Nr. M Drittes ylatt
Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)
Mittwoch, 2b. Juni (935
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Unser Bild ist eine zeitgenössische Darstellung eines Aufstiegs der nach ihrem Erfinder benannten „Mont- golfiere". — (Scherl-Bildarchiv-M)
erkennung und die Kritik ihrer Zeitgenossen geteilt, und ihre Namen sind vereint in die Geschichte der Lustschiffahrt eingegangen.
Es war in den Junitagen 1793, als nach Paris und von hier aus in die Welt die Kunde drang, daß zwei Brüder namens Montgolfier, die nach einem Studium der Mathematik und Naturwissenschaften die väterliche Papierfabrik in Annonay übernommen hatten, die Einwohnerschaft der Stadt in größte Aufregung versetzten. Ein Ballon aus Panier, mit einen Umfang von 34 Meter, war von ihnen mit
, als erste Fahrgäste: einen Hammel, einen Hahn und eine Ente. Ein Kanonenschuß leitete den großen Augenblick ein. Langsam und ruhig entschwebte das Fahrzeug in die Lüfte. Acht Minuten später, beim Wald von
sank es wieder sanft zur Erde nieder. Die Botschaft erregte ungeheures Aufsehen. Die Akademie trat zusammen, eine Studienkommission wurde eingesetzt, und die Mongolfiers erhielten die Einladung, ihr Experiment in Paris' noch einmal in aller Oeffentlichkeit vorzuführen.
Arre der „Emden"
Wer des Verdienstes des französischen Ballon- konstrukteurs Zosef Michel Montgolfier gedenken will, muß seinen Bruder Jacques Etienne in die Betrachtung mit einbeziehen; denn die Brüder haben bei ihrer Pioniertat im Reich der Lüfte immer in innigster Uebereinstimmung gehandelt. Die „Montgolfiere" ist ihr gemeinsames Werk; so haben sie sich auch zu ihren Lebzeiten in die An-
Ein jahrelanges, stilles Studium und rastlose Versuche der beiden Prüder waren diesem ersten Erfolg vorausgegangen. Mit Dampf hatte man begonnen; aber bald erwies sich der allzu rasch sich kondensierende Wasserdampf als unzuverlässig. P r i e st l e y s Werk „lieber die verschiedenen Arten von Luft", das einer der Brüder von einer Reise aus Montpellier mitbrachte, zeigte einen neuen Weg. Es mußte gelingen, einen leichten Hohlkörper mit einer Substanz zu füllen, die leichter als die Luft war! Die Versuche scheiterten zunächst an dem mangelhaften Ballonstoff; das Papier war nicht dicht genug, dünnere Gase xu halten. Wieder experimentierten die Brüder mit Rauch. Am 19. September legten sie dann im Schloßhof von Versailles die entscheidende Probe ab. Ihr Ballon war 19 Meter hoch, bei einem Durchmesser von 15,50 Meter, und er trug in einem ' " "" .....
Der Erfinder der „Montgolfiere" und des Fallschirms.
Zum 125. Todestage von Joseph Michel Montgolfier am 26. Juni.
Vaucresson, war die Fahrt beendet. Die Tiere waren munter und frisch. Das Experiment war glänzend gelungen!
Nun blieb noch ein weiterer wichtiger Versuch zu wagen: die „Montgolfiere" mußte ihren Aufstieg mit Menschen im Korb wiederholen. Dazu wurde ein neuer größerer Ballon erbaut, der mit den bourbonischen Lilien, den Zeichen des Tierkreises und mit stolz schwebenden Adlern geschmückt wurde. Im weidengeflochtenen Korb befand ist eine Glutpfanne, die dem Ballon heiße Luft zuführte; sie sollte durch Nachheizen die Fahrtdauer verlängern. Ein Adeliger, Pilätre de Rozier, kämpfte um die Ehre, als Erster die gefahrvolle Fahrt in die Lüfte wagen zu dürfen. Aber die ersten kleineren Versuche mißglücken. Im November soll die große Entscheidung fallen. Der König gibt nur zögernd feine Zustimmung und will anfangs nur gestatten, daß zwei Verbrecher mit in die Luft aufsteigen, die sich durch dieses Wagnis im Fall des Gelingens die Freiheit erkaufen sollten. Durch Vermittlung der Herzogin von Polignac gewährte der König schließlich Pilätre de Rozier und dem Marquis d'Arlangles die erbetene Erlaubnis, und am 21. November 1783 steigt die neue, große Montgolfiere in die Lüfte. Nach 25 Minuten landen die beiden kühnen Luftfahrer unversehrt wieder auf dem Erdboden.
Trotz aller Begeisterung, mit der dieser große Vorstoß in die Lüfte begrüßt und gefeiert wurde, konnte man sich doch nicht der Tatsache verschließen, daß die mit der Montgolfiere gebotenen Möglichkeiten sehr beschränkt waren. In höhere Luftschichten konnte man mit ihr nicht aufsteigen, und die feuergefährliche Glutpfanne verhinderte wissenschaftliche Beobachtungen. So wendet sich die Aufmerksamkeit bald einem Aufstieg zu, den Professor Charles mit den Mechanikern Robert vorbereitet; er bleibt Gäste im Berliner Zoo.
Leinwand gefüttert und mit dem Rauch verbrannten feuchten Strohs und zerfetzter Wolle gefüllt worden. Dann hatte man das Ungetüm losgelassen und mit Erstaunen gesehen, daß es himmelwärts flog, etwa bis in eine Höhe von 3 0 0 Meter; dann
Der Kreuzer „Emde n", von dessen Weltreise wir im Gießener Anzeiger laufend ausführliche Berichte veröffentlicht haben, hat einen jungen Buschbock und zwei Leopardenbabys mitgebracht. Ein Obermaschinistenmaat kam mit den jungen Tieren nach Berlin und gab sie dem Berliner Zoologischen Garten in Pension. — Unser Bild zeigt die Ankunft des „Emden"-Tiertransportes auf dem Lehrter Bahnhof in Berlin, wo er von dem Oberwärter Ohlefen (rechts) empfangen wurde. — (Scherl-M.)
bei der Verwendung von Wasserstoff und schafft eine gashaltige Hülle, den ersten Ballon aus Seidenstoff, der durch eine Gummierung luftdicht gemacht wurde.. Hier Montgolfier! Hier Charles!, heißen nun dis Parolen. Beim Start der „Charliere", die bereits kugelförmig war und mit Netzwerk und Gondel unseren modernen Luftballonen glich, geht Charles zu feinen Rivalen und bittet sie, das Zeichen zum Start zu geben. „Ihnen gebührt es, uns den Weg zum Himmel zu eröffnen", sagt er respektvoll zu seinen großen Vorläufern. So schmerzt es nicht, als die Leistung seines Ballons die der Mongolfiörs übertrifft.
Noch eine andere Erfindung knüpft fick an den Namen Montgolfier, und zwar darf in diesem Falls Joseph Michel ein besonderes Verdienst daran au- gesprochen werden. Leonardo da Vinci erwähnt zwar schon eine Art Fallschirm, aber sein eigentlicher Erfinder ist doch Montgolfier, der 1777 nach- weislich den ersten und wohlgelungenen Absprung mit Hilfe eines Fallschirms machte, den er bann auch bei seinen Ballonfahrten mitführte.
Eine argentinische Friedens-Briefmarke
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Die Republik Argentinien hat aus Anlaß des Friedensschlusses im Gran-Chaco- Krieg eine neue Briefmarke herausgegeben, dis zum Zeichen des Friedens zwei verschlungene Hände vor den Fahnen von Paraguay und Bolivien zeigt. (Scherl-M.)
Große Strafkammer Gießen.
Der Wilhelm Reinecke aus Heuchelheim hatte sich gestern wegen eine§ Verbrechens im Amt zu verantworten. Der Angeklagte zog in den Jahren 1933 und 1934 in Gießen sowie in der Umgebung Gießens Steuergelder ein und verwandte die vereinnahmten Gelder für sich. Um die Unregelmäßigkeiten zu verdecken, machte er falsche Einträge. Lediglich seiner außerordentlich schlechten Vermögenslage, in der er sich ohne sein Verschulden befindet, hat es der Angeklagte zu verdanken, daß er mit sechs Mo naten Gefängnis davongekommen ist. Die feit 27. April d. I. über ihn verhängte Untersuchungshaft wurde auf die Strafe angerechnet.
Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit befaßte sich sodann das Gericht mit dem Philipp Schmidt aus Vilbel, der wegen Verbrechen im Sinne der Paragraphen 174, 170 Ziffer 3 RStGB. zu einer Zuchthausstrafe von zwei Jahren verurteilt wurde.
Wammverkennstdumich, Barbara?
Vornan von Liane Sanden.
Urheberrechtschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.)
19 Fortsetzung Nachdruck verboten!
„Halb zwölf Uhr!" sagte Doktor Wenczliczek mit sanftem Vorwurf und dachte sehnsüchtig an fein behagliches Bett. Nun, diese Nachtkonsultation sollte die Herrschaft Schedlowitz teuer bezahlen. Einhundert Kronen waren das mindeste, was er verlangen würde. Dieser Gedanke stimmte ihn ein wenig heiterer. Denn die Praxis hatte jetzt bei der Wirtschaftskrise arg nachgelassen. Wenn man nicht die paar Güter im Umkreise hätte, dann sähe es bitter aus. Die Bauern holten den Tierarzt schon gar nicht mehr. Die Preise, die sie für ihr Vieh erzielten, waren so gering, daß die Arztkosten kaum noch lohnten.
Jetzt bogen sie in den Fahrweg ein, der direkt nach Schedlowitz führte. Das Wirtschaftstor war bereits geschloffen. Eckehard sprang ab, schloß es auf und schob die schweren Balken zurück. Dann fuhr er mit dem Tierarzt in den Hof ein.
„Ich habe den Kadaver hinter die Scheune schaffen und mit Zweigen gegen die Fliegen abdecken lassen, Herr Doktor! Wenn Sie bitte kommen wollen!"
Er führte ihn in einen Seitenweg zwischen zwei Stallungen hindurch.
„Wie nett, daß der Mond uns leuchtet!" sagte er," im Versuch zu scherzen, und deutete auf den Himmel dessen Regenqewölk nun zerrissen war Der Mond stand groß und hell am Himmel und beleuchtete den Platz vor der Scheune.
„Na ja, mit dem Licht werde ich aber doch nicht auskommen, Herr von Mackenrothl" meinte Wenczliczek. „Sie werden schon Leute herbitten müssen, die mir beim Zerlegen des Kadavers behilflich sind. Dann muß ich irgendwo einen Tuch haben und eine Beleuchtung, um die notwendigen Schnitte vornehmen zu können. Untersuchen kann ich natürlich erst zu Hause mikroskopisch. Ich werde..." 6
Er unterbrach sich. Denn Eckehard sagte plötzlich ganz heiser:
„Einen Augenblick, bitte!"
Was hat er denn nur?, dachte Doktor Wenczliczek erstaunt. Er sah, wie Mackenroth niederkniete und hastig die großen Zweige beiseite schob. Plötz' lich trat auch Wenczliczek aufgeregt näher. Was war denn das? Die Stute war doch ein großes Tier gewesen. Man mußte doch jetzt schon irgend
etwas von ihr sehen: die Beine, den Kops den Rücken?
Eckehard arbeitete fieberhaft, um die Zweige beiseite zu schieben. Nun lag der Platz ziemlich frei. Nichts war zu sehen. Unter den Zweigen war nichts als der Erdboden. Er trug Spuren, wie wenn ein schwerer Gegenstand fortgeschafft worden wäre.
„Mahlzeit!" sagte Doktor Wenczliczek. „Und dazu haben Sie mich hierhergerufen, damit ich mir diese leere Stelle ansehe?"
Eckehard stand auf. Tonlos sagte er:
„Also doch!"
Wenczliczek sah ihn fragend an:
„Wie meinen Sie?"
Schneidend kam es aus Eckehards Mund:
„Also doch ein Verbrechen! Ich fjabe bis jetzt nicht reden wollen, Herr Doktor! Und auch jetzt bitte ich Sie, als ärztliches Geheimnis zu betrachten, was ich Ihnen erzähle. Man hat unter dem Stroh der krepierten Stute eine Tüte gefunden. Ich habe sie bei mir aufbewahrt. Ich habe einen Verdacht, daß man das Tier mit einem bestimmten Gift umgebracht hat. Dann hat irgend jemand von meiner Absicht, das Tier heute noch durch Sie obduzieren zu lassen, Kenntnis bekommen und hat es beiseite geschafft. Derjenige aber, der das getan hat, ist auch der Täter. Wollen Sie mir einmal in meine Wohnung folgen. Ich habe dort die Tüte und auch den Rest des darin befindlichen Pulvers aufbewahrt."
„Aber das ist doch — aber das ist doch...", meinte Wenczliczek ganz aufgeregt. „Das wäre ja eine himmelschreiende Schweinerei."
22. Kapitel.
Schweigend gingen die beiden Männer Eckehards Wohnung zu. Der Hof lag menschenleer und still. Nichts regte sich in den weiten Wirtschaftsräumen.
Eckehards Zimmer lagen zu ebener Erde in dem großen Jnfpektorhaus. Die Fenster waren geöffnet. Eckehard knipste die Lampe an und bat den Arzt, Platz zu nehmen.
Dann holte er aus feinem Schreibtisch die Reste der Tüte und die Reste des weißlichen Pulvers.
„Wollen Sie das zuerst einmal ansehen, Herr Doktor. Ich möchte Ihr Urteil hören, ehe ich eine Vermutung äußere."
Doktor Wenczliczek zog eine Lupe aus der Tasche und besah aufmerksam die winzigen weißen Kristalle. Dann führte er das Papier mit ihnen zur Nase, roch daran.
„Kleesalz!" sagte er lakonisch.
„Also hat man das Tier mit Hilfe von Kleefalz umgebracht!"
Der Tierarzt sah geradezu entsetzt aus.
Aber so etwas ist doch unmöglich! Eine solch große Schurkerei gegenüber einem unschuldigen
Tier! Und doch, jetzt, wo Sie mir diesen Verdacht nahebringen, Herr von Mackenroth, wird mir verschiedenes klar. Der gestrige Befund war doch sehr undurchsichtig; ich konnte die verschiedenen Symptome bei dem Gaul nicht recht in Zusammenhang miteinander bringen. Nun wird mir der ganze Zustand des Tieres nachträglich klar. So eine verdammenswerte Schurkerei! Wer kann das nur getan haben?"
„Derselbe, der das Tier nun fortgeschafft hat, ehe Sie den Tatbestand nachweislich feftfteüen konnten, verehrter Herr Doktor!" war Eckehards bittere Antwort. „Und ich werde nicht ruhen, bis ich die Halunken erwischt habe, die hier unser bestes Viehmaterial zuschanden machen. Noch morgen früh werde ich das einzige Beweisobjekt, die Tüte mit dem Rest Gift, der Kreispolizei überbringen. Hoffentlich kommen wir der Entdeckung bald nahe."
Kopfschüttelnd entfernte sich der Tierarzt mit Eckehard. Bald darauf fuhr das Auto wieder in die Nacht hinaus. Doktor Wenczliczek mußte ja von Eckehard nach Haufe gebracht werden. Sorgenvoll sah Eckehard beim Vorbeifahren am Herrenhaus zu dem schwachen, verhängten Licht, das aus einem der Fenster schimmerte. Es war das Krankenzimmer Barbaras. Wie sehnsüchtig wünschte er, noch etwas zu erfahren über Barbaras Befinden! Ob sie wohl schon aus der tiefen Ohnmacht erwacht war? Hätte er doch Magdalena sprechen können! Aber deren Fenster waren dunkel. Sie schlief wohl schon. Und noch jemanden aus dem Schlaf klingeln, das wagte er nicht. Wie hätte das auch ausgesehen, wenn er mitten in der Nacht sich nach Barbaras Ergehen erkundigt hätte!?
Doktor Wenczliczek saß neben ihm im Wagen. Er war ob der geheimnisvollen Ereignisse sehr aufgeregt. Aber zu seinem Leidwesen schwieg Eckehard undurchdringlich. Das Geschwätz Wencz- liczeks war unerträglich. Sein Herz war so schwer von Sorge und auch von Empörung. Er fühlte sich jetzt doppelt verantwortlich für Barbara von Stechows Besitztum. Wer konnte wissen, was für Anschläge noch geplant waren? Wenn man nur erst heraus hatte, wer der Schurke war, der hier systematisch an dem Ruin des Gutes arbeitete. Denn das war Eckehard klar geworden — dies war nur ein Anfang. Wenn man dem Burschen nicht bald das Handwerk legte, würde die Sabotage weitergehen. Dunkle Kräfte waren hier am Werk. Warum und wozu?, er wußte es noch nicht.
Doktor Wenczliczek gab es auf, sich mit dem schweigsamen jungen Inspektor zu unterhalten. So fuhren sie stumm durch die Nacht. Ab und zu heulte die Hupe des Wagens warnend auf, wenn sie einen Weg kreuzten. Die Scheinwerfer leuchteten die Strecke ab, aber alles war vollkommen still.
Doktor Wenczliczek hatte sich zum Trost eine geliebte Pfeife angesteckt und paffte große Rauchwolken vor sich hin. Schließlich versank er in
einen tiefen Schlaf und erwachte erst, als Eckehard vor dem Doktorhaus hielt. Es war inzwischen schon zwei Uhr geworden.
„Wollen Sie nicht für den Rest der Nacht zu mir heraufkommen, Herr von Mackenroth?" fragte ber Doktor. „Sie können doch schließlich nicht egal weg hier hin und her karriolen. Ich nehme an. Sie wollen morgen mit dem frühesten beim Poli- zeiamt Anzeige erstatten."
Einen Augenblick war Eckehard versucht, das freundliche Angebot Wenczliczeks anzunehmen. Er war wirklich nach all diesen Aufregungen schwer ermüdet. Und jetzt in der Nacht konnte man doch nichts beginnen. Aber er hatte feine Ruhe. Konnte man wissen, was sich inzwischen auf Schloß Schedlowitz alles ereignen würde? Außerdem — wenn er m der Nähe von Barbara war, würde er vielleicht etwas ruhiger werden. Sa trieb ihn die Angst um sie dach wieder zurück.
„Dielen Dank, Herr Doktor. Aber ich muß morgen früh ja beim Arbeitsbeginn da fein."
„Fleißig seid ihr jungen Leute — fleißig!* Wenczliczek schütelte mit dem Kopfe. „Glauben Sie mir, Herr von Mackenroth, damit macht man sich in der Welt unbeliebt, weil man die Faulen dadurch immer an ihre Faulheit erinnert. Na, dann alles Gute!"
Eckehard jagte mit dem Wagen wieder zurück. Im Zimmer Barbaras brannte immer noA das Nachtlicht. Wie mochte es ihr gehen? Er vertraute auf die gesunde Kraft ihrer Natur. Sie würde sich gegen die Todesgefahr doch durchsetzen müssen.
Leise, um die Kranke nicht zu stören, fuhr er mit dem Wagen an Schloß Schedlowitz vorbei und in den Hof. Die Garage hatte er offen gelassen. Bald war das Auto eingestellt. Nun spürte er erst, wie furchtbar müde er'war. Die Glieder waren ihm wie Blei. Sein Kopf war vollkommen leer. Es war zuviel gewesen in diesen Tagen. Und nun hatte er nur noch wenige Stunden Schlaf bis zum Morgen. Um einhalb sechs Uhr wollte er wieder auf den Beinen fein.
Er machte in feinem Zimmer Licht und begann sich auszuziehen. Pedantisch, wie er in Dingen der Ordnung war, räumte er trotz der Müdigkeit noch die Schriftstücke und Akten zusammen, die auf feinem Schreibtisch lagen Wie er sie in die Schreibtischschublade stecken wollte, stutzte er. Der Schlüssel schloß doch nicht ordentlich?'
Was war denn mit dem Schloß? Das ging ja heute so schwer auf? Er steckte den Schlüssel wieder hinein. Er mußte mit Gewalt rütteln und drehen. Endlich gab es nach. Er öffnete. Ein unterdrückter Laut des Zorns kam von feinen Lippen. Es mußte jemand an dem Schreibtisch hantiert haben Die verräterische Tüte mit der Aufschrift „Kleesali" war fort Ebenso das kleine Papier mit dem Rest der giftigen Kristalle.
(Fortsetzung folgt!)


