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M.M Erstes Blatt

185. Jahrgang

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Eichener Anzeiger

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Kein unbeschränkter Ll-Doot-Krieg.

Deutschland hat sich im deutsch-englischen Zlottenabkommen zur Einhaltung der Hegeln des Londoner Zlottenvertrags für den il-Boot-Krieg verpflichtet.

Lt-Boot-Krieg und Flotienabkommen.

Auskunft im britischen Unterhaus.

London, 25. Juni. (DNB.) Im Unterhaus rich­tete Admiral (Sampel! (konservativ) an den Er­sten Lord der Admiralität die Frage, ob in den Besprechungen mit den Deutschen geklärt worden sei, wie die deutsche Regierung zur Verwen­dung von U-Booten im Kriege stehe.

Sir Bolton Eyres-Monsell erklärte u. a., Deutsch­land sei bereit, sich an die Regeln für die U-Boot- Kriegsführung zu halten, wie sie i m T e i l IV d e s Bertragsvon 19 3 0 niedergelegt seien, und sei auch bereit, sie anzunehmen, ohne Rücksicht darauf, ob sie auch von allen anderen Mächten an­genommen würden."

Teil IV des Londoner Vertrages besagt:

1. In ihren Aktionen gegen Kauffahr­teischiffe müssen sich U-Boote an die Regeln des internationalen Rechts halten, die auch für Ueberwasserschiffe gelten.

2. Insbesondere gilt folgendes: Mit Aus­nahme von Fällen fortdauernder Weigerung, auf einwandfreie Aufforderung hin anzuhalten, oder im Falle aktiven Widerstan­des gegen Besuch oder Durchführung darf ein Kriegsschiff, sei es ein Ueberwasserschiff oder U- Boot, keinKauffahrteischiffversenken, oder navigationsunfähig machen, ohne vorher die F a h r g ä st e , die B e s a tz u n g und die Schiffspapiere an einen sicheren Platz gebracht zu haben. Rettungsboote werden nicht als sicherer Platz angesehen, es sei denn, daß die Sicherheit der Fahrgäste und der Besatzung ange­sichts der See- und Wetterbedingungen oder der Nähe von Land oder Position eines anderen Schiffes, das in der Lage ist, Fahrgäste und Be­satzung an Bord zu nehmen, sichergestellt ist.

Deutschland hat also zugestimmt, daß es nie­mals wieder zu dem greifen wird, was man während des Krieges als unbeschränkten U - B o o t k r i e g bezeichnet hat. (Stürmischer Beifall.) Auf die Frage, welche Mächte ihre Zu­stimmung zu dem Londoner Vertrag erklärt hätten,

Wo steht Frankreich?

Ministerpräsident Laval verteidigt seine Methode der kollektiven Friedenssicherung

schiffe befänden, deren Offensiv-, Defensiv- und Beweglichkeitseigenschaften noch von keiner anderen Marine erreicht worden seien. Die Nordsee - und Kanalfront werde im übri­gen dank der besseren Beziehungen zu Italien verstärkt werden können, da be­stimmte im Mittelmeer stehende Kriegsschiffe frei­gemacht werden könnten. Nach Anhören des Ministers hat der Marineausschuß der Kammer folgende Entschließung angenommen:Der Ma­rineausschuß der Kammer stellt fest, daß das zwischen Deutschland und Großbritannien abge­schlossene Flottenabkommen die Flottenbe- stimmungen des Versailler Vertrages hinfällig macht. Er ist der Auffassung, daß das Washingtoner Abkommen nur in An­betracht dieser Flottenbestimmungen des Versailler Vertrages von Frankreich angenommen wurde, und er ist der Auffassung, daß das deutsch-eng­lische Flottenabkommen Frankreich die v o 11 st ä n- dige Freiheit in bezug auf seine Ma­ri n e p o l i t i k geben muß bis zum Abschluß neuer allgemeiner Abkommen. Der Ausschuß fordert die Regierung auf, alle Maßnah­men zu ergreifen, damit Frankreich ständig a u f dem Atlantischen Ozean und im Mit­te l m e e r über Seestreitkräfte verfügt, die aus- reichen, um seine Sicherheit zu ge­währleiste n."

von der ganzenSchönheit eines glücklichen Le­bens"^ In Kreisen der alten und der jungen Kom­munisten zerbricht man sich vergebens darüber den Kopf, was gut und böse ist, was richtig und was falsch was erlaubt und was verboten bleibt

Mcm kommt der Bedeutung der Dinge, die sich gegenwärtig in Sowjetrußland abspielen nur naher, wenn man die Antwort auf 'm ach t p o litisch em Gebiet sucht. Ueber Gut und Bose irn bolschewi­stischen Staat entscheidet Stalin alleim Die Alten Bolschewisten" hatten bei dein Besuch La­vals in Moskau gegen dieElnschrankung der kommunistischen Propaganda im Ausland gemurrt sie mürben aufge löst; denn unabhängig von der Beibehaltung des alten Zieles der Weltrevolutwn sollten vorläufig die neuen Freunde in Paris nicht verstimmt wer­den Jenukidse war über die Verwaltung d e r Lenin-Bibliothek im Kreml, die allem bas Vorrecht einer unmittelbaren Verbindung mit bem Ausland besaß, wie man erzählt, zu lehr ausland (eben trotzkistifchen Evnflüsfen unter egen deshalb würbe er o e r b an nt. Die jungen Kommunisten, einst in der Tat du,«°«rl°IW« fjetfer des Etalm-Regimes, sind heule zu starr a - w o r d e n , - ein kleiner Dämpfer kann m dem -Augenblick noch nicht schaden, kl dem Stalin all»

Paris, 26. Juni. (DNB.) Ministerpräsibent Laval hielt am Dienstag bei einem Bankett ber Vereinigung ber französischen Provinzpresse eine politische Rebe. Laval erklärte: Das Saar- Problem ist international bereinigt worben. Iebe Reibungsursache mit Deutsch- l a n b ist somit beseitigt. Nach einem Hinweis auf bie innerpolitischen Schwierigkeiten betonte ber Ministerpräsibent ben Willen des Kabinetts, die ihm übertragenen Vollmachten nicht zu miß­brauchen, aber davon einen zweckmäßigen Gebrauch zu machen, selbst um den Preis, eines Tages un- volkstümlich zu werden. Es gehe nicht nur um das Schicksal ber verfassungsmäßigen Einrichtun­gen, fonbern um bas Schicksal bes Laubes selbst.

Das Ansehen Frankreichs im Auslanbe werde schwinden, wenn Frankreich nicht stark und nicht mehr gesund sei. Frankreich werde aber stark und gesund fein, wenn es seine Ausgaben nach seinen Einnahmen einrichte und ür die Wahrung seiner Sicherheit zu- lächst auf sich selbst zähle. Alles werde ge- chehen, damit man im Ausland wie in Frank­reich selbst wisse, daß die Regierung bereit sei, energisch durchzugreifen. Außenpolitisch sei es eine feststehende Tatsache, daß jede politische Krise in Frankreich sein Ansehen im Ausland schwäche. Er habe zahlreiche Reisen in viele Länder unter­nommen und überall eine begeisterte Ju­gend, in Rom, in Warschau, in Moskau und in Berlin, kennengelernt. Es scheine, daß Frank­reich vom Uebel des Zweifels befallen fei. Er glaube, daß die in Frankreich geltende Regierungsform, die Demokratie, keineswegs den nnberen unterlegen fei. Er werde sich be­mühen, dies zu beweisen. Das sei sein großer Ehrgeiz.

Die Wirtschaftskrise herrsche in der gan­zen Welt. Die allzu hohen Zollschranken, die selbst- üchtige Politik der Kontingentierung könnten nicht dauernd fortbestehen. Die Länder, die in der Aut­arkie lebten, befänden sich in einem wirklichen Zu­stande des Wirtschaftskrieges, und ber Wirtschafts­krieg habe oft ben Krieg schlechthin im Gefolge. Man müsse eine Formel finben, um die Belange und Bestrebungen ber verschiedenen Nationen mit­einander in Einklang zu bringen.

2Uan mache ihm bisweilen den Vorwurf, das Abkommen mit Moskau abgeschlossen zu haben. Gewisse kreise beschuldigten ihn, Frankreich sogar irgendeiner Gefahr des Wirr­warrs ausgeliefert zu haben. Er sei weder russenfreundlich, noch italienfreundtich, noch englandfreundtich oder irgendwie auslandfeind- tich. Aber weil er Franzose und Pazi- fist sei, gelte feine tätige Sympathie all den Völkern und den Regierungen, die mit Frank­reich an der Organisation des Frie­dens arbeiten möchten. Er habe kein Widerstreben gegen irgendein Abkommen mit irgendeinem Lande. Er habe niemals eine Geste getan oder irgendein Wort gesprochen, die im Auslände schlecht ausgelegt werden könnten. Wenn ein Abk o m men mit B er­lin möglich werden würde, würde er nicht zögern, es abzufchliehen. Aber damit ein derartiges Abkommen Wirklichkeit werde, seien nicht nur zwei, sondern meh­rere notwendig. Er verteidige Frankreich und gleichzeitig die Zivilisation, in der es groß geworden sei und lebe.

Kriegsminister Fabry verlangt weitere 600 Millionen Rüstungskredite.

Paris, 25. Juni. (DNB.) Der heeresaus- schuß der Hammer Hal kriegsminisler Fabry unter Hinweis auf die Tätigkeit der deutschen Rü­stungsindustrie einen Gesetzentwurf unterbreitet, der die Regierung zur Verwendung der 506 Millionen Franken-Kredite, die

daß es einem gut ging, baß man bas Sattessen beanspruchte, daß man etwas als selbstverständlich hinnahm, was heute als unerhörtes Wohlleben erscheint, nämlich bas sorglose Auskommen, bie geregelten täglichen Mahlzeiten, basbürgerliche Wohlleben". Unb hierauf bürsten auch in erster Linie bie Massenoerschickungen zurückzu- führen sein, bie in ben letzten Wochen z. B. in Le- ningrab oorgenommen würben. Allein bie nahe Anwesenheit biefer Leute, bie von bem Früher schwärmen konnten, erschien bem Diktator verdäch- tig unb gefährlich. Unb bennoch! Welche Schönheit bes Lebens" meint nun ber Beherr­scher aller Kommunisten, wenn nicht bas gute bür» gerliche Auskommen?

DieAlten Bolschewisten", Jenukibse, ber Korn« somol sie finb Opfer eines inneren Zickzack- furfes ber Stalinschen Politik geworben, wie er in dieser Ausgeprägtheit nur selten in Erscheinung getreten ist. Wenn auch barin ein Symptom ber Unsicherheit unb bes Schwankens zu erblicken ist, wenn man auch voraussagen kann, baß noch manche auf ber Strecke bleiben werben, fo steht feine persönliche Machtvollkommenheit noch uner­schüttert ba. Jebenfalls heute noch. Ueber bas Weitere aber wirb die Zukunft Aufschluß bringen.

im April 1935 vorgesehen wurden, bevollmächtigen oll. Außerdem hat er die Bereit ft ellung weiterer Kredite in höhe von 600 Millionen Franken zwecks Material­beschaffung für Befestigungsbauten und zur Ausfüllung der Vorräte für die Landesverteidigung beantragt. Der Ausschuß be­auftragte seinen Berichterstatter mit der Abfassung eines Gutachtens, das diese Vorschläge befür­wortet.

Frankreichs Sicherheit zur See gewährleistet.

Trotzdem fordert der Marineausschutz Handlungsfreiheit.

Paris, 25. Juni. (DNB.) Kriegsmarine­minister P i e t r i hat vor dem Marineausschuß ber Kammer über bas beutsch - e n g l ische Flottenabkommen gesprochen. Wie ver­lautet, soll Pietri erklärt haben, baß bie fran­zösische Flotte unter Berücksichtigung ber im Bau befinblichen Schiffe 54 v. H. ber engli­schen betrage. Dieses Verhältnis erscheine um fo beruhigender, als sich hierunter Linie n-

Zügel noch fest in ber Hand hat unb benApparat" vollkommen beherrscht. So hat man mehreren Leu­ten, benen ber Kamm vielleicht erheblich geschwol­len war, heilsame Lehren erteilt, unb ber einzige Herrscher strahlt in noch nie bageroefenem Herr- lichen Licht. -

Tatsächlich hat Stalin mit feinem neuen Schlag­wort von berSchönheit bes Lebens eines Kom­munisten" in ben Köpfen von alt unb jung eine Verwirrung angerichtet, bie nicht leicht zu beschrei­ben ist. Sinb nicht alle hohen kommunistischen Funktionäre verweichlicht, führen Sie nichtein schönes, ein herrliches" Leben, bas also als Jbeal hingestellt wirb? Diese Schlüsse ber Durch- schnittskommunisten mögen logisch berechtigt gewe­sen sein in bem Augenblick aber, in bem sie versuchten, ihrerseits bie Führer nachzuahmen unb deren Annehmlichkeiten für sich zu beanspruchen, kamen sie mit bem Parteibobex in Konflikt Es mag hinzukommen, baß bie intensiveSchon- Heits"-Propaganba bie Genossen in ber Tat nicht nur auf ben Weg ber bürgerlichen Einschätzung der Annehmlichkeiten unb Bequemlichkeiten bes täglichen Lebens geführt, sonbern sie auch ganz sel'bstverstänblich in einen näheren Kontakt mit ben Gestrigen" gebracht hat. Denn es war ja ae­robe bas Chaxatteristikum derguten alten Zeit,

Zickzackkurs in Moskau.

Von unserem ^.-Berichterstatter.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!

Moskau, Juni 1935.

Seit der Ermordung Kirows, des Lenin» < grober Parteiführers und eines ber nächsten Mit- \ arbeitet bes Diktators Stalin, hat kein Ereignis : bas innere Leben ber Sowjetunion so beeinflußt unb bie unzufriebenen Elemente in ber Partei ber- ; art in Aufregung versetzt, wie ber Fall Ienu - , kidse. Der ehemalige Sekretär im Zentralkomitee , der kommunistischen Partei, wie Stalin-Dschuga- ; schwill ein Georgier, früher Liebling Lenins unb ; Krassins, ber mit der Geschichte der Partei eng verbunden ist, wurde schon im März auf Knall und Fall von seinem Poften bes ZK.-Sekretärs, den er feit ber Oktoberrevolution, also feit f a ft i 18 Jahren bekleidete, entlassen unb in bie Ehrenverbannung" auf einen Posten nach bem Kaukasus entfanbt Das bumpfe Grollen, bas sich seitdem bei ben alten Parteigenossen über diese un­gerechte Behandlung des außerordentlich beliebten guten Onkels" Jenukidse fühlbar machte, hatte sich noch nicht gelegt, als in ber zweiten und dritten Juniwoche Schlag auf Schlag eine Reihe neuer Ereignisse bie Parteieröffentlichkeit erschütterten: Die Gesellschaft ber alten Bolschewiste n", der Stalin selbst wie alle führenden Männer ber Regierung und der Partei angehörten und der gegenüber ber Diktator auf Grunb ber Parteibiszi- plin verpflichtet war, sich mit ihren Mitgliebern vor jeder Halbwegs bedeutungsvollen Entscheidung zu beraten, wurde von heute auf morgen verbo­ten unb aufgelöft; es folgte sodann ein grund­sätzlicher Umbau bes gesamten Propa­gandaapparates ber Partei und neue Pro- pagandarichtlinien führen gegen bie Gefahr einer Verbürgerlichung der Kommunisten" schwerstes Geschütz auf; zwei Tage später sind auch die Jungkommunisten, der sogenannte Kom­somol, zurückgepfiffen worben, unb in einer um­fangreichen Verorbnung würben ihnen neue Auf­gaben gestellt, bie nichts mehr von bem bis­herigen beherrfchenben Einfluß biefer Hauptstütze des Stalin-Regimes erhalten, unb bie ihre Arbeit nur noch auf bie Jugenb- unb Erziehungsarbeit be­schränken; schließlich wirb im Anschluß an bie Ab­setzung unb Verbannung Jenukidses nach Dftfibirien eine neueSäuberung" burchgeführt, bie hauptsächlich im Verwaltungsapparat der Partei ihre Opfer fordert, und die schon bisher, wie die Prawda" schrieb, dazu geführt hat, daß 58 alte Kommunistenverschwunden" finb.

Was war geschehen? Steht der Fall Jenukibfe, dem bie gesamte Moskauer Presse im Auftrag ber ParteiVerbürgerlichung, Nachlassen der revolu­tionären Wachsamkeit, Förderung ber parteifeinb­lichen Einflüsse" usw. vorwirst, einzeln da ober ist er nur im Zusammenhang mit ben späteren Er­eignissen zu betrachten? Sind die späteren Maß­nahmen die alle von Stalin selbst, ber sich immer mehr in die Rolle beseinzigen und geliebten Führers" gefällt, ungeordnet worden sind als der Beginn eines neuen Kurses in feiner inneren Politik zu werten?

Schon lange liegen Anzeichen dafür vor, daß die kommunistische Partei eine schwere innere Krise durchmacht. Hatte die Ermordung Kirows die allgemeine Nervosität bis zur Unerträglichkeit gesteigert, so vergeht seitdem eiaentllch kaum eine Woche, in der nicht neue Maßnahmen verfugt wur­den die von der inneren Unklarheit und Unsicher­heit zeugen. Der Fall Jenukidfe Hut eine persönliche unb eine prinzipielle Seite. In ber, lat trug er den Spitznamen einesguten Onkels nicht Zu Un­recht. Denn im Gegensatz zu der erdrückenden Mehr­heit aller maßgebenden Männer in der Regierung und in der Partei hatte er einige menschliche Seiten, die ihn ost als F ü r s p r e ch e r für D e r b a n n t e und Verurteilte auftreten ließen. So geriet er in den Verdacht, mit denFeinden bes Regi­mes" zu paktieren. Auch im Sekretariat ber Par­tei soll er bei seinen Untergebenen weniger auf bie erforberlidje unverdächtige kommunistische Gesin­nung, als vielmehr auf die sachliche Eignung ge­sehen haben. Dadurch tarn er naturgemäß auch mit jenen Elementen der heutigenGestrigen tn Ver- binbung, die durch die alte Schule ber Zarenver- waltung gegangen waren. Jetzt wird er m der grenzenlosen Verlassenheit und Oede Dftfibinens über bie Wandelbarkeit menschlicher unb politischer Freundschaft nachdenken können...

Darüber hinaus aber erhält man in Moskau nur wenig Aufschluß über bie wirklichen Hinter- g r ü n b e bes plötzlichen Sturzes einer ber ersten bolschewistischen Größen. Die Presse ergeht sich m unklaren Drohungen gegenüber allen, die mbur gerlichen Lebensgewohnheiten untergehen und sie wettert gegen einen neuen lU"er en Feind, ohne über halbe Anbeutungen ^aauszu- gehen. Hat aber nicht Stalin selbst bei jeher Gele­genheit von ber Notwendigkeit eine skulturvollen, eines schönen Lebens" gesprochen? Die Blatter be­sinnen sich auf die alten kommunistischen Dogmen, begrüßen die neue Parteisäuberung sowie die Kon­zentration aller Jugendkräfte auf bie Jugenberzie- hung unb treten für eine strenge Befolgung per neuen Richtlinien über bie Parteipropaganda em, um alle verweichlichten und dem kämpferischen Geist abholden Elemente auszumerzen", aber verlangten das Gleiche nicht gerate auch bieay ten Bolfchewiste n", bie aufgelöst unb verboten würben? Wie reimen sich diese altenunverfälschten kommunistischen Lehren zusammen mit dem Hervor- I)olen derrein bourgeoisen" Ideale von per Er­haltung der Familie als ber ersten Stütze bes Staates, von bem neuerwachten Patriotismus, ja

antwortete Eyres Monsell, baß biesen Vertrag Eng» lanb, die Vereinigten Staaten, Japan, Frankreich und Italien unterzeichnet hätten, daß bisher aber durch ihn nur England, d i e Vereinigten Staaten und Japan gebunden seien, da Frankreich unb Italien ihn nicht ratifiziert hätten. Die deutschen Vertreter hätten wiederholt, sie seien ebenso wie die Engländer für die Ab­schaffung der Unterseeboote, aber be» dauerlicherweise stimmten andere Länder hiermit nicht überein.

Guter Gindruck in England.

Daily Telegraph" sagt, die deutsche Zusicherung, bie im ßonboner Vertrag für ben U-Bootkrieg auf­gestellten Regeln einzuhalten, werde in ber britischen Öffentlichkeit einen tieferen unb günftige* r e n Einbruck machen, als irgenbeine andere Zusicherung, die etwa hätte gegeben werden können. Sie werde um so mehr Glauben finden, als Deutsch­land bei allen Abrüstungserörterungen ebenso wie Großbritannien die völlige Abschaffung von U b o o t e n befürwortet habe. Einige andere Länder hätten sich allerdings dem Vorschlag widersetzt, da das U-Boot das Gleichgewicht zu­gunsten der schwächeren Seemächte wieder her» zustellen in der Lage sei. Deutschlands Versprechen, die Verpflichtung anzunehmenohne Rücksicht dar­auf, ob alle anderen Länder ihr beitreten", ist der beste Beweis für feine Bona fides, den es geben kann. In diesem Sinne wird er in Eng­land ausgenommen werden.

Das liberaleNews Chronicle" nennt ben beutschen Beschluß, auf einen unbegrenzten U-Boot­krieg zu verzichten, weise unb spricht sich für eine völlige Abschaffung der U-Boote ober doch wenig­stens der großen Hochsee-U-Boote im Gegensatz zu ben U-Booten für die Küstenverteibigung aus. Die Hochsee-U-Boote seien für eine Verteidigung gar nicht erforderlich. Der arbeiterparteilicheDaily H e r a I b" sagt, ber deutsche Schritt sei etwas wert. Alle anderen Seemächte sollten jetzt ähn­liche Besprechungen abgeben. Am besten wäre es, bie U-Boote völlig abzuschaffen unb ein Vor­gehen gegen Handelsschiffe nur für ben Fall von Sanktionen, bie vom Völkerbund gebilligt seien, für zulässig zu erklären.