Eupen-Malmedy und Monschau.
Don Willi Hanke.
Der nachstehende Aufsatz, als Niederschlag 3er Teilnahme an einem einwöchigen Lager Der Gießener Studentenschaft auf der Burg zu Monschau entstanden, verdient in Zusammenhang mit dem eben verkündeten Urteil im Lütticher Ausbürgerungsprozeß gegen vier Heimattreue Bewohner Eupen-Malmedys besondere Beachtung.
Der Ausgang des Weltkrieges mit seinen verheerenden Folgen hat uns Deutschen unsere blutenden Grenzen mit unerbittlicher Strenge vor Augen geführt. Dies hat zur Folge aehabt, daß wir uns unserer bedrängten Volksgenossen an der Grenze in erhöhtem Maße annehmen und ihnen auf jede Art und Weise zu helfen suchten. Ein kleines Gebiet verlorenen Reichsbodens, Eupen- M a l m e d y, und ein zerrissener Grenzkreis, Monschau, seien in den Mittelpunkt gestellt.
Nördlich der Mosel dehnt sich eine einförmige Hochfläche aus, die Eifel und das Hohe Venn. Nur ein Quarzitrücken, der sich einer Schildkröte gleich wölbt, und die stark gewundenen Täler bringen Bewegung in die Landschaft. Im Nordwesten dieses Landes liegen die Kreise Eupen, Malmedy und Monschau. Im Laufe der Geschichte haben diese Gebiete immer zu Deutschland gehört. Mit der Aufteilung des Reiches Lothars im Jahre 870 gelangte das Hohe Venn bereits zum ostfränkischen Reich, dem späteren Deutschland. Mit einer geringen Ausnahme zur Zeit der Gewaltherrschaft Napoleons I. am Rheine gehörten Eupen und Malmedy unserem Reiche an.
Die Besiedlung der Eifel und des Hohen Venns erfolgte von verschiedenen Stellen aus, so von Köln, von Trier und einer niederrheinischen Abtei aus. Kennzeichnend für die Eigenart des Hohen Venns ist, daß diese Besiedelungswellen nicht über den Kamm des Rückens hinübergehen konnten. So ergeben sich auch verschiedene Mundarten, die sich aus dem Siedlungsverlauf erklären lassen. Klima und Boden bedingen im höchsten Maße die Lebensweise des Menschen. Ganz besonders trifft das für das Hohe Venn zu. Eine durchschnittliche Höhenlage von 600 Meter machen den Rücken zu einem Auffanggebiet der atlantischen Regenwinde. Deshalb ist auch eine jährliche Niederschlagsmenge von 1300 Millimeter durchaus keine Seltenheit. Die Höhenlage bedingt weiter ein rauhes und unwirtliches Klima. Man sägt wohl nicht mit Unrecht, hier sei es neun Monate Winter und drei Monate kalt. Der undurchlässige Boden verhindert ein Abfließen der gewaltigen Regenmassen. Dies bedingt eine Versumpfung und Vermoorung weiter Strecken, die heute noch vollständig wertlos, auf den Tag der Urbarmachung warten. Die Wetterlage hat im Hohen Venn die Bauweise des Menschen in starkem Maße beeinflußt. Wohl selten sonst sieht moh in dieser ausgeprägten Form die hohen Schutzhecken, die das kleine, leist weiß getünchte Fachwerkhaus, fast einhüllen und es vor den Regenmengen und dem Einschneien im Winter schützen. Bodenbeschaffenheit und Klima sind dem Ackerbau im Hohen Denn und der Eifel nicht hold. Schon oft ist es vorgekommen, daß das kleine, zwerghafte Getreide nicht reifte oder auf dem Halm verfaulte. Dann kommen schwere Zeiten für den Eifelbauern. Mehr hat er sich deshalb auf Viehwirtschaft eingestellt.
Die Siedlungsweise im Hohen Denn ist die des Straßendorfes. Viele Kilometer lang erstreckt sich ein derartiges Dorf, denn jeder Bauer wohnt auf seinem Grund und Boden. Wenn auch dem Bauer oft große Flächen zur Verfügung stehen, so sind Erbhöfe doch eine Seltenheit. Die Fläche für eine volle Ackernahrung beginnt erst bei ungefähr 60 Hektar. Der Reichtum des Landes besteht jedoch in erster Linie in seinen herrlichen Waldbeständen, die sich bis weit ins belgische Land hinein erstrecken. Gegenüber der ausgedehnten Landwirtschaft tritt die I n d u st r i e stark zurück. Vor dem Kriege hatte Malmedy eine ausgedehnte Lederindustrie, die in 22 Fabriken Deutschland mit Besohlleder versorgte. Eupener Tuche waren nicht nur in ganz Deutschland begehrt, sondern wurden von uns aus noch nach vielen Gebieten exportiert. Die kleine Kreisstadt Monschau war ehemals besonders im 17. Jahrhundert eine blühende Industriestadt, die 6000 Arbeiter beschäftigte. Monschauer Tuche fanden überall, selbst in Rußland und im Orient, ihren Absatz. Heute hat Monschau noch eine große Seidenspinnerei mit 700 Arbeitern.
Das Friedensdiktat von Versailles hat deutsches Gebiet auseinander gerissen. Eupen, Malmedy und Teile des Kreises Monschau, die niemals zu Belgien gehört hatten und deren ganze wirtschaftlichen Beziehungen nach Deutschland gerichtet waren, mußten sich einer V o l k s a b st i m - m u n g unterziehen. In offene Listen konnten sich die Bewohner eintragen, die bei Deutschland bleiben wollten. Belgischer Militarismus hat es verstanden, eine wahre Volksabstimmung zu verhindern. Nur wenige Deutsche konnten es wagen, der Stimme ihres Blutes zu gehorchen. So fielen rund 1000 Quadratkilometer mit 60 000 Menschen, von denen 50000 Deutsche sind, an Belgien. Die übrigen 10 000 Wallonen, die besonders im Kreise Malmedy wohnten, hatten kein besonderes Verlangen, zu Belgien zu kommen. Bei einer gerechten Abstimmung würden die Wallonen sich wohl genau so verhalten haben, wie es die Masuren in Ostpreußen taten.
Die nach dieser „Abstimmung" vorgenommene Grenzziehung ist vielleicht am schwierigsten an der ganzen deutschen Grenze zu überblicken. Beeinflußt ist sie in hohem Maße von strategischen Rücksichten. Denn vom Hohen Venn aus kann man das gesamte Rheinland mit Köln und das Ruhrgebiet beherrschen. Verwirrend wirkt die Grenz- ziehung dadurch, daß die Bahn von Eupen nach Malmedy belgisch wurde und dabei 29 Kilometer durch deutsches Gebiet führt. So werden Exklaven, wie das deutsche Mützenich, aus dem Deutschen Reich herausgeschnitten. Oft ist der Bahnhof, wie es auch bei Monschau der Fall ist, belgisch, während der Ort selbst unter deutscher Verwaltung ist. Daneben läuft eine Straße von Monschau nach Aachen, die teil- weise durch belgisches Gebiet führt und trotzdem deutsch ist. Diese Straße hat auf belgischem Gebiet Zwei sich treffende Abzweigungen, die insgesamt ein Dreieck bilden, das in seinem Aeuheren, also dem Straßenkörper, deutsch ist, während das dazwischen befindliche Gebiet zu Belgien gehört. Aus dieser Grenzziehung ergeben sich natürlich schwere Folgen für das gesamte Land, sowohl auf deutscher als auf belgischer Seite.
Die erwähnte Lederindustrie Malmedys ist vernichtet. Der deutsche Markt war gesperrt, auf dem belgischen Markte konnten die Maren nicht untergebracht werden. So liegen heute 21 von den 22 Fabriken still und nur Die
Keine Einigung in Rom über Abessinien?
Die englische presse über Edens Besprechungen mit Mussolini.
London, 26. Juni. (DNB. Funkspruch.) Zum Abschluß der Besprechungen zwischen Eden und Mussolini trifft Reuter in einer Meldung aus Rom folgende Feststellung: Eden kehre nach London zurück mit einer sehr deutlicheren Vorstellung von dem Ernst, mit dem die italienische Regierung die durch die „abessinische Gefahr" geschaffene Lage betrachte. Er habe jetzt eine bessere Vorstellung von Italiens Wunsch nach einer „radikalen Regelun g". In Rom glaube man, daß es nur zwei Lösungen gäbe, entweder Abessinien erkläre sich mit einem Mandat oder Protektorat einverstanden oder Italien unternehme einen Eroberungsfeldzug.
„Daily Telegraph" berichtet aus Rom, die Italiener erwarteten, daß Großbritannien einen Druck auf den Kaiser von Abessinien aus- ü b e n werde, damit er ihre gesamten Forderungen annehme. Sie erklärten, es sei oereits viel Geld für die Entsendung der Truppen nach Afrika ausgegeben worden und der Streit habe sich in die Länge gezogen. „Times" meldet aus Rom, die Besprechung zwischen Eden und Mussolini über Abessinien hätten wenig oder überhaupt nicht dazu beigetragen, die Lösung des Problems zu erleichtern. Man glaube, daß Eden zwar gewisse Anregungen gemacht habe, daß diese aber von Mussolini als nicht annehmbar betrachtet worden seien. Er habe indessen die Vertreter der beiden Regierungen befähigt, ihre Standpunkte mit äußerstem Freimut zu erklären und dadurch viele zweifelhafte Dinge aufzuklären.
Auf das deutsch-englische Flottenab- k o mm e n anspielend meint das Blatt, die Italiener schienen jetzt überzeugt worden zu sein, daß Großbritannien nicht die Absicht habe, sich von Frankreich und Italien zu trennen und sich völlig in die Arme Deutschlands zu werfen. Die Italiener hätten gegenüber der britischen „Extratour" keine so st ar re Haltung eingenommen wie die Franzosen. Sie hätten viel Verständnis dafür, daß gute Gelegenheiten nicht versäumt ober bis zum Abschluß anderer Verhandlungen aufgeschoben werden sollten. Aber sie glaubten, daß Großbritannien nach Befriedigung seiner Flottenwünsche und nach Erzielung eines Luftpaktes für andere Pro
bleme wie die Donaukonferenz und den Ostpakt kein Interesse mehr zeigen würde. Dann würden die Italiener mehr geneigt sein, den französischen Standpunkt zu unterstützen. Diese Sorgen wurden indessen von Eden zerstreut.
Abessinien zu wirtschaftlichen Zugeständnissen bereit.
London, 26. Juni. (DNB. Funkspruch.) Der britische Gesandte in Abessinien, Sir Sidney Karton, der am Dienstag auf Urlaub zu gehen beabsichtigte, ist durch ein Telegramm des Londoner Foreign Office angewiesen worden, auf seinem Po st en zu bleiben.
Der Sonderkorrespondent des „News Chronicle" in Addis Abeba meldet, er höre, daß Abessinien bereit sei, wirtschaftliche Zuge- ft ä n b n i f f e zu machen, aber nur unter ber Be- bingung, baß sie wirklich wirtschaftlicher u n b nicht politischer A r t seien. Die Abessinier möchten z. B., falls bie italienischen Kolonien Erythräa unb Jtalienisch-Somalilanb b u r cf) eine Eisenbahnlinie über abessinisches Gebiet verbunben werben, ben Polizei- schutz ber Linie in ihren eigenen Hänben behalten. Auf bie italienische Forberung nach solchen wirtschaftlichen Zugeständnissen, bie Italien allein zugute kämen, erroiberte Abessinien mit einem Hinweis barauf, baß es durch den Vertrag mit Frankreich verpflichtet fei, jeder Nation Rechte zu verweigern, die andere Nationen ausschließen. Ueberdies erkläre man in Regierungskreisen, daß die Italiener von den ihnen bereits gewährten Zugeständnissen nur geringen Gebrauch gemacht hätten, wie z. B. von dem Recht der Errichtung einer Funkstation und dem Recht des Straßenbaues von Assab in Erythräa nach Dessie. Die gegenwärtige Spannung werde durch die Tatsache deutlich, daß am Dienstagvormittag weitere Italiener auf Anraten der faschistischen Ortsgruppe aus Addis Abeba abgereist seien. Die meisten Mitglieder der italienischen Kolonie seien bereits fort, andere packten ihre Sachen, wie wenn der Ausbruch von Feindseligkeiten unmittelbar bevorstehe.
Wandlung des deutschen Berkehrsbildes.
Zur Eröffnung der zweiten Teilstrecke der Reichsautobahn München-Holzkirchen.
Wenn Deutschland sich heute anschickt, das m o - dem st e Verkehrsland der Welt zu sein, so gewiß nicht in dem Sinne, daß es das Ziel feiner Verkehrspolirik in ber Erreichung absoluter Höchstziffern sieht, sondern in ber vollkommenen A n - Passung aller Verkehrsmittel- unb Wege an bie Bedürfnisse der aufstrebenden deutschen Wirtschaft sowohl wie an ben Charakter beutschen Menschentums und deutscher Landschaft. Das verhängnisvolle Auseinanderstreben von Technik und Kultur, das dem 19. Jahrhundert seinen Stempel aufdrückte unb das auch für das rückständige und uneinheitliche Verkehrsbilo im Reiche verantwortlich zu machen ist, ist durch die nationalsozialistische Revolution beendigt worden. Denn indem die Bewegung Adolf Hitlers beide Aus- drucksformen des deutschen Geistes wieder auf ihre eigentliche Wurzel zurückführte und sie gleichermaßen in den Dienst der Dolksgefamt- heit stellte, verloren bie alten Rivalitäten ihren Sinn. Die Verkehrspvlitik bes neuen Reiches för- bert gleichermaßen ben Verkehr auf ber Erbe, auf bem Wasser unb in ber Lust. Die letzten Berichte ber Reichsbahn unb ber Deutschen Lufthansa zeigen bilanzmäßig ben ungeheuren Aufschwung, ben bie Personen- und Güterbeförderung per Lust und Eisenbahn genommen hat. Auch die Ausstellungen der großen Uebersee-Ree- d e r e ie n beweisen eine ähnliche Zunahme des Passagier- und vor allem des Warenverkehrs mit deutschen Schiffen auf. Der Aufstieg der Binnen- nenschiffahrt geht naturgemäß langsamer von- statten, da mit der Ausführung der verschiedenen Kanalprojekte und Stromregulierungen erst die Vorbedingungen geschaffen werden müssen, um eine bessere Ausnützung der Wasserstraßen zu erreichen.
Die besondere Sorge des Führers aber galt von je her der Verdichtung und Beschleunigung des Verkehrs auf Öen deutschen Landstraßen. Es ist allein auf die Initiative Adolf Hitlers zurückzuführen, wenn die deutschen Rennwagen in fast ununterbrochener Folge ihren 1934 begonnenen Siegeszug durch ganz Europa jetzt noch eindrucksvoller fortsetzen, wenn die Zahl der Neuzulassungen von deutschen Kraftwagen dauernd im Steigen begriffen ist. Generalinspektor Dr. Todt hat kürzlich an einigen Ziffern das ungeheure Tempo der Entwicklung des Kraftwagenwesens in Deutschland überzeugend nachgewiesen: Im Jahre 1932 seien rund 41000 Personenautos neu an gemeldet, 1933 rund 85 000, 1934 rund 125 000. In den ersten Monaten dieses Jahres ist diese Kurve noch steiler verlaufen. Mit ber Erhöhung bes Kraftwagenbestandes geht Hand in Wand ber Ausbau bes deutschen Straßennetzes, dessen Krönung das gewaltige Werk der Reichsautobahnen ist. Es ist erst knapp fünf Wochen her, daß die Reichsautobahnen mit der Eröffnung ber Teil ft recke Frank, furt — Darmftabt ihren Geburtstag feiern konnte, unb schon stehen wir vor ber Indienststellung bes zweiten fertigen Abschnittes München—Holzkirchen, ber am kommenden Samstag dem öffentlichen Verkehr übergeben werben wird. Die hervorragenbe Ausstattung biefer Autobahnen, ihre geniale Linienführung, bie sie harmonisch in bie Melodie ber beutschen Landschaft hineinkomponiert, machen bie Straßen bes Führers nicht nur zu einem „Wunber ber Technik", fonbern auch zu einem vollendeten Denkmal unvergänglichen deutschen Geistes.
letzte kann sich noch mit Mühe halten. Auch für die Eupener Tuche ist die Lage trostlos. Nur eine Verbindung mit Deutschland kann den beiden Kreisen ein aufnahmefähiges Hinterland zuweisen, das die Fabrikwaren aufnehmen kann. Ebenfalls hat die Landwirtschaft auf deutscher Seite durch die Grenzziehung sehr gelitten. Sie konnte nun ihre Milch, die Butter und sonstigen Produkte nicht mehr nach den benachbarten Städten Eupen und Malmedy bringen.
3n Monschau selbst liegen die Verhältnisse nicht so sehr schlimm. Dank unserer nationalsozialistischen Regierung konnten bereits sehr viele Ar- bpjtslose eine Tätigkeit finden. Noch in diesen Wochen wird eine hier stilliegende Fabrik in Gang gesetzt werden unb bamit werben bie letzten Arbeitslosen Monschaus roieber Arbeit unb Brot finben. Ungünstiger ist bagegen bie Finanzlage ber Stabt Monschau. Bedingt ist bies besonders burch bie kulturellen Ausgaben, bie biefe Stabt zu leisten hat. Vor allem hat Monschau ein Gymnasium unb ein Internat zu unterhalten, bie im Interesse bes bebrängten Westens unbedingt von Nöten finb, an eine Kleinstabt von 2000 Einwohnern jeboch hohe Anforberungen stellen.
Die eigenartige unb widernatürliche Grenzziehung hat manche Erlebnisse bedingt, von denen man sich im Innern Deutschlands keine Vorstellungen macht. Eine deutsche Frau, deren Mann im belgischen Staatsdienst stand, befand sich vor ihrer Nieder- kunft. Hätte sie ihr Kind in ihrer Dienstwohnung, also auf belgischem Hoheitsgebiet zur Welt gebracht, hätte es die belgische Staatsangehörigkeit erlangt. Um dies jedoch zu vermeiden, wurde die Frau in das Nachbarhaus, das deutsch ist, gebracht und konnte tags daraus mit einem deutschen Kinde wieder nach Hause zurückkehren. Bekannter ist der Fal^ daß die Grenze durch eine Schmugalerwirt- schast hindurchgeht und zwar so, daß der Wirt mit stiner Theke auf begischem Boden steht, also billige belgische Waren verkaufen kann, während die Gäste sich auf deutschem Boden befinden. In einem anderen Dorfe läuft die Grenze mitten auf der Dorfstraße. Das Einkäufen in belgischen Läden durch deutsche Hausfrauen bedeutet bereits Geh.....-no\.
Die Grenzziehung erleichtert ben S ch m u g- ß e L Außerdem bieten dir hohen Preisunterschiede ।
einen Anreiz, sich bem Schmuggel zuzuwenden. So kosten 25 belgische Zigaretten 30 Pfennig unb ein Pfund Salz kann man bereits für 3 Pfennig erstehen. Mit bem Verschwinden ber Arbeitslosigkeit in Deutschland) haben sich auch bie Schmuggelver- hältmsse gebessert. Neben Tabak wird noch viel Kaffee geschmuggelt, jeboch ist bies nur in ungebranntem Zustand möglich. Gebrannter Kaffee kann bereits auf einen Kilometer gerochen werden.
Zusammenfassend muß noch einmal betont werden, daß im Ganzen gesehen, bie Lage bes „Loches im Westen" ganz trostlos ist und bas nur bann eine Aenberung ber Laae eintreten kann, wenn bie abgebrochenen Verhandlungen mit Belgien wieder aufgenommen werden, um eine friedliche Rück- glteberung ber Kreise Eupen unb Malmeby zu erreichen.
^15 Jahre Zuchthaus für eine kommunistische Zugendfunktionärin. Berlin, 25. Juni. (DNB.) Der Volks- g e r i ch t s h o f oerfünbete am Dienstag ein Ur« teil gegen eine kommunistische Jugenbsunktionärin, bas mit Rücksicht auf bie Höhe ber verhängten Strafe befonbere Beachtung verbient. Die 24jäh- rige Berta Karg aus München erhielt wegen Vorbereitung zum Hochverrat 15 Jahre Zuchthaus unb 10 Jahre Ehrverlust, außerbem würbe bie Polizeiaufsicht gegen sie an* georbnet. Die Angeklagte, eine fanatische Kommu- niftm, war in ber Reichsleitung bes illegalen ko m munistischen Jugenbver- b a n b e 5 tätig unb hat am Wieberaufbau ber zerschlagenen Parteiorganisation in ben brei Bezirken Groß-Thuringen, Baben und Pfalz, sowie Düssel- borf-Nieberrhein bis zu ihrer Festnahme am 31. 1. 1934 gearbeitet Die Weisungen für ihre staatsseinbliche Wühlarbeit erhielt sie von einem Beauftragten bes Zentralkomitees der KPD den sie i n P a r i s aufsuchte. Es handelt sich dabei um einen äußerst gefährlichen Emigranten, der vom sicheren Hinterhalt im Ausland her sein ehe- maliges deutsches Vaterland bekämpfte und versuchte, hier die Organisation ber KPD. roieber auf- zurichten. Die Angeklagte hat sich, so führte der Vorsitzende bei ber Urteilsbegründung aus, ba- durch, daß sie sich mit diesem üblen Staatsfeind
etnließ, außerhalb ber Volksgemeinschaft gestellt. Gerabe mit Rücksicht auf bie große Gefahr, bie bem im Wieberaufbau befinblichen Deutschlanb vom Auslanbe her broht, erschien eine aufjerorbent- lieh hohe unb exemplarische Strafe geboten, bie auf 15 Jahre Zuchthaus bemessen würbe. Der Vertreter ber Reichsanroaltschast hatte sogar lebenslängliches Zuchthaus beantragt.
Dieses neueste Urteil bes Volksgerichtshofes steht imZeichender verschärften Straf- beftimmungen, bie in befonbers schweren Fällen sogar bie Tobesstrafe für Hochverrat ermöglichen. Es beweist erneut, baß ber Volksgerichtshof gewillt ist, bie ihm übertragene Aufgabe, sich schützenb vor ben neuen Staat zu stellen, bis zur letzten Konsequenz burchzuführen. Jrgenbwelche Milbe ist bei Angeklagten vom Schlage ber jetzt abgeurteilten Funktionärin nicht am Platze, bas sie aus ihrer staatsfeinblichen Gesinnung nicht ben geringsten Hehl machte unb auch bie Strafe vollkommen kalt aufnahm. Immerhin bürste bas Urteil seine abschreckenbe Wirkung nicht verfehlen und den noch für die KPD. arbeitenden Elementen vor Augen führen, daß es besonders gefährlich ist, mit den Emigranten im Ausland Verbindung zu unterhalten und die deutsche Jugend mit ihren Lehren zu vergiften.
Oie Zukunst der Landgemeinden.
Eine Arbeitstagung des Preußischen Staatsrates.
Potsdam, 25. Juni. (DNB.) Am 25. Juni trat der Preußische Staatsrat unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten Göring in Potsdam zu einer Tagung zusammen. Auf der Tagesordnung stand die Frage der künftigen Ausgestaltung der Landgemeinde im Dritten Reich, insbesondere unter Berücksichtigung der durch die olbenbur- gische Verwaltungsreform aufgezeigten Gesichtspunkte. An ber Tagung nahmen bie leiten» ben Staatsbeamten unb bie zustänbigen führenben Persönlichkeiten ber Partei von Bayern, Sachsen, Württemberg, Baben, Thüringen, Mecklenburg unb Olbenburg teil.
Nach einleitenben Worten bes Ministerpräsibenten Göring erstattete Reichs- unb Staatsminister Kerrl einen Bericht insbefonbere über bie Reisen, bie er im Auftrag bes Ministerpräsibenten zum Stubium ber zur Erörterung stehenben Fragen in einer Reihe beutscher ßänber gemacht hat unb entwickelte baraus bie Grunbziige, unter benen bie beutsche ßanbgemeinbe weiter auszubauen' sei. Das Korreferat erstattete Oberpräsibent unb Gnuleiter Kube, ber vor allem auf bie Verhältnisse ber ö ft I i cf) e n Grenzprovinzen Preußens einging. Der Reichs- unb preußische Minister bes Innern Dr. Frick machte zu ben angeschnittenen Fragen grunbsätzliche Ausführungen unb teilte mit, wie bie Angelegenheit weiter bearbeitet werben wirb. Ministerpräsibent Göring schloß bie Sitzung mit ber Feststellung, baß für bie Weiterarbeit bie von Minister Kerrl in ben von ihm besuchten ßänbern gewonnenen Erfahrungen von be- sonberem Wert finb, unb baß es barauf ankomme, aus ben verfchiebenen, zur Zeit im Reich vorhan- benen öerroaltungsreformen unter Vermei - bung jeher Schematisierung bie heften Möglichkeiten für bie Weiterentwicklung ber länblichen ©emeinbeoerroaltung herauszufinben.
Oie Akademie
für Deutsches Recht.
München, 25. Juni. (DNB.) Auf einer Pressebesprechung gab Dr. Stangl-Berlin Aufschlüsse über bas Programm ber vom 26. bis 29. Juni in München ftattfinbenben zweiten Jahrestagung ber Akabemie für Deutsches Recht. Er betonte, baß auch biefe Jahrestaaung in München ftattfinbe, weil bie Aka- bemie als ursprüngliche Gründung bes Staates Bayern von München aus ihren Ausgang genommen habe. Deshalb werbe auch in ben späteren Jahren bie Jahrestagung in München ftattfinben, wenn auch bas materielle Schwergewicht nach Berlin verlegt worben sei, weil nur in ber Reichshauvtftabt ein möglichst enger Kontakt mit ben zustänbigen Stellen gegeben fei. Die Hauptaufgabe ber Akabemie liege zunächst in ber Beratung unb Unterstützung bes G e - setzgebers. Die Fälle an Aufgaben habe bie Bildung von Ausschüssen notroenbig gemacht. Reichsminister Frank habe bie Absicht, einen Senat des beutschen Rechtste- b e ns zu schaffen, ber über die Akademie in ihrer bisherigen Form hinausgeht. Die Akademie habe weiter versucht — und es sei ihr gelungen — eine Annäherung des deutschen nationalsozialistischen Rechts und des ausländischen Rechts herbeizuführen Der nationalsozialistische Staat habe in der Akademie für Deutsches Recht ein Instrument gefunden, durch das es ihm ermöglicht fei, für feine Gedanken Verständnis im Auslande zu finden. In Zukunft werde die Akademie für München eine besondere Note noch dadurch bringen, daß das Haus bes beutschen Rechts hier errichtet werbe. Die Orunbfteinlegung werde noch im Laufe des Jahres erfolgen.
Weltanschaulich-politische Schulung der Korporationsstudenten.
Richtlinien
des Reichsamtsleiters Derichsweiler.
Berlin, 25. Juni. (DNB.) Reichsamtsleiter Derichsweiler sprach im Reichssender über die weltanschaulich-politische Erziehung der Korpora- tionsstudenten und gab dabei folgende Richtlinien des N S D. - S t u d e n t e n b u n d e s bekannt:
Jede Korporation, die die Weltanschaulich-politische Erziehung ihrer studierenden Mitglieder nach den Richtlinien des für die politische Erziehung der Gesamt-Studentenschaft allein zuständigen NSD-Stu- dentenbundes durchzuführen bereit ist, hat bis zum 10. Juli 1935 dem für sie zuständigen örtlichen Hochschulgruppenführer des NSD-Stu» bentenbunbes drei ihrer studierenden Angehörigen zu benennen, die für die weltanschaulich-politische Schulung als besonders geeignet erachtet. Diese gemeldeten Korporationsangehörigen werden im Laufe der Sommerferien in dreiwöchigen Lagern des NSD.-Studentenbündes geschult (nähere Anweisung darüber ergeht noch). Am Schlüsse des Kurses erfolgt die Qualifikation der Kursteilnehmer durch den Lagerleiter, dieselbe wird auf dem Dienstweg den Korporationen
Diejenigen Lagerteilnehmer, die en>


