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Arne Kalender aus das Lahr 1936

Feuerwehr mit ihrer langen Leiter erschienen würde. Nach einigen Minuten ertönte dann erlösende Rasseln der Feuerwehrwagen auf Landstraße, und wir beide, die wir im Korb blieben waren, Emmer zum Weiterbedienen

sein das der ge­bet

Heizvorrichtung, ich, um oben die Arbeiten der Wehr zu leiten, hofften, daß wir bald zur Erde kommen würden. Wir irrten: die Feuerwehr kam nicht zu uns! Ihr Führer behauptete, mit der Leiter nicht zu uns herankommen zu können. Da wurde es denn höchste Zeit, daß auch wir die Gondel verließen. Ich erhielt von Mannsbarth die Weisung, zuerst mich abzuseilen. Emmer sollte inzwischen die Hei­zung noch bedienen und mir dann schnell folgen. Gerade als ich mich auf den Korbrand schwang, muß irgendwie der Hebel zum Betriebsstoffbehälter geöffnet worden sein, und das absichtlich noch unter Druck gehaltene Petroleum spritzte heraus und stand im Nu in Flammen, die bis auf den Erdboden fielen und das Gras in Brand setzten. Ich war durch einen dicken Mantel und Handschuhe geschützt, so daß ich keine Verbrennung erlitt. Der geistes­gegenwärtige Emmer fand sofort den Hahn, schloß ihn, stellte den Druck ab, und in wenigen Augenblicken war der Brand gelöscht. Nun war es aber höchste Zeit, sich in Sicherheit zu bringen. Ich saß schon auf dem Gondelrand mit dem Tau in der Hand, das auch etwas von den Flammen abbekom­men hatte, und seilte mich sofort ab, Emmer folgte gleich darauf. In Zukunft werden die Hähne noch eine besondere Sicherung erfahren, und ein haltbares Tau wird mitgenommen. Trotz dieses Zwischenfalls lautet mein Urteil: Der Mareksche Ballon hat feine Brauchbarkeit vollkommen er­wiesen."

In Deutschland ist inzwischen auch ein ausgezeich­neter Brenner geschaffen worden, der mit Propan­gas von den Leunawerken gespeist wird. Wir sind auf dem besten Wege zu dem billigen Volks-Heiß- luftballon, mit dem man ohne kostspielige und zeit­raubende Füllung an allen Orten aufsteigen kann.

Generalfeldmarschall Herzog Albrecht von Württemberg beging Montag auf seinem Ruhe­sitz Schloß Bebenhausen bei Tübingen in stiller Zurück« gezogenheit feinen 70. Geburtstag. Als Füh­rer der 4. Armee und (vom Februar 1917 ab) der nach ihm benannten Heeresgruppe ist fein Name mit den Kämpfen und Erfolgen an der Westfront unlös­lich verbunden. (Scherl-Bilderdienst-M.)

Der gesteigerte Luftverkehr hat den Freiballon- Sport in verschiedener Beziehung zurückgedrängt. 9n manchen Ländern besteht bereits die Vorschrift, daß Luftfahrzeuge bei Nebel und in den Wolken nur dann fliegen dürfen, wenn sich Funkpeilgeräte und ein ausgebildeter Funker zu deren Bedienung an Bord befinden. Daraus ergeben sich natürlich we­sentliche Einschränkungen, ebenso aus den Lan- dungsschwiengkeiten, die dadurch entstehen, daß der Verwendung des Schlepptaus wegen der starken Zunahme der oberirdischen Starkstromleitungen Grenzen gesetzt sind. Nicht zu vergessen ist auch die Kostspieligkeit des jetzigen Freiballonsports. Unter diesen Umständen ist der alte Heißluftballon, die Montgolfiere, wieder zu neuen Ehren gekommen. Sie hat den Vorteil, sich in jeder Höhe, also auch unter den Wolken, halten und auf kleinsten Plätzen zur Landung gebracht werden zu können. Schon lange hat man Versuche unternommen, eine Heiz- vorrichtung für Heißluftballone zu schaffen, die sich während der Fahrt als brauchbar erweist.

Mit dem Heißluftballon des Oesterreichers Brunner sind im vorigen Jahr bereits befrie­digende Ergebnisse erzielt worden. Dann haben im Frühling dieses Jahres in Oesterreich zwei Wiener, Marek und Emmer, unter Mithilfe des Tech­nikers M ü l l n e r eine Freiballonfahrt unternom­men, bei der ein besonders konstruierter Petroleum­brenner Verwendung fand. Der Ballon hatte ein Gewicht von über 364 Kilogramm. An dieser Fahrt hat Major a. D. Dr. Hildebrandt teilgenom­men und beschreibt den Verlauf in der Frankfurter WochenschriftDie Umschau" wie folgt:

Am 15. Oktober war das Gerät gegen Abend betriebsbereit, allerdings nur mit einem Brennersatz, trotzdem und obwohl die Dunkelheit nahe war, be­stand ich auf einer Fahrt. In 15 Minuten zog der Ballon drei Personen: den bekannten österreichischen Luftschiffbauer und -führer Oberstleutnant Manns­barth, Emmer und mich. Da aber der beim Abwiegen auf dem Korbrand sitzende Erfinder Marek auch noch spielend getragen wurde, gab dieser plötzlich das Kommando zum Loslassen und prang ebenfalls in die Gondel. Das war mir eigentlich nicht recht, da es besser gewesen wäre, daß wir nicht so stark belastet waren. Wir hatten vor, nur einen kurzen Sprung zu machen und auf einem vorher bezeichneten Felo zu landen, um nicht in der Dunkelheit in einem in der Windrichtung liegenden, stark besiedelten Gebiet zu landen. Als wir niedergehen wollten, ließen wir aus Mangel an Erfahrung die Flamme zu stark drosseln, so daß wir doch den Fall nicht schnell genug bremsen konn­ten und in eine Gruppe hoher Pappeln gerieten, welche nur zehn Meter von dem geplanten Lande­platz entfernt standen. Es rächte sich auch die zu tarfe Belastung mit vier Personen. Die Hülle legte ich auf die Aeste der Bäume, und ein Ast riß ein Loch in den Stoff. Die Gondel schwebte in 18 Me­

ter Höhe frei in der Luft. Wir stellten sofort die Flamme wieder voll an, um der Hülle Auftrieb zu geben, aber der Stoff löste sich nicht mehr aus dem Geäst.

Es blieb uns nichts weiter übrig, als die Feuer­wehr durch Zuschauer alarmieren zu lassen. Als nach 30 Minuten die Freiwillige Feuerwehr von Schwechat, das nur zwei Kilometer von der Lande­stelle entfernt liegt, noch nicht erschienen war, wurde die Sache peinlich, denn in Kürze mußte der Brennstoff verbraucht fein, womit der Auftrieb zu Ende gegangen war und der netzlose Ballon zur Erde stürzen mußte. Da tauchte der Techniker M ü l l n e r am Stamm des Baumes, einige Meter seitlich und über uns auf und warf uns einen Strick zu. Mit diesem seilten sich nacheinander der Marek und Oberstleutnant Mannsbarth ab, dieser, um das Kommando unten zu übernehmen, sobald die

Montgolfier kommt wieder zu Ehren

Abenteuerliche Fahrt im Heißlust-Ballon.

Oie Chorvereine verlangen sachliche Kritik.

SBK. Das vorn Deutschen Sängerbund für alle Mitgliedsvereine verpflichtende Wertungssingen sieht auch eine mündliche und schriftliche Kritik Der Lei« ftungen vor, die in streng sachlicher Form von Fachleuten mündlich in unmittelbarem Anschluß an das Wertungssingen und später in einem schriftlichen Gutachten erteilt wird. Die mit der Durchführung des Wertungssingens beauftragten Gaue legen den größten Wert auf eine fachliche, auf Fachwissen ge­stützte kritische Besprechung.

So schreibt der Berichterstatter des Gaues Hessen in einem Rückblick auf die Tätigkeit der Wertungsrichter in diesem Jahre:Als Kritiker haben sich einige sonst ausgezeichnete Fachleute nicht bewährt, da sie nicht mit genügender Schärfe Mißstände zu geißeln wußten, sondern in über« großer Freundlichkeit eigentlich alles lobten, auch das, was herzlich schlecht war. Der Gau legt Wert auf Wahrhaftigkeit bei der kritischen Besprechung, auch die Wahrheit kann in einer Form vermittelt werden, die nicht entmutigt oder arbeitsuntuftig macht, sondern die aufbaut und Wege weist. Wenn also ein sehr namhafter Kritiker einer Anzahl schlecht singender Vereine sagte, mit solchen Leistungen hät­ten sie keinerlei Daseinsberechtigung, und mit so miserablen Leistungen machten sie nur die Sache des Chorgesangs und des deutschen Liedes vor der All­gemeinheit lächerlich, so steht die Gauleitung un­bedingt zu diesen sehr richtigen und wahren Aus­führungen. Grober Unfug muß rücksichtslos und im Sinne unserer Kulturbewegung energisch als solcher gebrandmarkt und erkannt werden, ganz de- sonders, wenn es sich in größeren Städten um Vereine handelt, die seit Jahren im Winterschlaf hegen und mehr für die Wirtshausgeselliqkeit als für künstlerisches Wirken zu bestehen scheinen. Ge- rade die übergroße Zahl wenig leistungsfähiger Stadtvereme neben den wenigen großen und wirk­lich kulturell tätigen Vereinen bestätigt diese Ansicht. Ganz anders ist es auf dem Lande. Da haben wir in unserem Gau Bezirke, die in jeder Beziehung als vorbildlich hingestellt werden können, während an manchen weitabgelegenen Orten bescheidene Ver­eine mit wenigen und nicht sehr stimmbegabten Sängern und mäßig vorgebildeten, aber mit größter Aufopferung arbeitenden Chorleitern für bescheidene Leistungen nicht etwa Tadel, sondern ermutigende Anerkennung und durch geschickte Anregungen und Weiterbildung des Chorleiters sachgemäße Unter­stützung brauchen. Der Kritiker muß so bestellt werden, daß er auch diesen Dingen Rechnung tra­gen kann."

möchte doch mit Goethe sagen:Das Inferno selbst hat seine Gesetze!"

Die individualistische Konzeption Frankreichs steht heute vielfach im Widerspruch zu der anderer Staaten, die in der Weltpolitik entscheidend sind. Die bürgerliche, individualistische Lebensform will Frankreich bewahren, sie muß es heute nach innen und nach außen verteidigen. Die Franzosen scheinen oft im Vergleich mit anderen Völkern ein älte­res Volk zu sein. Die angesammelten Reichtümer, an deren Mehrung und Erhaltung sie weiter ar­beiten, wollen sie in Ruhe genießen. Das Rent­ner l e b e n gilt als Ideal des Franzosen. Um aber in Ruhe leben zu können, muß ersiche r" sein. Sicherheit" heißt deshalb das Schlüsselwort der französischen Außenpolitik. Frankreich ist saturiert, sein einziges Interesse ist es, den Status q uo aufrecht zu erhalten, so wie er 1918/19 sehr zu feinen Gunsten geschaffen wurde. Daher dieses ge­waltige System von Sicherheitspakten, Militärbünd­nissen und Rückoersicherungsverträgen. Frankreich ist der größte Befürworter des Systems der kollek­tiven Sicherheit. Durch dieses System soll erreicht werden, daß bei einem Angriff auf Frankreich so­fort eine Reihe anderer Staaten mitverwickelt wird, und daß deshalb der Angreifer von vornherein den Angriff scheut, weil er eben weiß, daß er nicht nur einen Staat vor sich hat. Frankreichs starre Politik verursacht aber oft mehr Unruhe in Europa als Ruhe, weil es sich dem Fluß der Dinge ent­gegenstellen will und dies doch unmöglich ist. Dar­um heißt das Sicherheitsproblem, von französischer Seite betrachtet, zugleich deuLjch-chrau-

Der Köhlersche Fliegerkalender 19 3 6, Verlag von Wilhelm Köhler in Minden in Westfalen (433) bringt auf 2£0 Seiten mit über hundert Bildern eine Fülle an Unterhaltung, Wissen und Belehrung aus allen Gebieten der Flie­gerei. Es begegnen uns ausgezeichnete Namen, wie Dr. Orlvvius vom Reichsluftfahrtministerium, Oberst v. Abercron, SS.-Oberführer Teetzmann, Admiral Mahrholz, Major Lehmann, Lindbergh und Pic- card u. v. a. unter den Verfassern. Fliegererlebnisse aus Krieg und Frieden, Erzählungen von Luftschiff­angriffen und Freiballonfahrten, von Nacht- und Sturmfliegen wechseln in bunter Folge mit Bei­trägen über Segelfliegerei, über Luftsport und Ver­kehrsluftfahrt, über die Luftwaffe und den Luft- chutz ab. Dazu noch interessante Zusammenstellun- jen über die ausländischen Luftstreitkräfte, Flug­trecken, Verkehrszahlen, die Luftpostgebühren und vieles andere. Preis 1,30 Mark.

Deutscher Reichspost - Kalender 19 3 6. Herausgegeben mit Unterstützung des Reichspostministeriums. Preis 2,80 RM. Konkor­dia-Verlag Leipzig CI. (547) Der achte Jahrgang des Deutschen Reichspost-Kalenders soll Zeugnis dafür ablegen, wie die Deutsche Reichspost unter Ausnutzung aller technischen Fortschritte und Hilfsmittel bemüht ist, dem deutschen Volke lei­tungsfähige Betriebs- und Verkehrseinrichtungen zur Verfügung zu stellen. Der Zweck des Kalenders oll ferner fein, die bequemsten und wohlfeilsten Benutzungsmöglichkeiten der Reichspost zu erklären, das Wissen um ihre Bedeutung als gemeinnützige öffentliche Einrichtung im Dienste der Volksgemein- chaft zu vertiefen und die Berufsarbeit des Perso­nals der Deutschen Reichspost anschaulich und le­bendig der Allgemeinheit näher zu bringen. Der neue Jahrgang bringt eine Fülle von anregendem Stoff. Die 128 bebilderten Blätter erzählen abwechs­lungsreich vom Brief- und Paketdienst, vom Scheck- und Geldverkehr, vom Landpostwesen, von Fern- precher, Telegraph, Funk uyd Fernsehen, Kraftpost

auch fein reisefreudiges Volk. In Deutschland ist das ganz anders, und wer Japan kennt, weiß, wie gern die Japaner reifen, und mit welcher Pünktlichkeit die Zuge auf die Sekunde genau eintreffen und ab­fahren. Ein Vergleich mit Japan liegt auch auf dem Gebiete der Wasserkräfte nahe. Die Dauphins, deren Hauptstadt Grenoble ist, ist besonders reich an weißer Kohle", und man beutet sie auch aus. Aber der Grad der Ausbeutung läßt sich keineswegs mit dem vergleichen, was der Verfasser in Japan au einer einzigen Fahrt zwischen Matsumoto und Kami- kochi sah.

Frankreich ist weniger industrialisiert, rationali­siert, mechanisiert, das Leben fließt geruhsamer, we­niger nervenaufreibend als in den Ländern, die man vielleicht als mehramerikanisiert" bezeichnen könnte. Der größte Teil Frankreichs liegt schon so weit südlich, daß die Lebensbedingungen viel leichter sind als in den wichtigen Teilen Deutschlands. Der bäuerliche, kleinbürgerliche Charakter Frankreichs spiegelt sich auch in der Tatsache, daß Frankreich keine Großstädte, etwa im deutschen Sinne des Wortes, hat. Lyon und Marseille, beide mit je rund 3/4 Millionen Einwohnern, streiten sich um den Rang der zweitenStadtFrank- Reichs. Trotz ihrer Größe läßt sich ihre Bedeu­tung nicht mit der gleichgroßer deutscher Städte vergleichen. Diese Erscheinung hat nicht nur wirt­schaftliche, sondern auch geschichtliche Ursachen. Die heutigen deutschen Großstädte besaßen ihre Be­deutung oft schon Jahrhunderte vor der Industri­alisierung infolge ihrer politischen Stellung! In Frankreich war das nicht der Fall. Seit dem Aus­gang des Lehnswefens schritt die Zentralisie­rung aller Kräfte des Landes in Paris immer weiter fort und wurde durch die Revolution end­gültig besiegelt. Die Zentralisierung geht bis ins kleinste. Als Beispiel sei hier angeführt, daß z. B. die Prüfungsthemen für das Baccalaureat (Ab­schlußprüfung der Gymnasien, etwa dem deutschen Abiturientenexamen entsprechend) auch in der Pro­vinz aus Paris kommen. In Frankreich gibt es auch keine große selbständige, meinungbildende Pro­vinzpresse. Die Pariser Blätter haben Millionenaus- lagen und werden im ganzen Lande gelesen. Diese Zentralisierung des Landes ist eine Stärke, aber sie hat auch ihre Schattenseiten. Das kulturelle Leben im Lande ist eintöniger und dürftiger. So kommt es, daß die Franzosen sagen, die Hochschulen und die Universität seien nur in Paris von erstem Rang. Wer über den Durchschnitt herausragt, wer etwas werden will, der geht nach der Hauptstadt.

Die Verwaltung ist das Muster einer Zen­tralverwaltung und arbeitet im allgemeinen gut. Wegen ihrer oft nicht zu leugnenden Schwerfällig­keit wird sie gern mehr oder weniger freundlich von der Bevölkerung, in Witzblättern und Filmen be­krittelt und lächerlich gemacht. Das Post- und Ra­diowesen nimmt unter dem jetzigen Minister einen merkbaren Aufschwung. Die Polizei ist in Frankreich in den Städten immer Gemeindepolizei, Ausnahmen sind die Häfen Brest und Toulon. Auf dem Lande ist die Gendarmerie staatlich.

Das Heer ist beliebt und hat, da die allgemeine Wehrpflicht besteht, eine ebenso große erzieherische, wie militärische Aufgabe. Der Franzose ist aber nicht mit solcher Hingabe Soldat wie der Deutsche, Disziplin und Drill sind ihm unangenehm. Das Offizierkorps nimmt im Leben der Nation nicht die Stellung ein, die es etwa in Deutschland oder Ja­pan innehat. Seit dem Kriege steht es allen Gesell­schaftsschichten offen. Es ist keineswegsfeudal", was sich z. B. an kleineren Äußerlichkeiten zeigt: Offiziere fahren in Uniform zu Rad und gehen auf der Straße meist ohne Handschuhe. Auf die Aehn- lichkeit des französischen mit dem deutschen Schul­wesen wurde schon hingewiesen, es bleibt nur : noch zu bemerken, daß in französischen Schulen kei- 1 nerlei Sport getrieben wird. Jeder Donnerstag ist : schulfrei.

Konservatismus und Sparsamkeit beweist der Franzose überall im täglichen Leben. Er entschließt sich nicht leicht zu Neuanschaffungen: 1 oft legt er mehr Wert auf Billigkeit als auf gute i Qualität. Das Bon-System hat in Frankreich weiteste Verbreitung gefunden. Oft erkundigen sich die Käufer eines Lebensmittelgeschäfts z. B., was für eine Gratisgabe es gibt, wenn sie für hundert Frank gekauft haben! Sie wollen wissen, ob es für Lebensmitteleinkäufe in dieser Höhe eine Halskette oder einen Füllfederhalter oder sonst irgendeine Sache umsonst zu erwerben gibt, die mit dem < eigentlichen Zweck des Geschäfts, nämlich Lebens- ' mittel zu verkaufen, nichts zu tun hat. -

Gilt Frankreich als das erste Land der Damen- - moben, fo ist nicht zu viel behauptet, daß man i nicht leicht anderswo so viele schlecht und unmodern angezogene Männer finden wird wie hier. Auf Aeußerlichkeiten legt der Franzose keinen großen Wert. Große Bedürfnislosigkeit in seinem täglichen Leben, wie in seinen Vergnügungen zeichnet ihn aus. Die Gegenstände des Alltags, die ihn um- i geben, sind meist unmodern oder wenigstens stark verbraucht. Seine Wohnungen sind für deutsche Be­griffe ungewöhnlich verwohnt und besonders in hygienischer Hinsicht zurückgeblieben. Badezimmer 1 und fließendes Wasser sind keineswegs Selbstver- i ständlichkeiten, sondern selbst in besseren Häusern 1 immer noch ein Luxus. Häuser, staatliche Gebäude, I Bahnhöfe, Bahnen sind in der Regel völlig an­spruchslos eingerichtet und nicht sehr gut gehalten.

Frankreich ist ein Land, das noch heute im 19. Jahrhundert leb t." Wenn man die fran­zösischen Zeitungen liest, politische Debatten, die i Reden der Minister hört, wenn man schließlich mit den Franzosen selbst spricht, so wird man immer : in vielen Abwandlungen ein Gemeinsames fest- . stellen können, nämlich: Das gesamte Leben und besonders das politische Leben des franzö- sischen Volkes ist noch immer beherrscht von dem Ideengut, das in der großen Revolution geschaffen i worden ist.Am Ende des 18. Jahrhunderts war i der französische Mensch fertig." Der Franzose ist Individualist. In seinem Lande hat die Masse ' nie eine solche Rolle gespielt, wie in den stärker industrialisierten Ländern. Diese bemühen sich um : Kollektivlösungen ihres staatlichen Lebens. Frank- . reich ist in dieser Beziehung zurück oder vielleicht weiter, jedenfalls hat es diesen Weg nicht mitge- I macht.

Innenpolitisch stehen sich heute drei Fronten gegenüber. Auf der Rechten die Ligen. Die wich- tigere ist die LigaCroix de Feu unter der < Führung des Obersten de la Rocque. DasCroix de Feu ist keine Partei im eigentlichen Sinne, I sondern eine Bewegung, die dem Nattonalsozialis- i mus ähnlich ist und eine Erneuerung des gesamten : politischen Lebens Frankreichs erstrebt. Sie gilt als : gut mit Waffen ausgerüstet. Ihr zur Seite steht, 1 allerdings mit ganz anderen Zielen, öieAction 1 f r a n ? a i s e, die royalistische Bewegung. Geführt : von einigen bedeutenden Köpfen, u. a. Daudet, dem I Sohn des berühmten französischen Dichters, strebt sie die Restauration der Bourbonen an. Sie zählt : ober nur ungefähr 40 000 eingeschriebene Mit- i gliedex. Der Kronprätendent daxf Frankreich nicht <

betreten und lebt in Belgien. Diesen beiden Rechts­oerbänden steht in schärfster Kampfstellung die Front p o p u 1 a i r e gegenüber, in der sich Kommunisten und Sozialisten vereinigt haben. Zwi- chen diesen beiden Fronten steht als Mitte die ;roße Masse des Bürgertums von den Radikal- o z i a l i ft e n über die Republikaner bis zu den Demokraten Tardieus. Herriot, der Führer der Radikalsozialisten, sympathisiert stark mit der Front populaire, aber der größte Teil seiner Partei sträubt sich dagegen, mit den Sozialisten und Kommunisten gemeinsame Sache zu machen. Die letzten Wahlen zu einem Drittel des Senats zeigten, daß es den radikalen Flügeln bisher nicht gelungen ist, in die noch immer dominierende Stel­lung der Mitte eine Bresche zu legen. Dem fran­zösischen Charakter nach zu urteilen, wird das auch immer das Normale bleiben. Der Franzose ist stolz auf dassquilibre", das Maßhalten, das er in allen Dingen des Lebens bewahrt. Deshalb wünscht er es auch in der Politik. Es ist aber nicht zu leugnen, daß die Korruption, die unter den regie­renden Parteien herrscht, deren Stellung erschüttert hat, und der jetzt laufende Prozeß Stavisky wird noch einiges in derselben Richtung hinzutun. Andrs Siegfried sagt in feinem Buche über die französischen Parteien, der außenstehende Beobach­ter des französischen politischen Lebens fühle sich leicht veranlagt, mit Hamlets Worten darüber zu urteilen:1t fc a tale, told by an idiot, full of sound and fury, signifying nothing. Er als Ken­ner aber, der sich sein ganzes Leben nur mit dem SttLium dec französischen Demokratie besaßt habe.

zosische Problem. Auf der einen Seite das befriedigte Frankreich, auf der anderen Deutschland, dem man so viel von feinem Lebenswichtigsten ge­nommen hat, das aber geladen ist mit tausend Energieen, die nach Betätigungsraum drängen! Eine große englische Zeitung schrieb anläßlich der scharfen englisch-französischen Diskussion über die Sanktionen gegen Italien, daß die französische Politik im Grunde immer nur um das deutsch- französische Problem kreise. Ob es sich da um Polen handle oder um das Bündnis mit Sowjetrußland oder um feine Einstellung zum italienischen Feld« zuae in Abessinien, sei einerlei. Im Hintergrund stehe die Frage:Wie verändert die und die Stel« lungnahme meine Position zu Deutschland?" J

Dabei war es dem Verfasser oft geradezu er« staunlich, wie sachlich zurückhaltend und wenn autfi nicht ohne Furcht, so doch ohne Haß und eigentlich voll geheimer Hochachtung die französische Haltung Deutschland gegenüber war, während die englische Politik und auch das englische Wesen die schärfsk Ablehnung, ja geradezu Haß erfuhren. DieFront populaire* ist allerdings aus parteipolitischen Grün­den für England, weil sie für die Sanktionen ein­tritt. Als die bekannte WochenzeitschriftGringoire" einen wahren Haßgesang auf England in Form einer langen geschichtlichen Abrechnung brachte, er­höhte sich ihre Auflage in zwei Wochen um 110 000 Exemplare. Die Demarche des englischen Botschaf­ters wegen dieses Artikels war ohne Erfolg. Italien gegenüber zeigte sich dagegen eine begeisterte, von Brudergefüylen getragene Hinneigung und Anteil­nahme. Die Abneigung gegen England stammt hauptsächlich aus dem Weltkrieg. Augenzeugen er* zählten dem Verfasser, daß sich ihre Verbündeten chlimmer benommen hätten als die deutschen Jnvasionsarmeen, die stets korrekt das Gut der Einwohner geschont hätten.

Im Grunde genommen ist der Franzose ein Mensch, der sich für die große Weltpolitik nicht sehr interessiert. England lebt in erster Linie in feinem Weltteich und denkt für dieses Reich. Anders Frankreich. Selbst wenn es Akttonen weltpolitischen Ausmaßes unternimmt, so tut es das nur im Hin­blick auf feine europäische Stellung. Frankreich denkt in europäischen Grenzen, obwohl es Kolonien in allen Weltteilen besitzt. Frankreich lebt in Europa.

und Luftpost. Weniger bekannte Einrichtungen, Ver­besserungen und Neuerungen der Deutschen Reichs­post finden eine anschauliche Würdigung. Eine An- zayl von Blättern berichtet über die sozialen Ein­richtungen. Zwei Kalendarien bilden den Schluß.

Deutscher Reichsbahn-Kalender 1 9 3 6. Herausgegeben vom Pressedienst der Deut­schen Reichsbahn. Konkordia-Verlag, Leipzig. 160 Blätter. Preis 3,20 RM. (586) Der oorli^genbe 10. Jahrgang wendet sich direkt an den deutschen Menschen. Der deutsche Eisenbahner will als Volks­genosse zum Leser und Beschauer sprechen und ihm sagen:Was dir die Reichsbahn fein will." Die Ka­lenderblätter sprechen von den verschiedensten Dienst­zweigen, von den Leistungen im Reisedienst oder im Güterverkehr, von der Beförderung froher Kraft-durch°Freude"-Urlauber und von den großen Transportausgaben, wie sie gipfeln in dem Zusam­menwirken aller Eisenbahner für den Reichspartei­tag in Nürnberg. Darüber hinaus wird von der Bedeutung Der Reichsbahn als Nationalvermögen und größtem Verkehrsunternehmen, als Arbeitgeber und als Auftraggeber für die deutsche Wirtschaft ge­sprochen.

KalenderfürGeflügelzuchterl93 6. Jahrbuch der im Reichsoerband Deutscher Kleintier­züchter zusammengeschlossenen Geflügelzüchter und -Halter. 38. Jahrgang. 610 Seiten mit 116 Abbildun­gen und zwei Farbtafeln. Halbleinen 1 RM. Ver­lag Fritz Pfenningstorff, Berlin W 57. (580) Außer dem üblichen Kalendarium enthält der Ka­lender einen starken Textteil, in dem erfahrene Prak­tiker Winke über alle Frage der Geflügelzucht geben, wie Selbstbau einfacher Ställe und Geräte, billigste Fütterung, Beurteilung des Geflügels nach äußeren Merkmalen, allerlei Knfffe bei der Brut und Auf­zucht, Beschreibung der verbreitetsten deutschen Ras­sen, Erkennung und Heiluyg von Geflügelkrankheiten usw. Auf 67 Seiten sind die für die Praxis wich­tigen letztjährigen Forschungsergebnisse der deutschen Geflügelzucht-Versuchsanstalten zusammengefaßt.

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