Laval vor neuem Kampf mit dem Parlament.
Paris, 27. Dez. (DNB. Funkspruch.) Die Pariser Presse beschäftigt sich eingehend mit einem Ministerrat am Donnerstag, der verhältnismäßig kurz gewesen sei im Gegensatz zu einer langen Unterredung Herriots mit dem Präsidenten der Republik. Die Meinungen über die Gründe dieser ausgedehnten Unterhaltung gehen natürlich auseinander. Während die einen behaupten, es habe sich um eine der üblichen Unterredungen gehandelt, die der Präsident von Zeit zu Zeit mit einflußreichen politischen Persönlichkeiten über die politische Lage führt, behaupten andere, Herriot habe ursprünglich die Absicht gehabt, seinen Rücktritt einzureiä)en. Er habe sich erst auf eindringliche Vorstellungen des Präsidenten dazu entschlossen, der Regierung solange treu zu bleiben, bis der Haushalt unter Dach und Fach gebracht ist. Herriot selbst hat sich nach der Unterredung mit dem Präsidenten geweigert, auch nur die geringste Erklärung abzugeben.
Man rechnet damit, daß Herriot im Verlauf der Kammeraussprache noch einmal versuchen wird, seine Parteigenossen Dort der Notwendigkeit xu überzeugen, einen Regierungssturz im Augenblick zu vermeiden. Nichtsdestoweniger glaubt man, daß die große Mehrheit der Radikalsozialisten entweder gegen die Regierung stimmt oder sich der Stimme enthalten wird. Man ist aber der Ansicht, daß Laval noch einmal eine wenn auch geringe Mehrheit auf sich vereinigen wird. Man spricht von 20 bis 30 Stimmen. Das „Oeuvre" ist der Auffassung, daß der größte Teil der bisherigen Mehrheit auch diesmal wieder der Regierung folgen wird. Zugunsten Lavals spreche vor allem die Tatsache, daß die Frage der Bünde noch nicht geregelt sei und auch der Haushalt nicht vor Dienstag verabschiedet werden könne. Gegen ihn spreche allerdings die unerbittliche Feindschaft der Linken und die allgemeine nervöse Spannung der parlamentarischen Kreise, die ihren Ausdruck darin finde, daß schon jetzt Namen für den etwaigen Nachfolger des Mini- sterpräsidenten genannt würden. Darunter an erster Stelle Flandin, Mandel und Kammerpräsident Bouisson.
Die Kammeraussprache beginnt heute Nachmittag. Laval wird wahrscheinlich als erster die Rednertribüne besteigen, um eine lange außenpolitische Erklärung zu verlesen.
Ein Antrag aus Auslösung her Freimaumlogkn.
Paris, 27. Dez. (DNB. Funkspruch.) Im Zusammenhang mit der am Samstag in der Kammer erfolgenden zweiten Lesung über die Bünde erklärt ein Antrag des rechtsgerichteten Abgeordneten Dommange, Kammer und Senat hätten beschlossen, daß gewisse Vereinigungen aufgelöst werden müßten, da sie gefährliche Entwicklungen darstellten. In dem selben Geiste fordere er die gleiche Maßnahme gegen geheime Vereinigungen, wozu die Freimaurerlogen zu zählen seien. Er werde der Kammer eine Reihe von Unterlagen vorlegen, deren Echtheit nicht bestritten werden könne. Diese Unterlagen würden den Beweis dafür liefern, daß die Freimaurerlogen eine für die Sicherheit des Staates gefährliche Tätigkeit aus
übten. Zur Widerlegung eines Gegenantrages des radikalsozialistischen Abgeordneten G u e r n u t auf Auflösung einer Reihe religiöser Gesellschaften, denen derselbe Charakter zuzuschreiben sei, will Dommange beweisen, daß über die Freimaurer keine einzige legale Veröffentlichung vorliege, wie dies nach den bestehenden Polizeigesetzen notwendig sei, während die religiösen Vereinigungen sich genau an diese Gesetze hielten, und man ihre Satzungen in jeder Bibliothek und sogar in den Archiven der Kammer finden könne.
Frankreich
und die Flottenkonserenz.
Gegen eine angelsächsischeBormachtstellung.
Paris, 27. Dez. (DNB. Funkspruch.) Kriegsmarineminister P i 6 t r i äußerte sich im „Petit Journal" über die Schwierigkeiten der Londoner Flottenkonferenz. Die amerikanische und die britische Marine hätten von jeher versucht, ihre Vorrang st ellung zu behaupten, eine Neigung, gegen die sich nicht nur Japan wehre, sondern die auch bei Frankreich auf starke Gegnerschaft stoße. Frankreich halte es außerdem für gefährlich, sich a u f mehrere Jahre
im voraus zu binden, weil die gegenwärtige Lage sich ändern könne. Man müsse sich vielmehr darauf beschränken, unter den Flottenmächten gegenseitiges Vertrauen herzustellen und sich jedes Jahr das F l o t t e n b a u p r o - gramm mttzuteilen. Dann könne man an andere Vereinbarungen gehen, wie beispielsweise an die Beschränkung der einzelnen Einheiten, aber nicht die der Gesamttonnage.
Man könne schon jetzt mit Bestimmtheit erklären, daß keine Rede davon sein könne, die gegenwärtigen französischen Neubauten aufzugeben. Es würden auch Fragen aufgeworfen werden, die eher politischen als maritimen Charakter hätten, so beispielsweise die des Stillen Ozeans und die des Mittelmeers. Vielleicht sei es auch nicht ausgeschlossen, daß man über die Nordsee sprechen werde, besonders mit Rücksicht auf das deutsch-englische Flottenabkommen. Frankreich werde an allen erweiterten Aussprachen teilnehm en. Die Macht seiner Flotte und die Ausdehnung seines Weltreiches machten es ihm zur Pflicht, seinen Willen und seine Macht zu beweisen. Er werde nicht an der Verteidigung Frankreichs auf dem Messer rühren lassen, weil er sie für die Sicherheit des Landes als unbedingt notwendig erachte.
Die Verlängerung der Dienstzeit in Frankreich.
Paris, 26. Dez. (DNB.) Die Kammer befaßte sich am Donnerstagnachmittag mit dem Gesetz, das die Bestimmungen über die Rekrutierung im Sinne des inzwischen beschrittenen Weges der D i e n st - Zeitverlängerung abändert. Die Verlängerung der Dienstzeit beträgt nach dem neuen Gesetz 6 Monate für die im April 1935 einberufenen Rekruten und 12 Monate für die folgenden Jahrgänge bis zum Jahre 1945 unter dem Vorbehalt, daß die außenpolitische Lage oder die Einstellung von langdienenden Berufssoldaten eine Milderung dieser Bestimmungen gestatten sollten. Das Gesetz wird mit dem zahlenmäßigen Rückgang der Rekrutenjahrgänge infolge des Geburtenausfalls während des Krieges begründet. Während die Jahresklasse 1934 noch 226 000 Rekruten aufwies, ist diese Zahl 1935 auf 145 000 zurückgegangen und wird 1936 sogar nur 112 000 betragen. Dann -mirb sie langsam wieder steigen. 1937 rechnet man mit 122 000 Rekruten, 1938 mit 141 000, 1939 mit 162 000, 1940 mit ebenfalls 162 000 und 1941 bereits wieder mit 260 000.
Das neue Gesetz gibt dem Krtegsminister das Recht, das wehrpflichtige Alter allmählich bis zu 12 Monaten herabzusetzen und die Einstellung der Rekruten zu dem vom Kriegsminister für zweckmäßig erachteten Zeitpunkt vorzunehmen. Das bedeutet die Abkehr von der bisherigen Hebung, die fälligen Jahrgänge in zwei Jahreshälften, im April und im Oktober einzustellen. In Zukunft wird die Einstellung des ganzen Jahrganges im Oktober vorgenommen werden.
Kriegsminister Fabry
empfahl der Kammer, den vom Heeresausschuß gebilligten Wortlaut unverändert anzunehmen. Er
suchte der Kammer mit übertriebenen Schilderungen der deutschen Rüstung Angst zu machen. Die vorübergehende Dienstzeitverlängerung sei erforderlich, nicht nur, um den Ausfall der rekrutenarmen Jahre 3U decken, sondern auch „wegen der intensiven Ausrüstung Deutschlands, die öffentlich von der deutschen Regierung eingestanden sei." Gegenüber den 800 000 Mann, die Deutschland unter den Waffen habe, verfüge Frankreich im Mutterlands über höchstens 400 000 Mann. Man könne diesen Bestand nur aufrechterhalten, in dem man allmählich das wehrpflichtige Alter herabsetze, ohne dabei das 20. Lebensjahr zu unterschreiten. Abgesehen von der Frage des Effektivbestandes seines Heeres könne Frankreich mit dem Stande seiner Verteidigung zufrieden sein. Der Kriegsminister äußerte sich lobend über die motorisierten Einheiten. Seit dem Jahre 1918 habe die französische Armee sich gut entwickelt. Ihr materieller und moralischer Zustand sei sehr befriedigend.
Ministerpräsident Laval erklärte, Kriegsminister Fabry habe die Vertrauensfrage gegen den Antrag gestellt, der eine Verminderung der Effektivbestände um etwa 16000 Mann zur Folge haben werde. Die Regierung stimme der Rückverweisung dieses Antrages an den Heeresausschuß zu. Der Kriegsminister sei bereit, zusammen mit dem Heeresausschuß einen neuen Wortlaut auszuarbeiten.
Die Verabschiedung der Rekrutierungsvorlage wurde von der Kammer bis nach Fertigstellung des Gutachtens des Heeresausfchusses über die vorliegenden Zusatzanträge vertagt. Die meisten Artikel sind aber bereits angenommen.
Oes Führers
M
eihnachtsfeier
mit seinen ältesten Münchener Kämpfern
München, 24. Dez. (DNB.) Es war eine große Familie, die sich am Dienstagmittag im Hotel Wagner zu weihnachtlicher Feier vereinigte: 12 0 0 Männer im Braunhemd, die ältesten Kämpfer der SA. und SS., sämtlich Träger des Goldenen Ehrenzeichens, sehr viele auch des Blutordens. Und der sie zu Gast geladen und ihnen den Weihnachtstisch bereitet hatte, war kein anderer als der Führer s e l b st. Wie in all den vergangenen Jahren wollte er auch heuer einige Stunden vor dem Heiligen Abend kameradschaftlich im Kreise seiner alten Mitstreiter verweilen und gemeinsam mit ihnen das Mittagessen einnehmen.
Oberführer Höflich und Reichsamtsleiterin Frau R ö m m e l t hatten mit Mitgliedern der NS.-Frauenschaft die Feierstunde aufs beste vorbereitet. Der große Saal war ganz in frisches Tannengrün gehüllt, die langen Tischreihen liebe- voll mit Blumen und roten Kerzen geziert, und jeder Gast fand an seinem Platz die festlich verpackten Gaben, die ihm der Führer gewidmet hatte. Der Dank an Adolf Hitler, daß er so seiner Getreuen gedacht, daß er vor allem gekommen war. sie persönlich zu beschenken, fand seinen Ausdruck schon in den Grüßen der Begeisterung, mit denen gegen 13 Uhr der Führer von den 1200 empfangen wurde. Gauleiter Staatsminister Wag
ner sprach im Namen aller, wenn er aus vollem Herzen dankte und dem Führer ganz besonders aus dem Traditionsgau die kostbarste Weihnachtsgabe darbot: die Liebe, die Treue und das unendliche Vertrauen des ganzen deutschen Volkes.
Als dann der Führer selbst das Wort ergriff, wollten die Kundgebungen der Freude und der Zustimmung kaum mehr ein Ende nehmen. Adolf Hitler gab seinen alten Mitkämpfern einen Einblick in die bedeutendsten Geschehnisse des abgelaufenen Jahres und die großen Aufgaben, die die Zukunft an die gesamte Nation und namentlich an die alten Parteigenossen stellen werde. Er fand gute und herzliche Worte für die Männer, die mit ihm die schwerste nationalsozialistische Kamvf- geschichte verkörpern, Worte der Kameradschaft, Die so, wie es nur Adolf Hitler auszudrücken vermag, alles anklinqen ließen, was ganz persönlich von Mann £U Mann den Führer und seine alte Gefolgschaft verbindet. Als der Führer nach mehreren Stunden des Beisammenseins Abschied nahm, ließ er den Teilnehmern mit der Erinnerung an dieses Weihnachten das schönste Geschenk zurück, er aber nahm, wie es Gauleiter Wagner sagte, mit, was ihm längst gehört: das gesunde und starke Herz seiner Münchener Haudegen.
Willibert Kinder zur Weihnachisbescherung bei Ministerpräsident Göring
Berlin, 24. Dez. (DNB.) Eine der schönsten Weihnachtsfeiern veranstalteten Ministerpräsident Göring und seine Gattin am Nachmittag vor dem Heiligen Abend im Clou, dessen riesiger Adventskranz, viele Tannenbäume und die prächtigen Wandbilder — Winterlandschaften und Darstellungen aus unseren lieben alten Märchen — den wundervollsten Rahmen zu dem Fest bildeten. In dem Rund des Riesensaales waren auf langen Tischen die Geschenke für 500 Kinder auf- gebaut: warme Kleidungsstücke, Spielsachen, Lebens- mittel für die ganze Familie und allerlei Leckereien. Und zu beiden Seiten saßen an weißgedeckten und festlich geschmückten Tafeln die Kinder mit heißen Wangen und leuchtenden Augen neben ihren Eltern, die auch eingeladen waren. Das Musikkorps des Regiments „General Göring" spielte Weih- nachtslieoer, das Kinderballett der Staatsoper erfreute durch Tanzdarbietungen, ein Kinderchor fang Weihnackts- und Volkslieder und ein Spiel vom Weihnachtsmann und den Heinzelmännchen war der Höhepunkt der Darbietungen.
Plötzlich erhob sich ein Jubelschrei, das sich vom Eingang des Saales immer weiter fortpflanzte. Hunderte von Kinderstimmchen schrieen: „Onkel Göring, Onkel Hermann, Heil!" Der Ministerpräsident war erschienen und mit ihm feine Gattin, mehrere Verwandte sowie Staatskommissar Dr. Lippert und Stadtrat Engel. Nachdem General
Göring einen kleinen Rundgang gemacht hatte, hielt er, tie] bewegt von dem Jubel der Kinder, eine kurze Ansprache, in der er die Kleinen herzlich begrüßte. „Nehmt von diesem Weihnachtsfest — so forderte der Ministerpräsident die Kinder auf — eine schöne Erinnerung für euer ganzes Leben mit nach Hause. Denkt daran, daß wir in einem neuen Deutschland leben, wo mir alle zusammen eine große Familie sein wollen, wo alle, denen es besser geht, dem notleidenden Mitmenschen helfen wollen! Denkt daran, daß ihr aufwachst in einem Volke, an dessen Spitze unser wunderbarer Führer steht! Denkt daran, daß ihr auch tüchtige Frauen und Männer werden sollt! Begegnet einander mit Liebe und Hilfsbereitschaft, damit ihr das Fest der Heiligen Weihenacht richtig feiern könnt! Ich habe mit dem Weihnachtsmann gesprochen, und er hat euch allen das beschert, was ihr euch gewünscht habt. Freut euch daran und dankt unserem Führer, durch den das alles erst möglich geworden ist, dankt aber auch Gott, der uns das Weihnachtsfest geschenkt hat.
Nachdem man gemeinsam das schone, alte Weih- nachtslied „Stille Nacht, heilige Nacht" gesungen hatte, ging es im Sturm an die Gabentische. Der 2ubel Der Kinder, die hier ihre Lieblingswünsche erfüllt sahen, war unbeschreiblich. Die Feier fand mit dem gemeinsamen Gesang des Liedes „O du fröhliche, o du selige" ihren schönen Abschluß.
Das deutsche Wunder.
D Ormesson über die Erfolge der nationalsozialistischen Revolution.
Paris, 27. De*. (DNB. Funkspruch.) Wladimir d ' O r m e f f o n beschäftigt sich im „Figaro" mit den Erfolgen des Nationalsozialismus, auf wirtschaftlichem, moralischem und sozialem Gebiet. Man müsse Deutschland, wie es am Tage des Skurze s d e r Regierung Schleicher gewesen sei, dem heutigen Deutschland gegenüberfteb len, um die Revolution abzuschätzen, die sich inzwischen vollzogen habe. Das Meisterwerk des Nationalsozialismus liege in erster Linie auf moralischem Gebiet. Die leitenden Persönlichkeiten des neuen Regimes hätten so viel Beweise von sinnreichen Erfindungen abgegeben, sie hätten eine Mystik der Solidarität geschaffen, und sich in weitherziger Weise daran gemacht, Unterstützungen, soziale Einrichtungen, moralische und physische Hygiene zu schaffen. Sie hätten die alte verrostete Bürokratie der sozialistischen Gewerkschaften durch eine junge Auffassung der Arbeit ersetzt, daß man wirklich von einem Wunder sprechen könne. Die linksstehenden Kreise Frankreichs, die dem Dritten Reich feindlich gesinnt seien, sähen diese Tatsache aber nicht. Sie seien sich nicht darüber klar, daß, wenn morgen in Deutsch- land freie Wahlen durchgeführt würden, das nationalsozialistische Regime gerade in der Arbeiterschaft seine sichersten Verteidiger finden würde. Eine verbotene Weihnachtsfeier
Die Weihnachtsfeier der Reichsdeutschen in Wien nicht zugelassen.
Wien, 26. Dez. (DNB.) Der Bund der Reichsdeutschen in Wien hatte für seine Mitglieder und deren Kinder eine Weihnachtsfeier vorbereitet, die am 2. Weihnachtsfeiertag nachmittags stattfinden sollte. Die Feier war bereits am 12. Dezember ordnungsmäßig bei den B e - Hörden angemeldet wordem Trotz aller Bemühungen des Vorstandes des Bundes bei den maßgebenden österreichischen Stellen wurde die Weihnachtsfeier schließlich doch nicht zugelas- s e n. Die Bemühungen des Bundesvorstandes hatten bis in die späten Nachmittagsstunden des 24. Dezember gedauert. Ueber die Absage dieser reichsdeutschen Weihnachtsfeier in Wien, für die schon 2000 Karten ausgegeben waren, ging den Wiener Zeitungen dann über den Bundespressedienst eine Mitteilung der Politischen Korrespondenz zu, in der erklärt wurde, die Weihnachtsfeier falle „aus technischen Gründen" aus.
Stabschef Luhe 45 Jahre alt.
Berlin, 26. Dez. Der Stabschef der SA., Viktor Lutze, begeht am 28. Dezember seinen 45. Geburtstag. Lutze, einer der treuesten Mitarbeiter des Führers, kam bereits in den ersten Anfängen der Bewegung zu Adolf Hitler und war einer der ersten Kämpfer für den Nationalsozialismus in Norddeutschland. Als Stabschef der SA. gelang es ihm, diese Organisation zu einer geschulten, glaubensstarken, dem Führer fanatisch treu ergebenen Truppe zusammenzufassen.
Oie baltische Konferenz.
Inmitten des Lärms, der um die abessinische Friedensoerrnittlung ausgebrochen ist, tagte i n Riga eine sehr stille Konferenz, die der Außen« Minister der drei sogenannten baltischen Staaten Lettland, Estland und Litauen. Wenn diese Staaten auch verhältnismäßig klein sind und im europäischen Konzert keine sehr hörbaren Jnstru- mente spielen, wenn auch die Beratungsgegenstände der Konferenz sich nicht auf dem schmalen und ge- fährlichen Grat zwischen Krieg und Frieden bewegen, so erinnert das Ereignis doch daran, daß es außer der abessinischen Angelegenheit für Europa noch andere Interessen und Sorgen gibt, ja daß in ihm immerhin einige Staaten — und es sind nicht nur diese kleinen — leben, die diese ganze Geschichte sehr wenig angeht und die froh wären, wenn sie ihre eigenen Angelegenheiten in einer ruhigeren Atmosphäre erledigen könnten.
Die drei neuen S t a a t e n s ch ö p f u n g e n an der Ostsee haben seit ihrer Entstehung das natürliche Bedürfnis gefühlt, sich zusammenzuhalten, und sich sozusagen über die Unsicherheiten ihrer neuen Existenz zu beruhigen. Sie haben auch, abgesehen von ihrer geographischen Lage und Nachbarschaft, manche gemeinsame kulturelle, vor allem aber wirtschaftliche Interessen; sie Haden eine langt gemeinschaftliche Vergangenheit als ehemalige Glieder des russischen Reiches und, was die Zukunft betrifft, so hängt ihre gemeinsame Existenz davon ab, ob das bolschewistische Rußland die Abtrennung seiner westlichen Provinzen als historische Tatsache oder nur als eine vorübergehende Episode betrachtet. Insofern haben diese drei kleinen Staaten, zusammen mit Polen, eine Aufgabe von größter Wichtigkeit zugewiesen erhalten: den äußersten Grenzposten Europas im Osten zu halten und das Hereinbrechen der asiatischen Welle zu verhindern. Nicht nur deswegen, aber besonders deswegen sind sie auch für Deutschland von größter Wichtigkeit, das in seiner neuen geistigen und politischen Haltung seine Mission als Schutzwall Europas sehr ernst nimmt.
Es könnte sich aus dieser großen Linie einer gemeinsamen europäischen Ausgabe bei verständiger großzügiger Führung der Politik auch eine intime Zusammenarbeit nicht nur der drei baltischen Staaten unter sich, sondern auch zwischen ihnen und Polen und Deutschland ergeben, und zwar in allen Angelegenheiten, auch wenn sie mit jenem großen gemeinsamen Interesse nicht unmittelbar zusammenhängen. Denn es ist in der internationalen Politik doch so, daß wichtige Aufgaben von zwei oder mehreren Staaten nur dann zusammen gelöst werden können, wenn ihre Beziehungen überhaupt vertrauensvoll aufeinander abgestimmt sind. Das Beispiel haben das Reich und Polen gegeben, als sie sich im Bewußtsein einer großen gemeinschaftlichen Gefahr über das minder Wichtige einigten und seitdem bemüht sind, sich auch kulturell und wirtschaftlich zusammenzufinden.
Die drei baltischen Staaten haben diesen Weg noch nicht gefunden, der es durchaus nicht ausschließen würde, daß sie unter sich Konferenzen ab- halten, der aber doch immer die Richtung nach Berlin und Warschau als das Wichtigere ansehen müßte. Das große Hindernis ist bekanntlich Litauen, das es sich leisten 3U können glaubt, mit Polen und dem Reich „tödliche" Gegensätze zu pflegen und eigensinnig zu konservieren. Die Wilna- und Memelfrage beherrschen den Horizont der litauischen Politik so ausschließlich, daß man in Kowno für andere Betrachtungen überhaupt kein Verständnis aufzubringen vermag. Dies haben Lettland und Estland immer wieder erfahren müssen und sich deshalb genötigt gesehen, aus ihren gemeinsamen Beratungen diese besonderen litauischen Probleme ausdrücklich auszuschlie- ß e n. Was aber bleibt dann noch übrig? Es ist nickt mehr viel Wichtiges zu beraten und zu beschließen, wenn die drei baltischen Staaten über ihre Beziehungen zu Polen und zum Deutschen Reich nicht auf einen gemeinsamen Nenner gebracht werden können; mindestens nicht viel, was in die größeren Bereiche der europäischen Politik gehört, wenn auch für die drei Staaten selbst in solchen regelmäßigen Fühlungnahmen, wie sie seit dem letzten Jahre Brauch geworden sind, mancher Vorteil, etwa wirtschaftlicher Art, herauskommen mag.
Die baltischen Konferenzen haben somit, solange sie sich mit Rücksicht auf Litauen von der größten und wichtigsten gemeinsamen Aufgabe zurückhalten, nämlich der, neben Deutschland und Polen ihre Stellung im europäischen Gesamtleben und im osteuropäischen Raum zu betonen und zu wahren, nur eine beschränkte Bedeutung und können kaum das Bedürfnis dieser jungen ehrgeizigen Staaten befriedigen, durch Zusammenschluß sich mehr als einzeln Gehör und Beachtung zu verschaffen. Dies würde mit einem Schlage anders, wenn man sich in Riga und Reval entschlösse, um die litauischen Svnderprobleme nicht sorgsam und ängstlich herumzugehen, sondern sie als „baltische" Probleme anzusehen und dies in Kowno zum Bewußtsein zu bringen.
Ein chinesischer Minister ermordet.
Starke Erregung in Schanghai und Nanking. |
Schanghai, 26. Dez. (DNB.) Der frühere ; stellvertretende Außenminister und jetzige stellvertretende Verkehrsminister der Nanking-Regierung, Tangyujen, wurde am Donnerstagnachmittag in seiner in der französischen Niederlassung gelegenen Wohnung ermordet. Die Täter lauerten dem von einem Besuch heimkehrenden Vizeminister auf und verfolgten ihn bis zu seinem Haus. Dort "oben sie im Treppenhaus etwa acht Schüsse auf ihn ab, von denen drei trafen. Tangyujen starb auf dem Wege zum Krankenhaus. Die Mörder konnten unerkannt entkommen. Die Stimmung ist hier unter dem Eindruck der Mordtat reckt besorgt. Tangyujen, der als Anhänger Wangtschingweis japan- freundlich gesinnt war, ist von Kommunisten getötet worden, die eine Annäherung Chinas an Japan verhindern wollen.
In Schanghai halten die S t u d e n t e n Unruhe n weiter an. Ein Teil der Studenten hat, um in Danfing scharfen Protest gegen die fepara« tistischen Bestrebungen einzulegen, den Nordbahnhof in Richtung Nanking verlassen. Zwischen Sutschvu und Wuhsi wurden die Züge von Polizei- beamten zum Stehen gebracht und die Studenten zur Umkehr aufgefordert. Auf Befehl von Nanking hat der Kommandeur der Garnison in Wusung, einem Außerttort nördlich von Schanabai, den Belagerungszustand erklärt um Rübe- törungen vorzubeugen, die man von den Linksradikalen als Antwort auf die Studentenkundgebungen für möglich hält. Auch über Nanking und Hankau wurde das Standrecht verhängt.


