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185. Jahrgang

5reitag,26.)uli 1935

Nr. 172 Erstes Blatt

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Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Stürmische Schmährufe gegen England

Große Massenkundgebungen in Hom

und Japan -Huldigungen vor der französischen Botschaft

Italien zur Wiederaufnahme des Schlichiungs

es

Abessinien muß unser sein!"

Paris hofft aus Vertagung.

Reichlich Gelegenheit zu manövrieren."

Paris, 26. Juli. (DNB. Funkspruch.) Der V ö l k e r b u n d s r a t ist zur Behandlung des ita­lienisch-abessinischen Streitfalles auf den 31. Juli nach Genf einberufen worden. Der Generalsekretär Aveckol ist am Donnerstagabend nach einer neuen Unterredung mit dem Minister­präsidenten Laval nach Genf abgereist. Die Aussichten der Völkerbundsratstagung werden in Paris etwas günstiger beurteilt, seitdem Ita­lien sich auf Grund der englisch-französischen Vor­stellung in der Frage des Schiedsgerichtsverfahrens etwas entgegenkommender zu zeigen scheint. Der absichtlich in Paris zur Schau getragene Optimismus kann aber nicht darüber hmwegtauschen, daß es aller Anstrengungen bedarf, um den Aus­bruch des Konfliktes zu verhüten. Immerhin hofft man Zeit zu gewinnen, um den Weg für eine friedliche Lösung vorzubereiten.

Echo de Paris" ist davon überzeugt, daß das Schreiben Italiens an den Völkerbund als eine fischen Paris, Rom und London vereinbarte Maßnahme im Hinblick auf die außerordent­liche Ratstagung zu gelten habe. Es handele sich darum, ein Kompromiß zu finden, das ohne an dem tatsächlichen Zustand etwas zu ändern, der Diplomatie einen Monat Zeit zur Prüfung der Lage geben würde.

Oeuvre" schreibt: Selten habe e i n e s o l ch e Un­sicherheit über einer so wichtigen Tagung ge-

Kont, 26. Juli. (D21B.) Die Massenkundgebun­gen gegen Abessinien, die wir bereits in den letzten Tagen in allen Teilen Italiens vor sich gingen, ha­ben am Donnerstagabend durch große Kund­gebungen in allen Stadtvierteln Roms ihren Höhepunkt erreicht. In Dutzenden von Ansprachen wurden die kolonisatori­schen Aufgaben und Fähigkeiten des faschistischen Italien gefeiert und die schärf st en Angriffe gegen Abessinien und seineHintermänner" gerichtet. Leb­haftes Zischen und Pfeifen, mit dem die Menge diese Ausfälle häufig unterstrich, wechselten mit stürmi­schen Huldigungen für Mussolini und seine Politik. :Jlad) diesen Veranstaltungen bewegten sich fast un­absehbare Menschenmassen mit Musik und zahllosen Plakaten gegen die englisch - japani­schen Waffenlieferanten, gegen den Völkerbund und vor allem gegen Abessi­nien durch die Hauptstraßen Roms und versam­melten sich auf der im Stadtinnern gelegenen P i - ia $ 3 a Colonna, wo der Parteisekretär der Stadt Rom die Schlußansprache hielt. Heber die gesamten Kundgebungen wurde fortlaufend von M a r i n e t t i, 'Mitglied der Akademie von Italien, im Rundfunk Iberichtet. Marinetti schloß seinen Bericht mit dem :Ruf:Abessinien muh unser sein!"

Zu Beginn des Abends hatte vor der fran- 'zösischen Botschaft eine Kundgebung I stattgefunden, bei der der französische Botschafter Lhambrun auf dem Balkon erschienen war, und «die Hochrufe auf Frankreich mit dem Ruf: ,Cs lebe Italien!" erwidert hatte. Andere Demonstranten zogen mit ihren Plakaten an der

'englischen Botschaft vorüber, ohne daß stedoch zu Zwischenfällen gekommen wäre.

Drastische plakale.

Große Beachtung der Kundgebungen in London.

verfahrens bereit.

Doch nur wenn Abessinien sich in Scheveningen auf Erörterung des Zwischenfalls von llal-llal beschränkt.

MUvoch Ratstagung in Gens.

England wird auf grundsätzlicher Aussprache über das Sesamtproblem bestehen

wolle oder nicht und bejahendenfalls, ob sie ihren Vertreter dahin instruieren wolle, daß er durch Verzicht auf den vorgebrachten An­spruch der Kommission die Fortsetzung ihrer Arbeiten ermögliche."

Das Telegramm ist von Staatssekretär Suvich unterzeichnet. In unterrichteten Genfer Kreisen ist man der Aufastung, daß es keine Aende- rung der Lage bedeutet.

Auch eine abessinische Rote an den Völkerbund.

Genf, 25.Juli (DNB.) Im Völkerbundssekreta­riat ist auch eine Note der abessinischen Regierung eingegangen, die d i e sofortige Einberu­fung des Völkerbundsrates int Wege des Dringlichkeitsverfahrens beantragt. Der Generalsekretär des Völkerbundes soll in einer Unterredung mit dem abessinischen Gesandten in Paris die Beschreitung dieses Weges ab gelehnt und an der Einberufung des Rates gemäß der Entschließung vom 25. Mai festgehalten haben. Die praktische Bedeutung dieses Unterschieds liegt darin, daß im Dringlichkeitsoerfahren der Rat ohne weiteres und insbesondere ohne die Mög­lichkeit von Einwendungen der Gegen­seite mit der Gesamtfrage der italienisch- abessinischen Beziehungen befaßt wäre. Der heute schriftlich vorliegende abessinische Antrag soll dem Generalsekretär übrigens schon in der vergangenen Woche in Paris mündlich vorgetragen, von ihm aber nicht zur Kenntnis genommen worden fein.

Genf, 25. Juli. (DNB.) Die italienische Re­gierung hat an den Generalsekretär des Völker­bundes am Donnerstag folgendes Tele­gramm gerichtet:

Da die vom Dölkerbundsrat in feiner Ent- chließung vom 25. Mai 1935 festgesetzte Frist zum Abschluß der Arbeiten der vier Schieds­richter über den Zwischenfall von Ual- U a l und die folgenden Zwischenfälle heute abläuft, beehrt sich die italienische Regierung folgendes mit­zuteilen:

Die italienische Regierung ist stets von dem Wunsche beseelt gewesen, das Schlichtungs- und Schiedsverfahren zu einem erfolgreichen Abschluß zu bringen. Dieses Verfahren ist nur dadurch unterbrochen worden, daß der Ver­treter der abessinischen Regierung in Scheveningen den Anspruch erhoben hat, vor der Kommission Fragen zu erörtern, die von dem Schieds­verfahren ausgeschlossen sind. Demge­mäß hat die italienische Regierung bereits am 14. Juli der abessinischen Regierung erklärt, daß sie noch immer zur Wiederaufnahme der Kommissionsarbeiten bereit sei, aller­dings unter der Bedingung, daß diese Arbeiten sich in den Grenzen des Schiedskom­promisses halten.

Die italienische Regierung hat am 23. Juli der königlichen Gesandtschaft in Addis Abeba neuer­dings telegraphisch die Weisung zugehen lassen, diese Absicht zu bestätigen-und die abessinische Re­gierung in aller Form zu befragen, ob sie sich a n die in d e m Schied skompromiß über­nommenen Verpflichtungen halten

Roosevelts Schwierigkeiten.

Don unserem K.G.S -Berichterstatter.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Washington, im Juli 1935.

Washington befindet sich im letzten Stadium einer ungewöhnlich langen, ermüdenden, Nerven verbrau­chenden Parlaments-Tagung, die am 3. Januar begann und seitdem ununterbrochen in Betrieb ist, ohne daß man den Endtermin mit Sicherheit voraussagen könnte. Lange Sessionen sind erfahrungsgemäß gefährlich, und die gegenwärtige ist keine Ausnahme. Roosevelts Prestige hat während der letzten Monate sehr gelitten, und zwar obwohl in vielen seiner Programmpunkte das Parlament sich seinen Wünschen fügte. Die Folge ist eine allgemeine Unzufriedenheit, scharfe Wortwechsel zwischen Senatoren und Mini­stern, unerhörte Ausfälle gegen den Präsidenten und eine weitverbreitete Mundpropaganda, die zu er­zählen weiß, daß Roosevelt krank sei, daß er hyste­rische Anfälle habe; neulich habe er Senator Borah nicht erkannt, als dieser ihn aufsuchte. Bei einer Pressekonferenz sei er so aufgebraust, daß man ihn habe aus dem Zimmer führen müssen, usw usw.

Das ist natürlich alles Unsinn. Roosevelt sieht wohl aus und ist weniger leicht reizbar als seine Vorgänger Hover und Coolidge. Aber es stimmt schon, daß er nicht mehr die unumstrittene Führung der Staatsgeschäfte hat, daß nicht nur seine politischen Gegner in kritisieren, sondern daß sogar seine Parteimitglieder ihm offenen Wider­stand entgegensetzen. Der bekannte Senator-Agita­tor-Diktator Huey Long nannte seinen Partei­chef Roosevelt, für den er 1932 Wahlhilfe geleistet hatte, vor einigen Tagen im Rundfunk einen Lüg­ner und Schwindler. Also es geht schon ziemlich weit in diesem Lande zügelloser Rede- und Presse­freiheit. Innenminister Ickes wurde vom Partei­genossen Senator Tydings in einem groben, na­türlich sofort veröffentlichten Brief aufgefordert, den Sitzungen des Senats-Ausschusses fernzubleiben und sich nicht in Angelegenheiten des Senats zu mischen.

Die Gründe dieser Bewegung gegen Roosevelt

werde. Die Linke werde erklären, daß dieser Schritt eine Benachteiligung Abessiniens be­deute, das im Gegensatz zu Italien keine Waffen Herstellen könne.

Abessiniens militärische Leistungsfähigkeit. Starker Munitionsbedarf.Veraltete Waffenbestände.

London, 26. Juli. (DNB. Funkspruch.) Heber die militärische Leistungsfähigkeit Abessiniens be­richtet ein Sonderberichterstatter derTimes" aus Addis Abeba u. a., der Vorrat an Waffen und Munition sei der Menge nach selbst für einen Feldzug von mäßiger Dauer völlig un­zureichend und ihre Beschaffenheit für die Durch­führung eines schnellen und siegreichen Feldzuges gänzlich ungeeignet. Abgesehen von der Verweigerung der Ausfuhrerlaubnis, über die Abes­sinien Klage führe (viele Sendungen könnten nur mit Waren, und zwar meist mit Kaffee bezahlt wer­den und die Bezahlung erstrecke sich über mehrere Jahre), sei die Einfuhr von Waffen nach dem Zwischenfall von Ualual sehr geringfügig ge­wesen. Seit dem 1. Januar dieses Jahres seien zwei

und sein Kabinett sind zwei: Roosevelts Kampf gegen d i e Reichen und gegen die großen Kraftwerk-Trusts sowie sein Arbeits­beschaffungsprogramm. Es hat niemand verstanden, warum Roosevelt kurz vor dem geplan­ten Schluß der Session plötzlich den Zankapfel der Steuerreform in die Mitte der Reichsboten warf, obwohl er doch mehr als andere daran inter­essiert ist, daß der Kongreß bald in Ferien gehe. Man behauptet, daß er dies zur Vorbereitung der nächstjährigen Wahlschlacht getan habe. Bekanntlich arbeitet Amerika seit fünf Jahren an einem Defizit, das unter Roosevelt erschreckende Dimensionen angenommen hat. In seinem Programm, mit dem er 1932 vor die Wähler trat, hat er ein ausgeglichenes Budget versprochen; im nächsten Jahre muß er Rechenschaft ablegen. Des­wegen suchte er jetzt nach einer Formel, die dem Volke zeigen sollte, daß er sowohl für die breiten Massen sorgen wie auf Rückkehr zu einem aus­geglichenen Staatshaushalt bedacht sein werde. Und so erklärte er in seiner Botschaft an den Kongreß, das Nationalvermögen müsse gerechter verteilt und die Bunoeskasse müsse auf- gefüllt werden; das könne nur durch scharfe Besteuerung der Multimillionäre sowie durch Erb­schaftssteuern (Nachlaßsteuern gibt es schon) erreicht werden. Gut, sagten die Parlamentarier seiner Partei mit einem Augenzwinkern: das ist ein guter demokratischer Gedanke; den wollen wir uns näch­stes Jahr oder so mal überlegen.

Weder sie noch Roosevelt aber hatten mit Huey Long gerechnet. Denn was der Präsident da vor­schlug, war ja Songs berühmter Reichtums- Verteilungs-Plan (share the wealth), und Long war wütend, daß man ihm sein Kind ent­führte. Er verlangte, Taten zu sehen anstatt leerer Worte, und so entschloß sich der Präsident unglück­licherweise, diesem Druck nachzugeben, und die Ver­abschiedung eines entsprechenden Gesetzes noch in dieser Session zu erbitten. Nun ist bekanntlich Steuergesetzgebung eines der umstrittensten The­mata, und alsbald ging der Kampf auf allen Fronten los. Man rechnete aus, daß höchstens 46 Leute in Amerika eine Million jährlich einneh­men und daß die Zusatzsteuern für große Einkom­men und für Erbschaften höchsten 135 Millionen Dollar ergeben würden, was gegenüber einem jährlichen Defizit von dreieinhalb Milliarden Dol­lar ein ganz kleiner Tropfen auf einem großen und sehr heißen Stein fei. Andere verlangten, daß die Steuern auf große und mittlere Einkommen aus* gedehnt werden; ja manche forderten, daß auch kleine Einkommen steuerlich irgendwie ersaßt wer­den müßten, denn es sei ein ungesunder Zustand, daß nur einer von zwanzig Steuern zahle, daß aber alle wählen und die Nation mit phantastischen Fehlbeträgen belasten können. Jedenfalls verursachte Roosevelts Vorgehen viel Kritik und Aerger, beson­ders bei den Parlamentariern, die sich bei 35 Grad Hitze mit Steuerfragen herumschlagen müssen.

Roosevelts zweiter taktischer Fehler war, daß er von einem alten, durch Tradition geheiligten Grundsatz abwich und zu der vor dem Kongreß schwebenden Gesetzgebung öffentlich Stel­lung n a h m. Der Kongreß liebt diese Einmischung nicht, und Coolidge hat viele ihm erwünschte Oe« etze gerade dadurch durch den Kongreß gebracht, daß er so tat, als ob sie ihn gar nicht inter- essierten. Eines der am heftigsten umkampfen Ge­setze ist das Gesetz gegen denPower Trust", d.h. gegen die Dachgesellschaften, die die Kontrolle über zahllose, im ganzen Land verstreute Elektrizitäts- und Gaswerke haben (wie z. B.

ober drei Schiffsladungen Waffen, darunter eine aus der Tschechoslowakei, eingetroffen. Insgesamt han­dele es sich um 16 000 Gewehre, 600 automatische Gewehre, 200 Flugzeugabwehrmaschinengewehre, 5,5 Millionen Patronen. Am dringendsten sei das Bedürfnis nach Gewehrmunition. Die Vorräte seien so knapp, daß sogar die kaiserliche Garde Schießübungen nur imbescheide - nen Maßstab veranstalten könne, obwohl es nur guter Schießübung bedürfe, um den Abessinier zu einem erstklassigen Soldatenzu machen. Im besten Falle besitze Abessinien 15 Millionen mo­derne Gewehrpatronen und 30 000 moderne, zum Teil automatische Gewehre. Bei der Freude des Abessiniers am Schießen dürften die Vorräte nicht lange anhalten. Die 11 Flugzeuge würden zum Teil für das Rote Kreuz gebraucht werden. Die vorhandenen Kanonen feien unbrauch­bar. Die abessinische Nordarmee, die der größten italienischen Streitmacht gegenüberstehe, bestehe nach teilweiser Mobilmachung aus ungefähr 160 000 Mann. Sie besitze meist alte Gewehre aus den 70er Jahren. Infolgedessen predige die IRegierung unablässig die Taktik des Kleinkrie­ges und der nächtlichen Ueb erfülle, um die italienischen Angreifer auf diese Weise über­raschend zu vernichten.

schwebt. Italien scheine geneigt zu fein, die Ernen­nung eines fünften Schiedsrichters anzunehmen, aber, wenn Abessinien zunächst auf der Anwen­dung des Verfahrens nach Artikel 15 bestehe, sehe man nicht recht, wie man ihm dies abschlagen könnte. Andererseits habe England in dieser ganzen Angelegenheit das letzte Wort zu sprechen. Das Kabinett Baldwin wünsche, daß die grundsätzliche Aussprache dieser Tage in Genf beginne. Somit würden sämtliche Fragen wieder akut.

DasEcho de Paris" glaubt, daß die Ratsmitglie­der reichlich Gelegenheit haben würden, z u manövrieren. Laval werde diese Möglichkeiten zu nützen wissen, um die Wiederaufnahme der Ar­beit des Schiedsausschusses durchzusetzen. Das sei das einzige Mittel, ein Ausbrechen Italiens zu ver­hüten. Der Völkerbundsrat werde sich dann ohne Schaden auf Öen 2 5. 21 u g u ft vertagen kön­nen, um von den Ergebnissen des um ein weiteres Mitglied vermehrten Schiedsausschusses Kenntnis zu nehmen. Inzwischen würden die Unterzeichner des Vertrages von 1906 die so gewonnene Frist be­nutzen, um nach einem letzten Kompromiß zu suchen. Auch dasEcho de Paris" bestätigt, daß biß eng­lische Regierung entschlossen sei, den italienisch-abessi­nischen Streit in seiner Gesamtheit vor dem Völker­bundsrat aufzurollen; wenn aber der Völkerbunds­rat die grundsätzliche Frage anschneide, werde Ita­lien mit feinem Austritt drohen. Der 31. Juli konnte unter diesen Umständen das Ende des Völkerbundes bebeüten. Die französische Diplomatie werbe viel zu tun haben, um alle Gegensätze auszugleichen.

Lonbon, 26. Juli. (DNB. Funkspruch.) Die feindseligen Kundgebungen in Rom am Donnerstag­abend, die sich nicht nur gegen Abessinien und Japan, sondern auch gegen England richteten, finden in Lier englischen Presse große Beachtung. Nach einer Reutermeldung aus Rom soll eines i>er Aur Schau getragenen Plakate eine faschistische A x t gezeigt haben, die eine britische und eine japanische Flagge zerschlitzte. Auf einem anderen Plakat sei der an feinen Hosen aufgehängte Kaiser von Abes­sinien zu sehen gewesen. Die Erwähnung Eng­lands, Japans und des Völkerbundes sei mit Schmährufen und Pfeifen ausgenommen worden. Der römische Berichterstatter desDaily Telegraph" meldet, die an den Massenversammlungen teilneh­menden 15 000 Angehörigen der faschistischen Ju­gend hätten geschrieen:Nieder mit Eng­land! Nieder mit Abessinien! Nieder mit Japan!" Aus dem allgemeinen Lärm seien auch Ruse: Malta! Malta!" hervorgedrungen. Von den Maueranschlägen habe einer einen englischen und einen japanischen Soldaten gezeigt, die einen Neger auf ihren Armen trugen, ein anderer einen schottischen Soldaten, der einem Schwarzen die Hand schüttelt.

England verbietet Waffenaus­fuhr nach Italien und Abessinien

London, 25. Juli. (DNB.) Die englische Re­gierung hat beschlossen, die Waffenausfuhren n a cf) Italien und nach Abessinien bis au weiteres zu verbieten. Außenminister Sir Samuel Hoare erklärte im Unterhaus auf eine Anfrage des Oppositionsführers Lansbury:Die Durchfuhr von Waffen, die für die abessi­nische Regierung bestimmt sind, durch b r i t i - sches Gebiet ober britisches Protektionsgebiet, bas an Abessinien angrenzt, wirb in Uebereinstim- mung mit Artikel 9 des Vertrages vom 21. August 1930 gestattet sein. Wie ich höre, legt bie französische Regierung ihre Verpflichtun­gen in berselben Weife aus. Was jeboch bie Genehmigung der Waffe nea usfuhr be­trifft, so tut oie englische Regierung ihr Bestes, um einen friedlichen Abschluß des unglücklichen Kon­fliktes zu ermöglichen; sie wünscht daher nicht, irgend etwas zu tun, was die Lage pra- judizieren könnte. Sie wird daher bis auf weiteres keine Genehmigungen für die Waffenaus­fuhr von England nach Italien ober Abessinien -erteilen."

Verschiedene Blätter Heden hervor, daß diese Maßnahme nur zeitweiliger Art stü Man |ei sich klar darüber, baß die e n d g ü 111 g e Ver­weigerung von Erlaubnisscheinen verhäng­nisvoll für Abessinien fein würde, bas feine eigene Rüstungsinbustrie habe unb daß bei seinem Fehlschlag der Friedensbemühungen die Danze Frage n a ch g e P r ü f t werden müsseMor- ming Pos? sieht, daß es In der außenpolitischen Aussprache am nächsten Donnerstag Proteste gegen das Waffenausfuhrverbot geben