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Freitag, 2 r. Dezember M5

Gietzener Anzeiger (Senerat-Anzetger für Gberyetze»,

Nr.3vi Zweiter Blatt

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delöffnung entweicht, wird die Deffnung der Schä­delkapsel von den Müttern bei allen möglichen Lei­den für richtig gehalten. Den Stirnknochen schabt man mit einer scharfen Muschelschale in senkrechter Richtung in einer Ausdehnung von 3 bis 4 Zen­timeter durch, so daß sich eine schmale Knochen­spalte bildet. Nicht selten legen mehrere parallel laufende Knochennarben auf der Stirn der Einge­borenen Zeugnis davon ab, daß diese Operation in ihrer Kindheit mehrmals an ihnen vorgenom­men worden ist. Da nun bei den Eingeborenen Neu-Pommerns und Neu-Mecklenburgs auffällige Narben als Schmuck angesehen werden, haben die Mütter sich vielleicht auch bewogen gefühlt, ihre Kinder dieser Zierde schon früh teilhaftig werden zu lassen.

Vor kurzem wurde in England eine Konferenz namhafter englischer Politiker abgehalten, die der Frage eines Ausgleichs zwischen den Interessen der großen Kolonialmächte und denjenigen, die heute in kolonialer Beziehung unbefriedigt sind, gewid­met war. Etwa zur gleichen Zeit brachte die eng­lische WirtschaftszeitschristEconomist" einen inter­essanten Artikel über die Verteilung ber Rohstoffreichtümer in der Welt, wobei um­fangreiches statistisches Material herangezogen und in dem die unbefriedigten Großmächte Deutsch­land, Italien und Japan erwähnt wurden. Daraus ergab sich, daß das englische Welt­reich einschließlich Aegypten 27 v. 5). der Erdober­fläche und 25 v. $) der Erdbevölkerung in sich schließt. Der f r a n fische Besitz umfaßt 9 v. H.

der Erdoberfläche und 4 v. H. der Bevölkerung. Die USA. nehmen 7 v. H. der Erdoberfläche ein, wah­rend dort auch 7 ü. 5). der Erdbewhner leben. Die Sowjetunion besitzt 16 v. S). der Erde und beherbergt 8 v. S). der Menschheit. Dagegen müssen sich 53 v. 5). der Menschen auf 39 v. S). der Erd­oberfläche zusammenquetschen. Dieser Vergleich ist allerdings nicht erschöpfend, denn wesentlich ist ja abgesehen von den Besiedlungsmöglichkeiten der sehr unterschiedliche Reichtum an Bodenschätzen. Einen der Anteile, die die einzelnen Völker und Staaten an den Naturschätzen haben, zeigt die Aufgliederung der Rohstoffproduk- tion nach einzelnen Gebieten. In unseren Schau­bildern sind die Anteile an der Welterzeugung in Prozenten von d en acht wichtig st en Roh-

Eine andere Folge dieses Wirtschaftsaufbaus ist die gleichmäßige Verteilung des französischen V o l k s v e r m o g e n s. In der Tat hat fast jeder französische Arbeiter (es gibt auch ausländische Ar­beiter in Frankreich, in den Kohlengruben besonders Polen) ein kleines Stück Land, einen Garten und sehr oft ein Haus; auch Miethäuser gehören ihm. Die Mittelklasse stellt die meisten Autobesitzer, und in Frankreich gibt es mehr Autos als in Deutsch­land, wobei man hinzufügen muß, daß Deutsch­land fast 25 Millionen Einwohner mehr hat. Der Bauer liebt es, sein Geld bei sich aufzubewahren, es keiner Bank ober Sparkasse anzuvertrauen, son­dern es wenn möglich in Gold in seinem Besitztum zu verstecken.

Diese Art der Besitzverteilung, die verhindert, daß sich in den Händen weniger ungeheure Reichtümer ansammeln und auf der anderen Seite große Mas- | sen Besitzloser stehen, macht die Aussichten des Kam­

st o f f e n in England, Amerika, Frankreich und Sowjetrußland aufgeführt. Man erkennt deutlich die gewaltige Rolle, die das britische Im p e r i u m in der Weltproduktion dieser Rohstoffe einnimmt. Aehnlich günstig ist Amerika, aber auch das an afrikanischen Kolonien reiche Frankreich und Sowjetrußland sind reich an diesen Schätzen. Deutschland gehört jedenfalls zu denjenigen Staaten, die nur über verhältnismäßig beschei­dene eigene Rohstoffquellen und eine verhältnis­mäßig geringe Bodenfläche verfügen. Um so schwie­riger sind die Aufgaben, die die deutsche Wirtschafts­politik zu bewältigen hat, und um so höher sind bei Berücksichtigung der im Rohstoff- und Bodenmangel liegenden Schwierigkeiten ihre Erfolge zu werten. (Zeichng.: A. Luschnat - Scherl-M.)

England ober Amerika.

Ein gleichermaßen ausgeglichenes Bilb zeigt der Außenhandel. Als ein starker Verbraucher von Rohstoffen kauft Frankreich vom Ausland seinen ge­samten Bedarf an Baumwolle, mehr als °/m feiner Wolle und feiner Rohseide, Vs seiner Kohle, mehr «als die Hälfte seines Kokses, seinen gesamten Petro- lleumbedarf. Durch seine Kolonien ist Frankreich oaber fast unabhängig auf dem Gebiete der Nah- nungsmittelversorgung? Die Einfuhr an Fleisch ist miäßig und in Abnahme begriffen, während e/u> Des Getreidebedarfs im Lande wachsen. Jrn Durch- fschnitt werden 10 v. H. Getreide eingeführt, in schlechten Jahren mehr, in guten Jahren ergibt sich manchmal ein Ueberschuß, der gusgeführt wird. Zum Vergleich sei wieder England genannt, das % seines Getreides und % seines Fleisches einführen muß.

Die Hauptausfuhrartikel bilden: präpa­rierte Nahrungsmittel, Halbfertigwaren, Fertig- iroaren und Luxusartikel. Im Jahre 1929 betrugen Kleider und Textilien 27 v. H. der Ausfuhr an Fertigwaren. Durch die Eingliederung des elsaß- llothringischen Industriegebiets in den französischen Wirischaftskörper ist nach dem Kriege- der Export »an Mineralien und Metallwaren erheblich gestiegen, iwas sich zeigt, wenn man Vorkriegs- und Nach- Ikriegszahlen vergleicht, die den Export in Gewicht langeben. Im allgemeinen sind es nur die Seiden- kund Stahlindustrie, die bedeutende Mengen ihrer Herstellung ins Ausland verkaufen. In guter Zeil «verkaufte die Seidenindustrie 50 v. H. bis 75 v. H. > ihrer Herstellung außerhalb Frankreichs. Sie ist lheute mit der Luxuswarenindustrie derjenige Zweig

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Das Haus war vorzüglich besucht, sehr dankbar und beifallsfreudig. hth.

der französischen Wirtschaft, der von der Krise am stärksten betroffen wird, eben weil sie so sehr von fremden Märkten abhängig ist. Wichtig ist in Frank­reich auch der sogenannteunsichtbare Export". Vor der Krise kamen z. B. jährlich Zehntausende aus allen Ländern ber Erbe nach Paris, um Mobesachen einzukaufen!

Die Zahlen, bie hier angegeben würben, finb ab­sichtlich ben Jahren 1929/30, also noch ber Zeit vor ber Krise, entnommen; benn erstens hat bie Krise Frankreich nicht so heimgesucht wie bie anderen Länder, und zweitens sollen diese Zahlen dazu die­nen, den Normalaufbau der französischen Wirtschaft zu zeigen. Krisenziffern hätten dieses Bild nur verzerrt. In Landwirtschaft, Industrie und da­her auch im Außenhandel zeigt sich das gleiche Bild: Gleichgewicht der Kräfte, durch diese Ausgeglichenheit größere Selbständigkeit, durch diese Selbständigkeit größere Krisenfestigkeit.

Die Titelrolle sang Lissy Chilla als Gast; sie bewältigte die Partie gesanglich ansprechend, mit zwangloser Einfügung ins ungewohnte En- semble und spielte, anfangs kokett, später mit Hal­tung, die Colette im Stil der Salondame. Herr Hille war der gegebene Mann für den Leutnant Octave: so gefühlvoll, wie es für einen Marine­offizier (selbst in der Operette) eben noch tragbar scheint, auch stimmlich recht gelöst, vor allem in sei­nem Liebeslied im zweiten Akt.

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Ein aufgekratztes, tänzerisch bewegliches Pärchen bildeten Cissi H e n ck e l l (als Etelka von drolligem Temperament) und K. L. L i n d t als Primas aus Budapest (Joi, joi, joi!) Herr Kühne fand sich mit der undankbaren Rolle des Marquis mit Anstand ab, während Herr Frickhoeff er den trottelhaf­ten Herrn von Pikador im Stile des Berliner Komikers Ralph Arthur Roberts spielte.

Eingeborenen-Chirurgie.

Bei den Eingeborenenstämmen Neu-Pommerns und Neu-Mecklenburgs begegnet man häufig einer Leistung der medizinischen Selbsthilfe, die auch von unseren modernen Chirurgen bewundert zu werden verdient: die von den Muttern vorgenommene Tre­panation der Kinder, das heißt die operative Oeff- nung der Schädelkapsel durch Aufmeißeln oder An- bohren. Wie die Wilden dazu gekommen sind, sich in diesem Verfahren eine erstaunliche Hebung an­zueignen, läßt sich gerade in diesem Fall ziemlich leicht nachweisen. Die Steinschleuder ist bei diesem Naturvolk die am meisten gebrauchte Waffe. Die durch sie hervorgerufenen schweren Schädelver­letzungen im Verein mit den durch den Kannibalis­mus erworbenen Kenntnissen in der Anatomie führ­ten zu einer besonderen Geschicklichkeit in der Ent­fernung von Knochensplittern und in der oft not- wendigen Behandlung derartiger Wunden. Die Er­fahrung hat nun gezeigt, daß die Schmerzen der Verletzten durch eine gut verlaufene Trepanation beendet wurden. So begann man, diesen kühnen Eingriff auch dann vorzunehmen, wenn es sich um heftige Kopfschmerzen aus anderer Ursache und um Krankheiten handelte, deren Sitz im Schädel ver­mutet wurde. Von da war es nur noch ein Schritt zu der vorbeugenden Trepanation, die von den Müttern frühzeitig an ihren Kindern ausgeführt wurde. Da bei diesen Stämmen der Aberglaube Herrscht, daß der Geist der Krankheit ans der Schä-

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unerfindlichen Gründen) mit dem alten, glatzköpfi­gen und etwas albernen Marquis de la Croix ver­lobt. Kurz vor der Hochzeit besucht sie mitten im Fasching ein kleines Tanzlokal am Montmartre, um sich noch einmal ihrer jungen Freiheit zu er­freuen. Dort findet sie der Marineleutnant Octave von Dalckenberg (Namen haben die Leute, erstaun­lich!) der hält sie für eines der kleinen Mädchen, die hier zu verkehren pflegen, nennt sie einfach Kolombine und verliebt sich in sie Hals über Kopf. Sie gibt sich nicht zu erkennen, obwohl ihr eine echte Perle zwar nicht aus der Krone, aber immer­hin aus dem Kamm fällt, einem kostbaren Geschenk ihres Verlobten, verliebt sich ebenfalls und ent­flieht nur mit Mühe. *

Sehr geschickt und theatralisch wirksam ist im Mittelakt die unvermutete (und unwahrscheinliche) Wiederbegegnung beim Marquis de la Croix am Vorabend der Hochzeit inszeniert. Am Ende erken­nen sie beide, daß ihre Neigung tiefer geht, als das in der flüchtigen Laune einer Fafchingsnacht zu sein pflegt. Octave entflieht, schwer enttäuscht und sehr unglücklich; sie aber, schnell entschlossen ihrem wah­ren Gefühl gehorchend, läßt ihren Marquis und ihre Ehe, die am anderen Morgen beginnen soll, und reift ihm nach. An Bord eines Ozeandampfers, auf hoher See, finden sie sich für immer wieder: der Leutnant von Dalckenberg und die Tanzgräfin Colette. *

Herr Wrede hatte die Operette in Szene gefetzt und sich dabei dem oben angebeuteten Charakter des Werkes angepaßt, für eine großzügige Ausstat­tung und lebhaftes Tempo Sorge getragen, das Ganze auf die richtige und bewährte Mischung von Gefühl und Humor gestimmt. (Wenig geschmackvoll war nur die breit und überdeutlich aufgemachte Episode der beiden über die Reling gebeugten See­kranken im dritten Akt.) *

Am Pult wirkte Herr Bräuer als Kapell­meister recht verdienstlich: er/holte aus der Parti- tur alles Mögliche heraus, brachte saubere Einsätze und blieb stets im Kontakt mit dem Bühnenvor- gang. Herr Löffler hatte hübsche und gediegen ausgestattete Szenenbilder entworfen, von denen uns besonders das Tanzlokal und der Uebersee- dampfer wohlgelungen schienen. Herr Keim unter- : malte die wechselnde Stimmung mit effektvoll auf die Bühne gestreuten, farbigen Lichtern und sanf­tem Halbdunkel. Tanzeinstudierung: Thery Sch ul t- > heiß, die mit einer Solo-Einlage im ersten Akt 1 viel Anklang fand.

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Gießener Gtadttheater.

Robert Stolz:Die Tanzgräsin".

Der Fasching beginnt diesmal für unsere Ver­hältnisse erstaunlich zeitig: am zweiten Weihnachts­feiertag eröffnet sich bereits ein verheißungsreicher Ausblick auf den Pariser Karneval, wie er in einem kleinen, aber vergnügten Montmartre-Lokal auf den Gipfel der Stimmung steigt. Und nach dem ersten 'Akt hat man den Eindruck, diese Operette sei eigent­lich um zwei Monate zu früh gestartet; man hatte -sie sich als beziehungsreiche Anregung für den Fe­bruar aufheben sollen oder wenigstens für Silvester.

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Es handelt sich bei derTanzgräfin" um eine breiaffige Operette von Robert Stolz, der sich seine Sporen auf diesem Gebiet bereits verdient hat; bie szenische unb musikalische Neubearbeitung besorgten ber Gießener Spielleiter Paul Wrebe unb bie Herren Rubolf Loh unb Cord Wupper. Betrachtet man bie Neuerscheinung als Ganzes, so wird man sagen dürfen, daß im Gesamteindruck ! die Partitur hinter dem Szenischen etwas zurück- tritt. Die Operette geht ohne das meist übliche musikalische Vorspiel gleich in medias res; sie ver­zichtet auf die breite, ausgefchmückte, häufig genug opernmäßig anspruchsvolle Instrumentierung und ausgebaute Gesangspartien. Robert Stolz bevor­zugt den modernen Stil, der ohne eine durchgehend zu verfolgende, große musikalische Linie nur die entscheidenden Szenen akzentuiert und heraus­arbeitet, wodurch dem Parlando auf der Mitte zwischen Salonstück und Schwank und einer revuemäßig lockeren Aufmachung und Gliederung ber Szene verhältnismäßig breiter Raum bleibt.

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Was bie Musik angeht, so ist sie roe-bergroß" im angebeuteten Sinne noch besonders originell, aber geschickt gesetzt, mit bewährten Mitteln ar­beitend, stellenweise nicht ohne hübsche, sangbare Melodik, rhythmisch einprägsam, gemischt aus den gemäßigten Synkopen eines modernen, kleinen Jnstrumentalkörpers und fließenden, einschmeicheln­den Klängen im Wiener Dreivierteltakt. Der Um­stand, daß ein Zigeunerprimas und eine ungarische Tänzerin als obligates zweites Paar auftreten, ist vom Komponisten natürlich nicht übersehen, sondern in naheliegender Form-für die Vertonung ous- genutzt roerben.

muntsmus in Frankreich nicht allzu günstig. Dar­über kann auch die lärmende Propaganda der kom­munistischen Partei nicht Hinwegtäuschen. Weiterhin ist der Entwicklung ihrer Ziele das patriarchalische Verhältnis abträglich, das in den vielen kleinen und mittleren Betrieben zwischen dem Arbeitgeber unb ben Arbeitnehmern besteht, begleichen, baß hier ber Arbeiter eine viel engere geistige Beziehung zu seiner Arbeit hat, als wenn er nach ben mobernen, aber geifttötenben Herstellungsmethoben arbeiten muß.

Das Verkehrswesen ist in Frankreich nur zum Teil in staatlicher Hand. Zu bem guten Eisen- bahn- unb Kanalnetz ist in ben letzten Jahren noch ein ausgebehnter Autobusverkehr über Land hinzu- getreten. Das Eisenbahnwesen leibet allerdings an einem ständigen Defizit, außerdem aber noch an mangelnder Sicherheit, die häufige kleinere unb größere Unfälle zur Folge hat. Die Franzosen sind

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Von Joachim Jaenicke, Grenoble.

Frankreich ist ein Bauernland."Frankreich ist ( ein Land, das noch heute im 19. Jahrhundert lebt. In diese beiden Sätze glaubte ber Versatz er seine Erfahrungen über Frankreich zusammenfassen zu - Können. Unb eines Tages fiel ihm wie zur Bestäti­gung ein Buch von Andre Siegfried m die Hande, un bem folgenber Satz stand: Durch seine soziale Bildung bleibt Frankreich selbst nach einem Jahr- khundert industrieller Entwicklung im Wesentlichen eine Nation von Bauern, Handwerkern und Bourgeois."

, Frankreich ist ein Bauernland." Die Land­wirtschaft ernährt 54 v. H. der französischen Bevölke­rung während nur 20 v. H. der englischen Bevölke­rung von der Landwirtschaft leben. Von 8 600000 Bauern sind rund 5 000 000 ihre eigenen Herren! Hier zeigt sich sogleich ein Hauptmerkmal der ranzöfischen Wirtschaft überhaupt: der kleine und ber mittlere felbftänbige Betrieb überwiegt! Die Inbustrie spielt in Frankreich nur eine zweite Rolle, ja, sie ist oft nur □on totaler Bebeutung. In Frankreich finb von 21720 000 werktätigen Menschen nur 6 181000 Per- onen ober 28 v. H. in der Industrie beschäftigt. Don Siefen 6 181 000 sind 19 v. H. selbständige Arbeiter und 11 v. H. sogar Unternehmer! Die entsprechenden englischen Zahlen lauten: 6,3 v. H. selbständige Ar­beiter und 3 v. H. Unternehmer. Als kurz nach dem Kriege in England und Frankreich eine gewisse Kon- unftur herrschte, zählten die englischen Gewerk- chaften mehr als acht Millionen Mitglieder, wäh­rend die französischen nicht mehr als eine halbe Million Mitglieder hatten. Frankreich hat also eine ehr ausgeglichene wirtschaftliche Struktur, die viele Vorteile hat. In guten Zeiten sind die Gewinne nicht i'o hoch, in schlechten Zeiten jedoch ist die Wirtschaft _im so krisenfester. Ein Beweis dafür ist die Tat­sache, daß in Frankreich die Arbeitslosenfrage nie­mals zu einer solchen entscheidenden Sorge wie in Deutschland oder England geworden ist. In der konservativen und stets etwas mißtrauischen Art Lines Bauern liebt es der Franzose auch nicht, [fein Geld in große, Kapital erfordernde Unter­nehmungen zu stecken. Er bevorzugt die Sparkassen, !*)ie daher sehr hohe Einlagen haben. Infolgedessen gibt es auch in Frankreich nicht solche riesigen pri- Matwirtschaftlichen Kapitalansammlungen wie in

Zeitschriften.

Das Innere R e i ch". Zeitschrift für Dichtung, Kunst und deutsches Leben. Herausgeber: Paul A l v e r ö e s und K. B. von Mechow. Preis 1,80 RM. Vierteljährlich 4,80 RM. Verlag Albert Langen/Georg Müller in München. Das reich­haltige Januarheft verdient besondere Beachtung im Hinblick auf den bevorstehenden 70. Geburtstag des großen deutschen Dichters Emil Strauß. Ein Kapitel aus seinem kommenden RomanJungbrun­nen" ist ein Stück echter Dichtung, die sich aus­zeichnet durch die Musikalität ihrer Sprache und den Adel ihrer reifen Menschlichkeit. Don der er­fahrenen inneren Wandlung in der Begegnung mit diesem Dichter kündet Willi SteinbornsTagebuch mit Emil Strauß", das mancherlei Einblicke in dessen Werke gewährt. Unter den übrigen dichteri­schen Beiträgen sei besonders hingewiesen auf die neue ErzählungRauhnacht" von Joachim von ber Goltz, ferner auf bas ergreifenbe bäuerliche Le- genbenfpiel von Josef Martin Bauer unb auf bie Gedichte von Georg Britting, Erna Blaas, Adolf Beiß, Carola Schiel unb Fritz Diettrich. Ueberaus umfangreich ist in biefem Heft auch bas Kapitel Zu neuen Büchern". Im weiteren kommen bann Paul Alverbes zu Wort mit feiner in Danzig ge­haltenenAnsprache zur Woche bes beutschen Bu­ches", Karl Gerstberger mit einer sehr aufschluß­reichen Betrachtung über Haus- und Kirchenmusik in der Dolkssingbewegung unb Ronald Loesch mit einer wertvollen Studie über Josef Weinheber, die der geistigen Bedeutung dieses adeligen Dichters in vollem Umfang gerecht wird. Ein prächtiger Auf­satz über Michael Pacher bringt dem Leser (mit schönen Wiedergaben seiner Altarwerke) das geniale Schaffen dieses großen spätgotischen. Malers unb Biwschnitzers lebendig nahe.

Die Handlung erscheint einfach, übersichtlich unb reicht eben für drei abendfüllende Akte aus. Die Junge hübsche Gräfin Colette Planteroft ist (aus-l