H6 teilen, uto....
Roman von Charlotte prenzel.
Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.).
8. Fortsetzung. Nachdruck verboten!
Der offene Spott in Freds Zügen verwandelte sich in Verblüffung, dann lachte er kurz auf. „Nanu? Woher kommt dieser plötzliche Arbeitswille?"
„Ich habe wohl das Recht, in dem Geschäft meines Vaters zu arbeiten."
„Das Recht haben Sie allerdings, nur muß ich Sie als Mitarbeiter leider ablehnen. Ich würde eine rührige und tüchtige Kraft begrüßen, aber auf einen Mitarbeiter, dem die einfachsten Regeln der Geschäftsführung nicht bekannt sind, muß ich verzichten."
„Ich werde lernen, werde mich einarbeiten."
Nun wurden seine Züge sehr ernst, mit größter Eindringlichkeit antwortete er: „Mein Fräulein, wenn diese Forderung wirklich Ihr Ernst ist — dann muß ich augenblicklich meinen Austritt erklären. Ich scheue keine Arbeit, keine Mühe, übernehme Sorgen, die ich nicht nötig hätte, mir aufzubürden. Ich kann mich nicht noch mit einer Mitarbeiterin behängen, die noch nicht einmal weiß, was ihr Hausstand kostet. Ich verlange vollstes Vertrauen! Ich kann eine schon halbwegs verfahrene Karre nicht wieder ins richtige Gleis bringen, wenn ich von einer Seite auf Widerstand stoße, die eigentlich am meisten daran interessiert sein dürfte, das Geschäft wieder in Gang gebracht zu sehen."
„Aber ich will ja mithelfen, ich will ja arbeiten." „Vorläufig dürfte Ihre Arbeit im Aufhalten bestehen. Besuchen Sie meinetwegen die Handelsschule, lernen Sie Schreibmaschine und Stenographie — und kommen Sie dann wieder."
Liane fühlte, wie die alte Erregung sich ihrer wieder bemächtigte. „Aber ich bestehe auf meinem Recht."
„Wie Sie wünschen", sagte Fred kühl und wandte sich seinem Schreibtisch zu. „Ich werde nicht einen Augenblick zögern, Ihnen meinen Platz zu räumen."
Ernst trat auf Liane zu und schob sie ganz einfach zur Tür hinaus. „Warum haben Sie nicht zu mir gesprochen?" sagte er, die Tür hinter sich schließend. „Gehen Sie heim, pflegen Sie sich, überschlafen Sie noch einmal Ihren Entschluß! Mein Freund spricht schroffer, als er ist. Das Vertrauen Ihres Herrn Vaters sollten Sie aber doch ehren."
Lianes Kopf senkte sich tief, Tränen würgten in ihrer Kehle. „Ich vertraue ihm ja", sagte sie leise.
Seine Hand umfaßte mit leichtem Druck die ihre. „Halten Sie getrost daran fest." —
Als er zurückkam, hatte Fred schon seinen Platz eingenommen. „Was ist zu berichten?^
„Nichts von Bedeutung, abef.
„Was aber?"
„Du solltest nicht so schroff mit chr umgehen, sie sieht erbärmlich aus."
„Mit wem? Ach, du meinst das Fräulein?" Er zuckte die Achseln. „Du weißt, wie wenig ich für solche Luxusgeschöpfe übrig habe. Was kann sie mehr verlangen, als daß ich sie vor Not schütze? Soll ich sie mir vor die Nase setzen und zuseben, wie sie langsam und sicher alles zugrunde richtet?"
„Natürlich nicht, sie wird auch nicht im Ernst auf ihren Entschluß bestehen, aber sie bangt natürlich um ihre Existenz. Du wirst auch heute mittag nicht allzu sanft mit ihr umgegangen sein."
„Nein, aber mein Vorgehen hat geholfen. Sie hat endlich wieder den Weg aus ihrem Zimmer gefunden."
„Fred, sie hat viel verloren."
„Sie ist in jeder Beziehung verwöhnt, das ist alles. Hinter keiner ihrer Handlungen steckt ein Wille, ein Ernst. Sie zittert davor, Opfer bringen zu müssen, und würde ruhig zusehen, wie ich dein und mein Geld aufs Spiel setze. Nach meiner Ansicht steht sie einzig da unter all den Mädchen von heute."
„Sollte ihr Vater durch sie einer anderen das Brot wegnehmen?"
„Nein, aber er brauchte sie darum nicht zur Tändelei zu erziehen."
„Fred, du kennst sie noch nicht."
„Kennst du sie besser?"
„Nein, aber..."
„Lehre du mich die Frauen kennen! Du hast noch keiner nähergestanden."
„Da magst du recht haben, Fred", antwortete der Freund leise, setzte sich auf seinen Platz, nahm die Briefe vor und fügte mehr zu sich selbst als zu den andern hinzu: „Ich kenne sie nicht, und trotzdem glaub' ich an sie."
*
Liane lag wochenlang krank, Fieberschauer erschütterten den zarten Körper. Furchtbare Kopfschmerzen wechselten ab mit bleierner Müdigkeit in allen Gliedern. Tagelang lag sie apathisch da.
Als sie genas, hatte der Frühling längst seinen Einzug gehalten. Frau Widemann wartete nur, bis die Nichte reisefähig war, dann nahm sie sie mit in den Schwarzwald.
In den Wäldern des Schwarzwalds erholte sich Liane sehr bald. Die völlig fremde Umgebung, die fremden Menschen, die die sehr rührige, immer beschäftigte Frau Widemann nun einmal brauchte, taten Liane wohl. Als sie nach einigen Wochen ihren Aufenthaltsort mit dem Bodensee vertauschten, ließ sich Liane Bergschuhe und Tennisschläger nachsenden, beteiligte sich an Ausflügen, übersah gutmütig der Tante Absicht, sie unter die Haube zu bringen, verstand sich besser denn je mit dem Onkel, der während der Gerichtsferien auch an den Bodensee gekommen war.
Ende August kam sie heim, braungebrannt, gestählt an Geist und Körper, bereit, ihr bisheriges Leben wieder aufzunehmen und sich zugleich nach einer Beschäftigung umzusehen, die ihrem Geschmack und ihren Fähigkeiten entsprochen hätte.
Zu Hause fand sie weniger denn je Arbeit. Frau Keppler besorgte zwar noch genau so unfroh wie vorher den Haushalt, kam aber mit dem von Fred überwiesenen Geld sehr gut zurecht. An Talenten fehlte es Liane vollkommen, irgendwelche Neigungen hatte sie nicht — und so war sie immer noch nicht zu einem Entschluß gekommen, als sie auf einem Besorgungsgang ein entzückendes, laubfroschfarbenes Kabriolett stehen sah, von dem sie von da an mit offenen wie mit geschlossenen Augen träumte. Schließlich ließ es ihr keine Ruhe mehr, sie verwarf alle Bedenken. Der Vater, der ihr das Chauffierenlernen nicht erlaubt hatte, war tot, das Geschäft arbeitete, wie sie aus den monatlichen Berichten sah, ohne Verlust, und sie war ja die ganze Zeit über so sparsam gewesen. Liane kaufte das Auto und ließ, ohne zu zögern, die Rechnung an die Firma Scholz schicken.
Die Rechnung traf Fred in guter Stimmung. Es ging wieder vorwärts mit der Firma Scholz; alle Verbindungen, die er angeknüpft hatte, alle Einrichtungen, die er getroffen, zeigten sich zum Vorteil für das Geschäft. Die Angestellten hatten längst seine Tüchtigkeit erkannt, Arbeiter hatte er wieder einstellen können, und das Weihnachtsgeschäft setzte früh und zufriedenstellend ein.
Er lachte, als er die Rechnung in Händen hielt, er konnte nicht anders. Die Naivität der jungen Dame überstieg alle Erwartungen.
„Hier, lies! Was sagst du dazu?" wandte er sich an den Freund.
Ernst zuckte die Achseln. „Man wird ihr begreiflich machen müssen, daß die Firma Scholz diese Ausgabe noch nicht verträgt. Es wäre ein direkt persönliches Geschenk, das du dem Fräulein machen würdest."
Fred lachte noch immer. „Man kann es so auffassen, aber ich bin froh, daß ich erst jetzt wieder von ihr höre. Ich möchte ihr fast das Geschenk machen."
„Nein, Fred? Du brauchst dich dann nicht zu wundern, wenn sie wieder mit Wünschen kommt."
„Was kann man dagegen tun? Wie soll man einem Kinde die Unerfüllbarkeit eines Wunsches klarmachen? Da kann man nur verbieten ooer gewähren. Schließlich muß sie eine Abwechslung haben, und ich habe in der letzten Zeit das Auto ihres Vaters so in Anspruch genommen, daß ich ihr wohl einen Ersatz schuldig bin. Also lassen wir sie gewähren."
*
Der erste, an dem Liane haarscharf vorüberfuhr bei ihrer ersten alleinigen Ausfahrt, war Kurt Lechner. Er bremste so scharf, daß alle Räder knirschten; und Liane hielt gleichfalls an.
„Nanu? Du fährst Auto? Was ist das für ehr Wagen?"
Sie lachte ihn an. „Der meine."
„Er gehört dir?"
„Ja, willst du nicht einsteigen?"
fturt hatte den Chauffeur bei sich. Er konnte seinen Platz daher sehr gut wechseln und ihre Erklärung hören.
.Sie fuhr noch viel zu unsicher und nervös, als daß ihr sein nachdenkliches Schweigen, in das er nach ihrer Erzählung verfiel, aufgefallen märe. Sie dachte sich auch nichts bei den Worten: „Soso, Herr Morland hat den Wagen bezahlt." Sie erzählte ihm noch schnell, daß sie zu Irene fahre, und ließ ihn, sobald er es wünschte, wieder aussteigen.
Irene war nicht zu Hause, aber sämtliche Geschwister mußten den Wagen bewundern, setzten sich abwechselnd auf den freien Platz neben dem Steuerrad, und Irene bekam bei ihrer Heimkehr Lobhymnen von allen Seiten zu hören.
Sie erblaßte ein wenig bei den Berichten der Geschwister. Sie sagte sich sofort: Diesen Wagen bezahlt Fred. Wie aber stimmte diese Anschaffung mit seinem Befehl nach Sparsamkeit überein? Wie kam es, daß er ihr diese Anschaffung erlaubt hatte? Oder war es schon so weit mit ihnen gekommen, daß er ihr solche Geschenke machte?
Irene beschloß sofort, der Sache auf den Grund zu gehen. Sie mußte ja auch einmal zu einem Ende mit Fred Morland kommen. Kurt begann langsam zu drängen, noch hatte sie ihn Hinhalten können. Gleich morgen wollte sie zu der Freundin gehen. Sie hatte sich in letzter Zeit wenig um Liane gekümmert, war verreist gewesen, hatte in Stuttgart bei einem Tennisturnier mitgewirkt und überlegen gewonnen. Sie sonnte sich noch in ihrem Erfolg und vertrug die trifte Stimmung des Trauerhauses überhaupt schlecht.
Abends traf sie mit Kurt zusammen. Sie gingen gemeinsam nach dem Bootshaus des Rudervereins, dessen Mitglied er war.
„Hast du Lianes Wagen schon gesehen?" war eine ihrer ersten Fragen.
„Ja, und ich kann dir sagen, ich habe einen gelinden Wutanfall bekommen. Seine Rechnungen bezahlt dieser Herr Morland nicht, stellt mir die Ware mit dem Bemerken wieder zur Verfügung, es wäre nicht die gleiche wie das Muster. Dabei will er nur niedrigere Preise erzielen, denn um die Firma Scholz wird er noch schwer zu kämpfen haben. Und nun bezahlt er diesen Wagen, ohne mit der Wimper zu zucken. Da sehe ich wirklich nicht ein, warum ich Akzepte nehmen soll, wenn er das Geld so dick sitzen hat. Nun, ich habe heute gleich mal auf den Busch bei ihm geklopft, gab ihm meine Meinung deutlich zu verstehen. Und was meinst du, was er antwortete? Das fei feine Sache. Die Firma Morland könne sich diesen Wagen jedenfalls erlauben."
(Fortsetzung folgt!)
Annemarie Zurbuch Or. phll. et med. Hermann Oßwald
Oberarzt in der Reichswehr geben ihre Verlobung bekannt
Gießen April 1935 Berlin
2509 D
Statt Karten!
Herta Bär
Or. med. Fritz Schmidt
Verlobte
Stolberg Aachen / Grünberg
Rheinland Luisenhospital
April 1935
2510 0
Statt Karten!
Ihre Vermählung geben bekannt
Willi Müller
Käthe Müller, geb. Bauer
Bahnhofstraße 54 Bismarckstraße 9
Gießen, den 27. April 1935
____________________________________________________________________________01707
Das von meinem verstorbenen Manne Max Weißbäcker seit 40 Jahren betriebene elektrotechnische Geschäft führe ich unter dem fachkundigen Beistand seines langjährigen Mitarbeiters weiter. — Es soll mein Bestreben sein, das meinem Manne entgegengebrachte Vertrauen durch Qualitätsarbeit bei billigster Preisberechnung ebenfalls zu erwerben.
Max Weißbäcker Wwe.
_ _____________________________________________01790
M'CORMDCK
MC 409 n
Olbad-Grasmäher mit Zentralschmierung für sämtliche Zahnräder, Dellen, Sperrklinken und Kupplung
Einspänner 3t, Fuß mit Schere Zweispänner 4, 4V, und 5 Fuß mit Siahldeichsel
Deutsches Erzeugnis
Ich mache es Ihnen leicht, glücklicher Besitzer einer
oder sonst einer anderen
modernen Kamera
(RoUeiflex.Rolleikord.Retina, Ikonta, Super Nettei, Voigt- länder usw.) zu werden.
Bringen Sie mir Ihre alte Kamera, ich nehme sie zurück u. gestatte Zahlung des Restes in bequemen Monatsraten nach Ihren Vorschlägen,
Geller
der Photo - Optiker am Bahnhof
Photo-Tausch
Photo-Gelegenheiten
MÖBEL
von
Metzger & Schlecht
Was trägt man denn jetzt zur Maienzeit? Das fesche Camptet, Kostüm oder Kleid ?
Besuchen Sie mich — ich zeige ja gern Alles, was fesch, elegant und modern I
Die allerletzten Neuheiten
guter modischer Stoffe
in einfarbig und gemustert
reizende, fesche Kleider und Complets,
Mäntel, Kostüme, Blusen, Röcke und Pullover
zu wirklich niedrigen Preisen.
CARLNawarx
I GIESSEN SEUERSWEG8I
JNHäBER CARL'hEi^Z- SCHLÜTER
MÖBEL-FABRIK
MÜNZENBERG (HESSE»)
Erstklassig in Qualität und trotzdem sehr preiswert Gangbare Modelle vorrätig. 2319D Anfertigung in jeder Holz- und Stil art kurzfristig. — Ehestandsdarlehen werden angenommen.
Xtrm 1. JKai Girlanden Grünschmuck Blumenschmuck durch Gättnerei Schwarz Telephon 4082. [ 253iO
Sin neues
ffefcfjenfi.6ucfj für
cNaturfreunde
AKlaMOtSs LstzKU
Kleine Kreatur in Wasser, Busch und Halm Don Karl Otto Bartels
164 Naturaufnahmen aus dem Leben der niederen Tierwelt mit erläuternden Bildunterschristen, Namensangaben und ausführlichem Text. Mit einem Geleitwort von Prof. Or. Oeegener, Universität Berlin. Preis: karton. Reichsmark 3.90, gebund. Reichsmark 4.80.
3n meisterhaften Lichtbildern hat hier einer der feinsinnigsten Beobachter die wunderbarsten Jtatururfunben jener kleinen Tierwelt zusammengetragen, deren Lebensgewohnheiten im allgemeinen sehr wenig bekannt sind. Auch in den kleinsten Dingen offenbart die Natur ihre Schönheiten, die und Menschen tief beglücken können, wenn wir sie zu sehen verstehen.
Verlangen Sie kostenlos das bebilderte Werbeblatt
Zu beziehen durch jede Buchhandlung
Hugo Dermühler Verlag » Berlin-Lichterfelde
MWH Bausparkasse Mainz A.-6,
Verlangen Sie
die wichtige Baumappe mit50 Eigenheimen für 1 J<> zuzüglich Porto
UffiUEll
Ihr Eigenheimwunsch ist zu erfüllen!
Wir beraten Sie kostenlos und unverbindlich
Ala Anzeigen-Aktiengesellschast
Annahme von Anzeigen für alle Zeitungen und Zeitschriften
Gießen — Gchulstraße 2
im Monat oder deren Agentur: K. Luft. Gießen, Goethestraße 68, Telephon 3 1 80. 2078d
Spar- und Vorschuß-Verein e.G.m.b.H. Wieseck
Die Mitglieder unserer Genossenschaft werden zu der am Samstag, dem 4. Mai, abends 8 Uhr, bei Gastwirt Daniel Erb stattstndenden ordentlichen Generalversammlung eingeladen. Tagesordnung:
1. Geschäftsbericht
2. Vorlage und Genehmigung der Jahresrechnung und Bilanz ver 31. Dezember 1934
3. Nevisionsbericht
4. Entlastung des Vorstandes und Aufsichtsrats
5. Beschlußfassung über Verteilung des Reingewinnes
6. Annahme des genossenschaftlichen Einheitsstatutes
7. Ersatzwahl zum Vorstand und Aufsichtsrat
8. Verschiedenes.
Die Rechnung liegt von beute ab 8 Tage z.Einsicht im Geschäftslokal offen rro- t ,no_ Ter Vorsitzende des AufsicbtSrats
Wieseck, den 25. Avril 1935. gez. Schäfer. 2W>


