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In Frankreich findet gegenwärtig eine „Sowjetwoche" statt. Bolschewistische Gelehrte sind, auch vom Staatspräsidenten, mit allen Ehren- empfangen worden und sollen nun in Paris wissenschaftliche Vorträge halten. Auch in Brasilien wurde eine „Sowjetwoche" veranstaltet, aber sie hatte ein wesentlich anderes, weniger harmloses Gesicht. Was die ehrenwerten Abgesandten der Räterepublik durch ihre Anwesenheit in Paris theoretisch verleugneten, wurde in Natal, Pernambuco und anderen brasilianischen Städten praktisch angewandt: nämlich die Lehre und Methode der bolschewistischen Weltrevolution. Die Lehre heißt: Auflösung jeder staatlichen, völkischen und gesellschaftlichen Ordnung. Die
hoffen aber mit der brasilianischen Regierung, daß es ihr gelingt, den bolschewistischen Verbrechern diesmal einen Strich durch die Rechnung zu machen und damit auch den Drahtziehern in Moskau einen ' nrhnrinpn Denkzettel xu verabreichen.
Das Gespräch London—Rom
Oie Mittelmeerfrage bietet die größten Schwierigkeiten.
(Scherl-Bilderdienst-M.)
gierungstreue Zivilisten hatten sich in Marsch auf Natal gesetzt, das ebenfalls von Revolutionären besetzt war. Alle amtlichen Derbindungsmit- tel von Rio Grande do Norte waren m den Händen der Aufständischen, die von der Funkstation des Condor-Syndikats, der großen Luftfahrtgesellschaft, Aufrufe und Mitteilungen ausgesandt haben. In diesen behaupten sie, der Putsch sei von Natal bis Rio de Janeiro siegreich. In Sao Paulo seien 200 000 Arbeiter in den Streik getreten. Ein Funk- svruch schloß mit einem Hoch auf Luiz Carlos P r e st e s und die „Allianca Nacional Liber- tadora. Die Erwähnung von Prestes, der ein bekannter Kommunistenführer in Brasilien ist, beweist, daß es sich um einen kommunistischen U m - stürz versuch gehandelt hat. Luiz Carlos Prestes soll vor zwei Monaten aus Argentinien mit gefälschtem Paß nach Rio de Janeiro gekommen und unter dem Namen Roberto Castro die Aufstandsbewegung vorbereitet haben. Jetzt soll er spurlos verschwunden sein. Der vor einigen
London, 26. Nov. (DNB.) Die vom „Daily Telegraph" und von französischen Blättern verbreitete Meldung, daß Ministerpräsident Baldwin durch den britischen Botschafter in Rom eine persönliche Botschaft an Mussolini überreicht habe, wurde am Dienstag in London amtlich d e - m e n t i e r t.
„Echo de Paris" glaubt zu wissen, daß Sir Eric Drummond den Duce im Namen seiner Regierung aufgefordert habe, die Bedingungen mit- zute i le n, unter denen er zum Frieden b e- r e i t sei. Dies bedeute jedoch nicht, daß die britische Regierung ihren bisherigen Standpunkt geändert oder gar aufgegeben habe. London wünsche lediglich, die bisher über Paris gepflogenen Verhandlungen auf unmittelbarem Wege zwischen Rom undLondon weiterzu führen. Der britische Botschafter sei ferner ermächtigt worden, die Beratungen über die Mittelmeer-Frage in ihrer Gesamtheit aufzunehmen, so wie Mussolini es am 29. Oktober und am 4. November vorgeschlagen hatte. Das Blatt weist jedoch auf die st arten Meinungsverschiedenheiten hin, die grade in dieser Frage zwischen den beiden Regierungen bestehen. Während Mussolini für eine
Präsident von Rio de Janeiro bei Haussuchungen hat beschlagnahmen lassen. Nach diesen Dokumenten sollte der Aufruhr in Brasilien nur das Signal sein, um ähnliche Umsturzversuche auch in sämtliche andere n südamerikanischen Staaten herbeizusühren. Die brasilianische Polizei hat festgestellt, daß auch die entsprechenden Vorbereitungen für die bolschewistische Revolution in Argentinien, Chile, Uruguay, Columbien und Peru bereits vollendet waren.
Die Ereignisse in Brasilien haben wieder einmal schlagend d i e Doppelzüngigkeit der sowjetrussischen Politik bewiesen. Doch bekanntlich merkt das Volk den Teufel erst, wenn er es beim Kragen hat. Während in Genf Herr L i t • winow scheinheilig die Bestrafung des italieni- nischen Angreifers fordert und sich als Hüter des Weltfriedens aufspielt, während der sowjetrussische Botschafter in Paris, Potemkin, die deutsch- französische Verständigung hintertreibt, während die amtliche Diplomatie in Moskau mit den deutschfeindlichen Regierungen in Europa sogenannte „Beistandsverträge" abzuschließen versucht, entfesseln die roten Genossen in China den Bürgerkrieg, rühmt die Moskauer Militärzeitschrift „Rotarmist und roter Matrose" die Zersetzungsarbeit der Kommunistischen Partei Italiens, hetzen die kommunistischen Agenten in Frankreich gegen die Regierung Laval, holt der Bolschewismus in Südamerika zum Schlage gegen einen ganzen Erdteil aus ... Eine Spur des Grauens und der Gemeinheit kennzeichnet den Weg, den die Komintern rund um die Erde geht. Wir
Rio de Janeiro, 26. Rov. (DRV.) Die Zern trale der Bundespolizei hat Meldungen empfangen, nach denen der Auf st and in Pernambuco völlig niedergeworfen werden konnte. Auch die Aufständischen in Jaboalao sind vernichtend geschlagen worden. Sie befinden sich in völliger Auflösung und fliehen unter Zurücklassung von Waffen und Munition ins Innere. Die Truppenzusammenziehunaen in P a r a - hyba find beendet worden. Man rechnet damit, daß am Mittwoch der Vorstoß gegen die Aufständischen in Rio Grande do Korte seinen An- fang nimmt. Die Regierung hofft auch hier der Aufstandsbewegung schnell Herr werden zu können.
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Die Aufständischen hatten sich von Recife aus nach Jaboatao zurückgezogen. Dieser Ort ist eine große Industriestadt, in der sich Papierfabriken sowie Textil- und Eisenbahnwerkstätten befinden. Er liegt 25 Kilometer von Recife. 800 re-
einer Landung am Mittwochnachmittag oder Donnerstagfrüh einverstanden ist.
Oie kommunistische Gefahr in Britisch-Indien.
2 o n b o n , 27. Nov. <DNB. Funklpruch.) In den Morgenblättern wird der Inhalt eines Schreibens des Vizekönigs von Indien Lord Willingdon an den Staatssekretär für Indien veröffentlicht, m dem es u. a. heißt, der Kommunismus wolle in Indien so schnell wie möglich eine bewaffnete Revolution durch einen Aufruhr der Massen der A r b e i t e r k l a s s e, der Bauernschaft und des revolutionären Kleinbürgertums zustande bringen. Die Gefahren dieser Bewegung seien wegen der unterirdischen Art der Arbeit nicht allgemein bekannt. Die Regierung von Indien habe aber reichliche Beweise dafür, mit welcher Entschlossenheit diese Tätigkeit betrieben werde. Sie bilde eine tatsächliche, wenn auch vielleicht nicht sofortige Gefahr für den Frieden des Landes.
die Einstellung der britischen auswärtigen Politik. Es gebe gewisse Dinge, die in den Herzen aller Briten den tiefsten Widerhall hervor- riefen: Das Recht des Individuums und der Völker auf Selbstbestimmung und Selbst- regierung, die Erfüllung eingegangener Verpflichtungen, die faire B e» Handlung weniger zivilisierter Völ- k e r und das gemeinsame Bemühen, ein System zu finden, durch das die Menschheit instandgesetzt werde, ihre Streitigkeiten zu begraben und z u m gemeinsamen Nutzen aller zu arbeiten.
In diesen großen Fragen habe sich der politische Instinkt Englands als gesund und beständig erwiesen, auf ihnen ruhe aber auch der Völkerbund. Kiemanb dürfe sich daher wundern über den Eifer, mit dem die öffentliche Meinung Englands, dem Völkerbund zu Hilfe gekommen sei. Ein Land, das gewohnt sei, eine gewisse Mäßigung in Feststellungen und Ansichten zu üben, habe unvermeidlich ein Vorgehen unterstützen müssen, das die Ration dazu verpflichte. „411 Üben und l«ben zu
London, 26. Nov. (DNB.) Sir Samuel Hoare hielt auf dem Jahresessen des „Royal Institute for International Affairs", an dem auch der Prinz von Wales und das diplomatische Korps teilnal)nien„ eine Ansprache. Die britische Außenpolitik beruhe vor allem auf einem tiefen Instinkt für den Frieden. Es sei typisch für die britische Haltung, daß sie sich gegenüber einem scharfen Kurs in internationalen Fragen befleißige, sich möglichst ausgewogen und vorsichtig zu verhalten und jede übertreibende Feststellung der Lage zu vermeiden. Wenn sich aber einmal trotz aller traditionellen Vorsicht das englische Volk für eine Sache begeistere, so könne man auch ziemlich sicher sein, daß dies eine gute Sache sei. Deshalb seien die Engländer auch nicht stark im Haß.
Nach der Schlacht van Waterloo habe der Herzog von Wellington die Regelung, die man durch Verhandlungen herbeiführen müsse, als „eine Vereinbarung, die den Interessen aller Parteien dient und derzn
Moskau a!s AnWer.
Oer Führer des brasilianischen Aufruhrs ein Sendbote der Komintern.
„Leben und leben lassen."
Außenminister Sir Samuel Hoare: Ein lebendiger Völkerbund entspricht Englands Empfindungen für den Frieden.
Monaten wegen eines kommunistischen Putsches aus dem Bundesheer ausgestoßene Sergeant M 0 u r a soll sich zum revolutionären Gouverneur von Rw Grande do Norte gemacht haben. Der bisherige Gouverneur soll sich auf ein im Hafen von Natal befindliches mexikanisches Kriegsschiff geflüchtet haben.
„Graf Appelin" wird heute landen.
Berlin, 26. Nov. (DNB.) Wie die Deutsche Lufthansa mitteilt, hat das Luftschiff „Graf Zeppelin" Dienstagabend durch Funkspruch mit- geteilt, daß es von einem Dampfer 110 Kilogramm frische Lebensrnittel a n B 0 r d genommen habe und beabsichtige, noch bis Mitt- wochmittag an der brasilianischen Küste zu kreuzen, um dann gegebenenfalls in Pernambuco zu landen. Auf dem Landefeld sind lediglich die Licht- und Telephonleitungen zerstört worden. Sie werden im Laufe der Nacht ausgebessert werden. Voraussichtlich wird das Flugfeld bis zum Mittwoch Nachmittag klar zum Landen sein. Die Flugleitung des Luftschiffes funkte, daß sie mit
beroegung in Tientsin auf lächerliche Weise ihr Ende gesunden. Die Mitglieder des „Todeskorps" konnten unverletzt entkommen. Sie ließen Uniformstücke und Waffen zurück. Um zu verhindern, daß sich Unbefugte die Polizeiuniformen anzogen und so Polizeidienst versahen, trug die chinesische Polizei in Tientsin trotz der Winterkälte in den letzten un-
Art Neutralisierung des Mittelmeeres eintrete, versuche England im Gegenteil seine Vorherrschaft auszudehnen. Mit Griechenland sei ein Abkommen in Vorbereitung, das zwei neue britische Stützpunkte vorsehe und mit Frankreich sei eine Verständigung dahin erzielt morgen, daß England grundsätzlich den französischen Flottenstützpunkt von Bizerta gegen einen möglichen Angreifer benutzen könne. Die Frage sei daher, ob sich Italien mit einer derartigen Lage einverstanden erklären werde.
„Oeuvre" bestätigt die Ausführungen des „Echo de Paris", zeigt sich aber hinsichtlich einer baldigen friedlichen Regelung sehr skeptisch. Während man in London ein unerschütterliches Vertrauen in eine solche Regelung mit Italien zur Schau trage, ver- trete man in Rom die Auffassung, daß der Duce seinem Volke zuviel versprochen habe, um jetzt auf einmal der italienischen Oeffentlichkeit und der englischen gerecht werden zu können. Man wisse außerdem, daß die in Paris geführten Derhandlun- gen zwischen den französischen und britischen Sach- verständigen keinen Schritt vorwärts gekommen seien.
Friedrich Rosen war 1856 in Leipzig gboren. Er wurde nach Abschluß seiner Studien Lehrer der hindustanischen Sprache an dem neuerrichteten Orientalischen Seminar in Berlin. 1890 trat er als Dolmetscher in den diplomatischen Dienst ein und war zunächst in Teheran, bann als Konsul in Bagdad und seit 1899 in Jerusalem. 1900 wurde er in das Auswärtige Amt berufen, wo er das Orientreferat inne hatte. 1905 erfolgte feine Entsendung nach Abessinien, wo er mit dem Ne° gus Menelik in Addis Abeba einen Handelsvertrag abschloß. Inzwischen war die Marokko krise ausgebrochen; R. wurde in besonderem Auftrag nach Paris entsandt, wo er Verhandlungen über das Programm der AlgeciraskonferenA führte. Er war bann von 1905 bis 1910
Mittel finb: Morb, Terror, Meuterei.
Es ist wichtig, die Hintergrünbe bes kommunistischen Putsches in Brasilien zu beleuchten. Die Revolte entstaub nicht aus eigenem Entschluß un- zufriebener Elemente im Laube selbst, sondern sie wurde ausgeführt auf direkte Anweisung der Moskauer Zentrale der Komintern, die bekanntlich mit der sowjetrussischeu Regierung identisch ist. Der Aufstand wurde vorbereitet und geleitet durch den berüchtigten kommunistischen Hetzer Luiz Prestes. Dieser Prestes ist Mitglied der Sowjetkomintern und hat als solcher an dem letzten Kongreß der Komisttern in Moskau teilgenommen, auf dem im Sommer dieses Jahres die neuen Parolen an die bolschewistischen Aufrührer in aller Welt ausgegeben wurden. Von seiner Reise nach dem Mutterland der Dritten Internationale zurückgekehrt, hat Prestes im Sinne seiner Moskauer Auftraggeber sofort damit begonnen, die Befehle des „Generalstabs der Weltreoolutiou" durchzuführen. Wie ungeheuerlich der Plan war, den man sich in Moskau ausgedacht hat, geht aus den kam- - L
munistischen Schriftstücken hervor, die der Polizei-' gehörigen Denkzettel zu verabreichen.
Portugals in den Krieg tätig war. Im Oktober 1'916 kam R. nach Holland. Seiner Tatkraft und Klugheit ist es zu verdanken, daß bei den Schwierigkeiten in der Sand- und Kiesfrage im April 1918 Holland davor bewahrt wurde, noch zuletzt in den Weltkrieg hineingezogen zu werden. Nachdem infolge des Londoner Ultimatums in der Reparationsfrage das Kabinett Fehrenbach und mit ihm der Außenminister Dr. Simons zurückgetreten war, trat Rosen als Außenminister in das neue Kabinett Wirth ein am 23. Mai 1921. Mit dem Kabinett Wirth trat er schon im Oktober 1921 wieder zurück und lebte seither im Ruhestand.
R. ist, gleich seinem Vater, als Orientalist schrifttellerisch hervorgetreten. Sein bekanntestes Werk ist die Verdeutschung der Vierzeiler des persischen Dichters und Philosophen Omar Khajjam. Im Juni 1931 gab der 75jährige ein Erinnerungsbuch „Aus einem diplomatischen Wanderleben" (Transmare- Verlag) heraus, ein sehr kritisches, aber doch mit Mäßigung geschriebenes Buch.
Befehl Japan die entmilitarisierte Jone? Die Antonomicbewegnng in Tientsin zusammengebrochen.
Peiping, 26. Nov. (DNB.) Aus verschiedenen Orten längs der Großen Mauer treffen Meldungen ein, die behaupten, daß die japanischen Truppen in die entmilitarisierte Zone einmarschieren. In Peiping trafen Dienstagnachmittag japanische Truppen in Stärke von 500 Mann kriegsmäßig ausgerüstet ein. Die Truppen führten u. a. auch Maschinengewehre mit sich. Ihr Quartier befindet sich außerhalb des Ge- sandtschaftsviertels. Am Dienstagabend sah man auf den Straßen in Peiping chinesische Panzerwagen und Motorradpatrouillen. In Tientsin soll die japanische Garnison in der gleichen Weise verstärkt worden fein. Maßgebende japanische Stellen erklären, daß es sich um Truppen handele, die an einem Manöver teil- nehmen sollen. Manöver fanden aber erst vor drei Wochen in der Nähe von Peiping statt.
Die Bevölkerung Nordchinas verhält sich gegenüber der Autonomiebewegung im wesentlichen passiv. Verschiedene 'höhere Magistratsbeamte trafen aus der entmilitarisierten Zone in Paotingfu , ein, dem Sitz der Provinzialregierung, um hier । gegen die Autonomiebewegung Protest einzu- ■ legen. In Tientsin stürmte eine Volksmenge das Hauptquartier des sogenannten „Todeskorps" der nordchinesischen Autono- । mieberoegung und verwandelte es in einen Trümmerhaufen. Damit hat die Autonomie-
naler Festtag gefeiert. In amtlichen Erklärungen ward die völlige Uebereinftimmung der „drei Prinzipien" Sun-Jat-sens (Nationalismus — Demokratie — Sozialismus) mit den Grundan- schauunaen Konfuzes festaestellt. Die von Tschiang- Kai-schek ins Leben gerufene Bewegung „Neues Lebe n", die soviel von sich reden machte, verfolgt keinen anderen Zweck, als die Grundregeln konfuzianischer Moral auf die Bedingungen moderner sozialer Lebensformen zu übertragen und dadurch einen organischen Zusammenhang zwischen Sunjatsenismus und konfuzianischer Tradition herzustellen. Vernachlässigte konfuzianische Tempel mit von Moos und Gras überwucherten Dächern werden von den Behörden wieder instandgesetzt.
Diese amtlich geförderte Wiederbelebung des Konfuzianismus kommt den Anhängern anderer alter religiöser Lehren, vor allem den Buddhisten, mit zugute. Es ist dabei bemerkenswert, wie die Vertreter des vor 2000 Jahren aus Indien eingeführten Buddhismus dem nationalistischen Zuge der Zeit dadurch Rechnung tragen, daß sie erklären, der Unterjochung Indiens durch eine abendländische Macht sei am meisten durch die Verfolgung vorgearbeitet worden, der die Lehre Buddhas gerade in ihrem Ursprungslande ausgesetzt war. Auf seiner Wanderung nach Norden machte der Buddhismus ähnliche Wandlungen durch, wie das Christentum in Europa; er wurde diesseitiger, lebensbejahender. Neue buddhistische Sekten erfreuen sich in Nordchina und Japan heute eines riesigen Zulaufes, indem ste den durch den Zeitwandel geweckten sozialen Sehnsüchten zu immer neuartigerem Ausdruck verhelfen. So verkündet die in der Provinz Schantung verbreitete Sekte der Han-Tschu das Kommen eines chinesischen
Welterlösers.
Der Erneuerung des Konfuzianismus in China entspricht in Japan eine Erneuerung des Schintoismus, der nicht nur das japanische Kaiserhaus, sondern auch das japanische Volk von der Sonnengöttin Amaterusa abstammen laßt. Die kaiserliche Familie gilt als das „Große Haus ; es hat keinen besonderen Klannamen. Das japanische Volk ist die Gesamtheit der „Zweigfamilien", die zu dem Kaiser als Träger aller Souveränität in einem unwandelbaren patriarchalischen Abhängigkeitsverhältnis stehen. Dieses Verhältnis ist unabhängig von den jeweiligen Inhabern der Staatsgewalt. Auch Umstürzler vertreten ihre Forderungen „im Namen des Kaisers". Machtmißbrauch gilt immer als ein Anzeichen gestörter natürlicher Beziehungen zwischen Herrscher und Volk.
Die Entstehung des modernen Japans war begleitet von der Wiederbelebung der nationalen Kaiseridee, die das „S h 0 g u n a t", die Allgewalt des Obersten Heerführers, in den Hintergrund gedrängt hatte. Heute spricht man von einem „neuen , Shogunat" und meint damit „die von einer em-- ; flußreichen Plutokratie begünstigte Mißwirtschaft , politischer Parteien". Damals wurden die Stam- mesgottheiten gegen die vom Festlande herüber- ; gekommenen abstrakten religiösen Lehren, vor allem ; den Buddhismus, wieder zu Ehren gebracht. Heute handelt es sich bezeichnenderweise darum, den shintoistischen vaterländischen Geist von schädlichen abendländischen Kultureinflüssen zu reinigen. Da= mals öffnete man sich den Einflüssen eines noch unaeschwächten Abendlandes und nahm zu dem trostlosen Chaos in China Abstand; heute nimmt man zum „untergehenden" Abendlande Abstand und sucht unter Betonung des Vorranges der ureigenen religiösen Traditionen mit den religiösen Erneuerungsbewegungen auf dem asiatischen Kontinent Fühlung, um eine panasiatische religiöse Bewegung der Ausbreitung japanischer Vorherrschaft im Fernen Osten dienstbar zu machen. .
Die Unduldsamkeit des sich abermals wieder in den Vordergrund drängenden Shintoismus gegenüber abendländischen „gefährlichen Gedanken , im Vergleich zu seiner Duldsamkeit gegenüber ben wieder mächtig anschwellenden buddhistischen Strömungen, erhält auf diese Weise einen neuen, weltpolitisch recht realen Sinn. Wenn man Den unglücklichen Professor Min 0 be m die Wüste schickt, weil er im Sinne abendländischer Theorien das japanische Kaiserhaus zu einem bloßen „O r - gan" einer abstrakten Staatssouveränität herabwürdigen wollte, so deutet man andererseits die nationale Kaiseridee um in eine Art Manifestation des Weltgeistes. In diesem Sinne erklärt Tschi- kao Fujisawa, einer der Führer des modernen „Nippon-Kultur-Bundes": „Die große Mehrheit des japanischen Volkes ist fest davon überzeugt, daß irgendein von Japan als dem Lande der auf- gehenden Sonne unternommener Schritt in der Richtung wohlwollender internationaler Wirksamkeit streng von der Verfolgung eines auf die Unterwerfung schwacher Völker abzielenden bloßen Imperialismus oder Militarismus unterschieden werden muß. Gemäß unserer Staats- Metaphysik geschieht es nur dank der unbedingt unparteiischen und Liebe weckenden Autorität des Mikado, daß Militarismus, als bloße Ausübung physischer Gewalt, und ein zu schwächlichem Senti- mentalismus entarteter Pazifismus gereinigt und z u dem Prinzip internationaler G e - rechtigkeit und Friedfertigkeit verschmolzen werden".
Reichsaußenminister a. O. Friedrich Rosen gestorben.
Peiping, 27. N00. (DNB. Funkspruch.) Der frühere Reichsminister des Aeußern und langjährige Botschafter, wirklicher Geheimer Rat Dr. phil. Friedrich Rosen, ist am Mittwochfrüh an den Folgen eines vor 14 Tagen erlittenen Beinbruchs im Älter von 79 Jahren im deutschen Krankenhaus zu Peiping gestorben. Dr. Rosen war zum Besuch seines Sohnes, der der deutschen Botschaft in China angehört und augenblicklich vertretungsweise die Geschäfte des deutschen Konsuls in Mukden wahrnimmt, nach Peiping gekommen.
Gerechtigkeit so augenscheinlich sei, daß alle Parteien die Neigung zeigen würden, sie durchzu- Pihreu", be-eichnsL Dies jsi anch noch hsntr
Ser kommunistische Aufstand in Brasilien bricht zusammen.
Nie Bundesregierung meldet die Niederlage der Aufrührer in pernambuco und Vormarsch gegen Rio Grande do Norte.
Gesandter in Tanger, kam dann nach Bu- 1.. ....... — ~~....... - "
tat*# und LLiiabvK wo « bis Mw Eintritt ruhigen Lags» ihre Sommerumjorm.


