Hr. 97 Dritter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Zreitag, 26. April (935
Zum l.Diai in Gießen.
Folgende Kapellen stellen sich an diesem Tage für den Umzug zur Verfügung:
1. SA.-Kapelle mit Spielmannszug.
2. Musikkorps des Regiments mit Spielmannszug.
3. Stahlhelmkapelle mit Spielmannszug.
4. HJ.-Kapelle mit Spielmannszug.
5. Spielmannszug des Jungvolks.
Zahnengruppen:
1. PO.
2. SA.-Sturmfahnen Gießen.
3. Arbeitsdienst, Abteilung Gießen.
4. SS.-Fahnen der Gießener Stürme.
5. Arbeitsfron^-
6. HI., Jungvolk, BdM., IM. Gießen.
7. NSFB. Gießen mit den Fahnen aller Regimentsvereine.
Ehrenabteilungen:
1. PO. Gießen, 60 Mann.
2. SA., 120 Mann.
3. SS., 120 Mann.
4. Arbeitsdienst Gießen, 120 Mann mit Spaten.
5. Arbeitsfront, 120 Mann.
6. Inf. Reg., 120 Mann. Die übrigen Teilnehmer des Regiments marschieren in 8er-Reihen.
7. HI., 120 Mann.
8. ID., 120 Mann.
9. BdM. 60, IM. 60, zusammen 120.
10. NSFB., 120 Mann.
Marschiert wird bis auf die Ehrenabteilungen in 8er-Reihen.
Aufmarsch, Umzug, Kundgebung auf dem Oswaldsgarten.
Aufmarsch und Aufstellung des Festzuges am Ludwigsplatz und in den dort endenden Straßen.
Leitung des Abmarsches vom Ludwigsplatz Pg. Hopfen müller und die O. G. Gießen-Oft (10 Mann).
Marschweg: Gartenstraße, Hindenburgwall, Bahnhofstraße, Neustadt, Oswaldsgarten.
Leitung des Aufmarsches auf dem Oswaldsgarten Pg. Horst und die O. G. Mitte.
Marschgruppen des Iestzuges.
1. Gruppe Betriebe, Leitung Kreiswalter der DAF., Pg. Wagner.
2. Gruppe Handel, Handwerk, Gewerbe, Leitung Pg. Schimmel.
3. Gruppe Behörden, Leitung stellv. Kreisamtsleiter des Amtes für Beamte, Pg. Ulrich.
4. Gruppe Freie Berufe, Angestellte, Landstand, Fahnen der Vereine und Uebrige. Leitung: Pg. Schwarz.
Stände für Erfrischungen usw. werden vom Pg. Schimmel, Goethestraße, vergeben.
Fe st wagen können mitgeführi werden, doch dürfen sie in keiner Weise zur Reklame ausgenutzt werden. Verstöße haben Ausschluß zur Folge.
Aufstellung der Marschgruppen.
Bei der Aufstellung ist die rechte Straßenseite einzuhalten. Eine bestimmte Reihenfolge der Betriebe gibt es nicht. Die Aufstellung erfolgt in der Reihenfolge des Eintreffens in 8er-Reihen. Den Anordnungen des Ordnungsdienstes ist unbedingt Folge zu leisten. Rauchen ist im Zuge und während der Kundgebung verboten.
Sämtliche Kapellen, Fahnengruppen, Ehrenabteilungen treten auf dem Ludwigsplatz an.
Spitze des Zuges; 10.30 Uhr angelrelen an der Allen Bürgermeisterei.
PO.-Fahnen, PO.-Ehrenabteilung. SA.-Kapelle, SA.-Fahnengruppe, SA.-Ehrenabteilung (120). SS.- Fahnen der Gießener Stürme, SS.-Ehrensturm (120). Arbeitsdienst Gießen mit Fahne (120). Fah
nen der Arbeitsfront, Ehrenabteilung der Arbeitsfront (120).
Gruppe 1: Betriebe; 10.30 Uhr angelrelen.
Aufstellung im hitlerwall.
Spitze SS.-Standarte. Anmarsch aller Betriebe durch die Walltorstraße in den Hitlerwall.
Es nehmen teil: Reichsbahn, Nattmann, Bän- ninger, Gaswerk, Elektrizitätswerk, Sparkasse, Poppe, Schaffstaedt, Regimentsverwaltung, Heil- und Pflegeanstalt, alle Banken, Denninghoff, Oberhessische Tageszeitung, Gießener Anzeiger, Stem- pelkreuter, alle übrigen städtischen Betriebe, Grieb, Gailsche Werke, Tabak- und Zigarrenfabriken. Es folgen sämtliche kleinere Betriebe, die nicht aufgezählt.
Kapelle des Inf. Reg. 10.45 Uhr am Ludwigsplatz mit Ehrenabteilung (120). Es folgen die übrigen Teilnehmer des Regiments in 8er-Reihen. Aufstellung K a i f e r a l l e e.
Gruppe 2: handel, Handwerk und Gewerbe.
Aufstellung in der Löberstrahe, Spitze Lud- wigsplah. Hm 10.45 Uhr angelrelen.
Anmarsch nur durch die Bleichstraße in die Löber- straße.
Dazu gehören sämtliche Geschäfte Gießens, sämtliche Innungen, das ganze Kraftfahrzeuggewerbe. Wagen können mitgeführt werden.
Kapelle der HI. mit Spielmannszug, Ehrenabteilung der HI. mit Fahnen, Jungbannfanfarenzug, Jungoolkfahnen, 120 Mann JV., 60 BdM. mit Fahnen, 60 IM. mit Fahnen, angetreten um 10.45 Uhr Ludwigsplatz.
Gruppe 3: Behörden; angelrelen um 11 Uhr in der Ludwigstrahe.
Dazu gehört die ganze Universität mit Kliniken. Vor der Universität marschiert die Fahnengruppe der Universität auf. Reihenfolge innerhalb der Gruppe Universität bestimmt der Kanzler.
Mit den Führern der HI. sind folgende zentralen Kundgebungen im Kreise Gießen festgelegt worden:
In Gießen auf Oswaldsgarten mit Wieseck, Heuchelheim, Klein-Linden, Allendorf a. d. Lahn. Leitung: HJ.-Jungbannführer Täsler und die Ortsgruppe Gießen-Nord.
In Großen-Linden mit Leihgestern und Lang-Göns. Leitung: Unterbannführer T e x t o r und die Ortsgruppe Großen-Linden.
In Watzenborn-Steinberg mit Garbenteich und Haufen. Leitung: Kameradschaftsführer Jung und die Ortsgruppe Watzenborn-Steinberg.
In Grüningen mit Holzheim, Dorf-Gill, Eber- stadt, Ober-Hörgern. Leitung: Stammführer W e - der, Großen-Linden, und die Ortsgruppe Grüningen.
In L i ch mit Steinbach und Albach. Leitung: Kameradschaftsführer Lerch, Lich, und die Ortsgruppe Lich.
In M u f ch e n h e i m mit Bettenhausen, Birklar, Bellersheim, Obbornhofen. Leitung: Fähnleinführer Krämer, Bellersheim, und die Ortsgruppe Bettenhausen.
In Hungen mit Langsdorf, Dillingen, Langd, Trais-Horloff, Inheiden, Utphe, Rodheim, Steinheim, Rabertshausen. Leitung: Gefolgschaftsführer Schmidt, Steinheim, und die Ortsgruppe Hungen.
In Ettingshausen mit Ober-Bessingen, Nieder-Bessingen, Nonnenroth, Harbach, Hattenrod. Leitung: Fähnleinführer Fuchs, Ettingshausen, und die Ortsgruppe Ettingshausen.
In G r ü n b e r g mit Queckborn, Weickartshain, Lauter, Saasen, Göbelnrod, Beltershain, Rein- hardshain, Stangenrod. Leitung: Gefolgschaftsfüh-
Aufstellung in der L u d w i g st r a ß e, Anmarsch nur aus der Richtung Liebigstraße in die Ludwig- wigstraße. Spitze Ludwigsplatz.
Es gehören ferner dazu: Polizei, Arbeitsamt, alle Gerichtsbehörden, Biebertalbahn, Provinz, Kreis, Zoll, Finanz, Reichsbank, Forst, Vermessungsämter, Post, Krankenkassen, Schulen, auch Privatschulen, geistliche Behörden, Feuerwehr, Technische Nothilfe, Klein-Linden, Allendorf.
Kapelle des NSFB., Fahnen, Ehrenabteilung des NSFB. (120, nicht mehr). Fahnen der Regiments- Vereine (drei Mann je Fahne); angetreten 11 Uhr Ludwigsplatz.
Gruppe 4: Freie Berufe, Angestellte, Landsiand;
angetrekeu um 11 Uhr:
Aufstellung in der Garten st raße vom Ludwigsplatz an, Nahrungsberg nach der Kaiserallee hin. Spitze Ludwigsplatz. Anmarsch Nahrungsberg in die Gartenstraße.
Aerzte, Zahnärzte, Dentisten, Rechtsanwälte, Architekten und alle sonstigen freien Berufe, Angestellte, soweit sie nicht bereits erfaßt sind, Arbeitslose, Hausangestellte, landwirtschaftliche Betriebe soweit sie nicht zur Universität gehören, Annerod, soweit es in Gießen teilnimmt.
Den Abschluß dieser Gruppe bildet eine Fahnengruppe, die aus allen Fahnen besteht, die nicht aufgezählt wurden, alle Dereinsfahnen. Jede Fahne hat einen Träger und zwei Begleiter. Antreten in der Bergstraße, Spitze an der Gartenstraße.
Vereinsfahnen gehören zur Gruppe 4. Antreten in der Bergstraße.
Die Sanitätskolonnen versehen im Zuge und auf dem Oswaldsgarten den Hilfsdienst. Ebenso die Sa- nitäts-SA.
Aufmarsch, Umzug und Kundgebung dauern zusammen etwa 2Vz Stunden.
Anfragen an die Kreisleitung täglich zwischen 16 und 17 Uhr.
Schmelz, Kreispropagandaleiter.
rer Bopp, Grünberg, und die Ortsgruppe Grünberg.
In Großen-Bufeck mit den Ortsgruppen Großen-Buseck, Alten-Buseck, Bersrod, Annerod. Leitung: Unterbannführer Schneider, Großen- Buseck, und die Ortsgruppe Großen-Buseck.
In Lollar mit den Ortsgruppen Lollar und Mainzlar. Leitung: Stammführer Schmulbach, Lollar, und die Ortsgruppe Lollar.
In L o n d o r f mit den Ortsgruppen Londorf, Allendorf, Geilshausen, Weitershain. Leitung: Gefolgschaftsführer Kraus, Londorf, und die Ortsgruppe Londorf.
Schmelz, Kreispropagandaleiter.
Kleidung am 1. Mai.
Arn 1. Mai trägt jeder Volksgenosse, auch die Parteigenossen, soweit sie nicht in den uniformierten Ehrenformationen der einzelnen Gliederungen milmarschieren oder zu besonderen Zwecken herangezogen find, Zivil- oder Berufskleidung. Jeder marschiert bei seinem Betriebe mit. Ausnahmen bilden nur die Ehrenabteilungen und die Velriebsvertrauensleute und deren Stellvertreter, die von allen Betrieben zusammen direkt hinter den Ehrenabteilungen marschieren.
Schmelz, Kreispropagandaleiter.
Bestellung von Fichtengrün für den 1. Mai.
Am 1. Mai sollen Fenster, Türen und alle öffentlichen Lokale und Gasthäuser mit frischem Grün geschmückt werden. Es werden geliefert Fichtenreiser in Dellen und Bäume in beschränkter Anzahl.
Zllgendklnldgebmgen aml Mai inckreise Gießen.
Hallo, willst du mitfahren?
Von Bruno Wellenkamp.
Wir bringen mit Genehmigung des Verlages einen kleinen Auszug aus einem neuen Roman von Bruno W e l l e n k a m p, der in diesen Tagen unter dem Titel „Lauter Sonntage" (kartoniert 1,60 RM., gebunden 2,50 RM.) in der Sammlung „Aus neuer Saat" im Brunnen-Verlag / Willi Bischoff / Berlin, erschien. Es ist eine zarte Liebesgeschichte zwischen zwei Kindern von knapp 17 Jahren, deren Glück durch den Krieg zerstört wird. Der Junge zieht als Freiwilliger hinaus, fällt nach ein paar Monaten, und dem Mädchen bleibt nichts als die Erinnerung an die schönen Tage, die „lauter Sonntage" waren.
Ein Segelboot steuert auf den Vorsprung zu, der mit lauter Pfählen eingefaßt ist. Es kommt immer näher. Und plötzlich ruft jemand: „Hallo, willst du mitfahren?"
Mücklein dreht sich um, aber es steht niemand hinter ihr. „Gilt das mir?" Und wieder ruft der Jrrnge im Boot, ob sie nicht Lust hätte, ein Stückchen mitzufahren. Mücklein zögert. „Was will er von mir?" denkt sie. Der junge Bootsfahrer läßt das weiße Segel mit dem Winde spielen und hält sich an einem Pfahl fest. „Bei solch einem zahmen Wind kannst du ruhig mitfahren."
„Ich weiß nicht. Ich kenne dich ja gar nicht."
„Ich kenne dich aber. Komm ruhig. Es passiert nichts. Ich segle schon seit meinem neunten Jahre." „Woher kennst du mich denn?" fragt Mücklein nach einer Weile.
„Herr Christopher, der Provisor, hat mir gestern von euch erzählt. Du bist ja mit dem Kaufmann Hoppe verwandt. Und Herr Christopher ist mein Freund."
„So!", sagt Mücklein und steht auf.
„Wir sind nämlich hier in Fuhrberg eine große Familie und halten auf gute Freundschaft. Los, steig ein!"
„Du siehst so aus, als wenn du viele Mädchen mitnimmst." Mücklein lächelt und geht bis ans Ufer. Der junge Bootsfahrer wird ein wenig rot und sagt leise, mehr zu sich selbst: „Nur die nehm' ich mit, dle ich leiden mag."
„Meinetwegen", sagt Mücklein und steigt ein.
„Das ist hier an der Wümme so Sitte", entschuldigt sich der junge Mann und stößt das Boot vom pfahligen Ufer ab. „Setz' dich neben den Schwertkasten!"
Mücklein tut das und streicht ihren bunten Rock über die Knie. Der Bootsfahrer bekommt wieder Wind ins Segel. Das Wasser, das wie braunes Bier aussieht, raschelt unter dem Boot. Es gleitet durch die grünen Wiesen dahin, die gerade reif sind für die zweite Mahd. Zuerst sprechen sie nicht. Er segelt, und sie sieht in die Gegend. Dann sagt er: „Ich habe dich heute morgen schon in der Kirche gesehen. Ich saß oben im Chor."
„So."
„Ich werde nächste Ostern bei Pastor Schröder konfirmiert. Da müssen wir jeden Sonntag zur Kirche."
„Wenn wir hier bleiben, dann soll ich auch bei Pastor Schröder konfirmiert werden."
„Dann haben wir sicher zusammen Stunde."
Das Boot neigt sich jetzt etwas zur Seite, sie kommen gut vorwärts.
„Wie heißt du eigentlich?" fragt Mücklein.
„Klaus Renken. Und du?"
„Margret Brinkmann. Wir kommen direkt aus Bremerhaven."
„Das habe ich schon gehört von Herrn Christopher. Ich trinke öfters bei ihm feine selbstfabrizierten Schnäpse. Wir kaufen alles bei Hoppes."
„Und wo gehst du zur Schule?"
„Ich gehe in Bremen aufs Gymnasium. Obertertia."
„Ich soll vielleicht auch in Bremen noch ein Jahr aufs Lyzeum gehen."
„Da fahren wir ja zusammen mit dem Zug morgens dreiviertel sieben. Fein. Dann wirft du auch eingeweiht werden."
„Eingeweiht werden. Was heißt das?"
„Die Jungens, die zum ersten Male mit dem Schülerzug fahren, bekommen mit dem Atlas tüchtia welche hinten vor. Die Mädchen auch. Aber nicht so tüchtig. Das ist ganz alte Tradition in Fuhrberg- Lintel."
Mücklein lacht laut und sagt, daß sie sich das nicht gefallen lassen würde.
Nun schwiegen sie wieder eine Weile, Klaus zieht das Seoel an, und der Wind pustet auch recht schön hinein.'Auf einmal beginnt sein Herz zu klopfen
und ihres ebenfalls. Sie haben sich eben angesehen, länger, als man einen Menschen gewöhnlich ansieht. Klaus blickt nach oben in die Wolken, und Mücklein hält die Hand ins Wasser. Noch immer steigt ihr das Blut zu Kopfe. Weshalb klopft denn das Herz noch immer?
Gleich sind sie an der Lindnerbrücke, die sich wie ein großes Urtier über den Fluß streckt.
„Fahren wir da hindurch?" fragt Mücklein.
„Nein. Wir drehen hier um. Oder wir müssen den Mast umlegen."
„Gehört das Boot dir?"
„Meinem Vater."
„Was ist dein Vater?"
„Sanitätsrat. Aber er ist natürlich jetzt auch Soldat. Stabsarzt in Hamburg. Er ist seit vierzehn Tagen fort."
„Ja, alle Männer müssen in den Krieg."
„Ich ärgere mich nur, daß ich erst vierzehn Jahre alt bin. Ein fürchterlicher Zustand ist das. Wenn ich siebzehn wäre, würde ich auf der Stelle Soldat werden."
„Wenn du siebzehn bist, ist der Krieg längst aus, Freundchen."
Jetzt wendet Klaus das Boot, Mücklein muß sich auf die andere Seite vom Schwertkasten setzen. Als sie wieder geraden Kurs haben, fängt Mückleins Herz von neuem zu klopfen an. Es war doch eben völlig verschwunden. Und auf einmal ist es wieder da. Zum Glück fallen ihr die Bonbons ein, die ihr Herr Christopher gestern morgen geschenkt hat. Gleich ein ganzes halbes Pfund. Sie holt die Tüte hervor und reicht sie Klaus. „Iß, so viel du magst."
Klaus holt drei Bonbons heraus.
„Ach, so wenig. Gib mal deine Hand her!"
Klaus gehorcht, und Mücklein schüttet ihm die ganze Hand voll. „Danke, danke, Margret! So viel esse ich ja nicht."
„Doch. Uebrigens heiße ich gar nicht Margret. Doch, ich heiße so. Aber sie nennen mich anders."
„Wie denn?"
„Rate mal!"
„Wie soll ich das raten?"
„Wenn ich's sage, wirst du mich auslachen."
„Ich lache bestimmt nicht."
„Ehrenwort!"
„Ich schwör's, Margret."
Sie sieht ihn von der Seite an und lächelt.
„Hö? zu!" beginnt sie. „Als mein Vater — er war damals Kapitän — vor ungefähr zwölf Jahren
Die Bestellungen dazu sind bis Samstag, 2 7. April, 12 Uhr, bei der Stadlver- wallung abzugeben, damit diese ordnungsgemäß erledigt werden können. Die Stadtverwaltung sorgt dafür, daß das bestellte Grün auch an die Besteller ausgehändigl wird.
Schmelz, Kreispropagandaleiter.
Deutsche Arbeitsfront.
Kreiswaltung Gießen.
Die Schulung der Kreisschule der DAF. am Samstag, 27. April, im Hotel „Hindenburg" fällt wegen der Vorbereitung zum 1. Mai aus. Höchster Schulungstermin wird noch bekanntgegeben.
Kreiswaltung der DAF.
Wegfall der Vostzuststtung am ^.Mai.
Dom Postamt Gießen wird uns mitgeteilt: Abgesehen von der Eilzustellung wird am i. Mai die Postzustellung ganz unterbleiben. Personen und Firmen, die nicht regelmäßig abholen, wird jedoch Gelegenheit gegeben, am 1. Mai während der Zeit von 8 bis 10 Uhr Briefsendungen und Zeitungen am Schalter 4 des Postamts 1 (Bahnhofstraße) außergewöhnlich abzuholen. Es ist aber erwünscht, um auch dem Postpersonal in möglichst weitem Umfang die Arbeitsruhe und die Teilnahme an den Veranstaltungen zu ermöglichen, wenn von dieser außergewöhnlichen Abholung nur insoweit Gebrauch gemacht wird, als dafür ein tatsächliches Bedürfnis besteht. Zweckmäßig ist es, wenn diejenigen, die außergewöhnlich abholen wollen, dies dem Postamt 1 bis zum Tage vorher schriftlich mitteilen, um längeres Warten bei der Nachfrage nach Sendungen zu vermeiden. Nach 10 Uhr findet keine außergewöhnliche Ausgabe von Briefsendungen und Zeitungen mehr statt.
Betriebsgemeinschast der Landesuniversität.
Von dem Amt für Aufklärung und Werbung der Gießener Studentenschaft wird uns mitgeteilt:' Alle Arbeiter, Angestellten, Dozenten und Studenten werden den Nationalen Feiertag des deutschen Volkes mit Maitanz im Studentenhaus beschließen. Die Studentenschaft wird es sich nicht nehmen lassen, mit ernsten und luftigen Weisen die Unterhaltung zu bestreiten, um so an der Verschönerung des Abends mitzuwirken.
Aus der provirizialhÄUptstadi.
Der bunte Koffer.
Von Anfang an war dieser Handkoffer keineswegs bunt, denn es war ein eleganter schwarzer Lackkoffer, dessen Ecken und Kanten mit makellosem, gelbem Leder versehen waren. Bunt war dieser Koffer erst auf seinen Reisen nach der Schweiz, nach Frankreich und England geworden. In jedem Grand-Hotel hatte man ihm ein grelles, ovales Schild aufgeklebt, auf daß man ihm feine Weitgereiftheit gleich von weitem ansähe. Selbstverständlich war dieser bunte Koffer darauf sehr stolz, wie er überhaupt äußerst vornehm war.
Gerade diesem Handkoffer sollte ein böses Mißgeschick zustoßen. Ich habe sein Schicksal selbst miterlebt, als ich vor einigen Tagen auf Reisen mar. Die Bekanntschaft war natürlich höchst einseitig und nur meinerseits. Denn der bunte Lackkoffer hätte es als unter seiner Würde gehalten, sich meinem einfachen braunen, stark abgenutzten Handkoffer aus Vulkanfiber vorzustellen. Ueberhaupt der Umstand schon, daß dieser Lackkoffer zum allererstenmal in seinem Leben die dritte Wagenklasse eines gewöhnlichen Personenzuges benutzen mußte, war ihm unverständlich gewesen. Tief kränkte ihn diese Herabsetzung! Deün schon in der zweiten Wagen- klasse pflegte er das Näschen zu rümpfen. Wohl fühlte er sich nur im Salonwagen der Expreßzüge.
Wie war dieser Koffer in einen Personenzug geraten? Man könnte viel von falscher Erziehung und Verwöhnung sprechen. Sprechen wir aber lieber von den anderen Koffern, die mit diesem Lackkoffer zusammen reiften. Diese anderen Koffer waren noch viel trübere Gesellen als mein Vulkanfiberkoffer. Das waren Koffer aus Segeltuch, denen
aus Afrika kam, brachte er ein kleines, ganz seltenes Tier mit. Es war eine Art Papagei, der auf den Namen .Mücklein' hörte. Vielleicht deshalb, weil er so furchtbar viele Mücken vertilgen konnte, ich weiß es nicht. Na, ich lag damals noch in der Wiege. Und nun behaupten meine Eltern, ich hätte diesem komischen Vogel ähnlich gesehen. Seitdem werde ich Mücklein gerufen."
„So, hm", antwortete Klaus. „Mücklein klingt ja aanz nett, Dann werde ich dich in Zukunft auch so nennen."
Klaus steuert das Boot in eine klein Ausbuchtung, wo die schönen Wasserrosen stehen. Er greift ins Wasser und reißt drei Rosen heraus. „Kannst du meinetwegen behalten. Da!" Und er legt die nassen Rosen auf den Schwertkasten.
Meine Freundin Frieda.
Meine Freundin Frieda hat Mutterwitz. Manchmal, wenn wir so durch die Straßen bummeln oder durch den Wald, erzählen wir einander Döntjes, kleine Geschichten, ganz faule darunter, und freuen uns, daß es so herrlich unbeschwerte Sachen gibt. Das entspannt.
Ich erzähle Frieda die Geschichte von dem Tier- ftimmen-Jmitator: „Meine Herrschaften", sagt er (sage ich), „rufen Sie mir irgendein Tier zu, und ich werde es Ihnen vormachen."
Der eine ruft: „Ein Schwein!" Der Imitator grunzt, wie eine ganze Schweinezählung.
Der andere: „Nen Löwen!" Der Mann brüllt, daß, hätte er gleich danach eine Antilope machen müssen, die vor Schreck nichts hätte herausbringen können.
Der dritte: „Einen Kater auf Schleichwegen." ... Jede Katze wäre betört worden.
Schließlich ruft einer von der Galerie: „Machen Sie mal ne Oelfardine!"
Wir lachen beide, weil das die Pointe ist, und über die lacht man.
Friedas Gesicht wird ein Hein, wenig nachdenklich, das Näschen kräuselt sich. Sie denkt, ich bin blöd (denke ich), und wir machen einige stumme Schritte.
Plötzlich sagt sie ganz schüchtern: „Du, wie macht eigentlich ne Oelsardine?" —
Was tut man in solchen entscheidenden Augenblicken? Man gibt seinem Mädel einen Kuh Kr.


