Kolonialbesitz durch ihre Mitarbeit Ausdruck verleiht. Mögen andere Korporationen diesem Beispiel folgen! .
** (£tn Treffen alter Soldaten. Die Ehemaligen Angehörigen des 1. Oberrheinischen Infanterie-Regiments Nr. 97 treffen sich vom 29. Juni bis 1. Juli in Saarbrücken zu einem kameradschaftlichen Beisammensein. Für die Wahl des Tagungsortes Saarbrücken war ausschlaggebend, daß das Regiment in den Kriegsjahren sehr viel Ersatz aus dem Saargebiet bekommen hatte, ferner auch der Gedanke, den Kameraden des Saargebiets durch diesen Besuch Treue um Treue zu bekunden. Es wird erwartet, daß alle ehemaligen Angehörigen des Regiments zu der Wiedersehensfeier kommen werden. Anfragen find an Kameraden Karl Hamburger, Frankfurt a. M., Knorrftraße 8III, zu richten. Mitte Juni werden sich die in Stadt und Kreis Gießen, sowie in den benachbarten preußischen Kreisen wohnhaften ehemaligen 97er zu einem Beisammensein in Gießen treffen, um bei dieser Gelegenheit u. a. über die gemeinschaftliche Fahrt usw. zu beraten. Näheres wird durch Anzeige noch bekanntgegeben.
**Neupflasterung am Bahnübergang nach den Kliniken. Der Zugang zu den Kliniken über die Brücke am Bahnhofsplatz wird gegenwärtig neu gepflastert, da der vorhandene Belag ausgelaufen und ein Stück des Weges nicht gepflastert war. Die Mängel werden dadurch behoben, daß zur Neupflasterung Phorphyrsteine zur Verwendung kommen.
Gondergettchi in Gießen.
Unter dem Vorsitz von Landgerichtsdirektor Häckler befaßte sich das Gericht mit dem am 17. Januar 1899 zu Lobgau (Kreis Dresden) geborenen, zuletzt in Schotten wohnhaften Erich T h i m • m i g. Die Anklage machte chm zum Vorwurf, sich in Eichelsachsen in schwerer Weise gegen die Reichs- regierung ausgesprochen zu haben. Thimmig propagierte außerdem, ohne daß man ihm eine Mltglied- schaft nachweisen konnte, für die KPD. Das Gericht verurteilte ihn zu zwei Jahren Gefängnis und in die Kosten des Verfahrens.
Am Nachmittag befaßte sich das Gericht mit dem Karl Wilhelm St ei an er aus Heidenheim, Z-H- im Landeszuchthaus Marienfchloß, wo er wegen Sprengstoffvergehens und Vorbereitung zum Hochverrat eine z w ö l f j ä h r i g e Z u ch t h a u s st r a f e verbüßt. Der Angeklagte befand sich am.15l Slprü d. I. auf einem Transport zwischen Butzbach und Marienfchloß, wobei er gegenüber den Begleit- beamten die Reichsregierung, insbesondere den Führer die SA., das Reichsheer und die Sn. belewigte. Der Angeklagte, der seit 1918 Mitglied der KPD. war, bestritt in der gestrigen Hauptverhandlung die ihm zur Last gelegten Straftaten. Durch die Aussagen des Polizeibeamten steht jedoch fest, daß der Angeklagte die Greuelmärchen verbreitet hat. Das Gericht erkannte auf acht Monate Gefäng- n i s.
Der Gießener Haushallsvoranschlag für 1935.
Don der Bürgermeisterei Gießen wird uns mitgeteilt:
Der Herr Oberbürgermeister hat den Voranschlag für 1935 nach Anhörung des Stadtrats wie folgt festgesetzt:
Betriebsrechnung in Einnahme und Ausgabe auf 5 424 449,01 RM., gegenüber im Vorjahre 5 459 745,14 RM.
Vermögensrechnung in Einnahme und Ausgabe auf 904 181,93 RM., gegenüber im Vor- jähre 462 906,33 RM. .
Die einzelnen Abschnitte schließen wie folgt ab: A. Belriebsrechnung:
1 Allgemeine Verwaltung
2. Polizeiverwaltung
Z. Grundbes. Land- und Forstwirtschaft
"4. Bauverwaltung
5. Betriebsverwaltung
6. Schulen
7. Kunst und Wissenschaft
8. Wohlfahrtswesen, Gesundheitswesen
9. Finanzverwaltung
Einnahmen Ausgaben 63 462,73 525 383,03 1 960,— 162 989,54
617 380,01 475 714,35
397 916,39 775 514,46 1 019 108,31 447 675,67 146 083,28 547 592,02 197 548,30 355 831,07
166,20 968 272,40 2 980 823,79 1 165 476,47
B. Vermögensrechnung:
Einnahmen Ausgaben
2 800,-
324 160,43
572 931'93
168 250,-
163 000,-
66 100,— 445 621,50
65 500,—
1. Allgemeine Verwaltung
2 Polizeiverwaltung
3. Grundbes. Land- und Forstwirtschaft
4. Bauverwaltung
5. Betriebsverwaltung
6. Schulen
7 Kunst und Wissenschaft
8. Wohlfahrtswesen, Gesundheitswesen
9. Finanzverwaltung
Trotz größter Sparsamkeit und Zurückstellung aller nicht unbedingt erforderlichen Aufwendungen verblieb für die Betriebsrechnung ein Fehlbetrag von 236 836,89 RM., gegenüber 277 046,01 RM. im Vorjahre, infolge einiger unabwendbarer Einnahme- aussälle und Ausgabeerhöhungen. So bedingte allein die Kürzung der Sondersteuer vom bebauten Grundbesitz um 25 v. H. für die Stadtkasse einen Einnahmerückgang von 116 200,— RM. und für das Wohnungsbaukonto von 45 900,— RM., zusammen 162100,— RM. Das Wohnungsbaukonto erfordert infolgedessen einen Zuschuß aus laufenden Betriebsmitteln in Höhe von 50 724,54 RM.
Die Deutsche Arbeitsfront.
NS-Semeinschast »Kraft durch Freude'".
Spottamt „Krast durch Freude".
Anläßlich der Reichs-Sportwerbewoche veranstaltet das Sportamt „Kraft durch Freude" ein
Betriebsfurnier für Tauziehmannfchaflen und Medizinballstaffeln.
Es liegen Meldungen folgender Betriebe vor:
Güterabfertigung Gießen eine Mannschaft, Arbeitsamt Gießen vier Mannschaften, H. Kaeß Nachf., Gießen, eine Mannschaft, W. Zimmer GmbH., Gießen, zwei Mannschaften, Haus der Arbeitsfront, Gießen, eine Mannschaft.
Alle Mannschaften nehmen sowohl am Tauziehen, als auch an der Medizinballstaffel teil, um einen Ausgleich zwischen Kraft und Geschicklichkeit zu schaffen.
Damen aus den Sportkursen „Kraft durch Freude" führen ein Prellball-Turnier durch.
Die Veranstaltung findet am Mittwoch, 29. Mai, auf Oswaldsgarten ab 19.30 Uhr statt. Treffpunkt
der Teilnehmer pünktlich um 19.15 Uhr vor der Turnhalle des Tv. 1846 in der Steinstraße.
kostenlose Sportkurse
des Sportamts „Kraft durch Freude".
Für die Dauer der Reichs-Sportwerbewoche finden für neu hinzukommende Teilnehmer gebührenfreie Sportstunden, mit Ausnahme der Kurse für Reiten und Schwimmen, statt. Es ist also allen Volksgenossen die Möglichkeit gegeben, kostenlos Leibesübungen mit „Kraft durch Freude" zu treiben oder sich die Uebungsftunden einmal anzusehen. Kommt alle und macht fröhlich mit!
Aeuer Reitkurs!
Für den neu angesetzten Reitkurs, Mittwochs von 20 bis 21 Uhr, find noch einige Plätze frei. Anmeldungen baldigst schriftlich oder persönlich an das Sportamt.
Achtung! Tennis!
Bei genügender Beteiligung werden Tenniskurse für Anfänger und Fortgeschrittene eingerichtet. Die Kosten betragen etwa 50 bis 80 Pf. pro Stunde. Schriftliche oder persönliche Anmeldungen werden auf dem Sportamt entgegengenommen.
Segelsporfsahrten auf der Ostsee.
Das Reichssportamt veranstaltet laufend fiebern und vierzehntägige Segelspartfahrten auf der Ost- see. Die Kosten betragen 37,50 bzw. 65 Mark. Genaue Auskunft und Anmeldung auf dem Sportamt.
Sportkurse in dieser Woche.
Dienstag, 21 bis 22 Uhr, Reiten, Reitschule Schömbs, Brandplatz.
Dienstag, 19 bis 20.30 Uhr, Sport- und Spielnachmittag, Universitätssportplatz, Kugelberg.
Mittwoch, 20 bis 21 und 21 bis 22 Uhr, Schwimmen, Dolksbad. £ „
Donnerstag: am Himmelfahrtstage fallen alle Kurse aus.
Freitag, 20 bis 21 Uhr, Allgemeine Körperschule für Frauen und Männer, Lyzeum, Dammstraße.
Freitag, 20 bis 21 Uhr, Fröhliche Gymnastik und Spiele, Heil- und Pflegeanstalt.
Samstag, 17 bis 19 Uhr, Leichtathletik (Reichs- sportabzeichen), Universitäts-Sportplatz, Kugelberg.
Sonderzug nach Marburg zu den Festspielen am 16. Juni.
Die NS.-Gemeinschast ,Fräst durch Freude" fährt am 16. Juni nach Marburg, um die dortigen Festspiele auf dem Schloßberg zu besuchen. Der Gesamtpreis beträgt 3,50 Mark. Darin sind enthalten: 1. Fahrt nach Marburg und zurück; 2. Mittagessen; 3. Stadtbesichtigung; 4. Besuch der Festspiele. An- meldungen bis zum 10. Juni werden von allen „Kraft-durch-Freude"- Warten und in der Geschäfts- stelle, Schanzenstraße 18, Zimmer 8, entgegengenommen. Bei der Anmeldung ist der Fahrpreis gleich zu entrichten.
Rheinfahrk.
Wir fordern alle Kameraden auf, sich umgehend iU unserer ersten Rheinfahrt am 23. Ium anzumelden. Wer weiß, wie schnell die Fahrt besetzt istk
Der neue große Lustige Abend von „firaft durch Freude.
Am Mittwoch, 5. und Donnerstag 6 Juni finden im Stadttheater zwei fröhliche Abende der NS.- Gemeinschaft „Kraft durch Freude statt, Die an Ausgelassenheit und Humor alles seitherige in den Schatten stellen werden. Da sind z. B. tn Dem Programm „d i e 4 S 0 u n d Y s , über Die rotr nachstehend eine Kritik aus einer großen deutschen Tageszeitung bringen: „Seinen abschließenden Höhepunkt erreicht das Programm dann mit den di e r S 0 undys, einer zwerchfellerschütternden lustigen und doch künstlerisch.hochstehenden Musikalnummer. Drei Damen kommen auf die Bühne, und ein ungemein lustiger kleiner Pinkel von Mannsbild, die als luftige Hofmusikanten auf Klarinetten, Posaunen, Oboen, Pistons, Saxophons und allen möglichen anderen Instrumenten prachtvoll musizieren und nebenbei einen köstlichen Unsinn verzapfen. Es ist selten, daß ein Künstler ein Instrument derart virtuos beherrscht, daß er es fertig bringt, mit ihm einen richtigen Sprechdialog mit seinen Partnern durchzuführen. Wenn immer wieder Die Klarinette ruft: „Ober! Die Speisekarte?" dann dröhnt das Haus vor Lachen, und nicht anders ist es bei den anderen Späßen, Die die köstliche Truppe treibt. Bei alledem darf man das sehr erhebliche musikantische Niveau des vielseitigen Quartetts nicht übersehen. Kurz, hier steht eine Nummer auf der Bühne, wie man sie auch an großen Varietes nur selten findet. Als Dacapo auf Den nicht endenwollenden Applaus gibt es ein phantastisches Quartett auf Bierschläuchen, Die vorne ein Trompetenmundstück unD hinten einen Trichter besitzen und wie die prächtigsten Waldhörner klingen!" Wir brauchen dieser Kritik nichts mehr hinzuzufügen, sie spricht für sich. Besucht das Kabarett der Komiker am 5. oder 6. Juni!
Am Simmelsahrtstag Siemwanderung der Turner nach Arnsburg.
Deutsches Wandern mit dem „Sträuße! am Hut und Dem Stab in Der Hand" r ib Dem Rucksack auf Dem Rücken! Wandern bringt Erholung nach mühe- voller Arbeit; es stärkt Körper und Geist; es hilft den Willen bilden und die Seele formen. Es ist etwas herrlich Eigenes um Das deutsche Wandern. Es führt Die Menschen enger zusammen und schlingt ein zartes, aber doch festes Band um die Herzen derer, Die tagelang gemeinsam über Tal und Höhen dahinzogen. Es gibt auch wohl kaum eine Gelegenheit, bei Der man Den Volksgenossen besser kennen und verstehen lernt, als auf Der gemeinsamen Wanderung. Und wie kann man Die Heimat und ihre Schönhett besser kennen und lieben lernen, als wenn man sie immer wieder mit schauendem Auge, offenem Ohre und mit warmem Herzen durchwandert? Darum ergeht an alle der Ruf:
Erwandert Luch Heimat und Vaterland!
Dieser Ruf wurde lebhaft aufgenommen von der Deutschen Turnerschaft. Jrn Rahmen der Reichs-Sport-Werbewoche des Reichsbundes für Leibesübungen wirbt die Turnerfchast für den Wandersport und erwählte den diesjährigen Himmel- fahrtstag zu ihrem Wandertag. Es soll an diesem Tage keine Landstraße ohne eine wandernde Turnerschar zu sehen sein. Altes und neues Liedgut wird aus Der Tiefe Der Seele emporsteigen, und überall werden Die alten und neuen Turn- und Kampflieder erschallen. Aus jedem Liede und aus jedem Klang muß der neue Geist und die neue Zeit heraustönen.
„Durch unser Lieder Klingen, geht stolz ein starker Schlag, daß wir ihn neu erringen, der Freiheit goldnen Tag!"
Die Turner unserer engeren Heimat, kreis Gießen und Umgebung, veranstalten am him- melfahrtstag eine Sternwanderung nach Kloster Arnsburg bei Lich.
Bei Dieser Wanderfahrt darf kein Verein unseres Kreises fehlen. Bedenkt: Auch dieser Turnermarsch steht, wie unsere gesamte Turnerarbeit, im Dienste unseres Volkes und seiner Wehrhaftigkeit!
Vereinsführer, ruft alle euere Turner und Turnerinnen zu unserer Wanderfahrt auf! Keiner ist zu jung und keiner zu alt— Wanderung und Feierstunde sollen für alle ein tiefes Erlebnis werden! Z. f
Oberhessen.
Diamantene Hochzeit.
(D K e s s e l b a ch, 26. Mai. Der Oberbahnassistent i. R. Joh. Meißinger und Frau Johanna, geb. Löber, feierten in geistiger und körperlicher Frischs das seltene Fest der d i a m a n t e n e n Hochzeit. Der Jubilar, 1849 in Kesselbach geboren, diente beim Infanterie-Regiment 116 in Gießen und machte den Feldzug 1870/71 mit. Seine Frau, eine geborene Gießenerin, lernte er während seiner Dienstzeit kennen. Vor 60 Jahren wurde im Wonnemonat Der Lebensbund geschlossen. Nach seinem Abgang vom Militär ging er in den Eisenbahndienst und war bis zu feiner Pensionierung im Jahre 1912 am Bahnhof Gießen beschäftigt. Seit dieser Zeit ver- bringt er sein Leben im Ruhestand wieder in feinem Geburtsort Kesselbach im eigenen gemütlichen Heim.
ido 1.2a
Allerlei vom
//Jäger aus Kurpfalz".
13on Or. Ludwig Roth.
„Der Jäger aus Kurpfalz" ist eine vielumstrittene Gestalt. Das volkstümliche Pfälzerwald-Lied, einst der „Marsch" des Preußischen Garde-Jäger-Ba- taillons und verschiedener anderer deutscher Jäger- Bataillone, wird gesungen, soweit die deutsche Zunge klingt. Bei uns Jägern und bei den Männern der grünen Farbe ist es neben dem schönen fiebenbürgi» scheu Jägerlied: „Ich schieß den Hirsch im dunklen Tann" wohl das beliebteste Lied. Als der gründlichste Kenner der Streitfrage um den „Jäger aus Kurpfalz" darf wohl der in Speyer am Rhein im Ruhestande lebende Herr Regierungsdirektor und Geheimer Ober-Forstrat a. D., Johannes K e i p e r, § eiten, der uns nicht nur eine „Pfälzische Forst- und agdgeschichte", sondern auch in der „Pfalz am Rhein", in der „Kurpfalz-Nummer von 15. August 1933" eine eingehende Abhandlung über den - „Jäger aus Kurpfalz" geschenkt hat. Ich folge bei mei» neu Ausführungen im Wesentlichen der Darstellung meines hochverehrten Freundes.
Als im Jahre 1838 der bisherige Rheinkreis von König Ludwig I. von Bayern den alten geschichtlichen Namen „Pfalz" bekommen hatte, herrschte darüber allgemeine Freude und großer Jubel bei der pfälzischen Bevölkerung, die sich durch Wort und Schrift in gebundener und ungebundener Rede dank- bar zustimmend äußerte.
Bei diesem freudigen Ereignisse kam auch das alte Pfälzerwaldlied wieder zu Ehren, es wurde zum Leiblied der Pfälzer erhoben. Im Jahre 1844 schrieb ein Zeitgenosse: „Das ist das Pfälzische National- Lied; das wird den ganzen Tag gesungen, von den Postillonen geblasen, von der Regimentsmusik als Ständchen gespielt, als Marsch gebraucht und wenn dich ein Pfälzer besucht und du willst ihm eine Freude machen, so muht du es ihm vorspielen."
Unter Weglassung späterer minderwertiger Zutaten singt man nun nach der bekannten und beliebten Melodie nur noch die wohl ursprünglichsten drei Strophen:
„Ein Jäger aus Kurpfalz,
der reitet durch Den grünen Wald, er schießt Das Wild daher, gleich wie es ihm gefallt.
Ju ja, ju ja,
gar luftig ist die Jägerei allhier auf grüner Heid, allhier auf grüner HeiD
Auf sattelt mir mein Pferd
und legt darauf den Mantelsack, so reit ich hin und her, als Jäger aus Kurpfalz.
Ju ja, ju ja,
gar lustig ist die Jägerei allhier auf grüner Heid, allhier auf grüner Heid.
Jetzt reit ich nicht mehr heim, bis daß der Kuckuck Kuckuck schreit, er schreit die ganze Nacht, allhier auf grüner Heid.
Ju ja, ju ja,
gar luftig ist die Jägerei allhier auf grüner Heid, allhier auf grüner Heid."
Unter dem Jäger aus Kurpfalz ist offenbar — sagt Herr Geheimrat K e i p e r — der Jagdherr selbst gemeint, der allein das Wild nach eigenem Gefallen erlegen darf und das Befehlen gewohnt ist. Eine Variante im zweiten Vers heißt sogar: „Knapp, sattle mir mein Roß und leg darauf den Mantelsack."
Wir Pfälzer und gerade wir aus den ehedem kurpfälzischen linksrheinischen Landen erblicken von jeher im „Jäger aus Kurpfalz" unseren früheren höchsten Jagdherrn, den Kurfürsten von der Pfalz und Pfalzgrafen bei Rhein, bzw. dessen fürstlichen Stellvertreter.
Auch die meisten Abbildungen und die künstlerisch so hervorragenden Frankenthaler Porzellan-Gruppen aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, wie wir sie in den Museen zu Heidelberg, Mannheim, Speyer und Frankenthal noch bewundern können, stellen den Jäger aus Kurpfalz stets als flotten Kavalier dar, der in schmucker Hofjagdtracht auf einem Schimmel mit seinen Jagdhunden einen Edelhirsch durch Gehölz verfolgt. Neuerdings sieht man ihn auch das Jagdhorn blasend, allein auf einem Schimmel reitend.
Der in Gimmeldingen bei Neustadt a. d. Haardt wirkende protestantische Pfarrer, Herr Ernst Bilfinger, hot zuerst daraus hingewiesen, daß vermutlich in dem „Jäger aus Kurpfalz" der am 6. Januar 1592 zu Heidelberg mit erst 49 Jahren verstorbene Pfalzgraf Johann Kasimir verherrlicht werde. Bilfinger erzählt u. a., daß Johann Kasimir als großer Weidmann im Hambacher Walde außer der herbstlichen Hirschjagd auch die Auerhahn-Balz im Frühjahr häufig besucht habe und daß der von Johann Kasimir eigenhändig in einen großen Felsen auf Dem Hundsberg mit Der Zwinge seines Jagdstockes eingeritzte Namen noch acht Jahre nach seinem Tode sichtbar gewesen sei. Der kurpfälzische Forstmeister Philipp Velmann
von Germersheim war der Verwalter dieses fürstlichen Jagdbezirkes; daher jetzt die Nomen-,^Johann- Kasimir-Fels" und Velmans-Eiche im Hambacher Walde, als Wiege des Liedes vom Jäger aus Kurpfalz. Forstmeister Velmann hat in einer Nieder- schrist den wildreichen Jagdbezirk seinem kurfürstlichen Herrn gegenüber mit den verlockenden Worten gelobt: „Ein fein ober herrlich Jagen auf Rotwild und Rehe im ganzen Revier."
Geheimer Forstrat K e i p e r schreibt: „Ist nun schon als fürsorglicher Landesfürst des Pfalzgrafen Name noch heute in der Pfalz bekannt und fein Andenken ein gesegnetes, so hat er es auch verstanden, als leutseliger, volkstümlicher Herr sich die Liebe der pfälzischen Bevölkerung zu erwerben und lang»über seinen Tod hinaus zu bewahren. Dazu trug auch seine große Jagdlust und der ungezwun- gene Umgang mit Bürgers- und Bauersleuten wesentlich bei. Von Jugend auf ein guter Reiter und dem edlen Weidwerk ergeben, besuchte der Pfalzgraf von der von ihm vergrößerten und verschönerten Barbarossa-Burg aus den umliegenden Reichswald und das Wildjischbacher Holzland besonders gern, sowie von seiner festen Burg Winzin- gen aus oberhalb Neustadt, dem heutigen Haardter Schlößchen, die gleichfalls sich im mittleren Pfälzer- wald ausdehnenden Elmsteiner Gebirgswaldungen, wo er sich auf dem Bloskülb ein Jagdhaus erbaut hatte, um in den beiden wildreichen Jagdbezirken dem edlen Weidwerk obzuliegen.
Als eifriger und gewissenhafter Jäger führte er ein Jagdbuch. So befindet sich in der Heidelberger Universitäts-Bibliothek ein kleiner Band mit dem oon ihm eigenhändig geschriebenen „Schußregister, was ich, Herzog Johann Kasimir, Pfalzgraf, dies Jahr 1585 mit eigener Hand geschossen". Neben der Wildart sind die Tage und Erleaungsorte angegeben, diese zum Teil noch mit Den heute noch gebräuchlichen Namen.
Um die Wende des 16. zum 17. Jahrhundert erlebte das Pfälzische Forst- und Jagdwesen bis zum Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges eine hohe Blütezeit; deshalb liegt es nahe, m dem jagd- luftigen Pfalzgrafen und Kur-Verwefer Johann Kasimir auch den Helden des Liedes zu erblicken und dessen Entstehung auch um diese Zeit anzu- nehmen. 0
Neben Dem erwähnten Pfarrer Bilfinger nennt ©ebeimrat Keiper noch Den gründlichen Pfalzkenner Oberstudiendirektor a. D. Dr. Albert Becker xu 3®ßl&rürfcn, den Verfasser Des Werkes „Pfälzer Volkskunde und Den Zweibrücker Musik-Direktor popann Heinrich Lützel als Vertreter seiner Auffassung. Auch Der berühmte Altmeister Der Baye
rischen Jägerei und hervorragende Jagdschriftsteller Franz von Ko bell (1803 bis 1882) hat in seinem unvergeßlichen großen klassischen Jagdwerke „Wild-Anger", Der sog. „Jäger-Bibel", im Jahre 1859 geschrieben: „Da ist der schon im 17. Jahrhundert bekannte „Jäger aus Churpfalz" mit seiner schönen Melodie und seinem schlechten Text." Mit dem „schlechten Text" sind die minderwertigen Zutaten späterer „Verbesserer" gemeint.
Nach alledem ist anzunehmen, daß der „Jäger aus Kurpfalz" bereits im 17. Jahrhundert bekannt war. Deshalb weist Geheimer Oberforftrat Keiper „Das neue Märchen vom falschen Jäger aus dem Soonwald" zurück. Er sagt: „Schauplatz der Hand- lung sei der Soonwald gewesen. In diesem, erst im Jahre 1708 kurpfälzisch gewordenen Forstbezirk, woran noch das Forsthaus und Revier „Neupfalz^ westlich von Stromberg erinnert, waren die 23or- fahren der Familie U t s ch während des 18. Jahrhunderts als kurpfälzische Forstknechte seßhaft, und zwar im Forsthaus „Entenpfuhl", wo jetzt wie zu "Neupfalz" der Sitz einer Försterei sich befindet. Der vom Jahre 1732 bis 1795 lebende Friedrich Wilhelm Utsch wurde zum Helden des Liedes gestempelt, als Verfasser des Liedes nahm man den mit dem Förster befreundeten Hauslehrer, den Karmeliter-Pater Martinianus Klein aus dem benachbarten Orte Rehbach an. Nach dem amtlichen Ausweis des „Kurpfalzbayrischen Hof- und Staatskalenders für 1792 erscheint bei der Jägerei des Oberamts Kreuznach als Förster: Herr Friedrich Wilhelm Utsch des oberen Teiles Soonwalds, Nachfolger: einer seiner Söhne.
Als das Lied vom Jäger aus Kurpfalz in den Zähren 1763 und 1780 durch neue Flugblätter bekannt geworden war, stand Friedrich Wilhelm Utsch als jüngerer Forstknecht, sodann als wohlbestallter Förster im Dienst. Wie sollte er Der Held des schon lange vor seiner Zeit vorhandenen Liedes gewesen sein können? Völlig ausgeschlossen!" So führt Geheimer Oberforftrat Keiper aus und seine Ausführungen erscheinen durchaus schlüssig.
An dieser Stelle möchte ich noch Die Frage auf- werfen, ob der „Jager aus Kurpfalz" nicht etwa e!£Lm9tJ’fJd)e' sagenhafte Gestalt nach Art Des „Wilden Jagers" ist? Der Pfalzgraf Johann Kasi- mir wird, wie eingangs erwähnt, Dargeftettt, auf einem Schimmel, vor ihm Die Hunde, Die Den Hirsch jagen. Der Schimmel Deutet allemal auf Wodans Schimmel, Den achtfüßigen Sleipnir hin. Daß Wodan sich zum „Wilden Jäger" gewandelt hat, ist erwiesen. Es wäre reizvoll, nachzuforschen, ob der Jäger aus Kurpsalz nicht etwa auch ähnliche Wandlungen Durchgemacht hat.


