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®5 bildet sich eine Art Zwangsmode auf einigen Gebieten heraus, zum Beispiel das Zufuß. gehen. Der Bischof ging mit gutem Beispiel vor- tin und stellte seinen Achtzylinder ein; der Kleinwagenbesitzer tut es, weil das Benzin — gestern — schon 3,66 Lire kostete. Wieviel in dem Augenblick,
Rom, Ende November.
Wenn die italienische Hausfrau am Morgen ins Fruhstückzimmer tritt, um den Tisch zu decken, so sieht sie ihren Stuhl bereits besetzt: ein ungebetener Gast hat sich eingestellt, macht es sich bequem und greift herzhaft zu. Schenkt sich unaufgefordert zweimal aus der großen Kaffeekanne nach, dreht den Löffel im Honig wie eine Spule, streicht Butter und Marmelade fingerdick auf die duftigen Milchbrötchen und nickt den eintretenden Kindern, die chn entsetzt anstarren, vergnügt zu. 0 bitte, sagt bie Hausfrau, lassen Sie sich durch die hungrigen Augen meiner Kleinen nicht stören ...
Es ist das Gespenst des Krieges, das sich häuslich niedergelassen hat, und ich kann mir wohl vorstellen, daß mancher brave Bürger in den Sanktionsländern solche Bilder vor sich sieht, wenn er selber behaglich kauend zur Morgenzeitung greift und von den Einschränkungen in Italien liest. Zumal in England, wo es zu Milch und Honig auch noch Schinken und Eier gibt.
Die Ludenfrage in Ungarn.
,Lrrdenfreie Woche"
an der Technischen Hochschule Budapest.
Budapest, 26. Nov. (DNB.) Trotz der all. 9ememen Wiederaufnahme der Vorlesungen an den Hochschulen hat jetzt die Studentenschaft der Tech - "'scheu Hochschule eine „3 udenfreie Woche durchgesetzt. Die jüdischen Studenten wurden aufgefordert, eine Woche lang den Vor- 1 fern zu bleiben. Sie wurden von den christlichen Studenten aus den Hörsälen hinaus- beqleitet £)er Rektor und der Senat der Hochschule luchten sich dem Vorgehen der Studentenschaft zu widersetzen. Sie mußten jedoch nachgeben, da es mcht zu Zwischenfällen kam. Die Studentenschaft stritt die Auffassung, daß der bei allen Hochschulen Ungarns gültige numerus clausus ouch auf das Wirtschaftsleben und die Berufs- dmetge des öffentlichen Lebens ausgedehnt werden muffe Der nationale „Uj Magyarfag" stellt dazu feft, daß die bisher auf der konfessionellen Trennung aufgebauten ziffernmäßigen Angaben ymter der tatsächlichen außerordentlichen Beteiligung des Judentums Zurückbleiben und lediglich auf ber raffenmäßigen Unterfcheibung fußenbe Zahlen em richtiges Bilb des jüdischen Einflusses tn Ungarn geben könnten.
Gespenster am Tisch.
Genügsamkeit bleibt Italiens bester Wall gegen die Sanktionen.
Don unserem römischen «.-Korrespondenten.
3m Ladengeschäft, im Büro, im Kaffeehaus läßt man meistens den Mantel um die Schultern hängen, ohne in die Aerrnel zu schlüpfen. Unsere molligen Kaffeehäuser, in denen man den Hut abnimmt, die Fuße auf Parkett ausstreckt, wenn nicht gar auf Teppichen, und bald von einem Süßfräulein, bald von Zeitungsjungen oder Zigarrenmädchen etwas angeboten kriegt — wer hätte sie jemals in Italien erlebt? Wo gäbe es einen Stammtisch? Kaffeekränzchen? Auch die paar Tanztees in den Groß- ffäbten sind exotische Falter. Uebrigens gehört es jetzt zum nationalen Ton, den Tee ganz abzuschaffen und durch die kleine Becherrunde zu ersetzen, damit dem notleidenden Winzer auf die Beine geholfen werde.
Es hieße aber den Ernst der Lage verkennen, wollte man aus den schwungvollen Verzichtserklärungen in den Zeitungen auf einen ungetrübten Haushalt schließen. Da geht denn doch die Teuerung zu sichtbar um. Was auch dagegen ange- kämpst werden mag, d i e Preise ft eigen oon Tag z u Tag. Auch die Zeitungen, bie mit bewundernswerter Tatkraft zum Durchhalten auffordern, müssen zugeben, daß sie selbst für Papier, Blei, Farbe, Benzin, Licht und Strom und so weiter erheblich mehr ausgeben als gestern. Wie sollte es also beim Einzelnen anders fein? Man hat aber bisher nichts davon gehört, daß auch bie Löhne gestiegen wären. Die Hausfrau muß also recht scharf rechnen unb macht nicht selten aus ber Not eine Tugenb, wenn sie spart unb verzichtet. Die Luxusweibchen, bie sich bisher in Pariser Parfümen babeten, nehmen nicht burch Selbsteinkehr, sonbern wegen der italienischen Grenzsperre ab, die besorgten Familienhäupter aus tausenderlei anderen Gründen zu.
da dies geschrieben wird, läßt sich nicht sagen, wir sind auf alles gefaßt.
Und da wir schon unterwegs sind, können wir einmal auf den Markt gehen und einkaufen, solange Vorrat reicht. Es kosten (freibleibend): Brot mittlerer Güte 1,60 Lire das Kilo, Reis 1,50 bis 2,50, Fleisch 5—12, Fisch ebensoviel, Spaghetti 2,30, Gemüse, Obst, Nüsse im Durchschnitt 3, Käse 12, Wem der Liter 2 Lire, Kaffee zwischen 35 und 40. Ltn Slittageffen läßt sich demnach immer noch zu mäßigem Preis zusammenstellen; im Restaurant Ach" man für das billigste 8, für das übliche 15 Ure. Für die Abschlußzigarre muß man, ohne
■ x r en Feinschmecker herauskehren zu wollen, tensn sn k50,T"kgenJ.ür bie gängigsten Zigaret- ten 20 30 Centistml. Manner, die rauchen müssen, haben es in Italien nicht leicht.
Weiter im Küchenzettel: Butter 16, Zucker 6,50, ß on Stück 60 Cent., Milch 1,30 der Liter, Oel 6,30, Kohlen 25 der Zentner, Gas 60 Cent, der Äubifmeter, Licht 2,45 die Kilowattstunde (einschließ- on er hohen Verbrauchssteuer), TVasser mindestens 2U Xiire monatlich, wenn man sehr sparsam ist Verschwendung fällt freilich nicht leicht, denn es ist für das ganze Haus immer nur so viel Wasser da, als in den paar Blechbehältern auf dem Dache Platz hat. Da hat es keinen Sinn, einfach den Zahn aufzudrehen. Roms größtes Problem ist die Wasserversorgung.
<Das Dienstmädchen erhält 150 bis 200 Lire, die Bürogehilfin oft nicht mehr. Bei 300 Lire fühlen sie sieh schon als Dame. Für eine Dreizimmerwohnung muß man mit rund 500 Lire im Monat rechnen und mit dem gleichen Betrag als Monatsgehalt fängt der unterste Staatsbeamte an, wenn wir von Ausgehern, Straßenkehrern und ähnlichen Berufen absehen, die meistens von jungen Leuten ausgeübt werden, die Familienunterstützung haben. Die Löhne für Arbeiter und Handwerker liegen zwischen 10 unb 30 Lire im Tag, bie höchsten Beamten und Generale müssen sich mit einem Monatsgehalt von etwa 2000 Lire bescheiden, dagegen erreicht man in be^_^huftne, vom Großhandel ganz zu schweigen, noch beträchtliche Einkommen. Die Arbeitsverfassung öfrtJebem Angestellten bei der Entlassung eine Absmdungssumme, die sich aus 1 bis 2 Monatsge. Holtern für jedes Dienstjahr zusammensetzt. Da kommen oft kleine Vermögen heraus.
Infolge des Sanktionskrieges sind nun alle diese Zahlen zu schwankenden Gegriffen geworden und jede rechnende Hausfrau muß gewärtig sein, daß ihr der Völkerbund bie Hond führt. Um so ergreifender esschemt ihr Opfermut, wenn sie mit ihrem Beispiel Die ganze Familie anspornt, so daß selbst die Kin- ber sich weigern, englische Cakes zu essen. Es braucht habet nicht verschwiegen zu werben, daß die Sanktionen noch weit entfernt sind von dem Härtegrob Der unmenschlichen Aushungerungsblockabe, die jahrelang über die Mittelmächte verhängt wurde, m 0 ?. J rscht kein Mangel, noch ist der
-156^10)1 überwiegend ein freiwilliger. Und es bat ouch gar nicht den Anschein, als ob der Völkerbund nut „friedlichen" Mitteln erreichen könnte was da- wols schon den Kriegsschiffen schwer fiel: einen uckenlosen Hungerwall zu errichten. Dieses Gespenst bleibt für Italien offenbar — ein Gespenst
. Der italienische Heeresbericht meldet ebenfalls cm siegreiches Gefecht an der Südfront. Marschall be JBono brahtete: Die D a n a k i l - K o l o n n e bat ihre Sauberungsaktion am Dftranbe der Hochebene wieder ausgenommen. An der Front des - ^orenen-Armeekorps sind die Unternehmungen m Richtung auf die Landschaft Tembien wieder aufgenommen worden, während Schwarzhemden- Vatalllone das Gheralta-Gebiet bis zum Abaro- Poß organisieren. An der Somali-Front hat General Graziani auf dem Iuba-Abfchnitt, von roo bie Zusammenziehung abessinischer Streitkräfte m Lamma-Schilinbi am Uebi Gestro, 100 Kilometer nördlich von Dolo, gemeldet worden war eine schnelle Kolonne eingesetzt, die am 22. November überraschend das abessinische Lager angriff. Nach fünfstündigem harten Kampf wurde der Feind vollkommen aufgerieben.
Lidsch 3affu gestorben.
2Ibbt5 ülbeba, 26. Nov. <DNB.) Der Enkel Meneliks II. und ehemalige Kaiser oon Abessinien Lldsch Iass u ist am 25. November in Garamu- tota südwestlich von Harrar, wo er sich seit dem Fohre 1932 in Gefangenschaft befand, an Lungenschwindsucht geftorben. Lidsch Jassu, ber im Jahre 1897 als Sohn bes Ras Mikael geboren würbe,, folgte am 14. April 1910 feinem Großvater Menelik II. auf ben abessinischen Kaiserthron. Arn 17. September 1916 würbe er auf Betreiben ber Ententemächte wegen seiner deutschfreundlichen Haltung abgesetzt und zog sich in entlegene Wustengebiete Abessiniens zurück. Nach vergeblichen Versuchen, feinen Thron wiederzuer-
ben Völkerbund z u ermöglichen, die von der Reichsregierung geforderten grundsätzlichen A b- änberungen vorschlagen werde, von denen sie bisher nichts gesagt habe. Es handele sich um Artikel 16 des Völkerbundspaktes, wobei England unter gewissen Bedingungen eine Art Versprechen abgeben werde, auf bie Anwendung militärischer Sühnemaßnahmen in Durchführung dieses Artikels zu verzichten oder besser gesagt verspreche, die Anwendung solcher Maßnahmen von einer vorherigen Beratung der großen europäischen Mächte abhängig zu machen. Englischerseits sei man ber Ansicht, baß Frankreich zwar gegen eine berartige Aenberung protegieren werde, daß es sie aber angesichts seiner Haltung im italienisch-abessinischen Streitfall nicht werde verhindern können.
Widersprechende Siegesmeldungen von der Sudfront.
Abdis Abeba, 26. Nov. (DNB.) Von abessinischer Seite verlautet, daß ein eben von der Süd- sront eingetroffener Kurier nähere Einzelheiten über die kürzlich angeblich von ben Italienern verlorene Schlacht bei Analeh, östlich bes Fafan-Flusses, gebracht fjabe. Danach sollen sich bie italienischen Truppen auf b e m Rückzug befinben. Auch bie am Fafan-Fluß nörb- lich oon Gorahai operierenben italienischen Abteilungen sollen von ber „Rückzugspanik" ergriffen worben fein. Die abessinischen Streitkräfte brängten stark nach unb hätten daburch bie italienischen Somalitruppen gezwungen, ihren Rückzug unter Hinterlassung zahlreicher Automobile, Transportzüge und von Waffen und Munition „in wilder Flucht" fortzusetzen. Die italienische Rückzugsbewegung gehe auf die Ausgangspunkte der Offensive Ual- Üal und ©erlogubi zurück. Die abessinischen Meldungen wissen schließlich noch davon zu berichten, daß bei diesem Vorstoß große Getreide- und Lebensmittelvorräte, die von den Italienern angehäuft wurden, hätten erbeutet und verschiedene Befestigungsanlagen hätten besetzt werden können.
3 n Wirklichkeit hat sich beim italienischen Frühstück noch nichts geändert, denn — unser Frühstück ist hierzulande gänzlich unbekannt. Wenn überhaupt, so gibt es ein winziges Schälchen schwarzen Kaffees oder der „möblierte Zimmerherr" geht in die nächstbeste Bar, um im Stehen seinen Espresso zu nehmen. 3n Sizilien ißt man als Erstes — Eis. Nur in ben ganz großen Hotels Ijat man, ber Fre m- b e n wegen, jenes Frühstück eingerichtet, bas einem in Deutschlanb unb ber Schweiz „obligatorisch" auf bie Rechnung gesetzt wird, auch wenn man es nicht einnimmt, weil ber Arzt Fett ober Zucker ober Milch ober alles zusammen verboten hat. Bei wohlhabenben Familien mag ber Honiglöffel vielleicht auch im Vollen gebreht werben, boch gilt das, wie jede Nachahmung ausländischer Sitten, bereits als „snobistisch".
Und nach dem Frühstücksbildchen vermeintlicher Entbehrung kann, nein, muß man den übrigen Alltag einschätzen, wer die Dinge in Kriegsitalien richtig verstehen will. Die Genügsamkeit des Südländers — der im gegebenen Augenblick o pantagruelisch einhauen kann und gerade deshalb Feste an reichen Tafeln feiert, weil der Werktag die Ueppigkeit nicht kennt — ist der beste Wall gegen die Sanktionen. Südlich von Florenz gewinnen die Defen Seltenheitswert, es ist also kein großes Opfer, wenn nun die Zentralheizungen in ben mobernen Häusern auf Koks verzichten ober bie Schulen wieder kalt bleiben, wie es bis vor
wenigen 3ahren immer ber Fall Erst in jenem strengen Winter 1929, als in die Bäume erfroren, haben sich bie Eltern wegen ber blauen Hänbe ihrer Kinder Sorgen gemacht. Man friert sich eben durch den Winter, das war zeitlebens die Losung, ja, heute noch vertreten viele Aerzte die Meinung, geheizte Zimmer seien schädlich für die Gesundheit. Der Dauerbrandofen ber Auslänber wird angestaunt wie ein Wunber, noch dazu ein überflüssiges.
f c n“ unb exkreme Verfahren in ihren zwischenstaatlichen Beziehungen zu vermeiden. Es sei daher unvermeidlich, daß bas britische Volk in einem starken unb lebenbigen Völte r b u n b eine Einrichtung erblicken werbe, bie feinen eigenen natürlichen Empfinbungen für ben Frieden entspreche. Ls sei vielleicht unver- meiblich, bah man bie Stellung bes V ö l- ferbunbes unter bem Gesichtspunkt prüfe, wie er sich zu ber derzeitigen Lage stelle. Man könne jeboch keine Einrichtung nach einer einzigen Probe beurteilen. Es hanbele sich vielmehr um eine Erprobung auf bie Dauer, unb sie werbe baher auch neue Formen annehmen.
Der Völkerbund habe zwei Aufgaben, die des Vorbeugens und die des Ausheilens. Man müsse daher bie Kriegsgründe rechtzeitig beseitigen unb bie Kriegsfolgen heilen wenn ein Krieg ausgebrochen fei. Es kann kein Zweifel bestehen, welche bieser Aufgaben positiv ist unb auf welche sich die Anstrengungen ber Staatsmänner richten sollten. Niemals bürfe man übersehen, baß die Zukunft des V.ölkerbundes von feiner Fähigkeit abhange, die positive und ftaats- mannische Seite seiner Aufgabe zu erfüllen. England für grundsätzliche Aen- derung der Vöikerbundssatzung?
Paris, 26. Nov. (DNB.) Die Außenpolitikerin des „Ouevre" will auf Grund von Unterredungen, die sie vor kurzem mit einflußreichen englischen Persönlichkeiten in London hatte, bie Gewißheit gewonnen haben, daß die englische Regierung sofort mich Beilegung des italienisch-abessinischen Streitfalles eine grundlegende Aenderung der B ö lkerbundssatzung vorschlagen werde. Diese Abänderung würde sich so auswirken, daß England in Zukunft in Fällen, in denen bie Regel der K oll ektivsicherheit es in einen europäischen Krieg hineinziehen könnten, nur noch in ganz geringem Maße daran beteiligt sein würbe. Es sei außerbem vorauszusehen, baß bas kommenbe 3ahr nicht vorübergehe, ohne baß bie englische Regierung, u m Deutschland ben Wiebereintritt in
Libfch 3 assu. — (Scherl-Bilderdienst-M.) langen, würbe ber ehemalige Kaiser gefangen gesetzt. Sein einziger Sohn Menelik, der fetzt 20 3ahre alt ist, lebt in Französisch-Somaliland. Kaiser Halle Selassie und die höchsten Würdenträger des Reiches werden am Begräbnis Lidsch 3assus tellnehmen.
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