Ausgabe 
28.10.1935
 
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Kunst und Wissenschaft

wenn die Kraft,

denen ein Volk hinweg erhalten

als der

Da das Buch für Millionen Volksgenossen vor allem ein Mittel der Unterhaltung und Entspan­nung im schweren Alltag sei, erscheine es um so wichtiger, daß seichter Kitsch und geistlose Amüsier­ware durch Handseste und brauchbare Tageskost er­setzt würden. Unterhaltung dürfe nicht mit Volks­verdummung und gewissenloser Geschäftemacherei

Jugend tvktt über Ke Srenzen.

Die seit langem angekündigte erste Weltring« s e n d u n g sämtlicher Länder der Welt ging am Sonntag von 18 bis 20 Uhr vor sich. Schaltpunkt war Deutschland, und zwar führte der Reichssender Berlin für die ganze Welt die Sendung durch. Schon technisch stellte diese Weltringsendung ein Meisterwerk dar und hat sich so reibungslos abge» wickelt, daß dem Hörer das Umschalten von Land zu Land überhaupt nicht bewußt wurde. Auch die Uebertragungen selbst waren zum größten Teil lautrein.

Mit dem Buch in das Volk.

Eröffnung der Woche des deutschen Buches in Weimar.

zunehmende Mitglieder haben Versicherung arischer die Verpflichtung abzugeben, sozial! st ischen Staate Führer Gefolgschaft zu

lieh der Landeshauptmann den rheinischen Litera­turspreis 1935 dem Arbeiterdichter Heinrich L e r s ch für seinen GedichtsbandM i t b r ü d e r - l ich er Stimme." Der rheinische Literaturpreis, der jährlich zur Verleihung kommt, soll den rheini­schen Dichtern und Schriftstellern, die im Zeitalter eines schrankenlosen Individualismus dem deutschen Wesen die Treue hielten oder sich als Bannerträger des neuen deutschen Geistes erwiesen haben, die verdiente Anerkennung geben.

Rach einer einheitlichen Würdigung Weimars der Stadt Goethes und Schillers und damit als... Stadt deutscher Dichtkunst kam Dr. Goebbels auf den Wert der deutschen Dichtung und des deutschen Buches zu sprechen.Völker und Zeilen mögen vergehen, bleiben aber wird das, was ihre Staats­männer und Soldaten an geschichtlichen Leistungen vollbrachten, was ihre Bildhauer und Baumeister in Marmor und Stein verewigten, was ihre Dichter und Denker an Unsterblichkeit dem Buche einhauch­ten. Staatsgebilde und Kriegsbildwerke, Bauten und Bücher sind die Mittel, mit sein Leben über die Jahrtausende kann."

Das sei aber nur dann möglich, wenn die Kraft, die sie im Inneren beseelt, dem Volke selbst entspringt. Das Volk müsse Pate stehen bei der Geburt der ewigen Kunstwerke, die aus seiner Seele geschaffen, allein auch zu seiner Seele wieder zu sprechen vermögen.Auch unsere Zeit bedarf wieder dieser tiefsten Beziehungssetzung zwi­schen dem Volk und seinen Dichtern. Rur, wenn sie fest geknüpft ist, wird die lange Frist, in der wir auf die Verkündigung unseres nationalen Mythos warten, am Ende doch das dichterische Ge­nie der größten Volksumwälzung der modernen europäischen Geschichte hervorbringen." Der natio­nalsozialistische Staat habe, so weit es an ihm liegt, diese neue Blütezeit einer künstlerischen Schaffens­periode in Deutschland auf,das beste vorbereitet und Hemmungen und Hindernisse, die ihr im Wege standen, beseitigt.

Has zeNgenössische Schaffen htnausragien. (?g rotrb in dieser Woche kaum eine Stadt in Deutschland

fortan neben der Abstammung dem- national- und seinem leisten.

Aus aller Wett.

Ilaglücksfall bei der VeifehungsfeierNchketl in Dessau.

Während der Beisetzungsfeierlichkeiten für Reichs­statthalter Löper ereignete sich ein Unglücks- fall, der einer Frau das Leben kostete. Ein Trieb­wagen-Sonderzug der Privatbahn DessauWörlitz fuhr von Dessau nach Mildensee. Die Eisenbahn­brücke über die Mulde war bei dem starken Men­schenstrom, der nach Mildensee flutete, von Men­schen überfüllt. Der Zugführer des aus drei Wagen bestehenden Sonderzuges gab einige hundert Meter vor der Brücke Signale. Bei dem Bestreben, die Brücke ^frei zu machen, entstand ein großes Ge­dränge, und es wurden bei der Vorbeifahrt des Zuges mehrere Personen gegen den Zug ge- drückt. Dabei wurde die Lehrerin a. D. Elsa Schmidt aus Dessau getötet und der Kauf­mann Friedrich Braun aus Dessau so schwer verletzt, > Lebensgefahr besteht. Fünf weitere Personen erlitten leichtere Verletzungen. Es wurde sofort eine kriminalpolizeiliche Untersuchung eingeleitet. Der zuständige Referent des Reichsver­kehrsministeriums, Ministerialrat Galle, hat sich sofort an die Unfallstelle begeben.

gegenzustellen. Das in der ganzen Welt als bar­barisch hingestellte nationalsozialistische Deutschland gibt damit allen"Völkern ein Beispiel, ein Bekennt­nis zum eigenen Geistesgut, drückt seine Achtung und Bewunderung vor dem Geistesgut anderer Ra-

Karl Peters zum Gedächtnis.

Reichsstatthalter von Epp spricht auf der

Kolonialkundgebung in Hannover.

Hannover, 27. Oft (DRB.) Im Kuppelsaal der Stadthalle zu Hannover fand eine große Ko­lonialkundgebung statt, in deren Mittelpunkt eine Ansprache des Reichsstatthalters Ritter von Epp stand. Er knüpfte an die bevorstehende Denkmalsweihe für D r. Karl Peters an, der in den 80er Jahren, als jährlich etwa 220000 Menschen aus Deutschland auswander­ten, als einer der ersten die großen Gefahren und Nachteile erkannt habe, die in dieser Massenaus­wanderung wertvoller Volkskräfte lagen, und ver- sucht habe, dieser Gefahr durch die Schaffung eigener Kolonien, eigenen deutschen Lebens­raumes in Uebersee, entgegenzuwirken. Karl Peters war durch das Studium der englischen Kolonial- >erhältnisse und durch Heranziehen gleichgesinnter Freunde zielbewußt vorgegangen und habe schließ, lich durch seine Verträge mit ostafrikanischen Häupt­lingen den Grundstock zu unserer Kolonie Ostafrika gelegt. Leider sei er, fast am Ziel seiner Werke, politischen Intrigen zum Opfer gefallen. Es fei kennzeichnend, daß seine damaligen Gegner Sozialdemokraten, Freisinnige und Zentrum auch nach dem Kriege diejenigen gewesen seien, die so­gar gegen das Erwarten unserer Feinde den un­möglichen Entwurf einesFriedensvertrages" an­nahmen, der uns die deutschen Kolonien raubte.Wir stehen heute in einer Zeit", so fuhr Ritter von Epp fort,in der der Kolonial­gedanke erneut auf gegriffen wird. Da- her kann ich nur besonders unserer Jugend empfehlen, sich in die lehrreiche Lebensgeschichte von Karl Peters zu vertiefen. Der gleiche Instinkt, der die Deutschen schon vor 1000 Jahren in die Ferne getrieben hat, der große Gedanke, dem deut­schen Volk einen größeren Lebensraum zu suchen, hat auch Karl Peters getrieben. Die Triebfedern der Kolonialtätigkeit im Volk waren "verschieden, aber das Entscheidende war immer das Wachstum eines Volkes und die Notwendig­keit der Schaffung eines Lebensraumes, um die Quellen für den Lebensunterhalt eines Volkes zu erleichtern.

aleichgesetzt werden. Darum fei es eine gebieterische Aufgabe, produktiv und anregend einer guten und brauchbaren Unterhaltungslite­ratur den Weg zum Volke zu eröffnen und ihr weiteste Entwicklungsmöglichkeiten zu sichern.

Daneben finden wir die umfangreichen Maßnah­men zur Förderung dichterischer und schrift­stellerischer Werke von Rang, denen der Eingang ins Volk frei gemacht werden müsse. Mit dem Mittel moderner Propaganda haben wir jun­gen, bisher noch unbekannten Kräften, die zumeist aus der kämpfenden Bewegung hervorgegangen

Die Sendung, deren Idee von der HI. ausging, begann mit zwei deutschen Liedern, gesungen von der Funkschar der HI.Wir sind die jungen Bauern­schaft" undEs dröhne der Marsch der Kolonne". Dann wurde englisch angesagt. 'Englische Jugend sang drei Lieder. Darauf folgte Australien mit zwei Liedern, von denen besonders das erste eine wunder­volle volkstümliche Melodie hatte. Polnische Ju- gend sang zwei Lieder und einen feurigen Krako­wiak. Hell und jung die Stimmen französischer Klosterschüler. Dann hörten wir hawaische Volks- weisen. Nach USA. kam sehr klar Spanien mit Volksliedern. Die italienische Jugend sang eine Hymne an Rom. Nach den Niederlanden sang Schweizer Jugend, anschließend die Oesterreicher. Belgien sagte französische und flämisch an, und wir hörten ein belgisches und ein französisches Lied. Wie ein Choral mutete das Lied der norwegische Ju­gend an. Nun kam die Tschechoslowakei. Sehr me­lodisch war Argentinien. Dann etwas verworren und uns ungewohnt Brasilien. Die jugoslawische Jugend sang Volkslieder, die auch uns nicht fremd find. Verwandt waren uns auch die Lieder der Schweden. Einen ganz eigenen Stil hatten die Lieder der ungarischen Jugend. Dann folgten Lett­land, Südafrika, Niederländisch-Jndien, Dänemark mit drei sehr schönen Volksliedern, Rumänien, zwei fnnische, drei litauische Lieder, Volksweisen aus Uru­guay und Paraguay. Siam und Japan machten den Beschluß der Sendung, für die man der Reichs­sendeleitung und der HI. danken darf. Denn sie war neben dem musikalischen Genuß ein inter­essanter Spaziergang durch Volksliedgut und Volks­charakter fast aller Völker, die auch zweifellos, da sie auf sämtliche Sender der Welt übertragen wurde, Nachfolger sind en und volksverbindend zwischen der Jugend der Nationen wir­ken wird.

Oie Mitgliedersperre beim Reichs- verband deutscher Offiziere aufgehoben.

Berlin, 26. Okt. (DNB.) Der Reichsver­band deutscher Offiziere hat die am 2. August d. I. verfügte Sperre der Mit­gliederaufnahme aufgehoben. Neu auf-

Weimar, 27. Okt. (DNB.) Die Eröffnung der Woche des deutschen Buches in der Weimarhalle ge­staltete sich zu einer eindrucksvollen Kundgebung deutschen Kulturwesens. Die Feierstunde wurde mit dem Chor aus dem zweiten Akt desTannhäuser" eingeleitet. Dann sprach

der Präsident der Reichsschristtums- kammer Hanns Joost.

Wir Deutschen sehen in dem Buch keine Ware, sondern ein Wesen, nicht einen Wirtschaftsiak- tor, sondern einen Charakter, feinen ästhetischen An- laß, sondern einen unerbittlichen Grundsatz, und diese sittliche charaktervolle Verpflichtung des Buches und seines Schöpfers nimmt unser Deutschland, nimmt das Dritte Reich beim Wort. Von der natio­nalsozialistischen Enzyklopädie, von Hitlers WerkM ein Kampf" her entwickelte sich e i n neues Schrifttum. Die Macht ist durch die Stoßkraft der Bewegung gewonnen. Diesen Weg auch zum Gebet für alle Deutschen werden zu lassen, ist die Losung dieser Buchwoche, d. h. die Losung: Mit dem Buch in das Volk." Das Schrift­tum, für das wir werben und das wir in unser Volk hineingetragen wissen wollen, muß unter dem Beiwort stehen:Gewissen, Gehorsam, Gnade!" Diese Dreieinigkeit allein garantiert: innere Rein­heit, Opferbereitschaft und wahrhafte Berufung. Erst, der Nationalsozialismus hat wieder den Aus­gleich geschaffen zwischen Werk und Arbeit, zwi­schen Leistung und Charakter. So will die Buch­woche des Jahres 1935 das Buch als Mittler und Vermittler zwischen Kraft und Freude, zwischen Denken und Andacht, zwischen Not und Mut stellen. Wir wünschen für das wertlose Buch keine Popu­larität, sondern für das gehaltvolle Werk des recht- schaffenden und vielgebenden Schriftstellers das ganze deutsche Volk, das deutsche Vaterland, dessen unsterbliches Symbol die Muttersprache ist.

Nach einer Ansprache des thüringischen Reichs­statthalters S a u k e l sprach

Rejchsmpagandaminifter Dr. Goebbels.

sind, die Moalichkeit freien und sorgenlosen künstle­rischen Schaffens gegeben. Es hat an diesen starken Kräften niemals gefehlt, auch zu unserer Zeit nicht.

Oer Präsident der Reichstheater- Kammer, Ministerialrat Otto Laubinger gestorben.

In Bad-Nauheim starb am Sonntag nach län­gerem Leiden Ministerialrat Laubinger, Prä­sident der Reichstheaterkammer. Sofort nach Be­kanntwerden der Todesnachricht hat Reichsminister Dr. Goebbels an Frau Laubinger folgen­des Beileidstelegramm gerichtet:Die Nachricht vom Tode Ihres Mannes hat mich in tiefe Trauer versetzt. Ich verliere in ihm einen meiner besten, treuesten und zuverlässigsten Mitarbeiter, einen Idealisten in des Wortes wahrster Bedeutung, der sich irn Dienste an seiner großen Aufgabe verzehrte. Mit Ihnen steht die gesamte deutsche Theaterwelt trauernd an der Bahre dieses wahrhaft edlen und aufrechten Mannes. Möge die dankbare. Erinne­rung aller deutschen Theaterschaffenden, die den Toten über das Grab hinaus begleitet. Ihnen etwas Trost in Ihrem großen Schmerz geben."

Der Gauleiter Reichsstatthalter Sprenger hat an die Gattin des verstorbenen Ministerialrats Dr. Laubinger folgendes Telegramm gesandt:Zu dem schweren Verlust, den Sie durch den allzu frühen Tod Ihres Gatten erlitten haben, spreche ich Ihnen meine innige Anteilnahme aus.

* (gez.:) Sprenger."

Ministerialrat Otto Laubinger wurde am 11. März 1892 in Eichenrod (Oberhessen) geboren. Nach dem Studium der Philosophie auf den Uni­versitäten München und Berlin besuchte er die Schauspielerschule in München und wandte sich dann dieser künstlerischen Aufgabe zu. Als Schauspieler und Spielleiter war er an den Stadttheatern Inns­bruck und Ulm, am Hvftheater Oldenburg und in Mainz, bis er im Jahre 1920 an das Staatstheater in Berlin berufen wurde. Hier hatte der Schauspie­ler Otto Laubinger in 13jährigem Wirken große Erfolge, so in den Rollen des Faust, Egmont, Karl Moor, Fiesco, Peer Gynt usw. Laubinger, der sich bereits in den Kampfjahren für die Idee des Füh­rers eingesetzt hatte, wurde 1933 vom Reichsminister Dr. Goebbels zum Leiter der Abteilung VI (Thea­ter) in das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda berufen. Außerdem wurde er zum Präsidenten der Reichstheaterkammer ernannt.

Heinrich Lerfch

erhält den Rheinischen Literaturpreis.

Im Mittelpunkt der rheinischen Dichter­tagung, die in diesen Tagen in Düsseldorf und Krefeld stattfindet, stand die Verkündung des Trä­gers des vom Landeshauptmann der Rheinprovinz Heinz H a a f e geftrmteten rheinischen Ljte - raturpreifes. In Anwesenheit der Schriftsteller und Dichter aus dem ganzen Rheinland und auch aus dem übrigen Reich sowie der westdeutschen Lan­desleiter der Reichsschrifttumskammer und zahl­reicher Vertreter der Partei und der Behörden ver-

geben, in der nicht in großen Kundgebungen und Veranstaltungen das deutsche Buch zu Worte käme, kaum eine Organisation, die sich nicht in irgendeiner Weise an dieser großzügigen Werbung beteilige. Presse und Rundfunk sind in weitestem Umfange an dieser wirklich geistigen Pro­paganda beteiligt. Film und Plakat werden sich in ihren Dienst stellen. In allen Ländern und Erdteilen der Welt finden sich deutsche Volksgenos­sen, um ihr Bekenntnis zum nationalen Geistesgut ihres Heimatlandes abzulegen. In welcher anderen Zeit wäre das möglich gewesen, welches andere Land hätte dem auch nur annähernd Gleiches ent­

kräften niemals gefehlt, auch zu unserer Zeit nicht, tionen aus und glaubt auch hierin einen Beitrag Sowohl 1933 tote im Jahre 1934 konnte der deutsche, zur seelischen Versöhnung der Völker zuzusteuern, Nationalpreis alten Kämpfern der Bewegung ver- die den politischen Frieden immer vorauszugehen liehen werden, und zwar für Werke, die weit über I pflegt.

Rund um das Bilderbuch.

Von Hannah Rahn.

Am Vormittag. Peter spielt in seinem kleinen Zimmer und ist ruhig, so ruhig, daß seine Mutter beunruhigt die Tür öffnet. Sie glaubt sicher sein zu können, den eben Anderthalbjährigen auf einer Zerstörenden Tat zu ertappen. Sie hat ihn zu Unrecht verdächtigt: Peter sitzt in dem Laufstall und ist selig vertieft in sein Bilderbuch. Mit dem Zeigefinger weist er auf die Bilder und spricht in seiner Petersprache mit ihnen. Was tut es schon, daß die Stühle und Hunde auf dem Kopf stehen? Was wissen die Großen von seinen Erlebnissen mit den Bildern.

Nach dem Essen lesen Vater und Mutter die Zeitung oder ein Buch. Für Peter ist das eine halbe Stunde Freiheit. Aber er genießt sie anders, als man Erwartet. Er nimmt fein Bilderbuch, fetzt sich ganz nahe beim Vater auf den Teppich und spielt lesen. Mgn sieht genau, daß die Bilder ihn nicht festhalten, er schaut sie nicht recht an. Er spielt mit dem Bilderbuchgenau wie Vater". Nach einem Weilchen überlegt er ein anderes Spiel: Blätter umwenden. Beide Händchen gebraucht er dazu, und es ist eigentlich keine Frage, wie kurze Zeit das Bilderbuch dieses Spiel überdauern kann. Nein, es ist wahrlich keine Frage, sondern eine betrübliche Gewißheit, Pqjer wundert sich über die dummen dicken Blätter. Bei Vaters Büchern sind sie längst nicht so dick, und er ruht nicht, ehe er sie auseinandergebracht hat, diese zusammengeklebten dicken Bilder. Aber wie dumm das ist: die neuen Seiten sind gar nicht bunt und lustig. Darauf wird mit ärgerlichem Gesicht das unzerreißbare Bilder­buch in Fetzen gerissen. Einen Augenblick sieht es aus, als würden Vater und Mutter Peter schelten oder strafen. Dann denken sie daran, daß Peter das Bilderbuch nur im Eifer des Spiels zerstört hat.

Aber lohnt es, für solch ein Spiel ein Bilderbuch ZU kaufen? Tut's nicht ein buntes Heft, das für Lebensrnittel ober . für Schuhe ober Seife wirbt, finb zum Zerreißen nicht alte Zeitungen gut ge­nug? Diese Frage, von Peters Mutters unb an­deren Eltern gestellt, mag verständlich erscheinen. Aber im Interesse Petero unb seiner Altersgenossen unb -genossinnen wäre es zu wünschen, daß die Erinnerung an Peters Beschaulichkeit beim Bilder- betrachten oder beim Lesenspielen den traurigen Eindruck vom zerrissenen Bilderbuch auslöschte.

Zum Glück ist in Peters Fall nicht das, son­dern nur ein Bilberbuch oerborben. Das bankt Peter (einem Vater, ber es ungerecht finbet, Peter -uzumutell, sich immer dieselben Bilder cuizujchauLü.

Er kann es gut verstehen, daß auch ein Kind, auch ein so kleines Kind wie Peter, mehr Bücher braucht als ein einziges.

Ein Bilderbuch ist ja auch mehr als ein Bilder­buch oder ein Zerreißbuch. Man kann aus Bilder­büchern lustige bunte Häuser bauen, da sind die Bilder gleich an den Wänden. Natürlich muß man dazu mehrere haben das meinen Peter unb fein Vater, ber sogar barnach hanbelt.

Peters Detters Jürgen unb feine Schwester Bri­gitte finb größer als Peter. Aber barum haben sie nicht etwa mehr Bilderbücher, sondern auch nur einige wenige. Jürgen ist damit gar nicht zufrieden. Er möchte so gerne viele Bücher haben. 2)te Verse von den zehn kleinen Negerlein und vom Puppen­kasper kann er schon lange auswendig. An einem Sonntagvormittag stellte er ganz unvermittelt an feinen Vater die Frage, wie oft er feine Bücher zu lesen pflege, ob erimmerzu" dasselbe Buch lese?

Damit meldete Jürgen seinen Anspruch auf eine Kinderbücherei an, und seine Eltern überlegten die Frage, ob dieser Wunsch berechtigt sei. Bisher hat­ten sie die Kinderbuchfrage mehr unter dem Ge­sichtspunkt betrachtet, daß die Kinderbücher doch nur für eine kurze Lebensdauer bestimmt seien. Aber vielleicht hatte Jürgen recht die Eindrücke in diesen Kinberjahren können zuweilen wichtiger werben als spätere Erlebnisse.

Nichts los, draußen.

Von Felix Riemkasten

Wenn bie Sonne glüht, der mehlige Staub her­aufquillt unter jedem Tritt, wenn die Menschen in Scharen ausgehen, bann nennen wir bas einen Tage am häufigsten vorkommen, nennen wir bie schönen Tag, unb bie Jahreszeit, in ber solche schöne schöne Jahreszeit. Die anberen Tage, bie anderen Zeiten, in denen der Himmel fast gänzlich grau ist, so daß die wenigen kleinen Fensterlein von Blau und Helligkeit doppelt köstlich wirken, das ist dieschlechte Jahreszeit".

In Wirklichkeit ist die schlechte Jahreszeit die schönste. Sie bietet am meisten, sie mischt in der stummen Art der Natur das Hoffen- mit dem Drohen, sie spiegelt uns am besten das Leben wider, sie läßt uns die großen Gewalten in ihrem Ringen sehen, sie geht an das Mark der Dinge und zeigt bas wahre Wesen bes Lebens, nämlich bas Aus­lesen, Ausmerzen unb Verwerfen ohne Gnabe. Jeber kahle Baum läßt uns bas sehen. Stamm unb Aeste bieten sich bar, Zweige unb einige we­nige Zweiglein, unb btefer Bestand an Kraft wirb imabläsitg nachgeprüst, was davon wert sei. im

nächsten Frühling beim neuen Leben mitzumachen. Mancher Baum steht einsam unb wie verstummt in seinem bürftigen, kahlen Grau am Ranbe ver­lassener Wege, steht vor bem Himmel unb hält ftanb.

Die Waldsäume weiter ab stehen mit rissigen, filigranartigen Säumen ba, ihr schwarzes Gezacke von feinster Art hebt sich rein unb schön vor bem Himmel ab. Am Nachmittag schwebt ein milchiges, bleiernes Grau über ber Lanbschast, bis bann röt­licher Dunst vom niebrigen Himmel herabsteigt, bis bas Grau sich insgeheim mit Farben anfüllt, bie hinter bem Himmel liegen unb nur eine Ahnung ihrer Art zulassen. Langsam stirbt bann in trgenb- welcher urweltlichen Ferne bie Sonne, wir wissen es nur, sehen können wir es nicht. Was wir sehen, das ist das allerletzte Verglühen riesiger Kräfte, die hinter vielen Vorhängen weit und ferne wirken, unb auf uns kommt nichts als ber schwelende, düstere, maßlos traurige Atem bes großen Bran- des. Rote Wolken, grüne, braune unb violejte Wol­ken, unb zuletzt bie Schwärze ber Nacht.

Soviel Größe, Wahrheit unb Ehrlichkeit zeigen bie schönen Sommertage uns nicht. Im Sommer lieben wir bie Natur, in einer Art, wie junge Männer junge Mäbchen lieben. Sie lieben alle, sie lieben jede. Wer aber auch in karger Jahres­zeit die Welt erwandert, der liebt sie besser, der sieht sie näher und empfängt mehr von ihr. Da ist dann die Natur wie ein Mensch, bei dem man getreulich weiter einspricht, auch in Zeiten der Not, nach wie vor. Da erst tut dieser Mensch uns die Seele auf, denn siehe, nun glaubt er, daß wir mehr sind als bloße Besucher.

Ein schönes Heimwandern ist das, in ber Dämmerung, ben Wald entlang, am kahlen Acker dahin, und immer dabei dieses köstliche Einblauen und Eingrauen im Fallen des Lichtes. Glühend rot ist der Dunst geworden, farblos schwarz ist alles, was vor ihm steht. Im fernsten Himmel, tief über schwarzem Acker glüht ein Feuerstreif, in dunklen Schatten verlöschen die Formen der feuch­ten Wiesen und der schweigenden Aecker, weißer Nebel webt sein Tuch, das Dorf ist ein ruhender, tiefschwarz und ganz in sich gesättigter Klumpen Wohnlichkeit, und ein oder zwei Lichter darin rufen aus der dumpfen Masse heraus:Hier sind Men­schen!"

Auf dem Nachtmarsch gehen dann glimmernde Sterne mit. Ihnen glauben wir es: es gibt eine Welt, es gibt Größe, Allmacht und ein Schicksal.

Und so kommen wir (denn nie kann man sich ins Leere oerirren) immer wieder darauf zurück: Der Mensch allein ist das Maß aller Dinge. Es gibt keine schönen unb keine schlechten Jahreszeiten,

es gibt nur offene, aufgetane Menschen, denen alles zuspricht, und neben ihnen gibt es dumpfe, schwere, träge, gefesselte Menschen, die nur das sehen, worüber sie gleichzeitig auch stolpern kön­nen.

Welt offen! Welt zu!

Und was istWelt"? D u bist es.

Schachspiele mit schönen Figu at.

Dielen Schachspielern ist es gar nicht gleichgültig, mit welchen Figuren sie spielen. Die notwendige gei­stige Hingabe und Konzentration scheint sich bei ihnen nicht einstellen zu wollen, wenn sie häßliche ober stofflich unzulängliche Figuren benutzen müssen. Die Kunst ber verschiebenen Zeiten hat sich deshalb bieses Gegenstandes bemächtigt unb zum Teil Schachspiele von höchster Dollenbung unb größter Originalität geschaffen. Bei einem Gang durch bas. Bayerische Nationalmuseum können wir solche Klein- Plastiken bewundern. Da gibt es Spiele aus Elfen­bein, Ebenholz, Gold, Silber unb anderem Edel­material, die eigentümlichsten und kostbarsten Fi­guren, sowohl Darstellungen aus dem Leben des Orients, wie aus der Zeit der Landsknechte oder des Rokoko. Wir gewahren- Elefanten mit Türmen auf bem Rücken, Bauern mit drolligen Gebärden, ele­gante Kavaliere mit Dreispitz unb Degen unb fribe- rizianische Offiziere und Soldaten. Auch die Schach- breiter find, wie in der ZeitschriftDie Kunst für Alle" mitgeteilt wird, mit großer Liebe unb viel Geschmack ausgestattet, entweber aus einer Verbindung aus Elfenbein unb Ebenholz, aus zweierlei Holz ober auch aus zweierlei Stein. Zum Teil finb bie Felber noch mit ben verschiebensten Silbern von Menschen unb Tieren geschmückt. Solche wertvollen unb historisch bemerkenswerten Spiele sinb auch noch in anberen Sammlungen, auf Schlössern, in Klöstern unb in Privatbesitz vorhan­den; in ihrer Gesamtheit geben sie einen aufschluß­reichen Ueberblicf über weite Strecken ber Kultur­geschichte. Ob Persien ober China ober Indien bie ursprüngliche Heimat bes Schachspiels ist, hat bie Forschung bis heute noch nicht einbeutig klären können. Die Spielart unb die Bedeutung ber Fi­guren haben manche Wandlungen erlebt, bis unge­fähr in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts ber Zustanb erreicht würbe, auf bem wir uns auch heute noch befinben. In Deutschland war bas königliche Spiel lange Zeit ben höfischen unb oberen gebilde­ten Kreisen vorbehalten. Geistliche unb weltliche Fürsten erteilten Aufträge an. Schnitzer unb Gold- schrniede für bie kostbarsten Ausführungen. Die einzelnen Stücke würben häufig auch als Porträts hochstehender Persönlichkeiten hergestellL.