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Itr. U6 Zweites Blatt Sich-ner Anzeiger (S-neral-Anzeiger für Sberheffen,Mittwoch, 2».Zuni M5

Aus der Provinzialhauptstadt.

Laßt Ersatzreifen sprechen!

Die Schutzhülle des Ersatzreifens ist die längste Zeit ohne Werbeinschriften gewesen. Bisher trugen die Kraftwagen nur ihre eigenen Namen mit stolzen, § rohen Lettern auf der schwarzen, kreisrunden stäche.

Man wußte dann wenigstens, von welcher Marke man überholt worden, oder wem man unter Brems­quietschen hinten aufgefahren war.

Vielfach sieht man auch die Verzweiflungstanks der Fahrschulen mit der Firmeninschrift geschmückt. Das heißt, daß man Rücksicht nehmen und nicht schimpfen soll, wenn die Fahrer dieser Wagen eine Technik auf das Pflaster legen, daß selbst die Ver­kehrsschutzleute von der Schutzinsel springen, um ihr Leben zu retten.

Aber wir haben ja alle einmal anfangen müssen und haben in einem solchen Wagen im Vorwärts­fahren den Rückwärtsgang eingeschaltet, daß dem Fahrlehrer die Haare aufwärts standen und er den Bremshebel abwärts riß.

Jetzt aber sieht man Wagen fahren, auf denen eine Hupen-Firma den ebenso sinnigen wie an­mutigen Vers anbringen ließ:

Hörten Sie den guten Ton?

Ich hupe nur mit Egafon!"

Welche Aussichten eröffnen sich da für unsere Werbeleiter, von denen ihre Vorgesetzten doch ver­langen, daß sie täglich platzen, wie der Fachausdruck lautet: Platzen von neuen Gedanken und Plänen.

Wobei sich die sinnwidrige Naturerscheinung er­gibt, daß nur ein geplatzter Werbeleiter abge­schlossene Begabung zeigt.

Besonders für den Auspuff wird sich diese Wer­bung gut eignen.

Es gibt gewiegte Fahrer, die eine so feine Nase haben wollen, daß sie am Auspuff Marke und Güte des Treibstoffs zu erkennen vermögen. Vor allem wollen sie durch Schnuppern feststellen können, ob es sich um deutsches oder ausländisches Benzin handelt.

Da wäre doch der Spruch angebracht:

Riechen Sie den feinen Duft?

Das ist deutsche Marken-Luft!"

Auch für das Del kann sinnig geworben werden:

Die paar Flecken und das Gegröle?

Das danken Sie dem Atlas-Oele!"

Sehr beruhigend, aufklärend und besänftigend wird dieser Vers wirken:

Sie können den Ruck jetzt wohl begreifen!

Ich überfuhr Sie mit Vollkraft-Reifen!^

Oder für Bremsen:

Hörten Sie das Gekreisch und Gequietsch?

So wirken Bremsen von Emil Pietsch!"

Nachts könnte man in dem Lichtkegel der aufge­blendeten Lampen die flackernde Schrift leuchten lassen:

Sie sehen nichts vor Augenschmerzen!

Ich habe Meiers Mammutkerzen!"

So würde das Straßenbild durchsinnige" In­schriften bedeutend gewinnen.

Nur allzu gern belächeln wir aus unfern großen Kanonen heraus die kleinen Muckepinnen, auch Straßenflöhe benannt. Wir würden aber nicht lächeln, wenn sie die Inschrift tragen würden:

Lachen Sie nicht! Er ist bezahlt?"

Man muß die Schrift aber in allen Fällen ziem­lich groß wählen, denn jener Fahrer hatte Recht, der sich in nicht allzu großen Buchstaben auf die Schutzhülle des Ersatzreifens den Spruch schreiben ließ:

Wenn Sie dies lesen können,

Ist es schon zu spät!" P. K.

Qaten für den 27. Juni.

1856: Joseph Meyer, Gründer des Bibliographi­schen Instituts, in Hildburghausen gestorben (ge­boren 1796); 1882: der Kulturphilosoph Eduard Spranger in Groß-Lichterfelde geboren.

Vertrauen schaffen zwischen Hausfrau und Hausgehilfin... Aufteilung der Zachgruppe der Hausgehilfinnen in vier Ortsgruppen.

Die Monatsoersammlung der Fachgruppe der Hausgehilfinnen, die gestern abend imCaf6 Ebel" stattfand und sehr gut besucht war, bildete den An­fang neuer, intensiver Arbeit zur Erlangung der Hausgemeinschaft zwischen Hausfrau und Haus­gehilfin. Die jetzt mit der Führung beauftragte Kreiswalterin Frl. Reichert gab die Richtlinien hierfür an. Zunächst wurde zur besseren Erfassung der Mitglieder die Aufteilung in vier Ortsgruppen, deren Bezirke, die der Parteiortsgruppen entsprechen, oorgenommen. Mit der Ortsgruppenführung wurden beauftragt:

Norden: Frl. Elise Wall, Stellvertr.: Irma Nessel und Drtrun Mickel;

Süd: Gretel Sack, Stellvertr.: Hedwig Jäger;

D st: Minna Brauer, Stellvertr.: Paula Müller;

Mitte: Mariechen H a s e n z a h l, Stellvertr.: Hertha Kühne.

Es finden ab sofort 14täglich jeweils Dienstags Heimabende

statt, und zwar für die Ortsgruppen: Nord und Mitte imCafe Ebel" (unterer bzw. oberer Saal); für Ost in derStadt Lich" und für Süd im Gambrinus". Die Heimabende sollen durch Dar­bietungen aus den eigenen Reihen jedes einzelne Mädchen zur Mitarbeit anregen. Es werden Vor­träge, musikalische oder literarische Darbietungen eventuell auch von Stadttheater-Mitgliedern gebo­ten, Spaziergänge unternommen, oder gemein­sam mit der NSG.Kraft durch Freude" Veran­staltungen vereinbart. So sollen die Abende die Freistunden in nützlicher Weise ausfüllen.

Die Einteilung in Ortsgruppen solle so wurde unter anderem ausgesührt aber nicht nur die Durchführung solcher Heimabende ermög­lichen, sondern auch dazu dienen, jede noch nicht der DAF. zugehörige Hausgehilfin zu erfassen. Zu diesem Zwecke würden von der PO. und der DAF. beauftragte Vertreter die einzelnen Haus­halte aufsuchen. Dabei würden sie nicht nur nach der Zugehörigkeit zur DAF. fragen, sondern auch gleichzeitig die Wohngelegenheiten der Mädchen besichtigen und ihre Wünsche und evtl. Beschwerden: entgegennehmen. Der Zweck sei nicht eine Hetze gegen die Hausfrau, sondern die

Anbahnung einer auf gegenseitigem Vertrauen beruhenden Hausgemeinschaft.

Schließlich sei die Hausgehilfin die angehende Hausfrau und Mutter. Die DAF. wird von ihrer Seite aus das Verständnis fördern helfen durch Schulung der Mädchen, durch Ausbildungskurse usw., damit auch die Mädchen ihre Pflicht durch entsprechende Leistungen erfüllen können. Dann würden sich auch die Lohn- und die Urlaubsfragen besser regeln lassen, das Verhältnis untereinander werde ein ganz anderes werden, wenn es von

gegenseitigem Vertrauen getragen sei. Zur Förde­rung dieses Vertrauens sollen gemeinsame Abende der Hausfrauen und der Hausgehilfinnen abgehalten werden, damit die Hausfrau einmal sieht, wo und wie ihre Hausgehilfin den Abend verbringt und da­mit das Band der Kameradschaft und Gemeinschaft auch durch gemeinsam erlebte, anregende Stunden gefördert wird.

Für Jugendliche sind Ausbildungskurse im Kochen, Nähen und in Säuglings- und Krankenpflege schon jetzt eingerichtet.

Pg. Adam

sprach sodann über die Unterstützungseinrichtungen der DAF. unter besonderem Hinweis auf die Jn- validenversictierung. Diese könne zugleich mit der Mitgliedschaft zur DAF. auch nach der Berufsauf­gabe weitergeführt werden und sichere der späte­ren Hausfrau die Anwartschaft auf eine Unter­stützung. Die Unterstützung durch die DAF. sei hierbei wie bei allen anderen Wohlfahrtseinrichtun­gen eine zusätzliche. Der Redner verwies auf die Richtlinien, in denen besonders die Urlaubsfragen eingehend geklärt seien. Der

Kreiswalter der OAI., pg. Wagner

gab die Beauftragung der Kreiswalterin Frl. Rei­chert mit der Führung der Fachgruppe bekannt. Er sprach dem bisherigen Leiter Z o tz, der durch eifrige und pflichtbewußte Arbeit sich großes Ver­trauen erworben hat, Dank und Anerkennung aus. In eingehender Weise behandelte er die ideelle Art der Arbeit für den fchaffenden Menschen, durch die die DAF. die Volks- und Leistungsgemeinschaft ver­wirklichen will. Erst durch die Erfassung jedes ein­zelnen zur Mitarbeit am Aufbauwerk werde auch die Hausfrau auf ihrem so wichtigen Platze als Mutter und Erzieherin, aber auch als Kameradin des Mannes und Volksgenossin, durch deren Hände z. B. der größte Teil des Arbeitseinkommens der Nation gehe, mithelfen können an der Gesundung von Volk und Staat. Der Blick auf die großen Aufgaben werde dann auch die Bereinigung der kleinen, organisatorischen Fragen zwischen Haus­frau und Hausgehilfin fördern. Zur Urlaubsfrage sagte der Redner noch, daß diese in den weitaus meisten Fällen sehr vernachlässigt sei. Der Urlaub müsse angetreten und dürfe nicht durch Entgelt um­gangen werden; denn er sei nicht nur vom sozial­politischen, sondern in erster Linie vom ärztlichen Standpunkt aus geschaffen worden. Die Arbeits­front wolle die Hausfrau und die Hausgehilfin 3U= sammenführen; denn sie bildeten nicht nur die Hausgemeinschaft, sondern beide zusammen feien ein wichtiges Glied der Volksgemeinschaft, die zu fördern erste Pflicht des Nationalsozialismus ist. Gemeinsame Gesänge schlossen den anregenden Abend.

Deutsche Arbeitsfront.

Verwaltungsstelle 19 Gießen.

An sämtliche Ortsgruppen- und Betriebsgemein- schaftswalter des Kreises Gießen!

Im Monat Juli bzw. Anfang August werden die Mitgliedsbücher zwecks Umschreibung einge­zogen. Wir machen den Ortsgruppen- und Be- triebsgemeinschaftswaltern zur Pflicht, sämtliche Mitglieder zur Zahlung ihrer Rückstände aufzu­fordern, damit ihre alten Rechte gewahrt werden und ihre Mitgliedschaft nicht gefährdet ist. Es wer­den voraussichtlich nur Mitgliedsbücher zur Um­schreibung eingezogen, wenn die Beiträge restlos entrichtet sind.

Heil Hitler! Verwaltungsstelle 19.

Orlsgruppenwalkung Giehen-Osl.

Am kommenden Montag, I.Juli, abends um 8% Uhr, findet in der Gastwirtschaft Burckhardt, Kaiserallee, unser monatlicher Appell statt. Es ist selbstverständlich, daß sämtliche Block-, Zellen- und Betriebswalter an diesem Abend erscheinen. Ent­schuldigungen können nur in dringenden Fällen an­genommen werden.

NS.-Leürerbuni>, Gießen.

Geschichtliche Fachschaft.

Freitag, 28. Juni, 17.30 Uhr, am Museum. Ge­genstand: Bronce- und Eisenzeit.

Abteilunghöhere Schule". Neusprachliche Arbeitsgemeinschaft.

Die nächste Sitzung findet am Freitag, 28. Juni, 16 Uhr, in der Oberrealschule statt.

Oer Führer sprach mit uns...!

Das schönste Erlebnis zweier Gießener Mädels ? in ihrem Urlaub mitKraft durch Freude"« Als wir mitKraft durch Freude" an den herks liehen Chiemsee fuhren, dachten wir, daß es gewitz eine Ferienfahrt wie jede andere sein würde, mit guter Laune und Sonnenschein. Wir machten dan« auch herrliche Ausflüge und fanden die Natur be* zaubernd!

Wieder hatten wir eine Autotour vor, nach Berch« tesgaden und dem Königssee. Jeder verknüpft wohl heute innig Berchtesgaden mit dem Führer. Sein Haus sahen wir am Obersalzberg liegen. Wir all- dachten, eigentlich könnten wir wohl unseren Füh- rer einmal sehen, aber warum sollten wir gerad- die Glücklichen sein. Tatsächlich hörten wir nun in Berchtesgaden, der Führer sei von München auf­gebrochen. um nach Berchtesgaden zu fahren. Wir achteten bei der Heimfahrt weniger auf die schön- Umgebung, da wir jedes Auto genau betrachteten.

Wir kamen nun mit unserem Autobus bis zum Hause Lambach am Chiemsee. Haus Lambach ist ein Gasthaus, in dem der Führer zur Zeit der Verfolgung und des Kampfes Unterschlupf gefun­den hatte. Auch das Zimmer, in dem der Führer sich damals aufhielt, sahen wir uns an. Vor dem Gasthof herrschte reger Verkehr, und es hieß, der Führer käme heute noch nach Haus Lambach. Di- meisten Gäste glaubten es nicht und fuhren weiter. Unser Fahrer riet uns dringend zu warten, denn der Führer käme bestimmt, er habe dies aus sicherer Quelle. Voller Erwartung und Herzklopfen standen wir vor der Tür des Gasthauses. Auf einmal hör­ten wir von ferne schweres Brummen der Mo­toren und sahen das helle Licht der Scheinwerfer. Tatsächlich, unser Führer kam! Er winkte uns freundlich zu und ging ins Haus Lambach. Doch wir riefen und jubelten ihm unser Heil entgegen, so daß er bald wieder zu uns kam, jedem seine Hano mit festem Druck reichte und uns fragte, wo­her wir seien. Die Wirkung seiner Persönlichkeit ließ uns erschauern, wir haben irgend etwas zu­sammengestottert:Mit Kraft durch Freude aus Gießen Oberhessen"!

Es war das schönste Erlebnis unserer Ferienfahrt.

Noch heute klingt in uns das Erleben nach: Wir haben unseren Führer gesehen, er hat mit uns gesprochen!"

Mitgeteilt von Elisabeth Kl i n g e l h ö f e r.

y*. Die deutsche Arbeitsfront v*?! n.9.=0cmcinf(haftfiraftdurch Freude"

Omnlbusfahrl am Freilag, 28. 3unl, nach Marburg zum Besuch der Festspiele.

Fahrpreis einschl. Eintrittspreis 2,30 Mark. Die­ser Preis ist außerordentlich billig. Die regulären Preise für die Plätze, die wir bekommen, sind 1,50 bis 3 Mark. Zur Aufführung gelangt:Die lustigen Weiber von Windsor".

Abendmusik auf dem Schiffenberg und Schiffenbergfesl am 29. und 30. Juni.

Am kommenden Samstag findet in der Kloster­kirche auf dem Schiffenberg eine Abendmusik statt, die von dem Akademischen Gesangverein und dem Collegium musicum der Universität unter Mitwir­kung einiger Berufsmusiker gespielt wird. Die Lei­tung hat Professor Temesvary. Zur Auffüh­rung gelangen drei Werke von Mozart:Ave verum, für Orchester und Chor, eineSerenade für Streichorchester und Pauke" undGeistlicher Lob- gesang". Das Konzert beginnt bei Eintritt der Dunkelheit, also gegen 21 Uhr. Der Eintrittspreis beträgt 30 Pf.

Am Sonntag, 30. Juni, 15 Uhr, findet das Hei: matfeft auf dem Schiffenberg statt. Bei Konzert, Tanz, Volksliedersingen, Preisschießen und Kinder­fest wollen wir einen schönen Sonntag verbringen. Der Eintrittspreis beträgt 20 Pf.; das Tanzbänd- chen kostet 50 Pf.

Gießener Gtaötiheater.

Lustiger Abend: Gustav Jacobs.

Die Leute, die fichs gestern abend trotz hochsom­merlicher Temperatur nicht hatten verdrießen lassen, ins Theater zu gehen, werden es kaum bereut haben und dürften zwei Stunden lang auf ihre Kosten gekommen sein. Der bekannte Humorist und Vor­tragsmeister Gustav Jacoby hatte seinem Publi­kum mit der DeviseZwei Stunden Lachen" nicht zuviel versprochen; er fand gleich zu Anfang den richtigen Ton und den nötigen Kontakt mit dem Zuschauerraum, und zuletzt war die Stimmung so gestiegen, daß alle Besucher ein gemeinsames Lied mit Schunkeln anstimmten, und des Beifallsgetöses war überhaupt kein Ende.

Es wurde allerdings auch, wie man hier zu sagen pflegt, was geboten. Die Vortragsfolge war reich bestellt und begann mit dem unterhaltsamen Kapitel Ein Blick in die Welt der Kuriositäten", worin neben vielem andern vom Kölner Karneval, von der Steuer und vom Kindersegen, vom Mann mit den zwei Herzen und von den Vollbärten in Phila­delphia die Rede war.

Es wird ja wohl niemand von uns erwarten, daß wir ihm hier hinterher noch einmal die ganze Vortragsfolge servieren; das ist nicht unsere Sache, wir können es auch gar nicht, und wer nicht dage­wesen ist, hat es sich selber zuzuschreiben. Herr Jacoby ist nämlich fürwahr ein lustiger und ge­sprächiger und unterhaltsamer Mann; er schüttelt das alles wie es scheint nur so aus dem Aermel; er strotzt von Witzen und Geschichten, und immer eine Pointe hinter der andern her. Wir können also nur einiges aus dem zweistündigen Programm festhalten, was uns besonders gelungen schien, wie etwa der aktuelle Gesang mit rheinischem EinschlagUnser Hermann"; im Kapitel von der hohen Politik wimmelte es überhaupt von Namen und Anspielungen, daß es manchem vielleicht nicht ganz geheuer war; aber den naheliegenden Zwi­schenruf:Gustav, Gustav!" machte der Vortragende selber und gab auch sonst beruhigende Erklärun­gen ab.

Schön war die mimisch und mundartlich belebte volkstümliche Thoma-Episode vom Kohlenwagen, spielend in München 1912. Ueberhaupt war noch mehrfach vom Verkehr die Rede, von der Himmels- schrift und vom Fußgänger, vom Fräulein vom Amt, vom Wecker und vom Kragenknöpfchen, von David und Goliath und Jacoby. Zuletzt gab es einen heiteren Streifzug durch die deutschen Land­schaften mit schwäbischen, bayerischen, berlinerischen und sächsischen Geschichten und Witzen; zum Teil

starker Tobak, aber alle von ausgesprochener Pu­blikumswirkung. Die Leute wollten sich am Ende gar nicht von den Plätzen erheben und ruhten nicht, bis sie mehrere Zugaben erklatscht hatten, darunter auch die wirklich erhebende Geschichte vom Mainzer Rosenmontagszug, vom Fensterplatz und vom Rollo". hth.

Die Kamera als Reisebegleiterin

Bon Herbert Starke, Äerlin.

Wer die Ferientage voll ausschöpfen will, soll in der Auswahl seiner Reisegefährten vorsichtig sein. Ein Reisebegleiter, der nicht enttäuscht, auf den man sich verlassen kann, wenn man ihn zu behandeln versteht, ist der P h o t o a p p a r a t. Ihm können wir unsere schönsten Eindrücke anvertrauen, um sie für die Tage der Rückkehr unverlierbar auf- ^ubewahren; er lenkt unsere Aufmerksamkeit auf das Schöne um uns und schärft uns den Blick für Menschen und Dinge. Für den, der die Einsamkeit der Natur sucht, ist die Kamera ebenso eine dank­bare Begleiterin wie für die fröhliche Wan­dergruppe oder die glücklichen Eltern, denen sie Erinnerungsbilder vom fröhlichen Treiben ihrer Kinder in Der Sommerfrische gibt.

Wie ein lebendes Wesen verlangt auch die Kamera auf der Reise eine verständnisvolle Behandlung und rücksichtsvolles Eingehen auf ihre Eigenart. Schon die äußere Pflege ist ein Punkt, dessen Vernachlässigung das Gelingen der Ferienaufnahmen in Frage stellen kann. Wer etwa den ganzen Tag über am Strande mit offener Kamera in der Hand herumläuft, braucht sich nicht zu wundern, wenn eines Tages unbemerkt der Verschluß versagt und der Film keine Spur von Belichtung zeigt. Der feine Seesand, der nament­lich bei windigem Wetter aufgewirbelt wird, setzt sich zwischen die Lamellen oder das Räderwerk des Verschlusses und führt sein Versagen herbei. Halb- mondförmige helle Flecke in der Bildmitte sind auf solche Einwirkungen des Sandes zurückzuführen und entstehen durch unvollständiges Schließen der Lamellen. Darum soll der Photoliebhaber an der See seine Kamera stets in verschlossener Leder­tasche oder im Beutel mit sich führen und sie nicht stundenlang in einer Ecke der Sandburg stehen Ia®er an der See oder im Gebirge auf gute Wiedergabe der Wolken Wert legt, muß dre Eigenart seines Aufnahmematenals kennen und wissen daß das Bromsilber auf blaue Strahlen ebenso stark reagiert wie auf weiße, wenn nicht

das blaue Licht durch Aufsetzen einer Gelb- scheibe gedämpft wird. Erst nach Filterung des Himmelsblaus heben sich die weißen Wolken deut­lich auf dem photographischen Bilde vom Unter­grund ab. Darum Wolkenaufnahmen nie ohne Gelbscheibe Nr. 1 ober 2. Die erforderliche Ver­längerung der Belichtungszeit beträgt bei der hellen Gelbscheib je nach Art des Filmmaterials das ein- Einhalb- bis Zweifache, bei Gelbscheibe Nr. 2 etwa das Dreifache. Wie die Kamera, verlangt auch die Gelbscheibe eine pflegliche Behandlung. Läßt man sie allzu lange in der Sonne liegen, schmilzt die gefärbte Gelatine zwischen den Gläsern; unscharfe Bilder sind dann die Folge. Bei Gelbscheiben, die in der ganzen Glasmasse durchgefärbt sind, kann diese Erscheinung allerdings nicht auftreten.Und wenn uns nicht die Sonne scheint, so freu'n wir uns am Regen..." lautet ein weiser Spruch, der auch für das Photographieren gilt. Denn gerade Regen st immungen können die reizvollsten Wirkungen ergeben, wenn die Nässe einen leichten Glanz über das Pflaster und die Dächer breitet oder in den Pfützen des Landweges sich Bäume und Sträucher spiegeln. So kann man auch dem Regentag mit der Kamera feinen besonderen Reiz abgewinnen, während andere Feriengäste tatenlos in der Veranda hocken müssen. Ein Schirm oder ein Gummituch schützt die Kamera bei der Auf­nahme vor dem Regen. Vereinzelte Tropfen sind von dem Gehäuse sorgfältig mit einem Stofflappen zu entfernen. Besondere Pflege beansprucht das Stativ, wenn es mit Nässe in Berührung ge­kommen ist. Um späteres Rosten und Festklemmen der einzelnen Glieder zu vermeiden, reibe man es nach der Rückkehr mit einem fettgetränkten Lappen ab; Schmalz, Talg ober auch Butter eignen sich bazu.

Nicht minber sorgfältig behandle man auch die Kassetten auf der Reise. Beim Einpacken in den Koffer oder in den Rucksack verhüte man jeg­lichen Druck; denn eine Verbiegung des Kassetten­schiebers kann zu Schrammen, Kratzern und auch zu störenden Lichteinfällen Anlaß geben. Im übri­gen sind Kassetten kein Daueraufenthalt für Platten. Bleiben die belichteten Platten länger als zwei Tage in der Kassette, so setzt eine fortschreitende Ver­schleierung der Schicht ein, die zu grauen, kraftlosen Bildabzügen führt. Läßt man die Platten nicht unterwegs entwickeln, so verpacke man sie sofort in schwarzes Papier (nicht braunes ober graues Einwickelpapier) und bewahre sie in einer Platten­schachtel auf, die zur Vermeidung von Verwech­selungen mit den unbelichteten Platten mit einem Papierstreifen verklebt wird.

Die Befolgung dieser kleinen Ratschläge, die nur scheinbar nebensächliche Dinge betreffen, wirt) dem Photofreund mancherlei Enttäuschungen nach der Rückkehr ersparen. Denn schließlich sind doch gerade die Erinnerungen, vor allem die im Bilde festge­haltenen, Reisegewinne, die Jahre überdauern und immer wieder Freude breiten.

3um 70. Geburtstage des Malers Hans Krauß.

Der schwäbische Maler Hans Krauß wirt) am 27. Juni 70 Jahre alt Er studierte und wirkte in Stuttgart, München, Florenz und Rom, und ist seit langem in München ansässig. Sein Ruf als be­deutender Porträttst führte ihn in viele deutsche Städte, in denen sich die meisten seiner Werke ver­streut im Privatbesitz befinden.

1865 als Sproß einer alten schwäbisch-österreichi­schen Künstlerfamilie in Stuttgart geboren, wuchs Krauß in einem kinderreichen Lehrerhause am Rande des württembergischen Schwarzwaldes heran. Vom Vater war er zum theologischen Stu­dium beftimmt, aber seine früh erwachte Neigung zur Malerei brach sich Bahn, und so studierte er erst auf der Stuttgarter Kunstschule, später in Mün­chen. Ein Stipendium ermöglichte ihm eine Jtalien- reife. Fünf Jahre lebte er in Florenz, wo er dem Kreise um Adolf von Hildebrand, Isolde Kurz, Sattler u. a. nahestand, drei Jahre in Rom. Dem jungen aufstrebenden Künstler wurden ehrenvolle Aufträge zuteil. So entsteht eine Reihe bedeutsamer Kopien, und in Neapel bessert er die großen Fresken Hans von Maries im deut­schen Mittelmeerinstitute aus. lieber London und Holland kommt er wieder nach Deutschland und läßt sich in München nieder, wo er heute noch ansässig ist. Sein Ruf als Porträtist führte ihn immer wie­der in eine Reihe deutscher Städte, in denen sich nun die meisten feiner Werke verstreut im Privat­besitz befinden. Insbesondere hat er in Gießen eine ganze Reche von Porträts geschaffen, die sich in Privatbesitz befinden und kürzlich im Ober­hessischen Kunstoerein gezeigt wurden.

In seinem Schäften schließt sich Krauß an die Reihe der deutschen Romantiker an. Feiner Natur­sinn, innere Gehaltenheit und eine sorgfältig ge­schulte Maltechnik sind die Grundlagen seines Schaffens. Im Porträt hat sich Krauß durch die edel bildhafte und zugleich lebensnahe Auffassung der Persönlichkeit und durch die Sicherheit seiner Formgebung einen begründeten Ruf erworben.