Einzelbild herunterladen

Reichsschatzmeister der NSDAP, in keiner Form die Firmenmitgliedschaft zur NSV. verboten, sondern lediglich verfugt hat, daß in Anbetracht der von ihm angeordneten Pause für alle Werbungen und Samm­lungen auch die Werbung für die Firmenmitglied- schäft vorläufig einzustellen ist. Deutsche Betriebe, Unternehmungen usw. können also nach wie vor Firmenmitglieder der NSV. werden und bleiben. Die auf Grund der zahlreichen Anmeldun­gen ins Stocken geratene Aushändigung der Firmentürschilder und Glasplaketten für die Schaufenster wird nunmehr in den nächsten Tagen restlos erfolgen.

Volk ohne Jugend?

Unsere Nation hat seit etwa zehn Jahren auf- gehört, ein wachsendes Volk zu sein. Die Geburtenzahl hat trotz der erfreulichen Erfolge des letzten Jahres auch heute nicht wieder den Stand erreicht, der zur bloßen Erhaltung seines Bestandes notwendig ist Zahlen beweisen. Im Jahre 1901 hatte Deutschland 2 032 000 Lebend­geborene, 1931 1032000, 1932 978000, 1933 957000.

Lange Zeit galt das flache Land als die Kraftquelle unseres Volkes. Seit etwa 1927 ist auch in den Gemeinden unter 2000 Einwohnern e t n Fehlbetrag von rund 10 v.S). der notwen­digen Geburtenzahl zu verzeichnen. Die städtischen Gemeinden bis zu einer Größe von 100 000 Ein­wohnern hatten 1933 einen Fehlbetrag von 31 v. H. und die Großstädte sogar einen solchen von 50 v. H. Der Reichsdurchschnitt der fehlenden Geburtenzahl betrug 31 v. H. Solche Ergebnisse berechtigen wohl zu der Frage, ob wir einVolk ohne Ju­gend" seien, die Friedrich Burgdörfer auf Grund statistischen Materials aufgeworfen hat, das er in seiner neuen SchriftBevölkerungs­entwicklung im Dritten Reich" (Kurt Vowinkel Verlag, Berlin) weiter behandelt.

Wir waren ein alterndes Volk geworden, dessen schwacher Bevölkerungszuwachs nur als eine Folge des hygienischen Fortschritts und der damit in erfreulicher Weise erreichten Verlängerung der ^durchschnittlichen Lebensdauer seiner Bewohner er» ireicht wurde. Der Aufbau der Bevölkerungspyra- mibe, der einst auf den breiten Grundlagen der 'Geburtenzahlen beruhte, wurde immer s ch m a - Her und spitzer. Unsere sozialen Versicherun- igen wußten davon ein Lied zu fingen, denn die verlängerte Lebensdauer erforderte langjährige Renten, ohne daß der breite Nachschub in Gestalt zahlreicher junger Arbeitskräfte, die neu in die Versicherung eintraten, vorhanden war. Auch hier einige Zahlen, die Burgdörfer angibt: Im Jahre 11900 entfielen auf 1000 Frauen 300 Geburten, im Dahre 1933 aber nur noch 100 (in Berlin nur 45). Mit einer durchschnittlichen Geburtenzahl von 14,7 «auf das Tausend hat Deutschland nach st Schweden den tief st en Stand unter den europäischen Ländern.

Daß eine Umkehr von einer solchen Entwick­lung in einem Kulturvolk möglich sein könnte, ist ftetg bezweifelt worden. In Deutschland aber i st | i e geschehen. Im Jahre 1934 ist b i e höchste cheiratszahl in allen Ländern erreicht norben. 1932 gab es 510 000 Eheschließungen, Ü933 631 000, 1934 sogar 730 000. Diese Zunahme wie viermal so groß wie in Italien und siebenmal sso groß wie in England. Sicherlich haben daran Lie Ehestandsdarlehen einen großen Anteil. Sie find vom 1. Juli 1933 bis 31. März 1935 in über S00 000 Fällen ausgezahlt worden. Die Gebur- tienzunahme war 1934 im ersten Vierteljahre uum 34 000 größer als 1933, im zweiten Vierteljahre mm 52 000, im dritten Vierteljahre 62 000 und im Vierten Vierteljahre um 76 000 gestiegen. Die ^durchschnittliche Zunahme der Geburten betrug 23 v. 5). gegenüber dem Jahre 1933. Burgdörfer "teilt fest, daß drei Fünftel der Geburtenzahlen lolche sind, die aus den jungen Ehen mit Ehe­standsdarlehen entstammen. Besonders erfreulich i:ft, daß die Großstädte hier vorangegangen sind.

In einem italienischen Blatt wurde im Februar behauptet, daß das Bevölkerungswachstum in Deutschland sogründlich" vor sich gehe, daß noch vor 1950 die Grenze von 80 Millionen erreicht sein würde. Diese gewaltige Masse werde auf alle Gren­zen einen Druck und aus die deutschen Dolksteile außerhalb des Reiches eine immer größere An» rsiehungstraft ausüben. Burgdörfer geht auf diese Behauptungen näher ein. Er weist darauf hin, daß Die günstige Entwicklung der Geburtenzahl im Jahre 1934 zu einem großen Teile auf das Zu- ammentreffen ungewöhnlich günstiger Doraus- »etzungen zurückgeht, von denen man nicht weiß, ob sie von Dauer sein werden. Es sei zu beachten. Daß es sich zum größten Teile um E r st g e b o - re ne aus jungen Ehen handelt, und es bleibe ab» jiUwarten, ob diesen Kindern auch noch das zweite, Dritte und vierte Kind folgen wird. Aber selbst wenn der 1934 erreichte Stand von Dauer wäre, w wäre damit der gegenwärtige Bestand unseres Lölkes noch nicht gesichert. Die Zahl von 80 Mil- ionen würde dann erst in etwa 30 Jahren irreicht werden.

Das mindeste Ziel besteht in der Erhaltung bes Volksbestandes, d. h. in einer Ge- f urtenzahl, die ausreicht als Ersatz für den heuti- q en Bestand an fortpflanzungsfäyigen Menschen. Das wären 67 bis 70 Millionen Menschen im Lahre 1950. Zur Erreichung dieses Mindestzieles näre eine dauernde Erhöhung der Ge­burtenzahl gegenüber 1933 u m m t n bestens 4.5 d. j). erforberlüf), bas wären jährlich 1,4 Mil­lionen ßebenbgeborene. Erreicht ist bisher eine Zcchl von 1,18 Millionen, b. h. 23 o. H.

Saboteure der Arbeitsbeschoffungs- matznahmen

8pb. Weinheim, 25. Juli. Der Landrat hat len Friebrich Brehm unb ben Gustav Fischer, leibe wohnhaft in Weinheim, in Schutzhaft ge» 1 o m m e n, weil sie als Notstandsarbeiter a u f einer Baustelle bei Bad Mergentheim ohne triftigen Grund die A r b e i t n i e d e r g e l e g t und durch ihr hetzerisches Verhalten eine Anzahl von krbeitskameraden aus Weinheim dazu bestimmt haben, ebenfalls die Arbeit niederzulegen und sich beim Arbeitsamt in Weinheim erneut arbeitslos zu melden. Die Arbeitsverweigerung ist unter Um» flänben erfolgt, bie darauf schließen lassen, daß es bei den beiden in Schutzhast Genommenen a n der erforderlichen Arbeitssreudigkeit fehlt. Personen, die sich wie die Genannten als Saboteure der Arbeitsbeschaffungs- Maßnahmen der Regierung betätigen, sind als Staatsfeinde zu betrachten und müssen daher entsprechend behandelt werden.

Rumänische Sarde in preußischen Dorkn'egs-ilmsormeu.

"r M M .M

MW

Ni

-

. .w- ....

Die Wachttruppe König Carols, die aus vier Kompanien bestehende Eskorta Regala, erhielt soeben eine neue Uniform, die dem Vorbild der alten preußischen Armee fast genau entspricht. Unser Bild zeigt das Einziehen der Wachtparade ins Bukarester Stadtschloß. (Scherl-M.)

zwischen ist es bereits wieder zu einer Beruhigung gekommen, die sich auch auf die besonders von der Baisse betroffenen Werte erstreckt hat, die sich nun­mehr nach Klärung der Lage auf dem ermäßigten Niveau behaupten dzw. auch schon wieder erholt haben. Das Gesamtbild der Aktienmärkte zeigte in den letzten Tagen wieder ein freundlicheres Bild, wobei man wiederholt auf Sperrmarkkäufe als an­regendes Moment hinwies, die bei der bekannten Enge der Märkte leicht in der Lage sind, das Kurs­niveau zu heben.

Die neue polnische Z ollv ero rd nung, durch die von den Danziger Zollbehörden verlangt wird, daß sie die Abfertigung von Einfuhrwaren nur dann vornehmen, wenn diese zum Gebrauch im Gebiet der Freien Stadt bestimmt sind, wird vom Danziger Senat als eine Einengung der durch die Verträge gewährleisteten Rechte Danzigs betrachtet. Sie kam um so überraschender, als sich in ben letz­ten Jahren eine verständnisvolle Zusammenarbeit auch zwischen Danzig und Polen anzubahnen schien. Man glaubt, daß das Vorgehen des polnischen Fi­nanzministers dazu dienen soll, Danzig in der Währungsfrage den auf eine Angleichung des Danziger Guldens an den Zloty gerichteten polnischen Wünschen gefügig zu machen.' Aber ge­rade während des schwierigen Kampfes um bie Verteidigung bes Gulbens hat sich bie Danziaer Regierung bemüht, bie Bedürfnisse unb Interessen bes polnischen Handels zu berücksichtigen. Nachbem jetzt Danzig seine devisenpolitischen Kampfmaßnah- men zum größten Teil schon wieder abgebaut hat, ist fein Anlaß zu einem wirtschaftlichen Konflikt zwischen Danzig und Polen zu erkennen. An einer Störung der Beziehungen hat weder Polen noch sonst irgend jemand ein Interesse. Man darf daher hoffen, daß man sich auch über bie strittigen Zoll­fragen roieber verstänbigen wirb.

Die Neuordnung an den Hochschulen.

Korporationen und NG.-Gtudentenbund.

Ein Aufsatz Dr. Wagners

Berlin, 26. Juli. (Eigenbericht.) ImVölki- chen Beobachter" veröffentlicht Dr. G. Wagner, ber Beauftragte bes Führers in Hochschulfragen, einen Aufsatz, ber ben gestern bekanntgegebenen Er­laß über bie Neuordnung des NS. -Dozenten- b u n d e s erläutert und auch zur Frage der Kor­porationen Stellung nimmt. Dr. Wagner schreibt u. a.:

D i e Partei lehnt in ihrer Erzie­hungsarbeit jeglichen Zwang ab. Sie zwingt niemanden in ihre Schulungsarbeit und die Lager des Studentenbundes. Sie hat um auch nur den Schein eines Zwanges zu vermeiden deshalb auch bereitwilligst die Frist zur An­meldung für die Korporationen bis zum 2 5. Juli verlängert, während die Richt­linien selbst wie ausdrücklich festgestellt sei sonst aufrechterhalten sind. Wenn später eine Aenderung, besonders organisatorischer Art, sich als notwendig herausstellt, wird diese Aenderung um noch hierüber anscheinend vorhandene irrtüm­liche Auffassungen zu beseitigen niemals durch Vereinbarungen ober mit Genehmigung ber GStV. ober anderer Stellen vorgenommen werden, son­dern kraft Autorität der Partei. Das gleiche gilt für den E r l a ß d e s Reichsjugend­führers, der eine entsprechende Aenderung er­fahren wird.

Die Partei denkt gar nicht daran, sämt­liche Korporationen und Korporationsstudenten auch die vielen alten zuverlässigen Parteigenossen unter diesen wahllos den feudalen Herren der Saxo-Borussia" gleichzusetzen. Sie werden sich vielmehr immer nach der weltanschaulichen Hal­tung unterscheiden müssen. Die Partei ist sich eben­so darüber klar, daß die Entscheidung über das Fort­bestehen ber Korporationen nicht bei ber Gemein­schaft stubentischer Verbänbe. ben Verbänben ober irgendeiner Dienststelle ber Partei ober bes Staa­tes liegt, fonbern einzig und allein bei ber Jugenb selbst. Diese wird sich entscheiden müs­sen, welcher Gemeinschaft unb Lebensform sie an ben Hochschulen in Zukunft ben Vorzug gibt.

Die Stellung bes Nationalsozialistischen Stubentenbunbes stellt Dr. G. Wagner, wie folgt, klar:Aus ber bisherigen Zurückhaltung bes

Stubentenbunbes haben manche anscheinend ben Schluß gezogen, ihre Zeit wäre wiebergekommen unb bie Partei sei bereit, bie Erziehungsarbeit an­deren Stellen etwa ihnen selbst zu überlasten. Sie befanden unb befinben sich in einem argen Irr­tum. Der Stubentenbunb mußte bisher a b w a r - ten, weil er es für feine Pflicht hielt, erst einmal seine eigenen Mitglieber auszurich- t e n unb eine Mannschaft zu schaffen, bie fähig ist, ihre eigene nationalsozialistische Haltung ber Ge- samtstudentenschaft zu vermitteln. Heute ist ber Stubentenbundsoweit. Es stehen genügenb Kräfte zur Verfügung, bie burch bie Schulen ber Partei zum Schluß burch bie Reichsführerschule Bernaugegangen unb von ber Partei als fähig anerkannt worben finb, bie Schulung ber Gesamtstubentenschaft in bie Hand zu nehmen.

Wenn ber (Stubentenbunb zunächst einmal Richt­linien für bie Schulung ber Korporations- ft u b e n t e n erlassen hat, so bebeutet bies wie mancherorts geglaubt würbe keine Bevorrechtung ber Korporationen, fonbern erfolgte aus reinen Zweckmäßigkeitsgrünben. Der Korpora- tionsftubent ist leichter zu erfassen als b er Fr ei­st u b e n t, besten Schulung aber felbskverstänblich im nächsten Semester schon ebenso in An- griff genommen werben wirb und muß. Der Nationalsozialismus kann ben Stubenten nicht wer­ten nach ber äußeren Couleur nach Banb, Mühe unb Farben, sondern nur nach seiner weltan­schaulichen Haltung und feiner Einstellung zu Partei unb Staat. Auch bie seinerzeitigen Vereinba­rungen zwischen N S - S t u b e n t e n b u n b unb GStV. (Gemeinschaft stubentischer Verbänbe bebeuten keinerlei Bevorrechtung ober Anerkennung von Korporationen unb Verbänben durch bie Par­tei, sind vielmehr aus reinen Zweckmäßigkeitsgrün­den erfolgt."

Der Aufsatz von Dr. Wagner stellt schließlich als bas Ziel ber getroffenen unb noch zu treffenben Maß­nahmen fest:Staat unb Partei Form unb In­halt werden einander ergänzen und aus alter Tradition bie neue deutsche Hochschule bauen, bie roürbig unb fähig ist, Mitvollstrecker unb Wegbereiter bes genialen Willens unseres Führers zu werden und ihre großen Aufgaben im neuen Reich zu erfüllen "

jt!

te sieht es in Ver"

irtschast aus?

Die Beschäftigung ber deutschen I n - b u ft r i e war im Monat Juni burch saisonmäßige Momente beeinflußt. Der Sommer pflegt in jedem Jahre eine gewisse Ermattung der industriellen Konjunktur zu bringen. Zwar ist nach der Bericht­erstattung des Statistischen Reichsamtes in diesem Jahre die Zahl der beschäftigten Arbeiter im Monat Juni weiter von 64,7 auf 65,2 Prozent ber Arbeitsplatzkapazität gestiegen. Die Gesamt­zahl ber geleisteten Stunben aber hat sich von 60,7 auf 59,3 Prozent ber Arbeitsstundenkapazität ver­mindert. Doch ist das durchaus f a i s o n m ä ß i a begründet. Insbesondere ist zu bedenken, daß in die Monate Juni und Juli die Betriebs­ferien fallen. Im August beginnt bann gewöhn­lich bie Hauptsaison, bie eine allgemeine wirtschaftliche Belebung hervorzurufen pflegt. Natürlich wirkt sich bie sommerliche Flaute in ben einzelnen Industrien nicht gleichmäßig aus. Die Baugewerbe sind durchweg stärker be­schäftigt als im gleichen Monat des Vorjahres. Das gleiche gilt für bie Papierindustrie und das Vervielfältigungsgewerbe. Besonders bemerkenswert ist bie Feststellung, daß im Stein­kohlenbergbau bie Zahl ber Feierschichten in diesem Jahre abgenommen yat, während im Vor­jahre der Monat Juni eine Zunahme gebracht hatte. Der arbeitstägliche Gesamtabsatz der Ruhrzechen ist von 185 000 Tonnen im Monat April auf 212 000 im Monat Mai und 219 000 im Monat Juni ge­stiegen. Im vorigen Jahre war der Absatz in diesen Monaten rückgängig. Im Monat Juli machte sich dann freilich auch in diesem Jahre der sommerliche Absatzrückgang bemerkbar, aber in wesentlich ge­ringerem Ausmaß. Eine wichtige und nicht immer leicht zu lösende Aufgabe ist Die Unterbrin­gung ber Saarkoh 1 e auf dem süddeutschen Markt. Aber auch bie angeftrebte Belebung bes Saarkohlenabsatzes wird nach und nach erreicht werden. Der Jndustriekohlenverbrauch ist in diesem Sommer größer als im vorigen, unb bas beweist, daß der Konjunkturaufschwung andauert. Die Ge­samtzahl der beschäftigten Arbeiter und Angestellten ist im Monat Juni, wie bie statistischen Aufnahmen ber Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung zeigen, erneut um 119000

g e ft i egen. Am 30. Juni würben insgesamt 16,5 Millionen Beschäftigte gezählt. Das sind rund 2,1 Millionen mehr als im Januar d. I. Unter den Industrien, deren Beschäfigung in diesem Sommer nachgelassen hat, sind die Metallhütten, die Stark st rom- und die feinmechanische Industrie sowie der Fahrzeugbau zu nennen. Vor allem zeigte sich aber ein Rückgang in einer Reihe von Verbrauchsgüterinbustrien, so z. B. in ben Textil- und Bekleidungsgewerben sowie in den Industriezweigen, die Hausrat und Gegenstände des Wohnbedarfs Herstellen. Die Möbel- inbuftrie klagt neuerbings über ungenügenbe Be­schäftigung. Dagegen liegen wieder in ben meisten Nahrungs- und Genußmittelinbustrien die Arbeitsverhältnisse günstiger als im Vor­jahre. Im großen unb ganzen ist bie Lage der Industrie auch in diesem Sommer zweifellos sehr befriebigenb. Von saisonmäßig begrünbeten Schwan­kungen abgesehen ist bie Konjunktur stabil unb leicht anfteigenb geblieben.

Die Börse erlebte ziemlich aufgeregte läge. Ungünftiae Nachrichten über eine Reihe von Aktien, bie sich feit langem bes besonderen Interesses der Börse erfreut hatten ohne daß der kritische Be­obachter den Grund für diese Vorliebe recht er­kennen konnte, bewirkten zunächst für bie be­troffenen Papiere selbst, bann aber auch durch ben stimmungsmäßigen Einfluß dieser Kursrückgänge für ben gesamten Aktienmarkt eine Baisse, bie zwar Angebot herauskommen ließ, aber nicht in über­mäßigem Umfang. Lebiglich am Markt der Schiff­fahrtswerte und in AEG. und Westdeutsche Kausho war bas Angebot umfangreich, unb da es sich hier durchweg um Werte mit absolut niedrigem Kurs handelt, traten recht beträchtliche relative Abschwä­chungen ein. Der Fall, vor dem kürzlich eine vom Börsenvorstand herausgegebene Erklärung warnen wollte, nämlich der Rückschlag auf übertriebene unb durch bie tatsächlichen Verhältnisse nicht gerecht­fertigte Kurs» unb Divibenbenhoffnungen am Aktienmarkt ist hier eingetreten, und man darf hoffen, daß dieses praktische Beispiel dem Anlage suchenden Publikum bie Berechtigung dieser War­nung eindringlich vor Augen geführt hat. Jn-

Nach längerer Ruhe hat sich jetzt im Bereich der Währungspolitik wieder ein Sturm aufge­tan, der alle Probleme, die im Juni zur Debatte standen, und über die inzwischen der Kongreß der Internationalen Handelskammer sich ausgesprochen hat, wieder auf die Tagesordnung setzt. Die Erklä» rung der italienischenRegierung, daß die bisher durch Gesetz auf 40 v. H. bemessene Gold­deckung der Währung bis auf weiteres unter die­sen Satz heruntergehen dürfe, gab bas Signal für biefe neue Entwicklung. Der unmittelbare Anlaß für bie Aenberung ber Deckungsbestimmungen ist in bem bringenben Materialbebarf Italiens im Zusammenhang mit ben Kriegsvorbereitungen gegen Abessinien zu suchen, ber einen Rückgriff auf bie Golbreserve ber Bank von Italien unausweich­lich erscheinen läßt. Es wirb sich zeigen, ob bie in Italien bereits feit einiger Zeit in Geltung befinb- liche Devisenkontrolle imftanbe fein wirb, bie Lira stabil zu halten unb ben Notenumlauf in vernünfti­gen Grenzen zu belassen. Am gleichen Tage, als bie internationalen Börsen bas italienische Dekret mit einer Lira-Abschwächung beantworteten, begann auch ber ho11änbische Gulben zu sinken. Die niederlänbische Regierung gab ihre energische Derteibigungsbereitschaft burch eine brastische Dis­konterhöhung um 2 auf 5 v. H. unb weiter auf 6 v. H. zu verstehen. Die innerpolitischen Schwie­rigkeiten bes Kabinetts, bie von ber Devisenspeku­lation mit ber Möglichkeit eines Umschwungs in ber Währungpolitik in Zusammenhang gebracht werben, finb an sich natürlich nicht geeignet, bas Vertrauen in ben Guben zu stärken. Anbrerseits ist aber bie Position ber Nieberlänbischen Bank einerseits unb die Lage der Staatsfinanzen andererseits so wesent­lich stärker als in dem naheliegenden VergleichsfaH Belgien, daß man mit einiger Zuversicht den Be­mühungen ber hollänbischen Regierung, bie Fahne bes Goldblocks hochzuhalten, zusehen kann.

»

Auf bem Gebiete ber Preisbewegung an ben Weltmärkten verbienen bie preisfteigernben Maß­nahmen berjenigen internationalen Kartelle befon- bere Beachtung, bie sich auf unentbehrliche Roh­stoffe ber beutschen 23erarbeitungsinbuftrten er­strecken. So hat z. B. bie Verknappung ber Zinnvorräte burch bas Zinnkartell in ber letzten Woche zu einer weiteren Steigerung ber Zinnpreise geführt. Den Weg bes Zinn­pools scheinen jetzt auch bie internationalen Blei­erzeuger einschlagen zu wollen. Sie haben auf einer Londoner Konferenz beschlossen, ihre Blei- probuften nicht mehr zu steigern. Die Folge ba« von war, daß auch der Londoner Bleipreis zu steigen begonnen hat. Diese Preistreibereien zeigen wieder, wie wichtig es ist, daß sich bie beutsche Wirtschaft nach Möglichkeit von ber auslänbischen Rohstoffbelieferung unabhängig macht. Die beutsche Bleigewinnung hat erfreulicherweise im ersten Halb­jahr 1935 etwas zugenommen, bie Zinkgewinnung ist sogar stark gestiegen. Die Diktatur bes Zinn» pools aber bürfen automatisch zu einer Verminde­rung bes Zinnverbrauchs in ber ganzen Welt führen.

Ein Beispiel für bie rein spekulative Gestaltung verschiebener Warenpreise bilbet ber Pfeffer» markt. In ber ßonboner City finb zu spekulativen Zwecken seinerzeit nicht weniger als 200 000 Tonnen Pfeffer aus bem Markt genommen worden, um diese Menge zu liquidieren. Zu dieser Gruppe gehören niederländische Spekulanten, aber selbstverständlich auch Briten, und man rechnete damit, einen Pfeffer­preis von 9 Pence auftecht zu halten, unb zahlreiche ßonboner Banken gaben Vorschüsse auf ber Basis von 6 Pence je Id. (= 0,4536 Kilogramm). Aber das ganze Spekulationsgebäube ist baburch bedroht, daß der Pfeffer neuer Ernte in ßonbon selbst mit 4,5 Pence angeboten wirb unb nun schreien Banken unb Spekulanten nach einer brastischen Erhöhung bes englischen Pfefferzolles, weil sie sich daneben ge­setzt haben!

Wetterbericht

des Reichswetterdienstes Ausgabeort Frankfurt

Der hohe Luftdruck über Mitteleuropa ist in den letzten Tagen ständig abgebaut worden, während sich über Nordosteuropa ein Gebiet tiefen Druckes entwickelt hat. Dadurch ist wieder die Zufuhr küh­lerer, aber auch feuchterer Meeresluft über bie Nord- unb Ostsee hinweg nach Polen in Gang gekommen, unb biefe kühlere Strömung setzt sich weiter lang- fam nach Westen hin burch. Gleichzeitig ist auch das südliche Teil des Schönwettergebietes über Frank­reich durch das Vordringen etwas kühlerer ßuft zer­stört worben. Hier kommt es zu Gewittertätigkeit. Auch bei uns ist daher mit Bewölkungszunahme und Örtlich auftretenben Gewittern zu rechnen.

Aussichten für Samstag: Teilweise noch aufgeheitertes Wetter, nicht mehr ganz so warm, aber schwül, örtliche Gewitterbildung, auf Westen drehende Winde.

Aussichten für Sonntag: Leicht unbe­ständiges und etwas kühleres, aber im ganzen noch freundliches Wetter.