Ausgabe 
26.9.1935
 
Einzelbild herunterladen

Britische Sicherheitsmaßnahmen auch in Ostafrika

ium iren

Der Fortgang -es Verfahrens in Genf.

Längere Pause zur Ausarbeitung emes zweiten Berichts durch den neuen Ausschuß cnr die Dölkerbundsverfammtung in Genf.

an sich zu ziehen, gibt diese Bank m vermehrtem Umfange Noten aus, die aber hundertprozentig und noch höher durch Silber gedeckt sind.

Die abessinische Regierung kann also das un Lande vorhandene Silber dazu verwenden, die Be- züae ausländischen Rüstungsmaterials, die be: Aus. bruch des Krieges und erst recht bei längerer Dauer desselben dringend erforderlich sein werden, zu be» zahlen. Aber diese finanzielle Kriegsrüstung ist natürlich nicht ausreichend, denn der Oe« samtbesitz des Landes an Silber dürste kaum mehr als 50 bis 60 Millionen Mark betragen. Die Regie.

rung hat deshalb mehrfach versucht, durch Der- gebung von Konzessionen zur Ausbeu« tung der reichen Naturschätze des Landes sowie zi Bau von Straßen ausländische Devisen in ihi Besitz zu bringen. Auch Monopole, z. B. für die Einfuhr von Salz, sind an ausländische Finanz. I Gruppen schon vergeben worden. Trotzdem sind die finanziellen Kräfte Abessiniens zum Ankauf aus« ländischer Waren und ausländischen Kriegsmate.

!rials sehr begrenzt.

tiven Tauschwirtschaft, und der Goldumlauf ist daher sehr niedrig. Als Zahlungsmittel gelten hauptsächlich die Maria-Theresia-Taler, deren innerer Wert von dem Silberpreis ab­hängig ist. Da dieser in letzter Zeit gestiegen ist, bestand auch in Abessinien die Gefahr eines Ab­fließens der Silbermünzen. Die Regierung hat des­halb ein sehr strenges Verbot jederwilden", d. h. nicht genehmigten Si l b e r a u s f uh r er- lassen, sie ist im Gegensatz zu der chinesischen Re­gierung stark genug, die Befolgung ihres Verbots durchzusetzen. Freilich ist, da Die abessinische Außen­handelsbilanz passiv ist, zur Bezahlung des Einfuhrüberschusses ein offizieller Silber» export unvermeidbar. Er hat sich in letzter Zeit infolge der notwendigen Bezüge von Kriegsmate­rial und mittelbarem Rüstungsbedarf sicherlich er­heblich erhöht. Diesen Verlust versucht die abessi­nische Regierung dadurch auszugleichen, daß sie die von Privatleuten gehorteten Silbermen» gen in den Besitz Der staatlichen Bank von Abessi­nien zu bringen bemüht ist.. Um die Silbermünzen

kommt. Die litauischen Behörden scheinen nicht nur reines Lob zu verdienen. Sie lassen sich st ä n d i g liebergriffe auf das die Autonomie begründete Statut zuschulden kommen, und die Garantiemächte dieses Statutes verharren in einer wenig verständlichen Teilnahms­losigkeit. Seither beruht die Autonomie des Gebietes auf dem Direktorium und dem Memel­landtag. Diese Lösung könnte zufriedenstellen, wenn nicht die Regierung von Kaunus durch mehrere Eingriffe die Tätigkeit des Landtages u n t e r b u n» Den und praktisch die Zahl der Abgeordneten von 29 auf 24 herabgesetzt hätte. Die fünf litauischen Abgeordneten sind freundlich aufgefordert worden, nicht mehr an den Sitzungen teilzunehmen: so kann die für Beschlüsse erforderliche Anwesenheitsziffer nicht mehr erreicht werden, und die litauische Re­gierung kümmert sich ebensowenig um Beschlüsse des Landtages, wie ein neugeborenes Kind um Mine­ralogie.

Schauermärchen.

Unter der UeberschristDeutsche Mobilmachung gegen Memel" weiß das maßgebliche Blatt der schwedischen RegierungsparteiSocialdemo­krat" haarsträubende Geschichten von der deutsch- litauischen Grenze zu erzählen. Ununterbrochen roll­ten große Material- und Verpflegunastransporte durch Ostpreußen. Im ganzen seien 60 000 Mann Reichswehrtruppen, 20 000 Mann Arbeitsdienst und 30 000 SA.-Männer, teilweise als Landarbei- ter verkleidet (!), an der Memelgrenze aus- marschiert. Der Königsberger Sender betreibe Tag und Nacht kommunistische (!) und kriegshetzerische Propaganda. Wir teilen diese Schauermärchen, die den roten Genossen in Schweden aufgetischt werden, unseren Lesern nicht nur zur Erheiterung mit, son­dern auch deshalb, weil wir niemals vergessen wol­len, welche politischen Kreise des Aus­landes sich in diesem Kampfe des memelländi- schen Deutschtums um seine Lebensrechte gegen uns und für die barbarische Willkür des litau­ischen Regimes eingesetzt haben. Aus Gründen der Gerechtigkeit gegenüber dem schwedischen Volk machen wir die erfreuliche Feststellung, daß ein anderes großes Stockholmer BlattNya Dagligt Allehanda" die Melduna des marxistischen Hetz- Organs gleichzeitig als falsch und völlig aus der Luft gegriffen bezeichnet.

Das Beinhaus auf dem Monte Grappa.

Es sind jetzt 20 Jahre her, seit Italien nach seiner Kriegserklärung an Oesterreich- Ungarn im Mai die schweren militärischen Ent­täuschungen erlebte, die ihm die »ähe und und er­folgreiche Verteidigung Der Jsonzo - front durch die nur schwache, aber mit helden­mütiger Tapferkeit kämpfende österreichische Armee bereitete. Die Erinnerung an diese letzte rühm- reiche Leistung der alten Donaumonarchie wird durch den Namen des Monte Grappa wieder lebendig, des über 1700 Meter hohen Bergmassivs der venezianischen Alpen zwischen Brenta und Piave, der eine heiß umkämpste Schlüsselstellung der Jsonzofront war und zu den großen traurigen und zugleich erhabenen Totenmalen des Weltkriegs ge­hört, wie der Hartmannsweiler Kopf, der Kemmel in Flandern und andere Orte, die das Blut von Tausenden getrunken haben.

Die Italiener haben jetzt auf dem Monte Grappa ein gewaltiges Beinhaus eingeweiht, das in fünf Terrassen den ganzen Gipfel des Berges ein« nimmt und in dem nicht weniger als 15 000 italienische Gefallene begraben liegen. Unmittelbar in der Nähe liegt der gleichzeitig ein- geweihte Heldenfriedhof für 10 292 gefallene Soldaten der ö st erreichisch-ungari­schen Armee. Fürwahr ein gewaltiges Denkmal, das die Dankbarkeit der heutigen Generation den Toten des Weltkrieges errichtet und eine ritterliche Ehrung auch der gefallenen Feinde. In diesem Augenblick wäre aber auch zu wünschen, daß es zu einer Mahnung würde, den Frieden zu erhalten und dem italienischen Volte neue Blutopfer zu er­sparen.

Das neue spanische Kabinett.

Madrid, 25. Sept. (DNB.) Dem bisherigen Finanzminister C h a p a p r i e t a ist es gelungen, den Weisungen des Staatspräsidentenein Kabinett auf weniger breiter Basis zu bilden und auf jeden Fall Neuwahlen zu vermeiden" folgend, den al- ten Regierungsblock mit geringen Verände­rungen wieder zusammenzufügen. In dem neuen Kabinett sitzen als Ministerpräsident: Chapa- Pieta (Unabhängig), als Außenminister: 8er» roux (Radikal), als Kriegsminister: G i l R o b l e s (Katholische Dolksaktion). An Stelle der Libe­raldemokraten ist die Katalanische Liga ge­treten. Damit dürfte die Gewähr gegeben sein, daß die bisherige Politik des Wiederaufbaues fortgesetzt wird. In dem neuen Kabinett sind die Reibungs­möglichkeiten insofern größer, als die Katalanische Liga und die Agrarier hinsichtlich der katalani- schen Fragen stark von einander abweichende An­schauungen oertreten.

Der Führer besucht Augsburg.

Augsburg, 25. Sept. (DNB.) Der Führer Und Reichskanzler txaf auf der Durchreise unerwartet in Augsburg ein. Unter Führung des Intendanten Pabst besichtigte er das Augsbur­ger Stadttheater und anschließend im Gol­denen Saal des Rathauses die Plane der neuen Stadthalle. Vor dem Rathaus hatte sich eine vieltausendköpfige Menschen- menge angesammelt, die ihrer Freude über den Besuch des Führers in begeisterten Kund - gedungen Ausdruck gab. Spontan sang die Menge bei der Abfahrt das Deutschland- und das Horst-Wessel-Lied.

Die öffentlichen Gebäude flaggen am 2. Oktober Halbmast.

Berlin, 26. Sept (DNB. Funkspruch.) Der Reichsminister des Innern gibt folgendes bekannt: Rach Anordnung des Führers und Reichskanzlers fetzen aus Anlaß der Wiederkehr des Geburtstages des verewigten Reichs­präsidenten Generalfeldmarschall v. Hindenburg am Mittwoch, den 2. Oktober 1935, alle staatlichen und kommunalen Verwaltun­gen, Anstalten und Betriebe, dle sonstigen Körper­schaften, Anstalten und Stiftungen des öffenMchen Rechtes und dis öffentlichen Schulen die Flag­gen auf halbmast.

Genf, 25. Sept. (DNB.) Eden und Madanaga besprachen das weitere Verfahren, das dem Dölkerbundsrat für die Regelung des ltaliemjch- abessinischen Streites vorgeschlagen werden soll. Da­nach würde sich der Rat am Donnerstag daraus be- chränken, den Bericht des Fünfer-Ausschusses einem neuen Ausschuß, der wahrscheinlich alle Ratsmitglieder außer den strei­tenden Parteien umfassen würde, zur Pru- ung zu überweisen. Aus dieser Prüfung wurde )ann in der nächsten Woche der E n t w u r s e i n e s endgültigen Berichts des Dölkerbundsrates hervorgehen. Die Annahme des Berichtes durch den Rat oder die Versammlung würde die in der Satzung vorgesehenen Rechtswirkungen, vor allem das Verbot kriegerischer Maßnahmen ür die streitenden Parteien und gegebenenfalls die ofortige Feststellung eines Bruches der Satzungen auslufen. Das Präsidium der Dölkerbundsversammlung ist Mitt­woch abend bereits zu einer Beratung über diese Frage zusammengetreten, ein Beweis dafür, daß die Befassung der Völkerbundsver- ammlung, die den englischen Wünschen nach einer Verteilung der Verantwortlichkeit auf einen möglichst großen Kreis von Staaten entspricht, grundsätzlich bereits beschlossene Sache ist.

In Paris rechnet man damit, daß der Völkerbund am Samstag feine Arbeiten unterbricht und in etwa 10 bis 14 Tagen erneut Zusam­mentritt, um den bis dahin ausgearbeiteten Bericht des neuen Ausschusses entgegenzunehmen, der auf Grund des Artikels 15 der Völkerbunds­atzungen Empfehlungen an Italien und Abessinien enthalten wird. Der französische Ministerpräsident wird Sonntag in Paris zurückerwartet und erst wieder nach Genf zurückkehren, wenn der Bericht ertiggefteüt ist. Man glaubt nicht daran, daß der Völkerbund dem Wunsche des Negus nachkommen und eine Abordnung nach Abessinien entsenden werde, um die Lage an Ort und Stelle zu irüfen und zu überwachen. Frankreich wird sich ebenfalls dagegen aussprechen, weil die Zeit zu kurz bemessen sei, und man sich von der Wirksam­keit einer solchen Maßnahme nicht viel verspreche. Frankreichs Absicht geht dahin, die weitere Entwick­lung der Arbeiten möglich st in die Länge (I u ziehen, was allerdings im Gegensatz zu den Wünschen Englands steht, die darauf hinausgehen, obald wie möglich reinen Tisch zu machen.

3talien fordert Verständnis.

Mailand, 26. Sept. (DNB. Funkspruch.)Pv- polo d'Italiä" schreibt, Italien wisse, daß die Schwierigkeiten, die man ihm in den Weg gelegt have, weder politisch noch geschichtlich noch mensch­lich eine Berechtigung hätten. Italien stelle eine unerläßliche Macht für die Ruhe in Europa bar. Die Bemühungen um die Sicherheit seiner Kolonien eien nicht verstanden worden. Abessinien sei ein barbarisches, der Sklaverei ergebenes und angriffs­lustiges Land, das noch dazu stark bewaffnet sei. Italien könne es nicht dulden, daß Abessinien ewig eine a u f Italien gezielte P i st o l e bleibe. Es sei ein Irrtum, Abessinien als ein einheitliches und gleichartig zusammengesetztes Land zu betrach­ten, Denn die Minderheit eines Volksstammes be­drücke eine Menge von anderen Stämmen, aus denen es seine Sklaven beziehe. Es fei eine Narrheit, wenn Europa wegen der Vertei­digung solcher Zustände in Brand gesetzt wer­den sollte. Es handele sich um einen fernen und örtlich begrenzten Kolonialstreit, den Italien nie­mals auf Europa ausdehnen werde. Italien fordere nichts von Europa als Verständnis für die Erfordernisse eines großen Volkes, das einen wesentlichen Beittag zur Entwicklung der europäischen Zivilisation geliefert habe.

Gazzetta del Popolo" stellt fest, daß die Be­handlung der abessinischen Frage im Genfer und europäischen Rahmen einen sehr viel ruhige- r en Ton angenommen habe. Der Fünfer-Aus- chuß habe die Angelegenheit noch verschärft, weil er dem Negus sogar einen Hafen im Roten Meer zu verschaffen gedachte, der Abessinien ge­stattet hätte, nach Belieben aufzurüsten und schließ­lich auch noch eine Seemacht zu werden. Niemand dürfe sich in Anbetracht der abessinischen Mobili- ierung und der Truppenzusammenziehungen wun- lern, wenn Italien seine Verteidigungskräfte ver- tärke.Wir wissen nicht", schreibt(Sortiere della Sera",was der Völkerbund nach Kenntnisnahme von dem Mißerfolg des Fünfer-Ausschusses zu un­ternehmen gedenkt. Aber wir wissen, daß der ita­lienische Standpunkt in der öffentlichen Weltmei­nung einen großen Schritt vorwärts gemacht hat, nachdem der Fünfer-Ausschuß die vollkommene zivilisatorische Unfähigkeit Abessi­niens zugegeben hat."

Wie finanziert Abesfinien den Krieg?

In letzter Zeit ist viel über die finanziellen Kräfte Italiens und seine Möglichkeiten, den Krieg bei längerer Dauer zu finanzieren, geschrieben worden. Nicht weniger interessant ist die Frage, wie sein gegenvartner Abessinien die finanziellen Mittel zur Kriegsführung aufbringen kann. Das alte Mahnwort, daß Kriege Geld und nochmals Geld erfordern, gilt schließlich auch für halbzivilisierte Staaten, wenn auch natürlich deren finanziellen Be­dürfnisse sehr viel geringer sind als die einer euro­päischen Großmacht. Aber auch Abessinien muß alle seine finanziellen Kräfte zusammenfassen und nach Möglichkeiten suchen, diese Kräfte bei längerer Kriegsdauer zu verstärken. Ausländische An­leihen kommen für dieses Land zweifellos nicht in Frage. An sich sind die finanziellen Grundlagen des abessinischen Staates zwar gesund und geordnet. Es gibt dort keine Staatsschulden, aber wohl nicht so sehr deshalb, weil man kein Geld gebraucht hätte, als vielmehr aus dem Grunde, weil der Kre­dit des Landes nicht groß genug war, als daß es Ausländsanleihen hätte erhalten kön­nen, und weil Abessinien andererseits die drückenden Abhängigkeiten vermeiden wollte, die eine Aus­ländsanleihe mit sich gebracht hätte.

Der abessinische Staat hat daher bisher das getan, was theoretisch das beste Mittel zur Finan­zierung staatlicher Bedürfnisse zu sein scheint: Er hat alles Geld, das er brauchte, durch Erhe­bung non Steuern aufgebracht. Allerdings mar bisher fein Geldbedarf verhältnismäßig gering, Bas abessinische Doll ftetfi noch tief in der prttm«

London, 26. Sept. (DNB. Funkspruch.) Aus Nairobi, der Hauptstadt der im Norden und Nordosten an Italienisch-Somali und Abessinien an­grenzenden britischen Kronkolonie Kenya wird ge­meldet, daß am Mittwochnachmittag fünf Bom­benflugzeuge und vier Transport­flugzeuge aus Aegypten gelandet seien. Ihre Aufgabe sei P a t r o u i l l e n d i e n st an der Nordgrenze. Im Falle eines italienisch-abessini­schen Krieges wünsche die Regierung von Kenya dringend, keine Zwischenfälle zuzulassen, die sich zwischen Nomadenstämmen aus der Ankunft zahl­reicher Flüchtlinge ergeben könnten, die versuchen würden, die zerstreut liegenden Wasserstellen und Weideplätze zu benutzen. Die Regierung hat die ge­ringen, ihr zur Verfügung stehenden Streitkräfte neu verteilt und die Polizei- und Militärposten in den nordöstlichen Bezirken verstärkt. Die Polizei soll soweit wie möglich versuchen, Flüchtlinge aus Jta- lienisch-Somaliland ober Abessinien zur Rück - kehr in ihre eigenen Gebiete z u über­reden. Gleichzeitig muß die Regierung die Mög­lichkeit einer Zunahme von Ueberfäüen durch or­ganisierte Räuber aus Südabessinien im Auge be­halten. Die Abwehr solcher Angriffe ist eine regel­mäßige Aufgabe der königlich afrikanischen Schüt­zen. Man glaubt, daß zur Erfüllung dieser beiden Aufgaben Flugzeuge teils zur Erkundung, teils wegen ihrer großen Beweglichkeit gute Dienste leisten werden.

Malta im Kriegszustand.

London, 26. Sept. (DNB. Funkspruch.) Aus Malta wird gemeldet, daß am Samstag viele eng­lische Familien von Angehörigen der Wehr­macht an Bord des TruppenttansportschiffesNeu- ralia" nach England zurückkehren werden. Der Bau gassicherer Räume in allen Re­gierungsämtern, Schulen, Klubs usw. von Malta sei jetzt zu Ende geführt worden. Am Dienstagabend

Der nunmehr im Wortlaut veröffentlichte Be­rich t d e s Genfer Fünferausschusses an den Völkerbundsrat über seine Schlichtungsverhand­lungen im italienisch-abessinischen Streit bestätigt im großen und ganzen die Nachrichten, die bisher an die Öffentlichkeit gelanat sind. Von besonderem Interesse ist jedoch die ausführliche Darstellung der Bemerkungen, Die der italienische De­legierte, Baron Aloisi, bei der Ablehnung der Vorschläge des Fünferausschusses gemacht hat. Die Gründe, die Aloisi nach diesem von italienischer Seite ausdrücklich genehmigten Bericht geltenb ge­macht hat, sind nicht neu, aber die Art ihrer Dar­stellung läßt gewisse Rückschlüsse auf die künf­tigen politischen Richtlinien zu, nach denen Mussolini die abessinische Frage zu behandeln gedenkt. Die faschistische Regierung hat durch den Mund ihres Genfer Vertreters zwar in acht Punk- ten die Gründe aufzählen lassen, die sie zur Ab­weisung der Völkerbundsvorschläge bewogen hat, aber sie hat es ängstlich vermieden, etwas Positives dagegen zu setzen und die Absichten zu präzi­sieren, die sie in Ostafrika verfolgt. Man kann dar­aus schließen, daß der Duce es angesichts der militärischen Machtentfaltung einer gewissen Genfer Großmacht für vorteilhaft hält, die Tür für weitere Verhandlungen noch bis zum letztmöglichen Augenblick offen zu hal­ten. Ein getarnter Rückzug ist also immer noch ebenso möglich wie ein plötzliches Dorpreschen. Die Entscheidung, ob Mussolini seine ursprünglich weit­gesteckten Ziele nach dem MottoMit Genf, ohne Genf, gegen Genf" unbeirrt weiterverfolaen wird oder nicht, ist noch nicht gefallen. Aber schon aus der ne gähnen Formulierung der in dem Fünfer- Bericht enthaltenen italienischen Argumente sind einigermaßen deutlich die Zielsetzungen zu erkennen, auf denen die römische Regierung auch heute noch beharrt. Jedenfalls spricht Italien dem Völkerbund nach wie vor jedes Recht und jede Fähigkeit ab, einen Fall wie denjenigen Abessiniens durch die Anwendung der satzungsmäßigen Mittel zu lösen".

Der Sericht.

Genf, 25. Sept. (DNB.) Der Bericht des Fünferausschusses an den Völkerbundsrat ist v e r» ö f f? n t licht worden. Der Bericht enthält auch die m ü n d l i ch e n Bemerkungen des ita­lienischen Vertreters zu Den Vorschlägen des Ausschusses. In diesen Bemerkungen heißt es u. a.:

1. Der Fünferausschuß hat die klaren Be- schuldigungen nicht in Betracht gezo­gen, die die italienische Regierung gegen Abes- stnien wegen Nichterfüllung der von ihm bei seinem Eintritt in den Völkerbund übernom­menen Verpflichtungen erhoben hat. Er hat ebenso wenig geprüft, ob 2lbeffinien

fand ein weiteres Derdunklungsmanöver statt. Don 21.30 bis 22 Uhr lagen die Hauptstadt La Valetta und die übrigen Orte der Insel völlig im Dunkel. Während der Verkehr auf Den Stta- ßen der Insel ruhte, konnte man die Motoren- g e u sche der an dem Scheinangriff beteiligten britischen Luftstreitkräfte vefdehmen. In einer Reutermeldung aus Malta wird auf das muster­gültige Verhalten Der maltesischen Bevölkerung wäh« renb Der Dauer Der Hebungen hingewiesen.

LebhafiemilitärischeTätigkeitinLibyen.

L o n D o n , 26. Sept. (DNB. Funkspruch.)Daily Mckil" meldet aus Marja Matruh in Nordägypten, einzuverlässiger europäischer Gewährsmann", der aus Tunis eingetroffen sei, habe Mitteilungen über Die Lage in Dennordafrikanischen Besitzungen Italiens gemacht. Seiner Dar­stellung nach sei in Libyen eine lebhafte militärische Tätigkeit im Gange. In Dem französischen Tunis sei ähnliches nicht zu bemer­ken. Libyen aber sei ein einziges großes Truppenlager. Bengasi scheine der Hauptstütz­punkt einer beträchtlichen Luftstreitmacht zu fein. In Tobruk, Das Die Italiener in einen Flottenstütz­punkt verwanDelt hätten, befänDen sich ein Kreuzer, Drei Zerstörer, zwei U.-Boote, Drei Flugboote und ein großes Transportschiff, Das weiße So ld a- ten an Land gesetzt habe. Die Bevölkerung sei äußerlich Durchaus ruhig, Doch herrsche infolge der militärischen Tätigkeit eine sehr gespannte Stim­mung.

Neue italienische Truppentransporte.

Rom, 25. Sept. (DNB.) Wie Die römische Presse am Mittwoch melDef, liegen im Hafen von Neapel 10 Dampfer ausfahrtbe- reit, Die in Den nächsten 24 Stunden mit xunb 9 0 0 0 SolDaten unD Schwarzhemden unD großen Materialbeständen nach Ostafrika in See gehen werden.

noch würdig sei, Dem Völkerbund anzugehören, nachdem es diese Verpflichtungen nicht erfüllt und andere offen verletzt habe.

2. Die italienische Regierung hat aus obigen Gründen Abessinien das Recht abgestritten, auf dem Fuße Der Gleichberechtigung mit Den anderen VölkerbunDsmitglieDern zu Der- hanDeln unD hat Den Rat auf Den wirklichen Zustand Des sogenannten abessinischen Reiches unD seiner inneren Verhältnisse, Die weit hinter Den berechtigten AnforDerungen an ein Völkerbunds« mitglieD Zurückbleiben, aufmerksam gemacht. Die italienische Regierung wies nach. Daß ein wesent­licher Unterschied besteht zwischen Den Stamm« ländern "fiel Amhara (Zentrales Hochplateau) und den A u ß e n g e b i e t e n , die von Abessinien in den letzten 50 Jahren erobert worden sind. Diese Gebiete sind durch Die Mißwirtschaft Der Beherr« scher, Die sie beDenfenlos ausbeuten unD daraus Sklaven zum Zwecke Des HanDels holen, in eine Lage gebracht roorDen, Der Durch sofortiger scharfes Eingreifen abgeholfen werden muß. Von einer Autorität Des Negus ist Dort keine ReDe.

3. Das abessinische Problem müsse, um befriedigt gelöst zu werden, folgenDerrnaßen in Angriff ge* nommen werden:

a) Der eigentliche abessinische Staat müßte in eine Lage versetzt werben. Daß er seinen Nach« barn nicht schaben und feine Verwal­tung reformieren könnte, um auf eine höhere Kulturstufe zu kommen.

b) Die verschiedenen Bevölkerungen; die an den Grenzen bes ßanbes unter unmenschlichen Be« bingungen leben, müßten ber abessinischen Tyrannei entzogen werben. Sie müßten ein für allemal vor ber Mißwirtschaft eines Lande- geschützt werben, Das niemals in ber Lage fein kann, ihnen gegenüber bie Mission zu erfüllen, die einem Staat mit Angehörigen verschiedener Rassen obliegt.

4. Die Vorschläge Des Fünfer-Ausschusses Haden sich Darauf beschränkt, dem abessinischen Staat, st wie er gegenwärtig besteht, eine Hilfeleistung zu gewähren, Die nicht von Derjenigen abweicht, Die ber Völkerbund anberen Staaten zur Ueberminbung vor- übergehender Schwierigkeiten gewährt hat. Da es sich um ein Land hanbelt, Dessen barbarischen Zustände mit einer starken, moDernenjO* ft u n g HanD in Hand gehen, kann die international! Kontrolle nicht als eine Lösung betrachtet werden, die den anzusttebenden Zielen entspricht.

5. Ein Fall wie derjenige Abessiniens kann nicht durch die Anwendung Der satzungsma« feigen Mittel gelöst werden, weil Die Völker« bundssatzung nicht Den Fall oorsieht, Daß Länder, die unwürdig und unfähig sind, im DoI» ttrbanb mtiauar bellen- weiter-«

Italiens Stellungnahme zu den Vorschlägen des Jünferausschnsses. Warum Mussolini ablehnte.