Preußen.
Vier Verletzte bei einem Motorradunfall
LPD. Wetzlar, 25. Juni. In der Nähe der Spilburg überfuhr ein Motorradfahrer aus Büblingshausen eine Frau und ein Kind, Angehörige eines Beamten der Landespolizei. Aber auch der Führer der Maschine und sein Mitfahrer kamen zu Fall. Alle vier Personen mußten ins Krankenhaus gebracht werden.
Späte Sühne.
Siegen, 22. Juni. (LPD.) Bor sechs Jahren erregte der Ueberfall auf eine neunjährige Schülerin auf der Landstraße zwischen Meggen und Halberbracht großes Aufsehen. An dem Kinde war ein Sittlichkeitsverbrechen verübt worden. Jahre ver- §ingen, ehe das Verbrechen seine Aufklärung fand. ,ahre hindurch trug der Täter die Last seiner Schuld, bis ihn das Gewissen zu einem freiwilligen Geständnis zwang. Als im Dezember des vergangenen Jahres die Leute zum Weihnachtsfest rüsteten, ging der Täter zur Polizei und offenbarte seine Schuld. Er hatte sich jetzt vor der Großen Strafkammer in Siegburg zu verantworten, wo er rückhaltlos den Hergang der Tat schilderte. Nach dem Verbrechen war er ruhelos im Lande umhergewandert und hatte aus Angst vor Entdeckung seinen Beruf als Bergmann mit dem eines Wanderburschen gewechselt.
Der Staatsanwalt vertrat die Auffassung, daß ein derartiges Kapitalverbrechen, wie es sich der Angeklagte habe zu Schulden kommen lassen, trotz der in der Reue und dem Geständnis des Angeklagten begründeten Milderungsgründe eine empfindliche Strafe fordere, die er mit f ü n f I a h r e n Zuchthaus beantragte.
Die Große Strafkammer verurteilte den Angeklagten unter Anrechnung der erlittenen Untersuchungshaft wegen Sittlichkeitsverbrechens in Tateinheit mit Körperverletzung zu einer G e f ä n g - nisftrafe von zwei Jahren. — Nur mit Rücksicht auf das freie Geständnis als dem Ergebnis einer Jahre hindurch empfundene Reue habe das Gericht, so führte der Vorsitzende aus, dem Angeklagten mildernde Umstände zugebilligt.
Kreis Wetzlar.
'+' Rodheim a. d. Bieber, 24. Juni. Bei herrlichstem Sommerhimmel fanden am Samstag auf uriserm Waldsportplatz die Wettkampfveranstaltun- aen statt. An den Kämpfen beteiligt waren die Knaben und Mädchen der. Gemeinden Bieber, Fellingshausen, Rodheim und Vetzberg. Vor dem Abmarsch auf den Kampfplatz fand auf dem Schulhofe im Beisein der Lehrerschaft und der Hilfsmannschaften eine feierliche Flaggenhissung statt, bei der der Führer des Jungvolk-Fähnleins „Richthofen" Karl Medenbach eine begeisterte Ansprache hielt. Sprechchor und Gesang umrahmten die Feier. Dann marschierte die Jugend zum Sportplatz, um hier Körperkraft und Gewandtheit zu messen. Der vorgeschriebene Mannschaftsdreikampf zeitigte recht befriedigende 'Ergebnisse. Von den 116 organisierten Knaben erreichten 87 Knaben die Mindestpunktzahl von 180 Punkten, desgleichen von 62 Mädchen = 36. Bei den Nichtorganisierten Kämpfern errangen von 62 Knaben = 18 und von 75 Mädchen = 47 die Siegespalme. Nach Abschluß des Kampfes versammelte sich die gesamte Jugend dann wieder auf dem Schulhofe, um hier eine Schlußkundgebung zu veranstalten, bei der wieder Fähnleinführer Medenbach die Ansprache hielt. Ein begeistertes „Sieg Heil!" auf den Führer und den Reichsjugendführer beendete die kurze Feier. — Am gestrigen Sonntag marschierte in früher Morgenstunde die schulentlassene Jugend bis zum vollendeten 18. Lebensjahre zum Sportplatz in Krofdorf, um dort zum Wettkampf anzutreten. — Am Sonntagabend versammelte sich die gesamte Jugend von Bieber, Fellingshausen, Rodheim und Vetzberg auf „Röllscheid", um hier ihre Sonnenwendfeie? abzuhalten. Auch zahlreiche Erwachsene waren erschienen. Wie einst unsere Vorfahren, so umstand die Jugend die Feuer voll lodernder Begeisterung für Volk und Führer. Kampfgesänge erklangen, Mädchen umtanzten die Feuer, sangen ihre Lieder, trugen Sprechchöre vor.
Die Organisation der Landarbeiter und dauern.
Die LandesbauernschastHessen-Nas- s a u teilt mit:
Noch immer herrscht in vielen Kreisen unserer Landbevölkerung eine gewisse Unkenntnis über die Zugehörigkeit des deutschen Landarbeiters zum Reichsnährstand bzw. über die evtl. Mitgliedschaft zur Deutschen Arbeitsfront. Deshalb erscheint es notwendig, erneut auf die Verfügung des Stellvertreters des Führers vom 6. Februar 1935 hinzuweisen, in der es unter 5. heißt:
„Landarbeiierfragen: a) Organisatorische Eingliederung.
Das Reichsnährstandsgesetz bestimmt die Eingliederung der Landarbeiter in den Reichsnährstand. Darüber hinaus können die Landarbeiter auch der Deutschen Arbeitsfront angehören. Die Regelung der Beitragsfrage bei Doppelmitgliedschaft wird so bald wie möglich in einer für die Landarbeiter tragbaren Form zwischen dem Reichsbauernsührer und dem Leiter der Deutschen Arbeitsfront erledigt."
Auch der Leiter der Deutschen Arbeitsfront, Pg. Staatsrat Dr. Ley, führte in einer Veröffentlichung über den ftänbijjpen Aufbau am 7. Juni 1933 folgendes aus:
„Das Landvolk nimmt in unserer Nation eine Sonderstellung ein. Es ist nicht Unternehmer im landläufigen Sinne, da der Bauer, wie das neue
Erbhofgesetz besagt, Hüter und Walter des Sippengutes ist, und well das Blühen und Gedeihen seines Hofes nicht allein abhängig von seiner Tätigkeit und seinem Fleiß ist, sondern auch zum Teil von den Gewalten der Natur. Die Naturgewalten vernichten oft dem Fleißigsten und Tüchtigsten das Ergebnis seiner Arbeit. Es ist klar, daß der neue Staat nicht nach liberalistischen Gesichtspunkten diesen Bauern der Vernichtung preisgeben darf, sondern die Pflicht hat, ihm zu neuem Aufstieg und zu neuem Glück zu verhelfen. Der Bauer gehört auch deshalb nicht in die Deutsche Arbeitsfront, weil er nicht durch Schulung, ganz gleich welcher Art, zu seinem Volkstum erzogen werden kann, sondern einzig durch die Liebe zum Boden und durch das mystische Verhältnis von Rasse und Blut und Boden. Deshalb nimmt er aus all diesen Gründen eine Sonderstellung ein."
Daraus geht klar hervor: Die Mitgliedschaft bei der Deutschen Arbeitsfront ist eine freiwillige Angelegenheit jedes einzelnen. Es ist infolgedessen ungesetzlich, auf den Landarbeiter oder Bauern einen moralischen oder wirtschaftlichen Druck auszuüben, neben der gesetzlichen Mitgliedschaft im Reichsnährstand noch die Mitgliedschaft in anderen Berufs- oder Arbeitsorganisationen zu erwerben.
Die Fübrer der örtlichen HI. und JV.-Organisation hielten Ansprachen und verkündeten die Preisträger aus den Kämpfen.
I Groß-Rechtenbach, 24. Juni. Dieser Tage fand im Saale der Gastwirtschaft Schnorr die Generalversammlung der hiesigen Spar- und Kreditkasse statt. Die Versammlung war gut besucht und wurde von dem Vorsitzenden, Landwirt Friedrich Müller VI. eröffnet. Es wurde darauf hingewiesen, daß sich die genossenschaftliche Verschmel- zuna der'beiden Dorfgenossenschaften als gut erwiesen habe und daß es nunmehr wieder aufwärts gehe. Nur müßte ein jeder Dorfgenosse seiner Dorfgenossenschaft die Treue halten. Kreisstellenleiter Oberevisor Berg (Wetzlar) trug im Auftrag des Aufsichtsrat die Bilanz vor und gab den Revisionsbericht der gesetzlichen Revision bekannt. Die Bilanzsumme betrug im abgelaufenen Geschäftsjahr 383 500 Mark» Vorstand und Aufsichtsrat wurde Entlastung erteilt. Es wurde beschlossen, den Reingewinn dem Reservefonds zuzuschreiben. Kreisstellenleiter Berg hielt dann noch einen Vortrag über echtes Genossenschaftswesen. Er wies darauf hin, daß wir wieder zum Urkern und Urwesen der deutschen Genossenschaft zurück'kehren müßten, Gemeinschaftssinn und Gemeinschaftsgeist müsse in den Genossenschaften herrschen. Bürgermeister Langsdorf ergänzte 'diese Ausführungen mit einigen Worten und wies dann noch darauf hin, daß jetzt die Viehverwertungsaenossenschaft für den Kreis Wetzlar auch Nützviey vermittle. Mit einem Gruß an den Führer wurde der offizielle Teil der Generalversammlung geschlossen.
ch Lützellinden, 25. Juni. Am Samstag brachte der hiesige Männergesangverein dem 1. Vorsitzenden Wilhelm Jung und dem 2. Vorsitzenden Karl Schuchmann in Dankbarkeit und Anerkennung für 25jährige aktive Mitgliedschaft je ein Ständchen dar. Die beiden Jubilare sind langjährige Vorstandsmitglieder. Sie wurden durch kurze Ansprachen geehrt und zu Ehrenmitgliedern ernannt. Anschließend verlebte der Verein im Vereinslokal ,iAit seinen neuernannten Ehrenmitgliedern einige unterhaltsame Stunden.
I Dornholzhausen, 25. Juni. In unserem Dorfe herrscht in diesem Jahre eine rege Bautätigkeit. Am Ortsausgang werden zwei neue Wohnhäuser errichtet, die bereits im Rohbau fertig- gestellt sind; zwei weitere Wohnhäuser sollen noch im Laufe dieses Jahres gebaut werden. Einem der Bauherren ist der Bau eines Wohnhauses dadurch ermöglicht worden, daß ihm von der Deutschen Bau- und Siedlungsgemeinschaft in Darmstadt ein zinsfreies Darlehen zugeteilt wurde. — Unsere Gemeinde, die
lange Jahre erheblich mit Wahlfahrtsausgaben belastet war, ist jetzt auch, nachdem der letzte Unterstützungsempfänger in Arbeit und Brot gebracht ist, frei von Arbeitslosen.
△ Hochelheim, 25. Juni. In der jüngsten Tagung der Gemeinderäte wurde über den Erlaß einer Satzung über die Art der öffentlichen Bekanntmachungen beraten. Nach der im Anschluß an die Beratung vom Bürgermeister erlassenen Satzung erfolgen die öffentlichen Bekanntmachungen in der Gemeinde durch Aushang im Gemeindebekanntmachungskasten auf die Dauer von mindestens einer Woche. Auf die zum Aushang kommenden Bekanntmachungen wird durch Aus- fchellen hingewiesen. Es bleibt einbenommen, den Wortlaut einer Bekanntmachung neben dem Aushang durch Ausschellen bekanntzugeben. Die neue Satzung tritt am 1. Juli in Kraft.
Kreis Warburg.
Lpd. Marburg, 25.Juni. Bei der Steinmühle, unweit Cappel, wurde eine männliche Leiche aus der Lahn geländet. Ob der Tote, der aus Ober- g l e e n bei Gießen stammen soll, einem Unfall zum Opfer fiel oder sich selbst das Leben nahm, muß noch geklärt werden.
Kreis Biedenkopf.
LPD. Biedenkopf, 25. Juni. In der Biedenkopfer Kirche fand man einen alten und gut erhaltenen Gr ab st ein aus dem 17. Jahrhundert, eine Sandsteinplatte, auf der der Sohn eines früheren Pfarrers in Lebensgröße kunstvoll dargestellt ist. Aus den Inschriften geht hervor, daß der Mann zur damaligen Zeit als Rechtsgelehrter in Thüringen und Hessen einen Namen hatte, obwohl er nur 23 Jahre alt geworden war. Er wurde 1650 in Biedenkopf geboren und starb 1674 in Oberhörten. Der Fund wird einen würdigen Platz im Gotteshause erhalten.
Lpd. Biedenkopf, 25. Juni. In der Nacht zum Montag kam der Former Heinrich Schäfer aus Wallau in der Nähe des Kreisortes Gönnern mit seinem Motorrad zu Fall. Er wurde dabei schwer verletzt und mußte ins Krankenhaus nach Dillenburg gebracht werden. Auch die Soziusfahrerin erlitt Verletzungen und fand Aufnahme im Krankenhaus.
Tagung des hessischen Sondergerichts in Mainz.
LPD Mainz, 25. Juni. Das hessische Sondergericht beschäftigte sich in einer in Mainz abgehaltenen Sitzung mit mehreren Vergehen gegen § 1
des Gesetzes vom 20. 12. 1934 zur Abwehr heimtückischer Angriffe gegen die Reichsregierung und die NSDAP.. , ,
Der 56jährige Otto Stumpf aus Frankenthal, zurzeit in Worms in Haft, äußerte sich im Mai d. I. in einer Wirtschaft in Osthofen in unwahrer und die Tatsachen gröblichst entstellender Weise über den Führer und die Reichsregierung. Wie er jetzt angab, will er damals sinnlos betrunken gewesen sein und von nichts mehr wissen, auch nicht, daß er Polizei- und Gefängnisbeamten heftigen Widerstand leistete. Er wurde zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt.
Ein ganz gefährlicher Hetzer in der Person des 57 Jahre alten Theodor Bergmann aus Bremen, zurzeit in Worms in Haft, erhielt ein Jahr und sechs Monate Gefängnis. Der Angeklagte hatte am 22. Mai d. I. in einer Wirtschaft in Ober-Flörsheim zunächst die Gäste provoziert, indem er den deutschen Gruß verneinte, und dann Kritik an ihm geübt. Dann beleidigte er in niederträchtiger Weise und durch ^unwahre Behauptungen den Führer und die NSDAP.
Als ein verständnisloser Schwätzer hat sich der 26 Jahre alte Hein Schmidt aus Dresden, der sich gegenwärtig in Ober-Ingelheim in Haft befindet, erwiesen. Er hatte im Mai d. I. in Nieder- Ingelheim geäußert, daß die Blättermeldungen bezüglich der Arbeitslosigkeit unwahr seien usw, Schmidt wurde zu einem Monat Gesang- n i 5 verurteilt.
Odenwaldsteine für das Tannenbergdenkmal.
Auf der Suche nach einem geeigneten Gestein für die beiden Riesengestalten der Feldgrauen, die den Eingang zur letzten Ruhestätte Hindenburgs im Tannenberg - Denkmal bewachen sollen, machte man im Odenwald einen Stein ausfindig, der nach Farbe, Härte und vor allem Größe geeignet erscheint. Diese kristalline Gesteinsart, fachlich „Brandaurot" genannt, wird im Steinbruch Schönberg bei Eberbach gebrochen. Gegenwärtig werden je drei Blöcke für die beiden Kolossalstatuen ausgesprengt und roh behauen. Jeder Block hat ein Gewicht von etwa 600 Zentnern. Für den Bahntransport müssen besondere Fahrzeuge gebaut werden. — Die sechs mächtigen Blöcke sollen bis Oktober abgeliefert werden.
Wetterbericht
des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt.
Im Bereich der gleichförmigen Luftdruckvertei- lung und begünstigt durch die heiß-schwüle Witterung kam es auch am Dienstag wieder zur Ausbildung örtlicher Wärmegewitter. Inzwischen ist unter Luftdruckanstieg etwas frischere Meeresluft aus Südwesten eingedrungen, die zur Ausbildung' eines kontinentalen Hochdruckgebietes führte. Bei der starken Erhitzung ist ihm aber keine längere Lebensdauer befchieden, so daß wieder mit dem Einsetzen neuer Gewittertätigkeit gerechnet werden kann.
Aussichten für Donnerstag: Vielfach heiter, tagsüber warm und schwül, später aufkommende Gewitterneigung, veränderliche Winde.
Aussichten für' Freitag: Meist wolkig und vielerorts Gewitter oder Gewitterregen, etwas frischer.
Lufttemperaturen am 25. Juni: mittags 30,4 Grad Celsius, abends 22,2 Grad; am 26. Juni: morgens 21,1 Grad. Maximum 31,1 Grad, Minimum 16,5 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 25. Juni: abends 24 Grad; am 26. Juni: morgens 21,1 Grad. — Sonnenscheindauer 13,6 Stunden.
Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich W. Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot für Den übrigen Teil i. V.: H. L. Neuner. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. V. 35: 10151. Druck und Verlag: Brühl'iche Universitäts-Buch- und Steindruckerei
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