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ür.172 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheflen)

5reitag,26.Zuli 1935

OasLnfanterie-Regiment Gießen übt in Oberheffen

Oer Verlauf des dritten Tages

Eine Kompanie des II. Bataillons in Londorf.

Schnell ist Freundschaft geschlossen. (Aufnahmen [41: Photo-Pfaff-Gießen.)

den

Puck.

mit der

Und ganz am Rande suche Ruh, und in die Rinne leg den Kopf, und mach getrost die Augen zu und schlaf und sei kein feiger Tropf.

Das Essen meide! Trinke viel!

Das Trinken hält dich frisch und wach, doch schlafe stets, als höchstes Ziel, des Abends immer auf dem Dach.

Du fühlst im Traum: Hier gähnt das Grab! Und darum wirst du kalt wie Eis, denn wachst du auf und schaust hinab, hast du den schönsten kalten Schweiß!

Und hilft das nicht genug zur Kur, so denk ein wenig doch zurück: An Schwiegermutters Lächeln nur und ihren eisig-kalten Blick!

ch e n. Der Einsatz eines Reserve-Bataillons einer Verschiebung hinter der Front war Uebungszweck des gestrigen Tages.

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und unter Fliegerschutz (angenommen) zur Ver­fügung des Regiments lag, das aus dem Walde bei K a l b a ch im Angriff nach Osten war. Gegen 8.45 Uhr erreichte das Bataillon der Regimentsbe­fehl, daß K a l b a ch genommen fei und die vorder­sten Teile des Regiments im Walde ostwärts von L o h r b a ch dem Feind gegenüberlägen. Das III. Bataillon bekam den Auftrag, den Waldrand westlich K a l b a ch zu erreichen.

Da alle denkbaren Einsatzmöglichkeiten bereits vorher erkundet wurden, konnte das Bataillon so­gleich auf verschiedenen Waldwegen vorgezogen werden. Trotzdem stellte der dichte Wald mit vielen neuen und zum Teil schlechten Wegen oft recht schwierige Anforderungen an Mann und Pferd. Da aber die brennenden Sonnenstrahlen den dich­ten Wald nicht durchdringen konnten, war das neue Ziel bald erreicht. Kurz darauf traf ein neuer Regimentsbefehl ein, der das Bataillon zum Einsatz in eine fern am Waldrand westlich von L o h r b a ch entstandene Lücke zur Bereitstellung zum Angriff befahl. Schnell eilten findige Wege­erkunder zu Pferd und zu Rad voraus, um die Wege dorthin zu kennzeichnen und die Ausdehnung der entstandenen Lücke festzustellen. Als das Batail­lon gegen 12 Uhr in seinem neuen Bereitstellungs­raum eintraf, ertönte das SignalDas Ganze halt".

Absichtlich wurde die Hebung des gestrigen Tages bereits gegen Mittag beendet, da der vorangegan­gene Tag infolge der großen Hitze und der hohen Marschleistungen große Anforderungen an das ganze Bataillon gestellt hatte.

Gegen 13 Uhr rückte das Bataillon geschlossen mit Musik in Büdingen ein, wo ein Vorbei­marsch vor dem Kommandeur den Uebungstag ab­schloß. Herzlich und freudig nahmen die Einwohner von Büdingen die Soldaten auf, und bald war

Die Ausgangslage brachte das Bataillon in Wald nordostwärts H a i n ch e n , wo es entfaltet

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alles in den Quartieren zur wohlverdienten Ruhe verschwunden.

Am heutigen Freitag rückte das Bataillon schon sehr früh ab, um über Kefenrod Rieder- Seemen bis Wenings zu operieren. Heute nachmittag wird dicht westlich Weninas Biwak bezogen, wobei als eine seltene und besonders inter­essante Hebung das Abkochen im Kochgeschirr statt- finden wird.

du die Schlüssel eingesteckt?") Die Stiefel werden irgendwohineingepramst". Vater muß sich wieder auf den Koffer setzen zuschließen zu» schnüren--

Rur einer steht mit überlegener Miene dabei: Bruno! Bruno ist Kameradschaftsführer in dec HI. und verstehteinfach" nicht, wozu man soviel Aufhebens um einen Koffer macht (wofern er auf­zuheben ist!). Bruno hat seinenAffen" schon ge­packt, seinen Mantel gerollt, sein Kochgeschirr auf­geschnallt.

Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den läßt er ohne Koffer reisen.

Aber: wo sind Brunos Langschäfter? Wo sind sie? Nirgends sind sie zu finden. Alles sucht, alles flucht! Wo sind sie? Ja, wo sind sie?

Unten im Koffer natürlich!

Kofferpacken...

Unerwünschte Gäste.

Der Hochsommer ist die Zeit, in der Insekten aller Art schwärmen. Selbst in den Abend- und Nachtstunden gibt es keine Ruhe.

Wenn du am Abend bei offenem Fenster bei einer Lampe sitzt, wirst du bald Besuch bekommen. Da kommt ein großer, schöner Schwärmer oder ein Käfer mit großem Gesumse anaebrummt. Er kreist unaufhörlich um das Licht, klatscht gegen die Decke und erfüllt das Zimmer mit Unruhe.

Nun aber nur nicht nervös werden! Es ist durch­aus nicht notwendig, dieses ganz harmlose Geschöpf, bloß weil es dir nicht erwünscht ist, gleich totzu­schlagen. Es gehen leider nur zu viele unserer Nachtschwärmer und viele unserer Käfer, angelockt durch die nächtlichen Leuchtsignale oder durch Auto­scheinwerfer, einem schnellen Ende entgegen. Du

brauchst dich also nicht an dem Zerstörungswerke zu beteiligen. Der wahre Naturfreund bedient sich eines ganz einfachen Mittels, um sich des Stören­frieds zu entledigen. Das Infekt setzt sich nach mehr­maligem Umkreisen der Lampe irgendwo nieder. Nun nimmst du ein einfaches Wasserglas und eine Postkarte zur Hand, stülpst das Glas über das Insekt und schiebst die Karte zwischen Glas und Wand. Nun ist es gefangen und du kannst es leicht wieder an die frische Luft befördern. Aber du mußt es nach unten aus dem Fenster werfen, sonst kann es dir passieren, daß das Insekt gleich wieder da ist.

Schütze dich vor Hitze!

Vermeide Zank und Ehezwist, benutze diese Tage schlau und nimm dir, falls er möglich ist, zuerst mal Ferien von der Frau!

Ruhetag beim Limit II.Bataillon, i ZDer gestrige Tag verlief beim I. Bataillon im Nourn um Schotten und beim II. Bataillon si Ebsdorfer Grund als Ruhetag.

sagen? Sie können froh sein, falls sie Urlaub haben, mitgenommen zu werden.

Kofferpacken! Ueberall liegen frischgewaschene Hemden, Blusen, Strümpfe. Berge von Taschen­tüchern häufen sich. Kein Stuhl in der Wohnung ijt mehr frei. Alles ist belegt mitKofferinhalt , Vater sagt gar nichts mehr. Mutter ist den halben Tag mit dem Kopf in dem großen Reisekorb (von Tante Emilie) verschwunden. Mutter legt fein säuberlich Wäsche, Strümpfe und Badeanzüge zu unterst, probiert aus, wieviel Platz noch für die Kleider bleibt. Nur nicht das neue blaue Kleid so drücken! Und wie ist's mit den Stiefeln? Ach, du Schreck! Die müssen noch zum Schuster! Und Vaters Kragen? Die wären beinahe nicht mitgekommen! Die Haarbürsten werden ausgeseift, die Kämme mit einer Stecknadel gereinigt. So! Das wäre fertig.

Aber einen Tag vor der Abfahrt wird alles noch mal herausgenommen. Es liegt alles verkehrt! Die Badeanzüge müssen zu oberft liegen. Die werden zuerst gebraucht. Jetzt kommt Annemarie und will ihr Püppchen noch eingepack^ haben. Bald darauf kommt Herbertchen mit feinem ganzen Kaufmanns­laden. Brüllend zieht er ab, weills nicht möglich ist. Dafür bekommt er von Onkel Max einen schönen roten Eimer und eine Schaufel. Als alles fertig ist, kommt Vater mit dem Angelstock. Nun den noch! Unmöglich!! Der ist doch viel zu lang! der geht doch nicht in den Koffer. Aber er ist aus­einanderzunehmen (der Angelstock!).

Nun aber kommt das schlimmste: der Koffer geht nicht zu! Wie geht es nur zu, daß der Koffer nicht zugeht? Vater wird geholt. Er setzt sich auf den Koffer da geht er zu. Natürlich, das hätte Mutter auch gekonnt! Aber wie sieht nun das neue blaue Kleid aus? Der Koffer wird verschlossen, wird verschnürt. Alles atmet auf. Da klingelt es an der Wohnungstür. Nanu? Der Schuster bringt die Stiefel! Also: der Koffer wird wieder aufge­schnürt, wird wieder aufgeschlossen. (Vater, hattest

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«Nachdem in den Unterkünften des I. Bataillons oi Mittwochabend Manöverball bei Radio, E ammophon, Klavier und Ziehharmonika die Be- vlkerung und die Soldaten bis Mitternacht in f« -her Geselligkeit vereinigt hatte, brachte der g trige Donnerstag der in Schotten einquartierten Truppe Innendienst (Waffenappell, Unterricht iliro.). Die in den Dörfern um Schotten einquar- ürten Kompanien waren vom militärischen Dienst l> reit, dafür betätigten sich die Soldaten als v-nte Helfer bei ihren Quartierwirten. Allent- h den konnte man die Feldgrauen auf den Aeckern t;ng als freudig begrüßte Helfer bei der Ernte Dirken sehen. Ferner wurde der Tag von den (baten auch benutzt, um in den klaren Wasser­läufen des Vogelsberges ein erfrischendes Bad zu nomen. Der gestrige Tag fand wiederum mit si her Geselligkeit in den Quartierorten seinen Ajschluß, allerdings war bereits um 10 Uhr 3ipfenftreid).

Am heutigen Freitag früh um 6 Uhr rückte das V taillon in das Gelände ab, um 8.15 Uhr begann i bi Hebung an der Feldkrücker Höhe. Die | mlitärifche Aufgabe des Tages wird das Bataillon himte bis in die Gegend von Freienseen führen.

Beim II. Bataillon fanden am Mittwochabend in d<Ä Ortsunterkünften im Ebsdorfer Grund ebenfalls 3ha n ö d e r b ä 11 e statt, wobei musikalische Kräfte k Kompanien sich in den Orten Violinen zu be= (duffen wußten, ferner die Klaviere eifrig und gut ««(Anspruch nahmen und dergestalt' überall Haus- iii eilen für das tanzfrohe Volk schufen. Die Be- D(l ferung der Ortschaften nahm an diesen Mcmö- Dd ballen ebenfalls frohgestimmten Anteil, und die okmütlichen Feiern wurden bis weit in die Nacht ji-ein ausgedehnt.

Am gestrigen Donnerstag war den Kompanien iit rall freigegeben worden. Die Mannschaften stell­te sich auch hier ihren Quartierwirten als H e I f e r ti i der Ernte freudig bis in den Abend hinein gir Verfügung.

Im heutigen Freitag früh versammelte sich das SBittaillon um 5.45 Uhr bei Leidenhofen, um toi hier aus die Hebung bis in Richtung Hom- trr g (O h m) durchzuführen.

Einquartierungsfreude im Lumdatal.

Mainzlar, 26. Juli. Unser Dorf hatte efem und vorgestern die erste Einquartie- um g nach dem Kriege von Teilen des eichsheeres aus Gießen. Die Soldaten wurden ) allen Teilen der Bevölkerung gern gesehen ir herzlich bewillkommnet.

Trais a. d. Lumda. Zum erstenmal nach dem liege hatten wir von gestern auf heute wieder ein- itd (Einquartierung. Die 6 Kompanie des li ftener Regiments hatte hier Quartiere bezogen -« wurde von den Einwohnern mit großer Freude iHDfangen. Am Abend vereinigten sich zahlreiche iiwohner mit den Offizieren und Mannschaften

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Aus der Provinzialhauptstadt.

Kofferpacken. ..

Nun ist die Ferienzeit da! Nun geht's auf Reisen, auf Wanderfahrt, ins Zeltlager! Und alles wäre schön und gut, wenn nur nicht das Koffer­packen wäre! Aber so ist's nun mal im Leben: Keine Rose ohne Dorn, keine Reise ohne Koffer!

Seit Tagen sind schon die Koffer vorn Boden geholt. Dergroße braune" oder derschwarze mit den Riemen" oberber von Großvater", sie alle finb gereinigt, geklopft, gesäubert unb miß­trauisch gemustert unb geprüft, ob's biesmal noch geht. Mancher Koffer hat die Prüfung nicht be­stauben. An seiner Stelle prangt nun ein funkel­nagelneuer Koffer, von ber ganzen Familie be- rounbert unb bestaunt. Nur Vater meinte,ber von Großvater" wäre boch noch gegangen! Aber was haben Väter kurz vor ber Ferienreise zu

zu einem gemütlichen Beisammensein in Mills Saal, wobei auch bas Tanzbein geschwungen würbe. Um 23 Uhr war Schluß.

Bericht aus Schotten.

q. Schotten, 25. Juli. Gestern nachmittag traf bas I. Bataillon bes Jnf.-Regiments Gießen in Schotten ein; Teile bes Bataillons waren in ben benachbarten Gemeinben untergebracht. Stab, Nach- richtentrupp unb 1. Kompanie lagen in Schotten. Die Aufnahme bes Militärs bei ber Bevölkerung war herzlick. Die Jugenb bebauerte, baß bie Militärmusik nicht bei bem Bataillon war unb ber vor ihr erwartete große Manöverball ausfallen mußte. Die moberne Gefechtstaktil unb bie Waffen erregten starkes Interesse bei ber Bevöl­kerung, besonders bei ben altgebienten Leuten, bei benen bie Erinnerung an ihre Dienstzeit wieder wach würbe.

Das m. Bataillon.

Der britte Hebungstag führte bas III. Bataillon zunächst aus ben Unterkünften bis nach Hain-

Beim gastfreien Mittagessen in einer Unterkunft