Ausgabe 
28.11.1935
 
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Kr. 2 78Drittes Blatt

Metzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Donnerstag, 28. November 1955

Die Berliner Deutschlandhalle vor der Eröffnung.

Sportarena und Festspielstätte. - 20000 Personen unter einem Dach.

Unweit des Funkturms ist in den letzten Mona­ten am Bahnhof Eichkamp in Berlin in aller Stille das Gebäude der Deutschlandhalle erstanden. Ihre doppelte Bestimmung erfordert natürlich ganz be­sondere technische Einrichtunben, deren Vereinigung nicht immer leicht war. Beispielhaft für ganz Eu­ropa dürfte die neue Aschen-, Reit- und Radrennbahn von etwa 210 Meter Länge sein, deren Schöpfer, Architekt Schürmann, da­bei die beim Bau von gegen dreißig Radrennbah­nen gemachten Erfahrungen verwertet hat Die neue Bahn ist auch für Steher-Rennen eingerichtet, wobei gegenwärtig noch im Bau befindliche Schritt­machermaschinen eigener Konstruktion eingesetzt werden sollen. Die Einfassungen verschiedener Kur- ven sind beweglich gehalten und können innerhalb kürzester Frist abgebaut werden, wodurch breite Einmarschtore entstehen. Innerhalb von 12 Stun­den kann die ganze Rennbahn abmontiert und in der doppelten Zeit gebrauchsfertig wiederhergestellt werden. In ihrem ganzen Verlaus ist die neue Rennbahn von jedem Platz aus übersichtlich. Von den obersten Plätzen im zweiten Stock blickt man wie von einem Balkon 15 Meter tief hinab auf die riesige Arena, in der in Kürze Deutschlands beste Rennfahrer zum Wettstreit antreten werden.

Eine besondere Errungenschaft verkörpern die ge­waltigen Beleuchtungsanlagen. Rings um die Halle hat man einen Laufsteg errichtet, der als Scheinwerfertribüne dienen wird. Jeder Schein­werfer hat seinen eigenen Umlauf. Man verspricht sich hiervon vor allem bei den in Aussicht genom­menen großen Volksfest spielen mit bis zu tausend Mitwirkenden eindrucksvolle Beleuchtungs­effekte. In die Dachkonstruktion sind nicht weniger als 72 Brennstellen eingebaut, von denen jede eine Lichtstärke von tausend Watt entwickelt. Der Zu- schauerraiwi ist gleichfalls auf das vollkommenste eingerichtet. Jeder Besucher bis zu den höchsten Rängen hinauf hat seinen bequemen Sitzplatz. Die ganze Anlage hat die Form eines riesigen Ovals, das durch wohldurchdachte Anordnung der Sitzplätze und Tribünen einen Eindruck harmonischer Ge­schlossenheit erweckt. Zahlreiche Dusch- und Bade­kabinen, sowie Umkleideräume gewährleisten eine reibungslose Unterbringung der Statisterie wie der Sportsle^ite bei Veranstaltungen aller Art. Außer­dem hat man noch Nebenhallen erbaut, die bei Be­darf zu Massengarderoben eingerichtet werden kön­nen. Restaurants, die Tausenden von Besuchern Platz bieten, dienen der Verpflegung und Unter­bringung der Zuschauermengen in den Pausen.

Während bei Sportveranstaltungen über 20 000 Besucher in der Deutschlandhalle Platz finden, ist bei Festspielen infolge der umfangreichen Bühnen­einbauten die Zahl der Zuschauer auf etwa 15 000 Personen beschränkt. Selbstverständlich hat man auch allen akustischen und optischen Anforderungen des Theaters Rechnung getragen. So hat man, um unerwünschte Schallwirkungen zu vermeiden, unter­halb der großen, freitragenden eisernen Dachkon­struktion eine Unterdecke aus zementgebundenen Holzfasern eingebaut, wodurch zugleich' die Halle warm gehalten wird. Auch wurde eine große Lautsprecheranlage eingerichtet, die jedoch nur bei Kundgebungen und Versammlungen zur Uebertragung von Ansprachen in Betrieb genom­men werden wird. Die Ausmaße der Bühne er­möglichen Aufbauten und Dekorationen bis zu 50 Meter Breite, ebensolcher Tiefe und gegen 30 Meter Höhe. Infolge der günstigen akustischen Be­dingungen wird jedes Wort der Darsteller bis auf den letzten Platz zu vernehmen sein. Natürlich ist die Deutschlandhalle nicht etwa als Konkurrenz­unternehmen für die bereits bestehenden zahlreichen Theater der Reichshauptstadt gedacht. Es werden darin nur aus besonderem Anlaß zu bestimmten

Zeiten Festspiele zur Aufführung gelangen. Man wird hierzu bekannte Künstler aus dem ganzen Reich verpflichten, doch sollen die Eintrittspreise so niedrig gehalten sein, daß jedem Volksgenossen der Besuch möglich ist.

Ein mächtiger Gebäudeblock mit hohen schmalen Fenstern, macht die Deutschlandhalle auch in ihrem Aeußeren einen repräsentativen Eindruck. Die Mauern sind in hellen, freundlichen Farben gehal­ten. Besonderen Wert hat man auf die Gestaltung des Haupteinganges gelegt, der als von acht schlanken Säulen getragener Vorbau in Erscheinung tritt. Der bei großen Veranstaltungen zu erwar­tende Massenbesuch bedingt natürlich auch umfang­reiche Verkehrseinrichtungen. Man hat daher vom S.-Bahnhof Eichkamp einen eigenen Z u -

Der größte Teil der nordchinesischen Pro­vinz Hopei hat seine Autonomie erklärt. Man sieht darin das Vorspiel der bevorstehenden Loslösung aller fünf nordchinesischen Provin­zen aus dem chinesischen Staatsverband. Tokio meldet schon, daß der Sitz der kommen­den autonomen Regierung Peiping sein werde, das wieder in Peking umgetauft wer­den soll.

Peking, die uralte chinesische Hauptstadt, die erst nach dem Sturz des Kaisertums in ihrer Vorherr­schaft durch Nanking abgelöst wurde, ist das Ki der altchinesischen Jahrbücher, das Kambalik des vene- tianischen Weltreisenden Marco Polo, der wohl als erster Europäer bis ins Herz desReiches der Mitte" vordrang und die erste authentische Kunde von dem Märchenland der Zopsträger den Abend­ländern übermittelte. Die Stadt kann also auf eine schier ins Sagenhafte zurückreichende Tradition zu­rückschauen, wenn sie aucherst" im Jahre 1279 durch Kublai Chan ihre heutige Gestalt und Ausdehnung erhielt.

Mit großer Regelmäßigkeit ist diese Stadt ange­legt sie zerfällt noch heute sichtbarlich in die fast quadratische Innere Stadt und die Chinesenstadt, die fast genau die Form eines Rechtecks hat.

Die Innere oder Tataren-Stadt ver­harrt noch heute zumeist in vornehmer Ruhe sie kann nicht vergessen, daß sie bis zur Revolution und zum Sturz der Mandschu-Dynastie die Ver­botene, die Purpurne Stadt umschloß, den unzugänglichen Zaubersitz des Kaisers, desSohnes dcs Himmels", dessen orangegelbe Porzellandächer immer noch über die roten Dächer der weiteren Um­gebung emporragen nur daß es sich um keine Verbotene Stadt mehr handelt: seit 1924 ist sogar hdr Palast und jedweder Wohnsitz des ehemaligen Kaiserhofes zugänglich, man hat daraus einfach Museen gemacht. Noch aber träumt, diese Pur­purne Stadt umgebend, der alte Wassergraben, mit Lotos bewachsen, seinen ewigen Traum, noch däm­mern die künstlichen Seen des Winterpalastes, win­ken die durch zierliche Brücken verbundenen Insel­chen, ragen die geheimnisvollen Pforten und Ein­gangshallen der Purpurnen Stadt auf, dieses Her­zens von Peking, das wieder Hauptstadt werden will ...

Erst im letzten Jahrzehnt haben in der Tataren- Stadt auch einige Theater und Teehäuser Einzug gehalten. Bis dahin waren diese Ver­gnügungsstätten, denen sich die Opium Häuser anschlossen, ausschließlich der äußeren Stadt vor- behalten. Wer aber das richtige und echte Peking

gang mit Stationsgebäude zur Deutsch-1 landhalle errichtet. Voraussichtlich wird auch der Bahnhof Eichkamp den neuen NamenDeutsch­landhalle" erhalten. Außerdem wurde ein Park­platz errichtet, der nicht weniger als 1500 Kraft­wagen Platz bietet. Darüber hinaus wird auch die Berliner Verkehrsgesellschaft einen verstärkten Autobusverkehr zur Deutschlandhalle mit großer Umkehrschleife einrichten, wodurch ein rei­bungsloser An- und Abtransport der Menschen­massen gewährleistet ist.

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Die Deutschlandhalle wird am Freitagabend im Rahmen einer großen politischen Kundgebung in Gegenwart des Führers und der Reichsregierung eröffnet werden. Die Eröffnungsfeier erhält unter Beteiligung von sämt­lichen Gliederungen der Bewegung einen besonders festlichen Charakter. Fanfaren verkünden um 20.15 Uhr die Ankunft des Führers. Dann halten die Feldzeichen und Fahnen der Bewegung ihren Ein­zug, worauf der Gauleiter Dr. Goebbels die Kund­gebung eröffnet. Anschließend nimmt der Füh­rer das Wort. Nach einer Schlußansprache des Gauleiters werden die Fahnen die Halle verlassen.

kennenlernen will, sieht sich noch heute am besten hier, in der sogenannten Chinesen st adt, um. In deren engen Straßen herrscht vom frühesten Morgen bis tief in die Nacht hinein reges Leben. In langen Reihen fahren hier, zwischen den höchst modernen Automobilen, immer noch die kleinen zweirädrigen Esel- und Maultierkarren die Straßen hinauf und hinab immer noch sieht man hier die Sänften der Vornehmen und den Schubkarren der Minderbemittelten, der ihnen zur Fortbewegung dient. Reiter und mit Waren hoch­bepackte Kamele suchen das dichte Gedränge der Fußgänger zu durchbrechen, zwischen denen flie­gende Händler, Gastwirte und Barbiere, Quack­salber und Geschichtenerzähler mit lautem Geschrei ihre Tätigkeit in empfehlende Erinnerung bringen. Mit allerlei Gebrechen behaftete Bettler werben aufdringlich um das Mitleid der Passanten. Die ein­stöckigen Häuschen, welche die Straßen einfassen, werden von hohen schlanken Pfeilern überragt, von denen schmale Holzschilder herabhängen in gol­denen Schriftzeichen ausgeführte Inschriften geben Kunde davon, welches Geschäft in jedem der Häu­ser betrieben wird. Bisweilen stehen inmitten der Straßen noch lange Budenreihen: Fisch-, Fleisch-, Gemüsemärkte, über denen der stauberfüllte Dunst dieser Stadt lagert, in der, trotz aller Revolutionen, dennoch die Zeit seit Jahrhunderten stillzustehen scheint.

Tempel und Pagoden das ist sozusagen der Generalnenner, auf den sich die Umgebung Pe­kings bringen läßt, die fast schönere bauliche Sehenswürdigkeiten aufweist als die einstige und kommende Hauptstadt selbst Wie ein Märchen muten vor allem die in einem von Süden her fast offenen Talkessel des Gebirges Küntu-schan gelege­nen Mausoleen der Mingdynastien an, die von 1368 bis 1644 von Peking aus die Ge­schicke des damals blühenden Reiches der Mitte lenkte. Zu dieser Gräberstadt führt eine schnurge­rade, mit Steinplatten belegte Straße, deren Be­ginn ein marmornes Eingangstor bezeichnet. Wenn der Wanderer bann einen zweiten Portikus durch­schritten hat, erblickt er zu beiden Seiten der Straße mächtige Steinbilder von Pferden, Ka­melen, Elefanten, Löwen, Kriegern und Manda­rinen, gleichsam riesige Wächter jener Gräberstadt, in der das letzte einheimische Herrschergeschlecht Chinas seine Ruhestätte gefunden hat.

Die Stadt der Universitäten: so könnte man dies wohl in Bälde auferstehende Peking nennen, denn es besitzt nicht weniger als zehn Hochschulen! Das Bildungswesen ist gerade hier

Die einzige Werkpilotin Deutschlands, Luise Hoff­mann, war auf dem Rückweg von ihrem Balkan­flug bei Starein in der Nähe von Horn bei Wien im Nebel abgestürzt und hatte dabei schwere Ver­brennungen erlitten. Luise Hoffmann ist jetzt ihren Verletzungen erlegen. (Scherl-Bilderdienst-M.)

hoch entwickelt die Stadt hat bis heute nicht ihren Charakter einer Verwaltungsstadt und ein­stigen Residenz verleugnet. Obschon sich der Schwer- punkt des zerfallenden Chinesischen Reichs mehr und mehr nach Nanking hin verschob, zählt Peking doch immer noch über eine Million Ein­wohner; unter den Fremden dominiert seit län­gerem bei weitem das japanische Element, das energisch und bewußt auf die Autonomie Nordchinas hingearbeitet hat ...

Natürlich hat auch hier die moderne Zeit ihren Einzug gehalten mit Straßenbahnen, Omnibussen, Autos, großem Elektrizitätswerk und dergleichen abendländischen Errungenschaften mehr. Und doch: trotz allem ist Peking noch immer eine durchaus chinesische Stadt geblieben. Reiner als sonst im zerfallenden Reich der Mitte hat man hier viel- tausendjährige Traditionen zu wahren gewußt.

Aus aller Wett.

Eine neue Jugendherberge im Westerwald.

Der Gau Rheinland des deutschen Jugendherbergswerkes geht in der wan­derruhigen Zeit daran, die Ausbaumöglichkeiten der bestehenden Herbergen zu überprüfen. So wird im kommenden Jahr mit einem Kostenaufwand von nahezu 100 000 Mark in Asbach im Wester­wald nach neuzeitlichen Gesichtspunkten eine neue Jugendherberge errichtet werden, um der wandern­den Jugend eine Verbindung zwischen Sieg und Rhein herzustellen. Auf der Büro S t a h l e ck sind die Arbeiten zu ihrem restlichen Ausbau im Gange. Torhaus und drei Türme werden neben dem Burg­sried, mit dessen weiterem Ausbau auch bald be­gonnen wird, das Bildner Burg Stahleck abrun­den. Der Burgfried, der sich in seiner fertigen Höhe 38 Meter emporrecken wird, soll in seinem Innern eine Ehrenhalle bergen.

Der Kampf um die Weltmeisterschaft im Schach.

Im Schachwettkampf um die Welt­meisterschaft zwischen A l j e ch i n und E u w e wurde in Amsterdam die 23. Partie nach langwie­rigem Endspiel remis abgebrochen. Der Stand

TetikHikec. und, inutikec - - teidt SOfy&i Körting-Rad io

Oie Purpurstadt im Reich der Mitte

Peking, die alte und die neue Residenz.

Gießener Konzertverein.

Zweites Symphonie-Konzert.

Als vor einer Reihe von Jahren Bruckners Siebente hier in Gießen aufgeführt wurde, da stand in dem Landesorchester Darmstadt ein Or­chesterkörper von bedeutender Tradition zur Ver­fügung. Wenn die gestrige Aufführung der da­maligen gerade in technischen Beziehungen durchaus Nichts nachgab, so ist das der überzeugendste Be­weis dafür, welches Maß von positiver Aufbau­arbeit Universitätsmusikdirektor Professor Dr. Te- m e 5 d a r i) innerhalb b?r letzten Tage hier in Gie­ßen geleistet hat. Ein Streichkörper, klanggesättigt, voll und warm, Holzbläser, die in ihrer feinen Nachgiebigkeit keinen Vergleich zu scheuen haben, und die Blechgruppe mit satten fülligen Klängen und starkem Verantwortungsbewußtsein, das ist das Ergebnis der beiden letzten Konzertwinter.

Professor Temesvary bewirkte die Wieder­gabe mit vollem Einsatz seiner starken reichen Mu­sikpersönlichkeit. Er gliederte die einzelnen Ent- wicklungsansätze klar heraus und belebte sie in zu­sammenfassendem Zuge mit höchster Kraft des Im­pulses. Da wuchsen die elementaren Ausbrüche gigantisch heraus, ebenso wie jene Momente des Werdens, des inneren Entscheidens wie etwa zu B^ainn der Durchführuna des Kopfsatzes. Als ein Meister des Aufbaues, führte er die Coda desselben Satzes in ganz allmählichem Wachsen zu einer Stei­gerung in kaum zu erahnendem Ausmaße. Mit tiefer Einfühlung wurde der zweite Satz zu einer fast visionären religiösen Schau. Jede, auch die kleinste Wendung wurde in die Entwicklung des «Ganzen hineinbezogen und der Klangwert des In­struments als Empfindungssymbol' ausgewertet. Machtvoll erstanden die Augenblicke heldischer Apo­theose, um so eindringlicher und erschütternder wurde die tiefe Traurigkeit durch den Abstand des Kontrastes. Temperamentvoll drängend führte Pro­fessor Temesvary das Scherzo, aber immer wie­der die organische Gewachsenheit als ausschlaggebend für das Tempo erachtend. Das Trio war in feiner zeitweiligen Entrücktheit fajt ein Nachhallen des Adagio. Gespannteste ßebensenergie gab dem Fi­nale das Gepräge. Wie eine hohe Kuppel krönte die Toda das Ganze.

Dieses gewaltige Gelingen war nur dadurch mög­lich, daß ein jeder bis zur letzten Faser sein Kön­nen voll einsetzte, ob nun bei den Celli als häufi­gen Hauptträgern des Themas, oder die Bratschen Mit ihrem thematischen Anteil im Adagio, oder die

Hörner mit ihrer Weichheit; die Trompeten mit ihrem Leuchten, die Tuben und Posaunen in ihrer Klangpracht, ebenso aber das Holz in allen seinen Vertretern, im liebevollsten Mitgehen mit dem Geist des Ganzen.

Nach dieser Probe der Einsatzbereitschaft geistiger und physischer Kräfte in der Symphonie war es um so anerkennenswerter, mit welcher überraschen­den Feinheit der Orchesterpart in Beethovens Klavierkonzert in G-dur betreut wurde. Ein derartig feines Pianifsimo wie etwa am Schluß des Andante hat man feit langem nicht gehört. Und solch ein Begleitkörper mußte dem Solisten des Abends im Widerspiel der beiden musikalischen Faktoren zum Auslöser aller Kräfte werden. Die Verpflichtung Professor Alfred Hoehns entsprach nicht nur einem allseitigen Wunsch der Konzertbesucher, sondern sie berief'damit aus dem Kreise der allerersten Vertreter seines Faches den zur Durchführung des G-dur-Konzertes am meisten Berufenen.

Was Alfred Hoehn als Pianist zu geben ver­mag, ist noch von seinem Konzert vor genau Jahresfrist hier in bester Erinnerung. Wie hoch der Musiker Hoehn zu achten ist, das bestätigte das Beethoven-Konzert. Vom ersten Akkord an über­nahm er die Führung, und nun wurde es ein geist­volles Dialogisieren im gegenseitigen Eingehen und Verweben von Orchester- und Solistenanteil. Eine fast unerschöpfliche Farbigkeit der Anschlaqsnüancen aller dynamischer Grade und aller Gefühlsschattie- runqen tat sich kund. Ein figuriertes Spiel in vor­nehmer Zergliederung, ein Verwachsensein des Themas mit der Temponahme in der Ausdeutung ließen immer wieder von neuem aufhorchen. Sei­ner Kantilene fühlte man förmlich den Gesangs­atem nach; die Passagen perlten; und dann das unvergeßliche Andante mit den sammetweichen ver­sonnenen Klängen; ein Aufquellenlassen im sinni­gen Nachfühlen der Ueberleitung. Alles erschien so, als würde es im Augenblick vor den Augen des Hörers neu geschaffen, so ursprünglich nah am Wesenskern des Werkes hing der Solist. Die Ka­denzen aber waren Augenblicke, die in höchster Wallung das Ureigenste wach werden ließen. So gab er dem Werke fein vollstes Recht, weckte fein Leben und schloß in Unmittelbarfeit feine Schön­heit und alle inneren Werte auf.

Solche Eindrücke mußten zünden, und wie schon nach der Symphonie, konnte nach dem Beethoven- Konzert der spontane Beifall kaum ein Ende finden.

Dr. H.

Der Vogel

Öin Märchen von Josef Friedrich perkonig.

Eine Bäuerin hatte eine eigene Tochter und eine Stieftochter. Sie liebte die eine und haßte die an­dere; jene durfte beim Tische fitzen, diese aber mußte im Stalle bei den Tieren bleiben. Die Glückliche schlief noch im warmen Bette, indes die Arme schon in der grauen Morgenfrühe die einzige Kuh der kleinen Keuche auf die Weide trieb, und oft hatte sie den ganzen lieben langen Tag keinen Bissen zu essen.

Einmal nun begann sie bitterlich zu meinen. Es war Herbst und sie fror und hungerte sehr. Der Atem wurde vor ihrem Munde zu Rauch, und ihre bloßen Füße gingen in kaltem Reif. Da drehte die Kuh ihren Kops zu dem weinenden Mädchen hin und sprach:

Warum weinst du denn?"

Und sie sagte:Weil ich hungrig bin."

Das Tier sprach mit tiefer Stimme:Tu mein Hörnlein abschrauben, es ist Milch und Brot darin."

Die Hungrige tat wie ihr geheißen, und wirklich rann aus dem Horn süße Milch und es fiel ein Stück Brot daraus. Als sie gesättigt war, schraubte sie das Hörnlein wieder zu,' und am Abend ging sie mit der Kuh heiter in das Dors zurück.

Am nächsten Tage kam die Stiefmutter auf die Weide hinaus. Sie schalt, daß die Kuh auf einer so mageren Wiese grase; und es gab doch weit herum keine fettere Wiese. Die warme Mittags­sonne machte die Frau schläfrig, sie legte sich am Feldrain hin und schlief ein.

Die arme Hirtin hatte wieder kein Bröselchen in der Tasche. Als die Glocke Mittag läutete, quälte sie längst großer Hunger, und die Tränen rannen ihr über die Wangen.

Da sagte die Kuh abermals:Tu mein Hörnlein abschrauben, es ist Milch und Brot darin."

Als die junge Magd erquickt war, erwachte die Stiefmutter Aber sie mußte im Halbschlummer vernommen haben, was sich zutrug, denn am Abend sagte sie zu den beiden Töchtern:Ich habe den Fleischer gerufen, er wird morgen die Kuh schlach­ten."

Die Stieftochter ging traurig in den Stall, ihre Augen waren voll Wasser. Das sah das kluge Tier und fragte sie:Warum weinst du denn?"

Sie antwortete:Weil dich morgen der Flei­scher schlachten wird."

Sei nicht traurig," tröstete die Kuh,du wirst gewiß meinen Magen waschen müssen, da wird ein Apfel darinnen fein, den mußt du auf den nächsten

Baum werfen, und es wird ein schöner Vogel daraus werden."

Es geschah auch wahrhaftig so, wie das Tier ver­heißen hatte. Es wurde geschlachtet, und die Mut- ter sagte zur Stieftochter:Gehe hin zum Bache und wasche den Magen aus."

Das Wasser rann blau und kalt über die Kiesel­steine und nahm den Schmutz der Därme mit. Das Mädchen fand in dem Magen den Apfel und warf ihn auf den nächsten Baum. Da war auf einmal ein schöner Vogel daraus geworden, der in den Zweigen des kahlen Baumes fröhlich hüpfte.

Die wirkliche Tochter stand gähnend vor der Tür und sah voll Staunen den seltsamen Vogel. Sie rief nach der Mutter, und als diese neben sie trat, ritt eben der junge König mit seinem (Befolge die Straße herauf. Die Hufe der Pferde gingen über dürres Laub.

Der König in Gold und Seide auf dem hohen Schimmel erschaute den bunten, singenden Vogel, und er sprach:Die mir den Vogel fängt, die wird meine Braut."

Da schrie die Mutter auf:Eile dich, eile dich!" Die Tochter wurde über und über rot und sprang voll Freude empor, das Tierchen in der Baum­krone zu erhaschen; doch vergebens. Immer und immer wieder entfloh es den gierig zugreifenden Fingern.

Da sagte der König zur Stieftochter am Bach: Geh du hin und fange mir den Vogel."

Als sie nun ihre Hand ausstreckte, die vom eisigen Wasser ganz rot war, flog der Vogel geschwind und mit hellem Gesang auf sie zu. Und während sie ihn noch behutsam in ihren Händen hielt und auf seinen raschen Herzschlag horchte, beugte sich der König zu ihr nieder und hob sie auf fein Pferd.

Aus Bleisoldaten werden Gewehk'kügeln

Im Kampfe um die Beschaffung von Rohstoffen, deren Einfuhr durch bfe Beschlüsse des Völkerbun- des abgedrosselt rourte werden in Italien allerorts große (Sammlungen/DOn Metallen veranstaltet. So stellte ein Sportve^and in Mailand alle seine Siegesmedaillen zur Verfügung und der Patriarch von Pompep opfer|e die goldenen Insignien seines Amtes. Besonders hervorgehoben wird, daß ein rlemer Junge dei Duce alle feine Bleisoldaten damit er sie einschmelzen lasse. In dem Brief, den er diese - Sendung beilegte, versprach er, auch andere Knabest aufzufordern, Bleisoldaten ab» aügeben und dadurch zu beweisen, daß auch sie gewillt feien, Opfeir zu bringen.