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Die Sünden der Väter. j

Eine eindrucksvolle Filmvorführung. 1

Die Abteilung Erbgefundheits- und - Rasfenpflege bei der Hessischen Aerzte- i k a m m e r und gleichzeitig der Beauftragte für . Rassen- und Bevölkerungspolitik bei der Gauleitung i Hessen-Nassau der NSDAP., Dr. med. H. W. 1 Kranz Gießen, hatten für den gestrigen Abend i die Vertreter von Partei und Behörden zu einer ' eindrucksvollen Filmvorführung in das Pathologi- ' sche Institut (Klinikstraße) eingeladen. Der Einla- - düng war sehr zahlreich Folge geleistet worden. Die - Organisationen der Partei waren sämtlich vertreten, Behörden des Kreises und der Stadt Gießen bewie- ( sen stärkstes Interesse. Die Wehrmacht hatte Ver- 1 tretet entsandt, verschiedene Körperschaften und Ver- 1 eine nahmen teil. Auch aus den Reihen der Gieße- ner Studentenschaft waren zahlreiche Zuhörer er- - schienen. Der Hörsaal des Pathologischen Instituts : war bis auf den letzten Platz besetzt.

Dem Film voraus ging ein kurzer Vortrag des Beauftragten für Rassen- und Bevölkerungspolitik bei der Gauleitung Hessen-Nassau,

Dr. med. h. HL Kranz, der in wenigen Sätzen das Problem der deutschen Ausartung umriß, die Zustände vor der Macht­ergreifung durch den Führer Adolf Hitler schilderte und auf die Verjudung hinwies, die insbesondere in den führenden Schichten unseres Volkes Platz gegriffen hatte. An Hand von aufschlußreichem Zahlenmaterial gab der Redner einen Eindruck von der Größe der Gefahr, die dem deutschen Volke vom rassischen Gesichtspunkte her drohte. Er wies darauf hin, daß der Staat die Judenfrage von sich aus nicht allein lösen könne, sondern jeder einzelne Volksgenosse für sich lösen müsse, wenn den Be­strebungen der Regierung Erfolg beschieden sein solle. In weiteren Ausführungen sprach der Redner kurz über die marxistischen Gleichheits- und Milieu­theorien und stellte ihnen die nationalsozialistischen Gedankengänge von dem bestimmenden Einfluß der Erbanlagen gegenüber. Er wies ferner darauf hin, das den Erbkranken wohl Pflege angedeihen solle, diese Pflege aber nicht in einem Ausmaß geschehen könne, daß die Unterstützung erbgesunder Familien unmöglich werde. Dr. Kranz umriß zum Schluß noch die Bedeutung der Sterilisierung und betonte, daß eine Sterilisierung nie als eine Strafe anzu­sehen sei, sondern nur die Forderung an Erbkranke darstelle, auf Nachkommenschaft zu verzichten. Der Nationalsozialismus habe die Aufgabe, auf dem beschrittenen Wege weiter zu gehen, wenn eine Aus­artung unseres Volkes erreicht werden solle.

Im Anschluß an den mit starkem Beifall aufge­nommenen Vortrag wurde unter dem TitelDie Sünden der Väter^ ein Film gezeigt, der im Auf­trag der Reichsleitung des Rassenpolitischen Amtes in einer Irrenanstalt ausgenommen worden war. Der Bildstreifen zeigte in kaum zu überbietender Wirklichkeitsnähe das beispiellose menschliche Elend der erblich Geisteskranken und ließ gleichzeitig er­kennen, daß die nationalsozialistischen Forderungen und gesetzlichen Maßnahmen zur Ausartung unseres Volkes nicht nur Forderungen zum Wohle der All­gemeinheit sind, sondern auch den Ausdruck einer großen Barmherzigkeit darstellen. Der Film übte auf alle diejenigen, die der gestrigen Vorführung beiwohnen konnten, einen tiefen und zweifellos bleibenden Eindruck aus. Zum Abschluß des Abends wies Dr. Kranz darauf hin, daß der Film gegen eine geringe Leihgebühr den Organisationen, Kör­perschaften und Vereinen zur Verfügung stehe. An­forderungen seien an die Abteilung Erbgesundheits- und Rassenpflege (Dr. med. H. W. Kran z), Gie­ßen, Frankfurter Straße 24, zu richten.

Mit einem dreifachenSieg-Heil!" auf den Füh­rer und Reichskanzler Adolf Hitler fand die ernste Veranstaltung chren Abschluß.

Achtet auf den Kartoffelkäfer!

LPD. Das vorjährige Auftreten des Kartoffel­käfers bei Stade hat dank der rechtzeitigen Ent­deckung des Schädlings durch Einsatz von Mann- Warum verkennst du mich,

Barbara?

Vornan von Liane Sanden.

Urheberrechtschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.) 20 Fortsetzung Nachdruck verboten!

Eckehard überlegte fieberhaft. Was war zu tun? Im Augenblick nichts. Er mußte den Mor­gen abwarten, dann würde er Mitteilung bei der Polizei machen. Aber er mußte auch Oberinspektor Rockesch benachrichtigen von dem, was hier ge­schehen war. Es widerstand ihm plötzlich. Viel­leicht konnte er diese Benachrichtigung hinaus­schieben und sie der Polizei überlassen. Er konnte sich nicht helfen. Er hatte das Gefühl, daß unter Umständen hier irgend jemand den Ermittlungen der Polizei entgegenarbeiten könnte.

Er legte sich hin, mußte jetzt schlafen. Zwei Nächte waren bereits um die Ohren geschlagen. Auf die Dauer war das auch für ihn zu viel. Und er mußte für die nächsten Tage frisch sein. Man konnte nicht wissen, was alles noch kommen würde.

Kaum hatte er sich hingelegt, als die solange zu­rückgedrängte Müdigkeit ihn gleich schwer überfiel. Er sank in einen tiefen Schlaf. Alles verging die angstvolle Sorge um die geliebte Frau, das Grübeln über die geheimnisvollen Ereignisse hier auf Schloß Schedlowitz, das Bewußtsein der Außen­welt. Das Licht in seinem Zimmer war längst verloschen, als sich am Fenster vorbei eine gebückte Gestalt schlich. Sie spähte aufmerksam durch die vorgelegten Fensterläden. In dem grünen Holz waren kleine Herzen ausgeschnitten.

Alles dunkel!" flüsterte drinnen eine Stimme. Er schläft."

Was hat's hier inzwischen gegeben?" fragte eine andere Männerstimme. Dann entfernten sich die beiden Gestalten lautlos.

Im Schloß sah die Schwester Mechthildis in ihrem weißen Ordensgewande wachend im Sessel neben dem Krankenbett. Ihr blasses Gesicht war matt vom Licht der verhängten Lampe beschienen. Durch ihre blassen Hände glitten unaufhörlich die Hülzperlen des Rosenkranzes. Jetzt richtete sie sich auf, schaute aufmerksam auf das Krankenbett. Barbara hatte sich geregt. Ein leises Stöhnen. Aber nun war es kein unartikulierter Laut mehr. Es war, als ob sich Worte formen wollten.

.Gnädige Frau", fragte sanft die Schwester, hören Sie mich?"

Die Kranke versuchte die Augen zu öffnen. Aber es schien ihr noch nicht zu gelingen. Doch flüsterte sie schwach, aber deutlich:Durst!"

schäften der SA. und des Freiwilligen Arbeits­dienstes sowie von Erwerbslosen glücklich unter­drückt werden können. Inzwischen hat sich der Käfer aber in Frankreich noch weiter ausgebreitet und ist der deutschen Grenze wieder viel näher gerückt. Mit Neueinschleppungen des Schädlings, der auch mit Schiffen von Amerika jederzeit zu uns kommen kann, ist daher jetzt noch mehr als bisher zu rech­nen. Der Käfer, der ebenso wie seine Larven die Kartoffelpflanzen kahl frißt, so daß sie nur wenig oder gar keine Knollen bilden können, würde unsere Volksernährung schwer bedrohen, wenn er sich in Deutschland festsetzen könnte.

Deshalb muß jeder Volksgenosse helfen, den Schädling zu entdecken, wenn er sich bei uns zeigen sollte. Dor allem hat jeder Besitzer von Kartoffel­land von jetzt ab bis zur Ernte aufmerksam dar­auf zu achten, ob sich verdächtiges Ungeziefer am Kartoffelkraut zeigt. Flugblätter und Merkblätter mit genauer Beschreibung und Abbildungen des Schädlings sind von der Biologischen Reichsanstalt für Land- und Forstwirtschaft in Berlin-Dahlem, Königin-Luise-Straße 19, herausgegeben worden und werden von der Reichsanstalt sowie von den Hauptstellen für Pflanzenschutz bei den Landes­bauernschaften auf Antrag kostenlos abgegeben.

Gießener Dochenmarktprelse.

* G i e ß e n, 27. Juni. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Molkereibutter, das Pfund 1,50 bis 1,55 Mark, Landbutter 1,40 bis 1,42 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 5 bis 10, Eier (in­ländische) 9 bis 10, Wirsing (grün), das Pfund 15, Weißkraut 20, Rotkraut 30 bis 35, Gelbe Rüben, das Bündel 10, Rote Rüben, das Pfund 10 bis 12, Spinat 15 bis 18, Römischkohl 10 bis 12, Bohnen (grün) 25 bis 30, Spargel 1. Klasse 40 bis 50, Sup­penspargel 20 bis 30, Erbsen 20 bis 25, Mischgemüse 10 bis 12, Tomaten 60 bis 65, Zwiebeln, das Bund 12 bis 15, (neue) 15 bis 18, Rhabarber 8 bis 10, Pilze 50, Kartoffeln, das Pfund 4% Pf., der Zent­ner 3,50 bis 4 Mark, (neue) das Pfund 18 bis 22 Pf., Aepfel 70, Aprikosen 60, Kirschen 25 bis 40, Stachel­beeren 15 bis 20, Erdbeeren 35 bis 45, Nüsse 50, Blumenkohl, das Stück 10 bis 70, Salat 8 bis 10, Salatgurken 20 bis 40, Oberkohlrabi 8 bis 10, Ret­tich 10 bis 15, Sellerie (Suppengrün) 5, Radieschen, das Bund 8 bis 10 Pf.

Vornotizen.

Tageskalender für Donnerstag. NSG.Kraft durch Freude": 20 bis 21.30 Uhr Vor­trag des Herrn Professor Sessous:Methodische Züchtung eiweiß- und fettliefernder Pflanzen als wichtiges Ziel der Erzeugungsschlacht". NSG. Kraft durch Freude": 16 bis 18 Uhr fröhlicher Spiel- und Sportbetrieb auf dem Universitätssport­platz Am Kugelberg. 20 bis 21 Uhr für jüngere und 21 bis 22 Uhr für ältere Frauen fröhliche Gymnastik und Spiele im Lyzeum, Dammstraße. Lichtspiel­haus, Bahnhofstraße:Licht im Dunkeln".

**VonderLandesuniversität. Der Ge­heime Medizinalrat Dr. Wilhelm Pfeiffer von der Veterinärmedizinischen Fakultät unserer Uni­versität wurde wegen Erreichung der Altersgrenze seiner amllichen Verpflichtungen entbunden.

** Gendarmeriepersonalie. Der Gen­darmerie-Hauptwachtmeister auf Probe Hans Fal­ter in Butzbach wurde unter Berufung in das Beamtenverhältnis mit Wirkung vom 1. Juni zum Gendarmerie-Hauptwachtmeister ernannt.

** Geheimrat Sommer i m Rundfunk. Am Samstag, 29. Juni, 14.45 Uhr, erfolgt die Wie­dergabe einer Aufnahme aus dem Bergwerk im Altenberg, bei Wetzlar, die von Geheimrat Prof. Dr. Sommer und dem Sprecher des Frankfurter Rundfunkes W. Platt am vergangenen Montag gesprochen worden war.

** DieAltersvereinigung 1875/1925 beging aus Anlaß ihres zehnjährigen Bestehens ihr diesjähriges Sommerfest in besonders feierlicher Form. Den Auftakt der Veranstaltung bildete eine Jubiläumsfeier in den Räumen des Gesellschafts­vereins, zu der sich die sechzigjährigen Alterskame-

Schwester Mechthildis atmete auf. Das war seit dem Unglücksfall das erste Zeichen von Bewußt­sein bei ihrer Patientin. Schnell nahm sie eine Schnabeltasse mit Milch vom Tisch, die dort in einem Schälchen mit Eis gestanden hatte. Sie hielt Barbara die Tasse an den Mund, ihren Kopf be­hutsam dabei stützend. Ein Freudenschein glitt über das Antlitz der Schwester. Denn Barbara trank einige Schlucke, um dann sofort wieder in ihren Dämmerschlaf zu verfallen.

Schwester Mechthildis prüfte den Puls. Gott­lob, er war kräftiger. Dann schob sie der Kran­ken, die schon wieder zu schlafen schien, vorsichtig ein Thermometer unter die Achselhöhle. Nach zehn Minuten nahm sie es heraus. Wirklich, das Fieber war gefallen. Die Krisis schien glücklich auszu­gehen. Schwester Mechthildis notierte die Zahl der Pulschläge und die Temperatur auf ihrem bereit­gelegten Bogen. Dann setzte sie sich wieder wa­chend in den Stuhl neben die Kranke. Ein heißes Gebet sandte sie zum Himmel empor, daß er Bar­bara von Stechow erhalten möge. War doch Bar­bara wegen ihrer Mildtätigkeit und ihrer Fürsorge für die Armen bei allen hier unendlich beliebt.

Der Morgen dämmerte schon. Behutsam schloß die Schwester die Vorhänge vor dem geöffneten Fenster, damit kein Lichtstrahl die Schläferin weckte. Draußen auf dem Gutshof begann schon das Leben. Man hörte die Hähne krähen. Nun wurden ein paar Scheunentore geöffnet. Ein lei­ses Rollen von Wagen klang herüber. Bald darauf klopfte es behutsam an die Schlafzimmertür.

Draußen stand Magdalena. Ihr blasses, über­nächtiges Gesicht zeigte: sie hatte nicht viel Schlaf gefunden.

Wie geht es, Schwester Mechthildis?" Angst und Sorge lagen in ihrer Stimme.

Schwester Mechthildis lächelte beschwichtigend.

Ich denke besser! Das Fieber 'ist in der Nacht gefallen. Der Puls ist ruhig. Frau von Stechow hat bereits einmal zu trinken verlangt. Wenn Sie selbst sehen wollen, Fräulein Gerwig?"

Behutsam schlich Magdalena auf den Zehenspitzen näher. Barbaras Gesicht war sehr bleich und wirkte mit den weißen Verbänden fremdartig. Dennoch war der ^reidenszug gewichen. Die Züge sahen entspannter aus. Magdalena preßte die Hände zusammen.

Ach, wenn wir hoffen dürften, Schwester Mechthildis!"

Schwester Mechthildis legte tröstend ihren Arm um die Schultern des jungen Mädchens:

Wir wollen beten. Der himmlische Vater wird unsere Bitte erhören."

23. Kapitel.

Leise, wie sie gekommen, schlich Magdalena hinaus. Es ließ ihr keine Ruhe. Sie wollte sehen, ob Eckehard von Mackenroth schon auf wäre. Sie wollte ihm die beglückende Nachricht, daß es der geliebten Freundin besser ginge, selbst

raden über Erwarten zahlreich einfanden. Der Vor­sitzende des Vereins, Herr Josef K r e u t e r ,1)1611 eine kurze Begrüßungsansprache, gedachte der Toten der Vereinigung und der Opfer der Arbeit von Reinsdorf. In einer Ehrung des Führers klang seine Ansprache aus. Gesangsoorträge eines Doppelquar­tetts des Bauerschen Gesangvereins sowie Darbie­tungen einer Musikkapelle verschönten die Feier. Bei unterhaltsamen Darbietungen verbrachten die Sechziger im Kreise ihrer Angehörigen eurige an­geregte Stunden in bester Harmonie und Kamerad­schaft. Am Sonntag nahm man gemeinsam am Kirchgang in der Johanneskirche teil, bei dem Pfarrer Bechtolsheimer allen Teilnehmern herzliche Worte widmete. Am Nachmittag trafen sich die Alterskameraden mit Frauen und Kindern in der Bergschenke. Unterhaltsame Vorträge, Kaffeepause und Tanz liehen die Stunden rasch vergehen. Sehr befriedigt begab man sich nach Hause.

** Rechnerbesprechung der Kredit­genossenschaften. Der Landwirtschaftliche Ge­nossenschaftsoerband Frankfurt a. M. hielt im Re­staurantFaulstich" eine Besprechung der Rechner der bäuerlichen Kreditgenossenschaften ab, die in Zukunft öfter stattfinden sollen. Sie sollen das Wissen der Rechner um die neuen Verordnungen und Bestimmungen fördern. In diesem Sinne wurde auch einleitend über den Aufbau der Orga­nisation und die Berufung des Verbandsleiters durch den Landesbauernführer gesprochen. Ein län­geres Referat brachte eine Ueberficht über das Reichsgesetz über das Kreditwesen. Es sieht eine Scheidung von Geldanlagen und Kapitalbildung vor und grenzt auch die Zuständigkeiten der öffent­lichen und der genossenschaftlichen Kreditkassen vor. Alle Maßnahmen und die Bildung neuer Reserven gehen darauf hinaus, weitreichende Sicherungen zu schaffen, um eine Gesundung und Erstarkung des Kreditwesens und des Volksoermögens herbei­zuführen. Nach dieser Erläuterung der Einzelheiten der Reichsverordnung wurde deren Sinn und deren zweckmäßige Ausführung besprochen. Der Sinn der Gesetzgebung ist der, keinen Spargroschen verloren gehen zu lassen und ihn dem Volksvermögen zu er­halten. Voraussetzung ist darum die Pflichterfüllung jedes einzelnen Instituts auch hinsichtlich der Ver­bindlichkeiten. Es wurde ferner davon gesprochen, daß der Geschäftsverkehr der Spar- und Darlehens­kassen mit den Molkerei-Genossenschaften in Ober­hessen gute Erfolge erzielt hat, so daß neue An­bahnungen solcher Geschäftsvorgänge empfehlens­wert find. In längeren Ausführungen wurden das bäuerliche Entschulungsverfghren und besonders die 7. Durchführungsverordnung erörtert. Der Vor­sitzende gab rückschauend ein Bild der ansteigenden Entwicklung der bäuerlichen Genossenschaften, deren Notwendigkeit sich erwiesen und auch von höherer Warte aus bestätigt worden ist. MitSieg-Heil!" auf den Führer wurde die Tagung geschlossen.

** Unfall. Der 16jährige Bäckerlehrling Erich H i l l b e r g e r von hier, Frankfurter Straße 41, der mit seinem Fahrrad unterwegs war,' wurde in der Nähe der Schönen Aussicht von einem Kraft­wagen angefahren und zu Boden geschleudert. Der junge Mann erlitt Fleischverletzungen und Hautab­schürfungen und mußte in die Klinik gebracht wer­den. Der Unfall konnte leicht schlimmere Folgen nach sich ziehen.

** Der Siebenschläfertag. Alte lieber« lieferung nennt den heutigen Tag denSiebenschläfer­lag". Nach der Legende zu Ephesus wurden im Ver­laufe einer Christenverfolgung unter dem Kaiser Dezius im Jahre 251 sieben christliche Jünglinge, die nach dem Bekenntnis ihres christlichen Glaubens in eine Höhle flüchteten, um ihren heidnischen Ver­folgern zu entgehen, von diesen dort eingemauert. Dort schliefen die Geängstigten ein und erwachten von ihrem todähnlichen Schlaf erst etwa 200 Jahre später zu einem Leben voll Reinheit und Heiligkeit. Die Sage von den sieben Heiligen ist weitverbreitet und hat auch im Koran Aufnahme gefunden. Das Landvolk sagt vom Siebenschläfertag:Regnet es am Siebenschläfertag sieben Wochen lang es reg­nen mag." Daher auch die Regel:Am Sieben­

bringen. Wie sie herunterkam, hantierte in der Halle der alte Franz sowie eines der jungen Stu­benmädchen. Er hatte ein vergrämtes Gesicht und sah ihr bange entgegen.

Ich glaube, Franz, wir können ruhiger sein. Schwester Mechthildis hat mir ganz gute Auskunft gegeben. Ich war einen Augenblick im Kranken­zimmer. Frau von Stechow sieht heute bedeutend besser aus."

Ein Seufzer der Erleichterung löste sich von den Lippen des alten Dieners.

Gott fei Dank, gnädiges Fräulein! Da will ich gleich der Mamsell und den anderen Bescheid sa­gen. Es hat ja heute keiner von uns ein Auge zu­getan. Ich glaube, so viel gebetet, wie heute nacht, haben wir schon lange nicht."

Magdalena reichte Franz impulsiv die Hand.

Wenn so viel Gebete für Frau von Stechow gesprochen werden wenn so viel Treue für sie bereit ist, dann wird der Himmel schon ein Einsehen haben. Ich werde dem Professor in Prag gleich telephonisch Bescheid geben, sowie das Postamt offen ist. Jetzt laufe ich nur schnell einmal hin­über in den Wirtschaftshof. Herr von Macken­roth hat so dringend gebeten, daß wir ihm gleich eine Nachricht zukommen lassen sollen. Wenn ir­gend etwas ist, Franz, dann lassen Sie mich rufen."

Magdalena eilte durch die Halle über die Terrasse in den Garten. Er lag unberührt und strahlend in der sommerlichen Morgensonne. Die Vögel jubilierten, die Blumen dufteten, Falter und Bie­nen flogen sommerselig durch die warme Sommer­luft.

Die prangende Schönheit der Natur tat Mag­dalena heute beinah weh. War es wirklich erst zwei -taae her, daß sie mit der Freundin hier ge­sessen, daß Barbaras teures Gesicht ihr nabe ge- wrsen? Erst zwei Tage seit jener rätselhaften Veränderung mit Barbara? Wie schämte sie sich jetzt, daß sie m ihrem Gram über Barbaras Un­freundlichkeit der Freundin einen Augenblick ge­zürnte hatte! Eigentlich sollte nie ein Mensch einem anderen, den er liebte, gram sein. Wie schnell konnte das Schicr)al irgendeine Katastrophe ein­treten lassen! Dann stand man hilflos da und hätte jeden lieblosen Gedanken ungeschehen machen mögen.

Nun war sie über die kleine Brücke in den Wirt­schaftshof gelangt. Dort war reges Leben. Die Türen zu den Kuhställen waren geöffnet. Die Mägde gingen mit den schäumenden Milcheimern vom Stall in die Milchkeller Leiterwagen stan­den auf dem Hofe. Die Pferde wurden aus den Ställen geholt und angeschirrt. In den großen Scheunen, die für Aufbewahrung des Grünfutters dienten, sah man, wie Knechte und Mägde dabei waren, das gestern geerntete Gras mit großen Gabeln auszubreiten, damit es ordentlich trocknete. Dom Taubenschlag her flogen die Tauben blitzend

schläsertag Regen ist von Unsegen. Da nach langem Regen das Getreide gern fällt, lautet em anderes altes Bauernsprüchlein:Sind die Sieben­schläfer regnerische Brüder, werfen sie das Getreide nieder." Ein schöner Siebenschläfertag wird als gu­tes Erntevorzeichen gedeutet:Siebenschläfer un Sonnenschein, verspricht viel Korn, viel Obst und Wein." Menschen, denen gesunder Schlaf fehlt, wen- den sich mit einer Fürbitte wohl auch an die sieben Patrone um die ersehnte Nachtruhe.

** Die Bescheide für Kanal-, S tr a- ßenreinigungs- und Müllabfuhr- Gebühren und die Bescheide über die kommu­nale Grundsteuer, Gewerbesteuer und Sonder- gebäudesteuer betrifft eine Bekanntmachung der Bürgermeisterei Gießen im heutigen Anzeigenteil.

** Preußisch - Süddeutsche Staats­lotterie. Die Ziehung der vierten Klasse der lau­fenden 45./271. Lotterie findet am 10. und 11. Juli 1935 statt. Schluß der Erneuerung: 3. Juli 1935.

** Sonntagsrückfahrkarten nach Frankfurt. Aus Anlaß der Werbewoche des Palmengartens und des Tiergartens in Frank­furt a. M. werden am kommenden Mittwoch, 3. Juli, Sonntagsrückfahrkarten ausgegeben. Die Karten gelten von 0 Uhr bis 24 Uhr.

** Erfolgreicher Gießener Kaninchen­züchter. Auf der am letzten Sonntag in Bad König (Odenwald) veranstalteten großen Allgemeinen Ka- ninchen-Ausstellung errana Emil Kern- Gießen auf Weiße Riesen-Kaninchen einen Ehrenpreis und zweite Preise, sowie die silberne Medaille von der Reichsfachschaft Kaninchenzüchter für das beste Tier dieser Schau. Justus V o lz - Heuchelheim errang auf Hermelin-Kaninchen einen zweiten und einen dritten Preis.

Schöffengericht Gießen.

Wegen Falschbeurkundung im Amt hatte sich ein gewisser Ehr. Sch. zu Herbstein zu verantwor­ten. Der Angeklagte, der amtliche Schriftstücke zu­zustellen hatte, gab diese der Bequemlichkeit halber z. B. bet dem Bürgermeister ab, da der Adressat angeblich nicht zu Hause anzutreffen sei. Der Bür­germeister sollte dann die Zustellungen vornehmen. Auf der Urkunde stellte der Angeklagte jedoch fest, daß er persönlich zugestellt habe. In der gestrigen Hauptverhandlung verlegte er sich darauf, sämtliche ihm zur Last gelegten Straftaten zu leugnen. Er konnte jedoch in über 200 Fällen überführt mer-

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M. Oetizek-Jhidding

durch die Luft und suchten um die Wette mit dem gackernden Hübnervolk Körner auf dem Boden. Gänte und Enten rannten flügelschlagend durch ein weit geöffnetes Tor der grünen Wiese zu. Im Pferdestall scharrten die Pferde schon unruhig und warteten darauf, auf die Koppel getrieben zu werden.

Magdalena blieb einen Augenblick stehen und nahm dies bunte Bild in sich auf. Es ging doch nichts über bas Leden auf dem Lande. Sie liebte es von klein auf. Sie war ja ein Kind des Lan­des. Aber so mannigfaltig und reich wie hier auf diesem aroßen Gut Barbaras hatte sie es noch nie kennengelernt.

Eine Magd im bunten Kopftuch und Mauer Schürze ging an ihr vorüber. Sie grüßte unter­würfig.

Guten Morgen!" sagte Magdalena freundlich. Ist Herr Inspektor von Mackenroth schon hier?"

Habben ich ihn nicht gesehen!" gab die Magd in ihrem gebrochenen Deutsch zur Antwort.Aberr ist^Herr Inspektor Rockesch schon hierr!"

Sie deutete auf eine Gruppe von Knechten, die drüben an der Scheune standen. Man hörte von dort die laute Stimme Rockeschs herübertönen.

Magdalena überauerte den Hof, wich hier einem Wagen aus, scheuchte dort einen wütenden Gänse­rich zurück, beugte sich schnell einmal hernieder, um ein goldgelbes, frisch ausgekrochenes Kücken zärtlich zu streicheln. Endlich war sie bei Ober­inspektor Rockesch angelangt.

Der hatte sie bereits gesehen und kam mit höf­lichem Gruß auf sie zu. Er war ein mittelgroßer, etwas untersetzter Mann mit einem Gesicht, das trotz des dauernden Aufenthalts in Sonne und Luft etwas Bleiches hatte. Er hatte einen schmalen Mund. In dem mageren Gesicht standen ein Paar Augen von unbestimmter heller Farbe.

Guten Morgen, Herr Oberinspektor!"

Guten Morgen, gnädiges Fräulein! Kann ich Ihnen mit irgend etwas dienen?"

Ja! Ich suche Herrn Inspektor von Macken­roth. Ich wollte ihm über das Befinden Frau von Stechows Nachricht geben."

Herr von Mackenroth scheint es verschlafen zu haben, gnädiges Fräulein. Ich wollte ihn auch nicht wecken. Er hat ja inzwischen sehr viel Arbeit gehabt. Darf ich mich vielleicht inzwischen erkun­digen, wie es Frau von Stechow geht? Sie kön­nen sich denken, wie furchtbar ich erschrak, als ich von meinen Holzverhandlungen heimkehrte. So ein furchtbarer Unglücksfall! Entsetzlich! Ent­setzlich!"

Es geht schon besser, Herr Oberinspektor!" sagte nun Magdalena freundlich.Wir erwarten heute abend noch einmal den Professor. Ich denke, wir kommen über den Berg."

Dann kann ich ja Herrn Inspektor von Macken­roth die gute Nachricht überbringen, gnädiges Fräulein." (Fortsetzung folgt!)