neuen Geist vermittle ihnen das Lager. Wenn die ältere Generation in ihrer Jugend diese Lager gehabt hätte, dann wäre sicherlich nicht der Marxismus und der Kommunismus über unser Land gegangen. Eins müßten wir wieder lernen, daß wir zusammenstünden und uns zusammenreihen würden, wie es in der Kampfzeit der Fall gewesen war. Der Führer sei selbst in den rötesten Gebieten vorangegangen, und seine Gefolgschaft sei niemals gewichen, sondern sei zum Siege durchgedrungen, auch wenn der Sieg mit Blut erkauft wurde. Heute werde nichts mehr mit dem Blute erkauft, sondern mit dem Geiste. Dem ganzen Volke müsse man es beweisen, hier steht ein Hitlerjunge, der ein ganzer Kerl ist. Die Hitlerjugend habe die Verpflichtung, draußen im Leben sich so zu verhalten, daß keiner Kritik üben könne. Die noch Zögernden
und Zagenden mußten sich sagen, hier marschiert eine Jugend, lauter Kerle und mit rechten Führern. Die Eltern und Lehrer würden dann der Hitlerjugend ihr vollstes Vertrauen entgegenbringen, das nötig sei zum Bau unseres Staates. Die Hitlerjugend sei unser Erbe, sie müsse erkennen, was der Führer wolle. Wenn sie den Willen des Führers erkannt habe, dann werde das Dritte Reich das Reich Adolf Hitlers.
Bannführer Schreiber dankte darauf Pg. H o r ft für seine Worte an die Hitler-Jugend. Sein Dank galt weiter seinem Kameraden Walter Buß für den Aufbau des Lagers.
Unter den Klängen des HJ.-Liedes „Vorwärts, vorwärts" wurde dann am Lagermast die Hakenkreuzfahne gehißt. Damit war das erste Lager in diesem Jahre eröffnet.
Aus der provinzialhaupistadt.
UnterhaltungSzuschüffefürReferendare
Der Reichsjustizminister hat verfügt: Im nationalsozialistischen Deutschland soll der Zugang zum Richteramt und den sonstigen Rechtswahrerberufen nicht von den wirtschaftlichen Verhältnissen der Bewerber abhängig sein. Bedürftigen würdigen Bewerbern während des Vorbereitungsdienste^ zu helfen, ist Sabe des Staates. Einer staatlichen Unterstützung ig ist nur, wer charakterlich und fachlich die erforderliche Eignung besitzt- Die Zahl der Bewerber, die aus Staatsmitteln unterstützt werden kann, richtet sich nach dem Bedarf der Gesamtheit.
Bei der Bewilligung und Bemessung der Unterhaltszuschüsse sind in jedem Einzelfall die wirtschaftlichen Verhältnisse, der Familienstand und das Lebensalter des Antragstellers und insbesondere auch der Umstand zu berücksichtigen, inwieweit der Referendar im Haushalt von Angehörigen Unterkunft und Verpflegung erhält. Der Unterhaltungszuschuß beträgt
in den Ortsklassen S und A
im I.Jahr des Vorbereitungsdienstes bis zu 150 RM.
„ 2. „ ,, „ „ „ 160 „
„ 3. „ „ „ „ - „ 170 „
in den Ortsklassen B bis D
im I.Jahr des Vorbereitungsdienstes bis zu 140 RM.
„ 2. „ „ „ „ „ 150 „
„ 3. „ „ „ „ „ 160 „
Den Referendaren können Kinderzuschläge wie den planmäßigen Beamten gewährt werden, nicht aber örtliche Sonderzuschläge.
Die Mittel für Unterhaltungszuschüsse dürfen nicht verzettelt werden. Von der Gewährung von Zuschüssen, die keine wirksame Hilfe bringen, ist abzusehen.
Der Unterhaltszuschuß ist für die Dauer der tatsächlichen Beschäftigung im Vorbereitungsdienst und des anschließenden Prüfungsoerfahrens zu zahlen.
NGLB., Kreis Gießen.
Fachschaft: Körperliche Erziehung. Bezirk Gießen.
Tagung der Pflichtarbeitsgemeinschaft am Mittwoch, 29. Mai, in der Turnhalle der neuen Pesta- tozzischule, 15.30 bis 16.30 Uhr Knabenturnen, 16.30 bis 17.15 Uhr Leistungsturnen, 17.15 bis 18.15 Uhr Mädchenturnen.
Die Leiter der Wettspiele in den Kreisgebieten sind dazu eingeladen. Es wird noch einmal darauf hingewiesen, daß laut Verfügung des Stadt- und Kreisschulamtes alle Lehrkräfte, die Turnen erteilen, an der Arbeitsgemeinschaft teilnehmen müssen. Turnkleidung ist mitzubringen.
Da diesmal Vorbereitungen für die Kreiskonferenz am 5. Juni 1935 getroffen werden; muß alles da sein.
Ausstellung von Echülerarbeiten über das Winterhilfswerk.
Durch eine Verfügung der Minifterial-Abteilung für das Bildungswesen wurden im letzten Winter, wie auch im Winter 1933/34, die Schüler aller hessischen Schulen aufaefordert, den Gedanken des Winterhilfswerks im Unterricht darzustellen. Mit der Aufgabe befaßten sich alle Schulen, und sie sandten ihre besten Arbeiten der Mmisterial-Abtei- lung ein, die einen Teil der Arbeiten zu einer Wanderausstellung zusammenstellte, die nun in den Kreisstädten Hessens der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht wird.
Die Ausstellung für Gießen findet im Haus der Deutschen Arbeitsfront, Schanzenstraße, statt und war am Samstag und am gestrigen Sonntag für Eltern und Freunde der Schule geöffnet. Für Lehrer und Schüler ist sie noch bis zum kommenden Freitag, 31. Mai, 12 Uhr, zugänglich. Für Gießen hat Zeichen-Oberlehrer Schäfer vom hiesigen Lyzeum, der Leiter der Arbeitsgemeinschaft für Kunsterziehung, im Auftrag des RSLB. die von der Minifterial-Abteilung zur Verfügung gestellten Arbeiten zusammengestellt und aufgebaut.
Die Ausstellung zeigt Arbeiten von Kindern des 7. Lebensjahres ab bis zu der Oberstufe der höheren Lehranstalten und der Berufs- und Gewerbeschulen. Besonders viele Zeichnungen bringen eine Darstellung von Aussprüchen führender Männer über das Winterhilfswerk, daraeboten in Kunstschrift, Pinselzeichnung oder auf sonstige Art. Unter diesen Zeichnungen fällt besonders angenehm die Arbeit eines Gießener Schülers auf über das Wort: „Aus guten Taten und Opfern erwächst Segen für kommende Geschlechter". Eine ganz originelle Arbeit trägt den Spruch: „Seit Deutsche aus einem Topf essen, ist Streit, Partei und Rot vergessen". Dabei ist an Stelle des Wortes Topf ein dampfender Eintopf eingezeichnet. Andere Arbeiten tragen die Worte: „Stadt und Land — Hand in Hand" oder „Das Dorf hilft der Stadt". Man sieht auch, mit welch eigener Art Land- und Stadtjugend die Arbeiten des WH.-Werkes verschieden betrachten. Die Landjugend bringt vielfach Darstellungen der Ablieferung der Erntevorräte, Einsammeln durch Jungvolkpimpfe, SA.-Männer, Verladen der Kartoffelzüge und Lastautos. Stadtjugend zeichnet Bilder über das Eintreffen der Gaben, die Not der hungernden Familien, die Tätigkeit der grauen Loseoerkäufer, das Reichsheer im Dienst des WHW. u. a. m. Man kann sagen, daß es keine Art der Sammlung und Ablieferung gibt, die nicht von Kleinen und Großen im Bild festgehalten ist, sei es mit Bleistift, Tusche oder Farbe, als Scherenschnitte, gerissene oder geklebte Arbeit. Von tiefem inneren Erleben spricht eine Arbeit aus Offenbach; sie stellt einen Frontsoldaten im Stahlhelm dar und trägt die Schrift: „Opfere wie jene!"
Das vorliegende statistische Material, meist von Schülern der oberen Klassen und Berufs- und Gewerbeschülern ausgearbeitet, bringt Berechnungen über Ergebnisse und Verteilung der Sammlungen, ferner graphische Darstellungen der Ernteergebnisse und der gesammelten Mengen des WHW. aller Schulen einer Stadt (aus Offenbach), Hilfsbedürftig- feit der Einwohner eines Kreises (aus Bensheim), Unterstützungen der einzelnen Gemeinden eines Kreises. An dieses Material sind Berechnungen aller Art angeknüpft.
Die ausgestellten Aufsätze, deren Themawahl oft den Schülern überlassen blieb, befassen sich mit allen Gebieten des Winterhilfswerks. Einzelne besonders gute Arbeiten seien hier angeführt: „Wie ich meinem Volke dienen kann", ferner „Vom rechten Geben" oder „Keiner darf in diesem Winter hungern und frieren", ferner „Deutsche Jugend beim WHW.", „Hitlers Kampf gegen Hunger und Kälte", auch einige Aufsätze mit Illustrationen: „Wie Ruppertsburger helfen", recht saubere Arbeiten einer Vogelsberger Dorfschule. Ein mit besonderen musikalischen und dichterischen Anlagen begabtes Kind hat sogar ein kleines Lied über das WHW. ausgearbeitet.
Aus allen Arbeiten ist ersichtlich, wie unsere
Jugend in ganz besonderem Maße am Aufbauwerk unserxs Führers interessiert ist und wie sie im Denken und Fühlen ganz auf Mitarbeit am Gelingen der großen vaterländischen Aufgaben unseres Volkes und seines Führers eingestellt ist. Der Besuch der Ausstellung sei namentlich allen Erziehern und Schülern dringend empfohlen.
Das Sleibergfest.
Mit dem Wetter steht und fällt jede Veranstaltung in einem Ausflugsort, wie der Gleiberg es ist. Wenn der Veranstalter des Gleibergfeftes, der Gleibergverein, in den vergangenen unfreundlichen kalten und nassen Tagen mit gemischten Gefühlen dem gestrigen Sonntag entgegensah, so hoffte man auf Grund des ansteigenden Barometerstandes auf einen schönen Tag.' Doch wurde es einer, wie man ihn sich nicht wünschte. Besonderer Umstände wegen mußte man von der gewohnten Lage des Festes im Sommer absehen und dafür einen früheren Termin wählen. Da im schönen Monat Mai der Gleiberg inmitten der Pracht und Herrlichkeit des Frühlings immer einen besonderen Anziehungspunkt bildet, wäre bei günstigem Wetter sicherlich ein Riesenbesuch zu verzeichnen gewesen. Außerdem kommt jeder, der einmal eine Festvoran- staltung auf dem landschaftlich, geschichtlich und architektonisch bedeutsamen Gleiberg mit erlebt hat, stets wieder gern zu ihm.
Immerhin zählte man 600 bis 700 Menschen, Einheimische und Fremde, die auf den kaum nach Beginn des Festes einsetzenden starken Regen in die glücklicherweise reichlich vorhandenen Räume der Burg flüchteten, wo an zwei Stellen fleißig das Tanzbein geschwungen wurde. Ein besonderes Lob gebührt den Bemühungen des Gleibergvereins, die Jugend heranzuziehen und zu ihrer Belustigung beizutragen, um damit schon frühzeitig die Liebe zur Heimatburg in jugendliche Herzen zu pflanzen
Desgleichen erhielt das Fest eine besondere Rote durch die Teilnahme des in bester Freundschaft mit den Festgebern verbundenen Turnvereins Krofdorf, der sich dadurch, nach voraufgegange- nem Umzug im Ort, keinen besseren Auftakt zu seiner Tättgkeit in der vom 26. Mai bis 2. Juni dauernden Werbewoche für das Turn- und Sportwesen wünschen konnte. Freilich kamen die schönen Aufführungen der Jugendabteilungen und der Turnerinnen bei dem Gedränge im Kaisersaal nicht zur vollen Wirkung. Spiel- und Tanzlieder mit anmutigen Bewegungen, sowie Keulenübungen warben für die deutsche Turnsache. Die vorgesehenen Volksbelustigungen im Burghof mußten bei dem Regen unterbleiben, lediglich die Schieß- und Wurfbude vermochte eine Weile ihren Betrieb aufrechtzuerhalten. Die zahlreiche Kinderschar wurde mit Brezeln bedacht.
Als Gast konnte der Gauobmann der Deutschen Arbeitsfront Becker-Frankfurt a. M. begrüßt werden, der sich aus Interesse am Gleiberg einige Zeit auf der Burg aufhielt. Am Abend traf auch der Vertreter des Landrates des Kreises Wetzlar, Regierungsrat Dr. Weis, ein, durch dessen Anwesenheit die Verbundenheit des Gleibergs mit den staatlichen Stellen zum Ausdruck kam. Wenn auch durch den niedergegangenen Regen der Weg zur Burg in aufgeweichtem Zustande war, so kamen doch am Abend noch zahlreiche neue Gäste. Immerhin hat auch dieses verregnete Glei- bergfeft gewiß dem Gleibergverein und dem Turnverein Krofdorf neue Sympathien gebracht und damit zur erneuten Vertiefung der Heimatidee, wie auch zum Nutzen der Deutschen Turnsache als Vorbereitung für die neue Wehrmacht, die die soldattsche Erziehungsschule des deutschen Volkes werden soll.
Vornotizen.
— Tageskalender f ü r Montag. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Sie und die drei".
Lin schöner Abend unter dem binnen Wimpel.
Volksdeutsches Fest für alle.
Daß die Arbeit des Vereins für das Deutschtum im Ausland, die Sache der hingebungsvollen Pflege deutschen Volkstums über alle Länder und Meere hinweg in Gießen eine gute Heimstatt hat, ist nicht allein weithin bekannt, sondern auch schon oft durch Taten und Bekenntnisse unter Beweis gestellt worden. Man kann sogar sagen, daß für die VDA.- Ardeit in unserem Heimatbezirk und darüber hinaus von Gießen aus mancherlei fruchtbringende und an« feuernde Pionierarbeit geleistet worden ist.
Bei dieser tiefen Verwurzelung des VDA. in unserem heimatlichen Volkstum war es denn auch nur eine Selbstverständlichkeit, und dock eine besondere Freude, daß das gestrige Volksdeutsche Fest für alle der VDA.-Frauengruppe Gießen im Stadttheater einen sehr starken Besuch aufzuweisen hatte. Bereits von 19 Uhr ab herrschte in dem mit den Hakenkreuzbannern und mit DDA.- Wimpeln geschmückten Stadttheater regfter Betrieb. Man hatte zunächst Gelegenheit, aus einer reichhaltigen Auswahl an zahlreichen Tischen sich ein Abendessen zusammenzustellen, das eine gute Grundlage geben sollte für die weiteren Anforderungen, die der Abend in Gestalt von Darbietungen mannigfaltigster Art und zum Schluß natürlich der Tanz brachte. Während sich im Foyer und in den Wandelgängen eine ansehnliche Menschenmenge, zum großen Teil eifrig mit der Vertilgung der appetitlichen Abendbrotschnitten beschäftigt, hin- und herbewegte, erklang schmissige Unterhaltungsmusik von Mitgliedern der Kapelle Krengel, die den Hörern eine gute Freude bereitete.
Mitlerweile versammelte sich aber auch im Theatersaal eine sehr große Menschenmenge, deren be» sonderes Interesse sich zunächst auf die darstellerischen Ereignisse auf der Bühne konzentrierte. Bald nach 20 Uhr rasselten die Klingeln durch das Haus und riefen die Besucher zu dem Höhepunkt des Festes in den Theatersaal. Hier wurde unter der künstlerischen Leitung von Frieda Spielberg, Weimar, eine eindrucksvolle und feingestaltete Ueberschau über das Wirken deutscher Frauen im Wandel der Zeiten gegeben.
Zuvor richtete die Vorsitzende der VDA.-Frauen- gruppe Gießen, Frau Eg-?r, eine kur?' Ansprache an die Besucher, die den Theatersaal in all"n Teilen bis zum letzten Platze füllten. Die Rednerin
dankte der Stadtverwaltung und den Firmen und Geschäftsleuten für die Förderung dieses Abends durch die Ueberlassung des Stadttheaters bzw. durch Spenden von Waren und Gaben für den kulinarischen Teil des Festes. Sie wies dann auf die hohen Ziele und die überaus dringlichen Aufgaben der VDA.-Arbeit hin, begrüßte mit Dankbarkeit die starke Förderung des VDA. durch die Reichs- regierung, durch die erst dem VDA. der Charakter und das Arbeitsfeld eines wehrhaften Dolksbun- des zum Nutzen unserer volksdeutschen Brüder und Schwestern jenseits der Reichsgrenze gegeben wurde. Weiter forderte Frau Eger alle Volksgenossen in Stadt und Land auf, angesichts der Treue, die von den deutschen Volksgenossen und Volksgenossinnen jenseits unserer Grenzen trotz vielfältiger Leiden und Schwierigkeiten immer wieder ihrem deutschen Volkstum bekundet und gehalten wirb, auch von der Heimat her Treue um Treue zu bekunden dadurch, daß alle miteinander beitragen zur Stärkung und Förderung der Arbeit des VDA., um auf diese Weise guten Dienst zu leisten am deutschen Volkstum und am deutschen Vaterland, das jetzt erfreulicherweise dank dem Wirken unseres Führers wieder in der Welt geehrt und geachtet dasteht.
Eine feine Darbietung des Collegium Musicum unter Leitung des Universitäts-Musikdirektors Prof. Dr. Ternesvary leitete den künstlerischen Teil dieses Höhepunktes des Abends ein. Frau Lony Bernhard sprach dann einen Prolog, in dem ein glühendes und dankerfülltes Gelöbnis und Bekenntnis zu unter aller Mutter Deutschland, zugleich auch die Verehrung und der Dank für deutsches Frauentum und deutsche Mutterschaft zum Ausdruck kamen. Nunmehr folgten zwölf lebende Bilder, die in wundervoller künstlerischer Gestal- tung mit feinem fraulichen Empfinden von den Darstellerinnen, wie auch von der künstlerischen Leiterin Frieda Spielberg vor die Rampe qe- bracht wurden. Das Thema „Deutsche Frauen im Wandel der Zeiten" wurde an folgenden zwölf lebenden Bildern behandelt: Gudrun (Darstellerin Waltraut von Eisenhardt-Rothe), Roswitha von Gandersheim (Brigitte Haller), Heilige Elisabeth (Frau o o n F r i t s ch), Frau Cotta (Frau S ch o n e b o h m), Barbara Uttmann (Hanna
MWUM»«....
Vornan von Charlotte prenzel.
Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Derlag, Halle (S.). 22 Fortsetzung Nachdruck verboten!
Liane unterdrückte nur schwer einen Aufschrei. „Mein (Bott, Gerda ist fort? Wo ist sie?"
„Ich weiß es ebensowenig wie Frau Morland, die mich gerade telephonisch von Wildbad anrief und mir das Verschwinden des Mädchens mitteiüe!"
„Aber irgendwelche Angaben muß sie Ihnen doch gemacht haben? Gerda kann doch nicht wie vom Erdboden verschwunden sein?" rief Liane erregt.
„Sie können sich wohl denken, wie böse Frau Morland ist, will Gerda überhaupt nicht wiedersehen. Kurz vor dem Mittagessen hat Gerda von einer fremden Dame gesprochen, die sich für eine Freundin von Frau Scholz ausgab, und die sie zu überreden suchte, mit ihr nach Frankfurt zu fahren, um sie dort an Frau Scholz abzuliefern. Gerdas Sehnsucht nach Ihnen scheint so groß gewesen zu sein, daß sie der Dame gefolgt ist. Anscheinend war Gerda vorher auch ungezogen zu der Großmutter; jedenfalls — ist sie fort. Mir scheint nur eins sicher, daß die Dame, die sich für eine Freundin dieser nicht existierenden Frau Scholz ausgab, keine andere als Frau Marckart sein kann. Niemand als sie hat ein Interesse ba- ran, Gerda an sich zu fesseln, niemand kann auch größere Kombinationsfähigkeit besitzen, sich so schnell in die Dinge zu finden, wie es hier geschehen sein muß.
„Und was kann man nur tun?"
Ich habe bereits an Frau Marckart telephoniert. Das Mädchen sagte mir, sie sei einige Tage ver- reist, wohin — unbekannt. Auch das stimmt also mit meiner Vermutung überein. Frau Marckart wird jedenfalls allein oder mit dem Mädchen in den nächsten Tagen zurückkehren. Ich kann mir auch nicht denken, daß Gerda nicht energisch nach Frankfurt verlangen sollte, wie ihr die Fremde doch versprochen. Ich bin sicher, daß sie hierher kommen werden."
„Das ist eine sehr schwache Hoffnung, und Gerda ist dann immer noch in der Gewalt der Mutter!"
Erst nach einer Pause kam die Antwort: „Sie können überzeugt sein, daß ich nichts unversucht lassen werde. Ihnen das Mädchen zuzuführen.
Die Polizei bleibt uns schließlich auch noch. Vorläufig weiß ich keinen anderen Rat, als zu warten. Frau Morland fährt morgen früh nach Hause. Ich reife ihr entgegen, um noch Näheres von chr zu erfahren. Morgen mittag hören Sie weiter von mir."
Was half es, daß Liane ihn anflehte, alle Hebel in Bewegung zu setzen, um das Mädchen zu finden? Sie wußte ja selbst, Ernst würde nichts unversucht lassen.
In den ersten Nachmittagsstunden des nächsten Tages kam Ernst. Er war gedrückt, finster; man sah ihm die furchtbare Sorge um das Mädchen an.
„2ch habe meine Annahme bestätigt gesunden", sagte er auf Lianes dringende Fragen. „Kitty hat Gerda entführt. Frau Morland konnte mir nur wiederholen, was sie mir am Telephon sagte. Demnach hat Gerda eine Reise zu ihrer geliebten Frau Scholz stürmisch verlangt, und als die Groß- mutter diese verweigerte, ging Gerda ohne Er- laubnis. Frau Morland wußte das Hotel, in dem bie Fremde abgestiegen war. Ich habe mich sofort dorthin gewandt. Der Name wurde mir bestätigt, auch daß die Frau Kommerzienrat mit einem Mädchen im Auto gestern nachmittag abgefahren märe, wurde mir mitgeteilt. Ich konnte noch den Autovermieter ermitteln, der die Dame bis nach Pforzheim in ein Restaurant gebracht hat. Von dort hat man mir auf meinen telephonischen Anruf auch den dortigen Autovermieter mitgeteilt, dieser aber war nicht zu erreichen. Möglich, daß er die Damen noch fährt. Es läßt sich'also nichts tun, als abzuwarten, ob Kitty heute nach Frankfurt zurückkehrt."
Liane hatte den Kopf tief gesenkt. „So war also alles umsonst. Statt das Mädchen fester an den Vater zu binden, habe ich es der Mutter in die Arme geführt."
„Klagen Sie sich doch nicht an. Wie können Sie sich beschuldigen? Niemals kann Sie eine Schuld treffen."
„Wenn Fred nur noch einige Tage bleibt."
, „Fch glaube es bestimmt! Wäre er in Hamburg eingetroffen, müßte längst eine Depesche von ihm da sein!"
„Wäre er in England gelandet, müßten Sie auch schon Nachricht haben."
Ernst erhob sich schwerfällig. „Wir wollen Hof- fen, daß er noch fort bleibt. In seiner Erregung konnte er zu allem fähig fein. Schon einmal, als Kitty den Aufenthaltsort des Mädchens wissen
wollte, vergaß er sich so weit, einen Stuhl mit aller Wucht nach ihr zu werfen. Ich konnte ihn auffangen, werde mir auch jetzt alle Mühe geben, eine Katastrophe zu verhindern, werde mich aber heute damit begnügen müssen, die Wohnung Frau Marckarts nicht aus den Augen zu lassen. In der Nähe des Hauses befindet sich ein Caf6, dorthin werde ich meinen Beobachtungsposten verlegen. Wollen Sie mich sprechen, wenden Sie sich dorthin!" Er ging. Liane nahm, um sich zur Ruhe zu zwingen, eine Handarbeit vor. Plötzlich fuhr sie jäh zusammen. Die Klingel tönte durch das Haus. Bettys Stimme vernahm sie deutlich, dann eine andere, die alles Blut in ihr jäh erstarren ließ. Sie erhob sich mühsam, wankte ein paar Schritte nach vorn, der Tür zu; aber schon wurde diese geöffnet — Fred stand vor ihr.
Sie wich vor ihm wie vor einem Gespenst zurück. Daß sie nicht aufschrie, daß sie nicht weiter vor ihm flüchtete, begriff sie in diesen Augenblicken selbst nickt.
Sein freudig erregtes Gesicht veränderte sich jäh bei ihrem Anblick. Wie hatte er diesem Augenblick des Wiedersehens entgegengebangt! Nun war es geschehen, sie wußte alles, wandte sich ab. Auf dem schnellsten Wege war et. nach Hause gekommen, ruhelos hatte es ihn vorwärts getrieben nach einmal hatte er die herzliche Liebe in ihren Augen lesen, ihre wirkliche Freude über seine Rückkehr fühlen wollen. Dann, wenn ihre beiden Herzen noch rascher klopften von dem Glück des ungetrübten Wiedersehens, hatte er beichten wollen. Nun schloß sich fein Mund; er wandte sich ab.
Sie begriff nicht, was in ihm vorging. Sie fühlte nur, sie mußte sich zusammennehmen, durfte ihn den furchtbaren Schrecken nicht merken lassen den sein plötzliches Erscheinen ihr verursachte.
„Fred?' entfuhr es ihr zaghaft.
Gr wandte sich ihr wieder zu, sah sie ernst und groß an „Sv sehr erschrickst du vor mir?" fragte er eindringlich. 1 y
eSl<Vat.m ^gestreckten Händen auf ihn zu „pcp habe dich doch nicht erwartet. Ich glaubte em Gespenst vor mir zu sehen", erwiderte sie, ihre zitternde Stimme zum Scherz zwingend. '
Sünbe Zwischen die seinen und führte sie an die Lippen. Er fühlte, wie ihre Fmger zuckten. Was war nur mit ihr? Unmöa» l<$Lf2"nte etn freudiger Schreck sie so erregen. „Ich bm es selbst, Liane! Wozu gibt es Flu^
3euge? Den Morgenzug erreichte ich nicht mehr. l5 §iu93eu9 hat mich heil und gesund zurückgebracht. ö 1 0
ßiane fühlt-, wie die Füße sie nicht mehr trugen. Die Angst um fein Kind hatte ihn getrieben, und es war den Händen entglitten, denen er es anvertraut hatte.
„Don Hamburg bist du hierher geflogen?" wie- oAolte sie mühsam und versuchte zu lächeln. ö glaubte dich noch in England. Ernst meinte, oafc du dorthin einen Abstecher gemacht hättest." r.e!n wenig verlegen. Er hatte oÄ" r.^urf^r . absichtlich nicht mitgeteilt. Un- nnr ma,^r Hm gewesen, wenn sich ihr Haus hfn rc-mi ^schlossen hätte, wenn sie ihm vielleicht en Eintritt verwehrt. Sehen und sprechen hatte "och emmal müssen, selbst wenn sie schon wutzte ... Nein, sie war noch ahnungslos! Warum aber war sie Jo seltsam? Er tjatte sich die Heimkehr ganz anders gedacht.
Er sprach noch einige belanglose Worte, dann zog er sich in fein Zimmer zurück.
tiane war es, als ob sie zusammenbrechen müßte. Was nun? Hoffnungslos stand sie der Frage gegenüber. Er war da, wenige Stunden weiter, und er würde von der Entführung des Mädchens Witzen, wurde mit der Mutter feines Kindes furcht- rrrer ?.tnn jemals zusammentreffen, würde zu allem fähig fein, nur um seine Tochter von der Frau fernzuhalten, die er aus ganzer Seele ver- achtete.
Klang da nicht schon seine Stimme auf der Ireppe? Liane lauschte. Richtig, er gab Bettn Anweisung, dem Chauffeur zu sagen, daß dieser das Auto zur Ausfahrt fertigmachen sollte^
Liane raffte sich auf. Sie rief nach Bettn nBäb- Udslch das Mädchen zum Ausgang anklecket, an Ernst: ^"^en Händen ein paar Zeilen
,— , ., ' *siane t
Ä.“as. -
fam bie Antwort. Nur ein paar
?'C ?r,eb unter allen Umstanden zühEen 9 Qber stimmt diesen Abend feft-
(Fortfetzung folgt!) G™fL


