Ausgabe 
27.6.1935
 
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Weltpolitik und bedeutet einen Grundstein europäischer Friedenspolitik.

Der nordische Mensch und die nordische Raffe.

Der Leiter des Rassepolitischen Amtes der NSDAP., Dr. Groß, betonte, der nordische Mensch und die nordische Rasse sind heute in der Welt be­droht durch jene Gefahr, die als die gefährlichste und unerbittlichste bisher in der Geschichte aller Völker und aller Zeiten Menschen und Staaten zer­stört und ausgelöscht hat. Viele Völker sehen seit Jahren das Gespenst des Geburtenrückgan­ges vor sich. In dem letzten Jahrzehnt sind gerade die nordischen Völker viel stärker von dieser Gefahr betroffen als andere Nationen. Das bedeutet, daß der Einfluß der nordischen Völker in Zukunft schwächer und schwächer werden würde. Wir müssen es als unsere vordringlichste Aufgabe auf allen Gebieten des Volkslebens betrachten, diese Gefahr von den nordisch bestimmten Völkern abzuwenden. Zwei Grundhaltungen des nordischen Menschen sind für die Gestaltung auch der praktischen und realen Dinge unerläßlich. Es ist dies der selbst­verständliche Hang des nordischen Menschen zur Ordnung, zur Einordnung und zur Unterord­nung unter alle Dinge, die das praktische Leben des Tages betreffen, eine Haltung, die dem nordischen Menschen angeboren ist. Ihnen gegenüber steht der Begriff einer angeblichen Freiheit, die zum Chaos und zur Zerstörung der Grundlage jedes Kulturlebens der Völker überhaupt führen muß. Diesem Grundzug der äußeren Disziplin steht ein zweiter Charakterzug gegenüber, der für die zu­künftige kulturelle Entwickelung der Erde von größ­ter Bedeutung ist: der Drang zur inneren Freiheit und zur absoluten Selb st Ver­antwortlichkeit in allen Dingen, dke in die

Welt des Geistes und des Glaubens fallen. Der nordische Mensch wird immer der Bannerträ­ger der geistigen Freiheit sein. Wir kön­nen heute feststellen, daß in Deutschland sich im­mer mehr Menschen darüber klar werden, daß die yeistige Freiheit unerläßlich ist. Der nordische Mensch lst der Träger der eigentlich schöpferi­schen Kräfte des Geistes- und Kulturlebens überhaupt. Deshalb ist die Erhaltung des nordischen Menschen- notwendig.

Der nordische Gedanke.

Anschließend sprach der Reichsgeschäftsführer der Nordischen Gesellschaft, Dr. Ernst Timm, über den nordischen Gedanken. Es entspricht dem nordischen Gedanken, daß jedes Volk als Ganzes in sich und in seiner Eigenart unerschütterlich fest und frei dasteht und jedem anderen Volke die Voraus­setzungen seines Volkstums zubilligt und anerkennt. Für den Aufbau dauerhafter und friedlicher Be­ziehungen der Völker zueinander gibt es nur eine einzige Grundlage, die gegenseitige Ach­tung der völkischen Ehre des Landes. Wir stehen auf dem Standpunkt, daß ein Zusammenwirken der Länder um die Ostsee nur dann möglich ist, wenn damit den Interessen und Auffassungen aller be­teiligten Länder Rechnung getragen wird. Der Be­griff des Oftseeraums wird von uns niemals an­ders aufgefaßt als eine gegenseitige Rückendeckung des Vertrauens und Rückversicherung des wirtschaft­lichen Risikos. Wir glauben, daß in demselben Maße, wie unsere Auffassung in Deutschland an Boden ge­winnt und im Norden auf Verständnis trifft, sich auf dem Gebiete der deutschnordischen Beziehungen die Grundlagen schaffen lassen für einen Zustand, der beispielgebend sein kann für ein Zusammenwir­ken der Völker in einem neuen Europa des Ver­trauens und der gegenseitigen Hochachtung.

Glück und Elend im reichen Frankreich.

Von unserem E. ^.-Berichterstatter.

etwas gesalzenes Fleisch mit gewässertem Wein. Rouen hatte am Schluß der Raubkriege neun Zehn­tel seiner Bedeutung als Hafen verloren, in dem Finanzdistrikt Orleans gab es 1682 nur 6182 Kauf­leute, aber 7747 Beamte des Steuerwesens. Da­neben nahm die Geldverschlechterung zu und kamen ausgedehnte innere Anleihen. 1683 schrieb der be­rühmte F 6 n e I o n , Erzbischof von Cambrai, an denKönig Sonne": ,Zhre Völker, die Sie lieben müßten wie Ihre Kinder sterben Hungers. Der An­bau der Aecker ist fast aufgegeben, die Städte und Dörfer sind entvölkert, alle Gewerbe liegen dar­nieder und ernähren ihre Arbeiter nicht mehr. Aller Handel ist vernichtet. Frankreich ist nur noch ein großes tröst- und brotloses Spital." Aber zur glei­chen Zeit baute Ludwig XIV. unentwegt nicht nur an Versailles weiter, das 150 Millionen Livres kostete, sondern in den zwölf Jahren nach dem Frie­den von Nymwegen (1778) gab er allein für die Schloßbauten fast 75 Millionen Livres aus.

Das ganze 18. Jahrhundert ist von einer ewigen Finanzkrife ausgefüllt, die durch den Aktienschwindel John Laws noch ver­schlimmert wurde. Unmittelbar vor der großen Fran­zösischen Revolution, im Jahre 1787, gab der Finanz­minister Ludwigs XIV., Calonne, ein erschütterndes Bild:Alle Kassen sind leer, alle Staatspapieke entwertet, aller Geschäftslauf ist unterbrochen, die Bestürzung ist allgemein, das Vertrauen vernichtet. Es sind 80 Millionen Livres rückständiger Kriegs­kosten zu zahlen, mehr als 200 Millionen anderer Schulden: die Summe von 176 Millionen der Ein­künfte späterer Jahre ist schon jetzt verbraucht, das Defizit in den ordentlichen Einnahmen beträgt 76 Millionen, die Zahlung der Renten ist im Rück­stand. Alles in allem ein Fehlbetrag von 600 Mil­lionen, und dazu weder Geld noch Kredit." Dabei hatte derselbe Finanzminister von 1783 bis 1786 nicht weniger als 300 Millionen innere Anleihen aufgenommen! Aber er hatte allein an (Bnaben» beweisen für die Brüder des Königs und andere rund 100 Millionen Livres ausgegeben, der Königin Marie Antoinette waren 16 Millionen zum Ankauf des Schlosses St. Cloud zur Verfügung gestellt worden.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!

Paris, Juni 1935.

Die Finanzen", schrieb Friedrich der Große an Karl von Württemberg,sind der Nerv des Landes. Wenn Sie diese recht verstehen, wird das übrige ganz in Ihrer Gewalt sein." Dieser staatsmännische Grundsatz gilt nicht für Frankreich. Die Vertei­digungsschlacht für den Franken ist nicht loszulösen von einer Staats- und Ver­fassungsreform, gegen die sich die Kammern sträuben und auf die Laval verzichtete. Seine be­fristete Vollmacht erstreckt sich nur auf hie Frankenrettung und auf die Durchführung von Einsparungen im Staatshaushalt, auf deflationistische Tendenzen also, einer Senkung der staatlichen Aufwendungen zur Verringerung des Defizits, das trotz der Einsparungsaktion vor wenigen Monaten sich wieder in Milliardenhöhe be­merkbar macht, einer Senkung der Löhne und Preise, die einer Bevölkerung von der mangelnden Selbstzucht der Franzosen nicht ohne weiteres zu- gemutet werden können. Alle Regierungskrisen der letzten Jahre sind in dem Widerwillen der Wähler und ihrer Deputierten gegründet, die Opfer einer solchen deflationistischen Politik zu sein, und daher ist Lavals Aufgabe fast unlösbar, weil er nur einen Knoten des verworrenen Knäuels aufzu­lösen versucht. Frankreich hat bereits jetzt eine Staatsschuld von nicht weniger als 330 Milliarden Franken-, für das laufende Jahr wird ein Fehlbe­trag von 6 Milliarden im ordentlichen Haushalt berechnet, ferner kommen die Sonderetats mit 8 bis 10 Milliarden und die Eisenbahngesellschaften mit 5 bis 6 Milliarden hinzu, so daß also zu der alten Staatsschuld von 330 neue 20 Milliarden kommen, für die eine Deckung nicht vorhanden ist, weil der Kapitalmarkt für innere Anleihen nicht mehr aufnahmefähig ist.

Hinzu kommt, daß es im Kampf um den Franken eigentlich nur einen Besiegten gibt: Frankreich. Im Gegensatz zu 1924, als die internationale Spekulation sich gegen die Franken­stabilisierung fast verblutete, hat ihr diesmal der Kamps geringe Opfer gekostet. Die Aktionen gegen die Länder des Goldblocks, also gegen die Nieder­lande, die Schweiz und Frankreich wurden durch Terminkäufe in diesen Währungen durchgeführt, bei den ersten Währungen auf dreimonatige Sicht, beim Franken nur auf einen Monat, wobei der Report­satz pro Jahr etwa 20 bis 30 Prozent betrug, also monatlich ein Risiko war, das angesichts des erwar­teten hohen Gewinns man hoffte eine Abwer- tung von 40 Prozent zu erreichen nicht allzusehr in Betracht kam. Dagegen hat die französische Währunosbank, die Bangue de France, in den we­nigen Wochen seit dem 13. Mai, dem Tage des marxistisch-kommunistischen Sieges bei den Ge­meindewahlen, nicht weniger als 12 bis 15 Milliar­den Franken in Gold verloren, also mindestens ein Siebentel bis ein Fünftel i h r es Goldhortes von rund 80 Milliarden. Gewiß hat sie, zur Stützung der deflationistischen Tenden- zen, auch ihren Notenvorrat, also den Z<chlungs- mittelumlauf-, verringert, aber dieses Abschmelzen des gigantischen Goldvorrats mit verhältnismäßig geringen Anstrengungen der Spekulation ist doch ein Zeichen, daß selbst di- größte Goldhortun« bas Vertrauen in eine Währung nicht allein be-

3Ts $ interessant, daß nur übertriebene Rüstungen und die ewigen Kriege das französische Volk in Armut stürzten, em Nachlaßen beider aber (ofort die reichen chilssmittel des Landes ausblühen ließ. So hatte Frankreich bereits 1821 wi der ein Budget, das mit einem U-berschuß von __ ______ er___mnhrpnh De Oll*

Die große Französische Revolution beseitigte zwar das Steuerprivileg des Adels und des Kle­rus, aber die Finanzwirtschaft lief auf den gleichen Staatsbankerott hinaus wie die des absolutistischen Systems. Vergeblich hatte Dieder, der zweimal erfolglos Finanzminifter Ludwig XVI. gewesen war, am 27. August 1790 vor der Weiterbeschäfti­gung der Notenpresse gewarnt. Mirabeau vertei­digte die Assignatenwirtschaft, und die Leidensge­schichte des Assignatengeldes, jenes auf die National­güter gegründeten Papiergeldes begann. Don 17901795 stieg die Summe des Papiergeldes auf 47,5 Milliarden: als am 19. Februar 1796 der Beschluß gefaßt wurde, die öffentliche Hinrichtung der Notenpresse vorzunehmen, wurde die Zeit bis zur Ausführung des Beschlusses benutzt, um noch schnell für 12 Milliarden auf ihr abzuziehen. Die Streichung von zwei Dritteln der Staatsschuld am 30. September 1797, dieser offene Staatsbankerott, war das Ende. Dafür schickte der General B o - naparte von seinem italienischen Feldzug Gold, Silber, Gemälde und alles, was in Frankreich verschwunden war. Er wußte, was den Macht­habern in Paris gefiel. Als er mit dem Staats­streich vom 9. November 1799 diese Elenden besei­tigte, besaß die Armee weder Verpflegung noch Kleidung noch Sold, und der Staat hatte keine Einnahmen. Im Laufe von zwanzig Tagen ord­nete Bonaparte das gesamte Finanzwesen. Aber ein halbes Menschenalter später konnte im Ge­meinderat von Paris am 1. April 1814 der zweite Vorsitzenden Bellart dem Despoten einen Nachruf halten, der ebenso gut auf Ludwig XIV. gepaßt haben würde:Wer von uns hat nicht einen Sohn, einen Bruder, Verwandte, Freund verloren? Für wen find diese Tapferen gestorben? Für ihn allein und nicht für das Land. Weshalb? Ge­schlachtet sind sie worden, hingeopfert einzig dem Wahnbegehren, die Erinnerung an den schicklichen Unterdrücker zurückzulassen, der je auf dem Men- schengefchlecht gelastet hat. Er ist es, der statt der 400 Millionen, welche Frankreich unter unfern guten alten Königen (!!!) zahlte, um frei, gluck- Hrf) und zufrieden zu fein, uns mit mehr als 1500 Millionen Steuern belastet hat, denen er neue hm-

Dabei ist es merkwürdig, daß trotz feines beton- ten Traditionalismus der Franzose sich gar nicht gewiß ist, daß die Finanzmißwirtschaft des Staates der feste Pol in der Zeiterscheinungen Flucht geblieben ist, daß es ganz selten gelang den französischen Staat auf finanziell gesunde Grundlage zu stellen. Ob Monarchie oder Republik in dieser Beziehung waren die Regierenden aus dem gleichen Material Schon Philipp IV der ..Schone (12851314), der sich die gewaltigen Guter der Tempelritter aneignete, griff zu M^äverschlechte- rungen und wurde deshalb von Bernhard von Saisset, Bischof von Pamiers, geschrhaht. Als der französische Einheitsstaat unter e i n r i cp IV. (15891610) eingeführt wurde, betrugen die Staats­einnahmen jährlich etwa 37 Milliarden ßiores, aber man langte damit nicht zu und verkaufte Richter­und Steuereinnehmerftellen. Ein Parlamentsrat kostete Ende 1604 etwa 70 000 Livres, das sind 456 000 Mark, ein Requetenmeister gar 100 000 Liv­res, also 651 999000 Mark. Unter Ludwig XIV. (16431715) verschwendete Frankreich seine Kraft durch ausgesprochene Raubkriege und wahnsinnige Verschwendung in Luxusbauten, und das Ergebnis war eine vollständige Verarmung. Das kleine Ar­tois, das jährlich 400 000 Livres Steuern nufbrachte, hatte an jährlichen Kriegslieferungen 800 000 Livres berechnet. In dem fruchtbaren Landstrich Beauce äbfchloß, während 'die all-

bei Orleans begnügten sich die Landleute mit Wasser 32 Milli u wnahm Als durch die F e - und Oerftenbrot, nur die Reichen nahmen dazu gemeine Wohlfahrt zunahm. ourqj

Autobahn Frankfurt-Heidelberg im Gebrauch.

Interessante Derkehrsstatistik.

Im Mai wurde durch den Führer Deutschlands erste Autobahnstrecke Frankfurt am Main Darmst adt dem Verkehr übergeben. Wenn nun diese verhältnismäßig kleine Strecke auch nicht maßgebend sein kann für die Beurteilung aller Möglichkeiten, die die Autobahnstrahen in Zukunft bieten werden, so ist es doch interessant festzustellen, wie sich der Verkehr bisher auf dieser ersten Strecke angelassen hat. So ergab eine Zähluna am 3 0. M a i 19 3 5, daß an diesem Tage insgesamt 7096 Fahrzeuge die Strecke benutzten, dabei allein zwi­schen 15 und 16 Uhr über 900 Kraftfahrzeuge. Während zwischen 4 und 5 Uhr morgens ein Tief­stand in der Benutzung der Fahrbahn zu verzeich­nen ist, nimmt der Verkehr von den weiteren Mor­genstunden an bis etwa gegen 13 Uhr zu. Dann tritt für kurze Zeit ein kleiner Rückgang ein, bis zu den Abendstunden ist dann wieder eine gewal­tige Steigerung zu verzeichnen.

Dienst am Kunden.

An den drei Zufahrtsstraßen, Frankfurt a. M.-Süd (Kreuzung Alte Mainzer Straße), an der Kreuzung der Straße MörfeldenLangen und an der Kreu­zung DarmstadtGriesheim befinden sich Wärter- Häuschen, von denen aus auch derDienst am Kun­den" betrieben wird. Erleidet ein Autofahrer auf der Strecke einen schweren Motorschaden, den er nicht selbst beheben kann, so verständigt er den Strei- fenöienft, der von Zeit zu Zeit die Strecke befährt und dann die nötigen Maßnahmen veranlaßt.

Noch wichtiger sind diese Einrichtungen aber b e t Unfällen. So hat das Wärterhäuschen bei Frank- furt einen besonders konstruierten Wagen, mit dem die Streife in der Lage ist, Verletzte zum Arzt zu bringen. Besonders wertvoll ist dabei, daß diese Be­amten auch im Sanitätsdienst ausgebildet sind.

Oer Stand der übrigen Strecken.

Mit allem Nachdruck wird an dem Bau der wei­teren Strecken gearbeitet. So gehen die Arbeiten auf der Strecke DarmstadtHeidelberg rüstig vorwärts; große Teile der Straße sind be­reits soweit fertiggestellt. Da auch die meisten BrückenÖauten schon vollendet sind, kann man da­mit rechnen, im September d. I., also zwei Jahre nach dem Spatenstich, auch diese Autobahnstrecke dem Verkehr übergeben zu können. Auch die Erd­arbeiten von Heidelberg nach Karlsruhe, bis etwa in die Höhe von Bruchsal, sind bereits ein­geleitet.

Auf der nördlichen Strecke F r a n k f u r tG i e ß e nA I s f e I dK a f f e 1 haben die Planie­rungsarbeiten bis etwa Butzbach gute Fort­schritte gemacht. Einen schwierigen Punkt stellt je­doch das Stück zwischen der Mainbrücke und der Sossenheimer Straße dar; hier muß im Ausstrahlungsgebiet der Stadt Frankfurt beim Bau mit der lleberroinbung zahl­reicher Hindernisse in Gestalt von Straßen, Eisenbahnlinien, Wasserläufen usw. gerechnet wer­den. Bald wird man aber auch hier Gelegenheit haben, 6ei einer Fahrt üb»r die Straßen des Füh­rers, deutschen Arbeitsgeist zu bewundern

bruar-Revolution 1848 die Bourbonen aus Frankreich vertrieben wurden, gelang es der neuen Regierung doch, mit eiserner Faust die Neo- Jakobiner zu unterdrücken. Während der Herrschaft des dritten Napoleon spottete man zwar, daß er Frankreich ausplündere; man fang:

Der Glanz des Ruhmes ist fast egal In welchem Neff und Onkel strahlen: Der Onkel nahm der Feinde Kapitalien, Der Neffe nimmt sich Frankreichs Kapital" aber der Bürger Frankreichs bildete sich, der alle politischen Wandlungen überdauerte. Er ist zwar reichlich zurückgeblieben und sehr ver­kalkt, doch trotz aller politischen Torheiten, des Sturzes der Monarchie, der Kommune, von 1871, die ein Zeichen der anarchischen Gewalten waren, die unter der Oberfläche des gut-bürgerlichen und alle Skandale überlebenden Frankreich tätig sind, konnte Frankreich mühelos die Kriegsentschädigung für 1870/71 bezahlen. Die vier Milliarden Mark, die es geben mußte, bratfyte es reichlich auf. Bereits am 27. Juni 1871 wurde eine Anleihe von zwei Milliarden Franken überzeichnet: Paris, das so­eben die Toten der Kommune begraben hatte, zeich­nete für sich allein 2,5 Milliarden Franken. Eine zweite Anleihe von 3500 Millionen wurde gegen Ende Juli glatt überzeichnet, und Simon berichtet inLe gouvernement de M. Thiers, daß in zwei Tagen, am 25. und 29. Juli 1871, Frankreich nicht weniger als 42 Milliarden 641 Millionen als Kredite angeboten wurden. Daß es bis zum Beginn des Weltkrieges allein an das zaristische Rußland 16 Milliarden Goldfranken auf Nimmerwiedersehen verlieh, obgleich die Verwendung dieser ungeheuren Summen zu Kriegsvorbereitungen gegen Deutsch­land jedem Franzosen klar war, ist bezeichnend genug.

Aber der Weltkrieg hat dem französischen Volke nicht nur ungeheure Blutopfer gekostet, sondern in der Folgezeit Poincarss Testament einer bourbonischen und napoleonischen Beherrschung Europas durch Frankreich nicht erfüllt. Während Deutschland erstarkt, ist Frankreich in den alten Wahnvorstellungen befangen, als müsse es sich gegen Deutschland sichern. Dafür bezahlt es hungrige Ver­bündete, dafür stürzt es von einer Finanzkrise in die andere und rüstet, während das Volk verzwei­felt. Der Franzose hat aus seiner Geschichte nichts gelernt.

Danzigs (Sparprogramm.

Die Opposition versagt ihre Mitarbeit.

Danzig, 26. Juni. (DNB.) Der Danziaer D o l k s t a g nahm den Antrag der NSDAP, auf Herabsetzung der Diäten der Abge­ordneten um 66% Prozent mit 43 gegen 28 Stim­men an. Bei der Abstimmung über zwei weitere Gesetzentwürfe des Senats, die die Rechtsstellung der Beamten und Lehrer nach der Guldenabwertung neu regeln bzw. ihre vorzeitige Versetzung in den Ruhestand ermöglichen sollen, stimmten 42 Natio­nalsozialisten und ein polnischer Abgeordneter für die Gesetze, während 26 Abgeordnete der Opposition gegen die Gesetze stimmten und der zweite polnische Abgeordnete sich der Stimme enthielt. Da diese Ge­setze oerfassungsändernden Charakter haben, wird die Danziger Negierung andere Wege suchen, um die für die Erhaltung Danzigs notwendigen Maß­nahmen durchzuführen.

Senatspräsident Greiser stellte fest, daß aus­baufähige Kräfte innerhalb der Opposition nicht vorhanden seien. Die Haltung der Opposition be­weise, daß nur die von einer starken Autorität ge­tragene nationalsozialistische Regierung in der Lage sei, bei der schwierigen Lage Danzigs die notwen­digen Maßnahmen schnell und entschlossen durchzu­führen. Der Senatspräsident bekannte sich zur Ver­ständigungspolitik mit Polen, betonte aber, daß Danzig aus eigener Kraft und auch unter Opfern die Selbständigkeit der Danziger Währung aufrecht­erhalten werde. Er habe der Opposition die Hand entgegengestreckt und sich sogar zu Verhandlungen bereit erklärt. Nachdem die Opposition bewiesen habe, daß sie nicht gewillt sei, an dem schweren Werk der Erhaltung Danzigs mitzuarbeiten, ver­zichte er auf ihre Mitarbeit. Die Regierung werde die für notwendig erkannten Maßnahmen in ande­rer Weife durchführen.

Ireigesprochene in der Berufungs- Verhandlung zum Tode verurteilt.

Wien, 26. Juni. (DNB.) Vor einem Schwur­gericht hatten sich vor einigen Monaten vier Per­sonen wegen verbotenen Sprengstoff­besitzes zu verantworten. Es waren damals em Angeklagter zum Tode verurteilt und drei wei­tere Angeklagte freigesprochen worden, da der Gerichtshof ihre Schuld als nicht erwiesen annahm. Für den zum Tode verurteilten Ange­klagten hatte der Verteidiger, für die freigesproche­nen Angeklagten der Staatsanwalt beim Obersten

Gerichtshof Berufung eingelegt. Der Oberste Gerichtshof bestätigte nun das Todesurteil und hob die drei Freisprüche auf. Gleichzeitig sprach er für die drei damals freigesprochenen An- geklaaten die Todes st rafe aus. Während der Urteilsverkündung erlitt die Gattin eines der ur­sprünglich freigesprochenen und nunmehr zum Tode verurteilten Angeklagten, eine Mutter von fünf Kindern, einen Schreikrampf und mußte aus dem Saal getragen werden.

Litauische Willkür.

Kowno, 26. Juni. (DNB.) Durch Beschluß des Kownoner Appellationshofes ist das Vermögen der memelländischen KreditgesellschaftenAgraria" undKreditverband" beschlagnahmt worden. Dieser Beschluß steht im Zusammenhang mit dem Memelländerprozeß im Frühahr d. I. In diesem Prozeß wurden die beiden Kreditinsti­tute unter der Beschuldigung hineingezogen, sie hätten in ihrer Tätigkeit politische Ziele Der- folgt. Obwohl aus Zeugenaussagen im Prozeß klar hervorging, daß derKreditverband" und die Agraria" unparteiisch Darlehen an die Kre­ditsuchenden gegeben haben, ist der Untersuchungs­richter Krygeris beauftragt worden, eine Unter­suchung gegen diese memelländischen Kreditinsti­tute einzuleiten. Die beiden Kreditinstitute versorg­ten bisher die memelländische Landwirtschaft mit Krediten.

Oie deutschen Lustschiffe als Auslands­sendboten deutscher Leistung.

Im Aeroclub von Deutschland iy Berlin hielt Polizeipräsident Christiansen, Mitglied des Vorstandes der vor kurzem neugegründeten Deut­schen Zeppelin-Reederei, einen Vortrag überDas Erbe des Grafen Zeppelin". Die Lei­stungen unserer deutschen Zeppelin-Lustschifse und unserer deutschen Segelflieger, so führte der Redner aus, verschaffen uns im Ausland stets von neuem Anerkennung und Bewunderung. Beide zählen als große Aktivposten für unsere Geltung im Auslande. Auf feine eigenen Erfahrungen, die bei langen Fahrten auf See gesammelt sind, zurück- greifend, schilderte der Redner dann die Entwick- luna, die in den Fahrten unserer Zeppelin-Luft­schiffe verkörpert ist. Viereinhalb Monate hat er mit dem schnellsten Segler, den er einst selbst geführt hat, für eine Rundreise zwischen Deutschland und Südamerika gebraucht, ein Dampfer benötigt heute einen Monat dafür, unserGraf Zeppelin" bewältigt die Reise von Friedrichshafen nach Rio de Janeiro und zurück in neun Tagen. Die Luft­schiffe find auf den langen Strecken über die Welt­meere hinweg als das am besten geeignete Schnelloerkehrsmittel für die Personen­beförderung anzusehen. Die Frage: Flugzeug oder Luftschiff hat sich für den Luftverkehr durch die praktische Erfahrung der letzten Jahre in die Ant­wort: Flugzeug und Luftschiff gewandelt. Die Zusammenarbeit zwischen Flugzeug und Luft­schiff ist durch die Beteiligung der Deutschen Luft­hansa an der Deutschen Zeppelin-Reederei fest ver­ankert. Mustergültig ist der Gemeinschaftsdienst Lufthansa und Zeppelin-Reederei nach Südamerika, bei dem die Post abwechselnd durch Flugzeug und Luftschiff, befördert wird. Die Art des Reisens im Zeppelin muß als Mittelding zwischen Schlaf- und Speisewagen und Schiff bezeichnet werden. Ein besonderes Kapitel sind die Funk spräche, die an denGraf Zeppelin" auf seinen Ozeanfahrten gerichtet werden. Jedes Schiff, gleichgültig welcher Nation, pflegt denGrafen" anzufunken mit der Bitte:Bitte, überfahren Sie mich, meine Passa­giere wollen Sie sehen". Wenn die Abweichung von dem Kurs nicht zu groß ist, wird auch den Wün­schen der Kapitäne entsprochen.

Zum Schluß seiner Ausführungen teilte der Red­ner dann noch mit, daß das Aufbauprogramm der Deutschen Zeppelin-Reederei neben dem Einsatz des der Vollendung entgegensetzendenLZ 129" den Bau von weiteren größeren und schnelleren Luftschiffen Vorsicht.

Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich W. Lange, für Feuilleton: Dr Hans Thynot für den übrigen Teil i. V.: H. L. Neuner. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. V. 35: 10151. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Longe, K.-G., sämtlich in Gießen.

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Zur ZeU ist Preisliste Nr. 2 vom 2. Juli 1934 gültig.