus her­vor, daß selbst in der heiligen Weihnachtszeit dem Volke keine Ruhe gegönnt wurde. Vielmehr sind gerade in diesen Tagen im Parlament und in der Oeffentlichkeit Fragen erörtert worden, die den Franzosen außerordentlich stark bewegen und die für ihn auch von entscheidender Bedeutung sind. Die Frage der Kampfbünde oder der soge­nanntenLigen" betrifft in gewisser Weise das Regime des französischen Staates und zwingt des­wegen jeden Bürger zu eindeutiger Stellungnahme. Und die S a n k t i o n s f r a g e ist entscheidend für die französische Völkerbundsvolitik, die seit Kriegs­ende die Grundlage des gesamten außenpolitischen Gebäudes am Quai d'Orsay gewesen ist.

Die Entwicklung der internationalen Politik in den letzten Monaten fordert auch von Frankreich man könnte fast sagen: in erster Linie von Frank­reich schwerwiegende Entschlüsse, die nicht länger aufschiebbar sind. Vor allem ist es allmählich höchste Zeit, daß es sich über sein Verhältnis zum nationalsozialistischen Deutsch­land vollkommen klar wird. Die eingehende Unter­redung des französischen Botschafters in Berlin mit dem Kührer ließ darauf schließen, daß man sich im französischen Außenministerium darum bemüht, jene Klarheit zu gewinnen, welche die Voraussetzung für die erforderlichen Entschlüsse ist.

Zum Jahresende ist die deutsch-französische Frage in Paris eifrig und ernsthaft erörtert worden. Schon die Gründung desComite France- Allemagne, der Schwester-Vereinigung der Deutsch-französischen Gesellschaft" in Berlin, for­derte die Stellungnahme der politischen Kreise in Frankreich heraus. Das geflissentliche Schweigen in der Pariser Presse, die, gewissen Geldmächten hörig, jegliche Verständigungsarbeit zu verhindern trach­tet, vermag über die erfreuliche Anteilnahme im französischen Volk nicht hinwegzutäuschen. Ich

Paris, 27. Dez. (DNB.) Die Sitzung der fran­zösischen Kammer begann vor vollbesetztem Haus. Gleich Beginn nahm Ministerpräsident und Außenminister Laval das Wort. Als Vertreter eines großen, freien Staates habe er mit den übri­gen Mitgliedern des Völkerbundes über die Sühne- maßnahmen gegen den Angreifer ver­handelt. Alle diese Maßnahmen seien in Frankreich loyal und genau durchgeführt worden, so peinlich auch die Folgen sein könnten. In Ausführung des Absatzes 3 des Artikels 6 der Dölkerbundssatzungen habe er ohne Zaudern England gegenüber für Frankreich die Verpflichtung übernommen, England zur See, zu Lande und in der Luft zu unter- stützen, wenn es von Italien anläßlich der An­wendung der Sühnemaßnahmen angegriffen wer- den solle. Er habe das Gefühl, damit eine schwere Verantwortung übernommen fru haben. Sie sei die unausbleibliche Folge der Völkerbundssatzungen. Diese Verantwortung habe ihm die Pflicht aufer- legt, alles zu versuchen, um die Atmosphäre zwi­schen England und Italien zu entspannen. Er habe Furcht vor einem Zwischenfall. Für der­artiges habe die Geschichte ja viele Beispiele. Frank­reich könne durch einen solchen Zwischenfall in einen Krieg verwickelt werden, den zu vermeiden er alles getan habe. Mit Hoare habe er unter dem Eindruck dieser Sorge die Frage der Erdölsperre beraten und den besten Weg ge- sucht, um bei Aufrechterhaltung des Friedens und im Rahmen der internationalen Einrichtungen die Belange beider Länder zu verteidigen. Die Vor­schläge, die man als übertrieben bezeichnet habe, hätten er und Hoare für vernünftig an­gesehen. Im übrigen seien sie ja nicht unabän­derlich gewesen. Was werde morgen geschehen?

Die Pariser Vorschläge seien erledigt, aber die Aufgabe der Vermittlung bleibe ungelöst. Der Völ­kerbundsrat habe den Dreizehner-Äusschuß beauf­tragt, über die Anwendung der wirtschaftlichen Druckmaßnahmen zu wachen. Wer wolle behaupten, daß die bereits angewandten finanziellen und wirt­schaftlichen Maßnahmen unwirksam seien. Wer könne die Bürgschaft dafür übernehmen, daß man durch ihre Erweiterung nicht Gefahr laufe, den Streit zu v e r g r ö ß e r n. Einige erklärten, daß vor allem die Achtung des internatio­nalen Gesetzes wichtig sei. Gewiß, aber dieses Gesetz sei vorgesehen, um den Krieg zu verhin­dern und seine Wirkung zu begrenzen und nicht um einen Krieg zu verallgemeinern. Zn Genf sei die Methode der regionalen Bei- standspakte aufgestellt worden, um im voraus eine auf die besonders betroffenen Gebiete be­schränkte gegenseitige Unter st ützung zu organisieren. Mangels von Abkommen dieser Art werde die selbsttätige Anwendung des Artikels 16 immer von Zufall abhängig fein und von beschränkter Tragweite bleiben. Es bandele sich darum, die Achtung des internationalen Gesetzes durch die Beendigung eines Streites zu gewähr­leisten, der den Belangen der Gesamtheit der Ra­tionen abträglich sei und der nur den Feinden des Friedens nützen könne.

Niemand könne leugnen daß die franz 8 fisch- englische Zusammenarbeit das w i ch - tig st e Element der Sicherheit in Eu­ropa sei. Er habe der Solidarität, die beide Länder verbinde, in keiner Weise Abbruch getan. Er denke auch nicht daran, England den Vorwurf zu machen, die gemeinsam in Paris mit Hoare angeregten Vor­schläge schließlich abgelehnt zu haben. Er, Laval, habe Dinge unternommen, die er nicht bebauere, da sie das Ziel hatten, dem Streit ein Ende zu machen. Wenn sie auch zu keinem Erfolg geführt hätten, so sei er dadurch nicht entmutigt. Andere 93er» suche müßten gemacht werden, die möglicherweise ebenfalls keinen Erfolg hoben können. Was auch kommen möge, er werde fortfahren, für den Frie­den unaufhörlich zu arbeiten.

Die Aussprache.

Zn der Aussprache sprach als erster der Sozialist L6on Blum. Er meinte, im italienisch-abessinischen Streit würde es keine Kriegsgefahr geben, wenn alle Staaten voll entschlossen wären, dem Ange­griffenen Beistand zu leisten. Laval habe den Fehler gemacht, daß er bei Mussolini den Eindruck hinter­lassen habe, daß Italien von Frankreich nichts zu

fragte de Brinon, den Vizepräsidenten des Ko­mitees, dem die Hauptlast der Organisation der französischen Vereinigung zugefallen ist, nach der Aufnayme der Neugründung unter seinen Lands­leuten. Er antwortete mir:Die zarte Pflanze des Comite France-Allemagne w ä ch st und g e - d e i h t. Das Verständnis für unsere Bestrebungen marschiert. Täglich erhalten wir zustimmende Aeußerungen und Beitrittserklärungen aus allen Teilen Frankreichs. Wir freuen uns besonders, daß die Bevölkerung der französischen Provinz so regen Anteil an unserem Werke nimmt. Aber auch von bedeutenden politischen Persönlichkeiten der Hauptstadt wird uns eine ebenso ermutigende, wie wertvolle Unterstützung zuteil!" Und zur Bestäti­gung zählte er mir einzelne besonders bemerkens­werte Erfolge der letzten Wochen auf.

Eine neugegründete Pariser Wochenzeitung glaubte und auch das ist sehr bezeichnend da­durch am wirksamsten die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit auf sich zu lenken, daß sie in mehre­ren Fortsetzungen eine große Untersuchung über die Frage veranstaltete:Zst eine offene und entschei­dende Aussprache mit Deutschland mög­lich, und ift sie wünschenswert?", wobei sie eine ganze Reiye hervorragender Persönlichkeiten der verschiedensten Parteien und Stände zu Worte kom­men ließ. Die meisten bejahten die gestellte Frage mit großer Bestimmtheit. So schrieb zum Beispiel der Präsident derPatriotischen 3ugenD", Pierre Tai11 inger u. a.:Die Nationalsozialisti­sche Regierung, die stark genug ist, um ihre Ver­pflichtungen halten zu können, scheint mir a m allerbefähig st en zu sein, um mit Frankreich eine dauerhafte Verständigung zu erzielen." Und d^r Leiter der großen nationalen Organisation Solidarite Fran^aise, Major Zean Renaud, wies darauf hin, daß es ein sehr geeignetes Gebiet gäbe, auf dem die deutsch-französische Zusammen­arbeit erprobt werden könne, nämlich demjenigen des gemeinsamen Kampfes gegen den

befürchten habe. Frankreich habe von Mussolini nichts zu befürchten, weil es von Frankreich selbst abhänge, daß der kollektive Beistand wirksam werde. Die wahre Gefahr sei nicht Italien, sondern das nationalsozialistische Deutschland (!). Ein internationales Beistandsabkommen sei die Voraussetzung dafür, daß Frankreich diese Gefahr bestehen könnte. Solch ein Abkommen müsse m i t oder ohne Deutschland abgeschlossen werden. Nötigenfalls müßte man Deutschland zu einer Be­teiligung an diesem Abkommen z w ingen (!). Laval habe gegen die Sicherheit Frankreichs ge­arbeitet, indem er die kollektive Sicherheit ge» schwächt habe. Die Ausführungen Blums wurden von seinen Parteifreunden mit stürmischem Beifall ausgenommen, dem sich auch ein Teil der Radikal­sozialisten anschloß. Die Mitte und die Rechte gaben hingegen ihrem Mißfallen laut Ausdruck.

Der rechtsgerichtete Abgeordnete Taitinger (Vorsitzender der Patriotischen Jugend) verteidigte nachdrücklich die Politik Lavals und die Haltung Italiens. Er betonte, daß man Abessinien gegen­über einen anderen Standpunkt einnehmen mühte als anderen Staaten gegenüber, da Abessi­nien keine politische Einheit darstelle. Da man Japan nicht verhindert habe, Man- dschukuo zu nehmen, und nichts gegen d i e deutsche Ausrüstung unternommen habe, sei Mussolini berechtigt gewesen, anzunehmen, daß man auch gegen i h n nichts unternehmen würde. Italien seien koloniale Versprechungen ge­macht worden. Laval habe diese Versprechungen erfüllt. Auf eine Zwischenfrage eines linksstehenden Abgeordneten, ob es zutreffe, daß Taitinger in einer Unterredung mit der WochenschriftChoc" erklärt habe, man solle sich einer Ausdeh­nung Deutschlands nicht widersetzen, da das 65-Millionen-Dolk keinen ausreichen­den Lebensraum habe, erwiderte Taitinger, es habe sich um eine telephonische Unterredung ge­handelt. Er wolle sich also auf die einzelnen Aus­drücke nicht festleaen. Die Veröffentlichung der Wochenschrift entspreche aber im allgemeinen seiner Auffassung.

Mit größter Aufmerksamkeit hörte die Kammer dann eine Rede des Abgeordneten D e l b o s an, der im Namen der Radikalsozialistischen Partei den Standpunkt vertrat, daß die Außenpolitik Lavals

Bolschewismus, den erbitterten Feind jeg­lichen Vaterlandes.

Natürlich hat es auch-an einigen ablehnen­den Stimmen nicht gefehlt, die indessen fast nur von sehr betagten Generalen stammen. Einer von diesen, ein ehemaliges Mitglied des obersten französischen Kriegsrates, sagt rundheraus, daß die vorgeschlagene Aussprache mit Deutschland weder möglich, noch wünschenswert wäre. Dabei führt er einen Grund an, der über die erstaunliche Unwissen­heit dieses alten Herrn Bände spricht. Er behauptet wahrhaftig, daß der deutsche Arbeiter 12 bis 13 Stunden am Tag arbeiten müsse, während in Frankreich der Achtstundentag durchgeführt sei, so daß Deutschland bei einer wirtschaftlichen Zusam­menarbeit mit Frankreich sehr bald die Oberhand gewonnen haben würde. Daß der berüchtigte Gene­ral Mordacq, der während der Besatzungszeit das deutsche Rheinland mit Gewalt für Frankreich annektieren wollte, nicht für eine Verständigung 0U haben, nimmt nicht weiter wunder. Unerhört ist aber doch, daß dieser französische Offizier Deutsch­land als einen tollwütigen Hund bezeichnet und als einziges Allheilmittel ein Offensivbündnis zwischen Frankreich, England und Italien vorschlägt.

Erfreulicherweise bilden solche haarsträubenden Ansichten heute in Frankreich d i e Ausnahme. Es sind gerade die ehemaligen Frontkämpfer, von denen der Verständigungsgedanke gegenwärtig die stärkste moralische Unterstützung erfährt. Der Füh­rer des größten französischen Frontkämpfer­verbandes mit etwa einer Million Mitglieder, Henry Pichot, erklärte mir im Hinblick auf das Arbeitsprogramm im neuen Jahr mit großer Zu­versicht:Wir wollen durch ständige und zuneh­mende, gegenseitige Fühlungnahme eine Atmo­sphäre des Vertrauens und der Kame­radschaftlichkeit zwischen den deutschen und französischen Frontkämpfern und damit zwischen beiden Völkern schaffen!"

nicht genügend auf die Völkerbundssatzung und die allgemeine Sicherheit abgestellt gewesen sei. Die Politik Lavals habe, soweit sie sich vom Völkerbund entfernt habe, Schiffbruch erlitten und müsse ab» gelehnt werden. Delbos forderte die Politik, die be­sonders von B r i a n d , befolgt worden sei. Sie be­stehe darin, daß die Verträge geachtet wür­den. Man müsse zur Völkerbundssatzung zurück- kehren. Delbos befürwortete eine Verständigung mit Deutschland ebenso wie mit Italien, aber nur un­ter der Bedingung, daß diese Verständigung gegen niemand gerichtet sei. Dabei wandte er sich vor allem gegen einen sowjetfeindlichen Feldzug.

Der ehemalige Finanzminister Paul Reynaud (Republikanisches Zentrum) stellte u. a. die Frage, gegen wen Deutschland aufrü^te (!), und behauptete, daß er um eine Verständigungsformel mit Deutschland gerungen habe, ohne die ein dauer­hafter Friede nicht möglich sei. Reynaud erinnerte bann an die letzten englischen Wahlen, bei denen die Überwältigende Mebrheit des Volkes f ü r d i e Grundsätze des Völkerbundes ge­stimmt habe. Das englische Volk habe erkannt, daß es sich bei dem italienisch-abessinischen Krieg um weit mehr als um die Interessen des englischen Weltreiches handele, nicht nur um materielle Dinge, sondern um moralische Grundsätze. Der Umschwung der englischen Politik sei außerordentlich bedeutungs­voll. Frankreich dürfe das nicht verkennen und habe zu wählen zwischen Italien, das die Völkerbundssatzungen verletzt habe, und England, dem Beschützer der Völkerbundssatzungen. Wenn Frankreich sich gegen England stelle, s o b e - deute das Krieg! Bezeichnenderweise wurden die Ausführungen Reynauds von der Linken und einem großen Teil der Mitte mit fast einstimmigem Beifall aufgenommen.

Der Sprecher der Republikanisch-Sozialistischen Union Ti 6 ie setzte im Verlauf der Kammeraus­sprache die Reihe der Angriffe gegen die Außen­politik Lavals fort. Dagegen betonte der Abgeord­nete Thellier (rechte Mitte), daß er und seine Freunde auch weiterhin der Regierung das Ver­trauen bewahren würden. Der kommunistische Ab- geordnete P 6 r i lehnte die Politik Lavals rundweg ab. Die Sitzung wurde um 23 Uhr (MEZ.) auf Samstag früh vertagt.

pause im Abessinienkonflikt.

Die Bereitstellung von Flottenstützpunkte« im Mittelmeer.

London, 28. Dez. (DNB. Funspruch.) Die Mor. genpreffe rechnet nicht damit, daß bis Mitte Januar noch große Entwicklungen im italienisch-abessinischen Streit zu erwarten seien. Die Blätter begründen diese Vermutung mit der heutigen Abreise des britischen Botschafters in Rom, Sir Eric D r u m m o n d. der sich zu einem drei, wöchigen Urlaub nach England begibt.

Wegen der weiteren Verhandlungen zwischen England und den drei Mittelmeerstaaten Orte- chenland, Südslawien und der Türkei, die die Erfüllung ihrer Verpflichtungen unter Ar» titel 16 der Dölkerbundssatzung im Falle eines ita­lienischen Angriffes auf die britische Mittelmeerflotte zugesagt haben, verhält man sich in den amtlichen Kreisen Londons vorläufig noch ziemlich zurück­haltend.Morning Post" meldet, Daß sich die Be­sprechungen hauptsächlich um die Bereitstel » I u n g von Flottenstützpunkten für d i e britische Flotte drehen werden, da die ge­nannten Mächte keine nennenswerten ei­genen Flotten besäßen. Bei der Türkei kämen die früheren Flottenstützpunkte in Smyrna und I st a n b u l in Frage, Die auf Grund des Friedens» Vertrages größtenteils geschleift worden seien. Die Türkei soll eine Bereitstellung dieser Stützpunkte nicht von einer Revision der Dardanellenabkom- men abhängig machen. Die drei griechischen Häsen Pyräus, Saloniki und Kreta seien von einer ge­wissen Bedeutung, während S ü d s l a wi e n , abge­sehen von seiner Stellung im Adriatlschen Meer hauptsächlich als Sprecher der kleinen Entente zu bewerten fei.

Wie der Luftfahrt-Berichterstatter desDaily Telegraph" meldet, werden die nach Aegypten und Asien verkehrenden englischen Passagierflug­zeuge ihre Brennstostversorgung nicht mehr in Brindisi (Italien), sondern in Korku (Griechenland) vornehmen. Diese Maßnahme sei auf die hohen Benzinkosten und die Schwierigkeiten einer geregelten Brennstoffversorgung in Italien zurückzuführen.

6in britisches Reichsverteidigungs» Ministerium?

London, 28. Dez. (DNB. Funkspruch.)Daily Herald" glaubt zu wissen, daß das Kabinett zu Be­ginn des neuen Jahres wichtige Entscheidungen über d i e Zusammenfassung der Armee, Flotte und Luftstreitkräfte treffen werde. Zn nächster Zeit sei eine Umbildung des K a - b i n e 115 geplant und die Schaffung eines für die Verteidigung des britischen Welt- reiches" bestimmten Ministeriums werde dabei eine wichtige Rolle spielen. Weiter meldetDaily Herald", die Regierung treffe Vorbereitungen für den Bau eines riesigen unterirdischen Oellagers für die britische Flotte in der Nähe von Plymouth. Man wolle etwa eine Milliarde Gallonen Oel in unterirdischen Stahltanks bereithalten und die Anlage durch eine Rohrleitung mit der Küste verbinden.

Neujahrsbotschaft des Reichsarbertsführers.

Berlin, 27. Dez. (DNB.) Reichsarbeitsführer Hier! veröffentlicht imArbeitsmann", der Zei­tung des Reichsarbeitsdienstes, eine Neujahrsbot- schäft an den Arbeitsdienst. Zn ihr spricht er zu­nächst dem Führer den Dank der alten Pioniere der nationalsozialistischen Arbeitsidee für die ge­setzliche Einführung der allgemeinen Arbeitsdienstpflicht in diesem abgelaufe- nen Jahre 1935 aus und wendet sich gleichzeitig an die jungen Kameraden, bei denen er mit Freude anerkennt, was sie im ersten Vierteljahr ihres Dienstes geleistet und gelernt haben. Dann wendet sich der Reichsarbeitsführer den Auf­gaben zu, die das neue Jahr mit sich bringt. Die Vervollkommnung der Methoden und Mittel zur Erziehung und Ausbildung habe für das kom­mende Jahr eine Hauptsorge zu sein. Das neue Jahr werde insbesondere für die Entwicklung des Frauenarbeitsdienstes entscheidend sein. Das Arbeitsdienstgesetz habe auch für die weibliche Jugend grundsätzlich die Arbeitsdienstpflicht festge­legt, woraus schon hervorgehe, daß Der zur Zeit noch bestehende freiwillige Frauenarbeitsdienst nichts anderes fein könne, als die Vorbereitung und Vorstufe für die allgemeine Frauenar­beit s d i e n st p f l i ch t. Die gegenwärtig noch be­stehende, diesem Zweck nicht entsprechende und da­her unorganische Verbindung mit der Reichsan st alt werde gelöst werden. Alles, was im freiwilligen Frauenarbeitsdienst jetzt ge­schehe, solle mit Der Blickrichtung auf dieses Ziel geschehen. Mit einem Gelöbnis an den Führer, mit einem Gruß an alle Angehörigen des Reichs­arbeitsdienstes und des freiwilligen Frauenar­beitsdienstes, denen der Reichsarbeitsführer für das neue Jahr viel Kraft zur Arbeit und viel Freude durch die Arbeit wünscht, schließt die Neu­jahrsbotschaft.

Reichsminister ©r. Goebbels spricht

Silvesterabend im Rundfunk.

Berlin, 27. Dez. (DNB.) Reichsminister Dr. Goebbels spricht im Deutschen Rundfunk am Dienstag, 31. Dezember, von 19 Uhr bis 19.10 Uhr zur Jahreswende.

Ausscheiden deutscher Hausgehilfinnen aus jüdischen Haushalten.

Berlin. 27. Dez. <DNB.) Alle Hausgehilsinnen, die unter §3 des Gesetzes zum Schutze des deut­schen Blutes und der deutschen Ehre vom 15. Sep­tember 1935 in Verbindung mit § 12 der Ausfüh* rungsoerorbnung zu diesem Gesetz vom 14. Novem­ber 1935 fallen, müssen ohne Rücksicht darauf, ob bei den Behörden ein Antrag der Hausgehilfin oder des Dienstherrn auf Verbleib in ihrer Stel­lung vorliegt, am 31. Dezember 1935 aus ihren Stellungen ausscheiden, sofern nicht im Einzelfalle die Genehmigung zum Verbleib in ihrer Stellung bis zum 31. Dezember 1935 erteilt ist. Für den Fall, daß eine rechtzeitig beantragte Genehmigung noch nachträglich erteilt wird, kann die Hausgehilfin von diesem Zeitpunkt ab wieder in ihrem früheren Haushalt beschäftigt werden.

Hur Aussicht aus eine geringe Mehrheit.

Oie pariser presse zeigt wenig Hoffnung für das Kabinett Laval.

Paris, 28. Dez. (DNB. Funkspruch.) Die Pa­riser Morgenpresse, die noch am Freitag einen ge- wissen Optimismus an den Tag legte, und allge- mein von einer Regierungsmehrheit von 20 bis 30 Stimmen sprach, enthält sich heute bezeichnender­weise jeder näheren Voraussage über das mutmaß­liche Abstimmungsergebnis Man kann im Gegen­teil einen gewissen Pessimismus feststellen. Die Blätter stehen noch sichtlich unter dem Eindruck der heftigen Angriffe, die nicht nur von der Oppo­sition gegen die Regierung geführt worden sind, sondern auch von solchen Kreisen, die bisher, wie Reynaud und der Vorsitzende der radikalsozialisti- schen Fraktion Delbos stets für die Regierung ge­stimmt haben. Man ist sich darüber einig, daß, wenn die Abstimmung sofort im Anschluß an die gestrige Aussprache stattgefunden hätte, die Regierung mit tödlicher Sich er - yeit gestürzt worden wäre. Bei genauer Beob­achtung kann man heute früh eine, wenn auch nur geringe Mehrheit derjenigen Stimmen fest­stellen, die sich für einen knappen Sieg Lavals aussprechen. Im wesentlichen wird das Ergebnis von dem Verlauf der heutigen Aussprache und insbesondere von den neuen Erklärun­gen des Ministerpräsidenten abhängen.

Die große UeberrafAung des Freitag stellte die Rede des ehemaligen Finanzministers Paul R e y - n a u d dar, der, frisch aus England zurückgekehrt, noch ganz unter dem Eindruck der Unterhaus-Aus­sprache stand und wahrscheinlich aus diesem Grunde mit besonderer Schärfe die Politik des Foreign Of­fice verteidigte. Die Blätter der äußersten Rechten

bezeichnen die Haltung Reynauds als einen Dolch- stoß in den Rücken der Regierung. Der rechts­stehendeI o u r" hält einen Ausweg aus der ge­genwärtigen Krise nur für möglich, wenn Laval seine ganze Geschicklichkeit anwendet, um dem An­griff zu begegnen. DasJournal" rechnet mit einer geringen Mehrheit des Kabtinetts, die aber nur im äußerst heißen Kampfe erfochten werden könne. DasOeuvre" ist sich noch im Unklaren. Der Umstand, daß weder die Frage der Bünde noch der Haushalt geregelt feien, spreche für den Weiterbestand der Regierung. Nach Auffassung des Blattes wird es sich aber nur um einen geringen Stimmenunterschied handeln. Der marxistischePopulaire" steht natur­gemäß noch ganz unter dem Eindruck der Rede Lson Blums. Trotzdem ist sich aber das Blatt über den Ausgang der Aussprache noch im ungewissen

Ungünstige Prognose in England.

London, 28. Dez. (DNB. Funkspruch.) Die Ereignisse in der französischen Kammer werden von der englischen Presse mit außerordentlicher Span­nung verfolgt. Nach dem Verlauf der stürmischen Aussprache am Freitag werden die Aussichten La- vals von den Morgenblättern s ck l e ch t e r als j e beurteilt. Besonders wird auf die Angriffe des Abg. Reynaud und ihren Erfolg bei der Mehr­zahl der Abgeordneten hingewiesen.Morning Post" meint, daß Laval im besten Falle eine Mehrheit von 20 Stimmen erzielen könnte.

Laval verteidigt seine Außenpolitik vor der Kammer.