Ausgabe 
27.12.1935
 
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Laval vor neuem Kampf mit dem Parlament.

Paris, 27. Dez. (DNB. Funkspruch.) Die Pa­riser Presse beschäftigt sich eingehend mit einem Ministerrat am Donnerstag, der verhältnismäßig kurz gewesen sei im Gegensatz zu einer langen Un­terredung Herriots mit dem Präsiden­ten der Republik. Die Meinungen über die Gründe dieser ausgedehnten Unterhaltung gehen natürlich auseinander. Während die einen behaup­ten, es habe sich um eine der üblichen Unterredun­gen gehandelt, die der Präsident von Zeit zu Zeit mit einflußreichen politischen Persönlichkeiten über die politische Lage führt, behaupten andere, Herriot habe ursprünglich die Absicht gehabt, seinen Rücktritt einzureiä)en. Er habe sich erst auf ein­dringliche Vorstellungen des Präsidenten dazu ent­schlossen, der Regierung solange treu zu bleiben, bis der Haushalt unter Dach und Fach gebracht ist. Herriot selbst hat sich nach der Un­terredung mit dem Präsidenten geweigert, auch nur die geringste Erklärung abzugeben.

Man rechnet damit, daß Herriot im Verlauf der Kammeraussprache noch einmal versuchen wird, seine Parteigenossen Dort der Notwendigkeit xu über­zeugen, einen Regierungssturz im Augen­blick zu vermeiden. Nichtsdestoweniger glaubt man, daß die große Mehrheit der Radikalsozialisten entweder gegen die Regierung stimmt oder sich der Stimme enthalten wird. Man ist aber der Ansicht, daß Laval noch einmal eine wenn auch geringe Mehrheit auf sich vereinigen wird. Man spricht von 20 bis 30 Stimmen. DasOeuvre" ist der Auffassung, daß der größte Teil der bisherigen Mehrheit auch diesmal wieder der Regierung folgen wird. Zugunsten Lavals spreche vor allem die Tat­sache, daß die Frage der Bünde noch nicht geregelt sei und auch der Haushalt nicht vor Dienstag verabschiedet werden könne. Gegen ihn spreche allerdings die unerbittliche Feind­schaft der Linken und die allgemeine ner­vöse Spannung der parlamentarischen Kreise, die ihren Ausdruck darin finde, daß schon jetzt Namen für den etwaigen Nachfolger des Mini- sterpräsidenten genannt würden. Darunter an erster Stelle Flandin, Mandel und Kammerpräsident Bouisson.

Die Kammeraussprache beginnt heute Nachmit­tag. Laval wird wahrscheinlich als erster die Red­nertribüne besteigen, um eine lange außen­politische Erklärung zu verlesen.

Ein Antrag aus Auslösung her Freimaumlogkn.

Paris, 27. Dez. (DNB. Funkspruch.) Im Zu­sammenhang mit der am Samstag in der Kammer erfolgenden zweiten Lesung über die Bünde er­klärt ein Antrag des rechtsgerichteten Abgeordneten Dommange, Kammer und Senat hätten be­schlossen, daß gewisse Vereinigungen aufgelöst wer­den müßten, da sie gefährliche Entwicklungen dar­stellten. In dem selben Geiste fordere er die gleiche Maßnahme gegen geheime Vereinigun­gen, wozu die Freimaurerlogen zu zählen seien. Er werde der Kammer eine Reihe von Unter­lagen vorlegen, deren Echtheit nicht bestritten wer­den könne. Diese Unterlagen würden den Beweis dafür liefern, daß die Freimaurerlogen eine für die Sicherheit des Staates gefährliche Tätigkeit aus­

übten. Zur Widerlegung eines Gegenantrages des radikalsozialistischen Abgeordneten G u e r n u t auf Auflösung einer Reihe religiöser Gesell­schaften, denen derselbe Charakter zuzuschreiben sei, will Dommange beweisen, daß über die Frei­maurer keine einzige legale Veröffentlichung vor­liege, wie dies nach den bestehenden Polizeigesetzen notwendig sei, während die religiösen Vereinigungen sich genau an diese Gesetze hielten, und man ihre Satzungen in jeder Bibliothek und sogar in den Archiven der Kammer finden könne.

Frankreich

und die Flottenkonserenz.

Gegen eine angelsächsischeBormachtstellung.

Paris, 27. Dez. (DNB. Funkspruch.) Kriegs­marineminister P i 6 t r i äußerte sich imPetit Journal" über die Schwierigkeiten der Londoner Flottenkonferenz. Die amerikanische und die britische Marine hätten von jeher ver­sucht, ihre Vorrang st ellung zu behaupten, eine Neigung, gegen die sich nicht nur Japan wehre, sondern die auch bei Frankreich auf starke Gegnerschaft stoße. Frankreich halte es außerdem für gefährlich, sich a u f mehrere Jahre

im voraus zu binden, weil die gegenwärtige Lage sich ändern könne. Man müsse sich viel­mehr darauf beschränken, unter den Flottenmächten gegenseitiges Vertrauen herzustellen und sich jedes Jahr das F l o t t e n b a u p r o - gramm mttzuteilen. Dann könne man an andere Vereinbarungen gehen, wie beispielsweise an die Beschränkung der einzelnen Einheiten, aber nicht die der Gesamttonnage.

Man könne schon jetzt mit Bestimmtheit erklären, daß keine Rede davon sein könne, die gegen­wärtigen französischen Neubauten aufzugeben. Es würden auch Fragen aufgeworfen werden, die eher politischen als maritimen Charakter hätten, so beispielsweise die des Stillen Ozeans und die des Mittelmeers. Vielleicht sei es auch nicht ausgeschlossen, daß man über die Nordsee spre­chen werde, besonders mit Rücksicht auf das deutsch-englische Flottenabkommen. Frankreich werde an allen erweiterten Aussprachen teilnehm en. Die Macht seiner Flotte und die Ausdehnung seines Weltreiches machten es ihm zur Pflicht, seinen Willen und seine Macht zu beweisen. Er werde nicht an der Vertei­digung Frankreichs auf dem Messer rühren lassen, weil er sie für die Sicherheit des Landes als un­bedingt notwendig erachte.

Die Verlängerung der Dienstzeit in Frankreich.

Paris, 26. Dez. (DNB.) Die Kammer befaßte sich am Donnerstagnachmittag mit dem Gesetz, das die Bestimmungen über die Rekrutierung im Sinne des inzwischen beschrittenen Weges der D i e n st - Zeitverlängerung abändert. Die Verlänge­rung der Dienstzeit beträgt nach dem neuen Gesetz 6 Monate für die im April 1935 einberufenen Rekruten und 12 Monate für die folgenden Jahrgänge bis zum Jahre 1945 unter dem Vorbe­halt, daß die außenpolitische Lage oder die Einstel­lung von langdienenden Berufssoldaten eine Mil­derung dieser Bestimmungen gestatten sollten. Das Gesetz wird mit dem zahlenmäßigen Rück­gang der Rekrutenjahrgänge infolge des Geburtenausfalls während des Krieges be­gründet. Während die Jahresklasse 1934 noch 226 000 Rekruten aufwies, ist diese Zahl 1935 auf 145 000 zurückgegangen und wird 1936 sogar nur 112 000 betragen. Dann -mirb sie langsam wieder steigen. 1937 rechnet man mit 122 000 Rekruten, 1938 mit 141 000, 1939 mit 162 000, 1940 mit eben­falls 162 000 und 1941 bereits wieder mit 260 000.

Das neue Gesetz gibt dem Krtegsminister das Recht, das wehrpflichtige Alter allmäh­lich bis zu 12 Monaten herabzusetzen und die Einstellung der Rekruten zu dem vom Kriegsminister für zweckmäßig erachteten Zeitpunkt vorzunehmen. Das bedeutet die Abkehr von der bis­herigen Hebung, die fälligen Jahrgänge in zwei Jahreshälften, im April und im Oktober einzustel­len. In Zukunft wird die Einstellung des ganzen Jahrganges im Oktober vorgenommen werden.

Kriegsminister Fabry

empfahl der Kammer, den vom Heeresausschuß ge­billigten Wortlaut unverändert anzunehmen. Er

suchte der Kammer mit übertriebenen Schilderungen der deutschen Rüstung Angst zu machen. Die vor­übergehende Dienstzeitverlängerung sei erforderlich, nicht nur, um den Ausfall der rekrutenarmen Jahre 3U decken, sondern auchwegen der inten­siven Ausrüstung Deutschlands, die öffentlich von der deutschen Regierung eingestanden sei." Gegenüber den 800 000 Mann, die Deutschland unter den Waffen habe, verfüge Frankreich im Mutterlands über höchstens 400 000 Mann. Man könne diesen Bestand nur aufrechterhalten, in dem man allmählich das wehrpflichtige Alter herabsetze, ohne dabei das 20. Lebensjahr zu unterschreiten. Ab­gesehen von der Frage des Effektivbestandes seines Heeres könne Frankreich mit dem Stande seiner Verteidigung zufrieden sein. Der Kriegsminister äußerte sich lobend über die motorisierten Ein­heiten. Seit dem Jahre 1918 habe die französische Armee sich gut entwickelt. Ihr materieller und mo­ralischer Zustand sei sehr befriedigend.

Ministerpräsident Laval erklärte, Kriegsminister Fabry habe die Vertrauensfrage gegen den Antrag gestellt, der eine Verminderung der Effektivbestände um etwa 16000 Mann zur Folge haben werde. Die Regierung stimme der Rück­verweisung dieses Antrages an den Heeresausschuß zu. Der Kriegsminister sei bereit, zusammen mit dem Heeresausschuß einen neuen Wortlaut aus­zuarbeiten.

Die Verabschiedung der Rekrutierungsvorlage wurde von der Kammer bis nach Fertigstellung des Gutachtens des Heeresausfchusses über die vorlie­genden Zusatzanträge vertagt. Die meisten Artikel sind aber bereits angenommen.

Oes Führers

M

eihnachtsfeier

mit seinen ältesten Münchener Kämpfern

München, 24. Dez. (DNB.) Es war eine große Familie, die sich am Dienstagmittag im Hotel Wagner zu weihnachtlicher Feier ver­einigte: 12 0 0 Männer im Braunhemd, die ältesten Kämpfer der SA. und SS., sämtlich Träger des Goldenen Ehrenzeichens, sehr viele auch des Blutordens. Und der sie zu Gast geladen und ihnen den Weihnachtstisch bereitet hatte, war kein anderer als der Führer s e l b st. Wie in all den vergangenen Jahren wollte er auch heuer einige Stunden vor dem Heiligen Abend kameradschaftlich im Kreise seiner alten Mitstreiter verweilen und gemeinsam mit ihnen das Mittagessen einnehmen.

Oberführer Höflich und Reichsamtsleiterin Frau R ö m m e l t hatten mit Mitgliedern der NS.-Frauenschaft die Feierstunde aufs beste vor­bereitet. Der große Saal war ganz in frisches Tannengrün gehüllt, die langen Tischreihen liebe- voll mit Blumen und roten Kerzen geziert, und jeder Gast fand an seinem Platz die festlich ver­packten Gaben, die ihm der Führer gewidmet hatte. Der Dank an Adolf Hitler, daß er so seiner Ge­treuen gedacht, daß er vor allem gekommen war. sie persönlich zu beschenken, fand seinen Ausdruck schon in den Grüßen der Begeisterung, mit denen gegen 13 Uhr der Führer von den 1200 emp­fangen wurde. Gauleiter Staatsminister Wag­

ner sprach im Namen aller, wenn er aus vol­lem Herzen dankte und dem Führer ganz besonders aus dem Traditionsgau die kostbarste Weihnachtsgabe darbot: die Liebe, die Treue und das unendliche Vertrauen des ganzen deutschen Volkes.

Als dann der Führer selbst das Wort er­griff, wollten die Kundgebungen der Freude und der Zustimmung kaum mehr ein Ende nehmen. Adolf Hitler gab seinen alten Mitkämpfern einen Einblick in die bedeutendsten Geschehnisse des ab­gelaufenen Jahres und die großen Aufgaben, die die Zukunft an die gesamte Nation und namentlich an die alten Parteigenossen stellen werde. Er fand gute und herzliche Worte für die Männer, die mit ihm die schwerste nationalsozialistische Kamvf- geschichte verkörpern, Worte der Kameradschaft, Die so, wie es nur Adolf Hitler auszudrücken vermag, alles anklinqen ließen, was ganz persönlich von Mann £U Mann den Führer und seine alte Ge­folgschaft verbindet. Als der Führer nach mehreren Stunden des Beisammenseins Abschied nahm, ließ er den Teilnehmern mit der Erinnerung an dieses Weihnachten das schönste Geschenk zurück, er aber nahm, wie es Gauleiter Wagner sagte, mit, was ihm längst gehört: das gesunde und starke Herz seiner Münchener Haudegen.

Willibert Kinder zur Weihnachisbescherung bei Ministerpräsident Göring

Berlin, 24. Dez. (DNB.) Eine der schönsten Weihnachtsfeiern veranstalteten Ministerpräsident Göring und seine Gattin am Nachmittag vor dem Heiligen Abend im Clou, dessen riesiger Adventskranz, viele Tannenbäume und die präch­tigen Wandbilder Winterlandschaften und Dar­stellungen aus unseren lieben alten Märchen den wundervollsten Rahmen zu dem Fest bildeten. In dem Rund des Riesensaales waren auf langen Tischen die Geschenke für 500 Kinder auf- gebaut: warme Kleidungsstücke, Spielsachen, Lebens- mittel für die ganze Familie und allerlei Leckereien. Und zu beiden Seiten saßen an weißgedeckten und festlich geschmückten Tafeln die Kinder mit heißen Wangen und leuchtenden Augen neben ihren Eltern, die auch eingeladen waren. Das Musikkorps des RegimentsGeneral Göring" spielte Weih- nachtslieoer, das Kinderballett der Staatsoper er­freute durch Tanzdarbietungen, ein Kinderchor fang Weihnackts- und Volkslieder und ein Spiel vom Weihnachtsmann und den Heinzelmännchen war der Höhepunkt der Darbietungen.

Plötzlich erhob sich ein Jubelschrei, das sich vom Eingang des Saales immer weiter fortpflanzte. Hunderte von Kinderstimmchen schrieen:Onkel Göring, Onkel Hermann, Heil!" Der Minister­präsident war erschienen und mit ihm feine Gattin, mehrere Verwandte sowie Staatskommissar Dr. Lippert und Stadtrat Engel. Nachdem General

Göring einen kleinen Rundgang gemacht hatte, hielt er, tie] bewegt von dem Jubel der Kinder, eine kurze Ansprache, in der er die Kleinen herzlich be­grüßte.Nehmt von diesem Weihnachtsfest so forderte der Ministerpräsident die Kinder auf eine schöne Erinnerung für euer ganzes Leben mit nach Hause. Denkt daran, daß wir in einem neuen Deutschland leben, wo mir alle zusammen eine große Familie sein wollen, wo alle, denen es besser geht, dem notleidenden Mitmenschen helfen wollen! Denkt daran, daß ihr aufwachst in einem Volke, an dessen Spitze unser wunderbarer Führer steht! Denkt daran, daß ihr auch tüchtige Frauen und Männer werden sollt! Begegnet einander mit Liebe und Hilfsbereit­schaft, damit ihr das Fest der Heiligen Weihe­nacht richtig feiern könnt! Ich habe mit dem Weih­nachtsmann gesprochen, und er hat euch allen das beschert, was ihr euch gewünscht habt. Freut euch daran und dankt unserem Führer, durch den das alles erst möglich geworden ist, dankt aber auch Gott, der uns das Weihnachtsfest geschenkt hat.

Nachdem man gemeinsam das schone, alte Weih- nachtsliedStille Nacht, heilige Nacht" gesungen hatte, ging es im Sturm an die Gabentische. Der 2ubel Der Kinder, die hier ihre Lieblingswünsche erfüllt sahen, war unbeschreiblich. Die Feier fand mit dem gemeinsamen Gesang des LiedesO du fröhliche, o du selige" ihren schönen Abschluß.

Das deutsche Wunder.

D Ormesson über die Erfolge der national­sozialistischen Revolution.

Paris, 27. De*. (DNB. Funkspruch.) Wladimir d ' O r m e f f o n beschäftigt sich imFigaro" mit den Erfolgen des Nationalsozialismus, auf wirtschaft­lichem, moralischem und sozialem Gebiet. Man müsse Deutschland, wie es am Tage des Skur­ze s d e r Regierung Schleicher gewesen sei, dem heutigen Deutschland gegenüberfteb len, um die Revolution abzuschätzen, die sich in­zwischen vollzogen habe. Das Meisterwerk des Na­tionalsozialismus liege in erster Linie auf mora­lischem Gebiet. Die leitenden Persönlichkeiten des neuen Regimes hätten so viel Beweise von sinnreichen Erfindungen abgegeben, sie hätten eine Mystik der Solidarität geschaffen, und sich in weit­herziger Weise daran gemacht, Unterstützungen, so­ziale Einrichtungen, moralische und physische Hy­giene zu schaffen. Sie hätten die alte verrostete Bürokratie der sozialistischen Gewerkschaften durch eine junge Auffassung der Arbeit ersetzt, daß man wirklich von einem Wunder sprechen könne. Die linksstehenden Kreise Frankreichs, die dem Dritten Reich feindlich gesinnt seien, sähen diese Tatsache aber nicht. Sie seien sich nicht darüber klar, daß, wenn morgen in Deutsch- land freie Wahlen durchgeführt würden, das nationalsozialistische Regime gerade in der Arbei­terschaft seine sichersten Verteidiger finden würde. Eine verbotene Weihnachtsfeier

Die Weihnachtsfeier der Reichsdeutschen in Wien nicht zugelassen.

Wien, 26. Dez. (DNB.) Der Bund der Reichsdeutschen in Wien hatte für seine Mitglieder und deren Kinder eine Weihnachtsfeier vorbereitet, die am 2. Weihnachtsfeiertag nachmit­tags stattfinden sollte. Die Feier war bereits am 12. Dezember ordnungsmäßig bei den B e - Hörden angemeldet wordem Trotz aller Be­mühungen des Vorstandes des Bundes bei den maßgebenden österreichischen Stellen wurde die Weihnachtsfeier schließlich doch nicht zugelas- s e n. Die Bemühungen des Bundesvorstandes hat­ten bis in die späten Nachmittagsstunden des 24. Dezember gedauert. Ueber die Absage dieser reichsdeutschen Weihnachtsfeier in Wien, für die schon 2000 Karten ausgegeben waren, ging den Wiener Zeitungen dann über den Bundespresse­dienst eine Mitteilung der Politischen Korrespondenz zu, in der erklärt wurde, die Weihnachtsfeier falle aus technischen Gründen" aus.

Stabschef Luhe 45 Jahre alt.

Berlin, 26. Dez. Der Stabschef der SA., Viktor Lutze, begeht am 28. Dezember seinen 45. Geburts­tag. Lutze, einer der treuesten Mitarbeiter des Füh­rers, kam bereits in den ersten Anfängen der Be­wegung zu Adolf Hitler und war einer der ersten Kämpfer für den Nationalsozialismus in Nord­deutschland. Als Stabschef der SA. gelang es ihm, diese Organisation zu einer geschulten, glaubens­starken, dem Führer fanatisch treu ergebenen Truppe zusammenzufassen.

Oie baltische Konferenz.

Inmitten des Lärms, der um die abessinische Friedensoerrnittlung ausgebrochen ist, tagte i n Riga eine sehr stille Konferenz, die der Außen« Minister der drei sogenannten baltischen Staaten Lettland, Estland und Litauen. Wenn diese Staaten auch verhältnismäßig klein sind und im europäischen Konzert keine sehr hörbaren Jnstru- mente spielen, wenn auch die Beratungsgegenstände der Konferenz sich nicht auf dem schmalen und ge- fährlichen Grat zwischen Krieg und Frieden be­wegen, so erinnert das Ereignis doch daran, daß es außer der abessinischen Angelegenheit für Europa noch andere Interessen und Sorgen gibt, ja daß in ihm immerhin einige Staaten und es sind nicht nur diese kleinen leben, die diese ganze Geschichte sehr wenig angeht und die froh wären, wenn sie ihre eigenen Angelegenheiten in einer ruhigeren Atmosphäre erledigen könnten.

Die drei neuen S t a a t e n s ch ö p f u n g e n an der Ostsee haben seit ihrer Entstehung das natürliche Bedürfnis gefühlt, sich zusammenzuhalten, und sich sozusagen über die Unsicherheiten ihrer neuen Existenz zu beruhigen. Sie haben auch, ab­gesehen von ihrer geographischen Lage und Nach­barschaft, manche gemeinsame kulturelle, vor allem aber wirtschaftliche Interessen; sie Haden eine langt gemeinschaftliche Vergangenheit als ehemalige Glie­der des russischen Reiches und, was die Zukunft betrifft, so hängt ihre gemeinsame Existenz davon ab, ob das bolschewistische Rußland die Abtren­nung seiner westlichen Provinzen als historische Tatsache oder nur als eine vorübergehende Episode betrachtet. Insofern haben diese drei kleinen Staa­ten, zusammen mit Polen, eine Aufgabe von größ­ter Wichtigkeit zugewiesen erhalten: den äußer­sten Grenzposten Europas im Osten zu halten und das Hereinbrechen der asiatischen Welle zu verhin­dern. Nicht nur deswegen, aber besonders deswegen sind sie auch für Deutschland von größter Wichtig­keit, das in seiner neuen geistigen und politischen Haltung seine Mission als Schutzwall Europas sehr ernst nimmt.

Es könnte sich aus dieser großen Linie einer ge­meinsamen europäischen Ausgabe bei verständiger großzügiger Führung der Politik auch eine intime Zusammenarbeit nicht nur der drei balti­schen Staaten unter sich, sondern auch zwischen ihnen und Polen und Deutschland er­geben, und zwar in allen Angelegenheiten, auch wenn sie mit jenem großen gemeinsamen Interesse nicht unmittelbar zusammenhängen. Denn es ist in der internationalen Politik doch so, daß wichtige Aufgaben von zwei oder mehreren Staaten nur dann zusammen gelöst werden können, wenn ihre Beziehungen überhaupt vertrauensvoll aufeinander abgestimmt sind. Das Beispiel haben das Reich und Polen gegeben, als sie sich im Bewußtsein einer großen gemeinschaftlichen Gefahr über das minder Wichtige einigten und seitdem bemüht sind, sich auch kulturell und wirtschaftlich zusammenzufinden.

Die drei baltischen Staaten haben diesen Weg noch nicht gefunden, der es durchaus nicht aus­schließen würde, daß sie unter sich Konferenzen ab- halten, der aber doch immer die Richtung nach Berlin und Warschau als das Wichtigere ansehen müßte. Das große Hindernis ist bekanntlich Li­tauen, das es sich leisten 3U können glaubt, mit Polen und dem Reichtödliche" Gegensätze zu pflegen und eigensinnig zu konservieren. Die Wilna- und Memelfrage beherrschen den Horizont der li­tauischen Politik so ausschließlich, daß man in Kowno für andere Betrachtungen überhaupt kein Verständnis aufzubringen vermag. Dies haben Lettland und Estland immer wieder erfah­ren müssen und sich deshalb genötigt gesehen, aus ihren gemeinsamen Beratungen diese besonderen litauischen Probleme ausdrücklich auszuschlie- ß e n. Was aber bleibt dann noch übrig? Es ist nickt mehr viel Wichtiges zu beraten und zu be­schließen, wenn die drei baltischen Staaten über ihre Beziehungen zu Polen und zum Deutschen Reich nicht auf einen gemeinsamen Nenner gebracht werden können; mindestens nicht viel, was in die größeren Bereiche der europäischen Politik gehört, wenn auch für die drei Staaten selbst in solchen regelmäßigen Fühlungnahmen, wie sie seit dem letzten Jahre Brauch geworden sind, mancher Vor­teil, etwa wirtschaftlicher Art, herauskommen mag.

Die baltischen Konferenzen haben somit, solange sie sich mit Rücksicht auf Litauen von der größten und wichtigsten gemeinsamen Aufgabe zurückhalten, nämlich der, neben Deutschland und Polen ihre Stellung im europäischen Gesamtleben und im ost­europäischen Raum zu betonen und zu wahren, nur eine beschränkte Bedeutung und können kaum das Bedürfnis dieser jungen ehrgeizigen Staaten befriedigen, durch Zusammenschluß sich mehr als einzeln Gehör und Beachtung zu verschaffen. Dies würde mit einem Schlage anders, wenn man sich in Riga und Reval entschlösse, um die litauischen Svnderprobleme nicht sorgsam und ängstlich herum­zugehen, sondern sie alsbaltische" Pro­bleme anzusehen und dies in Kowno zum Be­wußtsein zu bringen.

Ein chinesischer Minister ermordet.

Starke Erregung in Schanghai und Nanking. |

Schanghai, 26. Dez. (DNB.) Der frühere ; stellvertretende Außenminister und jetzige stellver­tretende Verkehrsminister der Nanking-Regierung, Tangyujen, wurde am Donnerstagnachmittag in seiner in der französischen Niederlassung gelege­nen Wohnung ermordet. Die Täter lauerten dem von einem Besuch heimkehrenden Vizeminister auf und verfolgten ihn bis zu seinem Haus. Dort "oben sie im Treppenhaus etwa acht Schüsse auf ihn ab, von denen drei trafen. Tangyujen starb auf dem Wege zum Krankenhaus. Die Mörder konnten unerkannt entkommen. Die Stimmung ist hier unter dem Eindruck der Mordtat reckt besorgt. Tangyujen, der als Anhänger Wangtschingweis japan- freundlich gesinnt war, ist von Kommu­nisten getötet worden, die eine Annähe­rung Chinas an Japan verhindern wollen.

In Schanghai halten die S t u d e n t e n Un­ruhe n weiter an. Ein Teil der Studenten hat, um in Danfing scharfen Protest gegen die fepara« tistischen Bestrebungen einzulegen, den Nordbahn­hof in Richtung Nanking verlassen. Zwischen Sutschvu und Wuhsi wurden die Züge von Polizei- beamten zum Stehen gebracht und die Stu­denten zur Umkehr aufgefordert. Auf Befehl von Nanking hat der Kommandeur der Garnison in Wusung, einem Außerttort nördlich von Schanabai, den Belagerungszustand erklärt um Rübe- törungen vorzubeugen, die man von den Links­radikalen als Antwort auf die Studentenkundge­bungen für möglich hält. Auch über Nanking und Hankau wurde das Standrecht verhängt.