Georg Britting.
Kleine Umrißzeichnung von Zohan Lvzian.
Wenn man ihn sich vorstellen will, diesen rundköpfigen, dunkelhaarigen, kriegszerschossenen, freund- llchherben Menschen mit der hohen, etwas gebückten Gestalt, mit dem aus einem besonders harten Donaugestein gemeißelten Gesicht, dessen lächelnde Augen viele Geheimnisse schauen, wenn man sich ihn umschreiben will, soll man an die letzte Strophe seines Gedichts „Die kleine Welt in Bayern" denken, die so geht:
Liegt ein Kerl im Moose, schlägt die Augen auf, und im kleinen Stern sammelt er alles, den Kirchturm, die Felswand, den . , . , Himmel
und fein Begehrn
geht darüber und über den Himmel hinaus ins Große und Grenzenlose.
Bei Britting geht vieles, vom Moose an, in dem er auf einer Wanderung eine Weile liegt und mit den Augen schweifend ein Gedicht schreibt, von den Menschen an, mit denen er in einer Weinkneipe ober auf der Straße zusammentrifft, und ihren Schicksalen in einer Erzählung nachsinnt, bis zu den Gestalten, die er in Chroniken ober wie seinen „Dicken Hamlet", in ber Weltliteratur auftreibt, — bei biefem Dichter geht vieles ins „Große unb Grenzenlose". Britting ist 1891 in Regensburg auf einer Donauinsel geboren, seine Kinbheit hat ber Strom umrauscht unb umgeistert, in seinem Bänd- chen „Die kleine Welt am Strom" stehen Geschichten unb Gebichte von ber Donau, von ihren ackerschwarzen unb steingrauen unb waldgrünen Ufern, von ihren kleinen Städten, ihren fröhlichen und schwerblütigen Menschen. In noch einem Dichter ber an einem Strom zur Welt gekommen ist, in Max Dauthenbey, bem Würzburger, ist tiefes ftrömenbe Leben, biefe Leibeslust unb Sinnesfreube, ober Dauthenbey, ber Mainfranke, war weicher, verliebter, fraulicher, unb Britting, ber Oberpfälzer yon ber Donau, ist herber, strenger, solbatischer. Er fängt sich immer wieber, wenn er baoon gespült würbe, und er sieht durch alles Triebhafte, Sinnen- berauschte immer wieder das Gesetz, das von Gott oder von dem Ethos und ber Sittlichkeit in. bas Leben Gesetzte. Das Bestreben, bem Leben selbst in scheinbar sinnlosen Derknäulungen noch einen Sinn Zu geben, ist wohl so etwas wie ein Schaffensprinzip bei Georg Britting.
Man staunt über jebe seiner Geschichten in bem Bande „D as treue Eheweib", die man nicht
nur wegen ihrer blühenden, quellenden, strömenden Sprachrhythmik mit steigendem Genuß liest, man staunt über den Roman „Lebenslauf eines dicken Mannes, der Hamlet hie ß", weil Britting in diesen Büchern mit vollen Händen verschwendet, was es an inneren Spannungen, an menschlichen Charakteren, an Tragik und Komik, an wucherndem Leben der Natur, an blühender Fülle der Formen des Daseins gibt. Aber ich muß an die romantischen Barockaltäre denken, vor denen ich die Beter in Süddeutschland und Italien inbrünstig und in sich versunken knien sah, nicht der Schönheit unb bes Goldprunks und der Farbenpracht achtend, sondern Gott lauschend und dem Mysterium, — und das erscheint mir auch bei Brittings Dichtungen so sein zu müssen, daß man nicht nur staunt und bewundert, welche barocke Pracht daraus glänzt, sondern welche Geheimnisse er zu enthüllen weiß, und daß man mit ihm die schweren und oft unergründlichen Wege des Menschengeschickes geht.
Lebensarten ans alten Liebern.
Aus den zumeist vergessenen Liedern unserer Großeltern und Urgroßeltern leben in unserer all- nSrl1ktt Sprache noch viele Redewendungen fort. iciQ die Großmutter nafjnr ist bem
1813 gedichteten „Großvaterlieb" von Langbein ent- fSS?1«1* a-ch^onches Sprichwort stammt aus ben lehrhaften Liebchen für bie Kinder, die gegen Ende des 18 Jahrhunderts beliebt wurden. So hat Gottlob SÄm o®UJman?. ,n„ Jcincn 1777 erschienenen "Klemer Liedern für kleine Jünglinge" die Verse geprägt: '
„Arbeit macht das Leben süß, Macht es nie zur Last;
Der nur hat Bekümmernis, Der die Arbeit haßt."
Der Fabeldichter Lichtwer erzähll von den Katzen, denen der Hausherr nachsprinat, wobei er alles um» "dmo Reihen Zähne" zerbricht, und schließt mit den Worten: „Blinder Eifer schadet nur . Der bekannte Kinderliederdichter Weiße beginnt fein Gedicht „Der Aufschub" mit den Worten: „Morgen, moraen, nur nicht heute, svrechen immer trage ßeute . Und Philipp Julius Lieberkühn berichtet: „Hans war im Kinderrocke schon ein ungezogener Knabe"; deshalb ging es ihm stets schlecht: „Denn, Freunde, wie man » treibt, so geht's! Merkt euch die weise Lehre." Auch die MerksprÜche unb 9v,belD$c' ®ic "Duale nie ein Tier zum Scherz" ober „Wer einmal lügt, bem glaubt man nicht", sind
Segen Preistreiberei mit Frischobst.
Don ber Polizeibire ttion Gießen wirb uns mitgeteilt:
Es ist feftgefteüf worben, daß auf bem Markt unb auch in ben Verkaufsstellen Preise für Frischobst verlangt werben, bie in keiner Weise gerechtfertigt erscheinen.
Die Polizeidirektion wird unnachsichtlich gegen Erzeuger, Hänbler unb Kaufleute mit ben empfindlichsten Maßnahmen Vorgehen, sofern sich ergibt, daß unberechtigt hohe Preise gefordert werden.
Pflichtprüfung der Kaufmannslehrlinge im September.
Im Monat September haben alle Lehrlinge, bie im Herbst biefes Jahres zum Reichsarbeitsbienst ober zur Wehrmacht eingezogen werden, und die männlichen und weiblichen Lehrlinge, die am 30. September ihre Lehrzeit beenden, ihre K a u f« mannsgehilfen-Pflichtprüsung abzulegen.
Durch die Prüfung soll der Deutschen Arbeitsfront unb der Wirtschaftsführung ein Ueberblick über den Stand der praktischen Berufserziehung in ben Lehrstellen geaeben werden. Nur derjenige Lehrling, der nach bestandener Prüfung den Kauf- mannsgehilfenbrief erhält, besitzt das Recht, sich Kaufmannsgehilfe zu nennen. Ohne das praktische Mindestmaß an Können und Wissen, das diese Prüfung verlanat, soll in Zukunft niemand mehr Kaufmannsgehilfe werden. Die Prüfung ist eine praktische Prüfung, b. h. ber Lehrling soll beweisen, - was er im Geschäft gelernt hat. Es kann sich daher fein Lehrling auf die Prüfung theoretisch vorbereiten.
Die Lehrherren sind verpflichtet, ihre Lehrlinge dem zuständigen Prüfungsausschuß auf dem vor- gedruckten Anmeldebogen, bie nur bei ber Jnbustrie- unb Hanbelskammer erhältlich finb, bis 10. August 1935 zu melben.
Schont die Eidechsen!
Wenn man jetzt im Hochsommer an sonnigen Halben unb Wegrinnen spazieren geht, kann man öfters unsere zierlichen Eidechsen beobachten. Gerade dort, wo die Sonne am prallsten hinscheint, fühlen sie sich am wohlsten.
Hast du schon einmal das wundervoll graugefärbte Männchen unserer Zauneidechse beobachtet? Unbeweglich liegt bas sonst so flinke Tierchen auf der Lauer unb sicher erhascht es ben Heuhüpfer, die Mücke ober ben gaukelnden Schmetterling.
Noch prächtiger gefärbt ist die im sonnigen Dalmatien beheimatete Smaragdeidechse, die in manchen Gegenden Süddeutschlands vorkommt. Kennst du die blitzschnelle Berg- und die zierliche Mauer- eidechse? Leider kann man öfters die Beobachtung machen, daß diesen nützlichen Tieren vielfach von Kindern nachgestellt wird. Wie leicht bricht dann dem armen Tierchen der Schwanz ab, ober wenn sie unversehrt gefangen werben, werben sie nach Hause geschleift unb führen in irgenbeinem Kasten ober Terrarium ein kümmerliches Dasein. Laßt biefen Tieren ihre natürliche Heimat! Sie sind für uns sehr nützlich, denn sie vertilgen eine Menge schädlicher Infekten ober beten Larven.
Noch größeren Verfolgungen ist bie auch zu ber Eibechse zu zählenbe Dlinbschleiche ausgesetzt. Von törichten Menschen wird sie vielfach als junge Schlange angesehen unb schon beshalb totgeschlagen. Unb babei ist sie ein so gänzlich harmloses unb nützliches Tierchen, besten Hauptnahrung aus Schnecken unb Regenwürmern besteht, bie sie in Wiesen unb lichten Walbb^stänben erjagt.
Vornotizen.
— Tageskalenber für F reitag: „Kraft durch Freube": von 20 bis 22 Uhr Reiten in ber Reitschule Schömbs. — Don 20 bis 21.15 Uhr in ber Schillerschule Allgemeine Körperschule. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Ehestreit".
** Straßensperrung. Wegen Errichtung des Turmes am Erweiterungsbau der Katholischen Kirche wird der Verbindungsweg zwischen Wilhelm- straße unb Liebigstraße auf bie Dauer von drei Wochen an Wochentagen in der Zeit von 7 bis 17.30 Uhr für den Fußgängerverkehr polizeilich ge- fperrt. Die aufgestellten Sperrschilder sind zu beachten.
Der Landesbauernsührer über judenfreie Märkte
LPD. F r a n t f u r t a. M., 25. Juli. Der Preste- dienst der Landesbauemschaft Hesten-Nastau teilt mit: Immer klarer wird ber Blick unseres Bauerntums für das schädliche Treiben der Juden auf dem Lande. Manchem Bauer und mancher Bäuerin, die früher gedankenlos an den Juden verkauften und bei bem Juden kauften, sind heute die Augen darüber aufgegangen, wie - sehr sie damit sich selbst schädigen und auch den Interessen der Volksgemeinschaft zuwiderhandeln. Am deutlichsten drückt sich diese wach- sende Erkenntnis von dem verantwortungslosen Treiben des Juden auf dem Gebiet der Vieh- Märkte aus. Gerade in den Gebieten ber Landesbauernschaft Hessen-Nassau stehen wir in diesem Kampf an der Spitze, was sich vor allem auch in der Veranstaltung judenfreier Märkte aus- drückt. Jeder judenfreie Markt wurde bisher zu einem vollen Erfolg, jeder zeigte die eine klare Erkenntnis, zu der jeder deutsche Bauer und jede deutsche Bäuerin kommen muß: Es geht auch ohne den Juden! Es geht sogar viel bes- f e r ohne ihn und fein selbstsüchtiges Schachern unb Feilschen, wenn nur Deutscher mit Deutschen handelt.
Das zeigte auch der erste judenfreie Altenburger Markt bei Heftrich, der am Donnerstag unter Teilnahme von Landesbauernführer Dr. Wagner unb Kreisleiter Pg. Herrchen abgehalten würbe. Bereits am frühen Morgen begann der starke Auftrieb bes Viehes, an bem sowohl die bäuerlichen Ställe, als auch die genossenschaftliche Viehverwer- tung beteiligt waren. Ebenfalls hatte sich eine zahlreiche Käuferschaft eingefunden, die durch flotte Angebote dem Markt einen lebhaften Verlauf gab.
Stützpunktleiter Pg. Moos (Heftrich) eröffnete den Markt und erteilte nach der Begrüßung des Landesbauernführers unb bes Kreisleiters Herrchen
Landesbauernführer Or. Wagner bas Wort. Dieser gab in grundsätzlichen Ausführun- gen einen Ueberblick über die Gedankengänge, die mit bem Problem des j u b e n f r e i e n Marktes Zusammenhängen. Der Lanbesbauernführer schilberte weiter, wie heute bie Erziehung bes Volkes zu nativ n a l e r Disziplin alle die Schäden wieder gutmachen müsse, die eine 150jährige verkehrte Erziehung im liberalistischen Denken verursachte. Heute sei der Kampf gegen den Händlergeist des Judentums in einen entscheidenden Abschnitt getreten. Wenn vielleicht auch noch Jahre ober Jahrzehnte bis zur Verbrängung ber letzten Ueberbleibfel liberalistischen Denkens unb damit bis zur Freimachung des deutschen Bauerntums uni) unseres gesamten Volkes von Juden verstteichen würden, so biete doch die nationalsozialistische Erziehung und Aufklärung unserer Jugend in der Partei und ihren Glieberun- gen, sowie in der großen Mannesschule der Wehrmacht die Gewähr, daß der Tag kommen werde, an dem der Jude als Dolksparasit aus- geschieden sein wird. Auf den heutigen Markt näher eingehend, erklärte der Landesbauernführer, daß auch dessen Beschickung so gut unb bas Material so yervorragenb fei, baß ber Bauer bie lieber» zeugung gewinnen müsse, an biefem jubenfreien Markt heute unb in Zukunft feinen Bebarf becken zu können.
Kreisleiter pg. Herrchen
teilte u. a. mit, baß er beabsichtige, in bem Gebiet bes Untertaunuskreises auch in anberen Orten noch jubenfreie Märkte ins Leben zu rufen.
Jübifche Hänbler hatten versucht, burch Scheinangebote mit unwahrscheinlich hohen Preisen eine ausreichenbe Beschickung bes Marktes zu hintertreiben. Dieser Sabotageakt ist allerdings an bem gesunden Sinn der Bauern restlos gescheitert, wie der Verlauf des Marktes überzeugend bewies.
Obecheffen.
Landkreis Gießen.
y Watzenborn-Steinberg, 26. Juli Am 27. Juli kann unser Mitbürger Maler und Lackierer Johannes Schäfer XI. seinen 8 0. Oebur.fs« t a g feiern. Am 31. März 1927 konnte er mit feiner Ehefrau Christine, geb. Burk, das Fest der goldenen Hochzeit begehen. Seine aktive Dienstzeit verbrachte er von 1875 bis 1878 in ber 7. Kompanie des Infanterie-Regiments 116 in Gießen. Gleich nach der Entlastung trat er dem Kriegerverein bei, bem er jetzt 58 Jahre angehört. 50 Jahre war Johannes Schäfer im Vorstand des Kriegervereins, darunter 24 Jahre als 2. und 14 Jahre als 1. Vorsitzender. 3n Anerkennung seiner treugeleisteten unermüdlichen Arbeit wurde er zum Ehrenführer des Vereins ernannt. Für feine großen Verdienste im Kriegervereinswesen wurde ihm von dem Präsidium der „Hastia" die„Haffia-Ehrenmünze", sowie das „Hasia-Ehrenkreuz" und ein großes Bild des Gene- ralfeldmarschalls von Hindenburg verliehen. Der Jubilar stellte feine Kraft noch anderen Vereinen zur Verfügung. 12 Jahre führte er als Präsident den Gesangverein „Einttacht", wo er heute als Ehrenpräsident fungiert; 25 Jahre war er Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Konsumverein; 12 Jahre im Schulvorstand und 9 Jahre in ber Gemeindevertretung tätig. Johannes Schäfer XI. ist im Verhältnis zu feinem hohen Alter noch sehr rüftig, er arbeitet täglich noch auf bem Felde und nimmt regen Anteil an allen Geschehnissen. Möge es bem Hochbetagten noch lange vergönnt sein, im Kreise feiner Angehörigen (9 Kinder, 23 Enkel, 6 Urenkel) verweilen zu können.
wg. Großen-Buseck, 25. Juli. Bei bem schönen Hochsommerwetter hat in ben letzten Tagen die Getreideernte überall eingesetzt. Die Erntemaschinen können fast überall in Tätigkeit treten, da die Frucht einen schönen Stand hat. Der Schnitt der Wintergerste ist schon beendet, Sommergerste und Roggen werden gegenwärtig geschnitten. Das Brummen der Dreschmaschine ist in
unserem Dorfe wieder zu hören. Der Ertrag ist voraussichtlich als sehr zufriedenstellend zu bezeichnen, sowohl Stroh als auch an Körnern. Auch der Hafer ist soweit gereift, daß er tm Laufe der nächsten Tage geschnitten werden kann. Der Weizen hat jedoch noch einige Tage Zeit bis zur Vollreife. Wenn das schöne Sommerwetter anhält, wird die Ernte in diesem Jahre zu einer Zeit bereits beendet sein, in der man in anderen Jahren erst damit begann. Für die Hackfrüchte, Wiesen und Klee wäre allerdings ein guter Landregen sehr vonnöten. Am meisten verspürt man die Trockenheit auf steinigen, hochgelegenen Böden. — Am Dienstagabend hatte sich die hiesige Ortsbauern, schäft zu einer Versammlung im Saale der Wirt- fchaft „Zum kühlen Grunde" eingefunden, die zur Aufklärung über bie Getreidewirtschaft in diesem Jahre, insbesondere über die Brotgetreidekontingentierung diente. Nachdem Ortsbauernführer Pg. Schmidt einen Ueberblick über bie neuen Bestimmungen gegeben hatte, wurden von den Landwirten die Mengen an Mahlroggen und Weizen angegeben, die sie nach der Ernte abzusetzen beabsichtigen.
§ Mainzlar, 25. Juli. Das hiesige Rathaus wird nach Süden hin durch einen Anbau erweitert. Die Rohbauarbeiten sind bereits soweit geendet. Ebenso wurde in ben letzten Tagen ein im Umbau befinbliches Wohnhaus in ber Dbergaffe im Rohbau fertiggestellt.
I AUenborf a. b. Lda., 25. Juli. Heute begingen die Eheleute Landwirt Christoph Reinhardt IX. und Ehefrau Elisabethe, geb. Körbächer, von hier in geistiger und körperlicher Frstche das Fest ber Goldenen Hochzeit. Von der hiesigen Einwohnerschaft wurden dem Jubelpaar zahlreiche Glückwünsche und Geschenke bargebracht. Eine besondere Ehrung wurde bem Jubelpaar jedoch durch die Ueberreichung je eines Glückwunschschreibens des Reichsstatthalters und der Hessischen Regierung und des Kreisdirektors durch Dermitt-
hier anzuführen. Der treuherzige Geist der Zeit spricht sich bei Seume aus:
„Wo man finget, laß dich ruhig nieder, Ohne Furcht, was man im Lande glaubt; Wo man finget, wird man nicht beraubt: Bösewichter haben keine Lieder."
Mächler beginnt fein Trinklied mit den Worten: „Der Wein erfreut des Menschen Herz", und Kotzebue fängt fein „Gesellfchaftslied" im „Freimütigen" mit den Versen an:
„Es kann ja nicht immer so bleiben Hier unter dem wechselnden Mond."
Allbekannt sind noch heute die Gedichtanfänge Höltys: „Rosen auf den Weg gestreut und des Harms vergessen" und „lieb immer Treu und Redlichkeit, bis an dein kühles Grab." Und zum Volks- lieb geworben ist auch Millers Gedicht: „Was frag ich viel nach Geld und Gut, wenn ich zufrieden bin!* „Das Unvermeidliche mit Würde tragen" entstammt dem 1811 gedichteten Denkspruch von Karl Streckfuß und „Geteilte Freude ist doppelte Freude" ist von Tiebge, der singt:
„Sei hochbeseligt oder leibe. Das Herz bebarf ein zweites Herz; Geteilte Freub' ist hoppelt Freube, Geteilter Schmerz ist halber Schmerz!".
Worüber
Königin Christine Tränen lachte.
Das älteste und berühmteste Kochbuch der Welt- literatur, das für dielen der Hausfrau so wichtigen Schriftzweig das Vorbild gegeben hat. ist das Werk eines gewissen Eaelius, der sich den 'Hamen deS bekanntesten Feinschmeckers Apicius beilegte, um ba* durch sein Buch besonders zu empfehlen. Das Werk, das tm barbarischsten Latein, einem wahrhaften .Küchenlatein", versaht ist. besitzt nicht nur für die Kulturgeschichte einen außerordentlichen Wert, sondern es sagt auch mancherlei über die alte Medizin- und Apothekerkunst. Eine Küchenfee, die eS heute versuchen wollte, nach diesen fast zweitaufendjährigen Angaben ein Mahl zu bereiten, mühte freilich verzweifeln. Die Köche der römischen Spätzeit sahen nämlich darin die höchste Kunst, den besonderen Ge- fchmack jeder Speise durch Mischung und Derar- bettung mit andern aufzuheben, und so werden Dinge miteinander zusammengebracht, die selbst uns ganz unverträglich erscheinen. Es blieb dem zähen Eifer und der vor nichts zurückschreckenden Kühnheit der Gelehrten Vorbehalten, sich nicht nur In den
10 bis 14 Jahren aufgegriffen und überführt
w i m mbad
'S d„
I iS
«rolzog fl
W
fern Sommer mit den H i m b e e r e n nicht weit her, wie man landläufig sagt. Man muß schon viel Zej aufwenden, um einigermaßen eine Portion Beere« zu bekommen. Hoffentlich fällt die B r o m b e e t, ernte besser aus. In diesem Jahre wird man ber;
junger Mann vom Turm ins Wasser sprang, fiel er auf einen anderen Schwimmer und biß sich dabei die Zunge ab. Der Verunglückte mußte sofort in ärztliche Behandlung gebracht werden.
A r h e i l g e n ereignete sich im S ch ein bedauerlicher Unfall. Als ein 20 Jahre alter
Mden- tod*”1
:iMna/ 4un
fang des Bürgermeisters zuteil. Das goldene Hoch, zeitspaar steht im Älter von 74 bzw. 71 Jahren. Aus der Ehe gingen 6 Kinder hervor. Hiervon standen während des Krieges 4 Söhne im Feld», einer hiervon ist gefallen, ein zweiter starb nofi während des Krieges an den Folgen einer Derwun. düng. 12 Enkel und 2 Urenkel konnten dem Jubel- paar ihre Glückwünsche barbringen.
kreis Alsfeld.
# Aus bem oberen Ohmtal, 25. Juli. Die Roggenernte hat im Verlaufe von zwei Tagen das Bild der Getreidefelder völlig oeränbernt. Wohin man blickt, stehen die sogenannten „Hausten", und nur vereinzelt steht noch etwas Roggen auf dem Halm, wo die Reife noch nicht ganz einwand» frei ist. — Trotz guten Blütenansatzes ist es in bie»
werden.
Mr Tu ixchn e.D dmnwenbk chchen W mit einigt Itl 2lud) Sfrge zu i an 18. fft Lch oerzii lasen Sd)i Hwädjt. A Iä stink. So omtre sich zi hoben ülnr 1500 MI mit
!m
©itl!
BBon H Huppe de fflairben d HiUppenzi lWg es
gleichfalls feftgewalzt wirb. Die Lieferung bes Walz, schotters liegt bem hiesigen Basaltwerk Keil ob, bas in zwei Arbeitsschichten bas Material her. richtet unb mit eigenem Lastwagen an bie Verwen- bungsstelle bringt.
kreis Lauterbach.
Lauterbach, 25. Juli. (LPD.) In ben letzte« Tagen herrscht an ben Nieder-MooserTej. chen reger Badebetrieb. Das haben sich die Lang, fi n g e r der näheren und weiteren Umgebung zunutze gemacht. Einem auswärtigen Arzt wurde erst jetzt wieder die Geldbörse mit Inhalt aus den Klei, dem gestohlen. Er hatte den Verlust erst beim An- kleiden festgestellt und der Polizei gemeldet. Al; Täter konnten einige Jungens im Alter von
Irrgarten der schwer verständlichen Sähe zu wagen, sondern die mühsam errungenen Deutungen dann auch in die Praxis zu übertragen. Die berühmte Philologin des 18. Jahrhunderts, Mme. Davier, die als Frau sich zur Losung dieser Kochaufgaben besonders berufen glaubte, fetzte denn auch ihren! ebenfalls der Altertumswissenschaft ergebenen Gemahl ein genau nach Eaelius gekochtes Mittag-! efjen vor, und der Märtyrer der Wissenschaft schlang j es mit Todesverachtung herunter; er hätte aber dir gelehrte Leistung seiner Frau beinahe mit dem Leben gebüßt, so schlecht wurde ihm. Ein anderer Gelehrter, der die schwedische Königin Christine durch ein Diner nach dem Apicius beglücken wollte, erreichte । nur, baf} sie Tränen lachte; denn was er auf ben Tisch brachte, war ungenießbar. Der Philologe Schuch Dtt» tiefte sich so leidenschaftlich in die Schwierigkeiten M ältesten Kochbuches, daß er ein ganzes Jahr lang Jl der Küche lebte" und über dem Studium des Apicinl selbst zum Koch wurde. Mit einem anderen Altphll-» logen hat er die erste einwandfreie Textgestaltung bei Werkes geschaffen und dadurch erst das CBerftänfr ' nis für diese gastronomischen Hieroglyphen eröffnet Einige Proben aus dieser frühesten Kochweisheit sollen den Hausfrauen nicht vorenthalten wer den, obgleich sie sicherlich wenig damit anzufangen wissen.: •3m ersten Kapitel des zweiten Buches wird z. D. .Ge-! hacktes aus der See und im Darmnetz" behandelt. N • werden da Ragouts und Haschees aus Seesischen un6 tierischen Singeweiden angegeben. Das Rezept zn einem Ragout aus Garneelen und Langusten lautet folgendermaßen: »Zerstoße gesottene Langusten unb Gameelen, nimm ihre Rerven heraus, zerstoße mit ihnen abgesottene Weizengraupe, Sier und Pfeffer und brate sie schnell auf; übergieße alles mit (Sein* fischlake." Gewürze, wie Laserkraut und Mohrenküm* mel, spielen überhaupt bei dielen Gehäckseln eine große Rolle. Das zweite Kapitel beschäftigt sich mit der Zubereitung verschiedener Wurstfüllsel. AIS bas zarteste Material für die Wurstbereitung wird Pfau* enfleisch gepriesen; dann folgen der Reihe nach Wurst füllsel aus Fasanen, Kaninchen, jungen Hühnern unb -arten Frischlingen. Zum Schluß sei noch ein Rezept für Fleischklößchen aus diesem ältesten Kochbuch ange* geben; „(Sntbeine die Schwanzstückchen, balle sie zu« lammen, schiebe sie in den Backofen und brate sie an! hebe sie heraus und befreie sie auf einem Rost bei langsamem Feuer von ihrer Feuchtigkeit. Stoße Pftst fer, Laserkraut, Cyperngraswurzel, Kümmel, Fischla» unb mildere sie mit Rostnensaft. Mit dieser Brühe tu« die Klöße in den Kochtopf. Sind sie gekocht, so hebe sie weg und trockne sie. Trage sie ohne Brühe, nur nm darauf gestreutem Pfeffer, auf.*
k, Mar
Wlnoa Höiritt«)' hsfania 1 .?Hülsni< n-itV M auf
I töteten. 1 i ,iM Ailor
Muscheid ’mM $ Mv. se n' rri Wn «Der Mo Ifritem ffet bl Belgien bnrbcr", • feint. Sei Mich fto somit
wjum«
1
! W 0"
MI--" J
ajgbet 9 w* AtMe'
Oer Darmstädter Kommunistenprozeß.
Acht weitere Angeklagte abgeurteitt.
LPD. Darmstadt, 25. Juli. In bem großen Kommunistenprozeß, der zurzeit vor dem Strafsenat bes Dberlanbesgeridjts in Darmstabt verhandelt wirb, wurden heute wieder acht Angeklagte, sämtlich aus Groß - Um stadt, wegen Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens abgeurteilt. Die Angeklagten hatten im Jahre 1934 illegale Flugschriften verteilt unb auch Beiträge an bie verbotene KPD. geleistet. Der 26jährige Wilhelm Krämer erhiell drei Jahre Zuchthaus, der 31jährige Paul Walt« Busse 2V2 Jahre Zuchthaus. Beiden wurden die bürgerlichen Ehrenrechte auf bie Dauer von fünf Jahren aberkannt, auch würbe auf Stellung unter Polizeiaufsicht erkannt. Der 35jährige Philipp <5ped)t erhielt drei Jahre Gefängnis, des 22jährige Georg Z i e r e s 2V? Jahre Gefängnis, ber 35jährige Jakob Seipel, der 32jährige Adam Schweitzer und ber 36jährige Georg Storck 1 Jahr 4 Monate Gefängnis, ber 34- jährige Wilhelm Rosenberger 1 Jahr 3 Monate Gefängnis. Die Derhanblung gegen diij übrigen Angeklagten wirb fortgesetzt.
Sich selbst die Zunge abgebisten.
LPD. Darmstadt, 25. Juli. Im benachbarten
Urieberrec IWttsetzr fflin Marl Wurf. Hment ql unb £ ft'ie liebt' Men.
Men. S jWt Tott <1 ÜJlenld UßMt b Are Mei -Arien 1 •Mer K, Wien?!" «Iflrla
A Carlen Kl - /eh &
Wi @je . SMn k SWen, °»r.
dem 5 ff W
ZU . ilhf-r btod
Hin 1rfrQt : deg tzr
Ni
leider noch viel verkannten Holunderbeeren Sn etwas mehr Interesse entgegenbringen, lassen sich ^,n F1’! daraus doch guter Gelee und Wein Herstellen. v.;. Mm Ober-Ohmen, 25. Juli. Nachdem die Aus. r' stückung ber Kurven ber Ohmstraße beenbet ijt, trat nunmehr bie Dampfwalze in Tätigkeit, bie auf bas rauhe Gestein eine starke Schotterbecke aufwalzi. Die Walzarbeiten haben bei Ruppertenrobbe. aonnen unb werben in ber Richtung Ulrichstein (eine Länge von zirka 12 Kilometer) fortgesetzt. Aus bie Schotterbecke kommt sofort eine Schicht fertig- gemischter Teersplitt, „Heibelbeeren" genannt, bi,


